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Colors – Farben der Gewalt: Dennis Hoppers eindringlicher Blick auf Cops und Gangster

Colors

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Wir schreiben die 80er-Jahre. „CRASH“ nennt sich die Abteilung des Los Angeles Police Department, die sich mit Bandenverbrechen beschäftigt – das Akronym steht für „Community Resources Against Street Hoodlums“ (Kommunale Ressourcen gegen das Straßengangsterwesen). Mit der „OSS“ („Operation Safe Streets“ – Operation sichere Straßen) des Los Angeles County Sheriff’s Department formt „CRASH“ eine Einheit von 250 Ordnungshütern. Ihnen gegenüber stehen im Großraum Los Angeles mehr als 600 Gangs mit 70.000 Mitgliedern.

Die ungleichen Cops Hodges (l.) und McGavin …

Nach dieser Einordnung per zu Beginn eingeblendeter Texttafel werden wir unmittelbar ins Geschehen geworfen: Dem erfahrenen „CRASH“-Officer Bob Hodges (Robert Duvall) wird der so eitle wie heißblütige Anfänger Danny McGavin (Sean Penn) als neuer Partner zugeteilt. Ihr erster gemeinsamer Einsatz führt sie gleich an den Tatort eines Mordes: Bei einem Drive-by-Shooting wurde ein Mitglied einer Bloods-Gang abgeknallt. Die Bluttat beging offenbar ein Mitglied der Crips. Während Hodges versucht, in der Testosteron-geschwängerten Atmosphäre der Gangs besonnen zu agieren, gehen mit McGavin schnell mal die Pferde durch. Doch den beiden bleibt nichts anderes übrig, als sich zusammenzuraufen, wollen sie im permanent schwelenden Krieg der verfeindeten Gangs nicht untergehen.

Die Bloods und die Crips

Die Bloods und die Crips gibt es wirklich – die beiden in der Drogenkriminalität aktiven Gangs wurden in den 60er- bzw. 70er-Jahren in Los Angeles gegründet und zeichnen sich durch hohe Gewaltbereitschaft aus. Als Erkennungsfarbe dient den Crips Blau, während sich die Bloods für Rot entschieden haben. So richtig clever erscheint das nicht, da es die Identifizierung durch Polizei und rivalisierende Gangs erleichtert, aber sei’s drum.

… müssen sich als Partner zusammenraufen

Schauspieler Dennis Hopper („Apocalypse Now“) hatte 1969 mit dem Biker-Kultfilm „Easy Rider“ sein Regiedebüt vorgelegt, seine beiden folgenden Regiearbeiten „The Last Movie“ (1971) und „Out of the Blue“ (1980) fanden allerdings deutlich weniger Beachtung. Mit „Colors – Farben der Gewalt“ gelingt ihm 1988 ein erstaunlich stilsicherer Blick auf die Gang-Szene von Los Angeles und gleichzeitig ein herausragender Beitrag zum sogenannten Police-Procedural-Film – einem Subgenre des Krimis, das starken Fokus auf die Alltagsrealität von Polizisten sowie ihre Einsätze und ihr Vorgehen legt. Es ist ein Buddy-Movie, dem allerdings der kumpelhafte Humor anderer Vertreter wie „Red Heat“ aus dem gleichen Jahr und der „Lethal Weapon“-Reihe abgeht.

Der Veteran und der Rookie

Die Konstellation des erfahrenen Cops, der einen Rookie unter seine Fittiche nimmt, war auch 1988 nicht mehr neu, wird aber von Robert Duvall und Sean Penn mit feinfühliger Schauspielkunst zum Leben erweckt. Gleichzeitig versucht sich Regisseur Hopper auch daran, ins Gangleben vorzudringen und ein Gefühl, wenn nicht gar Verständnis dafür aufzubringen – wenn nicht für die allgegenwärtige Kriminalität, so doch für den Zusammenhalt der Gangs, die sich als Familien begreifen und deren Mitglieder bei aller Coolness doch starke Emotionen zeigen. Sofern sie nicht gerade zu stoned sind. Ob das authentisch ist, vermag ich mangels eigener Einblicke in diese fremde Welt nicht zu beurteilen, es wirkt jedenfalls so. Immerhin waren echte Gangmitglieder an der Produktion beteiligt, von denen angeblich sogar zwei während der Dreharbeiten erschossen wurden.

