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Die Welt der Sensationen – Die Show muss weitergehen

The Big Circus

Von Ansgar Skulme, für den dies sein 150. Text bei „Die Nacht der lebenden Texte“ ist. Herzlichen Glückwunsch!

Zirkusdrama // Nachdem er sich mit seinen ehemaligen Geschäftspartnern, den Borman Brothers, überworfen hat, will Henry Jasper Whirling (Victor Mature) mit einem eigenen Zirkus durchstarten. Dazu fehlt es lediglich am notwendigen Startkapital. Die Bank seines Vertrauens hat Lust auf das Projekt, aber kein Vertrauen in Whirlings Umgehen mit Geld. Daher wird ihm gegen seinen Willen der Sparfuchs Randy Sherman (Red Buttons) als Prüfer zur Seite gestellt. Der mit besonderen Vollmachten ausgestattete Sherman engagiert über Whirlings Kopf hinweg prompt die versierte Werbefachfrau Helen Harrison (Rhonda Fleming). Whirling schmeckt das alles nicht besonders, aber es muss immer weitergehen – und während einer Tournee durch das ganze Land wollen viele Hände geschüttelt und Menschen aller Altersklassen sowie verschiedener sozialer Schichten gewonnen werden. Stärke zieht Whirling aus der Loyalität seiner Schwester Jeannie (Kathryn Grant), seines Sprechstallmeisters Hans Hagenfeld (Vincent Price), des Clowns Skeeter (Peter Lorre) und der Artisten um Zach Colino (Gilbert Roland), die für Whirling ihren letzten Penny geben würden, weil sein Zirkus ihr Leben ist. Doch der Konkurrenzkampf zwischen den Direktoren der verschiedenen Shows im Land ist groß und es mehren sich Hinweise auf einen Saboteur in den eigenen Reihen.

Das klassische Hollywood-Kino lag Ende der 50er-Jahre, rückblickend betrachtet, bereits in den finalen Zügen. Neben einem zunehmenden Bedeutungsgewinn von Fernsehproduktionen brachten die 60er schließlich auch viele visuelle und narrative Innovationen, die spätestens in der zweiten Hälfte jenes Jahrzehnts das Kapitel „Classical Hollywood“ endgültig schlossen. „Die Welt der Sensationen“ ist einer der letzten Hollywood-Filme der klassischen Ära, der im Grunde durch und durch so aussieht und wirkt, als hätte er auch zehn oder fünfzehn Jahre früher entstanden sein können. Für den Hauptdarsteller Victor Mature war es gleichzeitig eine Art kleines Lebewohl. Er verabschiedete sich kurz darauf für zwei Filme in Richtung Italien, legte danach eine etwa fünfjährige Pause ein und kehrte dann nur noch vereinzelt vor die Kamera zurück. Der Star aus Filmen wie „Faustrecht der Prärie“ (1946), „Der Todeskuss“ (1947), „Schrei der Großstadt“ (1948) und „Samson und Delilah“ (1949) war in der zweiten Hälfte der 50er bereits vermehrt in britischen Produktionen aufgetreten, mit „Die Welt der Sensationen“ und Jacques Tourneurs „Timbuktu“ eroberte er sich 1959 aber noch einmal in US-Filmen das Publikum. Selbst denjenigen, die seine schauspielerische Variabilität gelegentlich wegzudiskutieren versucht haben, sollte auffallen, dass Mature als Zirkusdirektor, der ein Mann der großen Gesten ist, erstaunlich glaubwürdig funktioniert. Man könnte sogar sagen, dass „Die Welt der Sensationen“ vielleicht so etwas wie sein Husarenstück ist, zu einem Zeitpunkt, an dem er in Hollywood eigentlich schon abgeschrieben zu sein schien.

Schlagkräftige Startaufstellung

Immerhin muss man in Betracht ziehen, dass es sich hierbei nicht nur um eine technisch aufwendige Produktion in CinemaScope und Technicolor handelt, sondern dass Mature eine Besetzungsliste anführt, zu der unter anderem der damals frisch gebackene Oscar-Preisträger Red Buttons (bester Nebendarsteller für „Sayonara“, Preisverleihung 1958) gehört. Neben ihm treten Vincent Price und Peter Lorre auf, die man zumindest aus heutiger Sicht durchaus als Ikonen betrachten kann – obendrein in ungewöhnlichen Parts, an denen sie, trotz für ihre Verhältnisse relativ geringer Rollengröße, offensichtlich viel Freude hatten. Vincent Price als Moderator in der Manege und Peter Lorre als klassischer Zirkus-Clown mit allen Schikanen – und das sogar noch im selben Film! Wirklich geniale Besetzungsideen. Es gibt zweifellos Fans, die allein schon deshalb zuschauen wollen, um diese beiden in diesen Rollen zu sehen. Ein wenig scheint es, als hätten Lorre und Price die Chance beim Schopf gepackt, einmal einen Zirkusfilm zu drehen, und dem Faktor, dass es sich um keine allzu teure Produktion handelt, nicht unnötig große Bedeutung beigemessen. Frei nach dem Motto: besser in einer mittelgroßen Rolle dabei gewesen als gar nicht. Am Set eines Zirkusfilms mag es sich für den einen oder anderen Schauspieler ähnlich angefühlt haben wie für ein Kind im Schlaraffenland – allerdings gilt das gerade im Kontext des klassischen Hollywoods sicher nicht nur für dieses Genre.

Nicht minder ideal besetzt ist Gilbert Roland, der den am Trapez und Hochseil gewieften Zach Colino mit der für ihn typischen charismatischen Mischung aus stilsicherer Eleganz und südländisch geprägter Männlichkeit, gleichzeitig ewiger Frauenschwarm und emotionaler Familienmensch, genauso glaubhaft zum Leben erweckt wie Victor Mature den Zirkusdirektor. Ähnlich wie auch bei Mature gilt für Roland gleichfalls, dass er zwar häufig zu überzeugen und mit seinen Qualitäten auf der Leinwand zu vereinnahmen wusste, aber nur selten so dermaßen auf den Punkt, quasi perfekt besetzt war wie in „Die Welt der Sensationen“. Die Rolle atmet von der ersten bis zur letzten Sekunde alles, was Gilbert Roland als Schauspieler auszeichnet. Viele Schauspieler haben in ihrem Leben zumindest einmal eine Rolle gespielt, bei der man das Gefühl hat, dass sie irgendwann einmal kommen musste. Die Besetzungen von Mature, Price und Lorre kann man als starke Geniestreiche bezeichnen, aber Roland strahlt sogar regelrecht etwas Unvermeidliches aus – als hätte es gar keine andere Option geben können und der Part sei unmittelbar für ihn geschrieben worden.

