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Der stolze Rebell – Hoffnung im Schatten des Krieges

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The Proud Rebel

Von Ansgar Skulme

Western-Melodram // Ein früherer Südstaatensoldat (Alan Ladd) reist nach dem Bürgerkrieg mit seinem Sohn David (David Ladd) in den Norden, stetig auf der Suche nach einem Arzt für das Kind. Der Junge musste in Abwesenheit des Vaters mit ansehen, wie das Haus der Familie niederbrannte und die Mutter dabei zu Tode kam – seitdem hat er die Sprache verloren und hängt mehr denn je an seinem treuen Freund, einem kleinen Hund. Nur die alleinstehende Linnett Moore (Olivia de Havilland) und ein freundlicher Mediziner (Cecil Kellaway) kümmern sich um die Kriegsverlierer, aber auch auf dem Land von Miss Moore droht den Gebeutelten Unheil: Die Burleigh-Familie (unter anderem: Dean Jagger) hat es auf die Ländereien abgesehen und der Geschäftsmann Bates (James Westerfield) auf den Hund vom kleinen David …

Das Ganze liest sich auf den ersten Blick schrecklich vorhersehbar und rührselig, aber da man dem ohnehin in seinen 50er-Jahre-Filmen häufig recht resigniert wirkenden Alan Ladd diese Rolle hervorragend abkauft und seinem Sohn David im Alter von nur zehn Jahren eine enorm gute schauspielerische Leistung gelang, funktioniert dieses Spätwerk von Michael Curtiz durchaus ansprechend. David Ladd wurde verdient für gleich zwei reguläre Golden Globes nominiert und letztlich mit einem Special Award als bester jugendlicher Darsteller ausgezeichnet. „Der stolze Rebell“ wirkt bemerkenswert aufrichtig und ist dadurch bewegend, was letztlich in erster Linie dem guten Gespür von Michael Curtiz zu verdanken ist, die Bilder nüchtern zu belassen, da die Story ohnehin melodramatisch genug ist. Es besteht schlicht keine Notwendigkeit einer Dopplung von melodramatischer Handlung und Bildsprache, wie man es etwa von Douglas Sirk („Was der Himmel erlaubt“) kennt. Im Ergebnis heißt das: Viel glaubwürdiger als „Der stolze Rebell“ kann man ein Melodram im Grunde kaum inszenieren.

Momente das Abschieds

Glaubwürdig ist der Film aber auch, weil man Olivia de Havilland – hier im fünften ihrer nur sechs Filme aus den 50er-Jahren zu sehen – die bescheidene, alleinstehende Frau als ehrlich und liebevoll abnimmt; rüstig verwaltet sie ein großes Stück Land und ist glücklich, als sie sieht, wie sich der kleine Junge über sein neues Zuhause freut, das bisher ihr alleiniges Heim war. Einmal mehr überzeugt de Havilland als starke Kämpferin für das Gute, der alles Böse komplett fremd zu sein scheint – das Rollenprofil, mit dem sie seit den 30er-Jahren berühmt geworden war. Es war nicht nur ihr letzter Kino-Western, dem lediglich noch eine Episode der Serie „Big Valley“ von 1965 folgte, sondern auch ihr letzter Film mit Michael Curtiz, dem Regisseur, der sie mit Filmen wie „Unter Piratenflagge“ (1935) und „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) berühmt gemacht hatte.

