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Brennender Tod – Die Hitze des Grauens

Night of the Big Heat

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Hoch im schottischen Norden auf der Insel Fara in der Bucht von Scapa Flow im Orkney-Archipel wundern sich die Einwohner über die tropischen Temperaturen von 40 Grad Celsius – weiter steigend. Im übrigen Land hingegen liegen die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, was der winterlichen Jahreszeit entspricht.

Dr. Stone und Frankie Callum macht die Hitze zu schaffen

In der von den Eheleuten Frankie und Jeff Callum (Sarah Lawson, Patrick Allen) geführten Herberge „The Swan“ sammeln sich derweil die Gäste, darunter der freundliche Arzt der Gegend, Dr. Vernon Stone (Peter Cushing). Der verschlossene und mürrische Godfrey Hanson (Christopher Lee) ist mit seiner Kameraausrüstung in den Büschen unterwegs, was auch immer er dort abzulichten hofft. Die junge Angela Roberts (Jane Merrow) ist gerade als Sekretärin für Jeff Callum eingetroffen, der nicht nur als Gastronom arbeitet, sondern auch Bestsellerromane schreibt. Der Gute erlebt allerdings eine Überraschung, als er entdeckt, dass es sich bei seiner neuen Sekretärin um die Frau handelt, mit der er vor einiger Zeit eine stürmische Affäre hatte – und sie will ihn partout nicht aufgeben.

Tod eines Landstreichers

Zusätzlich zu den unnatürlichen Temperaturen irritiert ein immer wieder auftretendes Sirren die Menschen. Ein Landstreicher wird erstes Opfer einer unbekannten Bedrohung. Er bleibt nicht der einzige Tote. Bald haben die Temperaturen die 50-Grad-Marke überschritten, und Jeff Callum verdächtigt Godfrey Hanson, mehr über die unbekannte Bedrohung zu wissen.

Angela Roberts will Jeff Callum zurückerobern

Peter Cushing und Christopher Lee in der Besetzung, Terence Fisher auf dem Regiestuhl – das muss doch wohl eine Produktion von Hammer Films sein?! Mitnichten. Planet Film Productions war mir bis vor Kurzem kein Begriff, es handelt sich dabei wohl um einen Epigonen von Hammer Films, also eine Produktionsfirma, die im Fahrwasser des Erfolgsstudios auf „Horror Made in Britain“ setzte. Einiges erinnert daher nicht von ungefähr an Hammer Films, allen voran die sorgfältig in Szene gesetzten Sets. Der Science-Fiction-Anteil des Films mag als weniger Hammer-typisch angesehen werden, aber letztlich sind die „Frankenstein“-Filme des Studios im weiteren Sinne auch Science-Fiction – und „Schock – The Quatermass Xperiment“ sowieso. Dennoch grenzt sich der Plot schon etwas von den Hammer-Storys ab. Dem Booklet des Koch-Films-Mediabook entnahm ich die Information, dass Planet Film Productions mit „Brennender Tod“ an den Erfolg der vorherigen Produktion „Insel des Schreckens“ anknüpfen wollte – den Film hat Koch Films ebenfalls gerade als Mediabook veröffentlicht.

Sexszenen für die Franzosen

Das Publikum bekommt die Bedrohung lange Zeit nicht zu Gesicht. Wenn das Sirren an Lautstärke gewinnt und die bedauernswerten Opfer in gleißendes Licht gehüllt werden, bleibt die Kamera auf ihnen, ohne zu den Auslösern des tödlichen Angriffs zu wechseln. Dafür bekommen die zwischenmenschlichen Interaktionen der Bedrohten ihren Raum, was bisweilen einen Hauch aufgesetzt wirkt. So treibt beispielsweise die schwierige Dreiecks-Gemengelage zwischen den Callums und der neuen Sekretärin Angela die Handlung selbst kaum voran. Allerdings kann man dem entgegenhalten, dass die Hitze den Menschen zu schaffen und sie aggressiv macht, was der Beziehungsstress betont. Eine gewisse sexuelle Spannung in der Luft bringt da zusätzliches Knistern. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge wurden für die französische Version des Films sogar zusätzliche Sexszenen mit Doubles gedreht, weil der französische Titel „La nuit de la grande chaleur“ („Die Nacht der großen Hitze“) schon mal per se zweideutig interpretierbar geriet.

