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Am Sonntag bist du tot – Ein Mord wird angekündigt

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Calvary

Kinostart: 23. Oktober 2014

Gastrezension von Simon Kyprianou

Tragikomödie // Seinen etwas erfolgreicheren Bruder Martin und dessen Filme „Brügge sehen … und sterben“ und „7 Psychos“ mag John Michael McDonagh schon sehr, das merkt man seiner Filmografie an. „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ und nun „Calvary“, so der Originaltitel, sind beides recht brutale Filme die sich stets auf schmalem Grat zwischen Drama, Komödie und Groteske bewegen, eben genau wie das Werk seines Bruders.

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Simon Asamoah (r.) ist Christ – und hat ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau

„Am Sonntag bist du tot“ ist eine Ankündigung, die dem Priester James (Brendan Gleeson) gemacht wird, als er einem Unbekannten die Beichte abnimmt. Einen Geistlichen am Tag des Herrn zu töten – es soll ein Werk der Rache sein, weil die Person als Kind missbraucht worden sei. Es ist nicht etwa so, dass James der Täter war – der ist wohl längst tot; nun muss eben James dafür herhalten. In der ihm verbleibenden Lebenszeit zieht der Priester durch seine Stadt, trifft einige Menschen und versucht sich mit seiner entfremdeten Tochter Fiona (bezaubernd wie immer: Kelly Reilly) zu versöhnen.

Der Film hat große Ambitionen, will viele Themen verhandeln – und schafft das auch. Da ist das Charakterdrama des Priesters, wuchtig und gewaltig von Brendan Gleeson gespielt, dessen Beziehung zu seiner Tochter tragisch inszeniert wird. Da ist der Diskurs über die kirchlichen Missbrauchsfälle, ein sehr aktueller Film also, ein Thema das sensibel und mit adäquater Fallhöhe behandelt wird. Es ist auch eine gelungene Komödie, die den Film aber nie ins Lächerliche zieht. Er nimmt sich stets ernst, denn McDonagh hat verstanden, dass Komödie am besten auf der Grundlage von Drama und Leid funktioniert.

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Führt das drohende Unheil Fiona und ihren Vater wieder zusammen?

„Am Sonntag bist du tot“ ist ein bittersüßer Film, eine unterhaltsame, tragikomische Odyssee durch das Restleben, die Elendsreise eines Mannes, der sich aufgegeben hat Ein kraftvoller sehenswerter Film!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brendan Gleeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Calvary
IRL/GB 2014
Regie: John Michael McDonagh
Drehbuch: John Michael McDonagh
Besetzung: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Kelly Reilly, Aidan Gillen, M. Emmet Walsh, David Wilmot, Domhnall Gleeson
Verleih: Ascot Elite

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Angeln beruhigt: Pfarrer James holt aus

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Filmplakat & Fotos: © 2014 Ascot Elite

 

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Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle: Im Fegefeuer verschenkter Möglichkeiten

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Horrorkomödie // Sie saufen und kiffen, sind einer zünftigen Rauferei ebenso wenig abgeneigt wie dem einen oder anderen Ehebruch – die Gruppe der Priester um Angus (Clancy Brown) und Larry (Clifton Collins Jr.) pflegt einen für Geistliche gar sonderbaren Lebenswandel – und führt sogar genau Buch darüber, wann welches Mitglied wie gegen Gottes Gebote verstoßen hat.

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Hirte und sündiges Schaf zugleich: Angus

Dabei sind sie in ihrem Tun selbstlos: Ihr Ziel ist es, unsere Welt von Dämonen zu befreien. Die Priester beschäftigen sich mit Exorzismen und ähnlichen guten Taten. Klappt das mal nicht, muss eben ein Selbstmord herhalten, sich selbst und den Dämon ins Fegefeuer zu befördern. Das klappt auch so einigermaßen. Doch dann beginnt ein besonders mächtiges teuflisches Wesen sein finsteres Treiben. Können die „Hellbound Saints“ dem Dämon Einhalt gebieten? Wie viele Sünden können sie für die Welt auf ihre Schultern laden?

Das Potenzial für einen knackigen Horrorspaß ist auf jeden Fall gegeben, zumal die Kombination Priester gegen Dämonen zwar nicht neu ist, aber einiges hergibt. Leider wird der Plot nicht ausgereizt. Das mag an der grundsätzlichen Schwierigkeit liegen, beim Zuschauer echten Horror auszulösen und ihn gleichzeitig zum Lachen zu bringen. Seine blutigen Hausaufgaben hat Drehbuchautor und Regisseur J. T. Petty immerhin gemacht, es splattert nicht zu knapp.

Woran es hapert, sind die Gags. Ein paar Mal schmunzeln, der eine oder andere Lacher, einige Zoten – das war’s auch schon. „Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle“ ist nicht völlig missraten, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck. Schade auch um Clancy Brown, der in „Die Verurteilten“ und „Starship Troopers“ sein sinistres Charisma ausgespielt hat. Davon ist hier nicht viel zu sehen.

