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Der Pazifikkrieg (IV): Die Hölle sind wir – Entstehung und Zerstörung von Gesellschaft

Hell in the Pacific

Von Lucas Gröning

Kriegs-Abenteuer // Egoismus ist wohl eine der hinderlichsten Eigenschaften, wenn es um die zivilisierte Koexistenz von uns Menschen geht. Sehen wir uns bereits im Kindergarten mit dem täglichen Streit rund um das attraktivste Spielzeug konfrontiert, weiten sich diese Konflikte mit dem Erwachsenwerden auf wesentlich größere und bedeutendere Aspekte aus. Sicher, Egoismus hat auch eine Menge positiv-konnotierter Eigenschaften. Wenn ich beispielsweise gewillt bin, meine eigenen Bedürfnisse dem Gemeinwohl unterzuordnen, woher will ich wissen, dass meine Mitmenschen diese Bereitschaft ebenfalls aufbringen? Ein gesunder Drang, die eigenen Interessen nach vorn zu stellen, gehört angesichts dieser Ungewissheit zum absolut natürlichen und moralisch gerechtfertigten Denken und Handeln eines jeden Menschen dazu, zumal der in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht geforderte Konkurrenzkampf, gerade in westlichen Gesellschaften, dies systematisch voraussetzt. Damit gesellschaftliches Zusammenleben funktionieren kann, braucht es jedoch ein kontrolliertes Unterordnen der eigenen Bedürfnisse, wozu es wiederum Regeln benötigt, auf die sich eine Gesellschaft einigen muss.

Ein amerikanischer Soldat trifft auf einer Insel …

Ein kompliziertes Thema, welches sich John Boorman mit „Die Hölle sind wir“ zu eigen gemacht und, das sei vorweggenommen, auf großartige Weise bearbeitet hat. Im Dezember 1968 in Japan und den USA gleichermaßen im Kino gestartet, bildet „Die Hölle sind wir“ Boormans dritte Kino-Regiearbeit nach der Musikkomödie „Fangt uns, wenn ihr könnt“ (1965) und dem knallharten Gangster-Thriller „Point Blank“ (1967). Später inszenierte er unter anderem das beinharte Survival-Abenteuer „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (1972), den postapokalyptischen Science-Fiction-Film „Zardoz“ (1974), das missratene Horror-Sequel „Exorzist II – der Ketzer“ (1977) und mit „Excalibur“ (1981) eine der besten Verfilmungen der Sage um König Artus und die Ritter der Tafelrunde.

Die Schauspielgrößen Lee Marvin und Toshirō Mifune

Als einzige Darsteller für „Die Hölle sind wir“ wurden die beiden Schauspiellegenden Lee Marvin und Toshirō Mifune verpflichtet. Als Marvins größter Erfolg zählt der Kriegs-Actionreißer „Das dreckige Dutzend“ (1967), im selben Jahr hatte er für „Point Blank“ erstmals mit Boorman zusammengearbeitet. 1962 war er in der Rolle des bösartigen Revolvermanns Liberty Valance in John Fords „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ an der Seite von James Stewart und John Wayne zu sehen. Ebenfalls ein Revolvermann, allerdings ein versoffener, war er 1965 in „Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming“. Für die Hauptrolle gab’s im selben Jahr den Silbernen Bären der Berlinale und 1966 Oscar und Golden Globe. Mifune wiederum erlangte vor allem Bekanntheit durch seine häufige Zusammenarbeit mit Regielegende Akira Kurosawa, unter anderem spielte er Hauptrollen in dessen Meisterwerken „Rashomon“ (1950) und „Die sieben Samurai“ (1954). Für „Die Hölle sind wir“ trafen diese beiden großartigen Schauspieler nun aufeinander und legten damit den Grundstein für einen fantastischen Film.

Kampf um die Hegemonie

Die Geschichte ist oberflächlich betrachtet relativ einfach und unkompliziert. Wir befinden uns am Ende des Zweiten Weltkrieges auf einer Pazifikinsel. Unabhängig voneinander stranden dort ein amerikanischer (Lee Marvin) und ein japanischer Soldat (Toshirō Mifune), deren einzige Gemeinsamkeit zunächst der verzweifelte Kampf ums Überleben scheint. Irgendwann begegnen die Protagonisten einander und es kommt zu Konflikten. Bei beiden herrscht nach einem langen und qualvollen Krieg der Hass auf das jeweils andere, ideologisch konstruierte Feinbild, welches unmittelbar auf das Gegenüber projiziert wird. Diese Projektion, in Verbindung mit dem unbedingten Willen, das eigene Leben zu erhalten, führt zu einem unerbittlichen Kampf um die knappen Ressourcen, die die Insel den beiden zur Verfügung stellt. Es führt zu einem rein egoistischen Kampf um das eigene Wohl. Wenn der eine beispielsweise eine Möglichkeit gefunden hat, sauberes Wasser zu generieren, will er diese Errungenschaft nicht mit dem anderen teilen. Hat der andere ein Tier zum Essen erbeutet, teilt er die Nahrung nicht mit seinem Gegenüber.

