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Gingerbread Man – Gefährliche Träume: Altman mal nur routiniert

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The Gingerbread Man

Von Simon Kyprianou

Thriller // Durch Zufall lernt der erfolgreiche, geschiedene Strafverteidiger Rick Magruder (Kenneth Branagh) auf einer Party die Kellnerin Mallory Doss (Embeth Davidtz) kennen. Schnell wird klar, dass die junge Frau terrorisiert wird: Sie behauptet, der Täter sei ihr Vater Dixon Doss (Robert Duvall). Rick nimmt sich der Sache an, es gelingt ihm, den alten Mann in die Psychiatrie einweisen lassen. Doch das ist erst der Anfang, denn Doss kommt frei und Rick und Mallory werden von unbekannten bedroht, Ricks Kinder sogar entführt. Mithilfe des Reporters Clyde Pell (Robert Downey jr.) versucht sich Rick aus dem Verwirrspiel zu befreien, in das er geraten ist.

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Rick (l.) und Clyde stellen Untersuchungen an

Altman verfilmte hier eine Story von John Grisham und dort liegt bereits das Problem – viele Kritiken bemängeln es und es ist tatsächlich kaum zu übersehen: Robert Altman und John Grisham sind ganz und gar keine gute Kombination. Man bemerkt, dass sich Altman mit dieser Roman-Adaption nicht wohlfühlt. Seine Filme sind in den besten Fällen anarchisch, unerschrocken zynisch und schier unerträglich abgründig, mit unberechenbaren, von Wahnsinn ergriffenen oder von jedweder Moral verlassenen Figuren kann Altman am besten umgehen, doch in diesem Fall konnte er sich nicht genügend Freiheiten erkämpfen.

Thriller-Kost nach bewährtem Muster

Daher fühlt sich „The Gingerbread Man“ unangenehm nach Stangenware, nach 08/15-Hollywood-Thriller-Ware an, in den Händen eines unberechenbaren Meisters wie Altman völlig fehl am Platz. Für seinen Wahnsinn, sein Genie ist schlicht kein Platz. Natürlich ist das gut gespielt – der Cast ist ja auch wirklich hervorragend – und handwerklich vom routinierten Altman passabel inszeniert, aber eben leider nicht mehr. Der fade Geschmack bleibt.

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Dixon (r.) bringt das Leben aller Beteiligten durcheinander

Ein adäquater Vergleich bietet sich vielleicht mit David Cronenbergs „Tödliche Versprechen“ von 2007 an, ein routiniert und kompetent inszenierter Thriller, der schlicht und ergreifend deswegen ernüchternd ist, weil man von einem Regisseur wie Cronenberg mehr erwartet als bloß routiniertes Handwerk, weil sich ein Film wie „Tödliche Versprechen“ im Werk von Cronenberg schlicht uninteressant anfühlt. Das gilt auch für „Gingerbread Man – Gefährliche Träume“ im Werk von Robert Altman.

Ist das zu streng?

Aber vielleicht ist das auch eine allzu strenge Sicht auf die Dinge, sehenswertes Genrekino, gute, spannende Unterhaltung – trotz einiger eher zähflüssiger Passagen – bietet der Film allemal. Für Altman-Komplettisten ist er ohnehin Pflicht. Kein Platz ist aber leider für die typische Altman-Abgründigkeit wie in „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, auch nicht für Altmans große Erzählkunst wie in „Short Cuts“ und „Nashville“.

