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Horror für Halloween (I) / George A. Romero (VIII): Die Rückkehr der Untoten – Night of the Living Dead (1990) – Besser als Tom Savini glaubt

Night of the Living Dead

Am heutigen kalendarischen Herbstbeginn setzen wir bei „Die Nacht der lebenden Texte“ eine gute Tradition fort: mit „Horror für Halloween“ die Terrortaktzahl etwas zu steigern. Bis Ende Oktober werden wir verstärkt die ganze Bandbreite des Horrorgenres würdigen (also bei Weitem nicht nur Halloween-Party-taugliches Gemetzel), von unbekannten Perlen bis zu großen Klassikern. Da wir Horrorfans nicht nur Meisterwerke genießen können, kommen auch ein wenig Dutzendware und sogar Trash zu ihrem Recht. Erlaubt ist, was gefällt, auch wenn es nicht allen gefällt. Zwischendurch wird es auch etwas zu gewinnen geben, am Ende etwas mehr.

Von Volker Schönenberger

Horror // „Die Nacht der lebenden Toten“ revolutionierte 1968 den Horrorfilm im Allgemeinen und den Zombiefilm im Besonderen. Seitdem gibt es Zombiefilme vor Romero und Zombiefilme nach Romero, denn in „Night of the Living Dead“, so der Originaltitel, fielen die Untoten erstmals als blutrünstige, nach Menschenfleisch oder menschlichem Hirn gierende Kreaturen über Menschen her. Umso größer ist natürlich die Fallhöhe, wenn man sich entscheidet, einem solchen Klassiker ein Remake angedeihen zu lassen. Immerhin steuerte George A. Romero persönlich das Drehbuch zu Tom Savinis Neuverfilmung bei, obendrein war er als Executive Producer am Start (weshalb es nur recht und billig ist, diese Rezension im Rahmen der Romero-Werkschau bei „Die Nacht der lebenden Texte“ zu präsentieren).

Er führt sicher nichts Gutes im Schilde

Romeros Motivation, am Remake mitzuwirken, resultierte zumindest teilweise daher, dass er aufgrund verschiedener rechtlicher Aspekte kaum Geld mit seinem 1968er-Regiedebüt verdient hatte. So war der Film aufgrund eines vom damaligen US-Filmverleih versehentlich entfernten Copyright-Vermerks sogar zur Public Domain geworden.

In der Tat

Nun aber zur Neuverfilmung, in Deutschland seinerzeit unter dem Titel „Die Rückkehr der Untoten“ vermarktet: They’re coming to get you, Barbara! Auf diese ikonische Einstiegszeile konnte Regisseur Tom Savini natürlich nicht verzichten. Johnnie (Bill Moseley) äußert sie gegenüber seiner Schwester Barbara (Patricia Tallman) auf dem Weg zu dem abgeschieden gelegenen Friedhof, auf dem die Mutter der beiden beerdigt wurde. Kaum am Grab, fällt auch schon der erste Untote über Barbara her. Johnny überlebt die Attacke nicht, und Barbara ergreift die Flucht. Sie rettet sich in ein Haus, in dem ebenfalls herumschlurfende Zombies lauern. Glücklicherweise naht Ben (Tony Todd), mit dem es ihr gelingt, die Untoten in dem Gebäude zu bezwingen und sich darin zu verbarrikadieren. Denn weitere der blutrünstigen Kreaturen stromern mehr oder minder zielgerichtet in der Gegend herum.

Die Untoten begehren um Einlass

Das Remake krankt in erster Linie an der übermächtigen Vorlage und der mangelnden Originalität, die eine Neuverfilmung nun mal mit sich bringt. Wer sich davon etwas freimachen kann, bekommt einen grundsoliden Zombiefilm mit anständigen schauspielerischen Leistungen zu sehen. Augenfälliger Unterschied zum Original: War die von Judith O’Dea verkörperte Barbra (sic!) noch reines Opfer, das weitgehend in Schockstarre verharrte und in einem inzestuösen Motiv von ihrem zombifizierten Bruder geholt wurde, so erholt sich Remake-Barbara recht schnell von ihrem anfänglichen Schock. Sie ist zu rationellen Entscheidungen fähig und nimmt auch das Heft des Handelns in die Hand: Well, I’m fighting. I’m not panicking. Diese Barbara ist eine starke Frau. Hauptdarstellerin Patricia Tallman hatte ihr Schauspieldebüt 1981 in George A. Romeros „Knightriders – Ritter auf heißen Öfen“ gegeben. Ihre bekannteste Rolle dürfte die der Lyta Alexander in der Science-Fiction-Serie „Babylon 5“ (1993–1998) sein. Sie ist mit Tom Savini seit dem College befreundet.