… auf einen japanischen Soldaten

Was wir hier augenscheinlich sehen, ist ein Konkurrenzkampf um die begrenzten Güter der Insel, der sich problemlos auch auf moderne Gesellschaften übertragen lässt. Auch wir stehen in gewisser Weise auf dem freien Markt ständig in Konkurrenz zu unseren Mitbewerbern. Auch wir streben nach unserem Vorteil in der Gesellschaft und stellen für unser eigenes Wohlsein andere Existenzen hinten an. Aufgrund der Begrenzung des Wohlstands versucht ein jeder, das Beste für sich selbst und vielleicht noch seine Angehörigen herauszuholen. Die „Verlierer“ dieses Kampfes fallen hinten herunter und haben es entprechend schwer, sich aus einer schwachen Position heraus eine wohlhabendere Stellung in der Gesellschaft zurückzuholen. Das Ergebnis ist somit Klassismus und der daraus folgende marxistische Begriff des Klassenkampfes. Einen ebensolchen Konflikt zeigt uns „Die Hölle sind wir“, und lange Zeit bleibt offen, wer diesen Kampf schlussendlich gewinnen wird. Der Film kam im Übrigen nicht mit dem von John Boorman vorgesehenen Ende in die Kinos, da die Produzenten das Finale veränderten – kurioserweise, indem sie eine Szene aus Blake Edwards’ „Der Partyschreck“ (1968) einfügten. Die vom Regisseur präferierte Schlussszene findet sich im Bonusmaterial der DVD von Pidax Film. Wer kein Problem mit Spoilern hat, kann die Unterschiede im Schnittbericht nachlesen. Das ursprüngliche Drehbuch enthielt gemäß Trivia der Internet Movie Database sogar ein ganz anderes Ende: Danach war vorgesehen, dass Lee Marvins Figur von japanischen Soldaten gefangen genommen wird und Toshirō Mifunes Soldat seinen Leidensgenossen bald darauf geköpft vorfindet, woraufhin er die Soldaten angreift und seinerseits köpft. Boorman entschied sich jedoch, diese Szene nicht zu drehen.

Das Unterordnen von Egoismen

Mit zunehmender Spieldauer müssen wir feststellen: Es gibt in diesem Szenario keine Gewinner. Angesichts der begrenzten Ressourcen kann nur die Zusammenarbeit beider Parteien das gemeinsame Ziel des Überlebens sichern. Ermüdet und gezeichnet vom ständigen Kampf gegeneinander, raufen sich die Protagonisten zusammen und beschließen, die Flucht von der Insel und die Rückkehr in die Zivilisation geminsam anzugehen. Durch das nun vorherrschende Motiv des zurückgestellten Egoismus ist nun ein Zusammenkommen beider Menschen, ja sogar die Bildung einer Gesellschaft und ein damit einhergehender Fortschritt möglich. Einen Schlüssel bildet hier das erneute Stellen der Eigentumsfrage. Arbeitete zunächst jeder der beiden ausschließlich für sich selbst und für seinen eigenen privaten Wohlstand, dienen die neu erbeuteten Ressourcen nun jeweils beiden Protagonisten. Somit wird aus dem selbst erarbeiteten Privateigentum Kollektiveigentum, gleichbedeutend mit dem Bilden von Gemeinschaft und dem Ablegen jeglicher egoistischer Züge. Somit haben sich die Soldaten auf eine neue Regel verständigt, und die Neuklärung der Eigentumsverhältnisse in ihrer minimalen Gemeinschaft in gewisser Weise politisiert.

Vom Ablegen der Feindbilder

Darüber hinaus legen die Soldaten neben ihren egoistischen Trieben auch ihre ideologiegeleiteten Feindbilder ab. Es wird immer gleichgültiger, dass es sich bei dem einen um einen amerikanischen und bei dem anderen um einen japanischen Soldaten handelt und sich beide Parteien im Pazifik im Krieg befinden. Fast beiläufig werden die Ideologien zugunsten eines gesellschaftlichen Zusammenlebens und Fortschritts über Bord geworfen, was die Unwichtigkeit und Sinnlosigkeit dieser Ideologien in einem übergeordneten Kontext unterstreicht. Neben der Bildung einer Gesellschaft und der Entwicklung des Zusammenlebens gibt dieser Aspekt „Die Hölle sind wir“ eine weitere Dimension und macht Boormans Werk auch zu einem Antikriegsfilm.

