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Silent Movie – Mel Brooks’ Stummfilm-Verrücktheit

Silent Movie

Von Lutz R. Bierend

Komödie // Dem jüngeren Publikum ist der Name Mel Brooks vermutlich eher aufgrund der „Star Wars“/SciFi-Persiflage „Spaceballs“ von 1987 bekannt. Mit „Robin Hood – Helden ins Strumpfhosen“ (1993) und „Dracula – Tot aber glücklich“ (1995) unternahm der Filmemacher in den 90ern zwei weitere mehr oder weniger lustige Versuche, berühmte Kinovorlagen durch den Kakao zu ziehen. Wenn man dieses späte Œuvre des Regisseurs Mel Brooks betrachtet, mag man es kaum glauben, dass dieser Mann in den 70ern nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch außerordentlich lustiger Komiker und Regisseur war. Er ist bekannt für das Zitat „Ich bin der einzige Jude, der jemals einen Dollar mit ‚Hitler verdient hat“, denn nicht nur hat ihm sein Debüt „Frühling für Hitler“ („The Producers“) 1969 seinen ersten und einzigen Oscar eingebracht (bestes Drehbuch) und ihn als Komödien-Regisseur etabliert, auch war die Musicalversion, die er von diesem Stoff 2001 am Broadway herausgebracht hat, das erfolgreichste Musical seit dreißig Jahren: Die Bühnenversion war für 15 Tonys (den Broadway-Oscar) nominiert, von denen sie zwölf gewonnen hat (mehr als jedes andere Musical zuvor), und lief dort sechs Jahre in Folge. Dass „Frühling für Hitler“ in Deutschland kein Erfolg war, lag wohl vor allem am deutschen Filmtitel und dem in Deutschland verständlicherweise etwas verkrampfteren Umgang mit Komödien, die sich über den GröFaZ lustig machen.

Der Schöne und das Biest: Vilma Kaplan soll Mel Funn das Herz brechen

Insofern erfreulich, dass sich Pidax Film Mel Brooks’ früherem Werk angenommen hat und „Mel Brooks’ letzte Verrücktheit – Silent Movie“ in einer neu gemasterten Version auf den Markt bringt. Mit „Silent Movie“ erstellte Mel Brooks eine Hommage an die Helden der Stummfilmzeit, die in den frühen Tages des Kinos mit Slapstick die Massen amüsierten.

Stummfilmer erwacht nach 40 Jahren aus dem Koma

Der Film erzählt die Geschichte von Mel Funn, einem alten Stummfilm-Regisseur, der nach 40 Jahren aus dem alkoholbedingten Koma erwacht und sein altes Studio mit der neuesten Idee zu überzeugen versucht: einem Stummfilm. „Slapstick is Dead!“, wird ihm entgegengeworfen, und erst als er verspricht, die größten Stars der 70er für diesen Film zu engagieren, beginnen die Registerkassen vom Boss von „Big Pictures“ zu klingeln, denn das Studio befindet sich in finanzieller Not. In einer Zeit, in der sich das Fernsehen zu einer großen Konkurrenz entwickelt hat, braucht fast jedes der großen Studios eben endlich mal wieder einen echten Kassenschlager.

Fast prophetisch: Popcorn in der Mülltonnenportion

„Silent Movie“ erzählt, wie Mel Funn eben diese Stars zur Mitarbeit an seinem Stummfilm überredet, und der Cast des Films liest sich wie ein Who’s Who der 70er-Jahre-Stars: Burt Reynolds, Paul Newmann, James Caan, Liza Minelli und Anne Bancroft sowie der französische Pantomime Marcel Marceau, der paradoxerweise als einziger Darsteller überhaupt etwas sagt: ein einziges Wort, was „Silent Movie“ einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde einbrachte – für die wenigsten gesprochenen Zeilen in einem Tonfilm.
Doch mit der Besetzung der Stars ist es für Mel Gunn nicht getan, denn die bösartige Investorengemeinschaft „Engulf & Devour“ (in der deutschen Synchronisation: „Gierschlund und Raffke“) hat sich vorgenommen, das strauchelnde Studio aufzukaufen und setzt daher alles daran, die Premiere des Stummfilms zu verhindern.