Im Einsatz im Ghetto …

Die sorgfältig ausgewählten Songs des Soundtracks, darunter der Titeltrack von Ice-T (siehe unten), geben den Takt vor – mit starken Hip-Hop-Beats, aber nicht nur, denn die Cops hören selbstverständlich andere Musik. In vielen Sequenzen verzichtet Hopper auch auf auf musikalische Untermalung – gut so.

… ist höchste Aufmerksamkeit geboten

Die alten DVD-Auflagen von „Colors – Farben der Gewalt“ sind im Handel vergriffen, daher ist die Neuveröffentlichung von capelight pictures zu begrüßen. Das Mediabook kommt in zwei Covervarianten daher. Es hält die Qualität, die wir von den Veröffentlichungen des Labels kennen. Im Booklet finden sich ein kenntnisreicher Text zur Tradition des Police-Procedural-Films, Ausführungen über Vorproduktion und Dreharbeiten sowie die Welt der Straßengangs. Ein Text beschäftigt sich auch mit der Resonanz auf den Film, der seinerzeit fürs Kino um ein paar durchaus nicht unbedeutende Sequenzen gekürzt worden war. Das capelight-Mediabook enthält sowohl die Langfassung (auf Blu-ray und DVD) sowie auf einer Bonus-Blu-ray auch den Kino-Cut. „Colors – Farben der Gewalt“ hat auch heute nichts an seiner Intensität eingebüßt und das Bild des realistischen Gang-Thrillers entscheidend mitgeprägt. Ein Meisterwerk und „Easy Rider“ zum Trotz Hoppers womöglich beste Regiearbeit.

Don Cheadle und Tony Todd

In einer kleinen Rolle als Mitglied der Crips ist Don Cheadle zu sehen. Nach „Hamburger Hill“ (1987) markiert „Colors – Farben der Gewalt“ den zweiten Kinoauftritt des später für „Hotel Ruanda“ für den Oscar nominierten Schauspielers. Horrorfans, aufgepasst: Bei einer Bürgerversammlung eine halbe Stunde nach Beginn hat Genre-Ikone Tony Todd („Candymans Fluch“) einen kurzen Auftritt als Vietnamveteran, der seinem Ärger Luft macht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Duvall, Dennis Hopper, Sean Penn und Tony Todd sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Einen lesenswerten Text zu „Colors – Farben der Gewalt“ hat auch Christoph auf seinem Blog „Fluxkompensator“ veröffentlicht.

Ein kurzer Moment der Entspannung

Veröffentlichung: 1. Dezember 2017 als 3-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray & 2 DVDs, zwei Covervarianten) und DVD, 4. September 2006 als DVD (20th Century Fox Home Entertainment), 26. Juli 2001 als DVD (MGM Home Entertainment)

Länge: 127 Min. (Blu-ray, Unrated Cut), 120 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 122 Min. (DVD, Unrated Cut)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Colors
USA 1988
Regie: Dennis Hopper
Drehbuch: Michael Schiffer
Besetzung: Sean Penn, Robert Duvall, Maria Conchita Alonso, Randy Brooks, Grand L. Bush, Don Cheadle, Gerardo Mejía, Sy Richardson, Glenn Plummer, Trinidad Silva, Damon Wayans
Zusatzmaterial: „Notruf“: Interview mit Drehbuchautor Michael Schiffer, „Räuber & Gendarm“: Interview mit Dennis Fanning (technischer Berater am Set und ehemaliges Mitglied der LAPD Gang Division), Kinotrailer, Trailershow
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2017 Al!ve AG / capelight pictures

