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Forsaken – Western mit Vater und Sohn Sutherland

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Forsaken

Von Volker Schönenberger

Western // Die Grausamkeiten des Bürgerkriegs haben John Henry Clayton (Kiefer Sutherland) auf den Pfad des Revolverhelden geführt. Des Tötens müde kehrt er 1872 in sein Heimatdorf in Wyoming zurück, wo sein Vater ihn nicht gerade mit offenen Armen empfängt: Reverend William Clayton (Donald Sutherland) hat seine Frau – John Henrys Mutter – in Abwesenheit seines Sohns zu Grabe tragen müssen.

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John Henry und William Clayton sind einander fremd geworden

Die familiären Differenzen treten schnell in den Hintergrund: Der skrupellose James McCurdy (Brian Cox) hat es sich zum Ziel gesetzt, die Farmer von ihren Grundstücken zu vertreiben. Dafür hat er einige Helfershelfer angeheuert, darunter den besonnenen Revolvermann „Gentleman“ Dave Turner (Michael Wincott) und den rüden Frank Tillman (Aaron Poole). John Henry hat seine Pistolen abgelegt und will sich aus den Problemen des Ortes heraushalten. Doch während er nach und nach das Zerwürfnis mit seinem Vater behebt und Kontakt zu seiner mittlerweile verheirateten alten Liebe Mary-Alice Watson (Demi Moore) aufnimmt, schraubt sich die Gewaltspirale langsam hoch.

Sutherland und Sutherland – ein seltenes Bild

Vater und Sohn Sutherland in einem Film – das gab’s bislang lediglich dreimal, erstmals bei Kiefers Schauspieldebüt „Max Dugans Moneten“ (1983). Dort wie in der John-Grisham-Verfilmung „Die Jury“ (1996) hatten beide aber nur Nebenrollen, in „Die Jury“ zudem gar keine gemeinsamen Szenen. „Forsaken“ sieht Kiefer und Donald in tragenden Parts, ihre Beziehung trägt den Film über weite Strecken. Das tut dem Western nicht immer gut: Die Vater-Sohn-Dialoge hören sich seltsam heruntergespult an, was in Kombination mit Kiefer Sutherlands starr-leidender Mimik auf Dauer ermüdet. In der Actionserie „24“ sah man dem Guten irgendwann arg zu sehr das Leiden an, mit üblen Mitteln die Welt retten zu müssen. In „Forsaken“ ist es die Last zurückliegender Schuld des Revolverhelden und Kriegsveteranen, die ihm sehr eintönig aus dem Gesicht springt. Da hätte Regisseur Jon Cassar seinen Hauptdarsteller etwas stärker führen müssen. Die beiden kennen einander gut: Cassar hat etwa ein Drittel der Folgen von „24“ inszeniert.

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Vater und Sohn kaufen ein

Lässt man diese Kritikpunkte und den etwas vorhersehbaren Verlauf der Handlung hinter sich, offenbart sich aber ein schönes klassisches Wildweststück, das die Figur des einsamen Wolfs gut zur Geltung bringt. Die Konstellation der Schurken ist nicht der größte Streich an Originalität, überzeugt aber besonders dank „Gentleman“ Dave, der letztlich die interessanteste Figur des Films ist. Brian Cox („Blood“, „Troja“) sehen wir ohnehin immer gern, auch wenn sein Oberschurke McCurdy nicht gerade eine neue Figur ist.

Bleihaltiger Showdown

Klar, all das läuft auf einen erwartbaren Showdown hinaus, aber der Spannungsbogen passt, die Handlung findet einen guten Mittelweg zwischen vielen ruhigen, der Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen dienenden Momenten und ein paar dosierten Gewalteruptionen. Dem Western-erfahrenen Filmgucker wird vieles bekannt vorkommen, das verhindert die Einstufung in den Rang eines großen Spätwesterns. Fans des Genres können sich aber an einem soliden Beitrag erfreuen, der den Western am Leben erhält – das ist doch was.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Donald Sutherland sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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James McCurdy setzt die Siedler unter Druck

