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Haus des Grauens – Des Wahnsinns fette Beute

Paranoiac

Von Volker Schönenberger

Psychothriller // War 1963 das Jahr der Familien am Rande des Nervenzusammenbruchs? In der von Roger Corman produzierten frühen Francis-Ford-Coppola-Regiearbeit „Dementia 13“ ging es ebenfalls um die Erbschaft einer begüterten Familie und tödliche Umtriebe. In der Hammer-Films-Produktion „Haus des Grauens“ sind es die Ashbys, bei denen der Haussegen gehörig schief hängt. Eleanor (Janette Scott) hat den Unfalltod ihrer Eltern elf Jahre zuvor nie verwunden. Dass sich wenige Jahre später ihr Bruder Tony anscheinend in selbstmörderischer Absicht von den nahe gelegenen Klippen ins Meer stürzte, wirkte zusätzlich traumatisierend. Sein Leichnam wurde nie gefunden.

Lebemann Simon hegt finstere Absichten

Eleanors zweiter Bruder Simon (Oliver Reed) frönt dem Alkohol, schnellen Autos und schönen Frauen und lebt auf diese Weise über seine Verhältnisse. Nur noch wenige Wochen trennen ihn vom Zugriff auf die Erbschaft – das Vermögen wurde seit dem Tod der Eltern vom Treuhänder John Kosset (Maurice Denham) verwaltet, der die Ashby-Nachkommen eher kurz hielt. Verständlicherweise passt es Simon gar nicht, als wie aus heiterem Himmel ein Mann (Alexander Davion) auftaucht, der behauptet, Tony Ashby zu sein und seinen Selbstmord seinerzeit vorgetäuscht zu haben. Muss das Erbe nun durch drei geteilt werden?

Auf den Spuren von „Die Teuflischen“

Ich gestehe: Meine Sichtung von Henri-Georges Clouzots „Die Teuflischen“ (1954) liegt zu lange zurück, als dass ich mich zu ausführlichen Vergleichen hinreißen lassen könnte. Jedenfalls lösten Henri-Georges Clouzots Regiearbeit und natürlich Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) einen Boom an Psychothrillern aus, die mal mit mehr, mal mit weniger Horror-Elementen daherkamen. Da wollte auch die britische Produktionsfirma Hammer Films nicht nachstehen – „Ein Toter spielt Klavier“ („Taste of Fear“) markierte 1961 den ersten Beitrag mit kräftigem Psycho-Einschlag.

Driftet Eleanor (r.) in den Wahnsinn ab?

„Paranoiac“, so der Originaltitel von „Haus des Grauens“, zeigt in schönen Schwarz-Weiß-Bildern einen mit vollem Einsatz aufspielenden Oliver Reed, seinerzeit mit Filmen wie „Der Fluch von Siniestro“ (1961) und „Sie sind verdammt“ (1963) zum Stammpersonal von Hammer Films zu zählen. Reeds kraftvolle Präsenz lässt die anderen Figuren etwas in den Hintergrund rücken, speziell Alexander Davion als verlorener Sohn – oder Hochstapler? – Tony kann da charismatisch leider nicht ganz mithalten.

Verlorener Sohn oder Hochstapler?

Die mehrschichtige Story gleicht das aber aus. Ein Sohn mit finsteren, ein Heimkehrer mit undurchsichtigen Absichten – das bringt Spannung und eine Erwartungshaltung, die vom weiteren Verlauf auch eingelöst wird. Gleitet Eleanor langsam in den Wahnsinn ab? Das Schicksal der jungen Frau interessiert uns. Die Schaffung von Atmosphäre wird bei Hammer seit jeher großgeschrieben, auch „Haus des Grauens“ hält die Messlatte in dieser Hinsicht hoch, nicht zuletzt auch durch die sperrige Musik.

Die junge Frau freut sich über Tonys Rückkehr – aber ist es Tony?

An der Neuveröffentlichung von „Haus des Grauens“ von Anolis Entertainment gibt es wie gewohnt nichts zu mäkeln. Der 20. Teil der Hammer Edition des Labels gehört zu den weniger bekannten Filmen der Produktionsfirma. Umso positiver ist zu würdigen, dass Anolis auch diesmal die selbst auferlegten Qualitätsstandards hält. Hammer-Films-Sammler werden sich den Film sowieso zulegen – ob in Form des Mediabooks oder als Softcase-Edition. Wer beklemmendem Psycho-Thrill frönt, kann ebenfalls bedenkenlos zuschlagen. Ein Jahr später legte die kreative Kombination aus Drehbuchautor Jimmy Sangster und Regisseur Freddie Francis mit „Der Satan mit den langen Wimpern“ gekonnt einen weiteren Psychothriller nach.

Simon (r.) hat da Zweifel

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Freddie Francis sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Oliver Reed in der Rubrik Schauspieler. Einen lesenswerten Text über „Haus des Grauens“ gibt’s auch bei den Kollegen von Evil Ed zu lesen.

Was geht im Haus des Grauens vor?

Veröffentlichung: 16. Februar 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 5. Dezember 2008 als DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Paranoiac
GB 1963
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Jimmy Sangster, nach Motiven von Josephine Teys Roman „Brat Farrar“
Besetzung: Janette Scott, Oliver Reed, Sheila Burrell, Maurice Denham, Alexander Davion, Liliane Brousse, Harold Lang, Arnold Diamond, John Bonney, John Stuart
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, Making-of, amerikanischer Kinotrailer, deutscher, britischer und französischer Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment (Vertrieb DVD: Koch Films)

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2018 Anolis Entertainment

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