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Perfect Skin – Ihr Körper ist seine Leinwand: Faszinierende Tattoo-Kunst

Perfect Skin

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Erinnert sich noch jemand an die „Das Duell um die Welt“-Folge, in der Charlotte Roche einen Bungeesprung auf die extreme Art absolvierte? Die Moderatorin und Schriftstellerin („Feuchtgebiete“) stürzte sich nicht etwa mit einem stinknormalen Gummiseil in die Tiefe, sondern sie ließ sich vier Titanhaken in ihren Rücken piercen, an denen dann das Seil befestigt wurde. Respekt an Charlotte Roche für diese Aktion. Wie man sah und hörte, waren es für sie höllische Schmerzen, aber ihre Haut hielt ihr Körpergewicht.

Tätowierer Bob leidet an Parkinson

Einige werden sich zu Recht fragen, wie man sich so etwas freiwillig antun kann. Aber der Faszination, zu sehen, was die menschliche Haut alles aushalten kann, kann sich wohl kaum jemand entziehen. Auch, wenn es in „Perfect Skin – Ihr Körper ist seine Leinwand“ trotz einer FSK-18-Freigabe nicht ganz so extrem zugeht, wird das Publikum auch hier gespalten sein: Soll man hin- oder wegsehen, wenn die Tattoo-Nadeln und Piercing-Geräte fleißig bei der Arbeit sind? Allerdings: Die surrenden Geräusche der Gerätschaften sind auch so schon fies genug.

Perspektivlos in London

Die junge Polin Katia (Natalia Kostrzewa) lebt seit fünf Monaten in London und hat dort eine Zeitlang als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Doch lange hat sie es bei der Familie nicht ausgehalten. Nun taumelt sie perspektivlos, ohne feste Bleibe und ohne Job durch die Stadt. Nachdem ihre Freundin Magda (Kasia Koleczek) sie vor die Tür gesetzt hat, kommt sie in der Wohnung von Lucy (Jo Woodcock) unter. Durch sie lernt Katia den älteren Tätowierer Bob (Richard Brake) kennen, der schon bei Lucy häufig die Nadel angesetzt hat. Katia sträubt sich allerdings, ihre makellose Haut verschönern zu lassen. Als sie allein in einem Club feiern geht und sie sturzbetrunken zufällig auf Bob trifft, nimmt Katia sein Angebot an, sie nach Hause zu fahren. Ein Fehler: Als Katia erwacht, findet sie sich hinter Gittern wieder. Bob hat die junge Frau im Keller seines Tätowierstudios eingesperrt und will auf Katias Körper sein bislang größtes Kunstwerk erschaffen.

Bob beginnt bei Katia mit seiner Arbeit

In seinem Regiedebüt wirft der ehemalige Werbefilmer Kevin Chicken einen intensiven Blick auf die Tattoo- und Body-Modification-Szene. Wer sich dieser Subkultur auch nur ein wenig zugeneigt fühlt, sollte sich den Titel unbedingt merken. Dabei ist „Perfect Skin“ allerdings kein Vertreter aus dem Torture-Porn-Genre, wie etwa der thematisch ähnlich gelagerte „Killer Ink – Dein erstes Tattoo wirst du nie vergessen“ von 2015. Vielmehr handelt es sich um einen düsteren Horrorthriller, der mehr Wert darauf legt, die Schönheit der Tätowierkunst zu zeigen, statt auf exploitative Szenen zu setzen.

Der Nachtkönig greift zur Nadel

Mit seinen markanten Gesichtszügen bereichert Richard Brake jede Produktion. Der charismatische Brite war nicht nur in zwei „Game of Thrones“-Folgen als gefürchteter Nachtkönig zu sehen. Genrefans werden sich auch an seine Darbietungen in den Rob-Zombie-Werken „31“ und zuletzt „3 From Hell“ positiv erinnern. Als ruhiger, aber bestimmender Tätowierkünstler fühlt man trotz seiner Taten mit ihm durchaus mit. Auch, weil er seine Gefangene Katia mit viel Respekt, wie eine Muse behandelt. Aber ebenso kann Bob schnell in Rage geraten …

