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Horror für Halloween (VI): Dracula jagt Mini-Mädchen – Weit gepfählt

Dracula A.D. 1972

Von Lars Johansen

Horror // Nachdem Professor Van Helsing (Peter Cushing) und Graf Dracula (Christopher Lee) seit dem ersten Hammer-Films-„Dracula“ von 1958 nicht mehr aufeinandergetroffen waren, durften sie sich hier gleich zweimal begegnen: Zuerst tötet Lawrence Van Helsing den Grafen 1872 im Londoner Hyde Park bei einer Kutschfahrt, dann würde es sein Nachfahre Lorrimer Van Helsing sein, der 1972 erneut den Vampir jagt. Doch während es 1958 noch eine gute Idee gewesen war, den guten alten Universal-Dracula farbig wiederzubeleben, hatte er es in den 70ern schwer, sich gegen die modernen Monstren der Zeit zu behaupten. In dem unmittelbaren Vorläufer „Dracula – Nächte des Entsetzens“ („Scars of Dracula“, 1970) hatte man versucht, das Problem durch den übermäßigen Einsatz von Blut zu lösen. Aber alle Grausamkeiten nutzten nichts, der Graf passte einfach nicht mehr in die Zeit. Daher war die Idee nicht schlecht, ihn in die unmittelbare Gegenwart zu holen.

„Immer wenn ein Mönch vorbeikommt, lüpfen wir einen“

1869: Nach einer Verfolgungsjagd unter Einsatz einer Kutsche tötet Van Helsing Dracula im Hydepark. Er selbst wird dabei so schwer verletzt, dass er ebenfalls stirbt. Ein junger Mann sammelt etwas von der Asche des Grafen und dessen Ring ein. 1970: Nach einer Party, die von einer Gruppe von Jugendlichen gesprengt wurde, treffen sich eben diese Jugendlichen, nachdem die Polizei den Ort gestürmt hat, in ihrer Stammkneipe wieder. Ihr Anführer Johnny Alucard (Christopher Neame) überredet alle, darunter Van Helsings Enkelin Jessica (Stephanie Beacham), am kommenden Abend an einer schwarzen Messe in einer verlassenen Kirche teilzunehmen.

„Keine Angst, das sieht nur so aus. Ich lese nicht.“

Es gelingt Johnny in dem Gotteshaus, nachdem die anderen angstvoll den Ort verlassen haben, tatsächlich Dracula wiederzuerwecken, was das Leben der jungen Laura (Caroline Munro) kostet. Deren Leiche wird am nächsten Tag von spielenden Kindern gefunden, was Inspektor Murray (Michael Coles) auf den Plan ruft. Nach weiteren Morden nach demselben Muster schalten die Beamten Lorrimer Van Helsing ein, dessen Enkelin entführt wird und der am Schluss zum letzten Kampf mit dem Vampirgrafen antreten muss.

„Wer hatte die Vegan Margarita?“

Nichts Neues also unter der Sonne, was ein wenig bedauerlich ist, da die Idee, den Grafen mit unserer (damals) unmittelbaren Gegenwart zu konfrontieren, gar nicht so schlecht ist. Wenn bei der Beerdigung vom Vorfahren Van Helsings direkt auf ein Flugzeug geschwenkt wird und wir kurz stutzen, bis wir den Zeitsprung erkennen, hat das Qualitäten, die der Film im weiteren Verlauf leider nicht ganz einlösen kann. Außerdem waren die Swinging Sixties, die hier beschworen werden, zum damaligen Zeitpunkt schon Geschichte. Die erste Partyszene ist vor allem zu lang geraten, auch wenn sie nette Momente hat. Aber man sieht dem ganzen Unternehmen an, dass der Etat nicht gerade üppig gewesen ist. Es gibt relativ wenige Schauplätze, nur die alte Kirche und der angeschlossene Friedhof verbreiten so etwas wie Atmosphäre, die modernen Settings finden im Film kaum statt und wenn, dann ohne den Grafen, der nur einmal in Alucards Wohnung auftaucht, ansonsten aber bei der Kirche bleibt.

