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The 51st State – Irrwitzige Jagd nach Wunderdroge

The 51st State

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // Was für eine Ansammlung ikonischer Figuren hat der aus Hongkong stammende Regisseur Ronnie Yu („Freddy vs. Jason“) da versammelt! Beginnend mit Elmo McElroy (Samuel L. Jackson): 1971 hat er sich als frischgebackener Pharmakologe seine berufliche Laufbahn versaut, weil er sich von einem State Trooper mit Marihuana erwischen ließ. Das hat ihn offenbar in die Kriminalität getrieben: 30 Jahre später hat McElroy im Auftrag des cholerischen Gangsterbosses „The Lizard“ (Meat Loaf) in Los Angeles eine ominöse synthetische Wunderdroge zusammengebraut. Doch statt ihm die Rezeptur auszuhändigen, sprengt er das Drogenlabor in die Luft, wirft sich seinem Mc-Namen entsprechend in eine Schottentracht inklusive Kilt, stellt all sein Hab und Gut mit einem Schild „Free Shit“ in den Vorgarten und verzieht sich über den großen Teich nach Liverpool, um die Formel der Droge dort an den Mann zu bringen.

Widerwillig hilft DeSouza (l.) dem Besuch aus den USA

Der Lizard hat die Explosion allerdings wider Erwarten knapp überlebt und schickt McElroy schnurstracks die Profikillerin Dakota Parker (Emily Mortimer) hinterher, die bei ihm verschuldet ist. In Liverpool lernen wir den großmäuligen Kleinganoven Felix DeSouza (Robert Carlyle) kennen, der als beinharter Liverpool-FC-Fan gern Anhänger gegnerischer Fußballvereine provoziert, auf ein kurz bevorstehendes Match seines Clubs gegen den Erzrivalen Manchester United hinfiebert und McElroy im Auftrag des lokalen Drogenbosses Leopold Durant (Ricky Tomlinson) am Flughafen abholt.

Die Droge, die alles in den Schatten stellt

„Mein Produkt ist 51 Mal stärker als Kokain, 51 Mal halluzinogener als Acid und 51 Mal explosiver als Ecstasy. Es ist so, als bekämen Sie einen persönlichen Besuch vom lieben Gott.“ So vollmundig preist McElroy gegenüber Durant seine Kreation an, die zudem aus rezeptfreien und legalen Zutaten besteht – er nennt sie MDS 51 (im Original: POS 51), eine Abkürzung, die zum Finale erklärt wird. Doch der Deal, der ihm 20 Millionen Dollar einbringen soll, platzt, weil Dakota Parker auf überaus bleihaltige Weise dazwischenfunkt. Die dafür erforderlichen Schusswaffen hat sie sich zuvor beim exzentrischen Höker Iki (Rhys Ifans) besorgt. Der will alsbald als Abnehmer der Formel einspringen.

Dakota Parker hat schon die Witterung aufgenommen

Der korrupte Kriminalpolizist Detective Virgil Kane (Sean Pertwee) ist DeSouza und McElroy auf den Fersen. Ach ja: Ein paar gewalttätige Nazi-Skinheads mischen auch mit, beziehen jedoch immer wieder Prügel – ein Running Gag, der jedem vernunftbegabten Filmgucker Freude bereiten dürfte. Eine Diarrhö-bedingte Fäkal-Einlage darf da nicht fehlen.

Auch Izi riecht ein großes Geschäft

Die erlesene Besetzung adelt „The 51st State“. Robert Carlyle („Ganz oder gar nicht“) reißt sein Maul immer wieder ganz weit auf – wunderbar, seinen breiten englischen Akzent zu hören, es empfiehlt sich natürlich die Originaltonspur. Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“) beweist, dass er auch im Schottenrock bei einem Wettbewerb um den Titel „Coolste Sau des Planeten“ weit vorn landen würde. Emily Mortimer („Match Point“) ist auch als gnadenlose Auftragsmörderin zauberhaft. Wer würde von ihr nicht gern gejagt werden? Aber zugegeben, auf eine Gewehrkugel im Allerwertesten oder anderswo verzichte ich doch lieber.