Was weiß Godfrey Hanson (r.) über die Bedrohung?

Für einen Kritikpunkt muss ich in diesem Absatz ein wenig spoilern. Weshalb Godfrey Hanson die Natur der Bedrohung erkennt und mit seinen Vermutungen richtig liegt, wird wohl auf ewig das Geheimnis des Drehbuchs bleiben. Zudem gerät das einfallslose Ende enttäuschend, bei welchem die Überlebenden in den letzten Sekunden des Films ansatzlos vor der Bedrohung gerettet werden – Deus ex machina auf eher missratene Weise. Dennoch vermag „Brennender Tod“ zu fesseln, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Hammer Films in jenen Jahren.

Mediabook von Koch Films

Ich mag das gegenüber Veröffentlichungen anderer Publisher kleinere Format der Koch-Films-Mediabooks – ein schönes Herausstellungsmerkmal. Das Booklet überzeugt mit fachkundigem Text von Christoph Huber, über den wir leider nichts erfahren, da ein kurzes Autorenporträt fehlt. Lobend erwähnt sei auch die Tatsache, dass der Publisher eigens einen neuen Audiokommentar in Auftrag gegeben hat. Grundsätzlich auf bekannt hohem Niveau produziert, fiel mir am Mediabook nur durch Zufall auf, dass der Covertext den Handlungsort Fara fälschlicherweise als „Kanalinsel“ verortet, aber das dürfte den meisten Käufern entgehen und ist für den Film auch irrelevant. An Bild- und Tonqualität gibt es nichts auszusetzen. „Brennender Tod“ schließt nicht zu den Glanzlichtern in den Karrieren von Terence Fisher, Peter Cushing und Christopher Lee auf, war aber kurzweilig anzuschauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing und Christopher Lee unter Schauspieler.

Auch Angela gerät in Gefahr

Veröffentlichung: 13. Juni 2019 als limitiertes 2-Disc Mediabook mit zwei Covermotiven (Blu-ray & DVD), 27. März 2008 als DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Big Heat
US-Titel: Island of the Burning Damned
GB 1967
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Ronald Liles, zusätzliche Szenen und Dialoge von Jane Baker und Pip Baker, nach einem Roman von John Lymington
Besetzung: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow, Sarah Lawson, William Lucas, Kenneth Cope, Percy Herbert, Thomas Heathcote
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz und Uwe Sommerlad, Audiokommentar von Marcus Hearn, Christopher Lee und den Autoren Pip und Jane Baker, „British Legends of Stage and Screen – Sir Christopher Lee“ (Interview, 20:10), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber
Label/Vertrieb: Koch Films
Label/Vertrieb 2008: EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

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Insel des Schreckens – Nicht nur Hammer konnte britischen Horror

Island of Terror

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Auf der abgelegen vor der irischen Küste befindlichen Insel Peter‘s Island ereignet sich Schauerliches: Spät am Abend befindet sich der Landwirt Ian Bellows (Liam Gaffney) auf dem Heimweg. Ein aus einer Höhle kommendes Geräusch weckt seine Neugier – das wird ihm zum Verderben. Seine Frau (Joyce Hemson) sorgt sich, weil ihr Ehemann ausbleibt, und meldet ihn bei Constable Harris (Sam Kydd) als vermisst. Der Polizist entdeckt den Toten in entsetzlichem Zustand: Etwas hat ihm sämtliche Knochen aus dem Leib entfernt. Auch der örtliche Arzt Dr. Landers (Eddie Byrne) hat keine Erklärung für das grausige Phänomen. Er reist daher nach London und bittet den angesehenen Pathologen Dr. Stanley (Peter Cushing) zu Hilfe, der wiederum Dr. West (Edward Judd) hinzuzieht, einen aufstrebenden Experten für Knochenkrankheiten. Dessen Freundin Toni Merrill (Carole Gray) lässt sich nicht davon abhalten, die Mediziner auf Peter’s Island zu begleiten, organisiert für den Trip auch den Helikopter ihres reichen Vaters.

Es bleibt nicht bei dem einen Todesfall …

„Island of Terror“ lautet der stimmungsvolle Originaltitel, der Vorfreude auf ein schönes Schauerstück weckt – die eingelöst wird, so viel sei bereits angeführt. In der alten Bundesrepublik Deutschland wurde „Insel des Schreckens“ seinerzeit auch mit dem Alternativtitel (oder Zusatztitel) „Todesmonster greifen an“ vermarktet. Das kleine englische Studio Planet Film Productions gewann für die Produktion immerhin Hammer-Films-Stammregisseur Terence Fisher für den Regiestuhl und Peter Cushing für eine der Hauptrollen. Atmosphäre und Setting ähneln dann auch durchaus dem Stil der Hammer-Filme. Besser gut kopiert als schlecht erdacht – das gilt hier auf jeden Fall. Eigenständig genug wird der Film aufgrund seiner Story. Weitere Rollen sind ebenfalls solide mit bekannten Gesichtern besetzt, auch wenn wir sie auf den ersten Blick nicht immer zuordnen können. Edward Judd etwa ist mir aus dem feinen Endzeitfilm „Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“ (1961) bekannt.

Tödlicher Tentakel

Sobald sich „Insel des Schreckens“ als „Creature Feature“ entpuppt, muss man ob der ein wenig albern aussehenden Bedrohung etwas die Augen zudrücken. Was da unförmig mit rauer, reptilartiger Oberfläche und Tentakel auf die Protagonisten zukriecht, mag damals state-of-the-art gewesen sein – vielleicht aber auch nicht –, entlockt uns heute aber in erster Linie ein Schmunzeln. Aufgrund des Tentakels sei erwähnt: Mit Lovecraftschem Grauen hat das Ganze nichts zu tun – manche Horrorfilm-Rezipienten sind ja geneigt, sofort „Lovecraft“ zu verkünden, sobald ein Tentakel auftaucht. Hier gibt es eine ganz konkrete wissenschaftliche Erklärung, die den Horrorfilm mit Science-Fiction anreichert. Im Verlauf nimmt die Bedrohung ungeahnte Ausmaße an, weil sich die Biester teilen und auf diese Weise exponentiell vermehren. Das bringt wohliges Schaudern, das bis zum Finale anhält.

Dr. Stanley kann kaum glauben …

Dr. Wests Freundin Toni wird zu Beginn als selbstbewusste junge Frau eingeführt, die ihren Kopf durchsetzt, auf der Insel dient sie leider nur als ängstliche Stichwortgeberin, die gerettet werden muss. Das ist für Horrorfilme der 60er-Jahre natürlich nichts Besonderes und muss auch nicht groß kritisiert werden, es fiel mir aber in diesem Fall stark auf und sei daher erwähnt.

Abwegig? Macht doch nichts!

Abwegige Gruselgeschichte; versetzt mit Effekthaschereien und pseudowissenschaftlichen Erklärungsversuchen. So kanzelte seinerzeit das „Lexikon des internationalen Films“ „Insel des Schreckens“ ab. Seit wann ist abwegig für einen Horrorfilm mit fantastischen Elementen ein Kriterium, das zur Abwertung führt? Natürlich ist das abwegig! Deshalb hilft auch der Vorwurf der Pseudowissenschaftlichkeit nicht weiter. Der Prüfung der Wissenschaftlichkeit muss sich nur Science-Fiction mit dem Anspruch auf Realitätsnähe stellen, dieser Anspruch bestand hier sicher nicht. Auch das Urteil … der mehr Langeweile als Schrecken verbreitet … sanfte Zumutung des Evangelischen Filmbeobachters Nr. 180 von 1967 bestreite ich energisch. Für mich bietet „Island of Terror“ auch heute noch wunderbaren Grusel britischer Prägung.

