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Der Mann mit den Röntgenaugen – Fataler Forscherdrang aus dem Hause Corman

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Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Gleich zu Beginn sehen wir ein Auge, das in einem Glasbehälter in einer Flüssigkeit schwimmt. Nein, es handelt sich nicht um eine Speisung im Dschungelcamp, sondern um Roger Cormans 1963er-Regiearbeit „Der Mann mit den Röntgenaugen“ mit Ray Milland („Lebendig begraben“). Wie so oft produzierte Corman auch.

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Das menschliche Auge – beschränkt in seinen Fähigkeiten

Wie so oft im SF-Horror der 50er- und 60er-Jahre geht es um die Hybris der Wissenschaft und die Gefahren, die sie heraufbeschwört. Nur die Götter sehen nun mal alles sagt der Augenarzt Dr. Sam Brant (Harold J. Stone) zu seinem Freund und Kollegen Dr. James Xavier (Ray Milland), dessen Augen er gerade untersucht hat. Dessen Antwort: Ich bin dabei, mich den Göttern zu nähern. Xavier ist besessen davon, die Sehkraft der Menschen radikal zu erweitern, denn – so erfahren wir – die Reichweite des menschlichen Auges beträgt zwischen 4.000 und 7.800 Angström-Einheiten. Weniger als ein Zehntel des Wellenspektrums, wie der Forscher feststellt. Das will er mit einem von ihm entwickelten Serum ändern.

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Dr. Xavier (r.) will das ändern

Ein Versuch an einem Affen endet für das Tier tödlich – Herzversagen. Hat der Affe etwas Schreckliches gesehen oder konnte sein Gehirn nur das Aufgenommene nicht verarbeiten? Egal, unter Mithilfe von Dr. Brant wagt Xavier den Selbstversuch – mit Erfolg: Er kann durch ein Blatt Papier hindurch lesen, was auf einem darunter liegenden Papier steht, entdeckt, dass unter Dr. Brants Krawatte ein Hemdknopf fehlt und sich unter dessen Kittel einen Stift im Hemd befindet. Wie der Affe hat auch Xavier Probleme, das Gesehene zu verarbeiten. Aber er will mehr. Doch trotz der Fürsprache seiner Kollegin Dr. Diane Fairfax (Diana Van der Vlis) werden ihm Forschungsgelder gestrichen.

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Der Forscher hat Erfolg, wie er auch auf einer Party nur zu deutlich merkt

„Der Mann mit den Röntgenaugen“ vermeidet glücklicherweise die Versuchung, sich in naheliegenden Schlüpfrigkeiten zu ergehen, die entstehen, wenn jemand durch Kleidung hindurchsehen kann. Eine solche Szene gibt es natürlich: Auf einer Party entdeckt Xavier beim Tanz die diesbezüglichen Vorzüge seiner neuen Gabe. Die Sequenz ist aber charmant und mit der für die 60er-Jahre gebotenen Züchtigkeit in Szene gesetzt. Auch wenn der Forscher fortan konsequent durch Kleidung hindurchsieht, bleiben wir von einer Parade der Nackedeis verschont – sie würde die voranschreitende Düsternis der Story auch konterkarieren.

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Als Mörder gejagt, mutiert er zur Jahrmarktsattraktion

Die Wirkung des Serums auf Dr. Xaviers Augen bekommen die Zuschauer mittels subjektiver Kamera zu sehen, die das Gezeigte mit einem „Spectarama“ genannten Verfahren durchaus effektvoll verfremdet. Eine Auseinandersetzung endet mit einem tödlichen Unfall – vielleicht die schlechteste Szene des Films. Nun als Mörder gejagt, verbirgt sich Xavier als Jahrmarktattraktion auf einem Rummelplatz. Der logischen Weisheit letzter Schluss ist das nicht gerade, bringt aber ein paar unterhaltsame Momente mit sich. Seine Prämisse führt „Der Mann mit den Röntgenaugen“ zu einem konsequenten Ende, weshalb er als einer von Roger Cormans besten Filmen gilt. Das liegt nicht zuletzt an Ray Millands Präsenz, die von ihm verkörperte Titelfigur muss für ihren ungezügelten Forscherdrang bitter bezahlen, die Tragik wird dank Milland jederzeit nachvollziehbar.