Slapstick inspiriert von wahren Begebenheiten

Mel Brooks lebt sein Faible für Absurditäten und Slapstick voll aus, und er gibt vielen Stars der Stummfilmära Gelegenheit, noch einmal ihr Talent in Szene zu setzen. Ironischerweise basiert „Silent Movie“ quasi auf einer wahren Geschichte. Zwar lag Mel Brooks nicht 40 Jahre im Koma, aber als er mit seiner Idee, eine Hommage an Harold Lloyd und Buster Keaton zu drehen, bei Twentieth Century Fox vorstellig wurde, wollte man ihn vor die Tür setzen. Das Studio hatte gerade finanzielle Probleme und wollte sich nicht von so einer absurden Geschichte die Bilanz verhageln lassen. Zwar hatte Mel Brooks 1974 mit „Frankenstein Junior“ und „Der Wilde Wilde Westen“ zwei der erfolgreichsten Fox-Filme des Jahres beigesteuert, aber einen Stummfilm? In den 70ern? Das Unternehmen Gulf and Western Industries hatte ein paar Jahre zuvor schon Paramount übernommen, obwohl es nichts von Film verstand, und tatsächlich waren solche Firmen auch an einer Übernahme der Fox-Studios interessiert und lieferten das Vorbild für „Engulf and Devour“ im Film. Erst als Mel Brooks versprach, er würde für diesen Film große Stars ranschaffen, gab Fox das Okay, und siehe da: „Silent Movie“ wurde ein Erfolg.

Beim Who’s Who der 70er-Jahre-Stars darf Liza Minnelli nicht fehlen

Mel Brooks muss ein sehr überzeugender Verhandlungspartner gewesen sein, denn er schwört, dass keiner seiner Stars mehr als 300 Dollar Tagesgage haben wollte. Auch wenn man damals von Millionengagen heutiger Tage weit entfernt war, lag das weit unter den üblichen Stargagen. Es schien allen doch ein zu verlockender Spaß zu sein, in der eigenen Identität aufzutreten und mit ihren Starklischees zu kokettieren. Anne Bancroft (damals schon mit Brooks verheiratet) als ewige Mrs. Robinson, die sich von sechs jungen Kerlen gleichzeitig den Hof machen lässt, Burt Reynolds, der zu dieser Zeit eher als harter Mann im Kino zu sehen war, spielt sich so ironisch selbstverliebt, dass sich kein Karikaturist getraut hätte, ihn so überzogen darzustellen. Die beste Szene hat sich wohl Paul Newman herausgepickt: Mit seiner Verfolgungsjagd im elektrischen Rollstuhl durfte er seiner Leidenschaft für den Motorsport frönen.

Unterschätzt: „Das Leben stinkt“

„Silent Movie“ ist voller absurder Ideen – die absurdesten sind in der Endfassung sogar noch rausgeschnitten worden – und legendärer Szenen. Wenn der deutsche Titel von „ Mel Brooks’s letzter Verrücktheit“ spricht, ist das übrigens fast prophetisch zu verstehen, denn „Silent Movie“ ist der letzte Film von Mel Brooks, der sich nicht darauf beschränkte, die Filmgeschichte zu persiflieren, und leider muss man sagen, dass seine Persiflagen selten auf dem Niveau der ZAZ-Filme wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (1980), „Top Secret“ (1984) oder „Die nackte Kanone“ (1988) liegen. Einzige Ausnahmen: seine Hitchcock-Hommage „Höhenkoller“ (1977) und die 1991 weit unter Wert gelaufene Komödie „Das Leben stinkt“, die sein Talent in einer originären Geschichte ahnen lässt.

Bedauerlicherweise hat Pidax Film bei dieser Neuveröffentlichung mit den Extras gegeizt. Während die US-Blu-ray ausführlich über die Entstehungsgeschichte und die historischen Vorbilder des Slapsticks informiert, muss man sich bei der Neuauflage mit einer Bildergalerie und dem Trailer begnügen. Das lässt eine Empfehlung der DVD schwerfallen, Auch wenn die Komödie selbst sicher zu den amüsantesten Mel-Brooks-Filmen zählt.

In Ritterrüstung die Kantine zerlegen – wem würde das keinen Spaß machen?

Veröffentlichung: 23. November 2018 und 3. Juli 2003 als DVD

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Silent Movie
USA 1976
Regie: Mel Brooks
Drehbuch: Mel Brooks, Ron Clark, Rudy De Luca, Barry Levinson
Besetzung: Mel Brooks, Marty Feldman, Dom DeLuise, Sid Caesar, Harold Gould, Ron Carey, Bernadette Peters, Carol Arthur, Liam Dunn, Fritz Feld, Chuck McCann, Liza Minnelli, Burt Reynolds, James Caan, Anne Bancroft, Marcel Marceau, Paul Newman
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Trailer, Wendecover
Label: Pidax Film (2018), Twentieth Century Fox Home Entertainment (2003)
Vertrieb 2018: Al!ve AG

Copyright 2019 by Lutz R. Bierend
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Pidax Film

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Moor-Monster! Bestie oder Wischmopp?

