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Horror nach Halloween – Das vorletzte Gewinnspiel: 1 x Suspiria (2018) als Limited Collector’s Edition Mediabook

Verlosung

„Suspiria“ (2018) von Luca Guadagnino („Call Me by Your Name“) greift Motive von Dario Argentos 1977er-Original auf, geht aber in puncto Storytelling und Visualisierung einen ganz eigenen Weg, greift auch politische Themen des Deutschlands der 1970er-Jahre auf. capelight pictures und Koch Films haben für die Heimkino-Veröffentlichung des sehr eigentümlichen Werks aus dem Vollen geschöpft und unter anderem eine Ultimate Edition mit zehn Discs im Großformat und zwei verschiedene Mediabook-Formate veröffentlicht. Ein Mediabook mit zwei Blu-rays und einer DVD hat uns Koch Films zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des kommenden Gewinners!

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 2,70 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel sind bis Sonntag, 10. November 2019, 22 Uhr, folgende Fragen zu beantworten, was euch nach Lektüre von Lucas Grönings Rezension des Films keine Probleme bereiten sollte:

01. In welcher deutschen Großstadt ist die Handlung angesiedelt?

02. Wie lautet der Titel der Aufführung, welche an der Tanzakademie einstudiert wird?

03. Welche männliche Zweitrolle verkörpert Tilda Swinton, die auch die Leiterin der Akademie spielt?

04. Wer schuf die Filmmusik von „Suspiria“?

05. Von wem stammt der analytische Text im Booklet des Mediabooks?

Einen Fehlschuss gebe ich euch – jeder hat ja mal einen Blackout, daran soll die Teilnahme nicht scheitern, also landet Ihr mit vier korrekten Antworten im Lostopf. Minimal fehlerhafte Schreibweisen und Tippfehler toleriere ich, wenn klar ist, wer oder was gemeint ist. Alle Kommentare werden erst nach Ende der Abgabefrist veröffentlicht. Während der Laufzeit des Gewinnspiels werde ich nach und nach die Namen aller bislang eingegangenen Kommentatorinnen und Kommentatoren hier unten auflisten.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Die Gewinnerin oder den Gewinner werde ich im Lauf von etwa zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie oder ihn auch per E-Mail benachrichtigen. Wer sich spätestens drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht zurückmeldet, verliert den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Achtung, Sonderregel: Im Rahmen der diesjährigen „Horror für Halloween“-Strecke wird es fünf Gewinnspiele geben – vier davon, bei denen je ein Mediabook zu gewinnen ist, gefolgt vom Hauptgewinnspiel mit zahlreichen Preisen, darunter wiederum einige Mediabooks. Um eine einigermaßen gerechte Verteilung zu gewährleisten, lege ich fest: Wer eines der vier Mediabooks aus den Einzel-Gewinnspielen gewinnt, verwirkt sein Recht auf eines der drei übrigen einzeln ausgelobten Mediabooks sowie darauf, sich beim Hauptgewinnspiel als eine/r der ersten acht einen Preis aussuchen zu dürfen.

Bislang teilgenommen haben (mit fünf korrekten Antworten, sofern nicht anders vermerkt):

01. Jens Albers
02. transfairleistung
03. Thomas Hortian
04. Andreas H.
05. Lilly
06. Klaus Marquardt
07. Lamafaun
08. Dirk B
09. Steffen
10. Klaus
11. Florian Gröning
12. Sebastian Graf
13. Heiko Esser
14. Knut
15. Thomas Oeller
16. Roman Köckeritz
17. Christoph
18. Birgit
19. Adrian Lübke
20. Samara
21. Frank Hillemann

Das Mediabook geht an Lilly. Herzlichen Glückwunsch! Du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Suspiria“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Horror für Halloween (I): The Hitcher (2007) – Sean Bean in Rutger Hauers Fußstapfen