Es werden immer mehr

Besonders erfreulich ist es, Tony Todd ernsthaft schauspielern zu sehen, was er damals noch praktiziert hat. Der Gute genießt in der Horrorgemeinde ja Ikonenstatus und ist auf Conventions gern gesehener Gast, hat sich meines Erachtens aber seit vielen Jahren in zu vielen Billigproduktionen verschlissen, in denen er vornehmlich sardonische Mimik zum Besten gibt. In die „Rückkehr der Untoten“ hält er sich in der Hinsicht ebenso zurück wie in seiner legendären Rolle als Titelfigur in „Candymans Fluch“ (1992).

Ben kämpft ums Überleben

Der Kammerspiel-Charakter funktioniert ausgesprochen gut, die Qualität des Originals hat Savini hier gut ins Remake übertragen. Ab und zu wirft die Kamera einen Blick in die Umgebung des Hauses, wo sich nach und nach immer mehr Untote zusammenrotten. Unterstützt von minimalistisch dräuendem Score, sind das sehr stimmungsvoll-gruselige Szenen. Die Belagerungssituation wird immer unerträglicher.

Noch einer

Es lag nah, das Remake in Farbe zu inszenieren, was mit einem etwas höheren Härtegrad gegenüber dem Original einhergeht. Trotz Tom Savini auf dem Regiestuhl artet das Ganze aber keineswegs in ein Splatterfestival aus, da man der Vorlage gerecht werden wollte. Metzelfans kommen somit nur bedingt auf ihre Kosten. Völlig unverständlich, dass „Night of the Living Dead“ in den 90er-Jahren mehrfach indiziert und sogar gerichtlich beschlagnahmt wurde. 2020 erfolgte endlich die Aufhebung der Beschlagnahme, im selben Jahr auch die Listenstreichung, sodass der Film in ungeschnittener Fassung der FSK vorgelegt werden konnte, die ihm 2021 eine Freigabe ab 18 Jahren erteilte.

Barbara weiß sich zu wehren

Die Bildqualität der neuen Blu-rays von Sony und Nameless Media erscheint mir völlig in Ordnung. Allerdings kann man aus dem Material noch deutlich mehr herausholen, wie ein Bildvergleich mit einer Blu-ray des australischen Labels Umbrella Entertainment zeigt. Nameless Media hat Mediabooks mit diversen Covermotiven veröffentlicht, die zügig vergriffen waren, ebenso verhält es sich mit weiteren Sondereditionen. Wer darauf verzichten kann, ist mit der Sony-Blu-ray in herkömmlicher Verpackung gut bedient, auch ein Steelbook ist aktuell noch lieferbar.

Zombies als Zielscheiben für Rednecks

Für den legendären Maskenbildner und Spezialeffektkünstler Tom Savini markiert „Night of the Living Dead“ seine bislang einzige Langfilm-Regiearbeit. Aufgrund von zu großer Einflussnahme der Produzenten am Set wurde es bei Weitem nicht der Film, der ihm vorgeschwebt hatte, zumal er einige Gewaltszenen herausschneiden musste, um in den USA eine niedrigere Altersfreigabe zu erreichen. An sich ist Savini als Regisseur für das seit Jahren geplante Remake von Umberto Lenzis „Großangriff der Zombies“ (1980) vorgesehen, das Projekt scheint aber nun auch schon seit ein paar Jahren auf Eis zu liegen.

Alles andere als originell, dennoch alles andere als missraten

„Die Rückkehr der Untoten – Night of the Living Dead“ bemüht sich phasenweise um Eigenständigkeit, bleibt beim Grundgerüst aber nah am Original. Zu nah, um selbst originell zu sein, bis hin zu der Horde schießwütiger Rednecks im Finale. Allerdings tummeln sich insbesondere im Zombiegenre zahllose auf Originaldrehbüchern beruhende Streifen, denen es ebenso an Originalität mangelt. Remake hin oder her, bei all den missratenen und in Vergessenheit geratenen Untotenfilmen stellt „Die Rückkehr der Untoten – Night of the Living Dead“ doch einen sehr erfreulichen Vertreter dar. Das muss die nagelneue Computertrick-Variante „Night of the Animated Dead“ (2021) erst einmal erreichen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bill Moseley und Tony Todd haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 5. August 2021 als Blu-ray im limitierten Steelbook, Blu-ray und DVD sowie als limitiertes 2-Disc Ultimate Collector’s Fan Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, exklusiv bei einem Online-Händler), 14. Mai 2021 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 5 Covermotive à 2 x 666, 2 x 555 & 1 x 444 Exemplare) 2-Disc VHS-Retro-Edition (Blu-ray & DVD, limitiert auf 500 Exemplare), 2-Disc Edition Hartbox (Blu-ray & DVD, limitiert auf 99 Exemplare) und VHS (inkl. Mediabook Cover B, limitiert auf 55 Exemplare)