Auf Seiten der Damen schlägt sich Rhonda Fleming wacker mit den Vorverurteilungen herum, mit denen ihre Rolle als Frau, die als Werbechefin im Zirkus Whirling angeblich fehl am Platze sei, zu kämpfen hat. Diskussionen um eine Frauenquote in männerdominierten Unternehmen sind heute bekanntlich aktueller denn je und werden bereits hier unterhaltsam auf die Schippe genommen. Auch die zweitgrößte Frauenrolle zeigt sich willensstark: Whirlings flirtfreudige Schwester will unbedingt am Trapez auftreten, obwohl die Familie bereits einen schweren Schicksalsschlag in der Manege erlitten hat und ihr Bruder sie deswegen davon abzuhalten versucht, ihren Traum zu verwirklichen. Gespielt wird sie von Kathryn Grant, die hier zum letzten Mal vor jahrzehntelanger Pause für einen Kinofilm vor der Kamera stand, da sie sich nach den Dreharbeiten weitestgehend ins Privatleben an der Seite ihres Ehemanns Bing Crosby zurückzog, mit dem sie bis zu dessen Tod 1977 zwanzig Jahre verheiratet blieb. In den 60ern und 70ern wirkte sie sporadisch in TV-Produktionen mit und feierte erst im Jahr 2010 ein kleines Leinwand-Comeback, war jedoch leider unmittelbar vor dem US-Kinostart dieses Films („Queen of the Lot“) in einen Autounfall verwickelt, bei dem sie schwer verletzt wurde und ihr zweiter Ehemann zu Tode kam. Erfreulicherweise sind die 1923 geborene Rhonda Fleming und die 1933 geborene Kathryn Grant, deren Name zu Kathryn Crosby wurde, heute immer noch unter uns.

Jubel, Trubel, Sensationen, Superlative

Das massenwirksame Highlight voller Sensationen und Attraktionen, was er zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Produktion gewesen ist, ist der Zirkus heute nicht mehr, da vor allem der Einsatz von Tieren in diesem Kontext mittlerweile sehr kritisch betrachtet wird. Umso erfreulicher ist es, dass sich „Die Welt der Sensationen“ bereits verstärkt auf artistische Darbietungen konzentriert und zudem schon früh im Film ein Tierquäler durch die Hauptfigur zur Verantwortung gezogen wird, was man als bewusstes Statement werten kann, wenngleich die Messlatte, wo unangemessener Umgang mit Tieren bereits beginnt, heute zweifellos eine andere ist als vor 60 Jahren.

Dem Produzenten Irwin Allen schwebte für „Die Welt der Sensationen“ eigentlich ein mit 40 Stars gespicktes Projekt vor, das gegenüber „The Story of Mankind“ (1957) dahingehend sogar noch eine Steigerung gewesen wäre, bei dem er zuvor nicht nur produziert, sondern auch selbst Regie geführt hatte. Erstaunlicherweise ist diese ansehnlich besetzte Zeitreise niemals mit einer deutschen Fassung veröffentlicht worden. „The Story of Mankind“ war von den Warner Brothers in die Kinos gebracht worden, für „Die Welt der Sensationen“ zunächst Columbia Pictures im Gespräch. Letztlich realisierte aber Allied Artists, ein im Fenster von 1947 bis 1953 schrittweise aus Monogram Pictures hervorgegangenes Unternehmen, das Projekt und Irwin Allen blieb als Produzent sowie im Drehbuch-Team hinter den Kulissen. Columbia brachte stattdessen 1959 im Zirkus-Sektor George Shermans „Menschen ohne Nerven“ heraus. Monogram war seit Anfang der 30er-Jahre für eher niedrig bis sehr niedrig budgetierte Filme bekannt und „Die Welt der Sensationen“ eine willkommene Möglichkeit, diesem Image unter der erst einige Jahre wehenden Flagge von Allied Artists einen kleinen Strich durch die Rechnung zu machen. Gedreht wurde sogar auf dem Gelände von MGM. Letztlich landete auch „Die Welt der Sensationen“ viele Jahre später im Rechtestock der Warner Brothers und kam über deren „Archive Collection“ zu seiner DVD-Veröffentlichung in den USA. An den Kinokassen war der Film rentabel und der wagemutige Versuch, ein Prestige-Projekt ausgerechnet im Sektor des Zirkusfilms zu starten, kann mit Blick auf Allied Artists insofern durchaus als geglückt betrachtet werden.

Dass der Zirkusfilm selbst im klassischen Hollywood-Kino, das beileibe nicht gerade als die sparsamste Epoche der Filmgeschichte bekannt ist, ein nur recht selten angefasstes Subgenre des Dramas bildet, ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass Zirkusfilme eigentlich nur dann so richtig funktionieren können, wenn sehr viel Geld darin steckt. Insbesondere in den 50er-Jahren, als die Technik mehrere neue Höhepunkte erreichte (zum Beispiel 3D und CinemaScope), brauchte man zumindest ohne kunterbunte Farb-Kameraarbeit in dem Sektor eigentlich gar nicht erst anfangen. Ende der 50er waren außerdem die Breitwand-Formate längst Pflicht und das sogenannte „Vollbild“-Format im Kino bereits circa fünf Jahre überholt. Zudem erscheinen hohe Investitionen in Statisten, die Stars doubelnde Artisten und zusätzliche Acts sowie die gesamte Ausstattung beim Zirkusfilm mehr oder minder unvermeidlich, da es ein völliges Paradox ist, sich auf das Parkett der „größten Schau der Welt“ zu wagen, aber dann nach Kleinklein auszusehen. Es ist ausgesprochen mutig, dass sich Allied Artists dennoch nicht scheute und sogar mehr Geld in die Stars als das Drumherum investiert zu haben scheint, wenngleich es derer zumindest keine 40 Personen geworden sind.

Der Film ist ziemlich clever inszeniert und kaschiert das trotzdem offensichtlich weit unterhalb der großen Studios angesiedelte Budget insbesondere durch die Präsenz der starken Schauspieler-Crew, die immer wieder im Vordergrund darüber hinwegtäuscht, dass Massenszenen relativ schlau umgangen oder mit vergleichsweise wenigen Statisten und ein paar rahmenden Parade-Aufnahmen umspielt werden. Man sieht vom Publikum den ganzen Film über eigentlich kaum nennenswerte Details, es führt gewissermaßen ein Schattendasein innerhalb der Handlung, obwohl es doch eine der wichtigsten treibenden Kräfte hinter den Aktionen der Protagonisten ist – dies ist allerdings so intelligent inszenatorisch umgesetzt worden, dass es nicht stört. Die gänzliche Hülle und Fülle, die den Zirkus eigentlich umgibt, reißt der Film immer wieder an, ohne aber jemals in die Vollen zu gehen. Der Fokus liegt total auf den sieben im Vordergrund stehenden Figuren (Whirling und seine Schwester, Sherman, Hagenfeld, Skeeter, Zach Colino und Helen Harrison), und die sieben Personen, die diese Rollen spielen, stehlen den Film gewissermaßen völlig, gemeinsam mit ein paar sehenswerten Artistik-Nummern und zumeist kurz gehaltenen Tier-Auftritten.