 

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Der Mann ohne Nerven – Das Granitgesicht kann grinsen

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Breakout

Von Andreas Eckenfels

Actionkomödie // 28 Jahre Haft! Geschäftsmann Jay Wagner (Robert Duvall) landet als mutmaßlicher Mörder in einem mexikanischen Knast. Die Tat hat er nicht begangen, sein Großvater (John Huston) hat die böse Intrige gegen seinen Enkel gesponnen. Jays Ehefrau Ann (Jill Ireland) ist verzweifelt und beauftragt den abenteuerlustigen Piloten Nick Colton (Charles Bronson) und dessen Partner Hawk Hawkins (Randy Quaid), ihren Mann zu befreien. Nachdem die ersten Ausbruchsversuche scheitern, beschließt Nick schließlich, Jay mit einer waghalsigen Aktion herauszuholen. Mit einem Helikopter will er mitten im Gefängnishof landen, Jay einsammeln und mit ihm in die Freiheit fliegen. Ob sein Plan aufgeht?

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Ann will ihren Mann Jay aus dem Knast befreien – koste es, was es wolle

Der Plan ging zumindest im August 1971 auf. Der New Yorker Geschäftsmann Joel David Kaplan saß seit 1962 zu Unrecht wegen Mordes im Gefängnis Santa Maria Acatitla in Mexiko Stadt und wurde von Pilot Vic Stadter per Helikopter befreit. Die wahre Geschichte wurde in dem Buch „The 10-Second Jailbreak: The Helicopter Escape of Joel David Kaplan“ (1973) von Eliot Asinof, Warren Hinckle und William Turner zusammengefasst, welches widerrum für „Der Mann ohne Nerven“ als Grundlage diente. Angeblich war auch die CIA in den Fall involviert. Regisseur Tom Gries konzentrierte sich allerdings anders als die literarische Vorlage weniger auf die Hintergründe, weswegen Kaplan in die Intrige geriet. Vielmehr ist er daran interessiert, die Ausbruchsversuche möglichst spektakulär in Szene zu setzen.

An Bronsons Seite

Die Fluchtversuche sind mal spannend inszeniert – wenn Jay in einem Sarg versteckt aus dem Gefängnis getragen wird, dann aber wegen eines Verrats darin lebendig begraben wird, – mal durchaus amüsant – wenn sich Hawk in Frauenkleidern in den Knast schleichen will, aber von den Wachen entdeckt wird. Sie sind aber stets zum Scheitern verurteilt. Randy Quaid wurde damals schon als chaotischer Sidekick engagiert. Die zahlreichen Luftaufnahmen in „Der Mann ohne Nerven“ sorgen für zusätzlichen Reiz, beim finalen Helikopterflug sitzt der Zuschauer sozusagen auf dem Sitz neben Charles Bronson.

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Der abenteuerlustige Pilot Nick übernimmt den Job

Überhaupt ist Bronson in „Der Mann ohne Nerven“ so entspannt wie selten zu sehen. Der für seine meist wortkargen und stoischen Figuren bekannte Star ist mehr als redselig und hat häufig ein Grinsen im furchigen Granitgesicht. Das Zusammenspiel mit seiner Ehefrau Jill Ireland – es war ihr achter gemeinsamer Film – ist fast zärtlich. Wie auch sein Faustkämpfer Chaney in dem ebenfalls im Jahr 1975 erschienenen „Ein stahlharter Mann“ will Nick angeblich nur aufgrund des Geldes den Job übernehmen. Doch als Nick merkt, dass Ann für ihren Mann wirklich alles tun würde, spürt der gutherzige Pilot Zuneigung für die Frau, ohne dass es dabei zu einer Liebesbeziehung zwischen beiden kommt. Diese hätte auch nicht in die Geschichte gepasst. Nick ist ein Ehrenmann, der zu seinem Wort steht und sich nie in die Verbindung drängen würde.

