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Tödliche Parties – Hercule Poirot in Acapulco

Murder in Three Acts

Von Ansgar Skulme

Krimi // Hercule Poirot (Peter Ustinov) und sein Hobby-Assistent Hastings (Jonathan Cecil) nehmen in Acapulco an einer Party auf dem Anwesen des Schauspielers Charles Cartwright (Tony Curtis) teil. Bei dem Freudenfest kommen nicht alle Gäste mit dem Leben davon, aber zunächst scheint es keine Hinweise auf unlautere Umstände zu geben. Als Cartwright Poirot später von einem zweiten Todesfall in Kenntnis setzt, der zur ersten Tat zu passen scheint, wird der belgische Meisterdetektiv misstrauisch – und wenn er einmal ins Grübeln gekommen ist, gibt er so schnell keine Ruhe mehr.

Peter Ustinov verkörperte den von Agatha Christie ersonnenen Ermittler Hercule Poirot in insgesamt sechs Filmen. Diese wurden im Zeitfenster von 1978 bis 1988 veröffentlicht. Für die beiden Kinoerfolge „Tod auf dem Nil“ (1978) und „Das Böse unter der Sonne“ (1982) zeichneten die Produzenten John Brabourne und Richard B. Goodwin verantwortlich, die mit „Mord im Orient-Express“ (1974) und dem Miss-Marple-Film „Mord im Spiegel“ (1980) seinerzeit zwei weitere berühmt gewordene Christie-Verfilmungen realisierten. In „Mord im Orient-Express“ war allerdings noch nicht Peter Ustinov als Poirot zu sehen, sondern Albert Finney, der die Rolle mit aufwendigem, unbequemem Make-up in der Hitze Ägyptens für „Tod auf dem Nil“ aber nicht noch einmal spielen wollte und daher von Ustinov ersetzt wurde. Die Drehbücher zu Ustinovs ersten beiden Einsätzen als belgischer Meisterdetektiv verfasste Anthony Shaffer, dessen Bedeutsamkeit für die Handschrift und den Erfolg der Ustinov-Poirots im Kino man spätestens feststellt, wenn man sich auch Ustinovs letzten Einsatz in „Rendezvous mit einer Leiche“ (1988) ansieht; für den wurde Shaffer, trotz neuen Produzenten-Gespanns, noch einmal reaktiviert, um sich am Drehbuch zu beteiligen. Der Regisseur war in allen sechs Poirot-Filmen mit Peter Ustinov jeweils ein anderer, aber Shaffer hat den drei Kinofilmen als Drehbuchautor unverkennbar seinen Stempel aufgedrückt.

Ungewöhnliche Sprünge

Zwischen Ustinovs zweitem und drittem Kinofilm als Poirot entstanden allerdings noch drei Fernsehfilme, mit wiederum anderen Produzenten und Drehbuchverantwortlichen: „Mord à la Carte“ (1985), „Mord mit verteilten Rollen“ (1986) und „Tödliche Parties“ (1986). Eine Besonderheit ist hierbei nicht nur, dass ein und derselbe Schauspieler einen klassischen Ermittler zunächst im Kino, dann im Fernsehen und dann noch einmal im Kino verkörperte, sondern auch, dass die Fernsehfilme in die damalige Zeit, also die 80er-Jahre, verlegt wurden, während sich die drei Kinofilme an den Vorgaben der Romane orientieren. Peter Ustinov war offenkundig bereits in seinem dritten von sechs Filmen so fest mit der Rolle verwachsen, dass er als fleischgewordener Poirot gewissermaßen über sämtlichen Zeit- und Budgetsprüngen stand.

Poirot (r.) lässt niemals locker

Nachdem die Kinofilme schon längere Zeit in Deutschland auf DVD erhältlich waren, wenn auch aufgrund des von den ersten beiden Filmen abweichenden Produktionshintergrunds des letzten Films „Rendezvous mit einer Leiche“ nicht alle aus einer Hand, hat Pidax Film einmal mehr eine Lücke inmitten einer Reihe von Detektivfilmen geschlossen und die drei Poirot-Fernsehfilme mit Peter Ustinov in Deutschland auf DVD veröffentlicht. Dass man im Hause Pidax akribisch darum bemüht ist, den Fans so viele fehlende Filme und Serien wie möglich mit bekannten Spürnasen in den Hauptrollen zugänglich zu machen und dabei jede noch so kleine Lücke zu schließen, sollte mittlerweile jedem Fan bekannt sein. Den Poirot-TV-Filmen mit Ustinov ist das gegenüber Kino-Einsätzen geringere Budget zwar natürlich anzumerken, nicht nur weil sich weniger Zeit genommen wurde, die Nebenrollen prägnant zu zeichnen, aber dennoch sind sie, aufgrund der Darbietungen von Peter Ustinov und einiger sehenswerter Gaststars und Nebendarsteller, alles andere als vertane Zeit und unterhaltsam.

