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Orson Welles erzählt – Kriminalgeschichten für TV-Nostalgiker

Orson Welles’ Great Mysteries

Von Andreas Eckenfels

Anthologie-Serie // Alfred Hitchcock war nicht der einzige Meisterregisseur, der im TV als Präsentator für eine nach ihm betitelte Anthologie-Serie fungierte. Auch Orson Welles verdiente sich in den 70er-Jahren in ähnlicher Funktion ein paar Groschen hinzu, um andere Projekte zu finanzieren.

„Orson Welles erzählt“ wurde von Anglia Televison für den britischen Sender ITV produziert. Insgesamt liefen zwischen 1973 und 1974 26 in sich abgeschlossene Episoden mit einer Länge von etwa je 25 Minuten. Die ARD zeigte 1977 zehn Folgen in seinem Regionalfenster – diese sind auf dem 2-DVD-Set von Pidax enthalten. Laut „Das Fernsehlexikon“ von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier lief die Serie 1979 unter dem Titel „Die großen Geheimnisse des Orson Welles“ auch im DDR-Fernsehen. Dort seien 14 Folgen ausgestrahlt worden, wobei es sich dabei um sechs der auch in der Bundesrepublik gezeigten Episoden sowie acht zusätzliche Folgen gehandelt haben soll.

Eindringliche Titelmelodie

Bevor der „Citizen Kane“-Regisseur die jeweilige Folge mit unheilschwangeren Worten einleitet, erklingt im Vorspann die eindringliche Titelmelodie von John Barry, der besonders durch seine James-Bond-Kompositionen Berühmtheit erlangte. Als kleine Verbeugung vor seiner Hörspielrolle als „The Shadow“ aus den 30er-Jahren tritt Orson Welles vor jeder Folge aus dem Schatten hervor. Er trägt einen dicken Mantel, Hut, Vollbart und genießt eine Zigarre. In der BRD-Synchronisation erhielt Martin Hirthe die Aufgabe, den unvergleichlichen Klang von Welles’ Timbre nachzuahmen. Hirthe hatte dem Regisseur und Schauspieler unter anderem auch in „Von Agenten gejagt“ (1942), „Brennt Paris?“ (1966) und „Kampf um Rom“ (1968) seine Stimme geliehen.

Gänsehautstimmung, wie es das DVD-Cover suggeriert, verbreitet sich in den zehn Episoden zumindest nach heutigen Maßstäben nicht mehr. Hier werden keine übernatürlichen Geschichten wie etwa in „Twilight Zone“ erzählt; meist handelt es sich um reine Kriminalhandlungen. Dabei geht es nicht um Mordfälle, dafür um Erpressung, Betrügereien oder Affären, wobei die Protagonisten meist aus der Oberschicht stammen und somit auch eine Fallhöhe mit sich bringen. Alle Erzählungen haben gemeinsam, dass sie mit einer überraschenden Wendung enden, die aber weitaus weniger makaber ausfällt als es bei einigen Folgen von „Alfred Hitchcock präsentiert“ der Fall ist. Die Pointe greift Orson Welles zum Abschluss jeder Episode auf, er resümiert über das Geschehen und gibt eine Moral mit auf dem Weg, bevor er die Zuschauer verabschiedet.

Welles tut nicht mehr als nötig

Anders als Hitchcock war Welles nicht an der Produktion der einzelnen Folgen beteiligt. Von ihm stammen keine Drehbücher, er führte auch nicht Regie und spielte auch keine andere Rolle als den Präsentator. Unter anderem übernahmen die erfahrenen Peter Sasdy („Hände voller Blut“) und Alan Gibson („Dracula braucht frisches Blut“) den Regieposten. Einzelne Folgen basieren auf klassischen Geschichten von W. Somerset Maugham und Bruce Graeme, sodass einige davon nicht nur in der zeitgenössischen Gegenwart, sondern auch mal Anfang des 19. Jahrhunderts angesiedelt sind. Die Darstellerriege bestand größtenteils aus einer Mischung aus bekannten amerikanischen und britischen Schauspielern, darunter Joan Collins, Patrick Macnee und Dean Stockwell.

