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Schlagwort-Archive: Peter van Eyck

Gewinnspiel: 2 x Fünf Gräber bis Kairo auf Blu-ray

Verlosung

Ein britischer Soldat erreicht als einziger Überlebender einer Panzerbesatzung im Juni des Kriegsjahrs 1942 ein Hotel in einem nordafrikanischen Kaff. Dort nistet sich bald darauf kein Geringerer als der deutsche Generalfeldmarschall Erwin Rommel (Erich von Stroheim) ein. explosive media hat Billy Wilders dritte Regiearbeit – seine zweite in Hollywood – im vergangenen Juni als Blu-ray und DVD veröffentlicht. Der Vertrieb Koch Films hat uns davon zwei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 27. September 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Fabi,
– Roberto Süptitz.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Fünf Gräber bis Kairo“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Billy Wilder (VIII): Fünf Gräber bis Kairo – Plötzlich Spion

Five Graves to Cairo

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Nordafrika zur Zeit des Afrikafeldzugs im Zweiten Weltkrieg: Die achte britische Armee befindet sich in prekärer Lage. Zwar war die Belagerung von Tobruk durch das Deutsche Afrikakorps und italienische Streitkräfte zunächst erfolglos geblieben – im Januar 1942 gelang es den Alliierten mit der Operation Crusader, die Belagerung der libyschen Hafenstadt zu brechen; am 21. Juni jenes Jahres jedoch eroberten die deutsche Panzerarmee Afrika unter Generaloberst Erwin Rommel und wiederum italienische Truppen mit dem Unternehmen Theseus Tobruk schließlich doch. Adolf Hitler ernannte Rommel dafür zum Generalfeldmarschall.

Führerloser Panzer im Wüstensand

„Fünf Gräber bis Kairo“ setzt mit dem Blick auf einen führerlos durch den Wüstensand rollenden britischen Panzer ein. Die übrigen Besatzungsmitglieder sind tot, als Corporal John J. Bramble (Franchot Tone) aus der Bewusstlosigkeit erwacht und sich mit Müh und Not aus dem verräucherten Innenraum des Fahrzeugs herausrettet. Er hat Glück, erreicht das nahe gelegene Kaff Sidi Halfaya und gelangt ins dortige Hotel „Empress of Britain“, wo er just in dem Moment bewusstlos zusammenbricht, als eine deutsche Heereseinheit eintrifft. Der Hotelbesitzer Farid (Akim Tamiroff) kann Bramble gerade noch hinter der Rezeption verbergen, bevor Leutnant Schwegler (Peter van Eyck) eintritt. Das auf die Briten nicht allzu gut zu sprechende französische Hausmädchen Mouche (Anne Baxter) droht, den englischen Soldaten an die Deutschen zu verraten, besinnt sich aber dann doch. So nimmt Bramble die Rolle des Kellners Paul Davos an, der kurz zuvor bei einem Bombenangriff der Deutschen ums Leben gekommen war. Als sich herausstellt, dass Davos ein deutscher Spion war, bringt das für Bramble Gefahren, aber auch Möglichkeiten mit sich. Bald darauf trifft auch Generalfeldmarschall Rommel (Erich von Stroheim) ein.

Verwirrt erreicht Corporal Bramble das rettende Hotel

Zwei Österreicher in Hollywood: Für Billy Wilder war „Fünf Gräber bis Kairo“ seine dritte Regiearbeit – die zweite in den USA – nach dem in Frankreich gedrehten Krimidrama „Mauvaise graine“ (1934) und der Komödie „Der Major und das Mädchen“ (1942) mit Ginger Rogers und Ray Milland, mit der er in Hollywood debütiert hatte. Rommel-Darsteller Erich von Stroheim war 1943 bereits eine Legende. Umso überraschender, dass es der Film erst jetzt zu einer deutschen Heimkino-Veröffentlichung gebracht hat (für den August hat übrigens das feine englische Label Eureka eine Blu-ray von „Five Graves to Cairo“ angekündigt, die mit mehr Bonusmaterial aufwartet als die hiesige). Einen deutschen Kinostart hatte es aufgrund der Entstehungszeit gar nicht gegeben. Wilder drehte später mit „Stalag 17“ (1953) nur noch einen Kriegsfilm, der wie auch „Fünf Gräber bis Kairo“ weitgehend auf die Darstellung von Kampfhandlungen verzichtet.