Energisch auf mehreren Ebenen

Der Atmosphäre der Kinofilme kommt die zweite der drei TV-Produktionen, „Mord mit verteilten Rollen“, eindeutig am nächsten. Dennoch empfand ich auch den abschließenden Fernsehteil „Tödliche Parties“ als bereichernd, da mir zum Beispiel einige melancholische Untertöne, aber auch die Verlegung der Handlung des Romans nach Acapulco gefielen. Zudem gehört die finale Szene, in der die Verantwortlichkeit für das Morden geklärt wird, mitsamt der gut gespielten Reaktion der entlarvten Person zum Besten, was die Ustinov-Poirots dahingehend hervorgebracht haben. Unter anderem gibt es da einen kurzen Moment, in dem auch Poirot überrascht wirkt, da ihm die Hände, an denen im übertragenen Sinne Blut klebt, plötzlich so gefährlich nahekommen, dass es auch um ihn selbst hätte geschehen sein können. Ein guter Kniff mit Kloß im Hals. Die drei Fernsehfilme sind im Allgemeinen wesentlich mehr als die Kinofilme mit Blick auf Witzeleien inszeniert, zumal Poirot hier einen kuriosen Sidekick mit Stan-Laurel-Gedächtnisdauergrinsen namens Hastings mit sich schleift, der permanent den Eindruck macht, mit Hilfe seiner Finger möglicherweise eigenständig bis zehn zählen zu können, wodurch sich zwischen dem Superhirn und seinem tapsigen Gehilfen eine kuriose Zweisamkeit entspinnt, die immer wieder für alberne Absonderlichkeiten sorgt. Peter Ustinov konnte so etwas auch einfach ganz wunderbar spielen. Dennoch kommen aber nun einmal die abgründigen Untertöne in den Geschichten nicht unter die Räder – und das ist nicht unwesentlich für das Gelingen der Filme. Die finale Abrechnung in „Mord mit verteilten Rollen“ ist ebenfalls ziemlich gelungen inszeniert und gespielt.

„Tödliche Parties“ war die erste Verfilmung des Agatha-Christie-Romans „Three Act Tragedy“. Der Originaltitel des Films „Murder in Three Acts“ wurde in den USA schon 1934 aber ebenfalls für den Roman verwendet. Warum ausgerechnet beim deutschen Titel dieses TV-Films das Wort „Mord“ weggelassen wurde, obwohl es im Originaltitel des Films vorkommt, bei den anderen beiden vorausgegangenen Filmen aber nicht, dafür dort allerdings in den deutschen Titeln, „Mord à la Carte“ und „Mord mit verteilten Rollen“, gehört zu den Phänomenen deutscher Filmtitelschöpfungen, die man wahrscheinlich einfach nicht nachvollziehen kann, erst recht in Verbindung mit dem Anglizismus-Rechtschreibfehler „Parties“ statt des im Deutschen korrekten „Partys“. Der ziemlich belanglos wirkende Titel „Tödliche Parties“ weckt bei den meisten sicherlich erst dann Interesse, wenn zumindest der Name Agatha Christie davorsteht – „Mord in drei Akten“ wäre doch so einfach, zu den anderen beiden Filmen passend und schlicht auf eine Art eleganter gewesen. Der Film selbst vermittelt allerdings recht schnell den Eindruck, dass sich die Macher etwas vorgenommen hatten, was unter anderem den musikalischen Einfällen von Alf Clausen zu danken ist, der später beispielsweise durch seine Arbeit an „Die Simpsons“ bekannt wurde. Clausens Musik beschert „Tödliche Parties“ ein wundervolles Intro und den lustigsten sowie coolsten Übergang vom Finale in den Abspann der gesamten Reihe mit Peter Ustinov.

Augen zu – und der Blaubär ermittelt

Ob die Tatsache, dass auf der mir gelieferten Pidax-Box hinten bereits das Wort „Neuauflage“ steht, obwohl diese Poirot-Box ganz generell noch nicht lange auf dem Markt ist, als Nachweis eines großen Andrangs zu werten ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. Die Ustinov-Poirot-Sammlung auf diese Weise zu komplettieren, ist in jedem Fall empfehlenswert. Puristen werden vielleicht etwas enttäuscht sein, dass das Bildformat der in Vollbild gedrehten Filme für 16:9-Fernseher modifiziert wurde; noch dazu in unterschiedlicher Weise. „Mord à la Carte“ ist auf klassischen für 4:3 optimierten Fernsehern im 16:9-Format mit zusätzlichen Schwarzbalken rechts und links – und nicht nur oben und unten – zu sehen. Es sind also alle Bildinhalte sichtbar, allerdings gewissermaßen verkleinert und man müsste zoomen, um das komplette Bild des Fernsehers zu füllen, was zu Unschärfe führt. Die beiden anderen Filme hingegen wurden am oberen und unteren Bildrand beschnitten, sind somit aber im 16:9-Format nun bildfüllend, ohne zusätzliche Schwarzbalken links und rechts. Welche Variante von beiden besser ist, ist reichlich diskutabel. Am besten wäre natürlich das Originalbildformat gewesen, aber es tut dem Filmspaß letztlich keinen großen Abbruch. Bei schriftlichen Einblendungen ist es aber teilweise auffällig, wenn sie recht knapp am Rand des beschnittenen Bildes kratzen.