Moor-Monster!

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Im Spätsommer 2013 begaben sich mehrere Gruppen von Touristen in eine abgelegene Moorgegend im Staat Kentucky.

Echt jetzt!

Total gruselig!

Ein Jahr später fand man dieses Videomaterial …

Im Anschluss an diese verheißungsvolle Ankündigung per Texttafel sehen wir Found-Footage-Aufnahmen einer dreiköpfigen Familie, die im Wohnmobil unterwegs ist. Vaddern ist ganz begeistert von der Landschaft, Mudder und Tochter nörgeln. Glücklicherweise folgt alsbald eine weitere Texteinblendung:

Aber das Videomaterial ist stinklangweilig! Deshalb zeigen wir Ihnen stattdessen diesen Film hier.

Ein schöner Gag zum Einstieg, der Sinn für Humor verrät – ob feingeistig oder grobschlächtig, möge jede/r selbst entscheiden. Zum nun wirklich folgenden Auftakt von „Moor-Monster“ versenken zwei Typen ein Fass Atommüll in einem Moorteich. Der eine fühlt sich beobachtet, aber womöglich leidet er nur an Anatidaephobie – der Angst von einer Ente beobachtet zu werden.

Sheriff Cohen sorgt für Recht und Ordnung – oder so

Drahtzieher und Auftraggeber der beiden Umweltverschmutzer ist Gangsterboss Frank Corman (Jürgen Lill), der sich vorzugsweise im heimischen Wellness-Bereich lümmelt, sprich: an seinem Pool. Die illegale Müllverklappung hat allerdings die Entstehung einer fiesen Kreatur zur Folge – genau: das titelgebende Moor-Monster, das sicher auch eine Karriere als Wischmopp anstreben könnte. In der Folge metzelt sich das humanoide Biest durch eine Underground-Nummernrevue, die sich gewaschen hat und für keinen Gag und keine Anspielung zu schade ist. Dabei kommen auch Freunde nackter Tatsachen auf ihre Kosten. Wird Sheriff Cohen (Thomas Brandl) der Bedrohung Herr werden? Immerhin hat er die Großwildjäger Jack Wood (Thomas Pill) und Jackie Franco (Monika Brandl) als Unterstützung, das Trio kann aber ein Moor-Monster-Massaker in einem Drive-in-Kino nicht verhindern.

Eine zünftige Kissenschlacht darf nicht fehlen

Eine überdimensionale Ente im Trenchcoat (also doch berechtigte Anatidaephobie!) will unter dem Decknamen „Duck Throat“ (sehr schön!) geheime Informationen über die illegale Giftmüllentsorgung an den Mann bringen, wird aber von zwei Killern daran gehindert – eben jenen Fass-Versenkern vom Auftakt. Anderswo werden „die üblichen Verdächtigen“ verhaftet – mit zahlreichen Anspielungen wie diesen verraten die Macher von „Moor-Monster!“ ein profundes filmisches Wissen. Sie zu entdecken, macht viel Spaß. Auch im Slasher-Kino der 80er bewegen sie sich sicher.

Underground-Trash mit Laiendarstellern

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir haben es mit Underground-Trash in Reinkultur und Laiendarstellerinnen und -darstellern zu tun. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ein solches Nischenprodukt zielt ohnehin nicht auf ein Millionenpublikum. Die Besetzungsliste ist im Vergleich zu manchen anderen Undergroundfilmen recht groß, wenn ich das richtig einschätze, da sollte allein der Familien- und Freundeskreis aller Beteiligten einen gewissen Absatz der DVD sichergestellt haben.

Duck Throat will ein Geheimnis enthüllen

Für Kostüme und Ausstattung plünderten die Produzenten von Brandl Films zweifellos hemmungslos überall, wo sie passende Requisiten und Klamotten finden konnten, und sei es in der Besenkammer der Eltern Brandl. Die Produktionsfirma ist das Projekt der Geschwister Monika, Günther und Helmut Brandl, die bereits seit 1998 gemeinsam Filme drehen, mittlerweile mit einem motivierten Stamm-Team. Die Filmografie umfasst bereits mehr als 50 Produktionen, beachtlich für ein solches Independent-Familienprojekt. Der Vertrieb erfolgt über den hauseigenen Online-Shop – auch „Moor-Monster!“ befindet sich im Sortiment. Brandl Pictures kann sogar für die Produktion von Hochzeits-Videos gebucht werden, wie ein Werbefilm zu Beginn der DVD offenbart. Dass sie ein paar visuelle Tricks drauf haben, zeigen die Brandls in „Moor-Monster!“. Wer traut sich?

