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Frozen Ground – Ausgerechnet Alaska

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The Frozen Ground

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Robert Hansen gilt als schlimmster Serienmörder Alaskas. Der Bäcker hat gestanden, 17 Frauen ermordet zu haben, weiterer Taten ist er dringend verdächtig. Gewöhnlich brachte er seine Opfer per Kleinflugzeug zu seiner entlegenen Jagdhütte, wo er sie vergewaltigte. Anschließend ließ er die Frauen vermeintlich gehen, dann aber jagte er sie in der Wildnis und erschoss sie mit seinem Jagdgewehr. Hansen wurde 1984 zu 461 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Taten dienten erstmals 2007 als – freie – Vorlage für einen Film: den Horrorthriller „Naked Fear“.

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Bäcker Hansen führt ein unauffälliges Leben

Ein Flugzeug wie der Serienkiller

Regisseur Scott Walker bemüht sich in seinem Langfilmdebüt nach eigenem Drehbuch um Authentizität. Das führt so weit, dass der von John Cusack verkörperte Robert Hansen im Film ein Flugzeug desselben Typs fliegt wie der echte Serienmörder: eine Piper PA-18 Super Cub. Das Bemühen um sorgfältige und detailgetreue Nachstellung der Ermittlungen führt leider zu einer spannungsarmen Dramaturgie und zu Vorhersehbarkeit. Obendrein hätte die bitterkalte Schönheit Alaskas es verdient gehabt, stärker ins Bild gesetzt zu werden.

Der im realen Leben mit dem Fall betraut gewesene Detective Glenn Flothe ist im Film ein Sergeant mit dem Namen Jack Halcombe. Der ohnehin überschätzte Nicolas Cage spielt ihn mit ewiggleichem Gesichtsausdruck Marke melancholischer Dackel. Ein Lichtblick ist Vanessa Hudgens („Sucker Punch“) in der Rolle von Cindy Paulson. Im realen Leben war die junge Prostituierte Hansens einziges überlebendes Opfer. Hudgens spielt die im Leben Gestrauchelte glaubwürdig, ihr Leid und das Misstrauen gegen Menschen im Allgemeinen und die Polizeibehörden im Besonderen wirken nachvollziehbar.

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Cindy ist dem Mörder entkommen

Cindy kann sich nach ihrer Entführung am Flughafen retten, während Hansen das Flugzeug belädt und startklar macht. Sie bringt die Polizei auf Hansens Spur, doch er kann ein Alibi vorweisen. Die Ermittlungen stocken, bis Halcombe Zugriff auf die Akte erhält und sich in den Fall stürzt.

Prominente Besetzung

In der Besetzung finden sich weitere prominente Namen, nachhaltigen Eindruck hinterlässt niemand: Radha Mitchell („Olympus Has Fallen“) hat als Halcombes Ehefrau Allie nur wenige Auftritte; Dean Norris („Breaking Bad“) darf als Halcombes Kollege Sergeant Lyle Haugsven diesem lediglich ein paar Bälle zuspielen; Curtis Jackson alias 50 Cent spielt – was sonst? – einen Zuhälter.

John Cusack kann der Figur des Killers keine vielschichtigen Facetten hinzufügen, zu sehr ist er im starren Korsett des Drehbuchs gefangen – bis hin zum ähnlichen Brillengestell. Routiniert kann man seine Leistung wohl nennen. Immerhin baut Cusack die Vielfalt seiner Rollen aus, worauf auch seine Rollen als Richard Nixon in „Der Butler“ und Edgar Allan Poe in „The Raven“ hinweisen. Er wird sich vom Part des Serienmörders Robert Hansen selbst womöglich mehr versprochen haben.

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Halcombe inspiziert eine verweste Leiche

Bleibt zu wünschen, dass Regisseur Scott Walker künftige Projekte etwas mutiger angeht. „Frozen Ground“ kann mit dem Attribut „sorgfältig inszeniert“ versehen werden – zu wenig für ein ambitioniertes Debüt, das Lust auf mehr machen soll.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage und/oder John Cusack sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung:
13. Dezember 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Frozen Ground
USA 2013
Regie: Scott Walker
Drehbuch: Scott Walker
Besetzung: Nicolas Cage, John Cusack, Vanessa Hudgens, Radha Mitchell, Kevin Dunn, Curtis Jackson aka 50 Cent, Dean Norris, Katherine LaNasa
Zusatzmaterial: Featurettes, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Universum Film

 