„Ein Ring, sie zu knechten… Verzeihung, falscher Film.“

Überhaupt ist dieser Johnny Alucard zwar eine durchaus charismatische Figur, die durch die schwarze Messe und den Tod der Mädchen ein wenig an den Sektenführer Charles Manson erinnert, letztlich gewinnt der Vampir-Erwecker aber zu wenig Profil. Ein wenig lächerlich ist es schon, dass der alte Okkult-Experte Van Helsing ein Stück Papier braucht, um herauszufinden, dass Alucard als Anagramm von Dracula einfach nur rückwärts gelesen werden müsste.

„Nein, der Brexit hilft nur bedingt gegen Vampire“

In diesem Absatz verbirgt sich ein Spoiler, überspringt ihn also, sofern ihr den Film ungespoilert schauen wollt. Positiv ist zu bewerten, dass mit Cushing und Lee die beiden großen Widersacher endlich wieder vereint sind. Es macht Vergnügen, den beiden Mimen zuzusehen, die den Rest des Ensembles locker in die Tasche stecken. Bei ihren Aufeinandertreffen stellen sich mythische Qualitäten ein, die dem Film ansonsten leider viel zu oft abgehen.

Wenn ein Vampir etwas auf die Sonnenbank einzahlt

Der Schlusskampf ist zwar auch nicht so richtig gelungen, denn da wird ein Pfahl herausgezogen, aber dann hilft eine dilettantisch ausgehobene Grube mit vielen Pfählen, um den Vampir zu entsorgen, als würde es die reine Menge machen. Doch immerhin stellt sich eine Erinnerung an den ständigen Kampf zwischen Gut und Böse ein, der in seiner Verbissenheit und seinem heiligen Ernst einen anderen Ton in einen Film bringt, der sonst zu oft auf eine Lockerheit setzt, welche dem Sujet nicht immer bekommt.

Manchmal reicht eine spitze Bemerkung nicht aus

Das liegt auch an Regisseur Alan Gibson, einem gebürtiger Kanadier, der vor allem fürs Fernsehen gearbeitet hat und für Hammer noch den unmittelbaren Nachfolger „Dracula braucht frisches Blut“ („The Satanic Rites of Dracula“, 1973) realisierte, der direkt an diesen Film anknüpfte, aber die Schauspielerin der Enkelin Van Helsings durch Joanna Lumley ersetzte. Der war dann zwar ein wenig besser in der Gegenwart verortet, aber ansonsten ein inszenatorisches Desaster.

„Geht mir weg mit diesen Anfängerinnen!“

Was immer seinerzeit den deutschen Verleih motiviert hat, Minirock tragende junge Frauen in den Titel einzubauen, den Erfolg des Filmes hat es nicht beflügelt. Die alte Ästhetik Hammers hatte sich schlicht überlebt, eine neue vermochte sich nicht zu etablieren. Wenn Dracula am Ende noch einmal in Hongkong auftaucht, in „Die 7 goldenen Vampire“ („The Legend of the 7 Golden Vampires“, 1974), dann ist der Film zwar ein wenig besser als sein unmittelbarer Vorgänger, stellt aber auch eine Kapitulation vor dem Eastern dar, dessen Ästhetik nur schwer mit der des klassischen britischen Vampirfilms vereinbar war.

Die Avonberaterin hatte sich gründlich geirrt

Bild und Ton auf der Blu-ray sind sehr ordentlich, die Extras zielführend und der Audiokommentar kenntnisreich. Für Fans von Christopher Lee, Peter Cushing und Dracula ist der Film ein Muss, alle anderen werden vielleicht nur bedingt glücklich. Das ein Jahr zuvor von Anolis in drei Covervarianten veröffentlichte Mediabook ist mittlerweile im Handel vergriffen – der Regelfall bei Anolis’ Hammer-Reihe.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee und Peter Cushing sind unter Schauspieler zu finden.