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Living Dead
Alternativtitel: Die Rückkehr der Untoten
USA 1990
Regie: Tom Savini
Drehbuch: George A. Romero
Besetzung: Tony Todd, Patricia Tallman, Tom Towles, McKee Anderson, William Butler, Katie Finneran, Bill Moseley, Heather Mazur, David W. Butler, Zachary Mott, Pat Reese
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Tom Savini, US-Kinotrailer, Making-of: „The Dead Walk: Remaking a Classic“ (25 Min.), Wendecover, nur Mediabook: 22-seitiges Booklet mit einem Text von Wolfgang Brunner, nur VHS-Retro-Edition: Sticker-Set, nur Ultimate Collector’s Fan Edition: Figurine
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, 2er-Packshot & Abb. Ultimate Collector’s Fan Edition: © 2021 Sony Pictures Entertainment

 

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Horror für Halloween (XXVII): Der Blob – Geht doch mit den Remakes!

The Blob

Von Volker Schönenberger

Horror // In der US-Kleinstadt Arborville geht kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit alles seinen gewohnten Gang. Das örtliche American-Football-Team dominiert sein Heimspiel unter dem Jubel des Publikums. Spieler Paul (Donovan Leitch Jr.) gelingt es nach einer gelungenen Aktion sogar, die Cheerleaderin Meg (Shawnee Smith) nach einem Date zu fragen. Auch Sheriff Herb Geller (Jeffrey DeMunn) wandelt auf Freiersfüßen, und die Cafébesitzerin Fran Hewitt (Candy Clark) scheint nicht abgeneigt. Derweil macht der junge Herumtreiber Brian Flagg (Kevin Dillon, „Entourage“) das, was er am liebsten macht: sich herumtreiben.

Was hat den Landstreicher zersetzt?

Unheil kündigt sich an, als in der Nähe des Orts ein Himmelskörper niedergeht. Ein alter Landstreicher (Billy Beck) beobachtet den Absturz und nähert sich neugierig. Ein Fehler, denn eine gallertartige, glibberige Masse windet sich heraus – und umschließt mit einer schnellen Bewegung die Hand des Tramps. Der Blob ist auf Arborville losgelassen …

Der Blob erweist sich als sehr vereinnahmend …

Dieser Blob macht keine Gefangenen! Er absorbiert sie vielmehr, umschließt seine bedauernswerten Opfer und löst sie auf. Das lässt ihn wachsen … und wachsen … und wachsen … Was einige derbe Splatter-Effekte zur Folge hat. Die Make-up-Abteilung von „Der Blob“ hat sich nicht bitten lassen und blutige Qualität geliefert, ganz wie wir das von einem zügellosen 80er-Jahre-Horror-Spektakel kennen und lieben. Genannt sei beispielhaft eine Szene, in der der Blob einen Mann durch einen Waschbecken-Ausguss zieht. Autsch! Diverse Absorptions-Einstellungen sind ebenfalls drastisch geraten. Erstaunlich, dass sich die Kontrollinstanzen gnädig zeigten und dem Werk die Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute: Medien) erspart blieb. Die FSK hatte seinerzeit offenbar einen guten Tag und erteilte der ungeschnittenen Fassung ohne Murren und Knurren die FSK-18-Freigabe. Die wiederum erscheint angesichts der Heftigkeit der menschlichen Auflösungserscheinungen durchaus gerechtfertigt. Andererseits wirkt das derart comichaft überzeichnet, dass man nach heutigen Maßstäben auch über eine Herunterstufung auf FSK 16 nachdenken könnte. Aber ich will nicht gierig erscheinen. Bemerkenswert auch, wie gnadenlos der Film mit seinen Figuren umgeht. Zwar ufert der Body Count nicht aus, aber der eine oder andere Todesfall kommt nach der Etablierung der Charaktere doch recht überraschend.