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Was sieht Xavier?

Anolis Entertainment hat „Der Mann mit den Röntgenaugen“ bereits 2013 als Teil der Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“ auf DVD veröffentlicht. Wie bei der Reihe üblich, ist die DVD mittlerweile vergriffen und wird auf dem Sammlermarkt zu hohen Preisen gehandelt. 2015 folgte eine Blu-ray im Softcase, sie wurde 2016 in zwei limitierten Hartboxen neu aufgelegt. Schön für Sammler von Hartboxen, die handelsübliche Softcase-Blu-ray ist aber auch völlig in Ordnung. Das Bonusmaterial der Blu-ray ist eher bescheiden, was aber nichts an der Qualität mit feinem Bild und Ton ändert. Das mag auch mit Lizenzvereinbarungen begründet sein, es gehört aber offenbar zur Anolis-Veröffentlichungspolitik, limitierten Erstveröffentlichungen die Wertigkeit zu erhalten, indem darauf befindliches Bonusmaterial späteren Neuauflagen oder nachgeschobenen Blu-ray-Auflagen vorenthalten wird. Nachvollziehbar und fair. Schön, dass es Label gibt, die uns solche Preziosen klassischen SF-Horrors mit seriösem Geschäftsgebaren zugänglich machen.

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Nichts Gutes jedenfalls

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 18. November 2016 als Blu-ray in zwei auf jeweils 111 Exemplare limitierten Hartboxen, 16. Oktober 2015 als Blu-ray, 25. Oktober 2013 als DVD (im Rahmen der Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“)

Länge: 79 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: X
USA 1963
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Robert Dillon, Ray Russell
Besetzung: Ray Milland, Diana Van der Vlis, Harold J. Stone, John Hoyt, Don Rickles
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Werbeflyer, Bildergalerie, nur DVD: Audiokommentar von Roger Corman, Audiokommentar von Ingo Strecker und Robert Zion, 12-seitiges Booklet
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © Anolis Entertainment GmbH

 

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California – Sehenswertes Epos mit noch mehr Potenzial

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Von Ansgar Skulme

Western // Saloons sind ihr Leben, doch als Lily Bishop (Barbara Stanwyck) es in einem derselben wieder einmal zu weit getrieben hat, fliegt sie im hohen Bogen raus, landet im Dreck und bedankt sich mit ihren ersten Worten im Film zynisch dafür. Da sie sich in der Stadt nicht mehr sehen lassen kann, schließt sich Lily einem Siedlertreck unter Führung von Jonathan Trumbo (Ray Milland) an. Nach Kalifornien soll es gehen, das noch nicht zu den Vereinigten Staaten gehört und reichlich Land für Interessierte wie Michael Fabian (Barry Fitzgerald) bietet. Doch dort ist der Goldrausch ausgebrochen, viele werden unvernünftig und einige bekommen den Hals nicht voll. Besonders gefürchtet ist ein früherer Seefahrer namens Coffin (George Coulouris), der eine mordlustige Meute um sich geschart hat. Und wer es nicht mit plumpen Morden allein riskieren will, gibt sich eben als Politiker …

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Manchem sollte man besser nicht den Rücken zudrehen