Veröffentlichung: 13. September 2019 als Blu-ray, 28. September 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook (drei Covervarianten) und Blu-ray, 2. Dezember 2005 als DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Originaltitel: Dracula A.D. 1972
GB 1972
Regie: Alan Gibson
Drehbuch: Don Houghton
Besetzung: Christopher Lee, Peter Cushing, Stephanie Beacham, Caroline Munro
Zusatzmaterial: Audiokommentar Dr.Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Alexander Iffländer, Englischer und deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik
Label/Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises
Label 2018: Anolis Entertainment GmbH
Vertrieb 2018: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2004: Warner Home Video

Copyright 2019 by Lars Johansen

Packshot Blu-ray 2019: © Studio Hamburg Enterprises,
Szenenfotos, Packshots Mediabook & Packshot Blu-ray 2018: © Anolis Entertainment GmbH

 

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Das Blutbiest – Vorsicht vor dem Insektenkundler!

The Blood Beast Terror

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein westlicher Naturforscher im standesgemäß hellen Anzug inklusive hellen Tropenhelms lässt sich in Afrika von zwei schwarzen Eingeborenen einen Fluss hinabpaddeln. Er geht ans Ufer, dringt ein wenig in den Urwald vor und beginnt, etwas einzusammeln. Mit dem nun einsetzenden Vorspann wechselt die Szenerie so abrupt wie radikal: Eine von zwei Schimmeln gezogene Kutsche eilt durch einen nächtlichen englischen Wald. Als der Kutscher (Leslie Anderson) einen grässlichen Schrei vernimmt, stoppt er das Gefährt. Wenige Schritte vom Wegesrand entfernt entdeckt er einen jungen Mann mit aufgerissener Kehle. Unvermittelt vernimmt der Kutscher über sich ein Flattern (und bald darauf erfahren wir, dass ihn das den Verstand gekostet hat).

Ein grässlicher Tod

Inspektor Quennell (Peter Cushing) untersucht eine mysteriöse Mordserie. Die Opfer sind allesamt junge Männer, die mit zerrissener Kehle aufgefunden wurden und denen offenbar das Blut aus dem Körper gesogen worden ist. Seine Ermittlungen führen den Kriminalisten wiederholt zum Biologen und Entomologen Professor Doktor Carl Mallinger (Robert Flemyng), der mit seiner Tochter Clare (Wanda Ventham) ein geräumiges Haus bewohnt, in das er auch Studenten zu Vorträgen einlädt.

Peter Cushing was not amused

Na, das ist ja mal eine Perle aus England! Dass wir es mit einem „Creature Feature“ zu tun haben, verrät schon der Titel, und die Anwesenheit eines Insektenkundlers gibt einen weiteren Hinweis, aber mehr will ich auch nicht verraten. Den sich von Anfang an verdächtig gebärdenden Dr. Mallinger sollte an sich Basil Rathbone spielen, doch der starb 1967 kurz vor Beginn der Dreharbeiten, sodass nur Peter Cushing als zugkräftiger Name übrig blieb. Den Trivia der Internet Movie Database (IMDb) zufolge hielt der würdevolle englische Horror-Schauspieler Cushing „Das Blutbiest“ für den schlechtesten seiner zahlreichen Filme, doch er hätte das Werk gar nicht so unter den Scheffel stellen müssen. Zwar mangelt es ein wenig an Spannung, aber das macht die skurrile Prämisse allemal wieder wett.

Vergeblich versucht Inspektor Quennell (l.), den Kutscher zu befragen

Bei dem mit Ausnahme einiger Außenaufnahmen in einem Londoner Studio entstandenen Grusler handelt es sich um eine Produktion des Studios Tigon British Film Productions, das Mitte der 1960er-Jahre im Fahrwasser von Hammer Films und Amicus Productions die Arbeit aufnahm. Zu den bekanntesten Tigon-Produktionen gehören „Im Banne des Dr. Monserrat“ („The Sorcerers“, 1967) mit Boris Karloff, „Der Hexenjäger“ („Witchfinder General“; 1968) mit Vincent Price und „Die Hexe des Grafen Dracula“ („Curse of the Crimson Altar“, 1968) mit Boris Karloff und Christopher Lee. Auch bei der französischen Produktion „Die nackten Vampire“ („La vampire nue“, 1970) von Jean Rollin hatte Tigon seine Finger im Spiel.