Zur Bildqualität vermerkt Pidax schon auf dem DVD-Cover: „An wenigen Stellen treten leichte, nicht restaurierbare Bildfehler auf. Dies war nicht zu vermeiden, weil das letzte existierende Material der Serie eine MAZ aus den Siebzigerjahren war, die ansonsten mit viel Aufwand ansehbar gemacht wurde.“ Viel sollte man also diesbezüglich nicht erwarten, dennoch ist es Pidax Film hoch anzurechnen, dass das Label dieses Stück verschollen geglaubter Fernsehgeschichte hervorgekramt hat. Für TV-Nostalgiker sind die zehn Episoden von „Orson Welles erzählt“ allemal einen Blick wert. Moderne Serienjunkies werden sich aber schwertun.

Veröffentlichung: 27. Januar 2017 als 2-DVD-Set

Länge: 234 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Orson Welles’ Great Mysteries
USA/GB 1973–74
Regie: John Robins, Alan Gibson, Mark Cullingham, Peter Sykes, Peter Sasdy
Drehbuch: Julian Bond, Michael Gilbert, Kenneth Jupp u.a.
Besetzung: Orson Welles, Joan Collins, Patrick Macnee, Anton Rodgers, Anthony Sharp, Victor Buono, Olga Georges-Picot, Isabel Dean, Dean Stockwell
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ive AG

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Trailer & Packshot: © 2017 Al!ive AG / Pidax Film

 

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Im Zeichen des Bösen – Von bösartiger Brillanz

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Touch of Evil

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Der talentfreie Regisseur Ed Wood sitzt am Tresen einer schummrigen Bar und entdeckt in einer Ecke den großen Orson Welles. Man kommt ins Gespräch. Wood beklagt sich, dass ihm schon Filme umgeschnitten worden sind. Welles gibt zu, dass ihm das auch passiert sei. Als Wood fortfährt, Produzenten würden dauernd ihre Leute im Film unterbringen wollen, egal ob sie auf die jeweilige Rolle passen, erwidert Orson Welles: Ich erleb’s gerade. In meinem neuen Film ist der Held Mexikaner. Und den muss nun Charlton Heston unbedingt spielen.

Hatte Orson Welles etwas gegen Charlton Heston?

Diese wunderbare Anspielung auf „Im Zeichen des Bösen“ stammt aus Tim Burtons Film „Ed Wood“ (1994) mit Johnny Depp in der Titelrolle. Vincent D’Onofrio gibt in dieser Szene Orson Welles und sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Dieses Aufeinandertreffen des Trash-Regisseurs mit dem meisterhaften Filmemacher hat es nie gegeben. Unklar ist auch, ob Orson Welles als Regisseur von „Im Zeichen des Bösen“ tatsächlich so unglücklich mit Charlton Heston war. Immerhin war Welles selbst ursprünglich nur als Darsteller vorgesehen, Heston schon an Bord, bevor auch die Regie an Welles ging. Dem Vernehmen nach war es sogar Welles selbst, der aus Hestons Rolle eines weißen Staatsanwalts die eines mexikanischen Drogenfahnders gemacht hat. So oder so kann die Szene in „Ed Wood“ ins Reich der Fabel verwiesen werden, schön ist sie allemal.

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Ehrbarer Ermittler: Mike Vargas

Der Beginn von „Touch of Evil“, so der Originaltitel, ist Filmgeschichte: Ein Attentäter stellt den Zeitzünder einer Bombe auf drei Minuten ein und deponiert sie in einem Auto, in das sogleich ein Mann und eine Frau einsteigen. Das Auto fährt langsam durch die überfüllten Straßen des nächtlichen Los Robles, einer mexikanischen Grenzstadt, und passiert mehrfach ganz nah ein attraktives Paar (Charlton Heston und Janet Leigh). Aus Clubs und Bars am Straßenrand dringt Musik, eine flirrende Atmosphäre erfüllt die Luft. Während eines kurzen Gesprächs der beiden Fußgänger mit den Zöllnern erfahren die Zuschauer, dass es sich bei dem Paar um den mexikanischen Drogenfahnder Mike Vargas und seine frisch angetraute Ehefrau Susan handelt – sie ist US-Bürgerin. Sowohl das Paar im Auto als auch die Eheleute Vargas passieren die Grenze in die USA. Wenige Sekunden später detoniert die Bombe.

