RSS

Schlagwort-Archive: Reese Witherspoon

Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein: Von schwarz-weißem Serien-Idyll in die bunte Realität

Pleasantville-Cover

Pleasantville

Fantasykomödie // In Pleasantville ist die Welt noch in Ordnung. Den Spielern der Schulmannschaft gelingt beim Basketball jeder Korbwurf. Jugendliche gehen beim Rendezvous nicht weiter als bis zum Händchenhalten. Doppelbetten sind unbekannt. Bei konstant 23 Grad Celsius scheint jeden Tag die Sonne, und die Feuerwehr rückt höchstens mal aus, um eine Katze vom Baum zu retten.

Pleasantville ist ein Paradies – kein Wunder, denn es existiert nur im Fernsehen und ist die Lieblingsserie von Teenager David (Tobey Maguire). In der Schule ein Außenseiter, genießt er es, sich aus einer 90er-Jahre-Realität ins schwarz-weiße Pleasantville von 1958 zu versetzen. Als David und seine Schwester Jennifer (Reese Witherspoon) eines Tages beim Streit um den Fernseher die Fernbedienung zerstören, taucht wie gerufen ein TV-Techniker auf und gibt ihnen eine neue.

Per Fernbedienung ins TV gebeamt

Die hat es in sich: Kaum betätigt, landen David und Jennifer in Pleasantville – als Bud und Mary Sue Parker, Kinder von George und Betty Parker (William H. Macy, Joan Allen). Nun müssen die Geschwister in der fremdartigen schwarz-weißen Umgebung am Seriengeschehen teilnehmen. Gut, dass David alias Bud alle Folgen auswendig kennt.

Doch mit ihren modernen Ansichten bringen die zwei das unschuldig-naive Pleasantville gehörig durcheinander – und bald auch Farbe ins Spiel. Das geht nicht lange gut. So beginnen Diffamierungen gegen Bürger, die anders sind, etwa Mr. Johnson (Jeff Daniels), der seine Liebe zur farbigen Malerei entdeckt.

Regiedebüt vom Gary Ross

„Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ markiert das Regiedebüt von Gary Ross. 2003 inszenierte er in „Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg“ ebenfalls mit Tobey Maguire die Geschichte des berühmten Rennpferds, 2012 startete er mit „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ ein Erfolgs-Franchise, saß jedoch bei den folgenden Teilen nicht mehr auf dem Regiestuhl.

Im Visier von Kommunistenjägers McCarthy

Mit seinem Erstling verarbeitete Ross auch Erfahrungen seines Vaters: Arthur Ross, selbst Drehbuchautor (darunter „Brubaker“), geriet als Liberaler in den 50er-Jahren in die Mühlen der Kommunistenhatz des republikanischen Senators Joseph McCarthy. „Ich wuchs mit dieser Erinnerung auf: Man kann in einer vermeintlich sicheren, offenen Umgebung leben und dennoch Repressalien zum Opfer fallen“, so Gary Ross.

„Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ ist famos besetzt, tricktechnisch perfekt, märchenhaft, komisch, satirisch, nachdenklich, bewegend – einfach ein wunderschöner Film.

Veröffentlichung: 2. Dezember 2011 als DVD

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Dänisch, Spanisch, Norwegisch, Schwedisch, Finnisch, Hebräisch
Originaltitel: Pleasantville
USA 1998
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross
Besetzung: Tobey Maguire, Reese Witherspoon, Joan Allen, William H. Macy, Jeff Daniels, J. T. Walsh
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2011 Warner Home Video

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Inherent Vice – Natürliche Mängel: Bogart als Inspiration

Inherent-Vice-Plakat

Inherent Vice

Kinostart: 12. Februar 2015

Von Simon Kyprianou

Krimikomödie // In einer äußerst witzigen Gesprächsrunde nach einer Vorführung von „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ fragte jemand, ob Howard Hawks’ „Tote schlafen fest“ („The Big Sleep“) mit Humphrey Bogart eine der Inspirationen für Paul Thomas Anderson gewesen sei. Der Regisseur bejahte und sagte, obwohl er „Tote schlafen fest“ schon etliche Male gesehen habe, habe er die komplexe Handlung nie recht verstanden, aber darum gehe es auch nicht. Es gehe darum, dem Helden auf seinem Weg zuzusehen, wissen zu wollen, was als nächstes passiert.

Joaquin Phoenix als kiffender Privatschnüffler

So in etwa ist es auch mit „Inherent Vice – Natürliche Mängel“. Wir treten eine endlose Reise ins Herz der Paranoia an, blicken in den Abgrund von Verschwörung und Verbrechen – erleben die verrückte Welt des dauerbekifften Doc Sportello (Joaquin Phoenix). Doc ist Privatdetektiv und im Los Angeles der 70er auf einer irren Suche nach dem Bauunternehmer Mickey (Eric Roberts) und seiner Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston).

Inherent-Vice-1

Von einem Gespräch …

Es ist ein Dialogfilm im besten Sinne, ein Film der sich von Gespräch zu Gespräch entwickelt. Ständig trifft Doc auf neue Personen, die ihm neue Informationen liefern, oft widersprüchlich zum vorher Gesagten. Von Minute zu Minute wird alles undurchsichtiger und unverständlicher. Bald schon verliert man – wie in „Tote schlafen fest“ – den Überblick und ist gefangen in hitziger Ungewissheit.