The Hitcher

Auch 2019 steht der Oktober – auch als Horroctober oder Horrorctober bekannt – wieder ganz im Zeichen des Horrorgenres. Als sei es bei „Die Nacht der lebenden Texte“ unterrepräsentiert, hüstel. Bis Halloween werden einige meiner Autoren und ich euch mit Rezensionen ausgesuchter Filme heimsuchen. Und weil es recht viele geworden sind, starte ich bereits im September zum heutigen Herbstbeginn. Wir hoffen, für jede Leserin und jeden Leser mit Horror-Affinität ein paar Neu- oder Wiederentdeckungen beizusteuern. In dem Zuge habe ich mich der Aufgabe verschrieben, ein paar Regisseurs-Werkschauen fortzusetzen. Eine Gurke ist diesmal auch dabei – die 2001er-Arbeit eines von mir und vielen Horrorfans sehr geschätzten Regisseurs, der ich nach meinem damaligen Kinobesuch heuer eine zweite Chance geben wollte, was leider missglückt ist. Freut euch auf große und kleine Klassiker und Geheimtipps! Vielleicht ist ja die eine oder andere Perle dabei, die ihr nicht im Blick hattet. Ein paar Gewinnspiele werde ich ebenfalls einstreuen, eines davon wird etwas üppiger ausfallen und „Horror für Halloween“ 2019 im ersten Novemberdrittel beenden.

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Lange habe ich mich gegen die Sichtung von „The Hitcher“ (2007) gewehrt. Das Remake eines Klassikers durch einen Regisseur von Musikvideos – was soll das? Zumal ich „Hitcher – Der Highway Killer“ 1986 im Kino gesehen habe und seitdem ebenso in Ehren halte wie dessen Darsteller der Titelfigur: Rutger Hauer ist einfach klasse! Aber ich mag auch Sean Bean, und angesichts der User-Wertung von 5,6 in der IMDb (Stand September 2019) lässt sich festhalten, dass die Neuverfilmung nicht von allen Filmfans abgelehnt und abgewertet wird. Geben wir dem Remake also eine Chance, als Einstieg der diesjährigen „Horror für Halloween“-Strecke eignet es sich allemal. Der Fairness halber sichte ich das Original erst im Anschluss mal wieder, eine Rezension davon folgt im Lauf der kommenden Wochen.

Das geht gerade noch mal gut

Eine Einblendung zu Beginn verrät uns, dass nach Zahlen des US-Verkehrsministeriums etwa 42.000 Menschen pro Jahr auf Highways getötet werden. Das soll wohl auf das tödliche Szenario einstimmen, was da folgen wird, aber es handelt sich ja in erster Linie um Verkehrstote und keine Mordopfer. Der nächste Highway-Tote folgt aber auf dem Fuße, auch wenn es sich nur um einen Hasen handelt – leider einen mies animierten CGI-Hasen.

Auf nach Arizona!

Die beiden Studierenden Jim Halsey (Zachary Knighton) and Grace Andrews (Sophia Bush) brechen während des Spring Break mit dem Auto von Texas nach Arizona auf. Grace will ihren Freund ihren dort lebenden Freundinnen vorstellen. Der Trip durch New Mexico lässt sich ruhig an, doch spätabends im Regen überfährt Jim beinahe einen Mann (Sean Bean), der neben einem Auto auf der Fahrbahn steht.

Bald darauf legen die beiden einen Tankstopp ein, und während Grace auf der Toilette ist, trifft auch der Mann ein – ein Truck hatte ihn mitgenommen. Der Fremde stellt sich als John Ryder vor, und Jim willigt ein, ihn zum nächsten Motel zu fahren. Ein Fehler, denn bald schon will John Ryder ihn zwingen, vier Wörter auszusprechen: Ich möchte tot sein.

Diesmal gerät ein Pärchen in John Ryders Fänge

Das Zitat kennen wir auch aus dem Original, aber immerhin wandelt das Remake die Prämisse insofern ab, als John Ryder nicht nur zu einem einsamen Fahrer einsteigt, sondern zu einem Pärchen. In der Folge entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Jim und Grace bald auch von der Polizei gejagt werden. Mal ist das eigenständig genug geraten, um Spannung zu erzeugen, mal so nah am Original, dass die einzig interessante Frage die ist, ob die Szene so endet, wie wir sie kennen.

John Ryder (l.) spielt ein tödliches Spiel

Sean Bean ist ein zu guter Schauspieler, als dass er der Titelfigur nicht seinen eigenen Stempel aufdrücken würde. Das tut er auf überzeugende Weise – John Ryder ist wirklich Furcht einflößend. Aber Bean muss damit leben, dass er sich eine Rolle ausgesucht hat, die mit Rutger Hauer bereits formidabel besetzt war. Und das Original hatte nun mal mehr als 30 Jahre Zeit, Hauers Hitcher als Ikone im kollektiven Gedächtnis der Horrorgemeinde zu etablieren, da kann Beans Neuinterpretation nicht gegen anstinken.