Vom „Death’s Head Vampire“ zum „Blood Beast Terror“

Ursprünglich unter dem Arbeitstitel „Death’s Head Vampire“ produziert, wurde der Film zunächst in „Blood Beast From Hell“ umbenannt und kam Anfang 1968 schließlich unter dem Titel „Blood Beast Terror“ in die britischen Kinos. Das Drehbuch stammte von Peter Bryan, der zuvor auch für einige Produktionen von Hammer Films die Skripts geschrieben hatte, darunter „Der Hund von Baskerville („The Hound of the Baskervilles“, 1959) und „Nächte des Grauens“ („The Plague of the Zombies“, 1966). Regie führte Vernon Sewell, keiner der großen Namen des britischen Horror-Kinos, aber immerhin drehte er im selben Jahr für Tigon auch „Die Hexe des Grafen Dracula“.

Eine gute Portion britischen Humors würzt viele Horrorfilme von der Insel, im Fall von „Das Blutbiest“ etwa beim Leichenschauhaus-Angestellten, der sein Bier gern unter den Leichentüchern platziert, weil es dort so schön kühl bleibe. Ihn spielte der englische Radio-, Bühnen- und TV-Komiker Roy Hudd in seiner ersten Filmrolle. Er war bis ins hohe Alter aktiv, wenn auch nur gelegentlich in Spielfilmen, etwa dem Science-Fiction-Abenteuer „Robot Overlords – Herrschaft der Maschinen“ (2014). Hudd starb im März 2020 nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren.

Lasst die Schmetterlinge leben!

Für einen echten Schocker hätte es mehr Horror-Motive geben müssen. Stattdessen bekommen wir viel von Inspektor Quennells Polizeiarbeit zu sehen – und dessen Tochter Meg (Vanessa Howard) spielt auch noch eine Rolle. Zu ihr gesellt sich der linkische junge Insektenforscher William Warrender (David Griffin), was ein paar naiv-charmante Szenen zur Folge hat, wenn William etwa einen Schmetterling für seine Sammlung jagt und Meg das Tier bereits gefangen hat, aber entfliegen lässt, weil sie nicht will, dass William es tötet.

Welches Geheimnis verbergen Dr. Mallinger …

Eine interessante Personalie zeigt sich bei den visuellen Spezialeffekten: Die im Film zu sehenden Kreaturen schuf der 1939 geborene Roger Dicken, für den das ein Debüt war. 1972 wurde er für seine Saurier-Modelle und Stop-Motion-Kreationen in der Hammer-Films-Produktion „Als Dinosaurier die Welt beherrschten“ („When Dinosaurs Ruled the World“, 1971) gemeinsam mit seinem Kollegen Jim Danforth mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Ebenfalls bemerkenswert: Dicken schuf für Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ („Alien“, 1979) sowohl den „Facehugger“ als auch den „Chestburster“. Respekt! Davon ist in „Das Blutbiest“ allerdings noch nicht allzu viel zu sehen; das dem Film seinen Titel gebende Biest wird bei vielen heutigen Zuschauern Heiterkeit auslösen und hat womöglich sogar schon Ende der 1960er einen Teil des damaligen Publikums eher zum Schmunzeln als zum Gruseln verleitet. Mit einer im Film gezeigten Verwandlung hat Dicken sogar überhaupt nichts zu tun, sie erfolgt per Überblendung, was im Übrigen gar nicht mal so gut ausschaut.