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Mallory ist nicht so unschuldig, wie sie tut

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Altman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Robert Duvall unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 22. Oktober 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Gingerbread Man
USA 1998
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Clyde Hayes
Besetzung: Robert Downey jr., Kenneth Branagh, Robert Duvall, Embeth Davidtz, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen, Mae Whitman
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Robert Altman, Interviews mit Cast & Crew, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und Fotos vom Set, Trailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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Der Richter – Recht oder Ehre: Gerichtsdrama ohne Inspiration

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The Judge

Drama // Für den Nebenrollen-Oscar hat’s 2015 nicht gereicht. Den hat erwartungsgemäß J. K. Simmons für seinen Part des harten Orchesterleiters in „Whiplash“ abgeräumt, wie auch schon den Golden Globe und etliche andere Preise. Da hatte Robert Duvall keine Chance. Er wird’s verschmerzen können, steht doch immerhin ein Academy Award für seine Hauptrolle in Bruce Beresfords „Comeback der Liebe“ (1983) auf seinem Trophäenregal. Dazu vier Golden Globes und zahlreiche andere Preise – eine gute Ausbeute für eine große Karriere. Obendrein hat Duvall die Ehre, mit 84 Jahren der älteste Schauspieler zu sein, der je für einen Oscar nominiert worden ist.

Richter unter Mordanklage

In „Der Richter – Recht oder Ehre“ spielt Duvall die Titelrolle, den ehrenwerten Kleinstadt-Richter Joseph Palmer. Der Beginn des Films gehört allerdings Robert Downey Jr., der als Palmers entfremdeter Sohn Hank ein berüchtigter Rechtsanwalt geworden ist und in Chicago reihenweise Schuldige vor der Verurteilung rettet. Als Hanks Mutter und Josephs Ehefrau stirbt, sehen Vater und Sohn einander nach langer Zeit erstmals wieder. Zügig nach ihrer Beerdigung will Hank seine Heimatstadt Carlinville in Indiana wieder verlassen. Doch dann sieht sich sein Vater einem Verfahren wegen Fahrerflucht gegenüber, aus dem bald eine Mordanklage wird.

Viel hat Regisseur David Dobkin in den Film hineingepackt – etwas zu viel. Dass „Der Richter – Recht oder Ehre“ zwischen Justiz- und Familiendrama herumlaviert, macht an sich gar nichts. Dennoch hätte dem Film etwas Entschlackung gutgetan. Was haben wir denn alles? Da ist das Verfahren gegen den Richter, der anfangs von dem linkischen jungen Rechtsanwalt C. P. Kennedy (Dax Shepard) vertreten werden will, dann aber – natürlich – doch auf seinen mittleren Sohn Hank als Strafverteidiger zurückgreift, dem Kennedy assistiert. Ein Running Gag um Kennedys Lampenfieber vor dem Gang in den Gerichtssaal wirkt sonderbar bemüht.

Was wurde aus der Baseball-Karriere?

Hanks älterer Bruder Glen (Vincent D’Onofrio) hatte offenbar in jungen Jahren die Aussicht auf eine Karriere als Baseball-Profi. Dass daraus nichts geworden ist, gehört zu den Dingen, die die Familie stets belastet haben. Der jüngere Bruder Dale (Jeremy Strong) ist geistig schlicht und hantiert permanent mit einer alten 8-MM-Kamera. Seine Figur wirkt nebensächlich und bringt den Film kaum voran.

Dass Hank ein Top-Anwalt ist, bringt zwangsläufig eine Ehekrise und einen kurzen Streit um die Tochter mit sich. Das wird aber nicht groß ausgeführt und ist nur insofern von Belang, als das Ende seiner Ehe Hank die Möglichkeit gibt, sich seiner alten Liebe Samantha (ungewohnt hellblond: Vera Farmiga) wieder zu nähern, die in Carlinville ein Restaurant führt. Klar, dass auch da ein paar alte Wunden zu kitten sind.

Justizdrama à la Hollywood

All das ist toll gespielt, keine Frage, ob von Downey Jr., Farmiga, Duvall oder den anderen. Als Antagonist im Gerichtssaal ist Billy Bob Thornton in der Rolle des Staatsanwalts Dwight Dickham zudem eine hervorragende Wahl. Gerichtsdramen sind für Hollywood nur Fingerübungen, die zieht die Traumfabrik problemlos aus dem Hut. Ob das der Grund ist, dass „Der Richter – Recht oder Ehre“ etwas uninspiriert wirkt? Der Funke will über die – ohnehin langen – 141 Minuten nicht recht überspringen.