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Auch Larry lässt nichts anbrennen

Veröffentlichung:
24. Juli 2014 als 3D Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Hellbenders
USA 2012
Regie: J. T. Petty
Drehbuch: J. T. Petty
Besetzung: Clifton Collins Jr., Clancy Brown, Andre Royo, Robyn Rikoon, Macon Blair
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur J. T. Petty und Darstellern, Making-of, Behind the Scenes, „Exorcism“ Short Films, deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

 

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The Borderlands – Eine neue Dimension des Bösen: Beängstigend gut

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The Borderlands

Horror // Das Found-Footage-Genre gilt gemeinhin als ausgelutscht. Zu viele halbgare Billig-Produktionen wollten sich nach 1999 an den Erfolg von „Blair Witch Project“ hängen. Dennoch lassen sich mit dieser Technik nach wie vor atmosphärische und effektive Horrorfilme inszenieren – auch mit schmalem Geldbeutel. Das bewiesen u. a. „Diary of the Dead“, „Paranormal Activity“ und „[rec]“ (2007), „Cloverfield“ (2008), „Der letzte Exorzismus“ und „Trollhunter“ (2010) sowie „The Bay“ und „V/H/S“ (2012).

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Father Crellick wirkt sonderbar

Nun also „The Borderlands – Eine neue Dimension des Bösen“. Es sei vorweggenommen: Der Film reiht sich spielend in die obige Aufzählung gelungener Found-Footage-Vertreter ein. „Der beste Found Footage Horror des Jahrzehnts“ – dieses „Fangoria“ zugeschriebene Fazit prangt selbstbewusst auf der oberen Leiste des Covers. In der von uns online gefundenen Fangoria-Rezension findet sich dieser Satz zwar nicht, sie ist aber nichtsdestotrotz voll des Lobes – zu Recht.

Unheimliches in der Kirche

Die Handlung dreht sich um ein vom Vatikan beauftragtes Forscherteam, das im englischen Hinterland einen mysteriösen Vorfall untersuchen soll. Techniker Gray (Robin Hill) ist als erstes Mitglied vor Ort und bereitet schon mal die Kameras und Abhöranlagen vor. Bald stößt Deacon (Gordon Kennedy) zu ihm, der schon Erfahrung darin hat, angebliche Wunder als Humbug zu entlarven, und gern mal zu tief ins Glas schaut. Obwohl die beiden auf den Geistlichen Mark (Aidan McArdle) warten sollen, überzeugt Deacon Gray, zu zweit den Ort des Vorfalls aufzusuchen. In einer abgelegenen alten, nach langer Zeit gerade erst wieder eröffneten Kirche treffen die beiden auf Father Crellick (Luke Neal), der ihnen einen Film von einer Taufe in der Kirche zeigt, bei der sich Unerklärliches ereignet hat.

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Das Gotteshaus hütet ein düsteres Geheimnis

Wir haben es hier mit Hochspannungs-Horror zu tun, zu sichten am besten spätabends allein in dunklen Räumen – dann entfaltet die sich unerbittlich drehende Spannungsschraube ihre Wirkung am besten. Etwas stimmt ganz und gar nicht mit dieser Kirche, das wird schnell deutlich. Die beiden ungleichen Partner Gray und Deacon sind zwei reizvolle Figuren: Da ist der etwas vorlaute Gray, zwar unreligiös, aber irgendwie doch nicht frei davon, Unerklärliches als gegeben hinzunehmen. Deacon hingegen ist zwar tief im christlichen Glauben verwurzelt, doch er ist auch ein Skeptiker, der hinter jedem Wunder Manipulation vermutet und damit meist recht behält. Diese beiden treiben den Film voran, die Zuschauer folgen ihnen nur allzu gern, wenn auch fröstelnd, in die klaustrophobischen Eingeweide des Gotteshauses.

Drehbuchautor und Regisseur Elliot Goldner beweist mit seinem ersten Langfilm, dass er sich über den Einsatz von Found Footage ausgiebig Gedanken gemacht hat. Was und wie in der Kirche gefilmt wird, das wirkt schlüssig und nachvollziehbar – und ist überaus gruselig. Von solcherlei Found-Footage-Horror gern mehr, dann redet bald niemand mehr von ausgelutscht.

Veröffentlichung: 15. April 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch
Originaltitel: The Borderlands
GB 2013
Regie: Elliot Goldner
Drehbuch: Elliot Goldner
Besetzung: Gordon Kennedy, Aidan McArdle, Robin Hill, Luke Neal, Patrick Godfrey
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Wendecover, Schuber
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Deacon (l.) und Gray erwartet das Grauen

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Pandastorm Pictures

 

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