Diese auf der Blu-ray exakt drei Minuten und 15 Sekunden lange Szene ist in einem einzigen Take entstanden – ohne jeden Schnitt. Sie anzufertigen dauerte allerdings eine ganze Nacht. Vom Dreh überliefert ist, dass einer der Zollbeamten-Schauspieler ständig seinen Text verbockte, weshalb die gesamte Szene erneut begonnen werden musste. In den Film geschafft hat es tatsächlich der letzte Take, der in jener Nacht möglich war – die Dämmerung setzte ein. Angeblich hat Regisseur Welles den Schauspieler für diesen letzten Versuch angewiesen, nur die Lippen zu bewegen, ohne zu sprechen. Sein Text sollte später im Studio eingebaut werden.

Die Bombe im Auto – Suspense in Reinkultur

Die Szene ist ein Beispiel für perfekt aufgebaute Suspense: Während die Figuren nichts Böses ahnen, weiß der Zuschauer um das kommende Unheil. Er weiß nur nicht, wann genau und mit welcher Konsequenz es zuschlägt. Dass Kinozuschauer die Drei-Minuten-Zeiteinstellung der Bombe mitbekommen und die Zeit dann gestoppt haben, darf bezweifelt werden. Wen wird die Explosion in den Tod reißen, wen verletzen? Natürlich war damals unvorstellbar, dass zu Beginn eines Films ein Star wie Janet Leigh oder Charlton Heston stirbt. Eine derart radikale Maßnahme erlaubte sich erst zwei Jahre später – 1960 – ein gewisser Regisseur namens Alfred Hitchcock in „Psycho“ mit einer gewissen Janet Leigh. Dennoch: Man kann ja nie wissen. Orson Welles war diese Szene so wichtig, dass er die gemeinhin zu Beginn eines Films gezeigten „Opening Credits“ erst mit dem Abspann einblenden wollte, damit die Wucht dieser Eingangssequenz ihre ganz Wirkung auf die Kinogänger entfalten konnte. Das Studio machte ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung und blendete die Credits während der laufenden Szene ein. Erst in der Rekonstruktion von Welles’ Wunschfassung des Films (siehe unten) ist die Szene von dieser Ablenkung befreit.

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Hank Quinlan hat Dreck am Stecken

Einen besonderen Reiz zieht „Im Zeichen des Bösen“ aus dem Kontrast der beiden Hauptfiguren: Da ist auf der einen Seite der integre mexikanische Drogenfahnder Vargas, hochgewachsen und gutaussehend. Sein Antagonist ist der korrupte US-Ermittler Hank Quinlan, feist und aufgedunsen. Regisseur Orson Welles hatte keine Bedenken, sich selbst in prächtiger Hässlichkeit zu präsentieren.

Die Story dreht sich um Korruption, Vertuschung, Drogenkriminalität, Bandenverbrechen und Entführung. Orson Welles hat die inhaltlichen und visuellen Stilmittel des Film noir derart perfekt in „Touch of Evil“ eingebaut, dass das Meisterwerk gemeinhin als Schlusspunkt der klassischen Ära dieses Subgenres des Kriminalfilms angesehen wird.

Für Filmfans wie Filmwissenschaftler gleichermaßen ein Genuss

Mangels filmwissenschaftlichen Hintergrunds ist es dem Verfasser dieser Zeilen kaum möglich, herauszuarbeiten, wie virtuos der Regisseur eine zynische Krimihandlung visualisierte, indem er Perspektiven, Nahaufnahmen von Gesichtern, Schwarz-Weiß-Kontraste und andere Aspekte auf kunstvolle Weise miteinander verwob. Dem geneigten Leser sei einfach ein Rat mit auf den Weg gegeben: Ansehen – am besten konzentriert! Fesselnd und unterhaltsam ist der Film sowieso, obendrein für Filmtheoretiker ein Muss.

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Susan Vargas gerät in Gefahr

Orson Welles hatte dem Universal-Studio nicht das Recht auf den Final Cut abringen können. Das hatte fatale Folgen für seine künstlerische Vision: In Abwesenheit des Regisseurs begann das Studio, nach Drehende eine andere Schnittfassung anzufertigen. Bald darauf wurde Welles gefeuert, einige seiner Szenen wurden gar nachgedreht und ersetzt. Der Verleih brachte schließlich eine 95-minütige Version ins Kino, mit der Welles logischerweise überhaupt nicht einverstanden sein konnte. Er schrieb auf 58 Seiten auf, wie er sich seine Schnittfassung vorstellte, erlebte sie allerdings nicht mehr: Erst 1998, 14 Jahre nach dem Tod des genialen Filmemachers, wurde dieser Director’s Cut von Walter Murch anhand von Welles’ Aufzeichnungen fertiggestellt. Der Filmjournalist Michael Sragow hat im selben Jahr eine lange Abhandlung über Murchs Rekonstruktionsarbeit geschrieben. Sie trägt den Titel „Retouching Evil“ und ist online verfügbar.