Wenn man einmal davon absieht, dass der Schurke angeblich Pharaoh (!) mit Vornamen heißt und sein Nachname obendrein übersetzt „Sarg“ bedeutet, ist der Film alles andere als schräg. Vielmehr ist „California“ ein Werk, das sich gut in eine Reihe mit anderen großen Paramount-Wildwestabenteuern der 30er und 40er, wie insbesondere „Die scharlachroten Reiter“ (1940) und „Die Unbesiegten“ (1947), fügt. Filme, welche den Namen Epos vorbehaltsfrei verdienen. In den 30er- und 40er-Jahren waren Western in Farbe noch vergleichsweise selten, doch Paramount ließ sich seit jeher nicht lumpen, was Technicolor anbelangte, war beispielsweise auch im Südsee-Film Ende der 30er mit farbigen Genrebeiträgen federführend. Cecil B. DeMille, der „Die scharlachroten Reiter“ und „Die Unbesiegten“ jeweils mit Gary Cooper und Paulette Goddard in den Hauptrollen inszenierte, wurde nicht umsonst einer der absoluten Vorreiter unter den Farbfilmregisseuren. DeMille war Paramounts Mann für die großen Stoffe, auch schon in den 30ern, als er noch in Schwarz-Weiß drehen musste, und seine Western manifestierten stets große Mythen: „Der Held der Prärie“ (1936) thematisiert Wild Bill Hickok (auch Gary Cooper), Calamity Jane und Buffalo Bill als Legenden des Wilden Westens, „Union Pacific“ (1939) widmet sich dem Mythos Eisenbahn – in einer Hauptrolle: Barbara Stanwyck. „Die scharlachroten Reiter“ ist einer der eher wenigen US-Filme mit Western-Charakter, in denen es um Kanada geht – stilistisch ein Western, inhaltlich durch den Handlungsort Kanada natürlich nur bedingt. Der Film gab den Kanadiern gewissermaßen ihr eigenes Epos unter Bezugnahme auf die sogenannte Nordwest-Rebellion, gleichzeitig war es DeMilles erster vollständig in Farbe produzierter Film. „Die Unbesiegten“ wies schließlich auf die weitaus frühere richtungsweisende Konfrontation zwischen Engländern und Franzosen zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hin. Alles Stoffe der ganz elementaren, grundsteinlegenden Sorte also. Geschichten, die zusammenschweißen und dem Publikum sozusagen seine gemeinsamen Ursprünge als großes Leinwandabenteuer erzählten, für das keine Kosten und Mühen gescheut wurden.

DeMille-Style mit neuen Verantwortlichen

„California“ bewegt sich in genau diesem Fahrwasser, allerdings übertrug man die Regie nicht DeMille, sondern John Farrow. Der hatte bis dato zwar schon ein paar durchaus erinnerungswürdige Filme, wie etwa „China“ (1943) und „In Ketten um Kap Horn“ (1946) – beide mit Alan Ladd – gedreht sowie mit „The Hitler Gang“ (1944) den ersten Film überhaupt inszeniert, in dem man mit Ernsthaftigkeit versuchte, die Person Adolf Hitler in einer Art Biopic aufzuarbeiten, jedoch hatte er ein Projekt von der Tragweite eines solchen Farbspektakels noch nicht realisieren dürfen. Auch hier geht es um die frühe Erschließung des Landes, um das Besiedeln, das Neuerschaffen von gesellschaftlicher Kultur, die damit zusammenhängende Aufbruchsstimmung und die parallel entstehenden Gefahren. Ein Gründer-Epos made in America, wenn man so will, das einen entsprechend direkten Titel trägt, der den Film gewissermaßen mit einem ganzen Staat und dessen Entstehung gleichsetzt. Kein Zufall ist sicherlich, dass der hier sehr kaltschnäuzige Ray Milland und die als Pendant sehr widerspenstige Barbara Stanwyck in ihren Rollen obendrein ziemlich an Gary Cooper und Paulette Goddard bei DeMille erinnern. Dass Peter Pasetti hier Ray Milland synchronisierte, ebenso wie Cooper in „Die scharlachroten Reiter“ und „Die Unbesiegten“: sicher ebenfalls kein Zufall.