Cops als Schießbudenfiguren

Ein paar Mal erscheinen mir im Kontext von Polizeiarbeit einige Szenen nicht ganz schlüssig, was ich minimal spoilern muss, um es zu erläutern: Während einer wilden Highway-Hatz, bei der Polizeiautos und ein Polizei-Helikopter ein Auto verfolgen, gelingt es John Ryder, von hinten heranrasend alle Polizisten inklusive Hubschrauber mit einer Handfeuerwaffe auszuschalten. Etwas später ist er dennoch gefangen, und obwohl er sich als immens gefährlicher Psychopath entpuppt hat, wird er während eines Transports doch nur mit zu lose sitzenden Handschellen gefesselt und von nur einem Cop bewacht. All das dient natürlich dazu, weitere brenzlige Szenen heraufzubeschwören, aber das hätte man besser hinbekommen können.

Kein Kritikerliebling

Ein Blick auf Metacritic und Rotten Tomatoes offenbart, dass das Remake beim Publikum deutlich besser ankommt als bei den Kritikern. Womöglich sind viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer nicht mit dem Original vertraut oder können Modernisierungen generell mehr abgewinnen. Beim Kauf des Films ist Vorsicht geboten – es kursiert auch eine FSK-16-Fassung, die um 18,5 Sekunden zensiert wurde. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Kinofassung, denn schon auf der großen Leinwand war „The Hitcher“ entschärft. Die Schnitte betreffen einzig ein paar Gewaltspitzen und verfälschen die Handlung nicht, aber einen gewalthaltigen Film will ich natürlich ungekürzt schauen, auch wenn es sich nur um weniger als 20 Sekunden handelt.

Dave Meyers hat Videos für P!nk, Missy Elliott, Jennifer Lopez, Janet Jackson und andere Topstars gedreht. Es ist schon in Ordnung, seine Neuauflage spannend zu finden und mit Genuss zu schauen. Ich halte sie aber für entbehrlich. Als Produzent war Michael Bay an Bord, der vier Jahre zuvor mit „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ immerhin eine anständige Modernisierung eines Klassikers hinbekommen hatte, den ich mir gern mal wieder anschauen werde. Bei „The Hitcher“ reicht mir die einmalige Sichtung. Und sie hat Lust gemacht, endlich das Original mal wieder zu schauen, was ich ja ohnehin auf der Agenda habe.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Bean sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Wurde der Spieß umgedreht?

Veröffentlichung: 8. Oktober 2010 als Blu-ray 23. Juli 2007 als Doppel-DVD im Steelbook und DVD

Länge: 84 Min. (Blu-ray), 80 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18 (zensierte Fassung: FSK 16)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Hitcher
USA 2007
Regie: Dave Meyers
Drehbuch: Eric Red, Jake Wade Wall, Eric Bernt
Besetzung: Sean Bean, Sophia Bush, Zachary Knighton, Neal McDonough, Kyle Davis, Skip O’Brien, Travis Schuldt, Danny Bolero, Jeffrey Hutchinson, Yara Martinez, Lauren Cohn
Zusatzmaterial: Making-of (10:53), Featurette „A Good Day to Die“ (13:09), Featurette „Road Kill – Crashing Cars“ (10:01), entfernte Szenen, „Breaking News“ (4:36), deutscher und US-Trailer, Trailer „Hitcher – The Highway Killer“, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © Universum Film

 

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Die Bounty (1984) – Meuterei auf hoher See

The Bounty

Von Lucas Gröning

Abenteuer // Im Jahre 1787 stach der britische Dreimaster „HMS Bounty“ unter der Führung von Lieutenant William Bligh in See und machte sich auf eine Reise durch die Südsee. Das Schiff und seine Crew sollten Stecklinge des Brotfruchtbaumes von Tahiti zu den Antillen bringen, deren Früchte als Nahrungsmittel für die von der britischen Regierung gehaltenen Sklaven vorgesehen waren. Während des langen Trips lief einiges aus dem Ruder, sodass es 1789 auf der Rückfahrt des Schiffes zur Meuterei unter der Führung des Oberbootsmanns Fletcher Christian kam, in deren Folge William Bligh gemeinsam mit 18 weiteren Crewmitgliedern von den Meuterern ausgesetzt wurde. Mit diesen gelang dem Lieutenant eine außergewöhnliche Leistung: Er und seine Leute legten 3.600 Seemeilen von Tonga bis Timor zurück und schafften es so, in ihre britische Heimat zurückzukehren. Teile der Meuterer wiederum besiedelten die entlegene Südseeinsel Pitcairn und versteckten sich so vor der britischen Regierung.

