RSS

Schlagwort-Archive: Philippe Mora

Communion – Die Besucher: Sie sind da!

Communion

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Gleich mit seinen zwei ersten Romanen „Wolfsbrut“ („The Wolfen“, 1978) und „Der Kuss des Todes“ (The Hunger, 1981) feierte der US-Schriftsteller Whitley Strieber als Autor origineller Horrorromane beachtenswerte Erfolge. Beide wurden in die bemerkenswerten Horrorfilme „Wolfen“ (1981) und „Begierde“ (1983) umgesetzt. Striebers folgende Bücher waren nicht ganz so erfolgreich, bis der 1945 im texanischen San Antonio Geborene 1978 mit „Communion – A True Story“ auf Rang 1 der Bestsellerliste der New York Times für nichtfiktionale Bücher landete. Er beschreibt darin seine Begegnungen mit fremden Wesen, womöglich Außerirdischen, die er „Besucher“ nennt. Das Werk erschien 1988 unter dem Titel „Die Besucher – Eine wahre Geschichte“ in der Bundesrepublik Deutschland.

Whitley Strieber leidet an Albträumen

In der Mitte 1988 hauptsächlich in Kalifornien gedrehten Verfilmung „Communion – Die Besucher“ von Philippe Mora („Das Tier II“, 1985) verkörpert Oscar-Preisträger Christopher Walken („Dead Zone“, 1983) den Schriftsteller. Strieber lebt mit seiner Frau Anne (Lindsay Crouse, „The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, 1982) und dem gemeinsamen Sohn Andrew (Joel Carlson) in Manhattan. Er leidet an Albträumen, die ihn glauben lassen, jemand befinde sich im Schlafzimmer. Mysteriöse Ereignisse im abgelegenen Ferienhaus der Familie lassen ihn an seinem Verstand zweifeln, bis er schließlich sogar eine Psychiaterin aufsucht: Dr. Janet Duffy (Frances Sternhagen, „Misery“, 1990), die ihn einer Hypnosetherapie unterzieht. Diese fördert Erschreckendes zutage.

Christopher Walken als Whitley Strieber

Christopher Walken adelt „Communion – Die Besucher“ nicht nur aufgrund seines Daseins als Oscar-Preisträger (für seine Nebenrolle in „Die durch die Hölle gehen“, 1978), sondern weil er schauspielerisch gern und so auch hier einen Hauch neben der Spur agiert. Seine Gestik wirkt fahrig, seine Darstellung macht aus Whitley Strieber einen etwas, aber wirklich nur etwas überkandidelten Literaten. Es ist also keineswegs Overacting! Vielmehr passt das gut zu der Verwirrung, die Strieber überkommt: Hat er wirklich unheimliche Begegnungen der dritten Art erlebt? Oder spielt sich alles als neurologische oder psychologische Störung in seinem Kopf ab? Wer angesichts dessen nicht etwas neben der Spur steht, dem ist vielleicht gar nicht mehr zu helfen. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge äußerte Whitley Strieber Christopher Walken gegenüber die Sorge, der Schauspieler werde ihn vielleicht als ein bisschen zu verrückt darstellen, woraufhin der erwidert habe: Wem der Schuh passt.

Seine Frau Anne weiß nicht, was sie davon zu halten hat

Die mysteriösen Ereignisse sind fesselnd inszeniert, insbesondere während des ersten Aufenthalts der Familie in ihrem Ferienhaus in Begleitung ihrer Freunde Alex (Andreas Katsulas) und Sarah (Terri Hanauer) kommt frei von Effekthascherei des Nachts enorm Spannung auf. Das Filmpublikum ahnt recht schnell, wohin die Reise geht (außer, man argwöhnt, vom Film für dumm verkauft zu werden, was aber nicht der Fall ist). Später kommen Tricktechnik und Maske ausgiebig zum Einsatz, und das auf gutem 80er-Jahre-Niveau, sprich: etwas in der Zeit stehengeblieben, aber ansehnlich. Über das Design gewisser kleiner Wesen mag man lächeln, sie erinnerten mich mit ihrer gedrungenen Gestalt ein klein wenig an die Ewoks aus „Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983), auch wenn sie statt des Fells einen schwarzen Umhang trugen. Eine andere Kreatur ist dem seinerzeitigen Buchcover nachempfunden, der Kopf hat es auch auf die Filmplakate und das Artwork der Heimkino-Veröffentlichung geschafft – ein ikonisches Motiv, seither oft kopiert und persifliert (es mag selbst von früheren Darstellungen Außerirdischer inspiriert sein, Stichwort Roswell 1947), 2014 etwa in „Extraterrestrial – Sie kommen nicht in Frieden“.