Katia wird immer mehr zum lebenden Kunstwerk

Wie wir erfahren, lebt er in Trennung und hat mit seiner Ex-Frau zwei Kinder, die er nur selten sieht. Weil er eine beginnende Parkinson-Erkrankung hat, beschließt er, jetzt sein Kunstwerk anzugehen. Leider gibt das recht schwache Drehbuch Bob und den anderen Figuren nicht viel psychologische Tiefe mit auf den Weg. Warum dieser freundliche Mann zu so einem drastischen Schritt greift, eine Geisel zu nehmen und sie gegen ihren Willen zu tätowieren, wird nicht ganz klar. Seine Krankheit als Grund heranzuziehen, erscheint mir doch etwas zu mager.

Ebenso ist die Figur Katia nicht gerade sympathisch gezeichnet, weshalb ich kein großes Mitleid für sie verspürte, als ihr Martyrium begann. Zu Beginn wird sie aus der Wohnung ihrer Freundin geschmissen, deren Freund ebenfalls anwesend ist. In polnischer Sprache bedankt sich Katia bei Magda für das Dach über den Kopf und fügt bewusst provozierend hinzu: „Er ist ein Loser und fickt miserabel.“ In einem Café lässt sie Geld mitgehen, welches ein Kunde als Bezahlung auf dem Tisch zurückgelassen hat, und als ihre neue Mitbewohnerin Lucy schnell weg muss, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, klaut Katia ihr kurzerhand 800 Pfund, die für die Miete gedacht waren. Und was macht Katia mit dem Geld? Sie versäuft es! Somit geschieht es der jungen Frau schon fast irgendwie recht, dass sie als Strafe in Bobs Kerker landet.

Voller Körpereinsatz

An ihrer Darstellerin Natalia Kostrzewa („The Cured“) liegt diese Missgunst an ihrer Figur allerdings nicht. Sie musste für die Rollen einiges über sich ergehen lassen und sicherlich auch ein paar persönliche Grenzen überschreiten. Die täglichen Make-up-Sitzungen für die Tattoos müssen Stunden gedauert haben. Zwar konnte ich es nicht final herausfinden, doch einige Fotos, die von ihr im Internet zu finden sind, lassen darauf schließen, dass Natalia Kostrzewa wirklich den extremen Schritt wagte und sich für den Film eine Glatze schneiden ließ.

Lucy sucht nach ihrer Mitbewohnerin

Die unterkühlt-dichte Atmosphäre und die guten Darstellerleistungen können allerdings nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass es Kevin Chicken kaum gelingt, in der Geschichte Spannung zu erzeugen. Katia ergibt sich recht schnell ihrem Schicksal – und ist, wie schon erwähnt, sowieso nicht sonderlich als Opferfigur geeignet. Von Lucy initiiert, steht auch mal die Polizei in Bobs Tätowierstudio, die nach der Vermissten sucht. Aber sonst fällt hier dem Regisseur recht wenig ein, um ein paar Überraschungen zu erzeugen. So ist „Perfekt Skin – Ihr Körper ist seine Leinwand“ bei Weitem nicht perfekt, dennoch lohnt sich bei dem Horrorthriller das Hinsehen: Denn Bob bei seiner Arbeit beizuwohnen, wie sein Kunstwerk nach und nach immer mehr Gestalt auf dem Körper der gepeinigten Katia annimmt, ist nicht nur für Tattoo-Freaks durchaus faszinierend.

Das schmerzt schon beim Hinsehen!