Remake von „Blob – Schrecken ohne Namen“

Gibt es andere Filmstoffe, die derart gelungen von den 1950er-Jahren in die 80er übertragen wurden? Da fallen auf die Schnelle nur „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) und „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) ein. Wüssten wir es nicht besser, könnten wir „Der Blob“ für einen Originalstoff halten. Tatsächlich handelt es sich um das Remake von „Blob – Schrecken ohne Namen“ aus dem Jahr 1958. Original wie Neuverfilmung spielen beide in ihrer Entstehungszeit, und mit der schönen Szene der Massenflucht aus einer Kinovorstellung erweist das Remake dem Vorgänger seine Reverenz. Ansonsten nimmt es sich aber seine Freiheiten, etwa bei der Herkunft des Blobs.

… und hungrig

„Blob – Schrecken ohne Namen“ markierte den Auftakt einer Weltkarriere: Steve McQueen („Die glorreichen Sieben“) spielte darin seine erste Hauptrolle. Im selben Jahr erblickte auf der anderen Seite des Pazifiks in Japan „Das Grauen schleicht durch Tokio“ das Licht der Kinowelt. Die Produktion der Toho-Studios – Heimat von „Godzilla“ – zeigte ebenfalls eine glibberige Masse, wenn auch von grüner Farbe und nicht rot wie im US-Pendant. Ob es sich um eine zufällige Ideendopplung über große Entfernung handelt oder ein Studio beim anderen abgekupfert hat, lässt sich meines Wissens heute nicht mehr feststellen.

Ein Rendezvous verläuft anders als geplant

Remake-Regisseur Chuck Russell hatte ein Jahr zuvor mit „Nightmare 3 – Freddy lebt“ auf dem Regiestuhl debütiert. Sechs Jahre nach „Der Blob“ folgte 1994 das Jim-Carrey-Vehikel „Die Maske“, weitere zwei Jahre später „Eraser“ mit Arnold Schwarzenegger. Für „Der Blob“ schrieb Russell auch das Skript, eine Koproduktion mit keinem Geringeren als Frank Darabont, Regisseur so großartiger Werke wie „Die Verurteilten“, „The Green Mile“ und „Der Nebel“. In einer Szene in der Kanalisation ist im Übrigen Bill Moseley als Soldat im Schutzanzug zu sehen, für den sein Part eine frühe Rolle darstellte. Er wurde zum gefragten Nebendarsteller in Horrorfilmen, später von Rob Zombie wiederentdeckt und nicht zuletzt dank seines Parts als Otis Driftwood in „Haus der 1000 Leichen“ (2003), „TDR – The Devil’s Rejects“ (2005) und „3 from Hell“ (2019) geradezu zur Horror-Ikone hochstilisiert.

Shawnee Smith wiederum hielt dem Horrorgenre ebenfalls die Treue, spielte etwa in „Stephen King’s The Stand – Das letzte Gefecht“ (1994) und „Wes Craven’s Carnival of Souls“ (1998). Ab 2004 trat sie in vier Filmen der „Saw“-Reihe auf.

Unschön

War es das mit dem Blob? Vermutlich schon, da ein weiteres Remake offenbar nicht über den Planungsstatus hinausgekommen ist. 2009 war Rob Zombie („3 from Hell“) dafür als Regisseur im Gespräch, Anfang 2015 wurde angeblich Simon West („Con Air“) verpflichtet. Seit 2017 gibt es allerdings keine neuen Statusmeldungen dazu. Wozu braucht es überhaupt ein erneutes Remake, am Ende mit modernen Splatter-Effekten aus dem Computer verunstaltet, wenn wir das Ganze doch schon handgemacht mit „Der Blob“ genießen können? So müssen Remakes sein.

Können Brian und Meg den Blob aufhalten?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kevin Dillon und Bill Moseley haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 24. Juni 2016 als Blu-ray im Mediabook und Blu-ray, 6. November 2001 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch (DVD weitere)
Untertitel: Deutsch, Englisch, DVD auch Französisch, Spanisch, Italienisch
Originaltitel: The Blob
USA 1988
Regie: Chuck Russell
Drehbuch: Chuck Russell, Frank Darabont
Besetzung: Shawnee Smith, Kevin Dillon, Donovan Leitch Jr., Jeffrey DeMunn, Candy Clark, Joe Seneca, Del Close, Paul McCrane, Sharon Spelman, Beau Bliingslea, Art LaFleur, Bill Moseley
Zusatzmaterial: Originaltrailer, 4-seitiges Booklet (nur DVD), nur Mediabook: Werberatschlag, 24-seitiges Booklet, Kino-Aushangfotos
Label 2016: Meteor Film GmbH
Vertrieb 2016: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2001: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Doppel-Packshot: © 2016 Meteor Film GmbH,
DVD-Packshot: © 2001 Sony Pictures Entertainment