Das Ehepaar kommt nur kurz zur Ruhe

Wenn man davon absieht, dass eine Entführung auch eine Gewalttat ist, kommt „Communion – Die Besucher“ einigermaßen gewaltfrei daher. Das mag manche Rezipienten bewegen, dem Film den Status als Horrorfilm abzusprechen. Das hat etwas für sich, ich habe mich aufgrund einiger Elemente dazu entschieden, es bei SF-Horror zu belassen. Whitley Strieber setzte sein Buch selbst in das Drehbuch zu „Communion“ um, es blieb sein einziges Skript. Das Werk hat nie den Klassikerstatus oder auch nur den Bekanntheitsgrad von Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) erlangt (der auch spektakulärer ausfällt) und erreicht auch nicht die Klasse der außergewöhnlichen Strieber-Verfilmung „Wolfen“. Gleichwohl ist „Communion – Die Besucher“ es wert, gesehen zu werden. Trotz seiner Ernsthaftigkeit kommt im Übrigen sogar die Rektalsonde zum Einsatz! Das 2019er-Mediabook des Films scheint noch lieferbar zu sein, für Preisbewusste hat Tiberius Film das Werk nunmehr als Blu-ray und DVD im herkömmlichen Softcase aufgelegt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Walken haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Wird der Schriftsteller von Aliens heimgesucht?

Veröffentlichung: 13. Januar 2023 als Blu-ray und DVD, 12. November 2019 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, limitiert auf 444 Exemplare), 7. April 2004 als DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 107 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Communion
USA/GB 1989
Regie: Philippe Mora
Drehbuch: Whitley Strieber, nach seinem eigenen Roman
Besetzung: Christopher Walken, Lindsay Crouse, Joel Carlson, Frances Sternhagen, Andreas Katsulas, Terri Hanauer, John Dennis Johnston, DeeDee Rescher, Aileen Fitzpatrick, R. J. Miller, Holly Fields, Paula Shaw, Juliet Sorci
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, nur Mediabook: 20-seitiges Booklet mit einem Text von Nando Rohner
Label/Vertrieb 2023: Tiberius Film
Label 2019: Nameless Media
Vertrieb 2019: EYK Media
Label/Vertrieb 2004: Concorde Home Entertainment

Copyright 2023 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2023 Tiberius Film

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Das Tier II – Sleazige Werwolf-Orgie mit Biss

Howling II: Stirba – Werewolf Bitch

Von Volker Schönenberger

Horror // Also wirklich! Die Durchschnittswertung der angemeldeten Mitglieder in der Internet Movie Database in Höhe von 3,7 (Stand November 2021) ist unverdient. Schon klar, dass „Das Tier II“ (1985) von Philippe Mora („The Beast Within – Das Engelsgesicht“, 1982) in puncto Klasse, Wucht und Einfluss nicht an Joe Dantes „The Howling – Das Tier“ (1981) heranreicht. Aber so mies wie sein Ruf ist das Sequel mitnichten. Mora durfte im Anschluss immerhin sogar die nächste Fortsetzung „Wolfmen“ (1987) inszenieren, was er allerdings vielleicht besser gelassen hätte.

Im transsylvanischen Wald ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste

Denn es steht geschrieben, dass die Bewohner dieser Erde trunken gemacht wurden von ihrem Blut. Und ich sah sie sitzen auf dem Rücken der haarigen Bestie. Und in ihren Händen hielt sie einen goldenen Kelch, gefüllt mit dem Unrat ihrer Ausschweifungen. Und auf ihrer Stirn stand geschrieben: Wahrlich: Ich bin die große Mutter aller Ungeheuer und aller Abscheulichkeiten dieser Erde. Diese unheilvollen Worte, im Original vorgetragen von Christopher Lee, leiten „Das Tier II“ ein. Die Handlung dockt unmittelbar an den Vorgänger an, in welchem sich die Reporterin Karen White (Dee Wallace) vergebens geopfert hatte, um die Welt vor den Werwölfen zu warnen. Nun wird in Los Angeles ihre Trauerfeier abgehalten. Ihr Bruder Ben White (Reb Brown) ist untröstlich und wimmelt Stefan Crosscoe (Christopher Lee) unwirsch ab, der ihm dennoch seine Karte überlässt, die ihn als okkulten Ermittler ausweist. Karens Freundin und Kollegin Jenny Templeton (Annie McEnroe) hingegen zeigt Interesse an dem mysteriösen Mann, der ihr bedeutet, Karen sei nun ein Werwolf.

Vom Friedhof in Los Angeles nach Transsylvanien

Abends lockt die verführerische Mariana (Marsha Hunt) ein paar Punks für vermeintliche Lustbarkeiten in eine Fabrikruine. Schmerzhafte Lustbarkeiten – für die Punks, versteht sich. Nach einem Aufeinandertreffen auf dem Friedhof überzeugt Crosscoe Ben und Jenny davon, ihn nach Transsylvanien zu begleiten, wo die werwölfischen Fäden bei Stirba (Sybil Danning) zusammenlaufen.

Stirba führt nichts Gutes im Schilde

Angeblich war Christopher Lee vom finalen Film so entsetzt, dass er bei Joe Dante, dem Regisseur des Vorgängers, persönlich um Entschuldigung für sein Mitwirken an „Howling II: Stirba – Werewolf Bitch“ bat, wie „Das Tier II“ im Original heißt. Ob es an Sybil Danning lag? Die aus Österreich stammende Erotikdarstellerin würzt den Film nicht zu knapp mit nackten Tatsachen und Sex. Das wirkt zwar ein paar Mal eher albern, etwa wenn sich Stirba und ihre rechte Hand Vlad (Judd Omen) mit Mariana verlustieren, während alle drei halb transformiert sind; aber letztlich passt der animalische Sex-Appeal gut zu den haarigen Biestern. Christopher Lee pflegte in seinen „Dracula“-Filmen ja einen distinguierterteren Umgang mit Erotik, da mag ihn die Direktheit der Triebe in diesem Fall etwas empört haben. Danning war zu jener Zeit im Übrigen ihrer vielen Nacktszenen überdrüssig, wollte hauptsächlich bekleidet auf der Leinwand zu sehen sein. So stimmte sie lediglich einer Oben-ohne-Szene zu, um zu ihrem Leidwesen bei Sichtung des fertigen Films zu bemerken, dass diese eine Einstellung im Abspann etliche Male wiederholt und mit Einstellungen von Blicken diverser Darstellerinnen und Darsteller (sogar einer Eule) zusammengeschnitten wurde (was auch ganz schön fies ist, hüstel).

Primitive Sex- und Gewaltorgie?

Gerade bei etwas obskuren Horrorfilmen lohnt sich der Blick auf das Urteil des Lexikons des internationalen Films, das dem Horrorgenre oft nicht ganz unvoreingenommen gegenübertritt, so auch in diesem Fall: Haarsträubende Mischung aus „gotischen“ und modernen Horror-Elementen mit einigen recht kunstvoll fotografierten Szenen, die permanent in die denkbar primitivsten Sex- und Gewaltorgien zurückfällt. Also wenn das nicht Lust auf den Film macht, weiß ich auch nicht weiter. Zugegeben: Der hauptsächlich in der Tschechoslowakei gedrehte „Das Tier II“ ist angetan, sein Publikum zu irritieren. Der Vorgänger hatte das Werwolf-Sujet im Verbund mit John Landis’ „American Werewolf“ (1981) auf eine neue Stufe gehoben, und die Fortsetzung stieg nun wieder einige Stufen herunter, bis in sleazige (S)Exploitation-Gefilde. Da das Sequel die Geschichte nahezu nahtlos fortsetzt, muss es sich zwangsläufig am Vorgänger messen – und scheitert daran natürlich mit Pauken und Trompeten. Sybil Danning hat natürlich ein paar hervorstechende Eigenschaften (man verzeihe mir den leicht sexistischen Anflug), aber schauspielerisches Talent gehört nicht dazu, was sie als große Antagonistin nicht gerade prädestiniert. Auch Annie McEnroe („Beetlejuice“) und Reb Brown („Die verwegenen Sieben“) als Heldin und Held tun nicht gerade viel, dass ihnen die Herzen des Publikums nur so zufliegen.