Veröffentlichung: 18. Oktober 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Perfect Skin
USA 2018
Regie: Kevin Chicken
Drehbuch: Kevin Chicken, Dusan Tolmac
Besetzung: Richard Brake, Natalia Kostrzewa, Jo Woodcock, Sartaj Garewal, Cameron Jack, Kasia Koleczek, Tom Ashley, Emma-Jane Hinds
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Trailershow, Wendecover, nur Mediabook: Poster, 24-seitiges Booklet
Label: Pierrot Le Fou
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshots: © 2019 Pierrot Le Fou

 

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Der Pazifikkrieg (IV): Die Hölle sind wir – Entstehung und Zerstörung von Gesellschaft

Hell in the Pacific

Von Lucas Gröning

Kriegs-Abenteuer // Egoismus ist wohl eine der hinderlichsten Eigenschaften, wenn es um die zivilisierte Koexistenz von uns Menschen geht. Sehen wir uns bereits im Kindergarten mit dem täglichen Streit rund um das attraktivste Spielzeug konfrontiert, weiten sich diese Konflikte mit dem Erwachsenwerden auf wesentlich größere und bedeutendere Aspekte aus. Sicher, Egoismus hat auch eine Menge positiv-konnotierter Eigenschaften. Wenn ich beispielsweise gewillt bin, meine eigenen Bedürfnisse dem Gemeinwohl unterzuordnen, woher will ich wissen, dass meine Mitmenschen diese Bereitschaft ebenfalls aufbringen? Ein gesunder Drang, die eigenen Interessen nach vorn zu stellen, gehört angesichts dieser Ungewissheit zum absolut natürlichen und moralisch gerechtfertigten Denken und Handeln eines jeden Menschen dazu, zumal der in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht geforderte Konkurrenzkampf, gerade in westlichen Gesellschaften, dies systematisch voraussetzt. Damit gesellschaftliches Zusammenleben funktionieren kann, braucht es jedoch ein kontrolliertes Unterordnen der eigenen Bedürfnisse, wozu es wiederum Regeln benötigt, auf die sich eine Gesellschaft einigen muss.

Ein amerikanischer Soldat trifft auf einer Insel …

Ein kompliziertes Thema, welches sich John Boorman mit „Die Hölle sind wir“ zu eigen gemacht und, das sei vorweggenommen, auf großartige Weise bearbeitet hat. Im Dezember 1968 in Japan und den USA gleichermaßen im Kino gestartet, bildet „Die Hölle sind wir“ Boormans dritte Kino-Regiearbeit nach der Musikkomödie „Fangt uns, wenn ihr könnt“ (1965) und dem knallharten Gangster-Thriller „Point Blank“ (1967). Später inszenierte er unter anderem das beinharte Survival-Abenteuer „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (1972), den postapokalyptischen Science-Fiction-Film „Zardoz“ (1974), das missratene Horror-Sequel „Exorzist II – der Ketzer“ (1977) und mit „Excalibur“ (1981) eine der besten Verfilmungen der Sage um König Artus und die Ritter der Tafelrunde.

Die Schauspielgrößen Lee Marvin und Toshirō Mifune

Als einzige Darsteller für „Die Hölle sind wir“ wurden die beiden Schauspiellegenden Lee Marvin und Toshirō Mifune verpflichtet. Als Marvins größter Erfolg zählt der Kriegs-Actionreißer „Das dreckige Dutzend“ (1967), im selben Jahr hatte er für „Point Blank“ erstmals mit Boorman zusammengearbeitet. 1962 war er in der Rolle des bösartigen Revolvermanns Liberty Valance in John Fords „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ an der Seite von James Stewart und John Wayne zu sehen. Ebenfalls ein Revolvermann, allerdings ein versoffener, war er 1965 in „Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming“. Für die Hauptrolle gab’s im selben Jahr den Silbernen Bären der Berlinale und 1966 Oscar und Golden Globe. Mifune wiederum erlangte vor allem Bekanntheit durch seine häufige Zusammenarbeit mit Regielegende Akira Kurosawa, unter anderem spielte er Hauptrollen in dessen Meisterwerken „Rashomon“ (1950) und „Die sieben Samurai“ (1954). Für „Die Hölle sind wir“ trafen diese beiden großartigen Schauspieler nun aufeinander und legten damit den Grundstein für einen fantastischen Film.

