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3 from Hell – Finger im Po, Mexiko

3 from Hell

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Erinnern wir uns: Am Ende der „Haus der 1000 Leichen“-Fortsetzung „The Devil’s Rejects“ (2005) rasen Otis Driftwood (Bill Moseley), Captain Spaulding (Sid Haig) und Baby Firefly (Sheri Moon Zombie) mit gezückten Waffen auf eine Polizeiblockade zu – und lassen ihr Leben im Bleihagel.

Otis kommt vor Gericht

Denkste! Zu Beginn von „3 from Hell“ erfahren wir aus Nachrichtensendungen und von Zeitungsseiten, dass die drei zwar von Kugeln durchsiebt wurden, auf wundersame Weise aber innerhalb eines Jahres vollständig genasen. Captain Spaulding half das nicht viel, er wurde hingerichtet – ab dafür! Während der Gerichtsverfahren des Trios hatte sich ein bizarrer Kult um das Trio gebildet, der in einer Bewegung „Free the Three!“ gipfelte.

Keine Bewährung für Baby Firefly

1988 gelingt Otis mit Unterstützung seines Halbbruders Winslow Foxworth Coltrane (Richard Brake) während eines Arbeitseinsatzes die Flucht. Baby kommt derweil vor einen Bewährungsausschuss, bleibt aber erwartungsgemäß in Haft. Otis schmiedet einen Plan, seine Adoptivschwester mit unfreiwilliger Unterstützung des Gefängnisdirektors Virgil Dallas Harper (Jeff Daniel Phillips) zu befreien.

Können Ketten Baby Firefly aufhalten?

Die Prämisse missfällt mir leider. Unter all jenen, die „The Devil’s Rejects“ geschaut haben, befinden sich ohne jeden Zweifel all jene in der überwältigenden Mehrheit, die angesichts des Finals ein „Nun sind sie hin“ konstatiert haben. Zu einem anderen Schluss konnte man nicht ernsthaft kommen, auch wenn das tatsächliche Ableben der Fireflys nicht zu sehen war. Nun hat Rob Zombie also die Kehrtwendung vollzogen, warum auch immer. Fiel ihm nichts Besseres mehr ein als die mörderische Sippe aufleben und weiter ihr Unheil treiben zu lassen?

Danny Trejo darf denkbar kurz seine Rolle als Rondo aus „The Devil’s Rejects“ aufgreifen. In der Folge verziehen sich die Fireflys nach Mexiko, wo sie in irgendeinem räudigen Kaff untertauchen, um es sich gutgehen zu lassen – willige mexikanische Huren inklusive. Die Entspannung währt aber nur kurz, dann geht es wieder blutig zu. Das tödliche Treiben inszeniert der Regisseur so brutal, wie sich seine gewaltaffinen Fans das wohl wünschen.

Nichts Neues bei Rob Zombie

Was wird aus den Fireflys? Die Frage hat mich komplett kaltgelassen. Die beiden Vorgänger haben mir gut gefallen, aber dabei hätte es Zombie belassen sollen. Schon sein vorheriger Film „31 – A Rob Zombie Film“ (2016) war lediglich routiniertes Terrorkino, das dem Horrorgenre keinerlei Impulse gab. So auch bei „3 from Hell“. Neue Facetten der Fireflys lernen wir nicht kennen. Das neue Familienmitglied Winslow Foxworth Coltrane fügt sich anständig ein und steht Otis und Baby an Bösartigkeit in nichts nach, aber damit hat es sich auch. Außergewöhnliche Werke wie „The Lords of Salem“ (2012) und „Halloween II“ (2009) können wir von diesem Regisseur womöglich nicht mehr erwarten.

Winslow Foxworth Coltrane steht seinem Halbbruder an Bösartigkeit in nichts nach

Natürlich setzt der Regisseur seine Gemahlin Sheri Moon Zombie oft und gern ins Bild. Manche Rezipienten bemängelten ihre mangelnde Schauspielkunst – mich hat das nicht gestört, da ich diesbezüglich keine Erwartungshaltung entwickelt hatte. Es hat schon seinen Grund, dass sie selten von anderen Regisseuren und Produzenten gebucht wird, aber mit ihrer durchgeknallten Baby Firefly ist sie mittlerweile doch vertraut genug.

Kommt auch die Unrated-Fassung zu uns?

Studiocanal hat in Deutschland die R-Rated-Fassung lizenziert und bei der FSK im zweiten Anlauf – also in Berufung – eine Freigabe ab 18 Jahren erreicht. In den USA hat in der Zwischenzeit auch eine ungeprüfte Fassung („unrated“) das Tageslicht erblickt, die im Übrigen im Vereinigten Königreich bereits veröffentlicht worden ist. Sie wird beizeiten sicher auch im deutschsprachigen Raum vertrieben werden, und sei es als ungeprüfte Fassung oder mit SPIO/JK-Siegel. Für ein paar blutige Schnipsel mehr legen sich ja viele Fans gewalthaltiger Filme gern teure Editionen zu. 41 Sekunden sind es in diesem Fall, die genauen Unterschiede können im Schnittbericht nachgelesen werden. Sie motivieren mich nicht, mir beizeiten die Unrated-Fassung zu Gemüte zu führen, zumal ihr Fehlen in der R-Rated-Version nicht auffällt. Auch weitere Regiearbeiten Rob Zombies sehne ich nicht herbei. Bedauerlich angesichts dessen, dass sich der Gute als unabhängiger Horrorfilmemacher an sich wenig um Erwartungshaltungen zu scheren braucht. Er hat vormals bewiesen, dass er sich davon freimachen kann, aber zuletzt entstand der Eindruck, er schiele zu sehr auf Fanbedienung. Schade drum.