Stars in der Manege

Natürlich bewegt sich „Die Welt der Sensationen“ im Windschatten von Cecil B. DeMilles „Die größte Schau der Welt“ (1952), versucht aber gar nicht erst, künstlich mit dessen enormer Größenordnung zu wetteifern. „Die größte Schau der Welt“ hatte ein in etwa doppelt so hohes Budget und generierte daraus sensationelle Einspielergebnisse an den Ticket-Schaltern. „Die Welt der Sensationen“ kann jedoch gut und gern zum sehenswerten Repertoire des klassischen US-Zirkusfilms gezählt werden – neben Produktionen wie „Trapez“ (1956) und „Held der Arena“ (1964), wobei Letztgenannter als sehr später Vertreter sicher trotzdem viele signifikante Merkmale der klassischen Ära aufweist, unter anderem weil es eines dieser Projekte ist, für die John Wayne mehrere Altstars um sich versammelte. Wer es hingegen lieber in Serien-Form, aber trotzdem klassisch und amerikanisch mag, wird bei „Corky und der Zirkus“ (1956–58) sowie „Zirkusdirektor Johnny Slate“ (1963–64) fündig, wobei die Serie um Johnny Slate mit Originaltitel „The Greatest Show on Earth“ schon allein deswegen Interessantes verspricht, weil Jack Palance den Zirkusdirektor spielt und als Vorlage der eingangs dieses Absatzes besagte DeMille-Film von 1952 diente.

Im Rückschluss ist „Die Welt der Sensationen“ folglich auch ein gutes Beispiel für eine von einem zu Unrecht wenig beachteten Regisseur inszenierte klassische Hollywood-Produktion. Joseph M. Newman hat hier aus begrenzten Mitteln nicht nur eine Menge herausgeholt und sehr klug mit den gegebenen Möglichkeiten gehaushaltet, in einem für diese Herausforderung zudem besonders komplizierten Genre, sondern auch im Verlauf seiner Karriere bewiesen, dass er in diversen Genres zu überzeugen wusste. Zu Newmans Filmografie zählt beispielsweise der Film noir „Der Henker saß am Tisch“ (1950), der Fans und Analytikern des Genres durchaus kein Unbekannter ist. Ich persönlich mochte auch „Abandoned“ (1949) und „Immer jagte er Blondinen“ (1954) als weitere Beiträge zum Noir von ihm. Darüber hinaus hat Newman mit „Metaluna IV antwortet nicht“ (1955) einen Science-Fiction-Reißer realisiert, der zu denen gehört, die sich bis heute einen gewissen Kultstatus erarbeitet haben – Ostalgica hat ihn bereits auf Blu-ray und DVD veröffentlicht. Sogar Newmans erfolgreichste Filme scheinen aber meist in einer Form diskutiert worden zu sein, die dem Regisseur relativ wenig Bedeutung zugestand. Eintönigkeit war ihm jedoch offenbar ein Fremdwort, selbst im Western blieb er auffallend abwechslungsreich: „Der rote Reiter“ (1952) schickt Tyrone Power in Kanada auf Heldenreise, „El Tigre“ (1955) spielt bereits um 1700 und zeigt Jack Palance als Hauptprotagonist zu Zeiten, als sich noch die Spanier in Neu-Mexiko und Kalifornien austobten. Daneben findet man aber auch Western vor typischerer Kulisse in Newmans Portfolio: „Die Letzten der 2. Schwadron“ (1958), der sicher einer der besten Western mit Joel McCrea ist, mit dem er kurz danach auch noch „Drauf und dran“ (1959) realisierte. Einmal ist McCrea hier der an seine Grenzen gehende, Indianer hassende, auch optisch verbraucht wirkende Soldat, das andere Mal der aufrechte Sheriff; einmal geht es um den Widerstreit mit Indianern, einmal um Gesetz und Ordnung in der Stadt, womit die beiden Hauptthemen des damaligen Westerns bedient sind. Sogar einen Film über eine Fallschirmeinheit der Feuerwehr – thematisch schon beinahe so etwas wie ein Unikat innerhalb der Epoche – hat Joseph M. Newman einst gedreht: „Die Feuerspringer von Montana“ (1952) mit Richard Widmark. Kurzum: Newman probierte immer wieder etwas Neues aus und es wurde ihm offensichtlich auch zugetraut, mit einer gewissen Summe Geld in der Hand des Öfteren neue Pfade zu betreten.

Nach „Die Welt der Sensationen“ ging es mit seiner Karriere dennoch nicht mehr lange weiter. 1961 erschienen noch einige Regiearbeiten von Joseph M. Newman auf der Leinwand, die gänzlich oder in Teilen dem Überbegriff Kriminal- oder Gangsterfilm zugeordnet werden können. Darunter findet sich ein Biopic über den Schauspieler und Tänzer George Raft, der in die Unterwelt verwickelt gewesen ist, mit deutschem Titel „Der tanzende Gangster“ – Newman kannte auch den wirklichen Raft, insbesondere durch die Zusammenarbeit an dem Film „Geheimdienst schlägt zu“ (1951). Unter Newmans letzten Kino-Ausflügen findet sich außerdem die einzige Episode der TV-Serie „Der Asphaltdschungel“, die mittels einer verlängerten Fassung für eine Kino-Auswertung aufbereitet wurde. Hinzu gesellte sich auch noch ein Western: „Massaker im Morgengrauen“ (1961). Ansonsten inszenierte Newman von 1960 bis 1965 nur noch für das Fernsehen und zog sich dann aus der Branche zurück. Er starb allerdings erst 2006, im Alter von 96 Jahren, und wurde noch kurz vor seinem Tod anlässlich der Arbeiten von Kollegen, mit denen er bekannt gewesen war, interviewt. Während der 30er-Jahre wurde bei der Oscar-Verleihung eine Zeitlang auch die beste Regieassistenz prämiert – in dieser Phase war auch Newman in jener Kategorie zweimal für die begehrte Auszeichnung nominiert. Über Regisseure seines Schlages aus der zweiten oder sogar dritten Reihe des klassischen Hollywoods sollte häufiger geschrieben und gesprochen werden.

Alles außer Ackermann

„Die Welt der Sensationen“ kam in Deutschland das erste Mal 1960 in einer gekürzten Fassung in die Kinos, bereits 1979 wurde der Film im Auftrag der ARD ein weiteres Mal synchronisiert. Anlass hierfür dürfte das Bestreben gewesen sein, die Geschichte in voller Länge zu präsentieren, da die Kinofassung auch später noch im Fernsehen gesendet wurde und insofern wahrscheinlich nie als verschollen gegolten hat. Erfreulich ist, dass beide Synchronfassungen sehr gelungen und hörenswert sind. Auch die zweite deutsche Version schafft es, atmosphärisch immer noch annehmbar zu funktionieren, trotz der verspäteten Entstehung nach 20 Jahren. Ein überraschender Höhepunkt der Neufassung ist die Besetzung von Christian Wolff in der Hauptrolle, dem es erstaunlich gut gelingt, das Charisma von Victor Matures Originalton einzufangen, obwohl man angesichts von Wolffs Film- und Fernsehauftritten in der Regel sicher nicht allzu schnell auf die Idee käme, gedankliche Parallelen ausgerechnet zu Mature zu ziehen. Wolff war bereits damals sowohl vor der Kamera als auch als Synchronsprecher sehr erfahren, erlangte aber später vor allem durch seine TV-Hauptrolle in „Forsthaus Falkenau“ nachhaltige Bekanntheit, die er von 1988 bis 2006 bemerkenswert lange verkörperte. Wolff ist gegenüber Heinz Engelmann in der ersten Synchronfassung sogar die originellere Besetzung, da Engelmann in den 50er-Jahren sehr häufig für diesen und jenen Star irgendwann einmal eingesetzt wurde. Bedauerlicherweise wurde hier auf Matures langjährigen Stammsprecher Curt Ackermann verzichtet, der in anderen um 1959/1960 in Deutschland erschienenen Filmen mit Victor Mature aber noch für ihn zu hören ist. Unabhängig davon ist Heinz Engelmann aber auch hier eine dermaßen sichere Bank, dass die Synchronfassung trotz dieses Kontinuitätsbruchs Freude macht, da Engelmann für die allermeisten Schauspieler, die er synchronisierte zu funktionieren wusste, was eine verblüffende Begabung ist, die in dieser Form – mit unglaublich vielen sehr gut gelingenden Einsätzen für viele verschiedene Schauspieler in Hauptrollen – Seltenheitswert genießt.