Theaterstück als Vorlage

Seine Herkunft von der Bühne kann „Fünf Gräber bis Kairo“ zu keinem Zeitpunkt verbergen – Wilder und sein Ko-Autor Charles Brackett schrieben das Skript nach einem Bühnenstück von Lajos Biró. Schlachtenszenen gibt es keine, die dialoglastige Handlung spielt sich weitgehend in den Räumen des Hotels ab. Dafür braucht es gute Schauspielerleistungen, die wir glücklicherweise geboten bekommen. Die spätere Oscar-Preisträgerin Anne Baxter („Auf Messers Schneide“, 1946) als Dienstmädchen mit eigenen Absichten, der in Hollywood gern als deutscher Soldat und/oder Nazi gebuchte Peter van Eyck als schneidiger Offizier, der mit Tricksereien die einzige Frau im Hotel herumkriegen will, sowie Erich von Stroheim mit seiner ganz eigenen Interpretation des „Wüstenfuchses“ Rommel liefern allesamt ab, auch Franchot Tone hat mir gefallen; der New Yorker war mir zuvor gar nicht geläufig, in den 1930er- und 1940er-Jahren aber recht erfolgreich und 1936 für seine Rolle in „Meuterei auf der Bounty“ sogar ebenso wie seine Mitspieler Charles Laughton und Clark Gable für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert worden.

Generalfeldmarschall Rommel plant Großes

Bemerkenswert, dass der Film Kriegsentwicklungen aufgreift, die beim Dreh teils erst wenige Monate zurücklagen. Gleichwohl haben wir es fast weniger mit einem Kriegsfilm zu tun als mit einem raffinierten Täuschungskrimi und Spionagethriller. Dazu passt auch, dass der weitere Kriegsverlauf auf diesem Schauplatz des Konflikts mit der entscheidenden Wende der ersten und zweiten Schlacht von El Alamein in den letzten Minuten von „Fünf Gräber bis Kairo“ überaus kurz abgehandelt wird. Phasenweise sprüht das Werk sogar vor Leichtigkeit, bevor es ganz am Ende aber doch Schwere erhält. Mit seinem Verlauf der Ereignisse erscheint es gut geeignet, das amerikanische Publikum bei Laune und der Beteiligung der USA am Zweiten Weltkrieg gewogen gehalten zu haben. Das kann man kritisch sehen, ändert aber nichts an der erzählerischen Finesse.

Versiertes Drehbuch-Duo

Die beiden Autoren Brackett und Wilder gewannen 1946 (für „Das verlorene Wochenende“) und 1951 (für „Boulevard der Dämmerung“) gemeinsam zwei Drehbuch-Oscars. Das Filmmuseum Potsdam urteilt über „Fünf Gräber bis Kairo“: Zu seiner Zeit – ein kleiner Film, der wie unzählige Hollywoodproduktionen gegen die Nazis Stellung bezog. Heute – ein scharfkantiges Juwel im Oeuvre von Stroheim und Wilder, wert, Chaplins „großem Diktator“ und Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ an die Seite gestellt zu werden. Das ist meines Erachtens ein wenig zu hoch gegriffen. Auf einer Stufe mit Chaplins und Lubitschs Meisterwerken sehe ich „Fünf Gräber bis Kairo“ nicht. Wilders Können als Filmemacher lässt sich zwar auch hier bereits erkennen, als Regisseur lieferte er später aber eine Vielzahl bedeutsamerer und beeindruckenderer Arbeiten ab. Welche sind eure Billy-Wilder-Favoriten?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Billy Wilder haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Peter van Eyck unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 11. Juni 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 97 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Five Graves to Cairo
USA 1943
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder, Charles Brackett, nach einem Bühnenstück von Lajos Biró
Besetzung: Franchot Tone, Anne Baxter, Akim Tamiroff, Erich von Stroheim, Peter van Eyck, Fortunio Bonanova
Zusatzmaterial: Bildergalerie, original Kinotrailer, Wendecover
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 explosive media