Erfreulich ist, dass so nun auch der Originalton dieser drei vergleichsweise unbekannten TV-Filme unproblematisch in Deutschland verfügbar ist. Ustinov ist ohne seine eigene Stimme einfach kaum aufzuwiegen. Zudem ist hier nur über den Originalton ein einigermaßen einheitliches Gesamtbild der Poirot-Reihe herstellbar, da Peter Ustinov in „Tod auf dem Nil“ von Horst Niendorf und in „Rendezvous mit einer Leiche“ von Donald Arthur gesprochen wurde, in den drei Fernsehfilmen von Wolfgang Völz, während er sich für „Das Böse unter der Sonne“ wiederum auf Deutsch selbst synchronisierte. Gerade Völz in den TV-Filmen ist insofern etwas problematisch, als seine Stimme, zumindest aus heutiger Sicht, eine bundesweit viel zu bekannte und starke Eigenpräsenz errungen hat, insbesondere durch spätere Rollen wie Käpt’n Blaubär. Wenn dann ausgerechnet eine Koryphäe wie Peter Ustinov mit großer Eigenpräsenz als Schauspieler und Weltmensch derart eindeutig von einer fremden, populären Stimme mit ebenfalls großer Eigenpräsenz überlagert wird, schadet das einfach der Illusion. Ich bin aus ähnlichen Gründen auch nie mit Wolfgang Völz als später deutscher Stimme von Walter Matthau warm geworden, wobei ich hier sogar regelrecht das Gefühl hatte, eine Karikatur Matthaus vor mir zu sehen, die Matthau im Ergebnis zu Unrecht auf genau den Kauz mit Knautschgesicht reduzierte, als den ihn der eine oder andere heute lediglich in Erinnerung hat. Es ist nicht so, dass Völz sich als Stimme Ustinovs schauspielerisch schlecht macht, aber so ziemlich alle Facetten, die Ustinov stimmlich auszeichnen, gehen komplett verloren, da Völz zwangsläufig sein eigenes Charisma darüberlegt. Horst Niendorf und auch Donald Arthur kamen dem Original deutlich näher, wenngleich der gebürtige New Yorker Donald Arthur aufgrund seines Akzents vor allem dahingehend und eigentlich nur dann gut funktioniert, wenn man sich einbildet, in „Rendezvous für eine Leiche“ ebenso wie in „Das Böse unter der Sonne“ wieder Ustinov selbst Deutsch sprechen zu hören, obwohl er es gar nicht ist.

Wie Hastings (r.) im Staatsdienst Karriere machen konnte, bleibt sein Geheimnis

Selbst wenn man sich mit Wolfgang Völz als Peter-Ustinov-Variation dennoch anfreunden kann oder seine wunderbare Erzählerstimme einfach so oder so gern hört, bleibt immer noch die Absonderlichkeit, dass Poirots Sidekick Hastings in der Synchronfassung aller drei Filme sogar noch merkwürdiger als im Original ohnehin schon wirkt – auch hier nicht, weil der Sprecher schauspielerisch einen schlechten Job macht, sondern weil die Wirkung seiner Stimme auf diesem Gesicht eine zusätzliche, manchmal regelrecht bedenklich wirkende Behäbigkeit generiert. Man fragt sich zuweilen tatsächlich, ob mit Hastings einfach schlichtweg etwas Ernsthaftes nicht stimmt und er deswegen aus dem Staatsdienst ausscheiden musste. Mir ist tatsächlich nur selten eine Film- oder Fernsehfigur dermaßen eigenartig vorgekommen wie dieser Hastings in der deutschen Synchronfassung. „MacGyver“-Fans dürften zudem ein wenig verwirrt werden, da Wolfgang Völz in dieser Serie die deutsche Stimme von Dana Elcar war, der in „Tödliche Parties“ aber nun als Poirot zu hören ist. Besetzt wurde Gerd Duwner – ebenfalls eine beliebte, gern einmal in Kinderserien verwendete Stimme, die Schauspieler schnell zur Karikatur werden lassen konnte. Als deutschsprachiger Dana Elcar funktioniert er allerdings annehmbar. Für die diskutablen Aspekte der Synchronfassung wird man auch insofern entschädigt, als sich Lothar Blumhagen als wirklich gute Alternative unter den Stimmen von Tony Curtis erweist, der im Lauf seiner Karriere meist von Herbert Stass und später Rainer Brandt gesprochen wurde. Hätte Blumhagen in der Serie „Die Zwei“ nicht ausgerechnet Roger Moore synchronisiert, während Brandt für Curtis zum Einsatz kam, wäre er vermutlich häufiger für Tony Curtis eingesetzt worden. Zwar klingt Curtis im Original wesentlich rauer, lange nicht so betont galant, aber im Synchron gelingt es eben auch immer wieder, ungeahnt interessante Zusammenwirkungen von Stimmen und Gesichtern zu schaffen, die neue Perspektiven eröffnen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tony Curtis und Peter Ustinov sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. November 2018 als DVD