In der Reihe „Masterpieces of Cinema“ veröffentlicht Koch Media den Film in einer Blu-ray-Edition mit fünf Versionen des Films: Sowohl die 95-minütige Studiofassung als auch der 110 Minuten lange Director’s Cut liegen jeweils in den Bildformaten 1.85:1 und in 1.37:1 vor, wobei Welles das Format 1.85:1 bevorzugte. Hinzu kommt eine Vorpremierenfassung von ca. 109 Minuten. Angesichts dieser liebevollen Veröffentlichung mit überzeugender Bildqualität muss sich Orson Welles nun endlich nicht mehr im Grabe umdrehen, wenn er an „Im Zeichen des Bösen“ denkt.

Die Reihe „Masterpieces of Cinema“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charlton Heston haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 24. Januar 2014 als Blu-ray

Länge: 110 Min. (rekonstruierte Fassung), 95 Min. (Kinofassung), 109 Min. (Previewfassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Touch of Evil
USA 1958
Regie: Orson Welles
Drehbuch: Orson Welles, nach dem Roman „Badge of Evil“ von Whit Masterson
Besetzung: Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Joseph Calleia, Akim Tamiroff, Joanna Moore, Ray Collins, Dennis Weaver
Zusatzmaterial: vier verschiedenene Audiokommentare, mit: Restaurationsproduzent Rick Schmidlin, den Darstellern Charlton Heston & Janet Leigh, Kritiker F.X. Feeney, den Welles-Gelehrten James Naremore und Jonathan Rosenbaum, alternatives Filmmaterial, Dokumentation „Bringing Evil to Life“ (ca. 21 Min.), Dokumentation „Evil Lost and Found“ (ca. 17 Min.), Originaltrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

 

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Citizen Kane – Ist das der beste Film aller Zeiten?

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Citizen Kane

Drama // Rosebud ist nur ein Schlitten.

Nun, da dank der Mutter aller Spoiler alles klar ist, können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: darauf, dass es seinerzeit einer Sensation gleichkam, welche Machtfülle ein großes Hollywood-Studio – RKO – einem Kreativen an die Hand gab: Der Mittzwanziger Orson Welles kam vom Theater und dem Radio und durfte „Citizen Kane“ produzieren, sich die Hauptrolle geben, am Drehbuch mitschreiben, eigenständig über Personalien vor und hinter der Kamera entscheiden und über den Final Cut bestimmen, die Endfassung des Films, wie sie ins Kino kommen sollte. Wir können uns darauf konzentrieren, dass der titelgebende Bürger Kane ein kaum kaschiertes Porträt des mächtigen Verlegers William Randolph Hearst war; darauf, dass der Film Hearst logischerweise überhaupt nicht gefiel und er dessen Verbreitung zu verhindern trachtete – was nicht zuletzt zum kommerziellen Misserfolg des Films beitrug.

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Kane (l.) und Leland steigen ins Zeitungsgeschäft ein

Technisch wie erzählerisch Neuland

Konzentrieren wir uns darauf, dass Orson Welles beim Dreh auf geniale Weise experimentierte und so künftige Filmemacher ungemein beeinflusste: etwa Arbeit mit Tiefenschärfe und vormals selten verwendeten Kameraperspektiven wie Untersicht. Legen wir den Fokus darauf, dass Welles auch erzählerisch Neuland betrat, indem er Kanes Leben aus verschiedenen Blickwinkeln Revue passieren ließ; schließlich darauf, dass „Citizen Kane“ jahrzehntelang als bester Film aller Zeiten galt und für viele wohl noch gilt, weil er in der alle zehn Jahre stattfindenden Umfrage der Zeitschrift Sight & Sound vom British Film Institute von 1962 bis 2002 stets auf Rang Eins gewählt worden ist und ihn das American Film Institute als besten amerikanischen Film listet.

„Rosebud“ ist das letzte Wort, das der einst mächtige, zuletzt aber vereinsamte Zeitungsverleger Charles Foster Kane (Orson Welles) in seinem Schloss Xanadu von sich gibt, bevor er sein Leben aushaucht. Der Reporter Thompson (William Alland) wird ausgesandt, herauszufinden, was „Rosebud“ bedeutet. Während er recherchiert und Zeitgenossen Kanes befragt, entfaltet sich vor den Augen der Filmzuschauer in Rückblenden das vielschichtige Bild einer schillernden, aber auch getriebenen Persönlichkeit.

Was für ein Hollywood-Debüt!

„Citizen Kane“ markierte nicht nur für Welles den Beginn seiner Hollywood-Karriere; er holte auch Joseph Cotten in die Traumfabrik, seinen Weggefährten aus Theaterzeiten, und gab ihm die bedeutsame Rolle des Jedediah Leland, der Kanes Karriere über viele Jahre begleitet.

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Mit dem weiblichen Geschlecht hat Kane nicht viel Glück

Das Meisterwerk erhielt neun wohlverdiente Oscar-Nominierungen. Letztlich gab’s den Academy Award jedoch lediglich fürs von Herman J. Mankiewicz und Orson Welles verfasste Drehbuch. Bei der Verleihung soll es bei jeder Nennung des Films Buhrufe gegeben haben, desgleichen bei Welles’ Dankesrede – womöglich dem Einfluss des Medientycoons Hearst geschuldet. Die im Bonusmaterial der Blu-ray enthaltene Dokumentation „The Battle over Citizen Kane“ zeichnet Hearsts Feldzug gegen „Citizen Kane“ nach. Eine ebenfalls enthaltene Doku mit dem Titel „Orson Welles: The One Man Band“ wirft einen Blick auf unvollendete Projekte des Filmschaffenden und Multitalents Welles.

Der Blu-ray-Veröffentlichung liegt eine neue restaurierte Abtastung zugrunde. Da ich den Film nicht auf DVD mein Eigen nenne und die letzte TV-Sichtung viele Jahre zurückliegt, wäre ein Vergleich an dieser Stelle unredlich. Der Film ist mehr als 70 Jahre alt, das sieht man ihm an. Dennoch bietet er ein klares und kontrastreiches Bild bei allerdings nur durchschnittlichem Ton.

Pflichtprogramm für Filmfans

Meisterwerk schön und gut – aber es ist doch Arthaus, zudem in Schwarz-Weiß (igitt) und abgehangen, geradezu uralt und damit irrelevant!? Papperlapapp! Niemand ist gezwungen, den Film seiner persönlichen Bestenliste hinzuzufügen (tu ich auch nicht). Aber „Citizen Kane“ ist nicht nur Filmgeschichte, sondern auch ein hochspannendes Epos, brillant inszeniert, gespielt und fotografiert. Dass Schwarz-Weiß beeindruckendere Spielereien mit dem Kontrast ermöglicht als Farbe, veranschaulicht Orson Welles’ Hollywood-Debüt auf herausragende Weise. Wer „Citizen Kane“ als Filminteressierter noch nie gesehen hat, hat nun keine Ausrede mehr.

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Trotz brillanter Reden scheitert er in der Politik

Hm – was ließe sich noch schreiben? Eine kurze Lektüre auf diversen Seiten im Netz führt zu der Erkenntnis: unfassbar viel. Ich geb’s auf. Um den riesigen Einfluss des Films noch einmal zu dokumentieren, schließen wir mit François Truffauts Urteil: Alles was im Kino nach 1940 Bedeutung hat, ist von „Citizen Kane“ beeinflusst.

Veröffentlichung: 20. Dezember 2013 als Blu-ray

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
USA 1941
Regie: Orson Welles
Drehbuch: Herman J. Mankiewicz, Orson Welles
Besetzung: Orson Welles, Joseph Cotten, Agnes Moorehead, Dorothy Comingore, Ruth Warrick, Ray Collins, Everett Sloane, Paul Stewart, William Alland
Zusatzmaterial: Dokumentation „The Battle over Citizen Kane“, Dokumentation „Orson Welles: The One Man Band“, Audiokommentar vom Filmhistoriker Prof. Dr. Thomas Koebner, Dokumente zum Film, Fotogalerie, 16-seitiges Booklet, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Studiocanal Home Entertainment

 
 

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