Kann das weg? Oder ist das Kunst?

Die blutigen Effekte, Ausstattung, Kulissen und Kostüme bis hin zu den modischen Sonnenbrillen wirken billig (womöglich störte sich Lee auch daran, dass er in einer Szene zu Beginn eine besonders hässliche Sonnenbrille tragen musste). Aber wenn in Transsylvanien der kleinwüchsige Helfer Vasile (Jirí Krytinár) eine Wache von Stirbas Schloss mittels Morgenstern ausschaltet, weiß man: Mit Bierernst ist hier niemandem geholfen, mit Bier aber schon. Es macht Spaß! In der Folge gibt es Bizarres zu bestaunen, das in seiner surrealen Stimmung sogar ein wenig an Jess Franco erinnert. Ich bin zwar alles andere als ein Fan des spanischen Vielfilmers, weiß aber einige seiner suggestiv-surrealen Montagen zu schätzen. Die gibt es auch hier zu bestaunen, dazu ein paar überraschende Einstellungen und Wendungen. Wenn wir schon keinen grimmigen Werwolf-Horror geboten bekommen, dann aber immerhin skurrilen. Insofern lässt sich „Das Tier II“ irgendwo zwischen Trash und Arthaus verorten – eine zugegeben große Bandbreite. Und Hand aufs Herz: Wer hat gegen eine zünftige Werwolf-Orgie etwas einzuwenden? Eben. Ein netter kleiner Halloween-Gag am Ende rundet die Story fein ab.

Ein Küsschen in Ehren …

1986 und 1992 in unterschiedlichen Versionen indiziert, wurde der Film mittlerweile von der Liste jugendgefährdender Medien gestrichen – 2011 turnusmäßig nach 25 Jahren, 2013 auf Antrag des Labels EuroVideo, das eine FSK-16-Freigabe der ungeschnittenen Fassung erreichte und diese Version auf DVD veröffentlichte. 2021 übernahm Koch Films das werwölfische Staffelholz und ließ „Das Tier II“ eine prächtige Mediabook-Veröffentlichung angedeihen, die den Film in vorzüglicher Qualität auf Blu-ray und DVD enthält. Im üppigen Bonusmaterial (vollständige Auflistung siehe unten) finden sich nicht nur diverse ausführliche Interviews mit einigen an der Produktion Beteiligten, sondern auf einer Bonus-Blu-ray auch die spielfilmlange Doku „Scream Queens – Horror Heroines Exposed“ (2014). Geschrieben und gedreht vom renommierten englischen Filmjournalisten Calum Waddell, erfahren wir viel über das vermeintlich schwache Geschlecht im Horrorfilm, das sich dort gelegentlich als viel stärker erweist, als man annehmen mag. Sehenswert!

Kurioser Beitrag zum Werwolf-Genre

Großen Mehrwert bringt auch das Booklet der Koch-Films-Veröffentlichung, in dem Stefan Jung unter dem Titel „Trash und Terror – Das Tier II im Kontext des Werwolf-Films“ sehr versiert und analytisch in aller Ausführlichkeit über den Werwolffilm im Allgemeinen und „Das Tier II“ im Besonderen schreibt. Deshalb zitiere ich ihn abschließend gern, weil er am Ende seines Textes zutreffend bemerkt: „Das Tier II“ ist kein Beitrag, der im Kontext des Werwolf-Films entscheidende Maßstäbe gesetzt hat. (…) Doch er ist ein interessantes Kuriosum und beherbergt – wie die Figur des Werwolfs selbst – eine zweite Ebene, die es lohnt, dass man sie neu entdeckt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sybil Danning haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Christopher Lee unter Schauspieler.