 
 

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An einem Freitag um halb zwölf – Blut, Schweiß und eine Träne

An einem Freitag um halb zwölf

Von Tonio Klein

Actionthriller // Ach du Schreck – ein „Corona-Film“, wie es uns Cover und Booklet mitteilen! Damals schon? Zwar hat sich jenseits von Verschwörungsmystikern allmählich herumgesprochen, dass das schlicht „Krone“ heißt, aber der Hinweis („Corona“ hieß die Produktions-GmbH) sorgt dennoch für einen Schmunzler. Jenseits solcher Zufälligkeiten: Es ist ganz interessant, diesen Film als absolutes Greenhorn zu sehen. Und das war ich, ließ auch bewusst die Lektüre des nachgedruckten Filmprogramms sowie des neuen Interviews mit dem Regisseur aus. Da kann es dann passieren, dass man im ersten Drittel ein Versprechen bekommt, welches der Film nicht ganz halten kann. Von der Form her ein klassisches „Heist Movie“ um einen sorgfältig geplanten Raubzug, kommt der Film hart und direkt zur Sache und ist ein Fest der Kamera- und Schauspielführung. Unbarmherzig beäugt ein 360-Grad-Schwenk eine Pokerrunde, in der der sich Zigarettenqualm mit Männerschweiß auf Großaufnahmegesichtern mischt. Scheinbar abrupt wechselt das Gespräch auf den Überfall eines besonders gepanzerten Geldtransporters, in dem sich die für damalige Verhältnisse astronomische Summe von einer Million Dollar befinde. Hochprofessionell werden die Chancen und Risiken erwogen und haben wir die üblichen Verdächtigen: den ruhigen Safeknacker (Jean Servais), den Zauderer Kitson (Ian Bannen, hier als „Jan“), den kalten (aber auch gierigen) Anführer Frank (Rod Steiger) und den durchgeknallten, zynischen und stets absurd gut gekleideten Egomanen Bleck (Peter van Eyck).

Rädelsführer Frank (l.) und der absurd geschniegelte Bleck

Und dann kommt der blonde Lockvogel, den man brauche, noch ohne blonde Perücke: Ginny alias Nadja Tiller. Von ihr habe ich fast nichts gesehen. Und was für eine Frau; sie füllt den Raum mit verführerischer Dominanz, ist sogar die Urheberin des Plans, lässt sich anscheinend von keinem Mann die Butter vom Brot nehmen, wirkt aber auch geheimnisvoll. Diese Aura ist das Kino selbst, dafür ist das Medium gemacht. Tiller hat, was man eine magische Präsenz nennt. Das Spiegelfechten mit Bannen ist Abtasten und Belauern auf allerhöchstem Niveau, und es erfüllt einen dramaturgischen Zweck: Um nicht vor Ginny als mutmaßliches Weichei dazustehen, willigt Kitson trotz schwerer Bedenken ein, mitzumachen …