Mediabook in zwei Covervarianten

Umso schöner, dass Koch Films das Werk als Mediabook mit Blu-ray und DVD veröffentlicht hat – die DVD von 2006 ist im Handel vergriffen, auf dem Sammler- und Gebrauchtmarkt um zehn bis zwölf Euro zu finden. Die Edition überzeugt in Bild und Ton sowie mit dem Koch-typischen kleinen Mediabook-Format, das manche Mediabook-Sammler missbilligen – ich aber nicht. Zwei Covermotive stehen zur Auswahl. Schön auch, dass das Label es sich und seinen Käuferinnen und Käufern gegönnt hat, mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad zwei ausgewiesene Kenner für einen neuen Audiokommentar zu gewinnen. Obwohl ich mich als Audiokommentar-Ignorant oute, weiß ich doch, dass viele Fans dieses Feature zu würdigen wissen. Mit derlei Kompetenz am Mikrofon lohnt sich das auch. Im Zusatzmaterial findet sich obendrein ein 25-minütiges Interview mit Christopher Lee. Das mutet erst einmal merkwürdig an, weil der Gute gar nicht mitgespielt hat, aber das Gespräch handelt vornehmlich von Regisseur Terence Fisher – passt schon. Interessant genug ist es allemal. Ein schönes Booklet mit einem so langen wie fachkundigen Text von Christoph Huber rundet die Veröffentlichung ab, an der ich kaum etwas auszusetzen haben. Nur eins vielleicht: Booklet-Autoren haben meines Erachtens eine kurze Vorstellung in Form von ein paar Zeilen verdient. Platz dafür ist ausreichend vorhanden.

… dass das Opfer keine Knochen mehr hat

„Insel des Schreckens“ endet mit einem denkbar kurzen Epilog in Japan, der einen Ausblick darauf gibt, dass der Schrecken nicht vorbei ist. Heutzutage hätte das Futter für ein Sequel gegeben. Parallel hat Koch mit „Brennender Tod“ den Folgefilm der Produktionsfirma veröffentlicht, der ebenfalls eine interessante „abwegige“ (hehe) und „pseudowissenschaftliche“ (hihi) Story und nicht nur Terence Fisher und Peter Cushing bietet, sondern auch Christopher Lee, die Qualität von „Insel des Schreckens“ aber nicht erreicht. Diesen nämlich empfinde ich als echtes Kleinod britischen SF-Horrors.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing unter Schauspieler.

Da teilt sich was!

Veröffentlichung: 20. Juni 2019 als limitiertes 2-Disc Mediabook mit zwei Covermotiven (Blu-ray & DVD), 30. Januar 2006 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Island of Terror
Alternativtitel: Todesmonster greifen an
GB 1966
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Edward Mann, Al Ramsen
Besetzung: Peter Cushing, Edward Judd, Carole Gray, Eddie Byrne, Sam Kydd, Niall MacGinnis, James Caffrey, Liam Gaffney, Roger Heathcott, Keith Bell
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Interview mit Christopher Lee über Terence Fisher (24:54), deutscher und englischer Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber
Label/Vertrieb: Koch Films
Label/Vertrieb 2006: WVG Medien GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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Der sechste Kontinent – Effekte aus einem Land vor unserer Zeit