Es entbrennt ein ideologisch geprägter Überlebenskampf

Alles in allem sind dem Regisseur und seinem Team mit „Die Hölle sind wir“ ein fantastischer Film gelungen. Der Film nutz das Aufgreifen von Eigentumsfragen bei gleichzeitigem Hinterfragen von Wirtschaft, Hegemonie und Klassismus moderner, vor allem kapitalistischer Gesellschaften, um eben diese zu kritisieren und die Regeln, die dort vorherrschen, auf seine Art zu kommentieren. Zugleich wird der Film durch sein Szenario und die anfängliche Treue seiner Protagonisten zu vereinfachenden, verblendenden Ideologien zu einem Antikriegsfilm und setzt die sich im Krieg abspielenden Konflikte zugleich in den Kontext zum bereits angesprochenen Kampf um die Hegemonie in einer sich bildenden Gesellschaft. Doch Kampf und Krieg führen nicht zum Fortschritt oder der Verbesserung einer Gesellschaft, sondern tragen eher ihren Beitrag zur Zerstörung bei, so die unmissverständliche Botschaft des Films. Mittels minimalistischer Darstellung in Form zweier einfacher, maskenhafter Charaktere, deren durchgängiger Sprachlosigkeit, der räumlichen Einengung durch den Inselstrand und die Beschränkung bezüglich des dargestellten Zeitstrahls bricht der Film die Konflikte auf ein Minimum herunter und macht sie für jedermann verständlich. In diesem Minimalismus erreicht der Film eine Klarheit und zugleich eine Höhe, die man in vielen vergleichbaren, streckenweise überladenen Filmen vergeblich sucht. Das alles macht „Die Hölle sind wir“ zu einem großartigen und zugleich sehr unterschätzten Film, den aus meiner ganz persönlichen Sicht deutlich mehr Leute sehen sollten, als das bisher der Fall war.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lee Marvin und Toshirō Mifune haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. November 2019 und 24. August 2006 als DVD

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Hell in the Pacific
Alternativer deutscher DVD-Titel: Hell in the Pacific – Zwei Männer zwischen Krieg und Hölle
USA 1968
Regie: John Boorman
Drehbuch: Alexander Jacobs, Eric Bercovici
Besetzung: Lee Marvin, Toshirō Mifune
Zusatzmaterial: Interview mit Regisseur John Boorman, Interview mit Art Director Anthony Pratt, alternatives Ende, Wendecover
Label 2019: Pidax Film
Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2006: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2019 by Lucas Gröning
Szenenfotos: © 2019 Pidax Film

 
 

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Der Pazifikkrieg (III): Midway – Für die Freiheit: Emmerich schafft’s nach zwei Jahrzehnten

Midway

Kinostart: 7. November 2019

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Es fällt mir schwer, „Midway – Für die Freiheit“ angemessen einzuordnen. Ich schau gern Kriegsfilme in allen Facetten, die das Genre hergibt und habe mich deshalb während der Pressevorführung von Roland Emmerichs aktueller Regiearbeit sehr gut unterhalten gefühlt. Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, der auch beim Namen zu nennen ist: Ein patriotisches Kriegsdrama, bei dem man auf den Gedanken kommt, es könne Donald Trump animieren, sich eine Privatvorführung im Weißen Haus organisieren zu lassen, muss sich Kritik gefallen lassen – unabhängig von der Frage, ob man sich den aktuellen US-Präsidenten als Filmfan vorstellen kann.

Admiral Nimitz steht ebenso vor einer schweren Aufgabe …

Ins US-patriotische Horn hat der Regisseur bereits in der Vergangenheit gestoßen, aber der Zweite Weltkrieg war nun mal ein anderes Kaliber als all die anderen Konflikte, in denen US-Soldaten in den vergangenen Jahrzehnten und speziell seit dem 11. September 2001 zu den Waffen gegriffen haben. 1941 und 1942 wollten die USA keinen Krieg führen, erst Pearl Harbor machte sie zur Kriegsnation – ein Angriff auf amerikanischem Boden. Heute hingegen entsteht der Eindruck, das Land sei schnell bei der Hand, sein Militär in ferne Länder zu schicken, wenn wirtschaftliche US-Interessen berührt sind – und das oft unter Missachtung des Völkerrechts. In diesen Zeiten den US-Soldaten des Zweiten Weltkriegs ein weiteres Denkmal zu setzen, so verdient das sein mag, begeistert womöglich die falschen Leute.

Keine Einladung von Donald Trump?

Natürlich inszeniert Roland Emmerich („White House Down“) keinen Jubel-Patriotismus – das kann man ihm zugutehalten. Tatsächlich hat er im Interview geäußert, ihm war der Film gerade jetzt wichtig, weil man momentan sehe, wie hässlich die Politik der USA geworden sei. Immerhin, sofern Donald Trump das liest, sieht er vielleicht von einer Privatvorführung ab, zumindest wird er Emmerich nicht dazu einladen.

… wie Vize-Admiral Yamamoto

Der 1955 in Stuttgart geborene und Anfang der 90er-Jahre nach Hollywood ausgewanderte Regisseur wollte die Schlacht um Midway bereits vor 20 Jahren verfilmen. Doch erst verhinderte das seine vertragliche Bindung an Sony – der japanische Konzern wollte für die Inszenierung einer der großen japanischen Niederlagen kein Budget lockermachen, also drehte er erst einmal „Der Patriot“ mit Mel Gibson und Heath Ledger, ein Kriegsdrama um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Dann kam Emmerich ein gewisser Michael Bay mit „Pearl Harbor“ (2001) zuvor. Ein weiteres aufwendiges Epos um den Pazifikkrieg lag damit in weiter Ferne von zwei Jahrzehnten.