Drei große Kinoversionen der Meuterei

Die Geschichte von William Bligh, der „Bounty“ und der Meuterei diente als Vorlage für zahlreiche künstlerische Darstellungen. Die älteste davon ist wohl die Kurzgeschichte „Les Révoltés de la Bounty“ aus dem Jahre 1879 von Jules Verne. Später wurde diese Geschichte von den Autoren Charles Nordhoff und James Norman Hall zu einer Buchtrilogie ausgebaut. Diese Reihe stammt aus den 1930er-Jahren und umfasst die Titel „Meuterei auf der Bounty“ (1932), „Männer gegen das Meer“ (1933) und „Pitcairns Insel“ (1934). Die Buchtrilogie wiederum lieferte die Vorlage für die wohl bekanntesten Filmumsetzungen zu diesem historischen Ereignis: 1935, ein Jahr nach Veröffentlichung des letzten Romans, inszenierte Regisseur Frank Lloyd, welcher 1942 als Produzent mit Alfred Hitchcock an „Saboteure“ zusammenarbeitete, die Umsetzung „Meuterei auf der Bounty“ mit den Oscar-Preisträgern Charles Laughton („Das Privatleben Heinrichs VIII.“, „Spartacus“) und Clark Gable („Es geschah in einer Nacht“, „Vom Winde verweht“). 1962 folgte unter Lewis Milestone („Frankie und seine Spießgesellen“) eine gleichnamige Zweitverfilmung mit Hollywood-Legende und Academy-Award-Gewinner Marlon Brando („Der Pate“, „Apocalypse Now“) und Trevor Howard („In 80 Tagen um die Welt“, „Gandhi“). Die dritte große Kinoumsetzung des Stoffs schließlich stammt aus dem Jahr 1984, trägt den Titel „Die Bounty“ und basiert auf dem Buch „The Bounty“ von Richard Hough aus demselben Jahr. In dieser Verfilmung von Regisseur Roger Donaldson („No Way Out“, „Cocktail“) werden die beiden Hauptfiguren von den Oscar-Preisträgern Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“, „Was vom Tage übrig blieb“) und Mel Gibson („Braveheart“, Lethal Weapon“) verkörpert. Diese bislang letzte große Verfilmung des Stoffs soll Gegenstand des vorliegenden Textes sein.

Der zahme Kapitän

Bleiben wir zunächst bei der logischerweise größten Gemeinsamkeit aller drei Verfilmungen: dem Plot. Bei der Inszenierung eines historischen Ereignisses sind die Freiheiten einer Filmcrew in der Regel recht begrenzt. Dementsprechend ähnlich sind sich die Drehbücher, dementsprechend gering fallen die Unterschiede in der Geschichte aus. Alle drei Filme eint somit die grundlegende Ausgangssituation: Lieutenant William Bligh (Hopkins) wird damit beauftragt, die angesprochenen Stecklinge zu transportieren. Sein erster Offizier Fletcher Christian (Gibson) unterstützt ihn dabei. In Folge der tyrannischen Herrschaft an der Bord der „Bounty“, welche sich vor allem durch übertriebene Strafen für kleinste Vergehen oder Undiszipliniertheiten auszeichnet, kommt es auf der Rückfahrt zur Meuterei, in deren Folge Bligh mit mehreren Männern ausgesetzt wird und die Reise über 3.600 Meilen nach Timor zurücklegt. Diese Story ist in allen drei Verfilmungen gleich. Doch es gibt einige entscheidende Aspekte, die die 1984er-Version anders macht.