Mit Alan Ladd, der sich zunächst vor dem raubeinigen Umgang des Regisseurs mit seinen Stars gefürchtet hatte, drehte Curtiz unmittelbar danach noch den Kriminalfilm „Das tödliche Netz“ (1959). Binnen nur weniger weiterer Jahre sollten die Hollywood-Karrieren beider Stars und des Regisseurs enden: Michael Curtiz starb 1962, Alan Ladd 1964 und Olivia de Havilland war nachfolgend nur noch in vier Hauptrollen im Kino zu sehen – 1964 in ihrer letzten. Ein Spätwerk war der Film aber auch für den angehenden Jungstar Tom Pittman, welcher einen der beiden Söhne der Burleigh-Familie spielt. Pittman wurde seinerzeit als Nachfolger von James Dean gehandelt, starb aber fünf Monate nach der Premiere des Films mit 26 Jahren bei einem Autounfall. Der Film „Verboten!“, eine Zusammenarbeit mit Samuel Fuller, und seine erste Kinohauptrolle „High School Big Shot“, die ihm im Doppelpack wahrscheinlich eine große Tür aufgestoßen hätten, erschienen 1959 erst posthum.

Ein rares Synchronvergnügen

In den USA wurde der Film 2011 von Echo Bridge Home Entertainment auf DVD veröffentlicht und dabei offen als Familienfilm angepriesen – mit einem Cover, das stark an Disney-Veröffentlichungen von Produktionen jener Zeit erinnert. Zuvor gab es bereits 2007 eine Veröffentlichung, im August 2015 folgte eine weitere. Kurzum: Selbst in seinem Herkunftsland schieben kleine Labels den Film hin und her. Für den Kino-Verleih in den USA war ursprünglich Buena Vista zuständig, in Deutschland wurde der Film von MGM auf die Leinwand gebracht. Offen bleibt, ob es aus dieser Sachlage einen Ausweg für das Werk auf eine deutsche DVD gibt. Lohnend wäre eine Veröffentlichung in der Bundesrepublik schon allein deswegen, weil es sich hierbei um einen der wenigen Filme handelt, in denen Werner Peters (1918–1971) in der Hauptrolle, als Stimme von Alan Ladd, zu hören ist – ein auch vor der Kamera in den 50er- und 60er-Jahren durchaus namhafter deutscher Schauspieler („Der Untertan“, 1951), der es bis ins internationale Kino und in Filme wirklich großer Regisseure schaffte. Peters arbeitete in den 50ern zwar häufig als Synchronsprecher und war auch oftmals in recht großen Rollen im Einsatz, den an erster Stelle genannten Star eines Films durfte er aber leider nur ausgesprochen selten sprechen. Wer nach weiteren Beispielen Ausschau hält, dem sei noch der Film noir „Der Henker nimmt Maß“ (1957) empfohlen, in dem Werner Peters in einer Doppelrolle für Jack Palance zu hören ist. Auch hierbei handelt es sich um eine MGM-Veröffentlichung – ein Studio, das oftmals mit ungewöhnlichen Synchronbesetzungen auffiel und auch gern einmal lange bewährte Kontinuitäten missachtete, im Falle von Peters aber einen guten Schachzug tätigte.

Von der Reduzierung des Michael Curtiz

Abschließend bietet es sich an, ausgehend von diesem Film und anknüpfend an meinen Text zu „Goldene Erde Kalifornien“ (1938), den allgemeinen filmhistorischen Umgang mit Michael Curtiz zu kritisieren, nicht zuletzt was die Veröffentlichung seiner Filme bis heute anbelangt – speziell in Deutschland. Curtiz war ein überaus fleißiger Regisseur, der gewissermaßen bis zum letzten Atemzug auf höchstem Niveau arbeitete. Einer, der bereits in den 30er-Jahren enorm erfolgreich gewesen ist und nach dem Tonfilm auch alle neuen Farbverfahren stets zeitnah erproben durfte. Schon Anfang der 30er war er eine sichere Bank und die Produzenten brachten ihm großes Vertrauen entgegen. Viele seiner 30er-Filme waren bei uns in Deutschland noch sehr lange im TV präsent, regelmäßig im Nachtprogramm der ARD und der dritten Programme vertreten, und sind es teilweise noch heute. Ab Ende der 30er-Jahre wird Curtiz‘ Schaffen aber zu sehr mit Blick auf seine Zusammenarbeiten mit Errol Flynn (und Olivia de Havilland) reduziert – nicht nur in Deutschland.