Länge: 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Murder in Three Acts
USA 1986
Regie: Gary Nelson
Drehbuch: Scott Swanton, nach einem Roman von Agatha Christie
Besetzung: Peter Ustinov, Tony Curtis, Emma Samms, Jonathan Cecil, Dana Elcar, Concetta Tomei, Fernando Allende, Pedro Armendáriz Jr., Lisa Eichhorn, Frances Lee McCain
Zusatzmaterial: keins
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2018 Pidax Film

 

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Ashanti – Einer wie keiner

Ashanti

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Dr. David Linderby (Michael Caine) reist gemeinsam mit seiner Frau Anansa (Beverly Johnson) im Dienst der Weltgesundheitsorganisation WHO durch Afrika, um Eingeborene in ihren Dörfern aufzusuchen und zu impfen. Bei einem ihrer Stopps wird die selbst aus Afrika stammende Anansa von Sklavenhändlern gekidnappt. Das Kommando hat der in die Jahre gekommene Suleiman (Peter Ustinov), für den es der letzte Raubzug ist, bei dem er deswegen noch einmal so richtig absahnen will. Ein langer Weg liegt vor der Karawane, um einen Ort zu erreichen, an dem man mit Sklaven das große Geld machen kann. Obwohl etliche Menschen nicht wahrhaben wollen, dass es überhaupt noch Sklaverei gibt, findet Linderby auf der Suche nach seiner Frau Hilfe bei denen, die es besser wissen, und schließlich auch Verbündete wie Brian Walker (Rex Harrison), Jim Sandell (William Holden) und den Nomaden Malik (Kabir Bedir), dessen ganze Familie Sklavenhändlern zum Opfer gefallen ist.

Linderby (l.) und Malik haben dasselbe Problem

„Ashanti“ ist ein Film der Extreme. Gedreht wurde in Kenia, Israel und auf Sizilien – es gibt viele wunderbare Landschaftsaufnahmen, aber auch ein paar schöne Eindrücke von Leben und Kulten der Ureinwohner zu sehen. Mit Michael Caine, Peter Ustinov und Rex Harrison sind gleich drei Schauspieler in der Besetzung zu finden, die später zum Ritter geschlagen wurden und somit den Titel „Sir“ führen durften beziehungsweise dürfen. Auch den immer noch aktuellen Sklavenhandel aufzugreifen – in den 70er-Jahren eine öfter einmal in Kino und Fernsehen anzutreffende Problematik –, zeugt von einem Bemühen um eine Geschichte mit Sinn und Verstand. Voraussetzungen, die es fast unmöglich scheinen lassen, dass die Dramaturgie des Films so sehr ins Trash-Fach abdriftet, wie sie es teils dann aber dennoch tut.

Es kann keine zwei Meinungen geben – mindestens drei

Was soll man von einem Film halten, den Michael Caine rückblickend als den schlechtesten seiner gesamten Karriere bezeichnete, verbunden mit dem Rat, dass man ihn sich möglichst niemals ansehen möge – der aber seiner Film-Ehefrau Beverly Johnson, die während des Drehs schwanger war, immerhin dazu taugte, ihre Tochter nach der von ihr im Film gespielten Rolle Anansa zu taufen? „Ashanti“ ist vor allen Dingen ein guter Beleg dafür, dass beliebte und berühmte Schauspieler absolut in der Lage sind, jedes noch so altbacken und/oder trivial gestrickte Drehbuch, das um keine Groschenheft-Krimi-Wendung verlegen ist, mit breiter Brust über die Ziellinie zu tragen. Vielleicht waren sich die Geldgeber auch im Klaren darüber, dass das Drehbuch nicht allzu viel taugt, und deswegen so darum bemüht, es mit einer erstaunlichen Menge an Stars vollzustopfen. Bevor man den, sobald es nach Arabien ging, oftmals anscheinend unverzichtbaren Omar Sharif, den Afrika-Liebhaber William Holden, der dort ein Anwesen besaß, und „Sandokan“-Star Kabir Bedi, der sich in Europa bereits einen Namen gemacht hatte, verpflichtete, waren auch Telly Savalas, James Coburn und Kirk Douglas für Rollen oder Cameos im Gespräch.

Man kann die Art und Weise wie die Story gestrickt ist, die Figurenkonstellation, die Art, wie Figuren in die Handlung eingeführt werden und wieder aus ihr verschwinden, sowie die Eigenheiten der Charaktere aber auch durchaus als angenehm nostalgische Referenz an klassische Hollywood-Abenteuerfilme und -Krimis 20 bis 40 Jahre älteren Datums verstehen. Das macht im Kontext der Altstars im Cast tatsächlich sogar irgendwie Sinn und wirkt aus diesem Blickwinkel geradezu ein wenig wie eine Verbeugung vor dem alten Hollywood. So wird eine Schwäche plötzlich zu einer angenehmen Besonderheit. Man sollte dabei allerdings nicht dem albernen Trugschluss unterliegen, das komplette Hollywood-Abenteuerkino der den 70ern vorausgegangenen Jahrzehnte sei vor allen Dingen banal gewesen, nur weil sich dieser Film mal mehr, mal weniger gelungen einiger Old-School-Erzähltechniken bedient und weil über triviale Dramaturgie im klassischen Hollywood ganz allgemein viel dahergeredet wird. Denn Klischees mit anderen Klischees zu kommentieren, ist letztlich wenig zielführend.