Veröffentlichung: 21. Juli 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Kastellanisch, Italienisch, Portugiesich
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Kastellanisch, Italienisch, Portugiesisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Forsaken
KAN/F/USA 2015
Regie: Jon Cassar
Drehbuch: Brad Mirman
Besetzung: Kiefer Sutherland, Donald Sutherland, Demi Moore, Brian Cox, Michael Wincott, Aaron Poole, Jonny Rees, Dylan Smith, Landon Liboiron, Brock Morgan, Wesley Morgan
Zusatzmaterial: Making-of
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

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Slow West – Das Greenhorn und der Kopfgeldjäger

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Slow West

Kinostart: 30. Juli 2015

Gastrezension von Simon Kyprianou

Western // Der junge schottische Aristokrat Jay (Kodi Smit-McPhee) macht sich auf in den Wilden Westen, um seine große Liebe Rose (Caren Pistorius) zu suchen, die aus Schottland fliehen musste. Bald sieht er ein: Um Rose lebendig zu erreichen, braucht er als Greenhorn dringend Hilfe. Die findet Jay in Revolverheld Silas (Michael Fassbender). Der geleitet ihn gegen Bezahlung zu Rose, die mit ihrem Vater tief im Westen lebt. Silas hat aber düstere Hintergedanken: Auf Rose und ihren Vater ist ein Kopfgeld von 2000 Dollar ausgesetzt – und Jay führt ihn direkt zu den beiden. Auch andere Kopfgeldjäger wittern die Beute, darunter Payne (Ben Mendelsohn), dessen Name Programm ist.

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Um die holde Rose zu finden …

Eine Reise, die „Moving Frontier“ wird vorangetrieben – John Maclean erzählt seine klassisch wie antike Statuen inszenierte Rahmenhandlung in mosaikhaft zusammengesetzten Einzelmomenten. Die einzelnen Beobachtungen reduziert der Regisseur radikal, erzählt sie so ökonomisch und kurz wie möglich. All diese Momente verdichten sich zu einer düsteren Wildwest-Tristesse. Das Abschlachten der Ureinwohner, die Armut der Einwanderer – das hat nichts Mythisches. Maclean zeigt es, setzt dem Mythos die Realität entgegen und bricht so mit ihm. Aufrichtig und sensibel erzählt er von den emotionalen Belangen seiner Figuren, von dem adoleszenten Traum von der Liebe.

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… heuert Jay (r.) Silas an

Auch formal ist „Slow West“ hinreißend, die Form begeistert vor allem im großartigen Schlussakt, ist aber – wie auch inhaltlich und narrativ – glücklicherweise nie auf der Suche nach der großen, ausladenden Geste, sondern bleibt immer reduziert. Die Hauptfiguren kontrastieren einander: der naive, mit den Sitten des Westens nicht vertraute Einwanderer und der abgeklärte Revolverheld – zwei klassische Westernfiguren, die am Ende zu einer Art Einheit verschmelzen, um eine neue Gesellschaft zu formen. Das Finale ist überhaupt von ungemeiner Konsequenz, kann die neue Familie und damit auch das „neue Amerika“ doch erst nach einem blutigen Showdown mit Verlusten auf beiden Seiten entstehen.

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Der stutzt das Greenhorn erst einmal zurecht

Vielerorts konnte man lesen, „Slow West“ erinnere an die Werke von Wes Anderson („Moonrise Kingdom“, „Grand Budapest Hotel“), was wohl der Schrulligkeit geschuldet ist, die „Slow West“ in einigen Szenen annimmt. Tatsächlich aber ist es ein ganz und gar unpassender Vergleich. Die spröde Schönheit und triste Ehrlichkeit von „Slow West“ haben mit dem fiebrig verspielten Anderson wenig zu tun.

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Der Weg nach Westen ist weit

Michael Fassbender bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

The Counselor (2013)
12 Years a Slave (2013)
Frank (2014)
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit (2014, Kino)
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit – Rogue Cut (2014, Heimkino)
Macbeth (2015)
Slow West (2015)
Steve Jobs (2015)
Assassin’s Creed (2016)
The Light Between Oceans (2016)
X-Men – Apocalypse (2016)

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Slow West
GB/NZ 2015
Regie: John Maclean
Drehbuch: John Maclean
Besetzung: Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius, Andrew Robertt
Verleih: Prokino Filmverleih GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Prokino Filmverleih GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/07/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

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