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Das Kommando – Kurz vor James Bond falsch abgebogen

Who Dares Wins

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Die seinerzeit auch in der Bundesrepublik Deutschland sehr populäre englische Krimiserie „Die Profis“ (1977–1983) machte Lewis Collins zum Star. Eine Weile sah es so aus, als könne er nach höheren Weihen streben. Sogar als James Bond war er im Gespräch. Weshalb der Aufstieg zum Topstar nicht geklappt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht verhinderten seine Engagements in billigen Actionstreifen wie „Geheimcode Wildgänse“ (1984) und „Kommando Leopard“ (1985) die große Karriere. Collins starb 2013 im Alter von 67 Jahren nach langer Krebserkrankung.

In „Das Kommando“ spielt er Peter Skellen, Captain der Special Air Service (SAS), einer Spezialeinheit der britischen Armee. Zu Beginn des Actionthrillers zieht eine Demonstration der Friedensbewegung durch London und skandiert ihr Verlangen nach atomarer Abrüstung. Ein Attentäter mit einer Armbrust tötet einen prominenten Aktivisten. Ein großer Anschlag wird befürchtet. Aber wann, wo und auf wen?

Auftritt Captain Skellen, dem auf einem Trainingsgelände der SAS Captain Hagen (Bob Sherman) von den US Army Rangers und Captain Freund (Albert Fortell) von der bundesdeutschen GSG 9 vorgestellt werden, die sich dem Training anschließen wollen. Anderntags schlägt Skellen bei einer Übung in Wales über die Stränge, lässt die beiden ausländischen Gäste fesseln und verprügelt sie. Das führt zu seiner unehrenhaften Entlassung aus der SAS, doch schnell stellt sich heraus, dass Skellens Abgang fingiert war. Er soll sich als verdeckter Ermittler einer Terrorzelle anschließen, die eine große Sache plane. Es gelingt dem glücklich mit Jenny (Rosalind Lloyd) verheirateten Vater einer kleinen Tochter (Briony Elliott), mit Frankie Leith (Judy Davis) Kontakt aufzunehmen, der Führerin der Gruppe. Mit der Terroristin landet er zügig im Bett. Frankies Kumpan Rod Walker (John Duttine) hingegen bleibt misstrauisch. Die Terroristen haben zur Tarnung eine Friedensgruppierung namens „People’s Lobby“ unterwandert. Frankie heuert Skellen als eine Art Sicherheitsberater an. Obwohl er ihr Vertrauen gewinnt, gelingt es ihm nicht, herauszufinden, worin der geplante Terrorakt besteht.

Inspiriert von der Geiselnahme in London 1980

„Who Dares Wins“, zu deutsch „Wer wagt, gewinnt“, lautet nicht nur der Originaltitel von „Das Kommando“, sondern auch das Motto der SAS. Die hatte 1980 mit ihrer Befreiungsaktion der Geiseln in der iranischen Botschaft in London weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Das Ereignis inspirierte den Filmproduzenten Euan Lloyd zu seiner Idee für den Film – er lebte zu dem Zeitpunkt in der Nähe der Botschaft und bekam Geiselnahme und Befreiung als Zaungast mit.

SAS übernimmt die Action gleich selbst

Mitglieder der SAS fungierten als Berater am Set, speziell für den großen Showdown. Als der gedreht werden sollte, boten die Soldaten kurzerhand an, die Action-Parts der SAS-Leute darstellenden Stuntmen selbst zu übernehmen. So geschah es dann auch! Die explosiven Actionsequenzen des Films entsprechen dem gehobenen Niveau des 80er-Actionkinos und sind auch heute noch mit Genuss zu schauen.

Mit den Hollywoodstars Richard Widmark und Robert Webber

Die britisch-schweizerische Koproduktion wartet sogar mit Hollywood-Prominenz auf: Richard Widmark („Zwei ritten zusammen“, „Der Weg nach Westen“) tritt im letzten Drittel als US-Außenminister Arthur Currie in Erscheinung. Ebenso Robert Webber („Das dreckige Dutzend“, „Schlacht um Midway“) als amerikanischer General Ira Potter. Immer wieder gern gesehen ist auch Ingrid Pitt („Agenten sterben einsam“), die sich dank ihrer Mitwirkung in Filmen wie „Comtesse des Grauens“ (1971) und „The Wicker Man“ (1973) speziell unter Horrorfans einen Namen gemacht hat. Hier gibt sie die skrupellose deutsche Terroristin Helga, die Skellen von Anfang an misstraut. Die Figur hätte mehr Bildschirmzeit verdient gehabt.

