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Horror für Halloween (XXI): Hammer House of Horror – Die komplette Serie: Gänsehaut-Garantie

Hammer House of Horror

Von Andreas Eckenfels

Antholgie-Horrorserie // In den 1970er-Jahren waren die Tage der einst so glorreichen Hammer Studios gezählt. Klassischer Gothic-Horror war beim Publikum nicht mehr gefragt. Und weder der im zeitgenössischen „Swinging London“ spielende „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (Dracula A.D. 1972, 1972) noch die Zusammenarbeit mit dem legendären Hongkong-Studio der Shaw Brothers, „Die sieben goldenen Vampire“ (The Legend of the 7 Golden Vampires, 1974), konnten den Abwärtstrend stoppen. 1979 erschien mit dem starbesetzten Hitchcock-Remake „Tödliche Botschaft“ (The Lady Vanishes) der vorerst letzte Kinofilm der Hammer Studios – Firmenchef Michael Carreras (1927–1994) musste Insolvenz anmelden.

Vom Kino ins Fernsehen

Wie Uwe Huber im Blu-ray-Mediabook von Wicked-Vision Media schreibt – übrigens handelt es sich um nahezu den gleichen Text inklusive Episodenbeschreibung, der schon der 2006er DVD-Veröffentlichung von Koch beilag – wurden die Hammer-Mitarbeiter Ray Skeggs (1934–2018) und Brian Lawrence (1920–2004) von den Schuldnern als Insolvenzverwalter eingesetzt. Mit der Anthologieserie „Hammer House of Horror“ wollten sie den traditionsreichen Namen „Hammer“ weiterleben lassen und wechselten vom Kino ins Fernsehen. Dabei gelang es ihnen, einen Deal mit dem britischen Produktionsstudio ITC auszuhandeln, welches einen Großteil der Finanzierung übernahm. So konnten Stars wie Peter Cushing, Denholm Elliott und Sian Phillips sowie erfahrene TV-Autoren wie Anthony Read („Doctor Who“) und Jeremy Burnham („Mit Schirm, Charme und Melone“) verpflichtet werden. Die Premierenfolge „Die Hexe von Woodstock-Farm“ („Witching Time“) von Don Leaver („Kein Pardon für Schutzengel“) feierte am 13. September 1980 auf dem Sender ITV ihre Erstausstrahlung im Vereinigten Königreich. Erst 1989 wurde die Serie unter dem Titel „Gefrier-Schocker“ im deutschen Fernsehen auf Sat.1 ausgestrahlt.

Von Hexen und Werwölfen

Der markerschütternde Schrei und das fiese Lachen in Verbindung mit der pompösen Titelmelodie sorgt schon im Vorspann für Gänsehaut. Bei dem darin sichtbaren altehrwürdigen Anwesen handelt es sich um das Hampden House, ein ehemaliges Mädcheninternat in Great Hampden, welches der Produktion als Hauptsitz diente. Es wäre perfekt als Kulisse für einen klassischen Hammer-Film geeignet, dennoch führt es die Seriengucker ein wenig in die Irre: Unter den 13 Episoden gibt es kein „period piece“, alle Folgen spielen im England der Moderne.

Dafür greifen die jeweils eigenständigen und in sich abgeschlossenen Geschichten klassische Horrorfiguren und -motive auf: In der Pilotfolge entdeckt Filmkomponist David (Jon Finch) eine junge Frau (Patricia Queen) in einer Scheune, die behauptet, eine Hexe zu sein. Um Voodoo geht es in „Charlie Boy“ und um dämonische Besessenheit in „Die Handlanger des Satans“. Auch das Mad-Scientist-Motiv fehlt nicht: Wissenschaftler Terence (Gary Bond) experimentiert in „Die Rache der Ungeliebten“ mit exotischen Pflanzen. Tierversuche liebt auch Peter Cushing in „Die Experimente des Mr. Blueck“ – allerdings weitet er diese auch auf Menschen aus, was Brian Cox als Ex-Knacki Chuck schmerzhaft zu spüren bekommt. In einer seiner ersten Rollen fällt der damals noch unbekannte Pierce Brosnan in „Das Vermächtnis des Falkners“ einem Serienkiller zum Opfer. Auch Kannibalen, Werwölfe und Untote tummeln sich in den jeweils knapp 54-minütigen Folgen. Im „Hammer House of Horror“ findet sich also jeder Horrorfan schnell heimisch.