Hier wird anderes enthüllt

Die kleine, aber feine deutsche Underground-Szene (oder ist sie gar nicht so klein?) scheint gut vernetzt zu sein: Günther Brandl ist mir bei meinen wenigen Ausflügen in den teutonischen No-Budget-Film mehrfach über den Weg gelaufen, so in „Weakness of a Sick Mind“ mit einer Gastrolle und in „Antithese“, wo er die Hauptfigur spielt.

Wann taucht das Moor-Monster wieder auf?

„Moor-Monster!“ wirkt gelegentlich wie der ausgelassene Karnevals-Ausflug einer überkandidelten Freundes-Clique, aber etwas mehr Blut, Schweiß und Tränen wird wohl doch dahinterstecken, wobei es sich um Lachtränen gehandelt haben dürfte – über andere Körperflüssigkeiten wagen wir nicht zu spekulieren. Keine Darstellerin und kein Darsteller sind sich für irgendeine Albernheit zu schade. Der rote Handlungsfaden geht bei all dem Klamauk ab und zu ein wenig verloren, eine Weile fragte ich mich, wann denn endlich mal wieder die titelgebende Kreatur in Erscheinung tritt.

Das Moor-Monster schlägt zu

Langeweile kommt nicht auf, dennoch scheint mir „Moor-Monster!“ zu lang geraten zu sein. Zwar gibt es keine Längen (das wäre dann ja doch Langeweile gewesen), aber mir reichen bei einer Horrorparodie – und damit haben wir es zu tun – doch knackige knapp anderthalb Stunden wie etwa bei „Scary Movie“. Vermutlich sprudelten die Geschwister Brandl bei ihren Drehbuch-Sessions nur so vor Ideen – ein wenig Alkohol mag dabei auch gesprudelt sein. Ein paar Einfälle hätten sie sich natürlich auch für „Moor-Monster 3“ aufsparen können, denn „Moor-Monster 2“ gibt es seit 2017 bereits. Auf der streng limitierten und möglicherweise bereits nicht mehr erhältlichen Blu-ray „P.S.Y.C.H.O. Productions Film Festival #1“ findet sich unter den zehn dort versammelten Underground-(Kurz-)Filmen auch eine 68 Minuten lange Fassung von „Moor-Monster!“. Dass der Film in der Zweistundenfassung zu lang ist, ist meine höchst subjektive Wahrnehmung, anderen mag er genau so die perfekte Dauer haben – man kann ja für den Filmabend auch einfach einen Kasten Bier mehr kaufen. Der Spaß an der Sache ist den Darstellern von „Moor-Monster!“ jedenfalls in jeder Szene anzusehen, und er hat sich auch auf mich übertragen. Das gelingt manch „großer“ deutscher Komödie schon lange nicht mehr. Merkt’s euch, Til, Matthias, Elyas und Bully!

Weil’s so schön ist – einfach nur so

Veröffentlichung: 12. November 2014 als DVD

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Moor-Monster
D 2014
Regie: Günther Brandl, Helmut Brandl, Monika Brandl
Drehbuch: Günther Brandl, Helmut Brandl, Monika Brandl
Besetzung: Thomas Pill, Monika Brandl, Katharina Buchberger, Günther Brandl, Christian Meilhammer, Romy Glasel, Jürgen Lill, Nicole Silvia Abl, Vicky Vampire
Zusatzmaterial: Outtakes (7:29), Behind the Scenes (2:06), 20 (!) geschnittene Szenen, Bildergalerie, Musikvideo „Them“: „Maneating Mutant Monster“, der Autokino-Film (3:29), Fake-Trailer „Angriff der Riesenschnecke“, Trailershow, züchtiges Wendecover
Label/Vertrieb: Brandl Pictures

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2018 Brandl Pictures

 

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Der Vagabund von Texas – Gary Cooper als Bruder Leichtfuß

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Along Came Jones

Von Volker Schönenberger

Westernkomödie // Kaum im Örtchen Payne Ville angekommen, macht der gutmütige Herumtreiber Melody Jones (Gary Cooper) ganz neue Erfahrungen: Selbst hartgesottene Kerle haben Angst vor ihm. Des Rätsels Lösung: Man verwechselt Melody Jones mit dem gefürchteten Postkutschenräubert Monte Jarrad (Dan Duryea) – die identischen Initialen sind schuld daran. Zunächst gefällt sich Melody Jones in der Rolle des Haudegens, vor dem die Männer zurückschrecken. Der Naivling denkt nicht darüber nach, wie nah er so einer tödlichen Kugel kommen könnte. Zum Glück nimmt sich die aparte Cherry de Longpre (Loretta Young) seiner an. Die hat allerdings etwas zu verbergen.