Sowohl mit der ersten als auch der zweiten deutschen Synchronfassung wurde „Die Welt der Sensationen“ bei Fernsehausstrahlungen leider im falschen Bildformat gesendet. Da eröffnet sich dem geneigten Betrachter beim Blick auf die Neuabtastung für internationale DVD-Veröffentlichungen, auch farblich, wirklich ein ganz anderes Filmerlebnis. Der Zirkusfilm ist nun gerade eines der Genres, bei denen Farbe und deren Gestaltung im Raum oft eine besonders große Rolle spielen und insofern ist eine ordentliche Abtastung des Bildes im korrekten Format Gold wert. Obwohl die USA schon vor mehr als zehn Jahren vorgelegt haben, wartet man in Deutschland leider immer noch vergeblich auf eine Heimkino-Veröffentlichung. Dabei hätte „Die Welt der Sensationen“ wegen seiner Schauspieler, aufgrund des relativ selten bewirtschafteten Genres sowie aufgrund kleiner Trash-Facetten, wenn man an die vergleichsweise kostengünstige Produktion und die etwas reißerische Kriminalnebenhandlung denkt, eigentlich sogar das Potenzial für eine Liebhaber-Veröffentlichung im Mediabook oder in einer Hartbox.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rhonda Fleming haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Victor Mature und Vincent Price unter Schauspieler.

Veröffentlichung (USA): 22. Juni 2009 als DVD

Länge: 109 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: The Big Circus
Österreichischer Alternativtitel: Panik im Zirkus
USA 1959
Regie: Joseph M. Newman
Drehbuch: Irwin Allen, Charles Bennett, Irving Wallace
Besetzung: Victor Mature, Red Buttons, Rhonda Fleming, Gilbert Roland, Kathryn Grant, Vincent Price, Peter Lorre, David Nelson, Adele Mara, Charles Watts
Verleih: Allied Artists Pictures
Label/Vertrieb: Warner Archive Collection

Copyright 2020 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Alfred Hitchcock (XIII): Ich kämpfe um dich – Die Wiedervereinigung

Spellbound

Von Ansgar Skulme

Krimidrama // Dr. Constance Petersen (Ingrid Bergman) arbeitet in einer Psychiatrie, deren Chef Dr. Murchison (Leo G. Carroll) kurz vor der Ablösung steht. Ihr Kollege Fleurot (John Emery) beißt sich an der natürlichen Schönheit mit klugem Kopf, die in Liebesdingen aber noch reichlich unerfahren ist, eifrig die Zähne aus – und damit war und ist er nicht der einzige. Ihr neuer Vorgesetzter (Gregory Peck) macht jedoch Eindruck auf die sonst so eiserne Constance. Sie verliebt sich zum ersten Mal in ihrem Leben von ganzem Herzen. Doch mit dem Mann, der sich Anthony Edwardes nennt und die Einrichtung nun führen soll, scheint etwas nicht zu stimmen. Vielmehr leidet er womöglich selbst unter akuten psychischen Problemen. Constance versucht dem undurchsichtigen Fremden, der ihr so schnell ungewohnt nah geworden ist, zu helfen. Ihr Mentor Dr. Brulov (Michael Chekhov) wertet ihren Enthusiasmus als leichtsinnig, aber welche Gefahr droht wirklich – und wem?

Die Romanze und der Psychothriller scheinen auf den ersten Blick zwei äußerst gegensätzliche Genres zu sein. Alfred Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ ist der beste Beweis, dass beides aber auch zusammen geht. Es war erst der zweite Hitchcock-Film, den David O. Selznick produzierte, obwohl es Selznick gewesen war, der Hitchcock das Durchstarten in Hollywood ermöglicht und ihn als erster in den USA langfristig unter Vertrag genommen hatte. Nach dem sehr guten Beginn mit „Rebecca“ (1940) erstreckte sich die Zusammenarbeit jedoch zunächst darauf, dass Hitchcock an andere Studios und Produzenten verliehen wurde. „Ich kämpfe um dich“ schaffte es zwar nicht, die beträchtliche Zahl von elf Oscar-Nominierungen zu erreichen, die „Rebecca“ errungen hatte, brachte es aber immerhin auf sechs, darunter erneut für den besten Film, wenngleich diese Kategorie diesmal nicht gewonnen werden konnte. Auch George Barnes, der für seine Schwarz-Weiß-Kameraarbeit an „Rebecca“ seinen einzigen Oscar gewonnen hatte, wurde für „Ich kämpfe um dich“ erneut nominiert, konnte den Erfolg aber ebenfalls nicht wiederholen. Dafür gab es diesmal aber einen Oscar für die Musik, obwohl Miklós Rózsa, ähnlich wie Dimitri Tiomkin bei der Arbeit an „Duell in der Sonne“ (1946), große Schwierigkeiten mit den Eigenheiten Selznicks hatte. Der streitbare Produzent ging sogar so weit, Rózsas Musik teils durch ältere Aufnahmen von Franz Waxman, die für Hitchcocks „Verdacht“ (1941) gemacht worden waren, sowie Musik von Roy Webb zu ersetzen. Mochte Selznick dem heute legendären Komponisten aus Budapest auch ins Handwerk gepfuscht haben, soll Rózsas Score zu „Ich kämpfe um dich“ den später berühmt gewordenen Filmkomponisten Jerry Goldsmith maßgeblich dazu inspiriert haben, in derselben Branche einzusteigen.

Die den Unterschied machen

„Ich kämpfe um dich“ kann man im Großen und Ganzen der Schublade an Filmen zurechnen, die einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Spannungsgehalts einbüßen, wenn man die Auflösung einmal kennt. Dass der melodramatische Thriller auch bei wiederholtem Schauen trotzdem noch gut funktioniert, ist neben Rózsas großartiger, teils wirklich grusliger Musik vor allem der sensiblen, natürlichen Performance von Ingrid Bergman, der man die aufrichtige Liebe zum gescholtenen Protagonisten wirklich abkauft, guten Nebendarstellern, interessanten Spezialeffekten, diversen ansehnlichen Regieeinfällen Hitchcocks, die kameraästhetisch wunderbar von George Barnes umgesetzt wurden, und einer von Salvador Dalí ersonnenen Traumsequenz zu danken. Diese wurde für die finale Schnittfassung allerdings stark gekürzt und zudem, anders als man glauben mag, gar nicht von Hitchcock inszeniert, sondern ausgelagert beim kleinen Studio Monogram Pictures von William Cameron Menzies („Invasion vom Mars“) und Dalí. Hitchcocks Wunschbesetzung für diese Gastszene war Josef von Sternberg, der schließlich aber doch nicht im Regiestuhl Platz nahm. Menzies, Sternberg und David O. Selznick trafen sich allerdings bald darauf im Zuge der Produktion von „Duell in der Sonne“ wieder, als es erneut um das Beisteuern einzelner filmischer Bausteine ging.

Unter den Nebendarstellern stechen vor allem Leo G. Carroll und Michael Chekhov hervor. Carroll brachte es im Laufe seiner Karriere auf insgesamt sechs Nebenrollen in Hitchcock-Filmen – er gilt daher heute als der am häufigsten unter Hitchcock eingesetzte männliche Schauspieler. Dies wäre wahrscheinlich Cary Grant geworden, hätte Hitchcock stets seine Besetzungswünsche umsetzen können, denn auch im Kontext von „Ich kämpfe um dich“ (1945) fällt Hitchcock damit auf, dass er Stars besetzen wollte, mit denen er bereits gearbeitet hatte. Grant sollte es am liebsten schon hier wieder in der Hauptrolle sein, wie in „Verdacht“ – und wenn nicht der, dann Joseph Cotten, wie in „Im Schatten des Zweifels“ (1943), wenn nicht sogar beide, Grant und Cotten gemeinsam, da Cotten neben dem später von Gregory Peck gespielten Hauptpart angeblich auch für die Rolle des Dr. Murchison im Gespräch war. Als Murchison und/oder Brulov wurde zudem auch Paul Lukas („20.000 Meilen unter dem Meer“, 1954) gehandelt. Ingrid Bergman erhielt eine Rolle, für die zunächst Dorothy McGuire („Die Wendeltreppe“) vorgesehen war und die auch zu Spekulationen um ein Comeback von Greta Garbo geführt hatte. Ferner lehnte Hitchcock Selznicks Flamme Jennifer Jones als weitere Option für die weibliche Hauptrolle ab, was das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Regisseur und Produzent nicht gerade heruntergefahren haben dürfte. Aber Selznick ließ nicht locker und brachte Jennifer Jones schließlich in „Duell in der Sonne“ unter, wo sie dann doch noch an der Seite von Gregory Peck landete. Romantik am Set von „Ich kämpfe um dich“ gab es trotzdem: Bergman und Peck kamen einander näher. Ob das für David O. Selznick ein Trost war?

Der schlaue Professor

Die Besetzung von Bergman und Peck im finalen Film ist insofern interessant, weil Michael Chekhov, der hier Dr. Brulov spielt, einer der Schauspiellehrer von Gregory Peck und Ingrid Bergman war. Die Gelegenheit, Lehrer und Schüler im selben Film und dann noch dazu in ausgiebigen Szenen auf so engem Raum und gewissermaßen unter sich zu sehen, bekommt man leider eher selten. Kurioserweise ergatterte Chekhov für den Film seine einzige Oscar-Nominierung, während seine Schülerin und sein Schüler, mit denen er den Großteil seiner Szenen in „Ich kämpfe um dich“ in kammerspielartigen Situationen zu zweit oder zu dritt bestreitet, nicht nominiert wurden. Gekrönt von dem Umstand, dass Chekhov 1946 mit dieser Rolle der einzige für den Oscar-nominierte männliche Nebendarsteller war, dessen Nominierung aus einem Film hervorging, der gleichzeitig auch als bester Film nominiert wurde, „Ich kämpfe um dich“ parallel jedoch der einzige Film bei dieser Preisverleihung war, der zwar als bester Film nominiert wurde, aber nicht einmal für wenigstens eine der beiden Hauptdarsteller-Kategorien. Wenn man so will, setzte der Lehrer seinen Nachwuchs hier also ziemlich schachmatt.

Darüber, dass sie von Lehrmeister Chekhov abgehängt wurden, mussten sich Bergman und Peck allerdings nicht ärgern, da beide für dieselbe Preisverleihung dennoch eine Nominierung erhielten: Peck als bester Hauptdarsteller in „Schlüssel zum Himmelreich“, Bergman als beste Hauptdarstellerin in „Die Glocken von St. Marien“. Chekhov, dessen Fluchtgeschichte schon in den 20er-Jahren begann, auch in Deutschland Station machte und schließlich in den USA endete, war neben gelegentlichen Filmauftritten und seiner Lehrtätigkeit vor allem selbst als Schauspieler am Theater beschäftigt, leitete eigene Ensembles und erarbeitete ein Buch über die Technik des Schauspielers, das kurz vor seinem Tod schließlich auch zur Veröffentlichung kam. Seine Darbietung in „Ich kämpfe um dich“ besticht insbesondere, da er die Rolle zwar als sympathischen, klassischen Kauz anlegte, sie aber mit Tiefgang, nachdenklichen Untertönen und frechen Spitzen spielte, weit über den bloßen etwas verrückten alten Professor, der vor allem zum Schmunzeln da ist, hinausgehend – eine schräge Figur, die ganz nach Hitchcocks Geschmack gewesen sein dürfte, ähnlich der von Ludwig Donath in „Der zerrissene Vorhang“ (1966). Obendrein mit sehr stilbildend frisiertem Antlitz: der ganz klassische Professor wie aus dem Bilderbuch, als sei er soeben zum tausendsten Male einem Hörsaal entsprungen.

Des einen Freud, des anderen Leid

Schon allein, weil „Ich kämpfe um dich“ zu den ältesten Hollywood-Filmen zählt, die sich mit Psychoanalyse beschäftigen, lohnt er die Sichtung. Der Drehbuchautor Ben Hecht war sehr bemüht darum, Experten dieser medizinisch-psychologischen Disziplin zu konsultieren, um eine schlüssige Geschichte mit angemessenen Dialogen abzuliefern. Auch David O. Selznick wollte Expertise beisteuern und Erfahrungen einfließen lassen, da er selbst in psychotherapeutischer Behandlung war. Er brachte seine eigene Psychotherapeutin als Beraterin mit ans Set, die sich dort allerdings gefallen lassen musste, von Hitchcock teils recht oberflächlich belehrt und übergangen zu werden. Hitchcock machte damals und auch später kein Geheimnis daraus, dass es für ihn nur eine weitere Thriller-Story war und die Psychoanalyse in dem Falle gewissermaßen nur Mittel zum Zweck; eine Art austauschbarer Baustein, um die Story spannend und am Laufen zu halten. Dieses Herangehen kennt man von ihm auch aus dem Kontext weiterer Filme, sein Fokus lag auf anderen Aspekten. Selznick hingegen sollte man sicherlich, inmitten aller kurioser Anekdoten, zugutehalten, dass es zwar für seine Mitarbeiter oft kein Vergnügen war, mit ihm arbeiten zu müssen, er aber zweifelsohne sehr ambitioniert und ein Mann mit Vorstellungen war, die er unbedingt umsetzen wollte. Notfalls sogar bereit, sich einer möglichen Bloßstellung auszusetzen, indem er seine Crew mit seiner eigenen Therapeutin zusammenbrachte – und all das nur, um seinem Film mehr Tiefe zu geben. Ein Vollblutfilmschaffender, Visionär und Positiv-Verrückter, wenn man so will, der einige wirklich große Filme hinterlassen hat.

„Ich kämpfe um dich“ wurde in Deutschland mehrfach von verschiedenen Labels digital veröffentlicht. Hinsichtlich der Bildqualität setzte schon die frühe Veröffentlichung von EuroVideo gute Maßstäbe, während es an Bonusmaterial leider grundsätzlich bis heute eher mager aussieht. Zusätzlich zu mehreren Einzelveröffentlichungen erschien der Film natürlich auch gebündelt in der einen oder anderen Box. Ein paar ausgewählte Veröffentlichungsdaten sind unten genannt. Die deutsche Synchronfassung aus den frühen 50er-Jahren ist hörenswert, wobei vor allem der geniale Hans Hinrich als Stimme von Leo G. Carroll hervorsticht, der seinerzeit nicht umsonst auserkoren worden war, Claude Rains als „Phantom der Oper“, im gleichnamigen herrlichen Technicolor-Film von 1943 aus dem Hause Universal, mit einer deutschen Stimme zu versehen. Hinrich war unter anderem fantastisch darin, emotionale Gleichgültigkeit und gebrochene Seelen zu spielen. Die Synchronfassung von „Ich kämpfe um dich“ entstand offenbar Rücken an Rücken mit der Synchronfassung zu „Der Fall Paradin“ (1947) – Hitchcocks letztem Film, den er innerhalb seines Vertrages mit David O. Selznick drehte. Während Gregory Peck in „Der Fall Paradin“ von Paul Klinger gesprochen wird, in „Ich kämpfe um dich“ allerdings von Wolfgang Lukschy, ist Hans Hinrich in beiden Filmen für Leo G. Carroll zu hören.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Alfred Hitchcock haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ingrid Bergman und Rhonda Fleming unter Schauspielerinnen, Filme mit Gregory Peck in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 26. September 2014 als Blu-ray, 27. Juli 2012 als DVD, 14. September 2009 als DVD, 2. Oktober 2002 als DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Spellbound
USA 1945
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Ben Hecht & Angus MacPhail, nach einem Roman von Hilary A. Saunders & John Palmer
Besetzung: Ingrid Bergman, Gregory Peck, Michael Chekhov, Leo G. Carroll, Rhonda Fleming, John Emery, Norman Lloyd, Bill Goodwin, Wallace Ford, Regis Toomey
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Biografien, Filmografien (nicht alle Features auf jeder Veröffentlichung enthalten)
Vertrieb: Great Movies GmbH (Blu-ray 2014 & DVD 2012), Crest Movies (DVD 2009), EuroVideo Medien GmbH (DVD 2002)

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Packshot Blu-ray: © 2014 Great Movies GmbH, Packshot DVD: © 2002 EuroVideo Medien GmbH, Filmplakat: Fair Use

 

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Pony Express – Der Stoff, aus dem Legenden sind

Pony Express

Von Ansgar Skulme

Western // Die USA kurz vor Beginn des Bürgerkrieges: Zwischen Missouri und Kalifornien soll der sogenannte Pony-Express seinen Betrieb aufnehmen. Buffalo Bill (Charlton Heston) und Wild Bill Hickok (Forrest Tucker) geben den Organisatoren Rückendeckung, denn dem Projekt droht Gefahr von kalifornischen Separatisten, die teils politisch-ambitionierte, teils rein wirtschaftliche Ansinnen verfolgen. Ferner halten die Sioux unter ihrem grobschlächtigen Anführer „Gelbe Hand“ (Pat Hogan) wenig von den ungebetenen Gästen, die ihr Land kreuzen wollen. Mit Unterstützung von keinem Geringeren als Jim Bridger (Porter Hall), der zweifelnden Separatistin Evelyn Hastings (Rhonda Fleming), der nur auf den ersten Blick burschikosen Denny Russell (Jan Sterling) und vielen mehr stürmt der Pony-Express seinem waghalsigen Start entgegen.

Der Westen – unendliche Weiten …

Historische Genauigkeit darf man von „Pony Express“ nicht erwarten. Um sich darüber klar zu werden, genügt schon allein die Feststellung, dass Buffalo Bill im Jahre 1860 eigentlich erst 14 Jahre alt war. Der Western ist allerdings ohnehin das Genre der Legendenbildung und durch das Aufgreifen historischer Figuren wie Buffalo Bill, Wild Bill Hickok und Jim Bridger ist ein Film wie „Pony Express“ in diesem Kontext lediglich eine Art Vorreiter. Dass die Figuren hier nicht für voll zu nehmen sind, gilt ebenso für die Helden wie auch die Indianer auf der anderen Seite, an denen der Film kein gutes Haar lässt, die sich als Antagonisten in der atmosphärisch dicht gestrickten Story aber dennoch sehr gut machen.

Unterbewertete Klasse-Western

„Pony Express“ war der erste von drei 1953 erschienenen Filmen, die nach einem Drehbuch von Charles Marquis Warren, mit dem zweifachen Oscar-Preisträger Ray Rennahan („König der Toreros“) an der Kamera und mit Musik von Paul Sawtell durch den Produzenten Nat Holt über Paramount Pictures in die Kinos gebracht wurden. Alle drei – die beiden Western „Pony Express“ und „Die Bestie der Wildnis“ sowie der Actionkrimi „Flug nach Tanger“ – schafften es bereits im Folgejahr in einer synchronisierten Fassung in die deutschen Kinos. Nat Holt war einer der wichtigsten Western-Produzenten der ersten Hälfte der 50er-Jahre, der dem Genre neben den beiden besagten Kollaborationen mit Charles Marquis Warren auch Filme wie „Die Todesschlucht von Arizona“ (1950), „Am Marterpfahl der Sioux“ (1951), „Die roten Teufel von Arizona“ (1952) oder „Terror am Rio Grande“ (1952) schenkte – kurzum: eine ganze Reihe sowohl farblich sehr schöner als auch atmosphärisch fesselnder Produktionen. Neben Marquis Warren gehörte Frank Gruber zu den maßgeblich für die Nat-Holt-Erfolge verantwortlichen Autoren. Gegenüber den Indianern waren diese Filme oft eher negativ eingestellt – vor allem in den Western, zu denen Marquis Warren das Drehbuch schrieb –, allerdings sind sie mitreißend inszeniert und schildern den existenzialistischen Kampf um das Land in ähnlich gekonnter Art und Weise wie beispielsweise „Die Teufelsbrigade“ (1951).

Nicht perfekt, aber mit natürlichen Fehlern schön

„Pony Express“ wurde als einzige der drei Nat-Holt-Produktionen nach Drehbüchern von Marquis Warren nicht von letzterem selbst inszeniert, sondern von Jerry Hopper. Dieser schuf gemeinsam mit Kameramann Rennahan ein malerisches Western-Erlebnis mit ein paar handwerklichen Schwachstellen, dafür aber stylishen Actionszenen und weiteren guten erzählerischen Ideen. Gekrönt von Paul Sawtells teils furioser, stellenweise aber auch fast schon mystisch-düsterer Musik. Wenngleich die Kamera manchmal überraschend unvorteilhaft positioniert scheint, stehen dem diverse tolle Einstellungen gegenüber – darunter ein grandioses Eröffnungs- sowie ein gleichsam episches Schlussbild. Die Weite der Landschaft wird mehrfach herrlich bebildert.