Makabre Wendungen

Wie bei Anthologieserien üblich, ist die Qualität nicht immer gleichbleibend: Manche der für die damalige Zeit verhältnismäßig blutigen und freizügigen Folgen ragen heraus, manche dehnen ihre knappe Grundidee ein wenig zu sehr in die Länge. Ein Happy End gibt es selten, die Zuschauer und Zuschauerinnen werden meist dank einer makabren Wendung mit einem unwohlen Gefühl entlassen. An den 80er-Look und die mitunter etwas behäbig wirkende Inszenierung muss man sich etwas gewöhnen – besonders, wenn man nur noch das Tempo aktueller Streamingserien zum Vergleich hat. Dennoch: Für Hammer-Fans ist die Serie sowieso ein Muss und auch bei allen anderen Horrorliebhabern wird bei den 13 „Gefrier-Schockern“ garantiert der eine oder andere Schauer über den Rücken laufen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass einige Folgen nicht komplett synchronisiert auf den drei Blu-rays vorliegen. Hier wird dann kurz in den englischen Originalton gewechselt.

Hammers Aufstieg und Fall in Spielfilmlänge

Neben der kompletten Serie in Top-HD-Qualität bietet das beim Label nur noch in Restbeständen verfügbare Mediabook von Wicked-Vision Media einen weiteren Kaufanreiz: Die großartige 156-minütige Dokumentation „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“ (1994) von Ted Newsom in der erweiterten Fassung als Deutschland-Premiere. Hier erfahren Interessierte alles Wissenswerte über den Aufstieg und Fall des legendären Studios. Dabei kommen zahlreiche ehemalige Cast- und Crewmitglieder zu Wort, zudem fungieren Peter Cushing und Christopher Lee als Erzähler. Die erweitere Fassung wurde 2018 in Großbritannien auf DVD veröffentlicht, die unter anderem ein Kapitel über das Comeback des Studios mit Filmen wie „The Resident“ (2011) hinzufügt. Übrigens eröffnete die aktuellste Hammer-Produktion „The Lodge“ von den „Ich seh, ich seh“-Machern Veronika Franz und Severin Fiala 2019 das Fantasy Filmfest.

Wer danach noch Horror-Nachschub benötigt, dem sei die Nachfolgeserie „Vorsicht, Hochspannung!“ („Hammer House of Mystery and Suspense“, 1984) empfohlen, die Pidax Film auf DVD veröffentlicht hat. Nach dieser schlossen sich allerdings endgültig die Türen von Hammer – bis das Studio einige Jahre später wie oben erwähnt von den Toten auferstand.

01. Die Hexe von Woodstock-Farm (Witching Time)
02. Die Dinner-Party (The Thirteenth Reunion)
03. Alptraum ohne Ende (Rude Awakening)
04. Die Rache der Ungeliebten (Growing Pains)
05. Das Haus des Grauens (The House That Bled to Death)
06. Charlie Boy (Charlie Boy)
07. Das Experiment des Mr. Blueck (The Silent Scream)
08. Kinder des Vollmonds (Children of the Full Moon)
09. Das Vermächtnis des Falkners (Carpathian Eagle)
10. Der Wächter des Höllenschlundes (Guardian oft he Abyss)
11. Besucher aus dem Jenseits (Visitor from the Grave)
12. Die zwei Gesichter des Bösen (The Two Faces of Evil)
13. Die Handlanger des Satans (The Mark of Satan)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Pierce Brosnan und Peter Cushing haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als 3-Disc Collector’s Edition im limitierten Mediabook (3 Blu-rays), 15. Mai 2015 als 4-DVD-Set, 15. September 2006 als 4-DVD-Digipack