Adios, Captain Spaulding!

Dass Sid Haigs Captain Spaulding bereits frühzeitig hingerichtet wird und somit im Verlauf nicht mehr auftaucht, hängt übrigens nicht mit dem Tod des Schauspielers zusammen, sondern mit dessen bereits in der Vorproduktionsphase angegriffenen Gesundheit, was Rob Zombie veranlasste, die Rolle drastisch zu kürzen. Haig starb am 21. September 2019 im Alter von 80 Jahren, wenige Tage nach der Weltpremiere von „3 from Hell“. Mit seinem Captain Spaulding hat er der Horrorwelt eine moderne Ikone gegeben. Sid Haig ruhe in Frieden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Rob Zombie haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Bill Moseley und Danny Trejo unter Schauspieler.

3 from Hell

Veröffentlichung: 21. November 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: 3 from Hell
USA 2019
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Besetzung: Sheri Moon Zombie, Bill Moseley, Sid Haig, Jeff Daniel Phillips, Richard Brake, Kevin Jackson, Tracey Leigh, Dee Wallace, Clint Howard, Danny Trejo, Barry Bostwick
Zusatzmaterial: Making-of: „Zur Hölle und zurück“, Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2019 Studiocanal Home Entertainment

 

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Perfect Skin – Ihr Körper ist seine Leinwand: Faszinierende Tattoo-Kunst

Perfect Skin

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Erinnert sich noch jemand an die „Das Duell um die Welt“-Folge, in der Charlotte Roche einen Bungeesprung auf die extreme Art absolvierte? Die Moderatorin und Schriftstellerin („Feuchtgebiete“) stürzte sich nicht etwa mit einem stinknormalen Gummiseil in die Tiefe, sondern sie ließ sich vier Titanhaken in ihren Rücken piercen, an denen dann das Seil befestigt wurde. Respekt an Charlotte Roche für diese Aktion. Wie man sah und hörte, waren es für sie höllische Schmerzen, aber ihre Haut hielt ihr Körpergewicht.

Tätowierer Bob leidet an Parkinson

Einige werden sich zu Recht fragen, wie man sich so etwas freiwillig antun kann. Aber der Faszination, zu sehen, was die menschliche Haut alles aushalten kann, kann sich wohl kaum jemand entziehen. Auch, wenn es in „Perfect Skin – Ihr Körper ist seine Leinwand“ trotz einer FSK-18-Freigabe nicht ganz so extrem zugeht, wird das Publikum auch hier gespalten sein: Soll man hin- oder wegsehen, wenn die Tattoo-Nadeln und Piercing-Geräte fleißig bei der Arbeit sind? Allerdings: Die surrenden Geräusche der Gerätschaften sind auch so schon fies genug.

Perspektivlos in London

Die junge Polin Katia (Natalia Kostrzewa) lebt seit fünf Monaten in London und hat dort eine Zeitlang als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Doch lange hat sie es bei der Familie nicht ausgehalten. Nun taumelt sie perspektivlos, ohne feste Bleibe und ohne Job durch die Stadt. Nachdem ihre Freundin Magda (Kasia Koleczek) sie vor die Tür gesetzt hat, kommt sie in der Wohnung von Lucy (Jo Woodcock) unter. Durch sie lernt Katia den älteren Tätowierer Bob (Richard Brake) kennen, der schon bei Lucy häufig die Nadel angesetzt hat. Katia sträubt sich allerdings, ihre makellose Haut verschönern zu lassen. Als sie allein in einem Club feiern geht und sie sturzbetrunken zufällig auf Bob trifft, nimmt Katia sein Angebot an, sie nach Hause zu fahren. Ein Fehler: Als Katia erwacht, findet sie sich hinter Gittern wieder. Bob hat die junge Frau im Keller seines Tätowierstudios eingesperrt und will auf Katias Körper sein bislang größtes Kunstwerk erschaffen.

Bob beginnt bei Katia mit seiner Arbeit

In seinem Regiedebüt wirft der ehemalige Werbefilmer Kevin Chicken einen intensiven Blick auf die Tattoo- und Body-Modification-Szene. Wer sich dieser Subkultur auch nur ein wenig zugeneigt fühlt, sollte sich den Titel unbedingt merken. Dabei ist „Perfect Skin“ allerdings kein Vertreter aus dem Torture-Porn-Genre, wie etwa der thematisch ähnlich gelagerte „Killer Ink – Dein erstes Tattoo wirst du nie vergessen“ von 2015. Vielmehr handelt es sich um einen düsteren Horrorthriller, der mehr Wert darauf legt, die Schönheit der Tätowierkunst zu zeigen, statt auf exploitative Szenen zu setzen.