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Vagabund Melody Jones wird für einen Banditen gehalten

Gary Cooper als jungenhafter Tunichtgut – ein seltenes Bild. Der Oscar-Preisträger („12 Uhr mittags“) war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten allerdings schon ein Mittvierziger, was man bei genauem Hinschauen auch sieht. Er konnte 1945 aber auch bereits auf eine stattliche Filmografie und vier Oscar-Nominierungen zurückblicken, war gut gebucht, und das nicht nur in Western.

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Cherry de Longpre beschützt den jungen Mann

„Along Came Jones“, so der Originaltitel von „Der Vagabund von Texas“, funktioniert gut als leichtfüßige Westernkomödie mit parodistischen Anklängen. Sicher kein wichtiges Werk in Gary Coopers Filmografie, aber die Dreharbeiten dürften ihm Spaß gemacht haben. Bedeutsam ist der Schwarz-Weiß-Western dann aber doch, weil er Coopers einzige Arbeit als Produzent darstellt. Singen darf er auch ein paar Mal. Fast hätte ich übersehen, dass Cooper mit Loretta Young eine Schauspielerin an seiner Seite hatte, die drei Jahre später einen Hauptrollen-Oscar für „Die Farmerstochter“ („The Farmer’s Daughter“, 1947) verliehen bekam. Alles in allem bietet „Der Vagabund von Texas“ amüsante Westernunterhaltung ohne Tiefgang.

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Wie lange hält Melody das Spiel durch?

Regisseur Stuart Heisler gilt es hierzulande noch zu entdecken. Sein Krimidrama „Der gläserne Schlüssel“ („The Glass Key“, 1951) ist jüngst in der „Film Noir Collection“ von Koch Films erschienen, die ein Jahr später entstandene Robinsonade „Insel der Verheißung“ („Saturday Island“, 1952) auch erst kürzlich. Das war es womöglich schon, von ein paar Folgen der Clint-Eastwood-Serie „Tausend Meilen Staub“ („Rawhide“, 1959–1965) mal abgesehen. Dabei tun sich in Heislers Filmografie einige interessante Titel auf: „Tokio-Joe“ („Tokyo Joe“, 1949) und „Des Teufels Pilot“ („Chain Lightning“, 1950) haben Humphrey Bogart zu bieten, „Todfeindschaft“ („Dallas“, 1950) wartet mit Gary Cooper als desillusioniertem Ex-Südstaaten-Offizier auf. Sehr interessant wirkt „Der Gefangene des Ku-Klux-Klan“ („Storm Warning“, 1951) mit Ginger Rogers, Ronald Reagan und Doris Day – in den USA immerhin auf DVD lieferbar. Das gilt auch für das Erdöl-Drama „Erde in Flammen“ („Tulsa“, 1951) mit Susan Hayward und Robert Preston. Heislers bekanntester Film ist womöglich „The Star“ (1952), in dem Bette Davis als abgehalfterte Filmdiva zu sehen ist. In Nebenrollen: Sterling Hayden sowie eine blutjunge Natalie Wood. Auch „The Star“ ist nur in den USA erschienen.

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Melodys Gefährte George ist besorgt

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schiess zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)
50. Garten des Bösen (Garden of Evil, USA 1954)
51. Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, USA 1939)
52. Duell in Diablo (Duel at Diablo, USA 1966)
53. Massai – Der große Apache (Apache, USA 1954)
54. Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955)

Veröffentlichung: 7. Juli 2016 als DVD

Länge: 86 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Along Came Jones
USA 1945
Regie: Stuart Heisler
Drehbuch: Nunnally Johnson, nach einem Roman von Alan Le May
Besetzung: Gary Cooper, Loretta Young, William Demarest, Dan Duryea, Walter Sande, Frank Sully, Don Costello, Arthur Loft, Ray Teal, Lane Chandler
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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