Bligh und Christian segeln zunächst Seite an Seite

So wird die Haupthandlung in Donaldsons Film von einer Rahmengeschichte begleitet. In dieser steht Lieutenant Bligh bereits nach seiner Heimkehr vor Gericht und muss sich dafür verantworten, warum sein Schiff einer Meuterei zum Opfer fiel. Er muss sich also rechtfertigen, seine Führungsqualitäten werden von den zuständigen Richtern infrage gestellt. Diese Verhandlung dient dazu, die Schuldfrage zu beantworten und uns Zuschauern die Frage zu stellen, wem wir selbst die Schuld an der Eskalation geben. Ist diese Frage in den vorherigen beiden Filmen eindeutig zu beantworten, können wir uns bei Donaldsons Adaption nicht sicher sein, was einem anderen wichtigen Herausstellungsmerkmal im 1984er-Film geschuldet ist: Im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen erscheint William Bligh nämlich zu Beginn, bis zur Landung auf Taiti, als besonnener Mensch, über den wir auch recht viele Hintergrundinformationen erfahren. So wissen wir nach der Einführung, dass er sehr ehrgeizig ist und in der königlichen Marine eine steile Karriere anstrebt und außerdem, dass er eine Frau hat, die in der Heimat auf ihn wartet. Er und Christian werden hier zunächst als alte Freunde dargestellt. Zwischen ihnen besteht eine Beziehung, die derart innig ist, dass Bligh Christian unbedingt als seinen Ersten Offizier auf der Reise dabei haben will. Und auch auf der Reise selbst deutet sich zunächst nicht an, dass Bligh zu eben jenem Tyrann werden könnte, der er in den vorangegangenen Filmen ist, womit auch kein Grund vorhanden wäre, dass die Crew gegen ihn meutern könnte. Zwar ist Bligh auch in dieser Verfilmung ein Kapitän, der Undiszipliniertheiten durchaus bestraft und Wert auf autoritäre Führung legt, doch ist er zunächst weit entfernt davon, ein wirklich unfairer und tyrannischer Herrscher über sein Schiff zu sein.

Zwei Positionen

Vielmehr ist es seine Mannschaft, durch die er sich im Verlaufe der Geschichte zu eben jenem entwickelt. Das Gebilde seiner Crew wirkt von Beginn an instabil und weist antiautoritäre Tendenzen auf. So machen sich die Mitglieder beispielsweise hinter dem Rücken ihrer Vorgesetzten immer wieder über diese lustig. Dieses Antiautoritäre ist dabei zunächst nicht besonders schädlich, jedoch gibt es auch unter den ranghöheren Mitgliedern der Gruppe Individuen, denen dies auffällt und die versuchen, ihre Macht mit entsprechender Strenge zu erhalten. Repräsentiert wird diese Strenge vor allem durch den Steuermann John Fryer (Daniel Day-Lewis), der gegen Undiszipliniertheiten besonders rigoros vorgeht und dafür von Bligh zu Beginn auch nicht besonders geschätzt wird. Ihm gegenübergestellt wird Charles Churchill (Liam Neeson), welcher Teil der Crew ist und sich als besonders aufmüpfig herausstellt. In diesen beiden haben wir die zwei Extrempositionen vertreten, deren Aufeinanderprallen schlussendlich dazu führt, dass es auf der Bounty zur Eskalation kommt. Bligh und Christian hingegen repräsentieren eine vermittelnde Position zwischen den beiden Extremen, wodurch die Crew zunächst noch zusammengehalten wird.

Die Landung auf Tahiti ändert alles

Dies ändert sich mit der Ankunft in Tahiti, wo die Mannschaft für mehrere Monate bleiben muss. Das freie und unbeschwerte Leben auf der Insel wird hier als krasser Gegenentwurf zu dem autoritären Regiment gezeigt, aus dem die Briten kommen. Alles ist so frei und unbeschwert. So verlieben sich diverse Crewmitglieder mit der Zeit in tahitische Frauen, was dazu führt, dass sie die Insel nicht mehr verlassen wollen. Hier findet eine Verstärkung des antiautoritären Gedankenguts der niederen Ränge statt, was im Konflikt mit der Tatsache steht, dass sie sich nach wie vor im Dienst der britischen Marine befinden. Auch Fletcher Christian wird mit der Zeit von dem Leben auf der Insel angesteckt, er verliebt sich in eine der dort lebenden Frauen, welche von ihm sogar schwanger wird. Somit ist es tatsächlich die Liebe, die ihn aus den strengen Strukturen der Briten löst und dafür sorgt, dass er sich mit den übrigen Crewmitgliedern solidarisiert.