Keine Synchro? Alles neu macht Ostalgica

In der Bundesrepublik Deutschland ist „Das Blutbiest“ zwar ab März 1968 in den Kinos gelaufen, über die Jahre aber offenbar in Vergessenheit geraten. Umso löblicher, dass das kleine Label Ostalgica die Tigon-Produktion hierzulande auf Blu-ray und DVD veröffentlicht und für die auf jeweils 1.000 Exemplare limitierte Auflage eigens eine neue Synchronisation angefertigt hat – die alte deutsche Synchronisation aus den späten 1960er-Jahren gilt als verschollen. Den deutschen Ton gibt es in einer herkömmlichen Ausführung sowie in einer „Retro“ genannten Fassung, bei der künstlich etwas Alters-Patina erzeugt wurde, sodass der Ton besser zum Bild passt. Ein nettes Gimmick. Sogar einen Audiokommentar hat das Label in Auftrag gegeben, das kann nur vorbildlich genannt werden. Sowohl die englische als auch die deutsche Tonspur haben mir gut gefallen, auch das Bild wirkt sorgfältig auf HD gebracht. Auch Wendecover, Schuber und Booklet hat Ostalgica der Veröffentlichung spendiert.

Booklet-Text von Uwe Sommerlad

Im Booklet lässt sich mit Uwe Sommerlad ein ausgewiesener Kenner des britischen Horrorkinos über die Produktion von „Das Blutbiest“ aus. So schreibt er, Cushing habe sich kurz nach Beginn der Dreharbeiten beim Regisseur beklagt, es sei vielleicht der schlechteste Film, in dem er je mitgespielt habe. Somit kannte Cushing den fertigen Film also noch gar nicht, und anders als es der von mir oben erwähnte IMDb-Eintrag suggeriert, handelte es sich nur um einen Stoßseufzer beim Dreh. Das erscheint plausibel, denn schlecht ist „Das Blutbiest“ sicher nicht, nur eben über weite Strecken weniger gruselig, als man es sich bei einer solchen britischen Produktion aus jener Zeit erhofft. Ein paar kleinen Makeln im Booklet zum Trotz hat Ostalgica „The Blood Beast Terror“ eine angemessene und würdige Veröffentlichung in ansprechender Aufmachung angedeihen lassen und damit hierzulande durchaus eine Lücke geschlossen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und seine Tochter Clare?

Veröffentlichung: 21. September 2018 als auf jeweils 1.000 Exemplare limitierte Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Blood Beast Terror
GB 1968
Regie: Vernon Sewell
Drehbuch: Peter Bryan
Besetzung: Peter Cushing, Robert Flemyng, Wanda Ventham, Vanessa Howard, David Griffin, Glynn Edwards, William Wilde, Kevin Stoney, Roy Hudd, Leslie Anderson
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Matthias Künnecke, Bodo Traber & Gerd Naumann, Bildergalerie, Originaltrailer, Trailershow, 16-seitiges Booklet, Wendecover, Schuber
Label: Ostalgica
Vertrieb: Media Target Distribution GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Ostalgica

 

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Horror für Halloween (XXI): Hammer House of Horror – Die komplette Serie: Gänsehaut-Garantie

Hammer House of Horror

Von Andreas Eckenfels

Antholgie-Horrorserie // In den 1970er-Jahren waren die Tage der einst so glorreichen Hammer Studios gezählt. Klassischer Gothic-Horror war beim Publikum nicht mehr gefragt. Und weder der im zeitgenössischen „Swinging London“ spielende „Dracula jagt Mini-Mädchen“ („Dracula A.D. 1972“, 1972) noch die Zusammenarbeit mit dem legendären Hongkong-Studio der Shaw Brothers, „Die sieben goldenen Vampire“ (The Legend of the 7 Golden Vampires, 1974), konnten den Abwärtstrend stoppen. 1979 erschien mit dem starbesetzten Hitchcock-Remake „Tödliche Botschaft“ (The Lady Vanishes) der vorerst letzte Kinofilm der Hammer Studios – Firmenchef Michael Carreras (1927–1994) musste Insolvenz anmelden.