Von den mehr als 30 Filmen, die er nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. etwa ab seinem 60. Lebensjahr bis zu seinem Tod binnen weniger als 20 Jahren fertigstellte, sind viele heute kaum noch bekannt, obwohl von fast allen (sogar von fast allen seit Anfang der 30er-Jahre!) eine deutsche Synchronfassung angefertigt wurde. Curtiz drehte rund 100 Tonfilme, die beinahe von Beginn an erfolgreich waren, und hatte zuvor auch schon rund 70 Stummfilme realisiert, aber eine Michael-Curtiz-Box oder -Collection lässt selbst in den USA oder Großbritannien bis heute auf sich warten. Curtiz war weder nur der Haus-und-Hof-Regisseur von Errol Flynn, als der er gern einmal verkauft wird, noch brachte der an Heiligabend geborene Regie-Veteran in den 50ern nicht mehr als lediglich die beiden großen Weihnachtsklassiker „Weiße Weihnachten“ (1954) und „Wir sind keine Engel“ (1955) zustande. Bis zu seinem Tod im Alter von 75 Jahren war er quer durch die Genrewelt aktiv, und noch seine finalen drei Filme waren bei Licht betrachtet Hausnummern: die Mark-Twain-Verfilmung „Abenteuer am Mississippi“ (1960), das heute fast vergessene Biopic „Franz von Assisi“ (1961) und schließlich der John-Wayne-Western „Die Comancheros“ (1961), doch ebenso stiefmütterlich wie „Franz von Assisi“ werden auch die meisten anderen Filme behandelt, die er vor, nach und während seiner Zeit mit Errol Flynn drehte. Selbst seine im TV noch einigermaßen präsent gebliebenen 30er-Filme gibt es hierzulande größenteils nicht auf DVD.

Das Problem der Vielseitigkeit

Die Filmografie von Michael Curtiz sachgemäß und qualitativ angemessen zugänglich zu machen und in ihrer Breite zu erschließen, für die Errol Flynn nur ein Baustein war, ist eine große, bisher nicht bewältigte Aufgabe. Was in Deutschland an Filmen vergessen wurde, wurde in den USA zu einem guten Teil zumindest degradiert. Stellt sich eigentlich nur die Frage, wo man zuzugreifen und dies zu ändern beginnt. Selbst wenn man vorerst nur die Filme ab dem Beginn seines wirklich großen Erfolgs mit einigen Genre-Meilensteinen im Horror-, Kriminal- und Gangsterfilm Anfang der 30er berücksichtigt, bleiben von dort aus bis zu seinem Tode immer noch dreißig Jahre eher spärlich beleuchtete Kinogeschichte übrig.

Der gebürtige Budapester Michael Curtiz ist einer der Regisseure, denen es zum Verhängnis geworden zu sein scheint, dass sie praktisch alles konnten, dies ausgewogen zeigten und einfach nicht auf ein Genre festzunageln sind, mit dem man sie assoziiert. John Ford verbindet man mit dem Western, James Whale oder Tod Browning mit dem Horrorfilm, Hal Roach mit Slapstick, Alfred Hitchcock mit dem Thriller, Cecil B. DeMille mit epischen Großproduktionen; allesamt werden sie als Meister des jeweiligen Sektors ausgerufen – und das sicher nicht zu Unrecht, aber ihre Schwerpunkte waren auch dementsprechend gelagert. Und Michael Curtiz, der keinen wirklichen Schwerpunkt hatte, sondern alles ausprobierte, technisch und inhaltlich sehr offen war, assoziiert man … mit Errol Flynn und „Casablanca“ (1942). Der einzige sehr rege bei großen Studios aktive Regisseur, dem man auf diese Weise Unrecht tut, ist er aber sicher nicht. Man könnte nun beispielsweise mit Allan Dwan weitermachen, dem das Cinema-Ritrovato-Festival in Bologna immerhin erst vor wenigen Jahren eine Retrospektive widmete, aber das ist eine andere Geschichte.

