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Chatos Land – Ein Halbblut wird gejagt

Chato’s Land

Von Andreas Eckenfels

Western // Das kleine Städtchen Arillo ist nicht gerade für seine Gastfreundschaft bekannt. Besonders Indianer sind dort nicht gern gesehen, was das Apachen-Halbblut Pardon Chato (Charles Bronson) am eigenen Leib erfahren muss. Nicht mal ein Drink für seine durstige Kehle ist ihm im örtlichen Saloon vergönnt. Er wird verspottet und diskriminiert. Als ihn auch noch der Sheriff erschießen will, zieht Chato aus Notwehr schneller als der Gesetzeshüter, der anschließend tot am Boden liegt.

Chato (r.) ist im Saloon von Arillo nicht erwünscht

Während sich der Indianer aus dem Staub macht, sammelt Kriegsveteran Quincy Whitmore (Jack Palance) eine Gruppe von etwa zehn rachsüchtigen Männern um sich, darunter die drei skrupellosen Hooker-Brüder Jubal (Simon Oakland), Elias (Ralph Waite) und Earl (Richard Jordan). Mit einem mexikanischen Fährtenleser (Raul Castro) verfolgen sie Chatos Spuren durch die karge Berglandschaft. Aber das Halbblut ist ihnen stets einen Schritt voraus. Erst als Whitmore und seine Männer in Chatos Behausung eindringen, dessen Frau (Sonia Rangan) vergewaltigen und seinen Bruder ermorden, dreht der Indianer den Spieß um. Jetzt sind die Jäger die Gejagten – und in Chatos Land haben sie keine großen Überlebenschancen.

Bronsons zweiter Frühling

Mit „Chatos Land“ begann 1972 die erste von insgesamt sechs Kollaborationen zwischen Hauptdarsteller Charles Bronson und Regisseur Michael Winner. Bereits zwei Jahre später sollte das Duo mit „Ein Mann sieht rot“ einen kaum für möglich gehaltenen Kassenhit landen. Bronson erlebte im Alter von 53 Jahren seinen zweiten Frühling und stieg zur Action-Ikone auf. Die Rolle des wortkargen Rächers hatte er aber auch schon in „Chatos Land“ kultiviert. Als Halbblut macht er nicht viele Worte – und wenn Chato was sagt, dann tut er dies fast ausschließlich in Indianer-Sprache. Wenn Bronson dazu noch beeindruckend durchtrainiert und nur mit Lendenschurz bekleidet seinen Gegnern entgegentritt, strahlt dies enorme Selbstsicherheit und Überlegenheit aus, was seiner Figur große Stärke verleiht.

Quincy Whitmore (r.) sammelt Männer, die das Halbblut hängen sehen wollen

Wie Chato schon fast in „Rambo“-Manier geschickt die Gegebenheiten seines ihm vertrauten Territoriums ausnutzt, seinen zahlenmäßig klar überlegenen Gegnern auflauert und diese nach und nach kalt macht oder gegeneinander ausspielt, das macht „Chatos Land“ auch für Nicht-Western-Fans höchst sehenswert.

Papa Walton als Fiesling

Der in Andalusien gedrehte knallharte Rachewestern wurde wie auch Michael Winners Hollywood-Debüt „Lawman“ (1971) von Gerald Wilson geschrieben. „Chatos Land“ gehört nicht nur aufgrund seines Produktionsjahres klar zum Subgenre des Spätwesterns, welche die klassische „Guter-Cowboy-böser-Indianer“-Konstellation immer mehr auflöste. Hier ist nicht der Indianer, sondern der weiße Mann derjenige, der sich wie ein Barbar benimmt und in ein für ihn fremdes Land eindringt. In der zeitgenössischen Kritik wurden dabei Parallelen zum damals wütenden Vietnam-Krieg gezogen.

Ein kurzer Moment der Ruhe: Chato trifft seinen Bruder

Innerhalb der namhaften Besetzung ist es interessant zu sehen, dass auch etwa ein Ralph Waite, der liebe und friedliebende „Waltons“-Papa, einen echten Fiesling spielen kann. Dem Film ist es hoch anzurechnen, dass sich unter anderem auch Jack Palances Figur von der Vergewaltigung distanziert, da dies klar seine moralischen Grenzen verletzt. Allerdings: Einem Indianer, der aus Notwehr getötet hat, einen Lynchmob hinterherzuschicken, findet er völlig in Ordnung. Nicht gerade die feine Art, was der Film auch in aller Konsequenz eindeutig zeigt. Somit positioniert sich der Western klar gegen den früher im Genre durchaus vorherrschenden Rassismus.

Hübsches Artwork

Die Veröffentlichung von capelight pictures enttäuscht zwar in Sachen Extras – bis auf die Originaltrailer ist nichts zu finden; dafür ist das Artwork des wie immer hochwertig produzierten Mediabooks diesmal besonders gelungen. Das Innenleben glänzt mit einem interessanten Text von „Deadline“-Autor Daniel Wagner und tollen Behind-the-Scenes-Fotos der Dreharbeiten, die von Bronson-Biograph Michael Rothfischer bereitgestellt wurden.