Chaotische Produktionsbedingungen

Am meisten enttäuscht „Ashanti“ eigentlich erst durch sein besonders lustlos wirkendes, schlecht geschnittenes Finale mit unpassenden Anschlüssen und einem letzten Schurken, der einfach auf Nimmerwiedersehen aus der Handlung verschwindet, indem er flugs eine Tür hinter sich zumacht, als würde er mal schnell auf Toilette müssen – womit er auch nicht die einzige sich gewissermaßen in Luft auflösende, von einem großen Schauspieler verkörperte Figur in dieser Story ist. Dazu ein irrsinnig gefühlsduseliges Schönwetter-Schlussbild, das die Tragik der vorausgegangenen Geschehnisse binnen Sekunden ziemlich verwässert. Zumal die deutlich von 70er-Jahre-James-Bond-Soundtracks inspiriert wirkende Musik von Michael Melvoin sowieso schon den ganzen Film über weniger das Leid als die Bond-Girl-Qualitäten der gekidnappten Protagonistin zu unterstreichen scheint – und wenn man dann die letzten Bilder des Films sieht und die Musik dazu hört, möchte man wirklich glauben, das genauso schon einmal bei 007 gesehen zu haben. Nicht zuletzt wäre der Film aber vielleicht vor allem dann insgesamt glaubwürdiger, fiele es Michael Caine nicht schon zu Beginn recht schwer, die Sorge um seine Frau glaubwürdig zu spielen. Stattdessen wirkt er recht gelassen und zeigt erst später glaubhafte Emotionen, als einer Reihe von Kindern der Tod in der Wüste droht. Vielleicht schiene die Bedrohung auch größer, wäre Peter Ustinov nicht selbst als Schuft – durch seine augenzwinkernde Interpretation der Rolle – immer noch so verdammt sympathisch. Einmal ganz davon abgesehen, dass Beverly Johnson absolute Schwierigkeiten hat, den Niedergang ihrer Figur nachvollziehbar zu spielen, was sich spätestens in der wirklich schwach umgesetzten Szene zeigt, in der sie schließlich übermüdet zum Verkauf steht.

Wenn Suleiman Gefangene macht, werden es Sklaven

Kuriose Anekdoten wie die, dass es beim Dreh teils so heiß war, dass sogar ein Kamel über Michael Caine zusammenbrach und ihn unter sich begrub, woraufhin dieser zu bedenken gab, ob es nicht etwas viel verlangt gewesen sei, von ihm zu erwarten, in dieser Hitze als Schauspieler tätig zu sein, wenn selbst ein Kamel schon aufgrund von Hitze kollabierte, komplettieren das Bild. Dem Regisseur Richard Fleischer („Sensation am Sonnabend“), der früh in der Produktionsphase seinen Kollegen Richard C. Sarafian ersetzt hatte, machte die Hitze schließlich gar so sehr zu schaffen, dass er ins Krankenhaus musste. Die Tatsache, dass der durchaus korpulente Peter Ustinov sich hingegen weder vor diesen Drehorten scheute noch ein paar Monate früher vor seinem ersten Einsatz als Hercule Poirot in „Tod auf dem Nil“ (1978), nachdem sein Vorgänger Albert Finney – unter anderem aus Unbehagen, aufwendig geschminkt und kostümiert in der Hitze drehen zu müssen – abgelehnt hatte, zeigt den Weltmenschen Ustinov. Darauf, dass es bei der Produktion teilweise ziemlich drunter und drüber gegangen sein dürfte, weist außerdem eine Anekdote um Rex Harrison hin, der zu einem Dreh in Israel anreiste und am Flughafen, buchstäblich bestellt und nicht abgeholt, schließlich entschied, wieder nach Amerika zurückzufliegen.

Sei cool, sei wie Malik!