 

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Horror für Halloween (XIX): Freitag der 13. (2009) – Die Hockeymaske metzelt wieder

Friday the 13th

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine junge Frau wird am 13. Juni 1980 spätabends durch das Camp Crystal Lake gejagt. Am Ufer eines Sees stellt die Jägerin ihr Opfer. Pamela Voorhees (Nana Visitor) hat offenbar bereits etliche andere Aufseherinnen und Aufseher des Sommercamps ermordet – doch ihr letztes Opfer ist keineswegs wehrlos. Und der kleine Jason Voorhees (Caleb Guss) schaut zu.

Opfer

Im Hier und Heute (der 2009er-Entstehungszeit des Films) trifft eine Clique von drei Männern und zwei Frauen am Crystal Lake ein. Das junge Quintett hat gehört, dort befinde sich eine Marihuana-Plantage, und spekuliert auf eine schnelle Ernte und ebenso schnellen Reichtum. Tatsächlich finden sich die Rauschgift-Pflanzen, allerdings auch ein gewisser Jason Voorhees (Derek Mears) …

Die Suche nach der verschwundenen Schwester

Satte 24 Minuten vergehen, bis diese beiden schon blutigen Prologe in die Haupthandlung münden: Sechs Wochen später erscheinen weitere junge Leute auf der Szenerie: Clay (Jared Padalecki) sucht nach seiner Schwester Whitney (Amanda Righetti) – sie gehörte zu der vorherigen Gruppe und ist seitdem verschwunden … Gleichzeitig treffen Trent (Travis Van Winkle) und seine Freundin Jenna (Danielle Panabaker) mit fünf anderen in der Gegend ein, um in Trents Sommerhütte Party zu machen. Der großspurige Snob gebärdet sich bei Aufeinandertreffen mit Clay als arrogantes Alphatier. Derweil findet Jason Voorhees nicht nur ein weiteres Opfer, sondern auch eine Hockeymaske. Bald kennt er kein Halten mehr.

Jason schlägt zu

Wenn man zwei räudige Horrorklassiker der 70er und 80er als moderne Hochglanz-Schocker neu interpretieren darf, ist das erst mal eine Hausnummer, auf die man stolz sein kann. Die Kehrseite der Medaille: Als Regisseur kriegt man womöglich einen Stempel, den man nicht mehr los wird. Ob es daran lag, dass der deutsche Musikvideo-Regisseur Marcus Nispel dazwischen und seitdem nur noch wenige Spielfilme inszeniert hat? Auch beim Abenteuer „Pathfinder – Fährte des Kriegers“ (2007) und dem Fantasy-Sandalenfilm „Conan“ (2011) handelt es sich um Neuverfilmungen. Ich bekenne allerdings, dass mir „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ (2003) recht gut gefallen hat. Regisseur Nispel hatte zweifellos keinen Einfluss darauf, dass sich Produzent Bay beim Remake von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chainsaw Massacre“, 1974) im Titel verewigte. Bay gehörte 2009 auch zu den Produzenten von „Freitag der 13.“, ebenso wie Sean S. Cunningham, Regisseur und Produzent des originalen „Freitag, der 13.“ („Friday the 13th“, 1980), der auch „Jason Goes to Hell – Die Endabrechnung“ („Jason Goes to Hell – The Final Friday“, 1993), „Jason X“ (2001) und „Freddy vs. Jason“ (2003) produzierte.

Langlebige Slasher-Reihe

Ein Wald-Setting als Kulisse eines derben Slasher-Films gibt einiges her, und die Überreste des Sommercamps am See ergänzen das ausgesprochen gut – das gilt für den 1980er-Erstling der Jason-Voorhees-Saga, das gilt auch für Nispels 2009er-Aufguss. Ob man seine Regiearbeit als Remake, Reboot oder Spin-off bezeichnet – so oder so stellt sie den 12. Teil des „Freitag, der 13.“-Franchises dar, das Crossover „Freddy vs. Jason“ (2003) mitgerechnet. Und mit ihren typischen Versatzstücken passt sie auch gut hinein. Junge Leute, die Bock auf Sex, Alkohol und andere Drogen haben, eignen sich eben vorzüglich als Opfer eines mordlüsternen Monsters auf zwei Beinen. Originell geht anders, immerhin inszeniert Nispel die 08/15-Jagd durchaus fesselnd, wozu der stimmige, gar nicht mal übertrieben eingesetzte Score beiträgt, der sich am Soundtrack der ersten vier Filme orientiert.