Kampf um die Hegemonie

Die Geschichte ist oberflächlich betrachtet relativ einfach und unkompliziert. Wir befinden uns am Ende des Zweiten Weltkrieges auf einer Pazifikinsel. Unabhängig voneinander stranden dort ein amerikanischer (Lee Marvin) und ein japanischer Soldat (Toshirō Mifune), deren einzige Gemeinsamkeit zunächst der verzweifelte Kampf ums Überleben scheint. Irgendwann begegnen die Protagonisten einander und es kommt zu Konflikten. Bei beiden herrscht nach einem langen und qualvollen Krieg der Hass auf das jeweils andere, ideologisch konstruierte Feinbild, welches unmittelbar auf das Gegenüber projiziert wird. Diese Projektion, in Verbindung mit dem unbedingten Willen, das eigene Leben zu erhalten, führt zu einem unerbittlichen Kampf um die knappen Ressourcen, die die Insel den beiden zur Verfügung stellt. Es führt zu einem rein egoistischen Kampf um das eigene Wohl. Wenn der eine beispielsweise eine Möglichkeit gefunden hat, sauberes Wasser zu generieren, will er diese Errungenschaft nicht mit dem anderen teilen. Hat der andere ein Tier zum Essen erbeutet, teilt er die Nahrung nicht mit seinem Gegenüber.

… auf einen japanischen Soldaten

Was wir hier augenscheinlich sehen, ist ein Konkurrenzkampf um die begrenzten Güter der Insel, der sich problemlos auch auf moderne Gesellschaften übertragen lässt. Auch wir stehen in gewisser Weise auf dem freien Markt ständig in Konkurrenz zu unseren Mitbewerbern. Auch wir streben nach unserem Vorteil in der Gesellschaft und stellen für unser eigenes Wohlsein andere Existenzen hinten an. Aufgrund der Begrenzung des Wohlstands versucht ein jeder, das Beste für sich selbst und vielleicht noch seine Angehörigen herauszuholen. Die „Verlierer“ dieses Kampfes fallen hinten herunter und haben es entprechend schwer, sich aus einer schwachen Position heraus eine wohlhabendere Stellung in der Gesellschaft zurückzuholen. Das Ergebnis ist somit Klassismus und der daraus folgende marxistische Begriff des Klassenkampfes. Einen ebensolchen Konflikt zeigt uns „Die Hölle sind wir“, und lange Zeit bleibt offen, wer diesen Kampf schlussendlich gewinnen wird. Der Film kam im Übrigen nicht mit dem von John Boorman vorgesehenen Ende in die Kinos, da die Produzenten das Finale veränderten – kurioserweise, indem sie eine Szene aus Blake Edwards’ „Der Partyschreck“ (1968) einfügten. Die vom Regisseur präferierte Schlussszene findet sich im Bonusmaterial der DVD von Pidax Film. Wer kein Problem mit Spoilern hat, kann die Unterschiede im Schnittbericht nachlesen. Das ursprüngliche Drehbuch enthielt gemäß Trivia der Internet Movie Database sogar ein ganz anderes Ende: Danach war vorgesehen, dass Lee Marvins Figur von japanischen Soldaten gefangen genommen wird und Toshirō Mifunes Soldat seinen Leidensgenossen bald darauf geköpft vorfindet, woraufhin er die Soldaten angreift und seinerseits köpft. Boorman entschied sich jedoch, diese Szene nicht zu drehen.

Das Unterordnen von Egoismen

Mit zunehmender Spieldauer müssen wir feststellen: Es gibt in diesem Szenario keine Gewinner. Angesichts der begrenzten Ressourcen kann nur die Zusammenarbeit beider Parteien das gemeinsame Ziel des Überlebens sichern. Ermüdet und gezeichnet vom ständigen Kampf gegeneinander, raufen sich die Protagonisten zusammen und beschließen, die Flucht von der Insel und die Rückkehr in die Zivilisation geminsam anzugehen. Durch das nun vorherrschende Motiv des zurückgestellten Egoismus ist nun ein Zusammenkommen beider Menschen, ja sogar die Bildung einer Gesellschaft und ein damit einhergehender Fortschritt möglich. Einen Schlüssel bildet hier das erneute Stellen der Eigentumsfrage. Arbeitete zunächst jeder der beiden ausschließlich für sich selbst und für seinen eigenen privaten Wohlstand, dienen die neu erbeuteten Ressourcen nun jeweils beiden Protagonisten. Somit wird aus dem selbst erarbeiteten Privateigentum Kollektiveigentum, gleichbedeutend mit dem Bilden von Gemeinschaft und dem Ablegen jeglicher egoistischer Züge. Somit haben sich die Soldaten auf eine neue Regel verständigt, und die Neuklärung der Eigentumsverhältnisse in ihrer minimalen Gemeinschaft in gewisser Weise politisiert.