Bligh hingegen wirkt im Umfeld der Tahitianer wie ein Fremdkörper. Während die meisten Besatzungsmitglieder sich längst den lockeren Strukturen angepasst haben, die auf der Insel herrschen, besteht Bligh nach wie vor darauf, dass dieselben Regeln gelten wie auf dem Schiff. Dies wird besonders durch seine Kleidung deutlich. So ist er einer der Wenigen, die ihre Uniform nach wie vor tragen, was in der Umgebung zahlreicher halbnackter und ungepflegter Menschen vollkommen lächerlich und überzogen wirkt. Zugleich ist es gerade diese Nacktheit und offen zur Schau getragene Sexualität, die dem Kapitän fremd vorkommt. Während er sich durch ein Erinnerungsbild seine in der Heimat zurückgelassene Frau ins Gedächtnis ruft, die in der fernen Heimat auf ihn wartet, lebt seine Crew ihre Sexualität ohne Hemmungen aus. So ist es unmöglich für Bligh, selbst auch nur annährernd sexuell befriedigt zu werden, während um ihn herum alle Menschen Freiheiten ausleben, die sie bisher auf ihrer Reise nicht hatten. Dieser Faktor ist es, der ihn schlussendlich zu jenem Tyrann macht, der von der Mannschaft, angeführt von Fletcher Christian, im Verlaufe der Meuterei abgesetzt wird.

Unspektakuläre Kameraarbeit

Die Geschichte bietet somit tatsächlich psychologisch interessante Aspekte, die die beiden vorangegangenen Filme ausgeklammert haben. Insbesondere diese Aspekte machen Donaldsons Regiearbeit zu einem sehr guten Film. Die fantastischen schauspielerischen Leistungen einer Riege großartiger Darsteller tun ihr Übriges dazu. „Die Bounty“ weist jedoch auch kleinere Schwächen auf. Zuerst genannt sei ein Aspekt, für den der Film selbst relativ wenig kann: Wenn man mit den Ereignissen rund um die historische Meuterei auf der „Bounty“ vertraut ist, fällt es relativ schwer, gespannt und aufmerksam am Ball zu bleiben. Donaldsons Werk tut sich dahingehend relativ schwer, Spannung aufzubauen, diese konstant über die volle Länge zu halten und sich weit genug vom historischen Ereignis abzusetzen. Auch aus handwerklicher Sicht bietet seine Regiearbeit Anlass zur Kritik: So sind die Bilder insgesamt doch eher unspektakulär und bleiben nicht besonders nachhaltig im Gedächtnis hängen. Kameramann Arthur Ibbetson („Agenten sterben einsam“) hat hier wenige wirklich kreative Einstellungen gefunden, sodass sich der Film zu keinem Zeitpunkt fundamental von anderen großen Werken abhebt, in denen es um Seefahrten geht. Auch das Piratengenre hätte hier als Inspirationsquelle dienen können, klare Verweise sucht man jedoch vergebens. So bleibt der Film durch die hervorragende Charakterzeichnung zwar sehr gut, bietet jedoch davon abgesehen, sowohl filmhistorisch als auch im Kontext zu den vorangegangenen Werken rund um die Meuterei auf der „Bounty“ wenig Erfrischendes.

Bald kommt es zur Eskalation

Ccapelight pictures hat das Werk kürzlich im Mediabook-Format veröffentlicht. Die gewohnt sorgfältig prpduzierte Edition enthält den Film als Blu-ray und DVD. Geschichtsinteressierte Rezipienten finden im Booklet eine genaue Beschreibung der realen historischen Ereignisse sowie eine Passage, in der auf die historische Genauigeit der Filmumsetzungen eingegangen wird. Die Neuveröffentlichung ergibt Sinn, da die 2007 von Twentieth Century Fox Home Entertainment veröffentlichte DVD des Films inzwischen vergriffen ist. Parallel zum Mediabook hat capelight „Die Bounty“ auch einzeln neu auf DVD herausgebracht. Löblich, da trotz des mittlerweile nicht mal mehr neuen Formats Blu-ray DVDs nach wie vor nachgefragt werden.

Die bei „Die Nacht der lebenden Texte vorgestellten filmischen Adaptionen der Meuterei:

Die Bounty (USA 1984)
Meuterei auf der Bounty (USA 1962)
Meuterei auf der Bounty (USA 1935)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Daniel Day-Lewis, Mel Gibson, Anthony Hopkins, Liam Neeson und Laurence Olivier sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

17. Mai 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 5. Februar 2007 als DVD

Länge: 141 Min. (Blu-ray), 135 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Bounty
USA 1984
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Robert Bolt
Besetzung: Mel Gibson, Anthony Hopkins, Laurence Olivier, Edward Fox, Daniel Day-Lewis, Bernard Hill, Phil Davis, Liam Neeson
Label 2019: capelight pictures
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2007: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos & Packshot DVD: © 2019 capelight pictures

 

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