Der Nachtkönig greift zur Nadel

Mit seinen markanten Gesichtszügen bereichert Richard Brake jede Produktion. Der charismatische Brite war nicht nur in zwei „Game of Thrones“-Folgen als gefürchteter Nachtkönig zu sehen. Genrefans werden sich auch an seine Darbietungen in den Rob-Zombie-Werken „31“ und zuletzt „3 From Hell“ positiv erinnern. Als ruhiger, aber bestimmender Tätowierkünstler fühlt man trotz seiner Taten mit ihm durchaus mit. Auch, weil er seine Gefangene Katia mit viel Respekt, wie eine Muse behandelt. Aber ebenso kann Bob schnell in Rage geraten …

Katia wird immer mehr zum lebenden Kunstwerk

Wie wir erfahren, lebt er in Trennung und hat mit seiner Ex-Frau zwei Kinder, die er nur selten sieht. Weil er eine beginnende Parkinson-Erkrankung hat, beschließt er, jetzt sein Kunstwerk anzugehen. Leider gibt das recht schwache Drehbuch Bob und den anderen Figuren nicht viel psychologische Tiefe mit auf den Weg. Warum dieser freundliche Mann zu so einem drastischen Schritt greift, eine Geisel zu nehmen und sie gegen ihren Willen zu tätowieren, wird nicht ganz klar. Seine Krankheit als Grund heranzuziehen, erscheint mir doch etwas zu mager.

Ebenso ist die Figur Katia nicht gerade sympathisch gezeichnet, weshalb ich kein großes Mitleid für sie verspürte, als ihr Martyrium begann. Zu Beginn wird sie aus der Wohnung ihrer Freundin geschmissen, deren Freund ebenfalls anwesend ist. In polnischer Sprache bedankt sich Katia bei Magda für das Dach über den Kopf und fügt bewusst provozierend hinzu: „Er ist ein Loser und fickt miserabel.“ In einem Café lässt sie Geld mitgehen, welches ein Kunde als Bezahlung auf dem Tisch zurückgelassen hat, und als ihre neue Mitbewohnerin Lucy schnell weg muss, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, klaut Katia ihr kurzerhand 800 Pfund, die für die Miete gedacht waren. Und was macht Katia mit dem Geld? Sie versäuft es! Somit geschieht es der jungen Frau schon fast irgendwie recht, dass sie als Strafe in Bobs Kerker landet.

Voller Körpereinsatz

An ihrer Darstellerin Natalia Kostrzewa („The Cured“) liegt diese Missgunst an ihrer Figur allerdings nicht. Sie musste für die Rollen einiges über sich ergehen lassen und sicherlich auch ein paar persönliche Grenzen überschreiten. Die täglichen Make-up-Sitzungen für die Tattoos müssen Stunden gedauert haben. Zwar konnte ich es nicht final herausfinden, doch einige Fotos, die von ihr im Internet zu finden sind, lassen darauf schließen, dass Natalia Kostrzewa wirklich den extremen Schritt wagte und sich für den Film eine Glatze schneiden ließ.

Lucy sucht nach ihrer Mitbewohnerin

Die unterkühlt-dichte Atmosphäre und die guten Darstellerleistungen können allerdings nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass es Kevin Chicken kaum gelingt, in der Geschichte Spannung zu erzeugen. Katia ergibt sich recht schnell ihrem Schicksal – und ist, wie schon erwähnt, sowieso nicht sonderlich als Opferfigur geeignet. Von Lucy initiiert, steht auch mal die Polizei in Bobs Tätowierstudio, die nach der Vermissten sucht. Aber sonst fällt hier dem Regisseur recht wenig ein, um ein paar Überraschungen zu erzeugen. So ist „Perfekt Skin – Ihr Körper ist seine Leinwand“ bei Weitem nicht perfekt, dennoch lohnt sich bei dem Horrorthriller das Hinsehen: Denn Bob bei seiner Arbeit beizuwohnen, wie sein Kunstwerk nach und nach immer mehr Gestalt auf dem Körper der gepeinigten Katia annimmt, ist nicht nur für Tattoo-Freaks durchaus faszinierend.

Das schmerzt schon beim Hinsehen!

Veröffentlichung: 18. Oktober 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Perfect Skin
USA 2018
Regie: Kevin Chicken
Drehbuch: Kevin Chicken, Dusan Tolmac
Besetzung: Richard Brake, Natalia Kostrzewa, Jo Woodcock, Sartaj Garewal, Cameron Jack, Kasia Koleczek, Tom Ashley, Emma-Jane Hinds
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Trailershow, Wendecover, nur Mediabook: Poster, 24-seitiges Booklet
Label: Pierrot Le Fou
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshots: © 2019 Pierrot Le Fou

 

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