Vom Ablegen der Feindbilder

Darüber hinaus legen die Soldaten neben ihren egoistischen Trieben auch ihre ideologiegeleiteten Feindbilder ab. Es wird immer gleichgültiger, dass es sich bei dem einen um einen amerikanischen und bei dem anderen um einen japanischen Soldaten handelt und sich beide Parteien im Pazifik im Krieg befinden. Fast beiläufig werden die Ideologien zugunsten eines gesellschaftlichen Zusammenlebens und Fortschritts über Bord geworfen, was die Unwichtigkeit und Sinnlosigkeit dieser Ideologien in einem übergeordneten Kontext unterstreicht. Neben der Bildung einer Gesellschaft und der Entwicklung des Zusammenlebens gibt dieser Aspekt „Die Hölle sind wir“ eine weitere Dimension und macht Boormans Werk auch zu einem Antikriegsfilm.

Es entbrennt ein ideologisch geprägter Überlebenskampf

Alles in allem sind dem Regisseur und seinem Team mit „Die Hölle sind wir“ ein fantastischer Film gelungen. Der Film nutz das Aufgreifen von Eigentumsfragen bei gleichzeitigem Hinterfragen von Wirtschaft, Hegemonie und Klassismus moderner, vor allem kapitalistischer Gesellschaften, um eben diese zu kritisieren und die Regeln, die dort vorherrschen, auf seine Art zu kommentieren. Zugleich wird der Film durch sein Szenario und die anfängliche Treue seiner Protagonisten zu vereinfachenden, verblendenden Ideologien zu einem Antikriegsfilm und setzt die sich im Krieg abspielenden Konflikte zugleich in den Kontext zum bereits angesprochenen Kampf um die Hegemonie in einer sich bildenden Gesellschaft. Doch Kampf und Krieg führen nicht zum Fortschritt oder der Verbesserung einer Gesellschaft, sondern tragen eher ihren Beitrag zur Zerstörung bei, so die unmissverständliche Botschaft des Films. Mittels minimalistischer Darstellung in Form zweier einfacher, maskenhafter Charaktere, deren durchgängiger Sprachlosigkeit, der räumlichen Einengung durch den Inselstrand und die Beschränkung bezüglich des dargestellten Zeitstrahls bricht der Film die Konflikte auf ein Minimum herunter und macht sie für jedermann verständlich. In diesem Minimalismus erreicht der Film eine Klarheit und zugleich eine Höhe, die man in vielen vergleichbaren, streckenweise überladenen Filmen vergeblich sucht. Das alles macht „Die Hölle sind wir“ zu einem großartigen und zugleich sehr unterschätzten Film, den aus meiner ganz persönlichen Sicht deutlich mehr Leute sehen sollten, als das bisher der Fall war.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lee Marvin und Toshirō Mifune haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. November 2019 und 24. August 2006 als DVD

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Hell in the Pacific
Alternativer deutscher DVD-Titel: Hell in the Pacific – Zwei Männer zwischen Krieg und Hölle
USA 1968
Regie: John Boorman
Drehbuch: Alexander Jacobs, Eric Bercovici
Besetzung: Lee Marvin, Toshirō Mifune
Zusatzmaterial: Interview mit Regisseur John Boorman, Interview mit Art Director Anthony Pratt, alternatives Ende, Wendecover
Label 2019: Pidax Film
Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2006: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2019 by Lucas Gröning
Szenenfotos: © 2019 Pidax Film

 

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Le Mans 66 – Gegen jede Chance: Magische Motoren