Ähnlichkeiten zu „Schlacht um Midway“ sind kein Zufall

„Midway – Für die Freiheit“ hält sich in der Darstellung der Ereignisse recht streng an die historischen Fakten und Daten, das hat Emmerichs Regiearbeit mit „Schlacht um Midway“ von 1976 gemein. Zur geschichtlichen Einordnung der Schlacht um Midway im Juni 1942 verweise ich daher auf meine Rezension des älteren Films mit Charlton Heston und Henry Fonda.

Anne Best ängstigt sich um ihren Mann

Der Regisseur beginnt sein Schlachtengemälde mit dem Angriff auf Pearl Harbor, den er in heftigen Bildern zeigt – inklusive des sich ins kollektive Gedächtnis der Amerikaner eingebrannten Motivs des in Schlagseite liegenden brennenden Schlachtschiffs „USS Arizona“. Viel Raum nimmt auch der Doolittle Raid ein, die erste Bombardierung japanischer Städte durch US-Flieger unter Lieutenant Colonel Jimmy Doolittle (Aaron Eckhart).

Woody Harrelson als Admiral Nimitz

Da sich Emmerich wie sein Vorgänger um historische Authentizität bemüht, finden sich die bedeutsamen Protagonisten der Ereignisse auch bei ihm, etwa der von Woody Harrelson souverän verkörperte Admiral Chester W. Nimitz, Oberbefehlshaber auf US-Seite, und sein japanisches Pendant Vize-Admiral Isoroku Yamamoto (Etsushi Toyokawa). Emmerich fügt aber auch Figuren hinzu, die im 1976er-Film unter den Tisch gefallen waren, so den Nachrichtenoffizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson), dessen offenbar bedeutsamer Rolle bei der Beschaffung höchst wichtiger Geheiminformationen entsprechend er viel Raum im Film gibt. Etwas mehr Leinwandzeit als 1976 erhält Admiral William F. Halsey (Dennis Quaid), den vor der Schlacht um Midway eine Hauterkrankung außer Gefecht setzt.

Kann Nachrichtenoffizier Layton die richtigen Informationen beschaffen?

Einen großen Fokus legt Emmerich auf die US-Kampfflieger, allen voran Richard „Dick“ Best, den Ed Skrein klischeehaft als ungestümen Teufelskerl porträtiert, der gern mal die Vorschriften außer Acht lässt und damit den Unwillen seines Vorgesetzten Lieutenant Commander Wade McClusky (Luke Evans) auf sich zieht. Allerdings weiß der Offizier auch, was er an seinem besten Mann hat. Weitere Mitglieder der Flugzeugträger-Fliegerstaffeln sind unter anderen der Bomberpilot Frank Woodrow O’Flaherty (Russell Dennis Lewis) und sein Bordschütze Bruno Peter Gaido (Nick Jonas). Letztgenannter hatte sich Anfang Februar 1942 eine Heldentat geleistet, die „Midway – Für die Freiheit“ auch zeigt.

Wer traut sich in einen Sturzkampfbomber?

Die Action ist erwartungsgemäß fulminant. Klotzen kann der „Master of Desaster“ Roland Emmerich, das weiß man und muss man ihm lassen. Wenn Dick Best im Sturzkampfbomber zur Attacke auf die Flugzeugträger ansetzt, ihm japanische Jäger im Nacken sitzen und das Sperrfeuer von den feindlichen Schiffen um die Ohren geballert wird, bekommt man den Hauch eines Gefühls davon, wie riskant diese Einsätze waren. Muss man wahnsinnig oder lebensmüde sein, um sich in ein solches Cockpit zu setzen? Vielleicht beides. Wer Kriegs-Action zur See und in der Luft etwas abgewinnen kann, kommt voll auf seine Kosten. Auch tricktechnisch gibt es nichts auszusetzen, und die große Leinwand in Verbindung mit aufwendigen Soundsystemen bringt die Intensität des Spektakels bestens zur Geltung. Etwas absurd wirkt es allerdings, wenn sich Kampfpiloten mitten in der Luft trotz Flugwind und Motorenlärm im offenen Cockpit problemlos mit den hinter ihnen sitzenden Bordschützen unterhalten können, ohne dafür Funkgeräte zu benötigen – der Lärm muss so immens gewesen sein, dass man nicht mal sein eigenes Wort verstehen würde. Sonderbar, dass Emmerich bei diesem Detail so schlampig gearbeitet hat.