Ronald Reagan war ganz angetan

„Das Kommando“ hatte einen prominenten Fan: Dem Vernehmen nach ließ sich der damalige US-Präsident Ronald Reagan eine Kopie zukommen und war von dem Film sehr angetan. Das überrascht nicht, transportiert das Werk doch eine ähnlich reaktionäre Haltung, wie sie auch Reagan verkörperte. Danach sei etwa die Friedensbewegung von extremistischen Kräften unterwandert. Die Ideologie der linken Terrorgruppe wirkt alles andere als durchdacht, sie plant eine monströse Tat nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“. Ob dies nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, spielt dabei keine Rolle. Nicht, dass man linksextremistischen Terroristen kein gehöriges Maß an Verblendung zutrauen kann (die Zeitgeschichte der 70er und 80er hat dies hinlänglich bewiesen), aber die Chuzpe dieser Gruppierung ist doch bemerkenswert. Kaum zu glauben auch, dass sie mit ihrem Vorhaben strategisch durchkommt, lässt sich doch sogar die Chefin vom erstbesten, angeblich aus der SAS hinausgeworfenen Charmeur um den Finger wickeln. Die später zweimal für den Oscar nominierte Judy Davis („Reise nach Indien“, „Ehemänner und Ehefrauen“) erweist sich zwar als Glücksgriff in dieser Rolle, da sie politischen Fanatismus und weibliche Leidenschaft gleichermaßen zu verkörpern in der Lage ist und ihr Blick einen in den Bann zieht; gleichwohl müssen wir Zuschauer hinnehmen, dass sie auf Captain Skellen einfach reinfällt.

Englische Blu-ray von Arrow Video

Zur Ehrenrettung von „Das Kommando“ lässt sich anführen, dass ein kleiner Subplot um die Finanzierung der terroristischen Aktivität die Story durchaus differenzierter erscheinen lässt, als es die ansonsten konservative Ausrichtung erwarten lässt. Das große Geld zieht im Hintergrund die Fäden und manipuliert die verblendeten Idealisten – ein fast schon linksrevolutionärer Drehbucheinfall (glücklicherweise lässt der Mann mit dem Geldkoffer keine antisemitische Deutung zu, was auch denkbar wäre). Im Mittelteil wirkt die Dramaturgie nicht immer rund. Zwischendurch geht es etwas dialoglastig zu, aber speziell in der englischen Originaltonspur sind die Gespräche sehr ausgefeilt geraten – das Zuhören in einigen Rededuellen bringt Freude. Da ich lediglich die vorzügliche englische Blu-ray von Arrow Video mein Eigen nenne, auf der die deutsche Synchronisation nicht enthalten ist, kann ich über die deutsche Tonspur keine Aussagen machen.

Etwas fragwürdig erscheint mir die Nonchalance, mit der Captain Skellen den Weg als verdeckter Ermittler über das Bett der Terroristenführerin einschlägt, obwohl er doch glücklich verheiratet ist. Er vermisst seine Frau während seiner Abwesenheit auch so sehr, dass er sie einmal heimlich trifft (übrigens ein Risiko, das er als die Spitzenkraft, als die er charakterisiert wird, nicht eingehen dürfte, Liebe hin oder her). Der Film stellt es als selbstverständlich dar, dass Skellen seine Frau betrügt, wenn auch für einen womöglich hehren Zweck. Er lernt auch nichts aus der doch privat und beruflich mehr als heiklen Situation, die an sich genug Aufhänger bietet, ihn zum Überdenken seines Daseins zu veranlassen. Bin ich hier zu sehr Moralist?