At the Earth’s Core

Von Leonhard Elias Lemke

SF-Abenteuer // Lava? Ein Vulkan? Nein, „Der sechste Kontinent“ beginnt in einem Stahlwerk. Dort wird gerade das Eisen für den „Iron Mole“ gegossen. Der eiserne Maulwurf ist eine gigantische Maschine, eine überdimensionierte Schraube mit einer rotierenden Spitze, die sich in den Boden und durch die verschiedenen Schichten der Erde bohren soll. Platz bietet sie für zwei Personen: den (über)motivierten Wissenschaftler Dr. Abner Perry (Peter Cushing) und den draufgängerischen Gentleman am Geldhahn, David Innes (Doug McClure). Beide wissen nicht so recht, was sie unter der Erdoberfläche erwartet – genauso unbekanntes Territorium wie das Weltall. Das erste Penetrieren des Maulwurfs wird genauso ekstatisch wie unwissend gefeiert.

Im eisernen Maulwurf

Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Eindringen flutscht es dann doch, und schnell bewegt man sich in Richtung Erdkern. Feste Strukturen, Feuer, Eis, ein See, und auf einmal machen die Forscher eine Bruchlandung – auf dem sechsten Kontinent, in der Erde. Ungläubig steigen sie aus ihrem Gefährt. Sie sind in Pellucidar, einer prähistorischen Welt unter unserer Welt. Die Vegetation ist unseren (immer kleiner werdenden) Dschungeln nicht unähnlich, dort wird es niemals Nacht und der Himmel ist immer rosa! Flora und Fauna sind kunterbunt und von groteskem Größenverhältnis, und auch das Bestiarium hat es in sich: Gigantische Schnabelmonster wollen alles kurz und klein stampfen, was ihnen in die Quere kommt – zum Beispiel Dr. Perry und David. In Pellucidar „regiert“ die Rasse der Mahar: fliegende, telepathische Vogelkreaturen, die über eine unterentwickelte Art von Menschen herrschen. Ihre Handlanger sind direkt vom Planet der Affen herbeigeorderte Fieslinge. Dr. Perry und David wollen eigentlich nur so schnell wie möglich raus aus diesem Schlamassel, sehen sich dann aber doch genötigt, die Menschen in Pellucidar vom Joch zu befreien. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn eine von ihnen (Caroline Munro) hat es in raffinierter Pocahontas-Manier David doch sehr angetan – und durch gute Taten kann man immer gut Eindruck schinden.

Nach einer Vorlage von Edgar Rice Burroughs

„Der sechste Kontinent“ wurde als britisch-amerikanische Koproduktion 1976 von Amicus in die Kinos gebracht. In den 60ern waren die Amerikaner Milton Subotsky und Max J. Rosenberg in das Vereinte Königreich ausgezogen, um dem enorm profitablen Hammer-Studio Paroli zu bieten. Amicus Markenzeichen waren Episodenfilme wie beispielsweise „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ (1965), mit denen man vielversprechend startete, aber nie auch nur ansatzweise an Hammers Erfolg – und Qualität – herankam. 1974 verfilmte man Edgar Rice Burroughs’ „Caprona – Das vergessene Land“ und machte sich zwei Jahre später, erneut unter der Regie von Kevin Connor und mit Hauptdarsteller McClure, an die Verfilmung eines weiteren Stoffs des populären Autors und Tarzan-Schöpfers. So richtig wollte es jedoch nicht an den Kassen klingeln und als 1977 auch „Caprona 2 – Menschen, die die Zeit vergaß“ – erneut mit Connor als Regisseur – nicht durch die Decke ging, kam für Amicus das Aus.

Auch die Monster haben gut lachen

Ein Jahr vor „Krieg der Sterne“ ist „Der sechste Kontinent“ auch ein später Film von Peter Cushing. Vollkommen überdreht und bar jeglichen Ernstes spielt er seinen Dr. Abner Perry. Und er tut gut daran, denn das Produktionsdesign ist nicht auf der Höhe der ambitionierten Geschichte, die von den faszinierendsten Fantasiewelten und -kreaturen erzählt, die dann auf Zelluloid eher enttäuschend daherkommen. So erheitert vor allem sein Schauspiel den Zuschauer sehr und steht in angenehmem Kontrast zu seinen verbitterten viktorianischen Autoritätsfiguren. Ein Jahr später sollte er für George Lucas mit Grand Moff Tarkin noch einmal eine solche spielen und dafür in gehobenem Alter – und von Krankheit gezeichnet – über sich hinauswachsen und endgültig in den Filmolymp einziehen.