Wade McClusky (l.) und Dick Best raufen sich zusammen

Wie „Tora! Tora! Tora!“ und „Schlacht um Midway“ zeigt Emmerich die Japaner nicht als Schurken, sondern als Kontrahenten der Amerikaner, die für ihr Land einen ehrenvollen Sieg erringen wollen. Ein paar Spitzen gibt es dann aber doch, sie sind womöglich dem chinesischen Geld geschuldet, das in die Produktion von „Midway – Für die Freiheit“ geflossen ist. China hatte unter der japanischen Invasion und Besatzung ab 1937 großes Leid erfahren, das bis heute nachwirkt. So werden wir Zeuge eines Kriegsverbrechens an gefangenen US-Soldaten an Bord eines japanischen Schiffs. Gegen Ende erfährt das Publikum obendrein per Texteinblendung, die Japaner hätten aus Vergeltung für die Hilfe, die Jimmy Doolittle und seine Männer nach der Bombardierung Tokios und ihrer anschließenden Landung in China durch die Bevölkerung erhielten, 250.000 chinesische Zivilisten hinrichten lassen.

Regielegende John Ford als Nebenfigur

Ein nettes, wenn auch für die Handlung von „Midway – Für die Freiheit“ völlig verzichtbares Gimmick stellt Roland Emmerichs Hommage an den Regisseur John Ford (Geoffrey Blake) dar, der zufällig auf Midway anwesend war, um dort eine Dokumentation über das Leben auf einer isolierten Militärbasis zu filmen. Stattdessen drehte er Schlachtenszenen, wurde dabei sogar leicht verwundet. Das 18-minütige Resultat trägt wie der 1976er-Spielfilm den Titel „Schlacht um Midway“ („The Battle of Midway“) und kann – da Public Domain – kostenlos im Netz angeschaut und heruntergeladen werden. Eine restaurierte Fassung gibt’s bei YouTube.

Bruno Gaido leistet Heldenhaftes

Der seinerzeitige Drang des kaiserlichen Japans, mit aller Macht und viel Gewalt im Pazifik die tonangebende Nation zu sein und zur Weltmacht aufzusteigen, mag die kriegerische Gegenwehr gerechtfertigt haben, zumal die Amerikaner angegriffen wurden und jedes Recht zur Selbstverteidigung hatten. Heutzutage sieht das ganz anders aus, wenn irgendwo auf der Welt US-Militär in den Einsatz geht. Ein komplexes Thema, bei dem es mir schwerfällt, die richtigen Gedanken zu finden und in Worte zu kleiden. Jedenfalls wirkt es wenig zeitgemäß, wenn ein Kriegsdrama, das ein gewisses Anspruchsdenken ausstrahlt, so gar keine Aussage gegen den Krieg trifft. Ich erwarte gar keinen Antikriegsfilm, das wäre die ganz hohe Schule, die in der Geschichte des Kriegsfilm-Genres im Vergleich zur großen Zahl der Produktionen selten genug eingelöst worden ist. Aber dass es möglich ist, ein Kriegs-Epos mit Fokus auf die vermeintlich oder tatsächlich „Guten“ zu inszenieren und gleichzeitig kritisch mit militärischen Auseinandersetzungen ins Gericht zu gehen, haben 1998 Steven Spielberg mit „Der Soldat James Ryan“ und Terrence Malick mit „Der schmale Grat“ hinlänglich bewiesen. Diese beiden Produktionen haben das Genre enorm geprägt, und Emmerich fällt weit hinter sie zurück, weil es ihm einzig darum geht, Helden ins rechte Bild zu setzen und ihnen ein Denkmal zu setzen. Vielleicht haben Menschen wie Dick Best und Bruno Gaido dieses Denkmal sogar verdient. 2019 sendet es ein falsches Signal.

Zur Inszenierung der Helden passt auch die Porträtierung ihrer Ehefrauen als brave Gemahlinnen, die pflichtbewusst die vielen Beerdigungen besuchen und es hinzunehmen haben, dass ihre Gatten permanent dem Tod ins Auge sehen. Als Dick Bests Ehefrau Anne ist Mandy Moore („The Darkest Minds – Die Überlebenden“) zu sehen. Diese Darstellung der weiblichen Randfiguren ähnelt frappierend der in „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson.

Emmerich mag seine Version lieber

Der Kino-Starttermin 7. (bei uns) und 8. (in den USA) November ist passend gewählt, da in den Vereinigten Staaten der Veterans Day bevorsteht: Am 11. November, dem Tag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs, gedenkt man dort der Veteranen aller Kriege, an denen die Nation teilgenommen hat. Die mit Charlton Heston in einer der Hauptrollen umgesetzte 1976er-Darstellung der Ereignisse hält Roland Emmerich für keinen guten Film. Gestehen wir ihm zu, dass ihm seine Version besser gefällt. Ob sie es wirklich ist? Ich habe meine Zweifel. Die Zeit wird es zeigen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Luke Evans, Woody Harrelson, Dennis Quaid, Ed Skrein und Patrick Wilson unter Schauspieler.

Jimmy Doolittle ist in China gelandet

Länge: 138 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Midway
CHN/USA 2019
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Wes Tooke
Besetzung: Woody Harrelson, Luke Evans, Patrick Wilson, Ed Skrein, Dennis Quaid, Mandy Moore, Alexander Ludwig, Aaron Eckhart, Darren Criss, Nick Jonas, Luke Kleintank, Jake Weber, Keean Johnson, Tadanobu Asano, David Hewlett, Geoffrey Blake, Etsushi Toyokawa, Russell Dennis Lewis
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universum Film

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/11/06 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Der Pazifikkrieg (II): Schlacht um Midway – Wendepunkt im Pazifik

Midway

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // In den ersten Monaten des Kriegsjahrs 1942 frohlockte das kaiserliche Japan: Nach dem vernichtenden Angriff auf Pearl Harbor und der damit einhergehenden enormen Schwächung der Pazifikflotte der USA wähnte sich die Kaiserlich Japanische Marine als Herrscherin des Pazifik.

Bis es im Juni 1942 zur Schlacht um Midway kam …

Das mit Top-Stars gespickte monumentale Kriegsdrama „Schlacht um Midway“ vom heute nicht mehr vielen Filmfans bekannten Regisseur Jack Smight („Der Tätowierte“) setzt mit Schwarz-Weiß-Bildern amerikanischer B-25-Langstreckenbomber ein, die von einem Flugzeugträger aus starten – es handelt sich um den sogenannten Doolittle Raid. Die tödliche Luftfracht trifft Tokio und andere japanische Metropolen, wie kurz darauf Vize-Admiral Isoroku Yamamoto (Toshirô Mifune), Oberbefehlshaber der Vereinigten Flotte, von seinem Adjutanten Commander Watanabe (Clyde Kusatsu) erfährt. Die Schäden und Opfer halten sich in Grenzen, aber dass die United States Army Air Forces zu einem solch frühen Zeitpunkt des Konflikts zwischen Japan und den USA einen Schlag gegen das japanische Festland führen konnten, darf als kleiner psychologischer Erfolg gewertet werden.

Vater und Sohn ziehen in den Krieg

Der im Hauptquartier der US-Pazifikflotte stationierte Captain Matt Garth (Charlton Heston) erlebt eine Überraschung, als er auf seinen Sohn Thomas Garth (Edward Albert) trifft, der sich als Fähnrich freiwillig gemeldet hat. Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuß: Thomas hat sich mit der japanischstämmigen Haruko Sakura (Christina Kokubo) verlobt – die allerdings wurde kürzlich in der Folge des Angriffs auf Pearl Harbor im Verbund mit ihren Eltern in Honolulu interniert (die Internierung japanischstämmiger Amerikaner und auf US-Boden lebender Japaner gehört zu den wenig ruhmreichen Kapiteln der US-Geschichte des Zweiten Weltkriegs).

Captain Matt Garth bereitet sich auf den Einsatz vor

Derweil plant der japanische Generalstab, die Amerikaner aus ihren Höhlen zu locken. Im Mai 1942 kommt es zur Schlacht im Korallenmeer mit schweren Verlusten auf beiden Seiten, einer ersten sogenannten Trägerschlacht, bei der auf beiden Seiten Flugzeugträger zum Einsatz kommen und ihre tödlichen Schwärme aussenden. Vize-Admiral Yamamoto plant, den japanischen Einflussbereich weiter auszudehnen und den US-Vorposten auf den Midway-Inseln im Nordpazifik anzugreifen, ein zwar kleines Atoll, für die Amerikaner aber nicht unbedeutend. Und während die Aufklärungsflugzeuge auf beiden Seiten versuchen, in den Weiten des Pazifiks die feindlichen Schiffe zu entdecken, bringen sich diese unausweichlich in Position für die große Schlacht.

Das ist großartige Schnitttechnik, die „Schlacht um Midway“ da auffährt: Wenn das Geschehen noch vor den Hauptgefechten eine ganze Weile permanent zwischen den Fliegern in der Luft und den Entscheidungsträgern an Bord der Flugzeugträger hin und her wechselt, baut sich kaum fassbare Spannung in der Erwartung der tödlichen Kämpfe auf, zu denen es dann auch kommt. Als friedliebender Mensch sollte man sich der Faszination dieses schweren militärischen Geräts eigentlich entziehen, aber das fällt schwer, und als bekennender Fan des Kriegsfilmgenres in all seinen Facetten will ich auch gar nicht moralisieren.

Perfekter Kriegsfilm?

Perfekter Kriegsfilm zitiert Koch Films auf dem Cover der Blu-ray das „Lexikon des internationalen Films“, verkürzt die Aussage damit allerdings gehörig – anderswo findet sich der Satz in voller Länge: Ein handwerklich perfekter Kriegsfilm mit prominenter Besetzung, der jedoch den Krieg auf fatale Weise zu einem „Spiel für harte Männer“ reduziert und keine historischen Zusammenhänge aufzeigt. Das trifft es schon eher, besteht doch allein schon zwischen perfekter Kriegsfilm und handwerklich perfekter Kriegsfilm ein großer Unterschied. Mich wundert das etwas, habe ich Koch Films doch in den vergangenen Jahren als seriösen Publisher kennengelernt. Aber die Veröffentlichung liegt auch schon fünf Jahre zurück. Historische Zusammenhänge bekommen wir in der Tat nicht erklärt, deutlich wird lediglich, dass Japan einen Angriffskrieg führt und die USA als defensive Kriegspartei agieren und reagieren. Letztlich geht es einzig um die Darstellung der titelgebenden Schlacht.

Die US-Kampfpiloten suchen die feindlichen Flugzeugträger

Verstehen wir uns nicht falsch: Sofern man sich kriegerische Auseinandersetzungen als fesselndes Entertainment geben will, ist „Schlacht um Midway“ dafür vorzüglich geeignet. Ich habe mich über die gesamte Dauer von mehr als zwei Stunden hervorragend unterhalten gefühlt. Die reine Darstellung der Entwicklung und Vorbereitung der Schlacht sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen und Verluste scheinen mir auch den historischen Fakten zu entsprechen. Was das individuelle Agieren der Handlungs- und Entscheidungsträger angeht, bleibt vieles zwangsläufig der Fantasie und Interpretation der Drehbuchautoren überlassen, völlig legitim.

Parallelen zu „Tora! Tora! Tora!“

„Schlacht um Midway“ ist zweifellos alles andere als ein Antikriegsfilm und will das auch gar nicht sein. Das Sterben zahlloser junger Soldaten wird zwar gezeigt, hat aber eher den Charakter einer Randnotiz. Welch schicksalhafte und tragische Wucht der Krieg auf Individuen und Familien haben kann, bleibt ungesagt. Hier geht es um das große Ganze, den Erfolg in der Schlacht. Das eint Jack Smights Regiearbeit mit dem epischen Pearl-Harbor-Kriegsdrama „Tora! Tora! Tora!“ von 1970, und ohnehin ähneln beide Kriegsdramen einander, allein schon durch den permanenten Schwenk von Amerikanern zu Japanern und zurück. Dieser Perspektivwechsel steht ihnen gut zu Gesicht. Schurken gibt es keine, dafür zu allem entschlossene Männer, die schwere Entscheidungen treffen und gleichzeitig die Entscheidungen ihrer Kontrahenten vorausahnen müssen – Irrtümer können und werden für viele Soldaten den Tod bedeuten. Immerhin sind hochrangige Offiziere mit gewaltigen Entscheidungsbefugnissen an Bord der Flugzeugträger mitten im Geschehen, scheuen sich also nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Wir haben es mit Heldenkino zu tun. Großes Kino – das lässt sich ohne Übertreibung feststellen.

Einen gewichtigen Unterschied zum qualitativ und vom Anspruch ebenbürtigen „Tora! Tora! Tora!“ gibt es allerdings: Während der sich ganz auf das Kriegsgeschehen konzentriert, wartet „Schlacht um Midway“ mit der Geschichte um Vater und Sohn Garth auf, im Übrigen zwei fiktive Figuren. Auf mich wirkte der Konflikt der beiden um die Liebe des Sohns zu einer Japanerin gar nicht mal aufgesetzt, sondern fügte dem Film eine interessante Facette hinzu. Stirnrunzeln löste es bei mir allerdings aus, dass sich der vom Mittvierziger Charlton Heston verkörperte Captain Garth am Ende selbst in einen Sturzkampfbomber setzt und persönlich den vierten japanischen Flugzeugträger angreift. Meines Wissens beenden Kampfpiloten ihre aktive Zeit deutlich früher.

Stars in Uniform

Zu Heston gesellen sich weitere große Namen: Henry Fonda spielt Admiral Chester W. Nimitz, den Oberbefehlshaber der alliierten Marineeinheiten im Pazifik. Um den 20 Jahre älteren Seeoffizier darzustellen, ließ sich Fonda dem Vernehmen nach die Haare grau tönen. Glenn Ford ist als Rear Admiral Raymond Ames Spruance zu sehen. Hal Holbrook tritt als Codeknacker Joseph Rochefort auf, der maßgeblich am Abfangen geheimer japanischer Nachrichten beteiligt war. Robert Mitchum wiederum spielt in einem denkbar kurzen Auftritt Admiral William F. Halsey, der das Geschehen aufgrund einer schweren Erkrankung nur vom Krankenhausbett aus verfolgen kann. Den als Assistenten des Gerichtsmediziners „Quincy“ bekannten Robert Ito bekommen wir als japanischen Luftkampf-Strategen Genda Minoru zu Gesicht, der Vize-Admiral Nagumo Chūichi (James Shigeta) berät, welcher den Angriff auf Midway führt. In weiteren, nicht allzu großen Rollen: James Coburn, Cliff Robertson und Robert Wagner.