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Eine Hassliebe, wie sie im Buche steht

Schlagfertige Frauen und abgebrühte Kerle mit trockenen Sprüchen, die immer bereit zu handeln sind, schienen genau richtig inmitten einer solch ungeordneten, in Veränderung begriffenen Filmwelt, einer Geschichtsstunde voller kurioser, aber auch hinterhältiger Gestalten, die alle ihren Teil vom Kuchen wollen, der später einmal allerorts den Namen „Vereinigte Staaten von Amerika“ tragen wird. Solcherlei Figuren hatten es Paramount in ihren damaligen Western angetan. Da werden die Frauen zur Not auch offen beleidigt oder gar geohrfeigt, wenn nicht ins Gesicht geschlagen, wissen allerdings auch gut dagegen zu halten. Nun ja, das ist immerhin weltoffener als die Frau gutbürgerlich daheim am Herd anzuketten, was seinerzeit schließlich auch diverse Filme probierten. Typen mit Ecken und Kanten so weit das Auge reicht, in einer mit Mut zum Pathos erzählten Geschichte, die das teils recht illusorische Bild vom gemeinsam mittels redlicher Arbeit erschaffenen Amerika propagiert, so gut es nur geht – das zeichnete DeMille aus, in diesem Fall nun auch Farrow. Dazu immer wieder die regelrecht übervollen Bilder, reich an Farben – volle Saloons, mit Requisiten dicht bestückte Räume, große beratschlagende Siedlergruppen, marodierende Meuten und dergleichen mehr, ergänzt von nicht minder farbenprächtigen, herrlichen Naturkulissen.

Vielfalt auf die etwas andere Art

Ist die Natur auch schön inszeniert, ist es mit dem Realismus und der Natürlichkeit trotzdem so eine Sache. Indianer sieht man den ganzen Film über nahezu gar nicht, bei DeMille hingegen immerhin zahlreiche, auch wenn sie von diesem oft als stumpfsinnige und brutale Gesellen dargestellt wurden. Kurzum: Ureinwohner gab es in Kalifornien offenbar keine oder zumindest in „California“ nicht, dafür aber sprechen die „Weißen“ Dialekte und Slangs – sie kamen schließlich von überall her nach Kalifornien –, was man auch recht kurios in die deutsche Synchronfassung zu transportieren versuchte. Kölsche Mundart in Kalifornien? Warum nicht. Generell eine sehr hörenswerte, sehr frühe deutsche Fassung, in der ähnlich wie auch in „Die scharlachroten Reiter“ und „Die Unbesiegten“ oder auch „Wem die Stunde schlägt“ (1943) etliche Sprecher zu hören sind, die man schon wenige Jahre später nicht mehr wiederfindet. Sprecher wie Otto Wernicke (besser bekannt als Kommissar Lohmann in Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“), Rudolf Reif und Bruno Hübner. Ein ganz besonderer Höhepunkt ist Hans Hinrich als deutsche Stimme von George Coulouris, der den zunehmend wirrer werdenden Kapitän mit einem beeindruckend ruhig vorgetragenen Wahnsinn vertonte. Wem das gefällt, der sollte sich auch unbedingt einmal „Das Phantom der Oper“ in der Version von 1943 ansehen – in der deutschen Fassung synchronisierte Hinrich die von Claude Rains verkörperte Titelfigur. Es verwundert nicht, dass die Wahl ebenfalls auf Hinrich fiel, als für den wortführenden der beiden titelgebenden Auftragsmörder in „Die Killer“ (1946), gespielt von William Conrad, eine entsprechend trockene, abgebrühte deutschsprachige Variante gesucht wurde.