Angesichts aller Widrigkeiten und angesichts des großen Staraufgebots, hat es etwas Erfreuliches, dass am Ende vor allem die Figur des Malik positiv im Gedächtnis bleibt, denn der wurde inmitten vieler etablierter Stars von einem gespielt, dessen internationale Karriere erst am Anfang stand: Kabir Bedi hatte sich in seiner Heimat Indien bereits einen Namen erarbeitet und war durch die Sandokan-Miniserie „Der Tiger von Malaysia“ (1976) auch in Europa bekannt geworden. „Ashanti“ war einer seiner ersten Versuche, an der Seite großer Hollywood-Stars zu landen, wenngleich der Film streng genommen keine Hollywood-Produktion ist, sondern offenbar mit europäischen Geldern finanziert wurde, durch die Besetzung aber natürlich dennoch in wesentlichen Belangen Hollywood atmet. Bedi spielt in seinen Szenen nicht nur Michael Caine an die Wand, sondern stiehlt letztlich regelrecht den Film, da seine Figur den konsequentesten und vor allem konsistentesten Eindruck macht. Dieser Malik hat etwas Aufrichtiges an sich, etwas, das abgesehen von den afrikanischen Nebendarstellern und Statisten, einfach am ehrlichsten inmitten der oft reichlich konstruierten Story wirkt. 1979 – im Jahr des Erscheinens von „Ashanti“ – wurde Kabir Bedi aus verständlichen Gründen in Deutschland mit dem „Bravo Otto“ ausgezeichnet; er zeigt in diesem Film einmal mehr, dass er große Star-Qualitäten hatte und auch in den USA diverse richtige Hauptrollen im Kino verdient gehabt hätte. Zunächst war Omar Sharif für die Rolle des Malik vorgesehen, der dann aus terminlichen Gründen in einer kleineren Rolle besetzt wurde, die man dafür allerdings etwas erweitern musste, damit sie einem Weltstar dieses Formats wenigstens einigermaßen gerecht wurde. Leider sieht man im finalen Film, dass dies recht notdürftig vonstattenging.

Die Meisterhaftigkeit der Routine von Legenden

Die deutsche Synchronfassung hinterlässt einen durch und durch guten Eindruck. Der mittlerweile 91-jährige Jürgen Thormann tritt heute noch als Stammsprecher von Michael Caine in Erscheinung – wie schon damals in „Ashanti“ und noch früher. Zudem macht es Freude zu hören, wie viel Spaß Horst Niendorf offenkundig damit hatte, mit den vielen Nuancen und Manierismen des Peter Ustinov stimmlich zu spielen. Auch, dass hier nach relativ langen Unterbrechungen mit Heinz Engelmann und Friedrich Schoenfelder noch einmal die früheren Stammsprecher von William Holden und Rex Harrison reaktiviert wurden, zeugt von besonderer Liebe zum Detail.

Belohnungsknochen für erzwungene Liebesdienste

Auf DVD erscheint der Film nun mittlerweile zum wiederholten Male in Deutschland, wenngleich die Zeiten der „Letterbox“ nun der Vergangenheit angehören, von Pidax allerdings zum ersten Mal. Was nun gegenüber der letzten Veröffentlichung in den USA noch fehlt, ist das Blu-ray-Format und das ausführliche Interview mit Beverly Johnson im Bonusmaterial. Auch die vorherige deutsche DVD aus dem Hause EuroVideo hatte an Bonus nichts zu bieten, dieselben Sprachfassungen und ebenfalls keine Untertitel – wie die jetzige Pidax-Version.

Unter dem Strich bleibt ein Film, den ich mir trotz all seiner offensichtlichen Mängel aufgrund der Schauspieler immer wieder gern ansehe und der trotz aller trashigen Elemente doch auch den einen oder anderen Moment der Tragik und Aufrichtigkeit hat, der im Gedächtnis bleibt. Zwar wird „Ashanti“ der Brisanz des Themas inhaltlich nicht gerecht, das Abenteuer genügt aber aufgrund der großen Namen allemal, um die Aufmerksamkeit in die richtige Richtung zu lenken, und hat außerdem ein paar gute schauspielerische Statements zum Thema Doppelmoral im Gepäck. Und was die Musik anbelangt, ist immerhin nicht zu verleugnen, dass sie gut ins Ohr geht, auch wenn man sich spätestens am Ende dann doch fragt, ob man im richtigen oder im falschen Film war. „Ashanti“ mag vieles fehlen, aber der Film besitzt eine Kernkompetenz, die vielen anderen, teils viel höher trabenden Filmen fehlt: die Fähigkeit, schnörkellos zu unterhalten, eine Story ohne Längen, recht zügig vorangehend zu erzählen – mögen die Mittel auch nicht die besten sein. Der Film ist von einer ständigen Vorwärtsbewegung gekennzeichnet und kommt dabei über fast zwei Stunden hinweg sogar weitestgehend ohne das Nachheizen mit dem Gaspedal reißerischer, wilder Actionszenen aus. Es gibt da so einige mit Anlauf oder wichtigtuerischer künstlerischer Attitüde gescheiterte Produkte der Filmgeschichte, deren Machern man „Ashanti“ gern einmal vorführen würde, nur um zu sagen: „Schaut euch das an … dieser Film macht unglaublich viel falsch und trotzdem versteht er es wenigstens viel besser, das Publikum abzuholen und nicht hoffnungslos kaputt zu langweilen als ihr.“ Ob das mit der Erfahrung des hier aufgefahrenen Schauspielerensembles im Gepäck nun eine Kunst ist oder nicht, wenn zumindest noch der Kameramann einen ordentlichen Job macht – wie hier Aldo Tonti –, steht auf einem anderen Blatt. Aber spielt es eine Rolle, ob es Kunst ist oder nicht?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Richard Fleischer haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Michael Caine und Peter Ustinov unter Schauspieler.