Die Liebe in Zeiten der Kriminalität

Das Schönste an dem Film aber ist, dass er im Kern eine Liebesgeschichte ist, was der Regisseur auch betont hat. Anderson inszeniert sie unheimlich zärtlich. Die Liebe ist die Konstante in dieser verrückten, unübersichtlichen Welt, zwischen all den Verbrechen und Lügen. „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ taucht ein in diese Welt, macht sie lebendig.

Inherent-Vice-2

… geht’s gleich zum nächsten

Die Besetzung ist himmlisch, vor allem Joaquin Phoenix, der nach „The Master“ auch in der zweiten Zusammenarbeit mit Paul Thomas Anderson aufblüht. Aber auch alle anderen spielen wunderbar: Owen Wilson, Benicio del Toro, Josh Brolin, Reese Witherspoon, Eric Roberts.

Nah an der Romanvorlage von Thomas Pynchon

Am ehesten vergleichbar ist der Wahnsinn dieses Films vielleicht mit Robert Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“. Der Film hält sich im Großen und Ganzen recht genau an Thomas Pynchons Romanvorlage, was ihn manchmal etwas ausbremst und ihm über kurze Strecken immer wieder Dynamik nimmt.

Inherent-Vice-4

Der Joint darf nicht fehlen

„Inherent Vice“ ist nicht Paul Thomas Andersons beste Arbeit, aber trotzdem ein großartiger Film. Aber das weiß der gute Mann ja auch selbst: I have a feeling, one of those gut feelings, that I’ll make pretty good movies the rest of my life. And maybe I’ll make some clunkers, maybe I’ll make some winners, but I guess the way that I really feel is that “Magnolia” is, for better or worse, the best movie I’ll ever make.

Inherent-Vice-5

Doc (l.) begegnet schrägen Typen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Paul Thomas Anderson sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Josh Brolin, Joaquin Phoenix und Benicio Del Toro unter Schauspieler.

Länge: 148 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Inherent Vice
USA 2014
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson, nach einem Roman von Thomas Pynchon
Besetzung: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Jeannie Berlin, Eric Roberts, Serena Scott Thomas
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Warner Bros. Ent.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit: Wird den West Memphis Three nicht gerecht

Devils_Knot-Cover

Devil’s Knot

Von Simon Kyprianou

Krimidrama // Zu Zeiten von „Das süße Jenseits“ (1997) war Atom Egoyan der große Liebling der Filmkritik. Viel übrig geblieben von seinem Können ist in den letzten Jahren aber leider nicht.

Interessant ist, dass „Devil’s Knot“ inhaltlich große Ähnlichkeiten zu „Das süße Jenseits“ aufweist: Eine verschworene Gemeinde wird mit dem Tod ihrer Kinder konfrontiert und zerbricht daran. „Das süße Jenseits“ war ein zärtliches Drama, „Devil’s Knot“ aber hat den Charme des miesen Fernsehfilms der Woche, ist etwa genau so ästhetisch und leider auch genau so spannend.

Devils_Knot-1

Der gutmütige Detektiv Lax will den Jugendlichen helfen

Die Geschichte basiert auf der wahren Begebenheit der „West Memphis Three“: Drei Kinder wurden brutal umgebracht und in einem Fluss gefunden. Die Dorfgemeinschaft will Rache. Schuldige sind schnell gefunden: drei Satanisten, eigentlich nur normale Jugendliche, die ein bisschen rebellieren wollen. Aber sowohl Privatdetektiv Ron Lax (Colin Firth) als auch Pam Hobbs (Reese Witherspoon), Mutter eines des Oper, haben Zweifel an der Schuld der Jungen. Das Gericht und die Polizei anscheinend nicht, der Prozess scheint fingiert, die Jungs haben keine Chance.

Devils_Knot-4

Pam Hobbs und ihr Ehemann trauern um ihren Sohn

Atom Egoyan hangelt sich an allen erdenklichen Stereotypen des Genres entlang, und auch die emotionale Klaviatur bedient er berechnend und offensichtlich. Wirkungsvoll ist das leider überhaupt nicht, eher entnervend. So kann aus der interessanten Geschichte leider kein großes Drama und auch kein großer Thriller entstehen. Egoyan lässt die Tragweite seiner Geschichte einfach verpuffen.

Devils_Knot-2

Die Ruhe vor dem Sturm: Die Kinder schlendern über den See, in dem kurz darauf ihre Leichen gefunden werden

„Devil’s Knot“ kommt nach dem halbwegs ordentlichen Anfang nicht in Fahrt, die Ermittlungen und die Gerichtsverhandlung plätschern lustlos dahin, leiden zusätzlich noch unter Egoyans konfus, verwirrender Erzählung und den dümmlichen Dialogen. Da kann selbst Colin Firth nicht mehr viel ausrichten. Ein misslungener Thriller, ohne Thrill, ohne emotionale Wirkung, zäh und schleppend.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Colin Firth sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 10. Dezember 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Devil’s Knot
USA 2013
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Paul Harris Boardman, Scott Derrickson, nach einer Vorlage von Mara Leveritt
Besetzung: Reese Witherspoon, Colin Firth, Dane DeHaan, Mireille Enos, Elias Koteas, Kevin Durand, Alessandro Nivola, James Hamrick, Seth Meriwether
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Universum Film

 

Schlagwörter: , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: