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Schlagwort-Archive: Rezension

Eat Locals – Englische Vampire mit Maschinengewehren

Eat Locals

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Wieder sind 50 Jahre vergangen – in einem Häuschen in der tiefsten englischen Provinz versammelt sich eine sonderbare Geheimgesellschaft. Ein Mitglied der achtköpfigen Gruppe hat in der Vergangenheit einige Regeln gebrochen und wird kurzerhand exekutiert. Nun muss er ersetzt werden. Sebastian (Billy Cook) kommt als Kandidat in Frage, obwohl er kurz zuvor noch nichts von seinem Glück ahnte, lediglich auf ein Schäferstündchen mit Vanessa (Eve Myles) hoffte. Die hat ihn angeschleppt, doch andere Mitglieder des Geheimbunds wollen den jungen Mann lieber verspeisen. Es handelt sich nämlich um Vampire.

Der vampirische Debattierclub tagt

Doch während die Gruppe drinnen palavert, formiert sich draußen Widerstand: Eine Militäreinheit hat das Gebäude umstellt und lauert im Dickicht des Waldes darauf, die Vampire anzugreifen. Die Luft wird dabei zusehends bleihaltig, denn auch die Blutsauger verfügen über Maschinengewehre.

Eine echte Vampir-Oma hat immer eine große Wumme dabei

Etwas dialoglastig angelegt, zieht sich „Eat Locals“ gerade zu Beginn etwas. Immerhin sind die Dialoge gespickt mit trockenem britischen Humor. Und nach einiger Zeit legen sich die Längen dann auch und der Blutgehalt steigt spürbar an. An die neuseeländische Vampirkomödie „5 Zimmer, Küche, Sarg“ („What We Do in the Shadows“) von 2014 reicht „Eat Locals“ nicht heran, dafür fehlt etwas der Pep. Dennoch ist der Versuch so löblich wie amüsant, die Vampire in ihrer nicht zu leugnenden Bösartigkeit zu Protagonisten zu erklären und die draußen postierten Soldaten als Antagonisten.

Ein Blick in den Kühlschrank wirft Sebastian nicht um

Für Jason Flemyng markiert „Eat Locals“ das Regiedebüt. Wir kennen den Charakterkopf allerdings schon lange als gern gesehenen Schauspieler, darunter in den Guy-Ritchie-Filmen „Bube Dame König grAS“ und „Snatch – Schweine und Diamanten“. Der Londoner ist viel im britischen TV zu sehen („Primeval – Die Rückkehr der Urzeitmonster“) und wird für Nebenrollen auch gern von Hollywood gebucht, etwa in David Finchers „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und „X-Men – Erste Entscheidung“. Für „Eat Locals“ versammelte er einige seiner guten Bekannten britischer Filmschaffender. Besonders ein Name sticht in den Credits heraus: Jason Statham zeichnet als „Stunt Director“ verantwortlich – mit ihm hatte Flemyng in „Bube Dame König grAS“ vor der Kamera gestanden. Ausufernde Kampfsport-Einlagen werden allerdings nicht geboten. „Eat Locals“ wird als komödiantischer Vampirhappen mit britischem Milieu-Feeling seine Freunde finden, auch wenn es für den ganz großen Wurf noch nicht reicht. Trotzdem darf man Jason Flemyng weitere Regiearbeiten wünschen.

Vanessa ist in die Gewalt der Soldaten geraten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Jason Flemyng sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 26. Mai 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Eat Locals
GB 2017
Regie: Jason Flemyng
Drehbuch: Danny King
Besetzung: Charlie Cox, Mackenzie Crook, Tony Curran, Freema Agyeman, Eve Myles, Vincent Regan, Dexter Fletcher, Nick Moran, Ruth Jones, Nicholas Rowe
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: splendid film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 splendid film

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Overdrive – Wenn Action Langeweile verursacht

Overdrive

Von Matthias Holm

Action // Das Sommerloch schlägt im Kino ganz gern mal zu. Da viele lieber ihre Zeit an der frischen Luft verbringen, warten die meisten Verleiher mit ihren Top-Filmen, bis mehr Menschen in die Kinos kommen. Das so entstehende Vakuum wird ganz gern mit kleinen Filmen gefüllt. Nur so kann man sich erklären, warum „Overdrive“ hierzulande überhaupt im Juni im Kino lief – denn der Film erreicht gerade mal Direct-to-DVD-Niveau.

Die Crew plant einen Coup

Die Halbbrüder Andrew (Scott Eastwood) und Garrett (Freddie Thorpe) sind Autodiebe – und gewiefte noch dazu. Leider verkalkulieren sie sich bei einem Coup und sind plötzlich der Gnade des Gangsterbosses Jacomo Morier (Simon Abkarin) ausgeliefert. Der will seinem größten Konkurrenten Max Klemp (Clemens Schick) eins auswischen und so sollen Andrew und Garrett dem Schweizer einen sündhaft teuren Ferrari stehlen. Zusammen mit Andrews Freundin Stephanie (Ana de Armas) und der Diebin Devin (Gaia Weiss) stellen die beiden ein Team zusammen, um den riskanten Coup durchzuziehen.

Überzeugt als Psychopath: Clemens Schick

Eine Sache muss man Regisseur Antonio Negret lassen – er weiß, wie man Städte inszeniert. „Overdrive“ spielt in Marseille und die Panoramen und das Leben in der Stadt sind wunderschön eingefangen. Dazu gibt Clemens Schick eine herrlich überdrehte Rolle als offensichtlicher Psychopath und die Autos sind meistens ein Fest für Retro-Fans – das war es dann allerdings auch schon an positiven Aspekten.

Mit Morier ist nicht zu spaßen

Der Rest des Films ist Mittelmaß – oder darunter. Denn auch wenn Negret bei ruhigen Szenen noch etwas glänzen kann, entgleitet ihm die Regie bei der Action komplett. Das gipfelt in einem so langweiligen Finale, dass sogar der CGI-Sturm aus dem „Point Break“-Remake aufregend wirkt. Auch weiß man anscheinend nicht, was man mit seinen Figuren anfangen soll. Sie werden reihenweise eingeführt, mit diversen interessanten Eigenheiten, nur um für einen Großteil des Films zu verschwinden. Das Highlight: Wenn Garrett zu der attraktiven Devin sagt, er sei dankbar für alles, was sie getan hat – und man sich als Zuschauer am Kopf kratzt, da man einfach nicht weiß, was sie denn Tolles getan haben soll.

Zwist zwischen den Halbbrüdern?

Es ist löblich einen Film zu machen, indem die Auto-Action nicht komplett abhebt, wie die „Fast&Furious“-Reihe es immer wieder vormacht. Wenn der allerdings nichts bietet als ein Drehbuch, was sich für klüger hält als es eigentlich ist, blasse Figuren und langweilige Action, wird es schwer, Zuschauer an sich zu binden. So ist „Overdrive“ hübsch anzusehen –hängen bleibt aber absolut nichts.

Alt gegen neu – wer ist schneller?

Veröffentlichung: 10. November 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Overdrive
F/BEL/USA 2017
Regie: Antonio Negret
Drehbuch: Derek Haas, Michael Brandt
Besetzung: Scott Eastwood, Freddie Thorpe, Ana de Armas, Gaia Weiss, Simon Abakarin, Clemens Schick
Zusatzmaterial: Interviews, Featurettes, Making-of, B-Roll
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Universum Film

 

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Paddington 2 – Leckere Orangenmarmelade

Paddington 2

Kinostart: 23. November 2017

Von Matthias Holm

Familienkomödie // 2014 überraschte Regisseur Paul King viele Zuschauer. Seine Adaption des „Paddington“-Stoffs erwies sich als zeitgemäß, blieb aber gleichwohl der Vorlage treu. Nun folgt der zweite Teil um den peruanischen Bären mit rotem Hut und Dufflecoat – und der übertrumpft seinen sympathischen Vorgänger sogar.

Dieb Paddington?

Tante Lucy wird 100. Ein stolzes Alter für Bären. Da reicht die selbst gemachte Orangenmarmelade nicht, Paddington (deutsche Stimme: Elyas M’Barek) muss ein besonderes Geschenk besorgen. Sein Auge fällt auf ein schönes Pop-up-Buch über London, was jedoch nicht ganz billig ist. Zwar sammelt Paddington mit einigen Jobs das nötige Geld ein, doch plötzlich wird das Buch gestohlen – und Paddington verdächtigt! Während der Bär das Leben im Gefängnis ordentlich aufmischt, versucht Paddingtons Ziehfamilie Brown, den wahren Täter zu finden.

Paddington entdeckt das perfekte Geschenk

Die große Stärke des ersten Films war es, dass eine bekannte Geschichte – das Zusammenfinden der Familie – mit ordentlich Slapstick und einer großen Menge an Kreativität gewürzt wurde. Auch diese Elemente finden sich im zweiten Teil wieder, so befindet sich zum Beispiel Mr. Brown (Hugh Bonneville) in einer Midlife-Crisis und Sohn Jonathan (Samuel Joslin) möchte aus irgendeinem Grund nur noch J-Dogg genannt werden. Durch die unbedarfte Perspektive von Paddington wirken diese durchaus bekannten Probleme wieder so skurril, dass man sich das Lachen nur schwer verkneifen kann.

Hugh Grant als heimlicher Star

Das Tolle aber an „Paddington 2“ ist, dass er nicht nur ein bloßer Aufguss von Teil 1 ist. Vielmehr sind das Teile der Geschichte, aber der große Plot um das Pop-up-Buch nimmt einen viel größeren Teil ein. Hier darf einer der Neuzugänge glänzen: Hugh Grant ist als nicht mehr allzu gefragter Schauspieler Phoenix Buchanan der heimliche Star des Films. Eitel, überkandidelt und in den seltsamsten Verkleidungen treibt er den Plot voran, der einen schönen Twist in Richtung Abenteuer erhält.

Was plant Buchanan?

Währenddessen darf Paddington sich wieder austoben. Ob im Friseursalon, als Fensterputzer oder in der Gefängnisküche, wo der Bär hingeht folgt ihm das Chaos. Und das ist auch gut so! Die Slapstick-Momente sind natürlich vollkommen übertrieben, gefallen aber mit ihren immer absurder werdenden Kapriolen Jung wie Alt. Dass neben diesen humoristischen Einlagen auch sehr herzliche Momente Einzug in die Familienkomödie erhalten und sie so nicht zur bloßen Nummern-Revue verkommt, ist dem Team hoch anzurechnen.

Für die ganze Familie

Dazu kommt die Kreativität in der Gestaltung. Ob nun der famose Soundtrack von Dario Marianelli oder unzählige kluge Wortspiele, Bildideen und Szenenübergänge, „Paddington 2“ ist zu jeder Zeit eine Wonne für die Sinne. Wenn da noch ein perfekt aufgelegtes Schauspiel-Ensemble hinzukommt, in dem sowohl die alten Bekannten, neuen Freunde und diversen Gaststars ihr Bestes geben, steht einem perfekten Familienfilm nichts im Wege. Auch wenn man danach großen Hunger auf Orangenmarmelade hat.

Die Browns wollen Paddington helfen

Zur Rezension des Vorgängers geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brendan Gleeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Knastkoch Knuckles (Brendan Gleeson)

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Paddington 2
GB 2017
Regie: Paul King
Drehbuch: Paul King, Simon Farnaby, Jon Croker, nach den „Paddington“-Büchern von Michael Bond
Besetzung: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Samuel Joslin, Madeline Harris, Julie Walters, Hugh Grant, Brendan Gleeson, Jim Broadbent, Peter Capaldi
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Studiocanal Filmverleih GmbH

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2017/11/22 in Film, Kino, Rezensionen

 

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