Olivia de Havilland bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Wiegenlied für eine Leiche (1964)

Michael Curtiz bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Die Comancheros (1961)

Veröffentlichung (USA): 12. August 2015, 3. Mai 2011 und 22. Mai 2007 als DVD

Länge: 103 Min. (Kino)
Originaltitel: The Proud Rebel
USA 1958
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Joseph Petracca & Lillie Hayward, nach einer Geschichte von James Edward Grant
Besetzung: Alan Ladd, Olivia de Havilland, Dean Jagger, David Ladd, Cecil Kellaway, Harry Dean Stanton, Tom Pittman, Henry Hull, Eli Mintz, John Carradine, Percy Helton
Vertrieb: Buena Vista Film Distribution Company & Metro-Goldwyn-Mayer

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Goldene Erde Kalifornien – Michael Curtiz’ vergessenes Epos

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Gold Is Where You Find It

Von Ansgar Skulme

Western // In Kalifornien tobt ein erbitterter Widerstreit zwischen Farmern, angeführt von dem altmodischen Colonel Ferris (Claude Rains), und an der Goldsuche interessierten Bergbauern und Minenbesitzern unter der Führung des Moguls Harrison McCooey (Sidney Toler). In Jared Whitney (George Brent) hat McCooey einen fähigen Ingenieur in seinen Reihen, doch der freundet sich ausgerechnet mit Colonel Ferris‘ Sohn Lance (Tim Holt) an und verguckt sich obendrein in Ferris‘ Tochter Serena. Umso mehr sich die Lage zuspitzt, umso ärger gerät Whitney zwischen die Fronten …

Um alle unter der Regie von Michael Curtiz entstandenen Hits aus den 30er-Jahren aufzuzählen, reichen die Finger an zwei Händen nicht. Man kann guten Gewissens behaupten, dass wohl von keinem Hollywood-Regisseur so viele verschiedene 30er-Jahre-Filme noch in den 2000er-Jahren deutsch synchronisiert hierzulande im frei empfangbaren Fernsehen wiederholt worden sind. Er war einer derjenigen, die schon im Zwei-Farben-Verfahren von Technicolor Tonfilme drehen durften, bevor das Drei-Farben-Verfahren ab 1935 seinen Siegeszug antrat. Freilich wird mit Curtiz‘ Technicolor-Blütezeit heute vor allen Dingen „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) assoziiert, wenngleich dieser Film eigentlich von William Keighley begonnen und von Curtiz erst während der Produktion übernommen wurde. Doch es gab da noch einen Film, den man nicht vergessen sollte, Curtiz‘ ersten und einzigen vor „Robin Hood“ entstandenen Film im Drei-Farben-Verfahren, schon 1937 abgedreht und ein Vierteljahr vor dem berühmten Errol-Flynn-Epos im Kino gestartet: „Goldene Erde Kalifornien“, Originaltitel „Gold Is Where You Find It“.

Olivia de Havilland am Vorabend des Weltruhms

An zweiter Stelle des Vorspanns genannt finden wir den Namen von Olivia de Havilland, deren Karriere sich seit 1935 im Aufwind befand und die mit dem nachfolgenden „Robin Hood“-Abenteuer endgültig zum Superstar werden sollte. Hier ist sie, wenngleich von den Warner Brothers längst als Star ins Feld geführt, in einer etwas knapp gehaltenen Rolle zu sehen, die vor allem in der stark gekürzten deutschen Fassung ein wenig untergeht, welche zuletzt im TV auf TNT Film lief – es fehlen gut 20 Minuten. Es erscheint rätselhaft, warum der Film in Deutschland so extrem geschnitten wurde, obwohl die Synchronfassung ohnehin erst in den 60er-Jahren entstand.