Länge: 702 Min. (Blu-ray), 666 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Hammer House of Horror
Alternativtitel: Gefrier-Schocker
GB 1980
Regie: Peter Sasdy, Don Leaver, Alan Gibson u.a.
Drehbuch: Bernie Cooper, Francis Megahy, Don Shaw u.a.
Besetzung: Peter Cushing, Nicholas Ball, Denholm Elliott, Anna Calder-Marshall, Denholm Elliott, Sian Phillips, Christopher Cazenove, Julia Foster, Pierce Brosnan, Barbara Kellerman, Brian Cox
Zusatzmaterial: Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Huber, Episode 10 „Der Wächter des Höllenschlunds“ als Widescreen-Fassung, Einblender für Werbepausen, „Albtraum ohne Erwachen“ – Archivmaterial, Bildergalerien, Dokumentation „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“ – Extended-Version (ca. 156 min.), DVD 2006: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Huber, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media
Label 2015: Pidax Film (Vertrieb: Al!ve AG)
Label/Vertrieb 2006: Koch Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

 

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Horror für Halloween (IX): Dracula und seine Bräute – Dann eben nicht, Christopher Lee!

The Brides of Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Erinnern wir uns: Am Ende von „Dracula“ (1958) war es Dr. Van Helsing (Peter Cushing) gelungen, den Vampirfürsten zu bezwingen – vom Sonnenlicht getroffen, zerfiel der Blutsauger zu Staub. Zwei Jahre später legten Hammer Films und Regisseur Terence Fisher nach und schufen mit „Dracula und seine Bräute“ den nächsten Vampirfilm, der durchaus als direkte Fortsetzung verstanden werden kann.

Im Gasthaus trifft die junge Lehrerin Marianne …

Der Titel führt dabei allerdings in die Irre, denn mit Dracula bekommt es Van Helsing diesmal nicht zu tun, obendrein handelt es sich bei den in Erscheinung tretenden Blutsaugerinnen nicht mal um Draculas Gespielinnen, ein anderer steckt dahinter. Das ursprüngliche Drehbuch sah die Auferstehung Draculas vor, dies ließ sich allerdings nicht realisieren, weil Christopher Lee das Skript dem Vernehmen nach missbilligte und er daher sein Mitwirken ablehnte. Daher wurde sein Part kurzerhand hinausgeschrieben, zu Draculas Wiederkehr kam es somit erst 1966 in „Blut für Dracula“ („Dracula – Prince of Darkness“) – ebenfalls unter der Regie von Fisher.

… auf die schroffe Baronin Meinster

Aber bleiben wir bei „Dracula und seine Bräute“. Die junge Lehrerin Marianne Danielle (Yvonne Monlaur) befindet sich auf dem Weg von Paris ins transsylvanische Badstein, wo sie eine Stelle im Mädchenpensionat Lang antreten will. Doch während sie in einem Gasthaus auf ihr Essen wartet, zieht ihr Kutscher mit seinem Gefährt von dannen. Die vermeintliche Lösung der misslichen Situation naht alsbald in Gestalt der herrischen Baronin Meinster (Martita Hunt), die sie auf ihr nahegelegenes Schloss einlädt und ihr eine Bettstatt für die Nacht anbietet. In dem hochherrschaftlichen Gemäuer entdeckt Marianne in einem ihrem Zimmer gegenüberliegenden Trakt einen jungen Mann, dessen Bewegungsradius eine silberne Kette einschränkt. Er stellt sich ihr als Baron Meinster (David Peel) vor, den seine Mutter grundlos gefangen halte …