Tiller verspricht mehr, als der Film halten kann

Von dort ausgehend, wird der Film insgesamt immer noch gut sein, fällt aber auch ein wenig ab. Vor allem, was den extrem starken Eindruck der Tiller im ersten Drittel betrifft. Von Ginny, einer Deutschen, erfahren wir natürlich, dass sie sich ihren Schutzpanzer erst mühsam anlegen musste und dass sie als Zwölfjährige in den Kriegswirren an der „Heimatfront“ offenbar ein hartes Los hatte. Sie kann, wie sich auch bei einem Startkapitalbeschaffungsraub zeigt, eiskalt zuschlagen, aber es hinterher einen Moment lang nicht wegstecken – um dann anscheinend aber recht schnell wieder auf Kurs zu sein. Was hätte man aus der Paarung Tiller/Bannen nach diesem ersten Akt machen können, zumal die beiden auch noch ein Pärchen auf Hochzeitsreise vorspiegeln müssen! Leider muss sich Ginny später im Wesentlichen mit Bleck herumschlagen. Da ist die Tiller nicht mehr die Aktive oder gar Bestimmende, da ist sie die Frau, die sich vor dem Tunichtgut nur noch ekelt, der ihr zudem an die Wäsche will. Schade! Frank und Ginny sind hingegen in gemeinsamer Verlorenheit einander verbunden – darüber hinaus verbindet sie nichts. So ist das fiese Ende letztlich ein gewisser Abklatsch von düster-fatalistischer Todesromantik à la „Vogelfrei“ (1949) von Raoul Walsh. Da kann Regisseur Alvin Rakoff gern behaupten, dass es so ein Finale damals noch nicht gegeben hätte – es stimmt einfach nicht, zumal die Jagd im Berg-Setting des Finales ein wenig an Walshs „Entscheidung in der Sierra“ (1941) erinnert, wovon „Vogelfrei“ ein Remake ist.

Logiklöcher allenthalben …

Recht bedauerlich ist, dass die Umstände des Raubes – Planung wie späteres Schiefgehen – der Logiklöcher einfach zu viele hat. So ein Panzerwagen ist doch wohl sehr schwer, kann aber in einen Campinganhänger gefahren und von einem Pkw dergestalt gezogen werden? Ganz klein scheint der Panzerwagen auch nicht zu sein, wenn man ihn auf offener Straße sieht, aber die Gauner scheinen vorab genau die Spurweite zu kennen, um eine Rampe zu konstruieren und anschließend auch noch locker einen halben Meter Platz neben dem Ding im Trailer zu haben. Zudem bekommt man im angeblich bestgepanzerten Fahrzeug der Welt die Jalousien mal eben mit einem Brecheisen auf. Und erst der Boden muss eine Schwachstelle sein, wenn durch diesen das Blut eines Verwundeten tröpfeln kann! Als sich einer der Männer diesem Verwundeten kaum nähert und sagt: „Er ist tot“, fragt man sich ernsthaft, wie blöd die Räuber eigentlich sein können. Herrgott, einfach mal 20 Sekunden auf den Hals nach Bewegungen gucken (die der Zuschauer im Gegensatz zu den Protagonisten sehr wohl gesehen hat). Es folgt dann zwar eine Szene Hitchcockschen Suspenses per Informationsvorsprung, aber dass wir diesen haben, ist eben derart läppisch, dass auch eine solide Inszenierung diesen Schnitzer nicht wettmachen kann. Schließlich werden, soviel Anstand gibt’s auch unter Räubern, Tote begraben. Wer das schon einmal für einen Hund oder ein Kaninchen im Garten gemacht hat, weiß, wie lange das dauert, und dann erst für mehrere Menschen in einer deutlich steinigeren Gegend – wie durch Zufall kommt niemand vorbei? Die Seltsamkeiten nehmen kein Ende!

… aber ein logisch denkendes Kind

Etwas vorhersehbar, aber immerhin gewitzt und auch einmal mit wohldosierter Komik erzählt, ist, wie ein kluger kleiner Junge den Räubern auf die Spur kommen wird. Interessanterweise wird seine Figur damit eingeführt, dass er als einziger nicht glaubt, das falsche Geturtel zwischen Bleck und Ginny habe etwas mit Liebe zu tun. Vordergründig, weil er noch so klein sei, dass er Knutschen eher als unangenehm empfinde, aber dahinter wird mehr stecken: Er durchschaut die Dinge wie die Menschen.