Kann man mit Kamelen in der Wüste in den Sonnenuntergang reiten?

Veröffentlichung: 5. April 2019 als DVD, 28. Oktober 2010 als DVD, 1. Oktober 2001 als DVD

Länge: 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Ashanti
CH 1979
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Stephen Geller, nach einem Roman von Alberto Vázquez-Figueroa
Besetzung: Michael Caine, Peter Ustinov, Kabir Bedi, Beverly Johnson, Rex Harrison, Zia Mohyeddin, William Holden, Omar Sharif, Marne Maitland, Eric Pohlmann
Zusatzmaterial: keins
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2019 Pidax Film

 

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Stanley Kubrick (V): Spartacus – Die ungeliebte Auftragsarbeit

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Spartacus

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Nach seinem Langfilm-Debüt „Fear and Desire“ (1953) war „Spartacus“ (1960) vielleicht die von Stanley Kubrick selbst ungeliebteste Regiearbeit seiner Filmografie. Der Perfektionist war von Hauptdarsteller Kirk Douglas als Regisseur auserkoren worden, der mit ihm für „Wege zum Ruhm“ (1957) zusammengearbeitet hatte. Bei „Spartacus“ fungierte Douglas als „Co Executive Producer“ und hatte einigen Einfluss, den er auch geltend machte. Darin mag der Ursprung liegen, dass Kubrick fortan danach trachtete, volle künstlerische Kontrolle über seine Filme zu haben. Womöglich ist das eine Ursache dafür, dass Kubricks Filmografie eine überschaubare Größe hat. Die Produzenten der großen Hollywood-Studios gaben und geben nur ungern die Kontrolle an ihre Regisseure ab. Anfangs war Film-noir- und Western-Spezialist Anthony Mann („Das schwarze Buch“, „Meuterei am Schlangenfluss“, „Über den Todespass“) als Regisseur angeheuert worden, Douglas ersetzte ihn aber nach kurzer Zeit durch Kubrick.

In einer Reihe mit anderen großen Historien-Epen

All das bedeutet natürlich nicht, dass Kubrick mit „Spartacus“ einen schlechten Film abgeliefert hat – im Gegenteil: Die recht frei gehaltene filmische Aufarbeitung des historisch verbürgten Sklavenaufstands steht in einer Reihe mit „Quo Vadis“ (1951), „Die zehn Gebote“ (1956) und „Ben Hur“ (1959), auch der viel spätere „Gladiator“ (2000) und mit ein paar Abstrichen „Cleopatra“ (1963) seien genannt. Das sind monumentale, epische Historien-Abenteuer, in denen man versinken kann, heute gern etwas abschätzig als alte Schinken klassifiziert, nichtsdestoweniger üppig produziert und ausgestattet und mit viel Starpower. Man kann sie auch heute noch ganz wunderbar schauen. Trotz des ab 1965 einsetzenden Sturms durch New Hollywood – das klassische Hollywood hat ganz wunderbare Produktionen hervorgebracht, auch im Bereich des Monumentalfilms. Ob geschichtswissenschaftlich exakt gearbeitet wurde, kann vernachlässigt werden, das gilt auch für „Spartacus“, da über den historischen Spartacus nicht allzu viel bekannt ist. Armbanduhren habe ich aber bei der Sichtung nicht bemerkt.

Spartacus (Douglas) ist von Geburt an Sklave und fristet sein Dasein bei schwerer Zwangsarbeit in den Steinwüsten Libyens. Schon dort fällt er als aufrührerisch auf. Nachdem er einer Wache in den Fuß gebissen hat, wird bestimmt, dass er angekettet verhungern soll. Doch der feiste Batiatus (Peter Ustinov), der in Süditalien eine Gladiatorenschule betreibt und Rekruten sucht, bewahrt ihn vor dem Tod. Unter dem harten Training des herzlosen Marcellus (Charles McGraw) reift Spartacus zum Kämpfer heran. Nebenbei verliebt er sich in die Sklavin Varinia (Jean Simmons). Als sie nach Rom verkauft wird, ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Spartacus tötet Marcellus mit bloßen Händen und löst damit einen Gladiatorenaufstand aus, der sich zum gigantischen Sklavenaufstand ausweitet.

Sogar Julius Cäsar läuft durchs Bild

Es tummeln sich die geschichtlichen Gestalten: Da sind die machtgierigen römischen Senatoren Crassus (Laurence Olivier) und Gracchus (Charles Laughton), letztgenannter allerdings historisch flexibel dem zum Zeitpunkt der Ereignisse im Jahrhundert vor Christi Geburt schon einige Zeit toten Tiberius Sempronius Gracchus nachempfunden. Wir haben Marcus Publius Glabrus (John Dall), der erfolglos gegen das Sklavenheer zu Felde zieht, das an den Hängen des Vesuvs lagert. Auch die Existenz von Spartacus‘ Gladiatoren-Mitstreiter Crixus (John Ireland) scheint verbürgt zu sein. Sogar ein gewisser Julius Caesar (John Gavin) darf ab und zu durchs Bild laufen und einen guten Eindruck im Intrigenspiel der Senatoren hinterlassen.