Dr. Van Helsing greift ein

In der Folge trifft Marianne Danielle auf Van Helsing, der sich einmal mehr als wackerer Vampirjäger erweist. Und trotz Draculas Abwesenheit lässt sich konstatieren, dass „Dracula und seine Bräute“ ausgesprochen gruselig geraten ist. Das beginnt schon mit der wilden Kutschfahrt durch den Wald, bei der während eines kurzen Stopps aufgrund eines Hindernisses bereits damit zu rechnen ist, dass das Unheil über den Kutscher und seine Passagierin hereinbricht. Auch der Aufenthalt der jungen Lehrerin auf Schloss Meinster lässt wohltuenden Schauder über die Zuschauer rieseln. Danach sinkt der Gruselfaktor etwas, um sich beim grandiosen Windmühlenfinale wieder in ungeahnte Höhen zu erheben.

Weshalb ist der Sohn der Baronin angekettet?

Das Vampir-Personal kann natürlich nicht mit jenem in den „Dracula“-Filmen mit Christopher Lee mithalten, an dessen Charisma kommt kaum jemand vorbei. Größter Kritikpunkt ist in meinen Augen aber die Personalie der „Damsel in Distress“ Marianne Danielle. Die junge Lehrerin ist mit „naiv“ noch harmlos beschrieben. Ob das an Yvonne Monlaurs Darstellung, der Charakterisierung ihrer Figur im Skript oder Terence Fishers Regieanweisungen lag, lässt sich schwer beantworten, vielleicht spielte von jedem etwas hinein. Einige Aspekte sind Monlaur jedenfalls nicht anzulasten. Eine große Karriere war ihr nicht beschieden, im Kino war sie letztmalig 1966 in dem französisch-deutschen Jerry-Cotton-Krimi „Die Rechnung – eiskalt serviert“ zu sehen. Nach zwei kurzen TV-Serienauftritten im selben Jahrzehnt endete ihre Karriere.

Bewährte Qualität von Hammer und Anolis

Farbgebung, Kostümierung, Beleuchtung und die herrlichen Studiokulissen (gepaart mit ein paar Freiluft-Drehorten) entsprechen dem hohen Standard, den wir von Hammer-Films-Produktionen aus jener Zeit gewohnt sind und schätzen. Da kann man über Christopher Lees Fehlen in einem Hammer-Vampirfilm locker hinwegsehen. Peter Cushing reißt mit seiner gewohnt beherzten Performance ohnehin locker alles wieder heraus und macht die Schwächen vergessen. Freda Jackson („Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, 1965) als undurchsichtige Schlossdienerin Greta gibt dem Geschehen eine unheilvolle Note.

Dr. Van Helsing greift wieder zum Hammer

Was für das Niveau der Produktion gilt, lässt sich ebenso für das des Mediabooks von Anolis Entertainment anführen: Das Label hält den hohen Qualitätsstandard. Die Edition von 2015 ist bereits seit einiger Zeit vergriffen und gesucht, auch das hat sie mit diversen Vorgängern und Nachfolgern gemein. Im Booklet erfahren wir etwas über die Unstimmigkeiten, mit denen die Produktion bereits im Vorfeld geplagt war – das Drehbuch wurde wiederholt umgeschrieben, was man dem fertigen Film auch anmerkt. Aber vielleicht sollte Anolis seinen Booklet-Autoren auf den Weg geben, ihre Texte miteinander abzustimmen, wenn man schon ein Booklet von drei Schreibern füllen lässt. Wenn drei Autoren nach eigenem Ermessen unabhängig voneinander über ein und dieselbe Produktion schreiben, lassen sich Dopplungen kaum vermeiden. Dennoch ist das Mediabook natürlich ein Schmuckstück jeder gut sortierten Vampirfilm-Sammlung – und in solche gehört „Dracula und seine Bräute“ definitiv hinein.