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Von einer Frau um den Verstand gebracht

Während die in diesem Artikel besagten Filme von Cecil B. DeMille schon seit einigen Jahren alle in Deutschland auf DVD verfügbar sind – wenngleich diverse andere Epen von DeMille aus anderen Genres leider nicht –, kommt die Veröffentlichung von „California“ recht spät. Ob es daran liegt, dass John Farrow als Regisseur und Ray Milland als Star beide seit jeher eher wenig besprochen worden sind: Wer weiß? Aber besser spät als nie! Ähnlich wie der thematisch sehr gut vergleichbare Michael-Curtiz-Western „Goldene Erde Kalifornien“ (1938) hat zwar auch „California“ das Problem, dass die epische Grundausrichtung, die vor allem am Anfang bis hin zur Musik von Victor Young noch sehr stark deutlich gemacht wird, eigentlich eine Laufzeit von mindestens 30 Extra-Minuten gut verkraftet hätte; trotz allem aber ist der Film sehr ansehnlich, spannend erzählt und wartet zudem mit einer relativ ungewöhnlichen Schurkenfigur auf, was gerade im Western durchaus eine Wohltat ist. Man kann „California“ daher attestieren, dass er sich von der breiten Masse nicht nur wegen der kostspieligen Produktion in Farbe abhebt, auch wenn die Geschichte eigentlich noch viel mehr Potenzial gehabt hätte als Kalifornien kompakt in gut 90 Minuten anzureißen. Beispielsweise kommen die von Anthony Quinn und Gavin Muir verkörperten, recht interessanten Figuren leider ziemlich kurz. Ebenso hätten auch DVD und Blu-ray mehr Potenzial als ein Booklet, einen Wiederaufführungstrailer, eine Bildergalerie und optionale englische Untertitel gehabt. Die Präsentation des Hauptfilms lässt allerdings nichts zu wünschen übrig. Ein fast 70 Jahre alter höchst aufwendiger Farbfilm erstrahlt in würdigem Glanz!

Die Geschichte von Mister Trumbo

Apropos würdig – abschließend bleibt ein kleines Rätsel im Raum: Ob der Name der Hauptfigur Jonathan Trumbo als würdigende Anspielung auf den Drehbuchautor Dalton Trumbo gedacht war, der im Jahr des Erscheinens des Films, 1947, vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe treten sollte, die Aussage verweigerte und dadurch lange Zeit starken Repressionen ausgesetzt wurde, ist nicht konkret überliefert, allerdings durchaus denkbar. Trumbo ist schließlich nicht gerade ein Allerweltsname und die zeitliche Parallele auffällig. Dalton Trumbo wurde 2015 durch die seinen Nachnamen tragende Verfilmung seiner Geschichte mit einem Oscar-nominierten Bryan Cranston in der Hauptrolle einem breiten Publikum bekannt. In diesem Kontext erscheint dann auch der eingangs erwähnte Name Pharaoh Coffin als Gegenspieler dieses Jonathan Trumbo in einem etwas anderen, möglicherweise recht subversiven Licht.

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Die Lage ist ernst – der Deserteur darf vorsprechen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Anthony Quinn sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schiess zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)
50. Garten des Bösen (Garden of Evil, USA 1954)
51. Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, USA 1939)
52. Duell in Diablo (Duel at Diablo, USA 1966)
53. Massai – Der große Apache (Apache, USA 1954)
54. Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955)

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Aus dem Dreck emporgekommen

Veröffentlichung: 8. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: California
USA 1947
Regie: John Farrow
Drehbuch: Frank Butler & Theodore Strauss, nach einer Geschichte von Boris Ingster
Besetzung: Ray Milland, Barbara Stanwyck, Barry Fitzgerald, George Coulouris, Albert Dekker, Anthony Quinn, Frank Faylen, Gavin Muir, James Burke, Eduardo Ciannelli
Zusatzmaterial: US-Wiederaufführungstrailer, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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Starflight One – Irrflug ins All: Colt Seavers im Flugzeug, das nicht landen konnte

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Starflight – The Plane That Couldn’t Land

Von Andreas Eckenfels

SF-Katastrophenfilm // In der legendären Simpsons-Folge „Die Akte Springfield“ (Staffel 8, Episode 10) erzählt Homer seinen Kollegen Lenny und Carl stolz, wie er sich durch einen Trick mit der Überwachungskamera während der Arbeitszeit in Moe’s Taverne verdrücken will. Ein Film habe ihn zu dieser Idee inspiriert. „Der Bus, der nicht langsamer werden durfte“ soll der sehr lange Titel gewesen sein. Natürlich ist dies eine wunderbare Anspielung auf den Actionhit „Speed“ und Homers Langtitel fasst die Handlung eigentlich bestens zusammen.