Vom Kino ins Fernsehen

Wie Uwe Huber im Blu-ray-Mediabook von Wicked-Vision Media schreibt – übrigens handelt es sich um nahezu den gleichen Text inklusive Episodenbeschreibung, der schon der 2006er DVD-Veröffentlichung von Koch beilag – wurden die Hammer-Mitarbeiter Ray Skeggs (1934–2018) und Brian Lawrence (1920–2004) von den Schuldnern als Insolvenzverwalter eingesetzt. Mit der Anthologieserie „Hammer House of Horror“ wollten sie den traditionsreichen Namen „Hammer“ weiterleben lassen und wechselten vom Kino ins Fernsehen. Dabei gelang es ihnen, einen Deal mit dem britischen Produktionsstudio ITC auszuhandeln, welches einen Großteil der Finanzierung übernahm. So konnten Stars wie Peter Cushing, Denholm Elliott und Sian Phillips sowie erfahrene TV-Autoren wie Anthony Read („Doctor Who“) und Jeremy Burnham („Mit Schirm, Charme und Melone“) verpflichtet werden. Die Premierenfolge „Die Hexe von Woodstock-Farm“ („Witching Time“) von Don Leaver („Kein Pardon für Schutzengel“) feierte am 13. September 1980 auf dem Sender ITV ihre Erstausstrahlung im Vereinigten Königreich. Erst 1989 wurde die Serie unter dem Titel „Gefrier-Schocker“ im deutschen Fernsehen auf Sat.1 ausgestrahlt.

Von Hexen und Werwölfen

Der markerschütternde Schrei und das fiese Lachen in Verbindung mit der pompösen Titelmelodie sorgt schon im Vorspann für Gänsehaut. Bei dem darin sichtbaren altehrwürdigen Anwesen handelt es sich um das Hampden House, ein ehemaliges Mädcheninternat in Great Hampden, welches der Produktion als Hauptsitz diente. Es wäre perfekt als Kulisse für einen klassischen Hammer-Film geeignet, dennoch führt es die Seriengucker ein wenig in die Irre: Unter den 13 Episoden gibt es kein „period piece“, alle Folgen spielen im England der Moderne.

Dafür greifen die jeweils eigenständigen und in sich abgeschlossenen Geschichten klassische Horrorfiguren und -motive auf: In der Pilotfolge entdeckt Filmkomponist David (Jon Finch) eine junge Frau (Patricia Queen) in einer Scheune, die behauptet, eine Hexe zu sein. Um Voodoo geht es in „Charlie Boy“ und um dämonische Besessenheit in „Die Handlanger des Satans“. Auch das Mad-Scientist-Motiv fehlt nicht: Wissenschaftler Terence (Gary Bond) experimentiert in „Die Rache der Ungeliebten“ mit exotischen Pflanzen. Tierversuche liebt auch Peter Cushing in „Die Experimente des Mr. Blueck“ – allerdings weitet er diese auch auf Menschen aus, was Brian Cox als Ex-Knacki Chuck schmerzhaft zu spüren bekommt. In einer seiner ersten Rollen fällt der damals noch unbekannte Pierce Brosnan in „Das Vermächtnis des Falkners“ einem Serienkiller zum Opfer. Auch Kannibalen, Werwölfe und Untote tummeln sich in den jeweils knapp 54-minütigen Folgen. Im „Hammer House of Horror“ findet sich also jeder Horrorfan schnell heimisch.

Makabre Wendungen

Wie bei Anthologieserien üblich, ist die Qualität nicht immer gleichbleibend: Manche der für die damalige Zeit verhältnismäßig blutigen und freizügigen Folgen ragen heraus, manche dehnen ihre knappe Grundidee ein wenig zu sehr in die Länge. Ein Happy End gibt es selten, die Zuschauer und Zuschauerinnen werden meist dank einer makabren Wendung mit einem unwohlen Gefühl entlassen. An den 80er-Look und die mitunter etwas behäbig wirkende Inszenierung muss man sich etwas gewöhnen – besonders, wenn man nur noch das Tempo aktueller Streamingserien zum Vergleich hat. Dennoch: Für Hammer-Fans ist die Serie sowieso ein Muss und auch bei allen anderen Horrorliebhabern wird bei den 13 „Gefrier-Schockern“ garantiert der eine oder andere Schauer über den Rücken laufen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass einige Folgen nicht komplett synchronisiert auf den drei Blu-rays vorliegen. Hier wird dann kurz in den englischen Originalton gewechselt.