Die Vampirbräute sind auf Ärger aus

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 13. November 2015 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray, 18. November 2016 als Blu-ray, 24. August 2007 als DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Brides of Dracula
GB 1960
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster, Peter Bryan, Edward Percy
Besetzung: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel, Miles Malleson, Henry Oscar, Mona Washbourne, Andree Melly, Victor Brooks, Fred Johnson, Michael Ripper
Zusatzmaterial 2015: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Making-of, Interview mit Yvonne Monlaur (Manchester 2004), britischer, amerikanischer und deutscher Kinotrailer, deutsche Titelsequenz, Comic-Adaption, deutscher Werberatschlag, Filmprogramme, Bildergalerie, nur Mediabook: 36-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Uwe Huber
Label/Vertrieb Mediabook & Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Koch Media

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2015 Anolis Entertainment GmbH

 

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Brennender Tod – Die Hitze des Grauens

Night of the Big Heat

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Hoch im schottischen Norden auf der Insel Fara in der Bucht von Scapa Flow im Orkney-Archipel wundern sich die Einwohner über die tropischen Temperaturen von 40 Grad Celsius – weiter steigend. Im übrigen Land hingegen liegen die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, was der winterlichen Jahreszeit entspricht.

Dr. Stone und Frankie Callum macht die Hitze zu schaffen

In der von den Eheleuten Frankie und Jeff Callum (Sarah Lawson, Patrick Allen) geführten Herberge „The Swan“ sammeln sich derweil die Gäste, darunter der freundliche Arzt der Gegend, Dr. Vernon Stone (Peter Cushing). Der verschlossene und mürrische Godfrey Hanson (Christopher Lee) ist mit seiner Kameraausrüstung in den Büschen unterwegs, was auch immer er dort abzulichten hofft. Die junge Angela Roberts (Jane Merrow) ist gerade als Sekretärin für Jeff Callum eingetroffen, der nicht nur als Gastronom arbeitet, sondern auch Bestsellerromane schreibt. Der Gute erlebt allerdings eine Überraschung, als er entdeckt, dass es sich bei seiner neuen Sekretärin um die Frau handelt, mit der er vor einiger Zeit eine stürmische Affäre hatte – und sie will ihn partout nicht aufgeben.

Tod eines Landstreichers

Zusätzlich zu den unnatürlichen Temperaturen irritiert ein immer wieder auftretendes Sirren die Menschen. Ein Landstreicher wird erstes Opfer einer unbekannten Bedrohung. Er bleibt nicht der einzige Tote. Bald haben die Temperaturen die 50-Grad-Marke überschritten, und Jeff Callum verdächtigt Godfrey Hanson, mehr über die unbekannte Bedrohung zu wissen.

Angela Roberts will Jeff Callum zurückerobern

Peter Cushing und Christopher Lee in der Besetzung, Terence Fisher auf dem Regiestuhl – das muss doch wohl eine Produktion von Hammer Films sein?! Mitnichten. Planet Film Productions war mir bis vor Kurzem kein Begriff, es handelt sich dabei wohl um einen Epigonen von Hammer Films, also eine Produktionsfirma, die im Fahrwasser des Erfolgsstudios auf „Horror Made in Britain“ setzte. Einiges erinnert daher nicht von ungefähr an Hammer Films, allen voran die sorgfältig in Szene gesetzten Sets. Der Science-Fiction-Anteil des Films mag als weniger Hammer-typisch angesehen werden, aber letztlich sind die „Frankenstein“-Filme des Studios im weiteren Sinne auch Science-Fiction – und „Schock – The Quatermass Xperiment“ sowieso. Dennoch grenzt sich der Plot schon etwas von den Hammer-Storys ab. Dem Booklet des Koch-Films-Mediabook entnahm ich die Information, dass Planet Film Productions mit „Brennender Tod“ an den Erfolg der vorherigen Produktion „Insel des Schreckens“ anknüpfen wollte – den Film hat Koch Films ebenfalls gerade als Mediabook veröffentlicht.