Ein Junge trickst schwere Jungs aus

Schließlich wird es zu einer Verfolgung über die Serpentinen in der Gegend von Marseille und zum erwähnten Kampf in den Bergen kommen, in einer Landschaft, die fast wie in einem Western aussieht („Vogelfrei“ ist ebenfalls einer und „Entscheidung in der Sierra“ ein Gangsterfilm als moderner Western). Hier geht der Film noch mal richtig zur Sache, der sowieso für eine in Schwarz-Weiß gehaltene Euro-Koproduktion von 1961 ziemlich blutige Gewalt bietet. Hallo – hier spricht definitiv nicht Edgar Wallace! Bei all den Landschaftspanoramen vergisst der Film aber nie seine von Anfang an prägnanten Fokussierungen auf Gesichter – einmal sogar so groß, dass nur die Augenpartien zu sehen sind. Man sage mir nicht, erst Sergio Leone habe das erfunden! Hier wird geblutet, Staub gefressen, verzweifelt, geschossen, gestorben im Schweiße des Angesichts, hier ist das Sonnenlicht vorgeblich heiß, aber durch harte, unbarmherzige Kontraste eiskalt, hier sieht man jede Pore der (männlichen) Gesichter gnadenlos und ungeschönt.

Sehen so Frischvermählte aus? Noch glaubt es die Polizei

Der Film leistet sich zwar ein paar Klischees und Absurditäten, aber an ihm gefällt dann doch, dass er seine minimalistische Gradlinigkeit bis zum Ende durchhält. Reißschwenks und Wischblenden drücken aufs Tempo, hochprofessionell geht es zur Sache (es sei denn, die Gier ist größer als der Professionalismus) und Backstorys wird es bis zum Schluss nur rudimentär geben. Das reicht aber. In dieser harten, trostlosen Welt ist man zu weich, zu verloren und/oder zu gierig. Und weil einer das am Ende merkt, gibt es neben Blut und Schweiß eine Träne. Auch wenn danach keine Zeit für Sentimentalitäten ist.

Rod Steiger als Gaststar? Nein, Hauptfigur!

Wirklich seltsam ist, dass in Credits wie Filmprogramm erst die europäischen Darsteller genannt werden, gefolgt von „und Rod Steiger als …“. Das macht man meist für nicht allzu lange, aber sehr markante „Gastauftritte“ – indes hat Steiger als inoffizieller Banden-Anführer Frank eine Hauptrolle und hätte die Tiller oder er als Erste/r genannt werden müssen. Nun denn, über gewisse Seltsamkeiten darf man sich nicht wundern. Auch, dass in einem Marseiller Nachtclub ein Orchester spielt und wir asynchron und mit weniger Instrumenten Wiener Kaffeehausmusik hören, ist gewöhnungsbedürftig. Letztlich ist das nicht allzu schlimm, zumal die „nichtdiegetische“ (also nicht in der Handlung vorkommende) Filmmusik von stimmigem (wenn auch sich etwas zu oft wiederholendem) Jazz geprägt ist. Ein guter und für seine Zeit heftiger Thriller, der nicht ganz an die besten US-Vorbilder heranreicht und meine Erwartungen bezüglich der Tiller zu Beginn so hochgeschraubt hat, dass er sie nicht ganz erfüllen konnte. Immerhin – schön, dass dieser Film mit (von der Anfangssequenz abgesehen) ansprechendem Bild und passablem Ton vorliegt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter van Eyck haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Kapitalbeschaffung und Übung: Raub im Nachtclub

Veröffentlichung: 5. Juni 2020 als DVD

Länge: 98 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: An einem Freitag um halb zwölf
Alternativtitel: Vendredi 13 heures / Im mondo nella mia tasca
BRD/F/IT 1961
Regie: Alvin Rakoff
Drehbuch: Frank Harvey, nach dem Roman „On Friday at Eleven“ von James Hadley Chase
Besetzung: Rod Steiger, Nadja Tiller, Peter van Eyck, Jean Servais, Ian Bannen, Marisa Merlini, Memmo Carotenuto, Edoardo Nevola, Carlo Giustini
Zusatzmaterial: Trailershow, Booklet mit Nachdruck Illustrierte Film-Bühne und Interview mit Regisseur Alvin Rakoff, Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2020 by Tonio Klein

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Pidax Film

 

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