… kann niemand verwehren

Veröffentlichung: 11. Februar 2021 als als limitiertes 3-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays, 1 DVD, 2 Covermotive) 10. Oktober 2013 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel (nur Mediabook): Deutsch
Originaltitel: Howling II: Stirba – Werewolf Bitch
Alternativtitel: Howling II – My Sister Is a Werewolf
CSSR/GB/USA 1985
Regie: Philippe Mora
Drehbuch: Robert Sarno, Gary Brandner, nach Brandners Roman „The Howling II“
Besetzung: Christopher Lee, Sybil Danning, Reb Brown, Annie McEnroe, Marsha A. Hunt, Judd Omen, Ferdy Mayne, Patrick Field, Jimmy Nail, Steven Bronowski, James Crawford, Jirí Krytinár, Ladislav Krecmer, Jan Kraus, Petr Skarke, Igor Smrzík, Ivo Niederle, Valérie Kaplanová
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Regisseur Philippe Mora, Audiokommentar des Komponisten Steve Parsons und des Cutters Charles Bornstein, Dokumentation „Scream Queens“ (79 Min.), Interviews mit Regisseur Philippe Mora, (29 Min.), Darsteller Reb Brown (14 Min.) und Darstellerin Sybil Danning (17 Min.), Interview mit den Make-up-Künstlern Steve Johnson und Scott Wheeler (15 Min.), alternativer Anfang & alternatives Ende (zus. 20 Min.), Hinter den Kulissen (4 Min.), Trailer, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Stefan Jung
Zusatzmaterial DVD: Originaltrailer
Label/Vertrieb Mediabook: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Doppel-Packshot: © 2021 Koch Films

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

The Beast Within – Das Engelsgesicht: Horror-Brut aus den 80ern

das_engelsgesicht-packshot-mba das_engelsgesicht-packshot-mbb

The Beast Within

Von Volker Schönenberger

Horror // Welch düsterer Prolog: Eli und Caroline MacCleary (Ronny Cox, Bibi Besch) bleiben 1964 auf einer Landstraße im Wald mit einer Autopanne liegen. Während Eli Hilfe holt, lässt Caroline den Hund der beiden raus. Derweil weiß der Zuschauer bereits, dass etwas Bedrohliches im Anmarsch ist: Eine nur schemenhaft zu sehende Kreatur nähert sich, tötet den Hund und jagt Caroline. In Panik rennt sie davon und verliert nach dem Aufprall gegen einen Baum das Bewusstsein. Das Wesen reißt der Frau die Kleider vom Leib und vergeht sich an ihr.

das_engelsgesicht-08

Angriff im Wald

17 Jahre später leben die MacClearys in Jackson, Mississippi. Ihren halbwüchsigen Sohn Michael (Paul Clemens) plagen Albträume, sein Verhalten entwickelt sich besorgniserregend. Seine Eltern kehren daraufhin an den Ort des Überfalls zurück, um mehr über den Täter herauszufinden, der offenbar Michaels leiblicher Vater ist. Die Einwohner verhalten sich eher abweisend. In der Zwischenzeit entkommt Michael aus der Klinik, in der er sich aufhielt, und fährt seinen Eltern mit einem gestohlenen Auto hinterher. Bald zieht sich eine Blutspur durch den Ort.

das_engelsgesicht-09

Michaels Zustand ist besorgniserregend …

Wenn sich nach und nach die grausliche Wahrheit entfaltet, merkt man, dass beim Drehbuch zu „The Beast Within – Das Engelsgesicht“ ein fantasievoller Autor am Werk war. Welche Details in der Romanvorlage von Edward Levy vorkommen und welche Skript-Schreiber Tom Holland hinzuersonnen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Dem Vernehmen nach hatte der Schriftsteller den Roman noch gar nicht abgeliefert, als Holland mit dem Drehbuch begann – Produzent Harvey Bernhard habe lediglich den Titel des Romans gekauft, wie Holland einmal anführte. Holland hat eine beeindruckende Filmografie als Genre-Autor vorzuweisen: „Die Klasse von 1984“ (1982), „Die rabenschwarze Nacht – Fright Night“ (1985) nebst Fortsetzung „Mein Nachbar, der Vampir“ (1988) sowie „Chucky – Die Mörderpuppe“ (1988) entstammen ebenso seiner Feder oder Tastatur wie die Stephen-King-Verfilmungen „Langoliers – Die andere Dimension“ (1995) und „Thinner – Der Fluch“ (1996).