Auch der Killer Cut mit R-Rating und FSK-18-Freigabe

Der Verlauf der Handlung folgt dem üblichen Muster: Junge Menschen müssen nacheinander dran glauben, und das auf so blutige wie schmerzhafte Weise. In Verbindung mit einigen offenherzigen Nacktszenen der einen oder anderen mit üppiger Oberweite gesegneten Darstellerin versagte die FSK dem Film die Jugendfreigabe und vergab das verdiente FSK-18-Logo – und zwar sowohl für die in den USA mit einem R-Rating im Kino gezeigte Fassung als auch für den sogenannten Killer Cut, der dort ebenso ein R-Rating erhalten hatte. Die etwa zehn zusätzlichen Minuten zeigen hier und dort ein wenig mehr Handlung, dazu auch mehr Gewalt und Nacktheit. Wer sich für die genauen Unterschiede zwischen beiden Versionen interessiert, kann sich darüber im Schnittbericht informieren. Bemerkenswert: Der Film ignoriert vollständig die Torture-Porn-Welle, die ja bereits einige Jahre zuvor mit „Saw“ (2004) und „Hostel“ (2005) ihren Anfang genommen hatte. Jason will nicht foltern, sondern schlicht morden, das tut er kaltschnäuzig und effizient.

Das Finale des Films gab selbstverständlich eine Fortsetzung her, die angesichts des Erfolgs von „Freitag der 13.“ auch geplant war, bald darauf aber verworfen wurde. Anscheinend versprachen sich die Produzenten von einem Sequel keine ausreichenden Einnahmen. Aufgrund der schablonenhaften Handlung und Figuren sowie der mangelnden Eigenständigkeit entwickelte sich Nispels Regiearbeit erwartungsgemäß nicht gerade zum Kritikerliebling. Bei den gemeinhin weniger anspruchsvollen Fans des Slasher-Films und ihrer Vorliebe für Bewährtes sah das schon etwas anders aus. Hierzulande gab das diverse Mediabook-Auflagen und nun sogar eine teure Blu-ray in VHS-Box her (ein Aufmachungs-Trend, der sich mir überhaupt nicht erschließt). Eine grimmige, aber generische Metzelei. Ob Jason Voorhees je aufs Neue auf der Kinoleinwand sein Unwesen treiben wird?

Alle „Freitag, der 13.“-Filme haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 5. Oktober 2020 als Blu-ray in VHS-Box, 12. Dezember 2018 als 2-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays, Killer Cut & Kinofassung, 3 Covermotive à 500 Exemplare), 3. Juli 2017 als 3-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs, Killer Cut auf Blu-ray, Killer Cut & Kinofassung auf DVD, limitiert auf 2.000 Exemplare), 30. Juli 2009 als Blu-ray & DVD (Kinofassung)

Länge: 105 Min. (Blu-ray, Killer Cut), 97 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 101 Min. (DVD, Killer Cut), 93 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Friday the 13th
USA 2009
Regie: Marcus Nispel
Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift
Besetzung: Jared Padalecki, Amanda Righetti, Derek Mears, Danielle Panabaker, Travis Van Winkle, Aaron Yoo, Derek Mears, Jonathan Sadowski, Julianna Guill, Ben Feldman, Arlen Escarpeta, Ryan Hansen, Willa Ford, Nick Mennell, America Olivo, Kyle Davis, Richard Burgi, Nana Visitor, Caleb Guss
Zusatzmaterial: Die Wiedergeburt von Jason Voorhees (11 Min.), Hinten Hacken / Vorne Schlitzen (12 Min.), alternative Szenenwahl (8 Min.), nur Mediabooks: The 7 best Kills (23. Min.), zusätzliche Szenen (8 Min.), Picture in Picture Trivia Track
Originaltrailer, 28-seitiges Booklet mit Texten von Christoph N. Kellerbach und Daniel Gores
Label/Vertrieb Mediabooks & VHS-Box: ’84 Entertainment
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot BR: © 2009 Universal Pictures Germany GmbH,
Packshots Mediabooks: © 2017/2018 ’84 Entertainment

 

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