Der Kampf um Midway hat begonnen

Am Soundtrack des x-fach Oscar-nominierten und fünf Mal auch prämierten „Star Wars“-Komponisten John Williams gibt es ebenso wenig etwas auszusetzen wie an der Kamera von Harry Stradling Jr. („Little Big Man“). Für die Flugzeugaufnahmen bediente sich „Schlacht um Midway“ bei existierendem Material: Die Bombardierung Tokios zu Beginn beispielsweise stammt aus Mervyn LeRoys „Dreißig Sekunden über Tokio“ (1944). Wenn die japanischen Flugzeuge Midway attackieren, erinnert das nicht zufällig an „Tora! Tora! Tora!“. Die unsanfte Landung eines Flugzeugs, bei dem eins der Fahrwerke nicht ausgefahren war, habe ich jedenfalls sofort wiedererkannt. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge wurden weitere Luftkampfsequenzen womöglich dem englischen Kriegsdrama „Die Luftschlacht um England“ von 1969 entnommen. Auch aus dem weniger bekannten „Klar Schiff zum Gefecht“ (1956) entlieh man offenbar ein paar Szenen. Sogar beim japanischen „Banzai-Banzai, die Piloten des Teufels“ von 1960 bediente sich „Schlacht um Midway“, und last not least wurden auch Farbaufnahmen echter Luftkämpfe eingebaut. Selbstverständlich erkennt man die unterschiedliche Bildqualität sofort, aber das suggeriert Authentizität und wirkt daher nicht störend. Sieht man von diesen Schwankungen ab, lässt sich konstatieren, dass die Bildqualität hervorragend ist. Auch beim Ton fielen mir keine Makel auf, dieses Urteil steht aber unter dem Vorbehalt meiner akustisch suboptimalen technischen Ausstattung. In die Kinos kam der Film seinerzeit mit dem sogenannten Sensurround-Tonverfahren, das ein intensives akustisches Erlebnis versprach, aber keine große Verbreitung erfuhr und bald eingestellt wurde.

Zeitzeuge John Ford

Der legendäre Western-Regisseur John Ford („Faustrecht der Prärie“) war während der Schlacht um Midway vor Ort und filmte die Gefechte. Dabei wurde er sogar leicht verwundet. Das Resultat trägt wie der 1976er-Spielfilm den Titel „Schlacht um Midway“ („The Battle of Midway“). Weil die 18-minütige Doku als Teil der Public Domain gemeinfrei ist, kann sie kostenlos im Netz angeschaut und sogar heruntergeladen werden. Eine restaurierte Fassung findet sich bei YouTube. Bei der Verleihung der Academy Awards 1943 erhielt sie einen Oscar. Aufgrund der Gemeinfreiheit hätte Koch Films Fords Dokumentarfilm an sich problemlos ins Bonusmaterial der Blu-ray stecken können. Vielleicht wurde das übersehen, oder es gab andere, mir nicht bekannte Gründe, weshalb das nicht geschehen ist. Auch so enthält die Blu-ray aber interessante Featurettes, die eine Bereicherung darstellen – gelungene Veröffentlichung eines großartigen Kriegs-Spektakels. Roland Emmerichs „Midway – Für die Freiheit“ (2019) muss sich daran messen lassen.

Im Anschluss: Guadalcanal

Die Schlacht um Midway brachte die US-Pazifikflotte wieder auf Augenhöhe mit der japanischen Kriegsmarine und versetzte die US-Streitkräfte in die Lage, initiativ vorzugehen und nicht mehr nur zu reagieren wie in den Monaten nach Pearl Harbor. Diese setzten die Amerikaner ab August 1942 mit der Landung auf der Salomonen-Insel Guadalcanal zügig in die Tat um. Die Schlacht um Guadalcanal gilt gegenüber der Schlacht um Midway als nächster, womöglich größerer Wendepunkt des Pazifikkriegs. Terrence Malick hat sie für sein meisterhaftes Kriegs-Epos „Der schmale Grat“ (1998) aufgegriffen. Die zehnteilige Miniserie „The Pacific“ von 2010 beginnt mit der Landung auf Guadalcanal.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Coburn, Henry Fonda, Charlton Heston, Hal Holbrook, Toshirô Mifune und Robert Mitchum haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 20. März 2014 als Blu-ray, 29. November 2007 als DVD

Länge: 132 Min. (Blu-ray), 126 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Midway
USA 1976
Regie: Jack Smight
Drehbuch: Donald S. Sanford
Besetzung: Charlton Heston, Henry Fonda, James Coburn, Glenn Ford, Hal Holbrook, Toshirô Mifune, Robert Mitchum, Cliff Robertson, Robert Wagner, Edward Albert, Robert Webber, Ed Nelson, James Shigeta, Christina Kokubo, Monte Markham, Biff McGuire, Clyde Kusatsu
Zusatzmaterial: Making-of (39 Min.), Featurette über die Musik (6 Min.), Featurette zum Sensurround-Ton (4 Min.), geschnittene Szenen der TV-Version (11 Min.), Doku-Special „Sie waren dabei“ mit Charlton Heston (6 Min.), Super-8-Fassung (18 Min.), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, deutscher und amerikanischer Kinotrailer
Label/Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2014 Koch Films, Packshot DVD: © 2007 Universal Pictures Germany GmbH

 

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