Politisch fragwürdig, aber als Actionthriller top

„Darf man den Film heute nun nicht mehr schauen, weil er politisch nicht korrekt oder zu rechtslastig ist?“ Eine sich an Fragen wie dieser entlanghangelnde Debatte tobt seit einiger Zeit im Filmsektor. Die Antwort lautet: Natürlich darf man „Das Kommando“ schauen, und man darf sogar Spaß dabei haben. Wer sollte es einem auch verbieten? Ich jedenfalls hatte damals wie heute meinen Spaß. Als Teenager in den 80ern fehlte mir das Urteilsvermögen, um die inhaltlich kritikwürdigen Aspekte einzuordnen, aber meine jüngste Sichtung anlässlich dieser Rezension hat mir ebenso Freude gemacht. Nur: Will ich einen Film in seiner Gesamtheit würdigen, so ist es unerlässlich, eben auch solche Aspekte in die Betrachtung einfließen zu lassen. Ebenso legitim ist es, „Das Kommando“ rein als Actionthriller zu goutieren und sich nicht um Kritikpunkte zu scheren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ingrid Pitt haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Lewis Collins, Robert Webber und Richard Widmark unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 31. Juli 2020 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD, 23. April 2013 als Blu-ray und DVD der Reihe „Cinema Treasures“, 30. Mai 2005 als DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 120 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel (nur 2020): Deutsch, Englisch
Originaltitel: Who Dares Wins
US-Titel: The Final Option
CH/GB 1982
Regie: Ian Sharp
Drehbuch: Reginald Rose, nach dem Roman „The Tiptoe Boys“ von James Follett
Besetzung: Lewis Collins, Judy Davis, Richard Widmark, Edward Woodward, Robert Webber, Ingrid Pitt, Tony Doyle, John Duttine, Kenneth Griffith, Rosalind Lloyd, Norman Rodway, Maurice Roëves, Bob Sherman, Albert Fortell, Mark Ryan, Patrick Allen, Briony Elliott
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Produzent Euan Lloyd, Regisseur Ian Sharp und Darstellerin Rosalind Lloyd, Trailer, Trailershow, Wendecover, nur Mediabook: „The Electric Theatre Show“ (10 Min.), „The Last of the Gentleman Producers“ (37 Min.)
Label 2020: Nameless Media
Vertrieb 2020: WVG Medien GmbH
Label/Vertrieb 2013/2005: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Packshot Mediabook: © 2020 Nameless Media, Packshot Blu-ray & DVD: © Ascot Elite Home Entertainment

 

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Gewinnspiel: 3 x Das Geheimnis der 5 Gräber auf Blu-ray

Verlosung

In „Das Geheimnis der 5 Gräber“ (1956) tun sich ein Mann (Richard Widmark) und eine Frau (Donna Reed) zusammen, um den Mörder seines Vaters und ihres Ehemanns zu finden. Das Label explosive media hat John Sturges’ Western als Blu-ray und DVD veröffentlicht, der Vertrieb Koch Films hat uns drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank, auch im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Da „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress): Wer möchte, darf mir im Gewinnfalle gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Dies ist aber völlig freiwillig und keine Teilnahmevoraussetzung. Nicht freiwillig, sondern verbindlich hingegen: Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 19. September 2021, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf von zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Carmen,
– Oliver,
– Alexander Querengässer.

Leider hat sich ein Gewinner auch auf meine zweite Benachrichtigung nicht gemeldet, ein zweiter hat obendrein lediglich mit einer nicht erreichbaren E-Mail-Adresse teilgenommen. Daher habe ich nunmehr Gert sowie Rüdiger Kwade als neue Gewinner ausgelost. Herzlichen Glückwunsch! Auch Ihr werdet benachrichtigt.

Kruzifix! Nun haben sich auch die beiden Nachrücker nicht auf meine zweite Benachrichtigung gemeldet. Das artet in Arbeit aus. Nun habe ich Sascha S. und Markus Tump ermittelt. Herzlichen Glückwunsch! Auch Ihr werdet benachrichtigt.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt. Allerdings hat Gewinner Alexander Querengässer mit einer E-Mail-Adresse teilgenommen, die eine Failed-Delivery-Benachrichtigung erzeugt. Sofern er nicht auf diesen Beitrag schaut, wird er wohl nichts von seinem Gewinn erfahren. In dem Fall lose ich Anfang kommender Woche einen neuen Namen aus.

Die Rezension von „Das Geheimnis der 5 Gräber“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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Raubzug der Wikinger – Auf der Suche nach der goldenen Glocke

The Long Ships

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Ein heftiger Sturm lässt ein Wikingerboot an einer Küste zerschellen. Als einziger Überlebender wird Rolf (Richard Widmark) von Mönchen aufgefunden, die ihn in ihrem Kloster pflegen. Dort angefertigte Mosaiken berichten von der Legende einer riesigen goldenen Glocke, der „Mutter der Stimmen“ („Mother of Voices“). Nach seiner Genesung berichtet der Wikinger als Geschichtenerzähler auf dem Marktplatz einer südspanischen Ortschaft von dieser Legende. Daraufhin schnappen ihn sich die Schergen des maurischen Herrschers Aly Mansuh (Sidney Poitier).

Aly Mansuh ist scharf auf die sagenumwobene goldene Glocke

Der Scheich ist überzeugt davon, dass die Legende wahr ist und die Glocke existiert. Er will ihr Versteck aus Rolf herausfoltern lassen, doch dem gelingt die Flucht. Zurück in seiner Heimat, erfährt der Wikinger von dem prachtvollen Boot, das sein Vater Krok (Oskar Homolka) gerade für König Harald von Dänemark (Clifford Evans) als Bestattungsschiff konstruiert hat. Weil er ein neues Schiff braucht, stiehlt Rolf es kurzerhand mit seinem Bruder Orm (Russ Tamblyn). Weil Orm in Haralds Tochter Gerda (Beba Loncar) verliebt ist, nimmt er sie gleich mit. Die Suche nach der „Mutter der Stimmen“ hat gerade erst begonnen.

