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Das Märchen der Märchen – Es war einmal …

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Tale of Tales

Von Andreas Eckenfels

Fantasy // Das Pentameron gilt als eine der bedeutendsten Märchensammlungen des 17. Jahrhunderts. Das Hauptwerk des italienischen Schriftstellers Giambattista Basile (1575–1632) wurde um 1636 posthum von dessen Schwester Adriana unter dem Titel „Das Märchen der Märchen“ veröffentlicht. Die Gebüder Grimm übersetzten Anfang des 19. Jahrhunderts einige der insgesamt 50 Erzählungen und trugen somit maßgeblich dazu bei, dass das Werk auch außerhalb der Grenzen Italiens Bekanntheit erfuhr.

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Der König und die Königin von Longtrellis wollen sich endlich ihren Kinderwunsch erfüllen

Für sein englischsprachiges Spielfilmdebüt wählte der italienische Regisseur Matteo Garrone („Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“) drei Geschichten aus dem Pentameron aus:

„Die bezauberte Hirschkuh“ erzählt vom König (John C. Reilly) und der Königin (Salma Hayek) von Longtrellis. Da ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt, soll die Königin das Herz eines Seeungeheurs verspeisen, welches von einer Jungfrau zubereitet werden muss. Das Experiment gelingt, mit ungeahnten Folgen …

In „Der Floh“ ist ein König (Toby Jones) so vernarrt in einen Floh, dass er ihn im Geheimen großzieht. Als das Ungetüm stirbt, lässt er es häuten. Wer das Tier anhand seiner Haut erkennt, erhält die Hand seiner Tochter Violet (Bebe Cave). Als ein menschenfressender Riese als einziger das Rätsel löst, ist Violet über ihren Gemahl nicht gerade begeistert…

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Prinzessin Violet soll verheiratet werden – wer kann das Rätsel des Königs lösen?

Die dritte Geschichte, „Die entdeckte Alte“, handelt von zwei alten Schwestern, die in einem Haus abgeschottet von der Außenwelt leben. Als sich ein König (Vincent Cassel) unsterblich in die Stimme einer der Schwestern verliebt, will er sie unbedingt haben. Doch als er erst in einer Liebesnacht ihre wahre Gestalt erkennt, lässt er die Alte kurzerhand aus dem Fenster schmeißen. Sie überlebt, eine Fee verwandelt sie in eine junge Schönheit, die der König bald heiratet. Doch der Zauber hält nicht ewig.

Märchen für Erwachsene

Schönheit und Grauen gehen in „Das Märchen der Märchen“ eine unheilvollbare Verbindung ein. Liebe und Leid liegen im Märchen eben eng beisammen und sorgen somit für das perfekte Ambiente für fantasievolle Horrorunterhaltung.

Da beißt Salma Hayek als Königin genüßlich in das riesige Seeungeheuerherz; ihr Gesicht ist danach blutverschmiert, fast zur Fratze verkommen. Violet greift zum Messer, um sich gegen ihren Riesen zur Wehr zu setzen und Vincent Cassel gibt sich als König hemmungslos der Vielweiberei hin. Man merkt schon: Trotz der FSK-12-Freigabe sollte man seinen Kleinen die Märchenstunde auf keinen Fall zumuten. Denn in den italienischen Märchen gibt es nur selten ein Happy End.

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Ein Königreich für einen Finger!

Grimmig und blutig sind nicht nur die Geschichten, sondern auch die prächtige barocke Ausstattung, Kostüme und das Make-up. Garrones Bilder reichen zwar nicht an die wunderschönen Kompositionen von Tarsem Singhs ebenfalls märchenhaftem „The Fall“ heran, sind aber dennoch eine Augenweide.

Wo bleibt die Moral von der Geschicht‘?

Trotz dieser Bildgewalt lassen die drei Märchen den Zuschauer recht gleichgültig zurück, sie wirken fremdartig und kalt – da kann auch der internationale Starcast nicht helfen. Warum verwebt Garrone alle drei Märchen ineinander, statt sie nacheinander zu erzählen und ihnen eine ordentliche Rahmenhandlung zu geben?

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Wie von Zauberhand: Aus alt mach jung

Eine „Moral von der Geschicht‘“ fehlt, auch ein Karthasismoment will sich nicht einstellen, da die Märchen noch nicht einmal wirklich zu Ende erzählt werden. Mitgefühl mit den gepeinigten, bösen oder missgestalteten Figuren bleibt aus. So bleibt man nach dieser albtraumhaften Märchenstunde recht ratlos zurück. Ein anderer Regisseur mit mehr Erfahrung im Fantastischen hätte sicher mehr Zauber aus dem Material entfachen können, statt nur eine Ansammlung grotesker Bilder und Figuren darzubieten.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John C. Reilly haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Der Riese und Violet – gab es je ein glücklicheres Paar?

Veröffentlichung: 10. März 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 134 Min. (Blu-ray), 127 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch
Originaltitel: Tale of Tales
IT/F/GB 2015
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso
Besetzung: Salma Hayek, John C. Reilly, Vincent Cassel, Toby Jones, Stacy Martin, Alba Rohrwacher, Shirley Henderson, Bebe Cave
Zusatzmaterial: Making-of, Interviews, Blick hinter die Kulissen, deutscher Kinotrailer, Original Kinotrailer, Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Concorde Home Entertainment

 

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