Der große Einfluss der USA

Das Vereinigte Königreich wird gelegentlich als 51. Bundesstaat der USA („51st State“) bezeichnet, weil der kulturelle und politische Einfluss der USA auf England & Co. so groß sei. Meine erste Sichtung des Films datiert von 2002, als „The 51st State“ beim Fantasy Filmfest Deutschland-Premiere feierte. Der actionreichen Krimikomödie haben die gut anderthalb Jahrzehnte nicht das Geringste angehabt. Die mit interessanten Wendungen gespickte Krimihandlung wartet mit schrägen Gestalten, ebensolchen Dialogen, viel Witz und ein paar überdrehten Gewaltspitzen auf. „The 51st State“ bereitet viel Freude.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Carlyle und Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

McElroy (l.) und DeSouza müssen sich ein paar Nazi-Skinheads vom Leib halten

Veröffentlichung: 6. September 2018 als Blu-ray und DVD, 13. März 2003 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The 51st State
Alternativtitel: Formula 51
GB/KAN 2001
Regie: Ronnie Yu
Drehbuch: Stel Pavlou
Besetzung: Samuel L. Jackson, Robert Carlyle, Emily Mortimer, Rhys Ifans, Meat Loaf, Sean Pertwee, Paul Barber, David Webber, Junix Inocian, Stephen Walters, Mac McDonald
Zusatzmaterial: Interviews, B-Roll, Stadtansicht Liverpool, Trailershow
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Label/Vertrieb 2003: Constantin Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Concorde Home Entertainment

 

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Danny Boyle (IV): T2 Trainspotting – Fast so wie damals

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T2 Trainspotting

Kinostart: 16. Februar 2017

Von Andreas Eckenfels

Drama // Choose Life. Ende der 90er-Jahre durfte es in keiner Studentenbude fehlen: ein weiß-orangenes „Trainspotting“-Plakat an der Wand. Ich selbst hatte mich nicht für das klassische Motiv der vier beziehungsweise fünf Hauptfiguren – wenn man Diane (Kelly Macdonald) mitzählt – in ihren Posen entschieden, sondern für ein Standbild der Szene, als Renton (Ewan MacGregor) aus der „dreckigsten Toilette Schottlands“ wieder auftaucht. Selbstredend lief auch der Soundtrack inklusive Iggy Pops „Lust for Life“ hoch und runter, nach durchzechter Nacht holte Lou Reeds „Perfect Day“ einen langsam wieder in den Alltag zurück. Keine Frage, Danny Boyle hat aus dem Roman von Irvine Welsh einen echten Kultfilm geschaffen, ein bitteres und dreckiges Porträt der britischen Jugend und der Generation X.

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Renton (l.) und Spud blicken über ihre Heimatstadt

21 Jahre nach „Trainspotting – Neue Helden“ ist nun doch noch die nicht mehr für möglich gehaltene Fortsetzung mit der kompletten Originalbesetzung entstanden. Danny Boyle fasste auf der Pressekonferenz während der Berlinale, wo „T2 Trainspotting“ im Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wurde, die Gründe für die lange Wartezeit zusammen – schließlich war Welshs Nachfolgeroman „Porno“ bereits 2002 veröffentlicht worden. Nach vier gemeinsamen Filmen hatte es 2000 zwischen Boyle und MacGregor zum zeitwilligen Bruch geführt: Statt seinem Kumpel entschied sich der Regisseur, Leonardo DiCaprio für die Hauptrolle in „The Beach“ zu besetzen. John Hodge wurde zwar schon früh beauftragt, ein Drehbuch zu „Porno“ zu verfassen, welches aber niemanden wirklich zufriedenstellte. Wie Boyle erklärt, wurde das fertige Skript noch nicht mal an die Darsteller verschickt. So verging die Zeit. Erst 2014 reiften die Pläne, endlich das Sequel zu verwirklichen. „T2 Trainspotting“ greift dabei nur sehr minimal einige Aspekte von „Porno“ auf. Im Grunde ist es eine komplett eigenständige Handlung.