Kubrick mag unzufrieden gewesen sein, der Erfolg gab Kirk Douglas recht: 1961 erhielt Spartacus vier Oscars – für Nebendarsteller Peter Ustinov, Kamera, Szenenbild und Kostümdesign – und einen Golden Globe als bester Film. Sein Status als großes episches Kino ist mittlerweile unstrittig.

Brisante Drehbuch-Personalie Dalton Trumbo

Seinerzeit interessanter als die Personalie Regiestuhl war Douglas‘ Wahl des Drehbuchautors: Dalton Trumbo (1905–1976) war in der McCarthy-Ära aufgrund angeblicher unamerikanischer Umtriebe im Gefängnis und auf der Schwarzen Liste gelandet und konnte nur unter Pseudonym arbeiten. Seine Drehbücher zu „Ein Herz und eine Krone“ und „Roter Staub“ erhielten 1954 und 1957 Oscars, die Trumbo nicht selbst entgegennahm. Für „Spartacus“ erhielt er erstmals nach langer Zeit wieder einen Drehbuch-Credit unter seinem echten Namen, was einiges Aufsehen erregte. Später nahm Trumbo sogar ein einziges Mal selbst auf dem Regiestuhl Platz: beim eindringlichen Antikriegsdrama „Johnny zieht in den Krieg“, das 1971 in Cannes mit dem Großen Preis der Jury und dem FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik prämiert wurde.

Früher hatte „Spartacus“ bei uns eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Obwohl sie mittlerweile auf 12 herabgestuft worden ist und die gezeigte Gewalt nicht an die Metzel-Exzesse der ab 2010 entstandenen TV-Serie heranreicht, ist diese nicht von schlechten Eltern. Da bohren sich Speere in Körper, in der letzten großen Schlacht hackt Spartacus einem römischen Soldaten einen Arm ab, nach Abschluss der Kampfhandlungen türmen sich Leichenberge, und Gekreuzigte sind sicher auch nicht die Sache jedes Zwölfjährigen. Also Obacht an die Eltern, lasst das den Nachwuchs vorzugsweise in eurer Gegenwart schauen, wenn Ihr denn schon meint, dass er das verträgt.

Brillante Restauration

Die 2015er erfolgte 6K-Restaurierung des Bilds ist brilliant. Der Film soll 1960 entstanden sein?! Das glaubt doch kein Mensch. Meine Sichtung einer älteren Version liegt zu viele Jahre zurück, um einen Vergleich zu ziehen, aber besser kann man einen „alten Schinken“ wohl nicht aufarbeiten – zumal wir seit den 90er-Jahren in den Genuss der restaurierten Fassung kommen, seit 2010 auch auf Blu-ray. Sie enthält unter anderem ein paar kurze Gewaltspitzen mehr, die Ouvertüre und das musikalische Zwischenspiel sowie eine homoerotisch aufgeladene Szene zwischen Crassus und seinem Sklaven Antoninus (Tony Curtis). Für eine ausführliche Betrachtung der Unterschiede sei auf den Schnittbericht verwiesen. Die 2015 erschienene „55th Anniversary Edition“, in Großbritannien auch im Steelbook erschienen, ist qualitativ der fünf Jahre älteren „50th Anniversary Edition“ vorzuziehen.

„Spartacus“ mag in den Augen von Stanley Kubrick selbst nicht ganz zu seinen Meisterwerken aufgeschlossen haben, das Epos beweist aber als Teil seiner eindrucksvollen, wenn auch vergleichsweise kurzen Filmografie die Vielseitigkeit dieses visionären Regisseurs. Wer Kubrick mag, kommt auch an dieser Auftragsarbeit nicht vorbei.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Stanley Kubrick sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Tony Curtis, Kirk Douglas, Charles Laughton, Herbert Lom, Laurence Olivier und Peter Ustinov in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 26. November 2015 als Blu-ray (55th Anniversary Edition), 2. Dezember 2010 als Blu-ray (50st Anniversary Edition), 13. Mai 2004 als DVD

Länge: 197 Min. (Blu-ray), 188 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Spartacus
USA 1960
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Dalton Trumbo, nach einem Roman von Howard Fast
Besetzung: Kirk Douglas, Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov, Tony Curtis, John Ireland, Herbert Lom, Woody Strode, John Gavin, Nina Foch, Charles McGraw, John Dall
Zusatzmaterial: Ich bin Spartacus – Im Gespräch mit Kirk Douglas, Spartacus wiederherstellen, unveröffentlichte Szenen, Archivinterviews, ein Blick hinter die Szenen, Ausschnitte aus alten Nachrichtensendungen, Bildgalerie, Original-Kinotrailer
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Packshots: © Universal Pictures Germany GmbH

 

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