In den USA ist mittlerweile aber, erst vor knapp zwei Jahren, zumindest die Originalversion in der Warner Archive Collection auf DVD erschienen – und das natürlich ungekürzt. Fans der mittlerweile 100-jährigen de Havilland sollten daher besser gleich zur US-DVD greifen, auch wenn die deutsche Synchronfassung handwerklich gut gelungen ist – darin ist mit Heinz Engelmann ein Altmeister zahlreicher Western-Synchronrollen für Claude Rains zu hören. Die massiven Kürzungen könnten auch eine Erklärung dafür sein, warum der Film in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Curtiz-Regiearbeiten aus den 30ern eher selten wiederholt wurde und trotz seines Alleinstellungsmerkmals, dass es Curtiz‘ erster Film im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor war, bis heute nicht bei uns auf DVD herausgebracht worden ist.

Für ein Epos sicher kurz, aber …

Zugegebenermaßen sind gut 90 Minuten für ein Epos keine besonders stattliche Länge, jedoch bringt die historisch bedeutsame Geschichte ebenso wie die Besetzung alle erforderlichen Anlagen für eine epische Erzählung mit sich. Curtiz hatte schon etliche Jahre keinen Western mehr gedreht und realisierte auch in der Folge zunächst nur ein paar Genre-Beiträge mit Errol Flynn, ehe er erst 1954, nach 14 Jahren Pause, wieder zum Western zurückkehrte. In „Goldene Erde Kalifornien“ jedoch zeigt er eindrucksvoll die Befähigung des Genres zur unterhaltsamen Geschichtsstunde, als hätte er nur darauf gewartet, seinen monumentalsten Western endlich drehen zu können. Der Konkurrenzkampf zweier amerikanischer Träume, das Duell von Landwirtschaft mit Goldsuche, werden für starke Bilder und dramatische Wendungen genutzt. Spaß macht zudem das motiviert wirkende Darsteller-Ensemble, unter anderem mit dem späteren zweiten „Charlie Chan“ der großen 20th-Century-Fox-Ära, Sidney Toler, der seinen Minen-Mogul McCooey mit gutem Gespür für die Ausrichtung der Kamera und die eigenen Blickrichtungen stets galant ins rechte Bild rückt – wahrscheinlich Tolers beste Rolle, bevor er als Chan Kult-Status erlangte.

Claude Rains, der bei den Dreharbeiten noch nicht einmal 50 Jahre alt war, spielt wie selbstverständlich den in die Jahre gekommenen Farmer-Patriarchen, eine Rolle, die um die 15 Jahre mehr auf dem Rücken haben dürfte. Es sollte die einzige Westernrolle in Rains‘ langer Karriere bleiben. Tim Holt, der wenig später zu einem Star der Fließband-Produktion im Western-Genre wurde, spielte hier seine erste große Rolle – ein früher A-Western gefolgt von vielen B- und C-Western, ein Strudel aus dem ihn praktisch nur John Ford für „Faustrecht der Prärie“ (1946), John Huston für „Der Schatz der Sierra Madre“ (1948) und Produzenten-Legende Howard Hughes für den Film noir „Ein Satansweib“ (1951) zwischenzeitlich herausholten. Bekannte Western-Gesichter wie George „Gabby“ Hayes und Russell Simpson sowie weitere gefragte Charakterdarsteller der alten Schule (Harry Davenport, Henry O’Neill) und der etwas jüngeren Generation (John Litel) runden das Gesamtbild ab.

Und dann ist da noch Barton MacLane in seiner Paraderolle als käuflicher, fieser und brutaler Misthund, die er in zahlreichen Filmen verkörperte. MacLane war auf den grobschlächtigen, harten Brocken, der seine Dialoge, wenn man so will, oft beinahe bellte, derart stark abonniert, dass sich in den 40er- und 50er-Jahren unter US-Teenagern sogar der Ausspruch „Don’t give me that Barton MacLane!“ durchsetzte. Damit wurden Zurechtweisungen durch Autoritätspersonen kommentiert, denen die Teenies somit gewissermaßen unterstellten, in ihrem Gestus und/oder Duktus auf Barton MacLane zu machen. Nicht zuletzt sollte erwähnt werden, dass das relativ späte Auftauchen einer seinerzeit wirklich namhaften Schauspielerin wie Margaret Lindsay innerhalb der Geschichte durchaus ein zusätzlicher Aspekt ist, der dem Werk epischen Charakter verleiht. Eine Schauspielerin dieses Formats trat nicht ohne Grund in einer Nebenrolle auf. Zu vergleichen ist dies etwa mit dem Auftauchen diverser Stars im Laufe der Geschichte von „Die zehn Gebote“ (1956).