Wegweisende Distributionsmaßnahme

Der unterhaltsamen und routiniert inszenierten Actionkomödie mit dem stimmungsvollen Soundtrack von Jerry Goldsmith kommt auch filmhistorisch eine bedeutende Rolle zu. Mit der Starbesetzung – Charles Bronson gelang 1974 mit „Ein Mann sieht rot“ ein echter Hit, Robert Duvall hatte zuvor „Der Pate 2“ gedreht – entschied sich das Produktionsstudio Columbia Pictures für eine bis dato kaum genutzte Distributionsmaßnahme, das sogenannte saturation booking, das bald zur gängigen Praxis in Hollywood werden sollte. In diesen Zeiten wanderten die Filmkopien in den USA üblicherweise von Stadt zu Stadt und wurden so über mehrere Monate hinweg nach und nach dem Publikum zugänglich gemacht. „Der Mann ohne Nerven“ wurde stattdessen mit enormem Marketingaufwand angeblich mit 1.300 Kopien in 1.000 US-Kinos gleichzeitig gestartet. Zuvor war US-Produzent Joseph E. Levine (1905–1987) eines der wenigen prominenten Beispiele – er wagte es 1959, den italienischen Sandalenfilm „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ mit Steve Reeves in 624 Kinos landesweit parallel anlaufen zu lassen. Im Juni 1975 sollte sich auch Universal Pictures zu diesem Schritt entscheiden: Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ startete in 409 US-Kinos gleichzeitig und löste auch dank einer enormen TV-Werbekampagne bald „Der Pate“ (1971) als erfolgreichsten Film aller Zeiten ab. Das moderne Blockbusterkino war geboren.

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Jays erste Ausbruchsversuche schlagen fehl

So viel Erfolg war „Der Mann ohne Nerven“ nicht vergönnt. Das Bronson-Vehikel konnte in den Vereinigten Staaten aber immerhin ordentliche 16 Millionen US-Dollar einspielen. Bronson und Gries drehten anschließend auch „Nevada Pass“ miteinander. Es sollte der vorletzte Spielfilm des Regisseurs werden – er starb 1977 im Alter von 54 Jahren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charles Bronson und/oder Robert Duvall sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Waghalsiger Plan: Nick will Jay mit einem Helikopter rausholen

Veröffentlichung: 17. Januar 2017 als Blu-ray, 9. April 2002 als DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Breakout
USA 1975
Regie: Tom Gries
Drehbuch: Howard B. Kreitsek, Marc Norman, Elliott Baker
Besetzung: Charles Bronson, Robert Duvall, Jill Ireland, Randy Quaid, Sheree North, John Huston, Jorge Moreno, Emilio Fernández
Zusatzmaterial Blu-ray: US-Kinotrailer, Bildergalerie, Wendecover
Vertrieb: Koch Films (Blu-ray), Sony Pictures Home Entertainment (DVD)

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

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Fotos & Packshot Blu-ray: © 2017 Koch Films / Explosive Media, Packshot Blu-ray: © 2002 Sony Pictures Home Entertainment

 

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Der große Minnesota Überfall – Jesse James reitet wieder

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The Great Northfield, Minnesota Raid

Von Volker Schönenberger

Western // Jesse James (1847–1882) gehört zu den großen mythischen Figuren des Wilden Westens. Die Verbrecherlaufbahn seiner Bande hat sich daher zwangsläufig in vielfacher Weise auf der Kinoleinwand niedergeschlagen. Tyrone Power hat ihn 1939 in „Jesse James – Mann ohne Gesetz“ gespielt, Audie Murphy 1950 in „Reiter ohne Gnade“ und 1969 in „A Time for Dying“, Robert Wagner 1957 in „Rächer der Enterbten“. Bemerkenswert ist Walter Hills ohnehin großartige Umsetzung „The Long Riders“ (1980), in dem vier Brüdergespanne der Story jeweils von Schauspieler-Brüdergespannen gespielt worden sind – Jesse und Frank James von James und Stacy Keach. 1986 entstand der Fernsehfilm „Die letzten Tage von Frank und Jesse James“ mit Johnny Cash und Kris Kristofferson in den Titelrollen.

