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Die Mädels vom Immenhof – Das Leben ist ein Ponyhof

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Die Mädels vom Immenhof

Von Volker Schönenberger

Heimatfilm // Kann die Welt heiler sein als in den fünf Filmen um den Ponyhof „Immenhof“ und seine liebreizenden Bewohnerinnen? Hach ja – Mitte der 50er-Jahre wollte man in den Kinos der Bundesrepublik Deutschland eben manchmal einfach nichts von Politik und Nachkriegswehen wissen. Eskapismus in die Holsteinische Schweiz mit ihren malerischen Seen – dort ist der Immenhof angesiedelt, dort wurde auch gedreht. In der Romanvorlage „Dick und Dalli und die Ponies“ allerdings spielt die Handlung in der Lüneburger Heide im Winter.

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Zwischen blühenden Rapsfeldern geht’s per Kutsche zum Immenhof

„Die Mädels vom Immenhof“ – das sind die 16-jährige Barbara (Angelika Meissner-Voelkner), die von allen nur Dick genannt wird, sowie ihre zwölfjährige Schwester Brigitte alias Dalli (Heidi Brühl). Ihre ältere Schwester Angela (Christiane König) hilft der Eigentümerin Oma Jantzen (Margarete Haagen), das Ponygestüt zu führen. Doch die Zucht wirft kaum noch Ertrag ab, der Immenhof hat große finanzielle Probleme. Da hilft auch die Pacht des nahe gelegenen Forsthauses Dodau wenig, wo der charmante Jochen von Roth (Paul Klinger) eine Reitschule betreibt.

Immer diese Stadtmenschen!

Zu Beginn der Sommerferien reist ein entfernter Verwandter aus der Stadt an: Der Schüler Ethelbert Grabenhorst (Matthias Fuchs) erweist sich als junger Schnösel, der fürs Landleben wenig übrig hat und schnell aneckt. Mans (Peter Tost), der Sohn des Schmieds, will Ethelbert am liebsten verprügeln, begnügt sich aber vorerst damit, beim Baden dessen Reitklamotten hoch oben in einer Baumkrone aufzuhängen.

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Mit Ethelbert (M.) werden Dalli (l.) und Dick anfangs nicht recht warm

Wenn selbst der Gerichtsvollzieher verständnisvoll drei Tage Aufschub gewährt, der Verkauf von Ponys die traurigste und ein Gewitter die dramatischste Szene bringt, wird deutlich: Es geht heimatlich zu. Junge Frauen sind „Frolleins“, arrogante Städter werden auf den richtigen Weg gebracht, bei Jazz und Swing rümpfen die Dörflerinnen im Eiscafé die Nase, und Geldsorgen sind am Ende verflogen. Obendrein ging mit „Die Mädels vom Immenhof“ der Stern von Heidi Brühl auf. Wenn das nichts ist.

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Reiten kann der Schnösel einigermaßen – aber dieser Anzug!

Wie soll man die „Immenhof“-Filme aus heutiger Sicht beurteilen, ohne zu sehr ins Lästern zu verfallen? Das Gezeigte ist so bieder und spießig, dass sich einem die Zehennägel aufrollen. Aber das war nun mal der Heimatfilm der 50er-Jahre. Wenn derlei in den 70ern im Fernsehen gezeigt wurde, versammelten sich auch dann wohl noch ganze Familien im Wohnzimmer. „Grün ist die Heide“ (1951), „Im Weißen Rößl“ (1952), „Der Förster vom Silberwald“ („Echo der Berge“, 1954) – auch ich habe die in meiner späten Kindheit geschaut, ohne rot zu werden.

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Lustiger Ausritt der ganzen Bande

Der Genuss bei der nun erfolgten Sichtung von „Die Mädels vom Immenhof“ hielt sich bei mir in Grenzen, meine achtjährigen Töchter waren aber angetan. An die Beliebtheit von „Ostwind – Zusammen sind wir frei“ und „Ostwind 2 – Rückkehr nach Kaltenbach“ werden die „Immenhof“-Filme bei ihnen vermutlich nicht heranreichen. Aber „Die Mädels vom Immenhof“ hat ihnen schon mal gefallen, die überzogen heile Welt des Ponyhofs wird die kindliche Entwicklung der Achtjährigen wohl kaum hemmen. Es müssen ja nicht gleich alle fünf Filme in kurzer Abfolge sein. Mit „Hochzeit auf Immenhof“ (1956) und „Ferien auf Immenhof“ (1957) entstanden zwei Fortsetzungen unmittelbar im Anschluss an „Die Mädels vom Immenhof“ noch in den 50er-Jahren. Danach war erst einmal Pause, bevor in den 70ern mit „Die Zwillinge vom Immenhof“ (1973) und „Frühling auf Immenhof“ (1974) zwei Nachzügler entstanden, inszeniert von Wolfgang Schleif, dem Regisseur von Teil eins.

Erstmals auf Blu-ray

Die Kollektion „Immenhof – Die 5 Originalfilme“ erscheint nun mindestens zum dritten Mal als 3-DVD-Box, aber immerhin auch erstmals auf zwei Blu-rays. Zum Rezensieren lagen mir lediglich die DVDs vor, weshalb ich über die Qualität des HD-Bilds keine Angaben machen kann. Die Filme haben etwas Patina angesetzt, gehen insgesamt aber als anständig durch, ohne höheren Ansprüchen zu genügen.

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Ein verletztes Fohlen wird versorgt

Ursula Bruns, Autorin der Romanvorlage, starb erst im April 2016 mit 93 Jahren. In Deutschland war sie dem Vernehmen nach als Pferde- und Ponykennerin bekannt (mir nicht, aber ich hab‘ von Pferden auch keine Ahnung). Die vier Fortsetzungen der Filme sind keine Roman-Adaptionen. Ob ihr die Reihe gefallen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Wann gebe ich mir mit meinen Töchtern „Hochzeit auf Immenhof“? Etwas Zeit werde ich ins Land gehen lassen …

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Dick und Ethelbert wachen am Lager des tierischen Patienten

Die Filme der „Immenhof“-Reihe:

Die Mädels vom Immenhof (1955)
Hochzeit auf Immenhof (1956)
Ferien auf Immenhof (1957)
Die Zwillinge vom Immenhof (1973)
Frühling auf Immenhof (1974)

Veröffentlichung: 24. Juni 2016 als Teil der Kollektion „Immenhof – Die 5 Originalfilme“ als 2-Blu-ray- bzw. 3-DVD-Box (auch in diversen vorherigen DVD-Auflagen), 7. Juli 2009 & 1. September 1999 als DVD

Länge: 82 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Die Mädels vom Immenhof
BRD 1955
Regie: Wolfgang Schleif
Drehbuch: Erich Ebermayer, Peer Baedecker, Wolfgang Schleif, Hansi Keßler, nach dem Roman „Dick und Dalli und die Ponies“ von Ursula Bruns
Besetzung: Angelika Meissner (als Angelika Meissner-Voelkner), Heidi Brühl, Christiane König, Margarete Haagen, Paul Henckels, Paul Klinger, Josef Sieber
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Universum Film

 

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