Einzig fehlt das Zugpferd

Herrliche Technicolor-Bilder, ein Regisseur der das Genre noch neu für sich zu entdecken vermochte, ein in der Breite sehr gut aufgestelltes Darsteller-Ensemble inklusive einiger später durch bestimmte Rollen bzw. Rollentypen Kult gewordener Schauspieler (Toler, Hayes, MacLane), eine historisch relevante Geschichte, ein mit Gespür für epische Dramatik geschriebenes Drehbuch und dazu noch Musik von Max Steiner – da bleibt eigentlich nur ein Thema offen: der Hauptdarsteller. Und der könnte eine weitere Erklärung dafür sein, warum „Goldene Erde Kalifornien“ über all die Jahre nie der Sprung in die erste Riege des Genres gelungen ist. George Brent ist einer der Darsteller, denen man schnell nachsagt, zu oberflächlich gewesen zu sein, zu oft zu sehr den Strahlemann hervorzukehren. Ein gutaussehender Typ mit gepflegtem Oberlippenbart, dem allerdings aus irgendeinem Grunde das gewisse Etwas von Errol Flynn oder Clark Gable fehlte. Er spielt die Rolle engagiert und ist auch in den tragischen Momenten durchaus überzeugend – es wäre unfair, ihm vorzuwerfen, dass er die ganze Zeit nur gut auszusehen versucht; jedoch gelingt es ihm nicht, dieser groß angelegten Story die nötige Portion Führungsqualität mitzugeben.

So bleibt unter dem Strich ein Film, der aus seinem Potenzial zu wenig macht, aber trotzdem ein hohes Niveau erreicht und eigentlich nur wegen einer für die Story zu geringen Laufzeit und dem falschen Hauptdarsteller daran scheitert, sich auf Augenhöhe mit den ganz großen epischen Klassikern des Genres einzureihen. Nichtsdestotrotz muss unbedingt unterstrichen werden, dass es sich hierbei um das im Grunde erste Western-Epos im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor, wenn nicht gar den ersten wirklich großen in Farbe gedrehten Western per se handelt und so oder so um einen der besten, inhaltlich wie stilistisch komplettesten Western der 30er-Jahre.

Olivia de Havilland bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Wiegenlied für eine Leiche (1964)

Michael Curtiz bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Die Comancheros (1961)

Veröffentlichung (USA): 7. Oktober 2014 als DVD

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK unbekannt
Originaltitel: Gold Is Where You Find It
USA 1938
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Warren Duff, Robert Buckner, nach einer Geschichte von Clements Ripley
Besetzung: George Brent, Olivia de Havilland, Claude Rains, Margaret Lindsay, John Litel, Marcia Ralson, Barton MacLane, Tim Holt, Sidney Toler, George „Gabby” Hayes, Russell Simpson, Harry Davenport, Henry O’Neill
Vertrieb: Warner Archive Collection

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Wiegenlied für eine Leiche – Klassisches Hollywood mit klassischen Diven

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Hush…Hush, Sweet Charlotte

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Herzlichen Glückwunsch, Olivia de Havilland! Die in Paris lebende Hollywood-Diva feiert heute ihren 100. Geburtstag. Zwei Oscars erhielt die am 1. Juli 1916 in Tokio geborene Schauspielerin im Lauf ihrer großen Karriere: jeweils für ihre Hauptrollen in Mitchell Leisens „Mutterherz“ (1946) und in William Wylers „Die Erbin“ (1949) mit Montgomery Clift. Drei weitere Oscar-Nominierungen stehen zu Buche, darunter für ihre Nebenrolle in „Vom Winde verweht“ (1939). Mehrfach spielte sie unter Regisseur Michael Curtiz an der Seite von Errol Flynn, etwa in „Unter Piratenflagge“ (1935), „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) und „Herr des Wilden Westens“ (1939).

Mit diesen eher eindimensionalen Rollen als junge Schönheit wurde Olivia de Havilland zum Star, ins dramatische Fach wechselte sie erst nach und nach, wovon auch die beiden Oscars in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre zeugen. In „Wiegenlied für eine Leiche“ von 1964 spielt sie gar eine durchtriebene und absolut bösartige Figur: Miriam Deering, die ihre Cousine Charlotte Hollis (Bette Davis) in den Wahnsinn treiben will, um an ihr Vermögen zu gelangen.

Der Geliebte wird ermordet

Der Prolog spielt im Jahr 1927: Die junge Charlotte will mit ihrem Liebhaber John Mayhew (frühe Rolle für Bruce Dern, „The Hateful Eight“, „Lautlos im Weltraum“) durchbrennen, doch ihr alleinerziehender Vater Big Sam Hollis (Victor Buono) nötigt den verheirateten John, der jungen Frau abzuschwören. Während eines Festes auf dem Anwesen der Hollis‘ wird John auf brutale Weise mit einem Fleischerbeil ermordet. Charlotte, mit Blut auf dem Kleid angetroffen, gilt als Hauptverdächtige, doch ihrem Vater gelingt es offenbar, den Fall zu vertuschen.

Die Handlung springt in die 60er-Jahre: Ein Jahr nach der Bluttat war Big Sam gestorben, seitdem lebt Charlotte zurückgezogen in der großen Villa und ist Bestandteil von Gruselgeschichten und Mutproben der örtlichen Jugend. Die Enteignung ihres Grundes zum Zweck des Straßenbaus ignoriert sie, vertreibt die Bauarbeiter (George Kennedy als Vormann) mit dem Gewehr. Auftritt Miriam Deering, die ihre Cousine gemeinsam mit dem Hausarzt Dr. Drew Bayliss (Joseph Cotten) zum Einlenken und Umzug bewegen soll. Miriams mürrische Haushälterin Velma (Agnes Moorehead) ist Miriam gegenüber von Anfang an misstrauisch eingestellt.

Brutale Gewalt kam nicht überall gut an

An sich eher Krimi- und Psychodrama, wird „Wiegenlied für eine Leiche“ dank des Einsatzes virtuoser Licht- und Schattenwechsel des Schwarz-Weiß-Bildes zum betörenden Gruselfilm, aufgrund einiger handfester und für die 60er-Jahre heftiger Effekte gar zum handfesten Horrorschocker. Das kam damals nicht überall gut an. „Berechnend und kaltherzig gezimmert“ urteilte der Kritiker der angesehenen „New York Times“ über Robert Aldrichs („Der Flug des Phönix“) Inszenierung, „grob gekünstelt , absichtlich sadistisch und brutal widerlich“, schließlich gar „grausig, prätentiös, widerlich und zutiefst ärgerlich“. Das verkennt völlig die wunderbare Arbeit von Kameramann Joseph F. Biroc, der dafür seine erste Oscar-Nominierung erhielt (den Oscar als bester Kameramann erhielt er aber erst 1975 für „Flammendes Inferno“). Mit brutaler Gewalt wusste die zeitgenössische Filmkritik offenbar noch nicht viel anzufangen. Ein solcher Kritiker-Fokus auf ein paar zugegeben harte Szenen ignoriert obendrein das beeindruckende Spiel der Akteure – bei der Besetzung nicht verwunderlich –, die feudale Südstaaten-Atmosphäre im Herrenhaus und die ebenso rätselhafte wie wendungsreiche Story, die Spannung erzeugt und die Zuschauer an den Bildschirm beziehungsweise die Leinwand fesselt.