Rückkehr nach Edinburgh

20 Jahre nachdem Renton seine Freunde Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) übers Ohr gehauen hat und mit einer Tasche voller Drogengeld nach Amsterdam geflüchtet ist, kehrt er nach Edinburgh zurück. Während sich die Innenstadt inzwischen für Touristen herausgeputzt hat, ist der Stadtteil Leith, in dem er aufgewachsen ist, noch immer vergammelt wie und je. Auch sonst hat sich kaum etwas verändert: Spud hängt nach wie vor an der Nadel; Sick Boy führt eine Kneipe und versucht mit der Hilfe seiner bulgarischen Freundin Veronika (Anjela Nedyalkova), zahlungskräftige Ehemänner mit Sexfotos zu erpressen.

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Anstoßen auf die alten Zeiten

Nachdem die Freunde die Friedenspfeife geraucht haben, eröffnet der geschäftstüchtige Sick Boy, dass er seine Kneipe in ein Bordell umfunktionieren will. Mit ein paar kleinen Gaunereien besorgen er und Renton das nötige Startkapital. Während die Umbauarbeiten beginnen, gelingt Begbie die Flucht aus dem Knast. Der alkoholsüchtige Schläger ist auf Renton überhaupt nicht gut zu sprechen und macht sich auf die Jagd nach seinem alten Freund.

Schwelgen in alten Zeiten

„You are a tourist in your own youth“, sagt Sick Boy einmal zu Renton. „What other moments will you be revisting?“. Ja, die Nostalgiewelle schäumt in „T2 Trainspotting“ schon fast über. Das funktioniert, wenn wir die Freunde als Kinder sehen und durch kleine Ausschnitte, die wir noch nicht kannten, mehr aus ihrem Leben erfahren. Auch durch die Musik und einige Szenen werden Erinnerungen an die großen Momente des ersten Teils wachgerufen.

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Nicht alle Gaunereien von Renton und Sick Boy sind von Erfolg gekrönt

Doch dieses Schwelgen in alten Zeiten geht sogar so weit, dass ganze Passagen aus dem Vorgänger erneut gezeigt werden. Boyle traut den Zuschauern etwas zu wenig zu. Dabei dürften die Bilder aus „Trainspotting“ im kollektiven Gedächtnis der Filmfans doch fest verankert sein. Ärgerlich ist es auch, wenn Renton der jungen Veronika die Bedeutung seines legendären „Choose Life“-Monologs haarklein erklärt. Immerhin überträgt er diese für sie auf die heutige, von sozialen Netzwerken und Medien geprägte Generation. Es bleibt einer der wenigen Bezüge zur Gegenwart. Die Figuren leben ansonsten in der Vergangenheit und müssen gleichzeitig damit klarkommen, dass sie Mitte 40 sind, aber keine Ahnung haben, was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen sollen. Das ist das eigentlich spannende Thema in „T2 Trainspotting“.

Irrwitzige Situationen

Die Fortsetzung wäre nach all den Jahren nicht zwingend nötig gewesen und kann dem Vorgänger auch nicht das Wasser reichen. Dennoch schauen wir beim Wiedersehen sehr gern zu. Visuell fällt Boyle wieder einiges ein, auch der Soundtrack stimmt. Die Figuren versprühen dank ihrer Darsteller noch immer die gleiche Energie. Renton und Sick Boy geraten immer wieder in irrwitzige Situationen, der schlaksige Spud scheint das Pech noch immer gepachtet zu haben – bis er seine poetische Ader entdeckt. Begbie schließlich ist noch immer der furcheinflößende Hypochonder, dem jederzeit die Sicherungen durchbrennen können. Renton muss nach einer erneut denkwürdigen Toilettenszene um sein Leben rennen und wird dabei fast von einem Auto angefahren, was er schweratmend mit seinem bekannten grinsenden Blick in die Windschutzscheibe quittiert – fast so wie damals.

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Lebensgefahr: Begbie (r.) entdeckt Renton

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Danny Boyle sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Robert Carlyle und Ewan McGregor in der Rubrik Schauspieler.

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Die Gang ist wieder vereint

Länge: 117 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: T2 Trainspotting
GB 2017
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: John Hodge, Irvine Welsh
Besetzung: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Robert Carlyle, Anjela Nedyalkova, Kelly Macdonald, Gordon Kennedy, James Cosmo, Steven Robertson
Verleih: Sony Pictures Germany

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Sony Pictures Germany

 

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