Elias legt an: Die Jagd geht weiter

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charles Bronson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Chato ist seinen Häschern immer einen Schritt voraus

Veröffentlichung: 31. August 2018 als 2-Disc-Limited-Collector’s Edition Mediabook in zwei Covervarianten (Blu-ray & DVD) und DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Chato’s Land
GB/USA/SP 1972
Regie: Michael Winner
Drehbuch: Gerald Wilson
Besetzung: Charles Bronson, Jack Palance, James Whitmore, Simon Oakland, Ralph Waite, Richard Jordan, Victor French, Sonia Rangan
Zusatzmaterial: deutscher Originaltrailer, Originaltrailer, Filmtipps, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Daniel Wagner
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshot: © 2018 capelight pictures

 

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Solarfighters – Auf Rollerskates durch die Endzeit-Wüste

Solarbabies

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Die Erde hat mal wieder einen Atomkrieg überstanden, ihre Landschaft ist zu weiten Teilen zu einer Ödnis verkommen. Wer die spärlichen Wasservorräte kontrolliert, hat die Macht, und in diesem Fall ist das das sogenannte Protektorat. In Waisenhäusern werden neue Soldaten heranerzogen. Die dafür notwendigen körperlichen Fähigkeiten trainiert ihnen das Regime mit der Sportball Skateball an – einer Art Lacrosse auf Rollerskates.

Solarbaby Jason lässt sich nicht gern etwas sagen

Eins der Skateball-Teams nennt sich „Solarbabies“, seine Mitglieder um ihren Wortführer Jason (Jason Patric) und dessen Freundin Terra (Jami Gertz) scheren sich nicht allzu sehr um die strengen Regeln des Protektorats – anders als die regimetreuen „Scorpions“ um ihren bösartigen Anführer Gavial (Peter Kowanko). Der Waisenhausdirektor (Charles Durning) hat seine liebe Mühe damit, die aufsässigen Solarbabies vor der harten Hand des ruchlosen Protektorats-Offiziers Grock (Richard Jordan) zu schützen.

Grock ist unerbittlich

Hoffnung keimt auf, als der gehörlose junge Solarbabies-Spieler Daniel (Lukas Haas) eine sonderbare Kugel findet, die ihm sein Gehör schenkt und es regnen lassen kann – sogar in geschlossenen Räumen. Als der Einzelgänger Darstar (Adrian Pasdar) die Kugel an sich nimmt und in die Wüste flieht, verfolgen ihn die Solarbabies – und bald auch Häscher des Protektorats.

Mel Brooks’ Choreograf führt Regie

Auf Rollerskates durch die Wüste – auf so eine Idee konnte man wohl auch nur in den 80ern kommen. Klar im endzeitlichen Fahrwasser der „Mad Max“-Reihe verortet (auch „Rollerball“ von 1975 lässt grüßen), kommt „Solarfighters“ deutlich alberner daher. Der deutsche Verleih hätte es ruhig beim Originaltitel „Solarbabies“ belassen können, statt den Film martialisch in „Solarfighters“ umzutaufen. Die magische Kugel und die Rollerskates bleiben nicht die einzigen skurrilen Ideen. Die Geschichte macht auch vor einigen Klischees nicht Halt, mit feingeistigen Dialogen sollte niemand rechnen. Das missfiel nicht nur der zeitgenössischen Filmkritik, sondern auch dem Publikum.

Eine merkwürdige Kugel gibt den Solarbabies Rätsel auf …

Produzent Mel Brooks setzte seinen Choreografen Alan Johnson auf den Regiestuhl, der drei Jahre zuvor auch schon „Sein oder Nichtsein“ inszeniert hatte. Es blieben Johnsons einzige Regiearbeiten. Das mag am Misserfolg von „Solarfighters“ gelegen haben, der Brooks einige Millionen Dollar gekostet hat, die der Produzent dem Vernehmen nach erst über die Jahre über Heimkino-Auswertungen erwirtschaften konnte.

… und macht ihnen Freude

Jami Gertz und Jason Patric bildeten ein Jahr später in Joel Schumachers Vampirfilm „The Lost Boys“ ebenfalls ein Liebespaar. Dystopien mit jugendlichen Protagonisten haben dank der Die Tribute von Panem“-Reihe seit einigen Jahren Konjunktur. Der frühe Vertreter „Solarfighters“ bringt einen gehörigen Trashfaktor mit und kann mit den aktuellen Hochglanz-Produktionen nicht mithalten. Für einen launigen 80er-Filmabend reicht’s aber, sofern ausreichend Bier bereitgehalten wird und jeder Teilnehmer weiß, worauf er sich einlässt.

Darstar (vo. r.) hat sein Volk gefunden

Veröffentlichung: 25. September 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Solarbabies
USA 1986
Regie: Alan Johnson
Drehbuch: Walon Green, Douglas Anthony Metrov
Besetzung: Richard Jordan, Jami Gertz, Jason Patric, Lukas Haas, James Le Gros, Peter DeLuise, Adrian Pasdar, Sarah Douglas, Charles Durning, Frank Converse, Peter Kowanko
Zusatzmaterial: deutscher und amerikanischer Kinotrailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Films

 

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