Interessant ist auch der Eintritt in die Story, da sich die ersten 15 Minuten des Films nahezu in Echtzeit abzuspielen scheinen. Erst als die kurzhaarige Denny Russell das erste Mal auftritt, spürt man einen wirklichen Szenen- und Schauplatzwechsel, nachdem man sich zuvor ohne nennenswerte Unterbrechungen fortlaufend gemeinsam mit Buffalo Bill durch die Landschaft bewegt und bereits mehrere Abenteuer mit ihm bestanden hat. Zum Zeitpunkt des Sprungs in die Stadt sind sowohl die Sioux als auch die Separatisten als gegnerische Gruppen eingeführt, und die Beziehung zwischen Buffalo Bill und Evelyn Hastings ist ebenfalls bereits ein gutes Stück vorangekommen. Der Film zieht den Zuschauer dadurch recht schnell in seinen Bann. Man hat von vornherein das Gefühl, sehr nah an Buffalo Bill dran zu sein – eine erzählerische Stärke, die sich auch ganz am Ende bezahlt machen wird.

Denny (l.) macht sich nichts aus klassischen Frauenrollen

Sehenswert ist zudem die eher unscheinbar, manchmal regelrecht heimtückisch gehaltene Komposition der Tiefe des Bildes. Da tauchen auch mal Bedrohungen durch Menschen im Hintergrund auf, die man – wie der Held selbst – zunächst gar nicht bemerkt. Der Ansatz hat etwas Erfrischendes, da es hier weniger darum geht, dass die Bilder ästhetisch tipptopp aussehen, als darum, dass sie ihren Zweck erfüllen, und das ist hier nun einmal der Überraschungseffekt. Sehr stark auf ein ästhetisch-stilistisch spektakuläres Aussehen hin komponierte Bilder verlieren im Normalfall automatisch den Faktor der Unscheinbarkeit von Begebenheiten im Bild, auch im Raum bzw. im Hintergrund – aber genau dieser Bruch, nämlich eine scheinbare Sicherheit, die urplötzlich komplett kippt und zu Verfolgungsjagden oder Schießereien führt, ist hier der springende Punkt. Es ergibt Sinn, dass die Bilder nicht immer wie gelackt aussehen, dafür stellenweise aber etwas ziemlich Unvorhersehbares haben.

Die Schusswechsel gefallen ferner dadurch, dass die Action stark durch die Bewegungen im Bild, innerhalb einer Einstellung, statt durch Schnitte und häufige Einstellungsgrößenwechsel kommt. Charlton Heston zeigt sich dabei mehrfach als um keinen Sprung in den Dreck verlegen – mag die Szenerie noch so ruhig erscheinen, lässt er sich auf einmal überraschend fallen, um gegnerischen Kugeln auszuweichen und diese zu erwidern. Aus dem Nichts, wie ein nasser Sack, wechselt er seine Position im Bild in die Horizontale. Ein Schelm, wer dabei an Neymar denkt. Wenn Kinder „Cowboy und Indianer“ spielen, sieht es nicht viel anders aus – und das hat Charme. Das wirkt tatsächlich auch nicht lächerlich, sondern eher sehr ursprünglich und auf eine Art ehrlich – da die Schießerei nicht durch Kameraeinstellungen und Schnitte aufgebauscht wird, sondern gewissermaßen auf den Kern der Sache reduziert. Schießereien in Western hätten öfter so minimalistisch inszeniert werden sollen – wirklich eine nette Abwechslung. Dass die Macher von „Pony Express“ es auch anders konnten, zeigt wiederum eine fetzige Kamerafahrt auf einen der Separatisten, während dieser zusammengeschossen wird, im finalen Feuergefecht. Das ist dann visionäre Action, wie man sie noch heute findet; ein Spiel mit der Bewegung des Bildes zur Steigerung der Spannung und mit der Einnahme der Perspektive eines der Protagonisten durch den Zuschauer.

Figuren, die bleiben

Der heimliche Star von „Pony Express“ ist allerdings eine Frau – Denny Russell, gespielt von Jan Sterling. Eine der interessantesten Frauenfiguren der Westernhistorie, die in einer glaubwürdig gebastelten Liebesgeschichte mit ihrer natürlichen Art, redend wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und offen über ihre Gefühle sprechend, emotional ans Herz geht. Die außerdem mit ihrer Kurzhaarfrisur und ihrem ungezwungenen, authentischen Auftreten, anstelle jeder Etikette, allen Klischees beziehungsweise der typischen Rolle der Frau im Western einen Strich durch die Rechnung macht. Auch ihr Widerstreit mit Evelyn Hastings um die Gunst von Buffalo Bill ist sympathisch gelöst und spiegelt eine recht große Bandbreite an emotionalen Ebenen zwischen beiden Frauen. Am Ende findet der Film zu einem ergreifenden Finale, das auch die Bedeutung der Natur für einen Mann wie Buffalo Bill eindrucksvoll unterstreicht. Ebenso kommt das Motiv der Männerfreundschaft – für den Western gleichsam wichtig – in der gesamten Geschichte nicht zu kurz. Das erste Zusammentreffen von Buffalo und Will Bill gerät denkwürdig: Beide schießen sich gegenseitig eine ganze Ladung an Kugeln vor die Füße und um die Ohren, treffen sich dabei aber mit Absicht nicht. Eine kultverdächtige Art, „Hallo!“ zu sagen.

Seine Hechtsprünge machen Buffalo Bills Schießeinlagen ziemlich unberechenbar

An dieser Stelle will ich eine Lanze für Forrest Tucker brechen. Tucker, der hier als Wild Bill Hickok zu sehen ist, war einer der kernigsten Hauptdarsteller, die der damalige Western zu bieten hatte, machte sich aber auch als Sidekick für eine andere Hauptfigur, wie hier in „Pony Express“, oder als Schurke gut. Oder irgendwo dazwischen: mal grobschlächtig, mal verbohrt und gestrig, mal als derjenige, der sich am Ende doch noch auf den richtigen Pfad besinnt, selbst wenn ihn das das Leben kostet, mal als vernünftiger Gegenpart zu einem Antihelden am Scheideweg. Zudem besaß er auch komödiantisches Talent. Ohne Forrest Tucker wäre der US-Western der 50er-Jahre nicht das, was er ist. Er beherrschte gewissermaßen das komplette Portfolio aller Männer-Rollen, die das Genre hergab, gegebenenfalls sogar Charaktere spielend, die deutlich älter waren als er selbst. Nur als Indianer wurde er, aufgrund seiner physischen Beschaffenheit, soweit ich den Korpus überschaue, offenbar nie besetzt – wenngleich es andere gab, die ähnliche Rollen wie Tucker im Western spielten, aber auch einmal oder mehrmals einen Ureinwohner. Beispielsweise Stuart Randall, der in „Pony Express“ als Verschwörer Pemberton zu sehen ist, im selben Jahr aber auch einen Indianer in Lew Landers’ Pocahontas-Verfilmung „Steppe in Flammen“ verkörperte, oder der in Berlin geborene Henry Brandon, der in „Pony Express“ den geldgierigen Joe Cooper spielt und eine seiner bekanntesten Rollen als Indianer in John Fords „Der schwarze Falke“ (1956) hatte.