das_engelsgesicht-10

… sogar sehr besorgniserregend …

Der pointiert eingesetzte Soundtrack mit seinen fragmentarischen Ton-Sequenzen trägt zur Spannung bei. Den Höhepunkt von „The Beast Within – Das Engelsgesicht“ stellt eine ganz wunderbar getrickste und herrlich eklige Verwandlungsszene gegen Ende dar, die mit einer speziellen Methode sehr effektvoll inszeniert wurde: mit kleinen Ballons, die unter einer dicken Schicht Make-up platziert und dann aufgeblasen wurden, was den Anblick eines übel pulsierenden Gesichts bewirkte. Damals eine gar nicht mal so selten verwendete Methode, die heute durch den Computer ersetzt worden ist, wie Regisseur Philippe Mora in seiner Einleitung der Blu-ray bedauernd erwähnt.

Erstmals auf Blu-ray und DVD

Das Mediabook von OFDb Filmworks kommt in limitierter und nummerierter Auflage und zwei Covermotiven à 1.000 Exemplaren daher. Der Text im Booklet widmet sich der Bio- und Filmografie von Philippe Mora, der unter anderem Dokus zum „Dritten Reich“ drehte. Zu seinen bekanntesten Spielfilmen zählen das Action-Abenteuer „Die Brut des Adlers“ (1984) mit Rutger Hauer und Kathleen Turner sowie das SF-Drama „Die Besucher“ (1989) mit Christopher Walken nach einer Vorlage von Whitley Striber. Auch für Teil zwei und drei der Werwolf-Reihe „The Howling – Das Tier“ zeichnet Mora verantwortlich.

das_engelsgesicht-11

… mehr als besorgniserregend!

Der Booklet-Text bietet interessante Lektüre, kann der 1949 geborene Regisseur von „Das Engelsgesicht“ doch auf ein bewegtes Leben und ein bemerkenswertes künstlerisches Schaffen zurückblicken: Man kennt ihn nicht nur als Regisseur mit vielseitiger Filmografie – er ist bis heute aktiv –, Mora hat sich auch als Kunstmaler betätigt. Etwas mehr Sorgfalt beim Lektorat hätte den Booklet-Text aufgewertet, aber die kleinen Mängel hier und da werden nur wenigen Lesern auffallen.

das_engelsgesicht-01

Aller Sorgen ledig

Extra für diese Veröffentlichung haben die beiden damit erfahrenen Filmexperten Ingo Strecker und Daniel Perée einen Audiokommentar eingesprochen. Das Mediabook enthält den Film auf Blu-ray und DVD sowie zusätzlich eine DVD mit dem Bonusmaterial (siehe unten). Da es „Das Engelsgesicht“ zuvor in Deutschland lediglich auf VHS gegeben hat, haben wir es mit einer Blu-ray- und DVD-Premiere gleichzeitig zu tun – und dann auch noch in herausragender Bildqualität. Ein schönes und rundum sorgfältig produziertes Mediabook. „The Beast Within – Das Engelsgesicht“ schließt nicht ganz zu den großen Horrorklassikern der 80er-Jahre auf, aber wer dem Horrorgenre jener Dekade zugeneigt ist, macht bei der Anschaffung nichts falsch.

das_engelsgesicht-07

Die Öffnung eines Grabes soll Aufschluss bringen

Veröffentlichung: 21. September 2016 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs, zwei Covermotive à 1.000 Exemplare)

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Beast Within
Alter deutscher Verleihtitel: Das Engelsgesicht – Drei Nächte des Grauens
USA 1982
Regie: Philippe Mora
Drehbuch: Tom Holland, nach einem Roman von Edward Levy
Besetzung: Ronny Cox, Bibi Besch, Paul Clemens, Don Gordon, R. G. Armstrong, Katherine Moffat, L. Q. Jones, John Dennis Johnston, Ron Soble
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Ingo Strecker und Daniel Perée, Intro mit Regisseur Philippe Mora, Featurette „Within The Beast Within“ (33 Min.), Storyboarding „The Beast Within“ (14 Min.), Karriere-Featurette über den Regisseur: „Philippe and His Beasts“, 2 Radio-Spots, deutscher und englischer Trailer, Bildergalerie, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch
Vertrieb: OFDb Filmworks

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

das_engelsgesicht-02

Ein finsteres Geheimnis

Fotos & Packshots: © 2016 OFDb Filmworks

 

Schlagwörter: , , , , , , ,