Olivia de Havilland ersetzt Joan Crawford

Olivia de Havilland erhielt die Rolle erst, nachdem Joan Crawford mit womöglich vorgetäuschter Krankheit ausgeschieden war – die Dreharbeiten waren da schon im Gange und mussten für eine ganze Weile unterbrochen werden. Nach dem ebenfalls von Robert Aldrich inszenierten „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ (1962) wollte sich Crawford anscheinend nicht noch einmal von Bette Davis die Schau stehlen lassen. Die gegenseitige Abneigung der beiden Diven trug sicher ebenfalls dazu bei, die Dreharbeiten eher unangenehm zu gestalten. Olivia de Havilland lebte damals in der Schweiz, Regisseur Aldrich nahm die strapaziöse Reise auf sich, um sie zum Einspringen zu überreden. Es hat sich gelohnt.

Die deutsche DVD ist vergriffen und gesucht. Eine Referenz-Edition im angelsächsischen Sprachraum existiert nicht, ist aber in den USA vom kleinen Label „Twilight Time“ für Herbst angekündigt. Höchste Zeit, dass „Wiegenlied für eine Leiche“ bei uns wiederveröffentlicht wird – vorzugsweise mit anständigem HD-Transfer auch auf Blu-ray. Twentieth Century Fox Home Entertainment, übernehmen Sie!

Das De Havilland Law

Nach Olivia de Havilland ist sogar ein kalifornisches Gesetz benannt: das De Havviland Law, das seit Mitte der 40er-Jahre Verträge im Showgeschäft begrenzte, auf diese Weise die Macht der Hollywood-Studios über die Schauspieler einschränkte und bis heute gültig ist. Zuvor hatte sich Olivia de Havilland mit Warner Brothers einen erbitterten Rechtsstreit um ihre Autonomie als Schauspielerin geliefert.

Karriereausklang im Fernsehen

Für „Die Erbin“ hatte Olivia de Havilland 1950 auch ihren ersten Golden Globe erhalten. Der zweite folgte viele Jahre später: 1987 für ihre Nebenrolle im TV-Drama „Anastasia“. In den 80er-Jahren ließ die Schauspielerin ihre Karriere mit Engagements in einigen Fernsehserien und -filmen ausklingen. Von ihrem Filmdebüt in „Ein Sommernachtstraum“ (1935) bis zu ihrer letzten Rolle im TV-Drama „König ihres Herzens“ (1988) spielte Olivia de Havilland in etwa 60 Filmen.

Wer mehr über sie und andere große Hollywood-Diven erfahren will, lege sich Ausgabe 15 von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ zu. Unter dem Oberbegriff „Classic Beauties“ sind dort Beiträge über Marilyn Monroe, Jean Harlow, Marlene Dietrich, Louise Brooks und andere Film-Schönheiten erschienen. Auch Olivia de Havilland wird angemessen gewürdigt.

Wann kommt Olivia de Havillands Autobiografie?

Als eine der letzten Überlebenden der Goldenen Ära Hollywoods arbeitet sie seit Jahren an ihrer Autobiografie, wie sie 2015 in einem lesenswerten Gespräch mit „Entertainment Weekly“ offenbarte. Ob die nun Hundertjährige ihre Erinnerungen beendet? Interessant genug dürften sie für Fans des klassischen Hollywoods werden. Einige Jahre bei guter Gesundheit seien Ihr durchaus gewünscht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, solche mit Olivia de Havilland in der Rubrik Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 31. Oktober 2005 als DVD

Länge: 127 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Schwedisch, Griechisch
Originaltitel: Hush…Hush, Sweet Charlotte
USA 1964
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Henry Farrell, Lukas Heller
Besetzung: Bette Davis, Olivia de Havilland, Joseph Cotten, Agnes Moorehead, Bruce Dern, Victor Buono, George Kennedy
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2005 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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