Wenn Männer wie Kinder herumtoben dürfen

Ob die Darsteller ihre Rollen und Dialoge ernst genommen haben? Speziell Richard Widmark und Sidney Poitier betreiben ihr schauspielerisches Handwerk auf eine Weise, dass man beinahe schon von „Overacting“ sprechen kann. Es muss Spaß gemacht haben, als ernsthafter Schauspieler in einem zünftigen Wikinger-Abenteuer mitzuwirken und die Sau rauslassen zu können. Da jauchzt das Kind im Manne. „Raubzug der Wikinger“ strahlt dann auch Spielfreude aus, auch wenn Richard Widmark dem Vernehmen nach von den Dreharbeiten in Jugoslawien nicht begeistert war. Auch die Ausstatter und Kostümbildner dürften ihre helle Freude an ihrer Arbeit gehabt haben. Zwischendurch kommt es auch zu einem blutigen Gemetzel am Strand, insgesamt überwiegt aber heitere Ausgelassenheit, ab und zu am Rande unfreiwilliger Komik oder sogar etwas darüber hinaus. Dass es zwischen Wikingern und Mauren keinerlei Sprachbarrieren gibt, sei am Rande erwähnt. Derlei historische Schlampigkeiten haben sich das klassische Hollywood und auch der britische Film ja gern geleistet.

Die Wikinger gehen auf Schatzsuche

Aus heutiger Sicht wirkt einiges arg altbacken, etwa das Frauenbild und das Bild vom Umgang mit Frauen, das der Film transportiert. Erwähnt sei in dem Zusammenhang insbesondere die Erstürmung von Aly Mansuhs Harem durch die Wikinger. Das hat „The Long Ships“, so der Originaltitel, mit Richard Fleischers „Die Wikinger“ (1958) gemein. Für mich bewegen sich beide Abenteuer auf etwa einem Niveau. Welches von ihnen man bevorzugt, erscheint mir rein als persönliche Präferenz, also: Geschmackssache.

Orm will Gerda beschützen

Die Regie-Filmografie von Jack Cardiff ist gar nicht so groß. Sein bekanntester Film mag die britische D.-H.-Lawrence-Verfilmung „Söhne und Liebhaber“ (1960) mit Dean Stockwell und Trevor Howard sein, der ihm einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung einbrachte. Ungleich aktiver und erfolgreicher war Cardiff als Kameramann: Für die Kamera von „Die schwarze Narzisse“ (1947) hatte er den Oscar und den Golden Globe erhalten. Weitere bedeutsame Kameraarbeiten Cardiffs sind „African Queen“ (1951), „Krieg und Frieden“ (1956) und „Fanny“ (1961). Schon bei „Die Wikinger“ hatte er Erfahrung damit gesammelt, die kriegerischen Nordmänner ins rechte Licht zu rücken.

Mediabook von Koch Films

Koch Films hat „Raubzug der Wikinger“ in anständiger Bild- und Tonqualität als Mediabook veröffentlicht. Der Film liegt darin als Blu-ray und DVD vor. Das Bonusmaterial auf den Discs ist eher spärlich geraten. Über das Booklet und die Aufmachung des Mediabooks kann ich keine Angaben machen, da mir das Endprodukt nicht vorlag. Es dürfte die übliche Qualität der Koch-Mediabooks halten. Wer Wikinger-Abenteuern ohne Anspruch auf historische Akkuratesse etwas abgewinnen kann, macht mit „Raubzug der Wikinger“ nichts falsch.

Ein ganzer Kerl: Rolf

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jack Cardiff haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Sidney Poitier und Richard Widmark unter Schauspieler.

Wikingerkrieger Orm tritt gegen den Mauren-Scheich an, um seine Liebste zu retten

Veröffentlichung: 27. Mai 2021 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), 8. Juli 2003 als DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Long Ships
GB/JUG 1964
Regie: Jack Cardiff
Drehbuch: Berkely Mather, Beverley Cross, nach einem Roman von Frans G. Bengtsson
Besetzung: Richard Widmark, Sidney Poitier, Russ Tamblyn, Gordon Jackson, Colin Blakely, Rosanna Schiaffino, Oskar Homolka, Edward Judd, Lionel Jeffries, Beba Loncar, Clifford Evans, David Lodge
Zusatzmaterial Mediabook: deutscher und englischer Trailer, Bildergalerie, Booklet
Zusatzmaterial DVD: Trailer, Trailershow
Label/Vertrieb Mediabook: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Mediabook-Packshot: © 2021 Koch Films,
DVD-Packshot: © 2003 Sony Pictures Entertainment

 
 

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