Sexszenen für die Franzosen

Das Publikum bekommt die Bedrohung lange Zeit nicht zu Gesicht. Wenn das Sirren an Lautstärke gewinnt und die bedauernswerten Opfer in gleißendes Licht gehüllt werden, bleibt die Kamera auf ihnen, ohne zu den Auslösern des tödlichen Angriffs zu wechseln. Dafür bekommen die zwischenmenschlichen Interaktionen der Bedrohten ihren Raum, was bisweilen einen Hauch aufgesetzt wirkt. So treibt beispielsweise die schwierige Dreiecks-Gemengelage zwischen den Callums und der neuen Sekretärin Angela die Handlung selbst kaum voran. Allerdings kann man dem entgegenhalten, dass die Hitze den Menschen zu schaffen und sie aggressiv macht, was der Beziehungsstress betont. Eine gewisse sexuelle Spannung in der Luft bringt da zusätzliches Knistern. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge wurden für die französische Version des Films sogar zusätzliche Sexszenen mit Doubles gedreht, weil der französische Titel „La nuit de la grande chaleur“ („Die Nacht der großen Hitze“) schon mal per se zweideutig interpretierbar geriet.

Was weiß Godfrey Hanson (r.) über die Bedrohung?

Für einen Kritikpunkt muss ich in diesem Absatz ein wenig spoilern. Weshalb Godfrey Hanson die Natur der Bedrohung erkennt und mit seinen Vermutungen richtig liegt, wird wohl auf ewig das Geheimnis des Drehbuchs bleiben. Zudem gerät das einfallslose Ende enttäuschend, bei welchem die Überlebenden in den letzten Sekunden des Films ansatzlos vor der Bedrohung gerettet werden – Deus ex machina auf eher missratene Weise. Dennoch vermag „Brennender Tod“ zu fesseln, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Hammer Films in jenen Jahren.

Mediabook von Koch Films

Ich mag das gegenüber Veröffentlichungen anderer Publisher kleinere Format der Koch-Films-Mediabooks – ein schönes Herausstellungsmerkmal. Das Booklet überzeugt mit fachkundigem Text von Christoph Huber, über den wir leider nichts erfahren, da ein kurzes Autorenporträt fehlt. Lobend erwähnt sei auch die Tatsache, dass der Publisher eigens einen neuen Audiokommentar in Auftrag gegeben hat. Grundsätzlich auf bekannt hohem Niveau produziert, fiel mir am Mediabook nur durch Zufall auf, dass der Covertext den Handlungsort Fara fälschlicherweise als „Kanalinsel“ verortet, aber das dürfte den meisten Käufern entgehen und ist für den Film auch irrelevant. An Bild- und Tonqualität gibt es nichts auszusetzen. „Brennender Tod“ schließt nicht zu den Glanzlichtern in den Karrieren von Terence Fisher, Peter Cushing und Christopher Lee auf, war aber kurzweilig anzuschauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing und Christopher Lee unter Schauspieler.

Auch Angela gerät in Gefahr

Veröffentlichung: 13. Juni 2019 als limitiertes 2-Disc Mediabook mit zwei Covermotiven (Blu-ray & DVD), 27. März 2008 als DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Big Heat
US-Titel: Island of the Burning Damned
GB 1967
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Ronald Liles, zusätzliche Szenen und Dialoge von Jane Baker und Pip Baker, nach einem Roman von John Lymington
Besetzung: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow, Sarah Lawson, William Lucas, Kenneth Cope, Percy Herbert, Thomas Heathcote
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz und Uwe Sommerlad, Audiokommentar von Marcus Hearn, Christopher Lee und den Autoren Pip und Jane Baker, „British Legends of Stage and Screen – Sir Christopher Lee“ (Interview, 20:10), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber
Label/Vertrieb: Koch Films
Label/Vertrieb 2008: EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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