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Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London: Kinski, Blut und nackte Haut

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Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London

Von Volker Schönenberger

Thriller // Psychopathen, Wahnsinnige, Exzentriker – solche Figuren konnte Klaus Kinski fürwahr spielen. Ob’s daran lag, dass seine Persönlichkeit selbst irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn lavierte? Wie auch immer, jedenfalls lag es nahe, dass Vielfilmer Jess Franco ihn als Jack the Ripper besetzte. In Francos Version verbirgt sich der irre Schlitzer hinter dem Arzt Dennis Orloff (Kinski), dem seine Magd Frieda (Nikola Weisse) dabei hilft, die zerstückelten Überreste seiner Opfer zu beseitigen.

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Entsetzte Huren: Erneut ist eine der Ihren dem Schlitzer zum Opfer gefallen

Der spanische Filmemacher Jess Franco starb am 2. April 2013 im Alter von 82 Jahren. Seine vor Blut, Gewalt und Sex strotzenden Werke sind im Bereich des B-Films angesiedelt, bisweilen auch etwas darunter. Francos Version des Jack-the-Ripper-Mythos gehört zu seinen besseren Filmen, trotz oder wegen Klaus Kinski, dem von manchen Kritikern eine gewisse Lustlosigkeit in der Darstellung bescheinigt worden ist. Kinski hat in seiner Autobiografie bestätigt, dass es offenbar nicht seine wichtigste Rolle war: „Ich drehe den Scheiß in acht Tagen herunter. Den Rest der Zeit spiele ich Tennis“, wird er gern zitiert. Dennoch gibt Kinski auch den Jack the Ripper mit seinem ganz speziellen Charisma, das er auch dann nicht verbergen kann, wenn er eine Rolle routiniert bis lustlos herunterspult (was Kinski zweifellos oft getan hat).

Zürich spielt das viktorianische London

Für das viktorianische London hielt der Drehort Zürich her – kann man machen. Ausstattung und Kostüme sind in Ordnung, es ist nun mal kein Big-Budget-Film. Einige Figuren überzeugen, andere weniger. Offen bleibt beispielsweise, weshalb die Magd ihrem Arbeitgeber bei der Beseitigung der Leichen hilft. Auch das unvermittelte Ende des Films ist unbefriedigend. Aber wie es sich für einen zünftigen Exploitationfilm gehört, gibt es eine gehörige Portion Sex und Gewalt zu bewundern. Nackte Haut und zerstückelte Frauenkörper – die Kamera hält drauf. Das ist nichts für Zartbesaitete, auch wenn Franco härtere Arbeiten abgeliefert hat. „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ bietet viel für Anhänger groben Filmguts.

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Voller Hass beugt sich Jack the Ripper über eine Dirne

Francos Jack-the-Ripper-Variante sieht auf Blu-ray vorzüglich aus. Ascot Elite Home Entertainment hat sich mit der Neuveröffentlichung sichtlich Mühe gegeben. Mit der Blu-ray bzw. DVD beginnt der Vertrieb eine Reihe mit dem Titel „Jess Franco Golden Goya Collection“. Für denselben Erscheinungstermin war auch die Veröffentlichung von „Die Marquise von Sade“ in ungeschnittener Form geplant. Der Skandalfilm enthält allerdings in der Langfassung einige Hardcore-Pornoszenen und erhielt von der Juristenkommission der SPIO keine Freigabe; er wird daher in der Form lediglich im etwas freizügigeren Österreich und in der Schweiz erscheinen. Francos Filmographie als Regisseur umfasst laut IMDb 199 Einträge. Man darf gespannt sein, welche die Reihe bereichern sollen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jess Franco sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, die mit Klaus Kinski in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 24. September 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch
Untertitel: Niederländisch, Finnisch, Griechisch, Japanisch, Chinesisch
Originaltitel: Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London
CH/BRD 1976
Regie: Jesús Franco
Drehbuch: Jesús Franco
Besetzung: Klaus Kinski, Josephine Chaplin, Andreas Mankopff, Herbert Fux, Lina Romay, Nikola Weisse
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich, Audio-Interview mit Jess Franco (Zürich, Hotel Gregory, 17. Juni 1976), Interview mit Andreas Mannkopff (Schauspieler / „Inspektor Selby“), entfernte Szene, Erwin C. Dietrichs Hommage an Jess Francos JACK THE RIPPER, Werkstattbericht zur Restauration, Fotogalerie (Production Stills), Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Ascot Elite Home Entertainment

 

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