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Die Presse geht mit auf den Jungfernflug der „Starflight One“

Was hat das mit dem Katastrophenfilm „Starflight One – Irrflug ins All“ zu tun? Nun, als ich den Untertitel des Originaltitels las, musste ich unweigerlich an diese Simpsons-Folge denken. „The Plane That Couldn’t Land“ – ein Flugzeug kann nicht landen, weil es antriebslos im Weltall herumschwebt. Ja, ganz plump gesagt, ist dies der Inhalt des Films, damit auch jeder Zuschauer sofort begreift, um was es geht. Da lobe ich mir zur Abwechslung mal den deutschen Untertitel von „Starflight One“. „Irrflug ins All“, wie er in der nun veröffentlichten DVD-Ausgabe heißt, oder der zuvor genutzte Titel „Irrflug ins Weltall“ bringen die Handlung weniger reißerisch auf den Punkt.

Ein paar Jahre zu spät dran

Der Original-Titelzusatz hört sich eigentlich wie eine Parodie auf all die großen Katastrophenfilme der 70er-Jahre an. Doch die Mechanismen der vierteiligen „Airport“-Reihe (1970–1979) und ähnlicher Werke wurden bereits in den wunderbaren Zucker-Komödien „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (1980) und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“ (1982) ordentlich durch den Kakao gezogen. Und „Starflight One – Irrflug ins All“ will auch gar keine Komödie sein. Der TV-Film wurde am 27. Februar 1983 auf dem US-Sender ABC ausgestrahlt und war mit seinem Szenario schlichtweg ein paar Jahre zu spät dran. Denn wenn es bereits eine Parodie zu einer Filmgattung gibt, ist dies ein sicheres Anzeichen dafür, dass sich eine Idee bereits durch zigfache Wiederholung totgelaufen hat. Da hilft auch eine Verlegung der bekannten Geschichte ins Weltall nicht viel.

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Captain Briggs (l.) und Ingenieur Josh beraten sich nach der Katastrophe

Immerhin verpflichtete ABC mit Jerry Jameson einen erfahrenen TV- und Kino-Regisseur von Katastrophenfilmen. Auf sein Konto gehen unter anderem „Hochhaus in Flammen“ (1974), ein TV-Film, der Kapital aus dem Kinohit „Flammendes Inferno“ (1974) schlagen sollte, sowie „Airport ’77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck“ (1977). Als Piloten der „Starflight One“ holte Jameson den „Ein Colt für alle Fälle“-Star Lee Majors ins Cockpit. Mit Majors hatte der Regisseur bereits in der TV-Serie „Der sechs Millionen Dollar Mann“ (1974–1978) und dem Fernsehfilm „High Noon, Part II – The Return of Will Kane“ (1980) zusammengearbeitet. Dazu versammelte Jameson weitere Schauspielveteranen in „Starflight One – Irrflug ins All“, darunter Hal Linden, Lauren Hutton und Robert Webber.

Die Columbia im Dauereinsatz

Eine Katastrophe geschieht auf dem Jungfernflug der „Starflight One“: Das erste Passagierflugzeug mit dreifacher Überschallgeschwindigkeit versucht auf dem Flug von Los Angeles nach Sydney eine Kollision mit Trümmerteilen eines Satelliten zu vermeiden. Doch ein defekter Raketenantrieb sorgt dafür, dass das Flugzeug aus der Erdatmosphäre geschossen wird. Die mit 59 Passagieren sowie Crew und einigen Presseleuten besetzte „Starflight One“ treibt schwerelos im Orbit um die Erde. Der Sauerstoff an Bord wird langsam knapp. Jetzt kann nur noch die NASA helfen.