Und dann gab es Schauspieler wie Pat Hogan, die über ihre gesamte Karriere hinweg meist als Ureinwohner besetzt wurden. So in „Pony Express“ als „Gelbe Hand“, der offenbar vor allem von dem Gedanken angetrieben wird, sich damit Ruhm zu verdienen, Buffalo Bills Leben zu einem Ende zu führen. Hogan spielte wohlgemerkt nicht nur negativ behaftete Indianer, sondern beispielsweise auch erinnerungswürdig den treuen Gefährten des Helden in Anthony Manns „Draußen wartet der Tod“ (1955). Nichtsdestotrotz lieferte er aber auch einige der besten Darstellungen flach-brutaler Indianer mit simpler „Weißer Mann, du sterben! Weiße Frau, du brennen!“-Ideologie ab. Rollen, die sicherlich politisch fragwürdig wären, hätten politische Diskussionen in Bezug auf den Western so etwas wie einen Mehrwert. Figuren, die allerdings Spaß machen und überzeugen, wenn man sie im selben Kontext betrachtet wie beispielsweise die Figur des Dr. No im ersten Film der heute noch erfolgreichen James-Bond-Reihe. Es sind absichtlich überzeichnete Antagonisten mit exotischem Touch, mehr nicht. Wer unbedingt eine Rassismus-Diskussion um klassische US-Western und deren Indianer-Bilder vom Zaun brechen will, muss sich dann eigentlich auch fragen, ob „Dr. No“ (1962) alle Asiaten oder „Leben und sterben lassen“ (1973) alle Afro-Amerikaner diskriminiert. Und dass derartige Diskussionen die Bond-Reihe bisher in über 50 Jahren nicht wirklich belastet haben, hat gute Gründe. Warum der klassische US-Western davon bis heute mehr belastet wird, ist diskutabel.

Überraschung inmitten der Masse

Für alle, die sich fragen, warum auf der Vorderseite des Covers der deutschen Blu-ray und DVD von einem Film des Regisseurs James Cruze die Rede ist, sei erwähnt, dass dieser den Stummfilm „The Pony Express“ (1925) inszenierte. Der wertschätzende Kommentar auf dem vorliegenden Cover bezieht sich auf ebendiesen und nicht auf den Film, der sich auf der Disc befindet. Das ist insofern etwas unglücklich, als das falsch ausgewählte Zitat auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es handle sich bei der vorliegenden Veröffentlichung um eine nicht sorgfältig gestaltete und womöglich sogar um ein Bootleg – zumal in jüngerer Zeit einige klassische US-Western ohne Nennung der Verleihe bzw. Rechteinhaber auf dem Cover in Deutschland auf DVD erschienen sind, wenn auch nicht bei Black Hill Pictures (Spirit Media), die für „Pony Express“ verantwortlich zeichnen. Bei solchen Erscheinungen werden die Hinweise auf den Verleih auch gern mal aus dem Vorspann und gegebenenfalls Abspann entfernt. Wer sich vom äußerlichen Trugschluss anhand der Vorderseite des Covers blenden lässt, verpasst mit „Pony Express“ eine komplett legale Veröffentlichung mit schönem Bild, gutem Ton sowie einem Mindestmaß an Standard-Bonusmaterial, die auch das Paramount-Logo überall dort vorweist, wo es hingehört. Nun also doch Sublizenzen bei Klassikern aus dem Hause Paramount? Sehr gut! Da geht noch einiges – nicht nur im Bereich Western. Ärgerlich, dass viele Paramount-Western der damaligen Zeit mittlerweile nun schon in fragwürdiger Qualität auf unseren DVD-Markt geworfen worden sind. Das dürfte sie für neuerliche Veröffentlichungen in vollständig professioneller Qualität für die Labels vorerst uninteressant machen.

Wenn das Geld stimmt, ist Joe Cooper (vorn) für jede Revolution zu haben

Die deutsche Synchronfassung weiß mit dem als Western-Held immer überzeugenden Heinz Engelmann in der Hauptrolle zu gefallen, der Charlton Heston nur zu Beginn seiner Karriere sprach – darunter allerdings fallen beide Western in Zusammenarbeit mit Charles Marquis Warren, „Pony Express“ und „Die Bestie der Wildnis“ –, ehe sich schließlich Ernst Wilhelm Borchert mit Filmen wie „Die zehn Gebote“ und „Ben Hur“ als erste große Stammkraft etablierte und dabei auch gegen Gert Günther Hoffmann sowie Horst Niendorf durchsetzte. Sehr gelungen ist ferner die etwas überraschende Besetzung von Siegfried Schürenberg für Forrest Tucker. Der eloquente, elegant klingende Schürenberg – besser bekannt vor der Kamera als Sir John in vielen Edgar-Wallace-Filmen der 60er-Jahre – gibt dem kantigen Tucker eine interessante, recht reife und schlaue Note. Dass ein Revolverheld mit rauer Schale im Western vom ersten Moment an auch sehr gebildet erscheint, ist nicht unbedingt der Regelfall. Während Axel Monjé in zwei vorausgegangenen Western-Hauptrollen einfach nur zu jung und glatt für Tucker klingt – als radikales Kontrastprogramm zur reibeisernen Schale –, findet Schürenberg genau den richtigen Mittelweg. Fritz Tillmann spricht in „Pony Express“ wie auch in „Die Bestie der Wildnis“ den blutrünstigen Indianerhäuptling, hier Pat Hogan, dort Jack Palance in einer wesentlich größeren Rolle – beide Synchronfassungen dürften in recht engem Austausch entstanden sein. Tillmanns ungewöhnlich emotionslose Darbietung in „Pony Express“ mit sonderbarer Betonung, erweckt tatsächlich ein wenig den Eindruck, dass „Gelbe Hand“ sowohl die Sprache kaum versteht als auch psychisch ziemlich neben der Spur ist. Mit gekonnter Einfühlung ist es Tillmann geglückt, den Eindruck völliger Fremdheit dieser Figur – gegenüber Buffalo Bill, den Eindringlingen im Sioux-Land und deren „weißer“ Kultur – zu erwecken. Ein schönes Kontrastprogramm zu den sonst oft extrovertiert krakeelenden Antagonisten dieser Art. Tillmann spricht die Rolle, als hätte er sich den Indianer vorgestellt, wie er selbst im Synchronstudio steht und das erste Mal in seinem Leben ein Mikrofon und eine Leinwand sieht – eine kurze, aber außergewöhnliche Performance, ohne jede Theaterhaftigkeit.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rhonda Fleming haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Charlton Heston unter Schauspieler.

Ein Mann, ein Sattel, schier grenzenlose Natur – das Kernrezept des Westerns

Veröffentlichung: 30. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Pony Express
Deutscher Alternativtitel: Die Outrider
USA 1953
Regie: Jerry Hopper
Drehbuch: Charles Marquis Warren, nach einer Vorlage von Frank Gruber
Besetzung: Charlton Heston, Rhonda Fleming, Jan Sterling, Forrest Tucker, Stuart Randall, Pat Hogan, Michael Moore, Henry Brandon, Richard Shannon, Porter Hall
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer, Deutscher Kinotrailer, Super-8-Vorabversion, Bildergalerie, Biografien
Label: Black Hill Pictures / Spirit Media
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2018 by Ansgar Skulme

Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2018 Black Hill Pictures / Spirit Media

 

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