Hammers Aufstieg und Fall in Spielfilmlänge

Neben der kompletten Serie in Top-HD-Qualität bietet das beim Label nur noch in Restbeständen verfügbare Mediabook von Wicked-Vision Media einen weiteren Kaufanreiz: Die großartige 156-minütige Dokumentation „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“ (1994) von Ted Newsom in der erweiterten Fassung als Deutschland-Premiere. Hier erfahren Interessierte alles Wissenswerte über den Aufstieg und Fall des legendären Studios. Dabei kommen zahlreiche ehemalige Cast- und Crewmitglieder zu Wort, zudem fungieren Peter Cushing und Christopher Lee als Erzähler. Die erweitere Fassung wurde 2018 in Großbritannien auf DVD veröffentlicht, die unter anderem ein Kapitel über das Comeback des Studios mit Filmen wie „The Resident“ (2011) hinzufügt. Übrigens eröffnete die aktuellste Hammer-Produktion „The Lodge“ von den „Ich seh, ich seh“-Machern Veronika Franz und Severin Fiala 2019 das Fantasy Filmfest.

Wer danach noch Horror-Nachschub benötigt, dem sei die Nachfolgeserie „Vorsicht, Hochspannung!“ („Hammer House of Mystery and Suspense“, 1984) empfohlen, die Pidax Film auf DVD veröffentlicht hat. Nach dieser schlossen sich allerdings endgültig die Türen von Hammer – bis das Studio einige Jahre später wie oben erwähnt von den Toten auferstand.

01. Die Hexe von Woodstock-Farm (Witching Time)
02. Die Dinner-Party (The Thirteenth Reunion)
03. Alptraum ohne Ende (Rude Awakening)
04. Die Rache der Ungeliebten (Growing Pains)
05. Das Haus des Grauens (The House That Bled to Death)
06. Charlie Boy (Charlie Boy)
07. Das Experiment des Mr. Blueck (The Silent Scream)
08. Kinder des Vollmonds (Children of the Full Moon)
09. Das Vermächtnis des Falkners (Carpathian Eagle)
10. Der Wächter des Höllenschlundes (Guardian oft he Abyss)
11. Besucher aus dem Jenseits (Visitor from the Grave)
12. Die zwei Gesichter des Bösen (The Two Faces of Evil)
13. Die Handlanger des Satans (The Mark of Satan)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Pierce Brosnan, Brian Cox und Peter Cushing haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als 3-Disc Collector’s Edition im limitierten Mediabook (3 Blu-rays), 15. Mai 2015 als 4-DVD-Set, 15. September 2006 als 4-DVD-Digipack

Länge: 702 Min. (Blu-ray), 666 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Hammer House of Horror
Alternativtitel: Gefrier-Schocker
GB 1980
Regie: Peter Sasdy, Don Leaver, Alan Gibson u.a.
Drehbuch: Bernie Cooper, Francis Megahy, Don Shaw u.a.
Besetzung: Peter Cushing, Nicholas Ball, Denholm Elliott, Anna Calder-Marshall, Denholm Elliott, Sian Phillips, Christopher Cazenove, Julia Foster, Pierce Brosnan, Barbara Kellerman, Brian Cox
Zusatzmaterial: Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Huber, Episode 10 „Der Wächter des Höllenschlunds“ als Widescreen-Fassung, Einblender für Werbepausen, „Albtraum ohne Erwachen“ – Archivmaterial, Bildergalerien, Dokumentation „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“ – Extended-Version (ca. 156 min.), DVD 2006: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Huber, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media
Label 2015: Pidax Film (Vertrieb: Al!ve AG)
Label/Vertrieb 2006: Koch Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

 

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