Doug McClure wirft seinen Hut

Doug McClure dagegen mimt seinen David ein bisschen ernsthafter und will als Abenteurer brillieren, doch gehen ihm Charisma, Agilität und auch Jugendlichkeit dafür etwas ab. Das scheint ihm dann doch irgendwie bewusst geworden zu sein, und so gibt es beispielsweise eine herrliche Szene, in der er seinen Hut auf einen Haken werfen will, diesen aber verfehlt und er darüber nur schmunzelt – das ist alles so im Film geblieben. Jede Wette, dass das ursprünglich so nicht im Skript stand! Und so sind es eben vor allem jene bewussten Unsauberheiten – und das körperliche Talent von Horror-Ikone Caroline Munro (die man Hammer abluchste) – denen der Film seinen Unterhaltungswert zu verdanken hat.

Objekt der Begierde: die schöne Dia

Um mit besser ausgestatteten Fantasy- und Abenteuerfilmen aus Hollywood mitzuhalten, war das Budget einfach zu gering. Natürlich bringt der Zuschauer auch immer seine eigene Fantasie mit ins Kino, aber wenn er durch gut gemeinte, aber nicht überzeugend gestaltete Monster und Kulissen aus brüchigstem Pappmaché und eher niedliche als realistische Miniatureffekte immer wieder aus der Geschichte gerissen wird, ist es vielleicht mehr ein über den Film, als mit dem Film Lachen – was der Unterhaltung wie gesagt keinen Abbruch tut und ja von Cast und Crew durchaus auch gewollt scheint. Absolut routiniert und gar zu kunstvoll scheint die Kamera von Alan Hume, der später noch „Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ einfangen sollte. Qualität war da, fand jedoch nicht von allen Elementen der Produktion die volle Unterstützung.

Ein „Creature Feature“ in gelungener Edition

Kochs „Creature Feature“ Nummer 7 liegt hier in beeindruckender Bild- und Tonqualität vor. Schön, dass das original Postermotiv das Cover ziert und sofort in wohlige Sonntagnachmittag-Stimmung im Heimkino versetzt. „Creatures“ gibt es wahrlich genug und wenn schon nicht vollends überlegen und schon gar nicht furchteinflößend, so sind sie doch angenehm bizarr – wo sonst sieht man Dino-Warzenschweine beim Wrestling? Langeweile kommt jedenfalls nie auf. Dafür sorgt auch das in Kochs Reihe gewohnt sorgsam aufbereitete Bonusmaterial: Audiokommentar und Interview mit Regisseur Kevin Connor, Interview mit der liebenswerten Caroline Munro, Making-of, eine „Trailers from Hell“-Episode, die deutsche Super-8-Fassung, sowie Trailer und Bildergalerie sind ein Rundum-Sorglos-Paket und machen diese Edition für den Autor dieser Zeilen zur „Ultimate Edition“ des Films.

Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing sind unter Schauspieler zu finden.

Fliegende telepathische Saurier!

Veröffentlichung: 22. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: At the Earth’s Core
GB/USA 1976
Regie: Kevin Connor
Drehbuch: Milton Subotsky, nach einer Vorlage von Edgar Rice Burroughs
Besetzung: Doug McClure, Peter Cushing, Caroline Munro, Cy Grant, Godfrey James, Sean Lynch, Keith Barron, Helen Gill, Robert Gillespie, Anthony Verner, Michael Crane
Zusatzmaterial: Deutscher und englischer Trailer, Audiokommentar, Interviews, Making-of, Super-8-Fassung, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 
 

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