Ford v Ferrari

Kinostart: 14. November 2019

Von Iris Janke

Sportdrama // Cool, Cooler ¬– Christian Bale. Da muss ich natürlich aufräumen, mit dem Vorurteil, Filme über Autos und Autorennen seien nur etwas für Männer. Ich habe mich nach dem Film als Erstes mit drei Frauen unterhalten. Ergebnis: Alle drei waren begeistert – es ist sogar keiner Kinokritikerin aufgefallen, dass der Film über zweieinhalb Stunden dauerte. Einzig ein Mann hatte etwas zu „meckern“ – ausgerechnet über die, entsprechend der damaligen Zeit wenig emanzipatorisch dargestellte Hauptfigur Mollie (Caitriona Balfe), Ehefrau von des von Bale verkörperten Ken Miles.

Ingenieur Shelby will den perfekten Rennwagen bauen

Mich persönlich haben besonders die alten Rennwagen begeistert. Toll sind natürlich auch die beiden Hautdarsteller – erstklassig besetzt Christian Bale und Matt Damon. Besonders Christian Bale ähnelt seiner Rollenfigur, dem echten Ken Miles, extrem – verglichen mit alten Fotos, er scheint seine Rolle beinahe zu leben. Der Film, „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ von Regisseur James Mangold („Logan“, „Walk the Line“) begeistert durch seine glaubhaft verfilmte, wahre Heldengeschichte, die noch dazu grandios gespielt ist.

Dreamteam: Shelby (l.) und Miles

Die Story selbst, der Wettstreit zwischen den Autoherstellern Ford und Ferrari, gerät angesichts der beiden Hauptfiguren, dem britischen Rennfahrer Ken Miles und dem texanischen Ingenieur und Autonarr Carroll Shelby (Matt Damon) fast zur Nebensache. Hinlänglich bekannt ist, dass der Autohersteller Ferrari in den Jahren zwischen 1958 und 1965 sieben Mal das 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans gewonnen hat: Im Jahr 1966 allerdings lieferte sich der italienische Autokonzern von Enzo Ferrari ein spannendes Duell mit dem US-Autokonzern von Henry Ford II. Der eigentliche Grund hierfür war eine praktische Notwendigkeit auf Ford-Seite: Finanziell ging es in den 1960er-Jahren mit dem Ford-Konzern steil bergab.

Die Geburtsstunde des Ford GT 40

Eigentlich sollte Ford von Ferrari übernommen werden, doch kurz vorher ließ Ferrari den Deal platzen. Henry Ford ergriff nun kurz vor der Konzern-Insolvenz die Idee von Carroll Shelby als letzten rettenden Strohhalm auf: einen Rennwagen bauen und dem Ford-Konzern damit ein neues Gesicht geben. Einziger Haken: Der Ford-Rennwagen musste besser werden als der von Ferrari – Die Idee zum Ford GT 40 war geboren …

Miles lebt für den Rennsport

Um seinen Plan, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu gewinnen und Ford damit wieder auf Kurs zu bringen, will Shelby seinen Freund Ken Miles für seine Idee gewinnen, einen genialen Rennfahrer mit aufbrausendem Gemüt. Autoflüsterer Miles hat seinerseits mit finanziellen Problemen zu kämpfen und hat eigentlich seinem Sohn und Ehefrau Mollie versprochen, aus dem Rennsport auszusteigen. …

Für wen ist „Le Mans – Gegen jede Chance“ etwas? Für sich für Motorsport begeisternde Fans realer Heldenstorys und all jene, die bereits an „Rush“ mit Daniel Brühl als Niki Lauda ihre Freude hatten.

Mollie Miles sorgt sich um ihre Familie

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Mangold haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Christian Bale und Matt Damon unter Schauspieler.

Das Rennen in Le Mans fordert Männer und Motoren

Länge: 152 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ford v Ferrari
USA/F 2019
Regie: James Mangold
Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, Jason Keller
Besetzung: Christian Bale, Matt Damon, Caitriona Balfe, Jon Bernthal, JJ Feild, Josh Lucas, Ray McKinnon, Noah Jupe, Wyatt Nash, Jenelle McKee, Tracy Letts
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 

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