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Jesse James lässt die Vergangenheit nicht los

Kongenial verfilmt hat Andrew Dominik das Ende des Outlaws 2007 in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ mit Brad Pitt – obwohl (oder gerade, weil?) Dominik bemüht war, die historischen Details so akkurat wie möglich nachzuerzählen.

Robert Duvall als Jesse James

Robert Duvall sehen wir ja immer wieder gern. Der siebenfach Oscar-nominierte und für „Comeback der Liebe“ (1983) immerhin einmal Oscar-prämierte Kalifornier spielte Jesse James 1973 in „The Great Northfield, Minnesota Raid“, so der Originaltitel. „Der große Minnesota Überfall“ hat tatsächlich stattgefunden: am 7. September 1876. Sein Ausgang wird in Northfield – Vorsicht, Spoiler – sogar jährlich gefeiert: bei „The Defeat of Jesse James Days“, einem fünftägigen Volksfest mit zahlreichen Attraktionen, darunter natürlich Inszenierungen des Überfalls.

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Die Bande bereitet sich auf den Überfall vor

Der Film beschreibt, wie die Banditen um Jesse und Frank (John Pearce) James sowie Cole Younger (Cliff Robertson) nach dem Ende des US-Bürgerkriegs um ein Haar amnestiert werden. Einige Bankiers hintertreiben die Begnadigung aber. Die jagen ihnen die legendäre Pinkerton-Agentur auf die Fersen. Dennoch planen die Gangster einen großen Coup: den Überfall auf die Bank von Northfield in Minnesota.

Die Ära des Spätwesterns

1973 war New Hollywood in vollem Gange, was sich auch aufs Westerngenre auswirkte: Sam Peckinpah hatte mit „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“ (1969) und „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ (1973) ebenso eher Abgesänge abgeliefert wie George Roy Hill mit „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (1969). Es geht – auch durch den Einfluss des Italo-Westerns – schmutziger, staubiger und schlammiger zu als in den Edel-Western mit John Wayne oder James Stewart. Das gilt auch für „Der große Minnesota Überfall“, einem Frühwerk von Philip Kaufman („Die Körperfresser kommen“, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“).

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Fatale Folgen

Kaufman kontrastiert famos die beiden treibenden Kräfte der Bande: Cole Younger, dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan, ist willens, sich dem veränderten Lauf der Dinge anzupassen, Jesse James hingegen will weiter das machen, was er vorher gemacht hat. Für ihn ist der Bürgerkrieg gegen die Yankees noch lange nicht vorüber.

Deutsche Erstveröffentlichung – auch als Blu-ray

Das macht „Der große Minnesota Überfall“ zu einem mehr als würdigen Vertreter der „Edition Western Legenden“ von Koch Films – in deutscher Erstveröffentlichung (eine uralte VHS-Version mag es geben, das entzieht sich aber meiner Kenntnis) und sogar auf Blu-ray. Bild und Ton haben anständige Qualität, aber ohne Wow-Effekt. Trotzdem natürlich eine bedeutsame Veröffentlichung eines sehenswerten Films – ein toller Spätwestern.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Duvall sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Die „Edition Western Legenden“ haben wir in der Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 28. Januar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Great Northfield, Minnesota Raid
USA 1972
Regie: Philip Kaufman
Drehbuch: Philip Kaufman
Besetzung: Cliff Robertson, Robert Duvall, Luke Askew, R. G. Armstrong, Dana Elcar, Donald Moffat, Matt Clark, Royal Dano, Elisha Cook Jr., William Callaway
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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