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Die Passagiere müssen hilflos mit ansehen …

Es ist überraschend, dass der von Majors gespielte Captain Cody Briggs nicht der Held von „Starflight One – Irrflug ins All“ ist. Es ist die Besatzung des Space Shuttles „Columbia“, welche dem Überschallflugzeug zu Hilfe eilt – und das sage und schreibe dreimal innerhalb von 24 Stunden, wenn ich richtig gezählt habe. So oft hebt das Space Shuttle ab, versucht mit mal mehr, mal weniger Erfolg, eine Handvoll Passagiere der „Starflight One“ aufzunehmen und landet sicher auf der Erde. Schnell wieder aufgetankt, geht es für die Crew erneut hoch ins Weltall, um die nächsten Menschen zu retten. Es bleibt nicht die einzige haarsträubende Skurillität fernab jeglicher Realität, die uns Jameson als Tatsache verkaufen will.

US-Langfassung mit an Bord

Weniger überraschend bleiben die eindimensionalen Figuren, deren belanglosen privaten Probleme zu Beginn kurz umrissen werden, wie im Genre des Katastrophenfilms üblich. Diese spielen für die weitere Handlung keinerlei Rolle und dienen nur dazu, die Laufzeit ein wenig in die Länge zu ziehen. Das dachten sich wohl auch die Produzenten der deutschen Kinofassung, die am 25. Mai 1984 veröffentlicht wurde: Dort fehlen größtenteils die Szenen, in der es um die Affäre zwischen der geschiedenen Mutter Erica (Lauren Hutton) und Captain Briggs geht. Auf der von Koch Films veröffentlichten Special Edition befinden sich löblicherweise sowohl die deutsche Kinofassung als auch die etwa sechs Minuten längere US-Version. Nicht synchronisierte Passagen sind mit deutschen Untertiteln versehen.

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… wie der Verbindungsschlauch zum Space Shuttle „Columbia“ in Flammen aufgeht

Die Andocksequenzen zwischen der „Columbia“ und der „Starflight One“ bleiben die einzigen wirklichen Spannungsmomente, die der Film zu bieten hat. Nicht alle Passagiere schaffen rechtzeitig den gefährlichen Gang durch einen Rettungsschlauch, da sich dieser durch ein funkenschlagendes Kabel aus der defekten Flugzeug-Außenwand entzündet. Es ist ein durchaus dramatischer Moment, bei dem einige Menschen ums Leben kommen. Doch Captain Briggs und seine Besatzung schauen nur leicht erstaunt und enttäuscht dem Treiben zu, als wollten sie sagen: Naja, beim nächsten Mal wird es schon klappen. Auch hält sich die Panik an Bord in einem gemäßigten Rahmen.

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Briggs und Erica hoffen dennoch weiter auf Rettung

Für die Aufnahmen der Starts und Landungen des Space Shuttles konnte Jameson auf Archivaufnahmen der NASA zurückgreifen. Für die weiteren visuellen Effekte zeichnet Spezialist John Dykstra („Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“) verantwortlich, der allerdings aufgrund des begrenzten Budgets „Starflight One – Irrflug ins All“ auch nicht mehr vor dem drohenden Absturz in die Bedeutungslosigkeit retten kann. Als möglicher PR-Film für die unmöglichen Abenteuer der NASA ist der TV-Film allerdings ganz brauchbar.

Veröffentlichung: 12. Mai 2016 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 103 Min. Deutsche Kinofassung, 110 Min. US-Langfassung
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Starflight – The Plane That Couldn’t Land
USA 1983
Regie: Jerry Jameson
Drehbuch: Robert M. Young, Peter R. Brooke
Besetzung: Lee Majors, Hal Linden, Lauren Hutton, Ray Milland, Gail Strickland, Tess Harper
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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