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird der Film vermutlich ebenso wenig wie er sich auf einem vorderen Rang in der Liste der Gerichtsdramen setzen wird. Um einen der dort platzierten Filme zu entdecken, reicht allerdings ein Blick in Robert Duvalls Filmografie, auch wenn er nur eine kleine Rolle hatte: „Wer die Nachtigall stört“ mit Gregory Peck markierte 1962 sein Leinwandebüt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Duvall und Billy Bob Thornton sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 26. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 141 Min. (Blu-ray), 136 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Hörfilmfassung für Sehbehinderte Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch und Italienisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Isländisch
Originaltitel: The Judge
USA 2014
Regie: David Dobkin
Drehbuch: Nick Schenk, Bill Dubuque
Besetzung: Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga, Billy Bob Thornton, Vincent D’Onofrio, Jeremy Strong, Dax Shepard
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Hinter den Kulissen, Tiefgehende Einsichten mit Nebendarsteller Dax Shepard, nicht verwendete Szenen mit optionalem Audiokommentar von Regisseur David Dobkin, Wendecover
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Packshot & Trailer: © 2015 Warner Home Video

 

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Weg in die Wildnis – Lonesome Dove: Western in Perfektion

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Lonesome Dove

TV-Western-Miniserie // Sie sind zwei Haudegen vom alten Schlag: Die beiden ehemaligen Texas Ranger Augustus „Gus“ McCrae (Robert Duvall) und Woodrow F. Call (Tommy Lee Jones) haben sich im Grenzstädtchen Lonesome Dove als Viehhändler niedergelassen. Als ihr Ex-Kollege Jake Spoon (Robert Urich) nach zehn Jahren Abwesenheit auftaucht und ihnen von Montana vorschwärmt, beschließen die beiden, eine Herde Rinder dorthin zu treiben. Die Tiere besorgen sich Gus und Woodrow in Mexiko, indem sie Viehdieben kurzerhand deren Beute entwenden. Mit einigen Getreuen und einem Team von Cowboys geht’s in Richtung Montana – ein langer Treck voller Gefahren, den nicht alle Teilnehmer überleben werden.

Ende der 80er-Jahre war das Westerngenre nicht gerade auf dem aufsteigenden Ast. Clint Eastwoods „Pale Rider“ und Lawrence Kasdans „Silverado“ (beide 1985) hatten trotz ihrer Qualitäten keine Renaissance ausgelöst; Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) und Eastwoods „Erbarmungslos“ (1992) waren noch nicht auf der Bildfläche aufgetaucht. Da erschien es als waghalsiges Unterfangen, dass CBS gleich eine Miniserie mit vier anderthalbstündigen Episoden in Auftrag gab, auch wenn sie auf einer hochgelobten Vorlage beruhte (siehe unten). Doch der Erfolg gab dem Fernsehsender Recht – „Lonesome Dove“ erzielte hervorragende Quoten und erhielt diverse Preise, darunter zwei Golden Globes (beste TV-Produktion sowie bester Schauspieler in einer TV-Produktion für Robert Duvall) und sieben Emmys.

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Hure Lorena hat’s Gus angetan

Larry McMurtrys Romanvorlage „Lonesome Dove“ wurde 1986 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Für sein Drehbuch zu „Brokeback Mountain“ erhielt McMurtry mit seiner Ko-Autorin Diana Ossana u. a. einen Oscar und einen Golden Globe. Von McMurtry stammt auch die Romanvorlage zum 1984 fünffach Oscar-prämierten Melodram „Zeit der Zärtlichkeit“. „Wildes Land – Return to Lonesome Dove“, die 1993er-Fortsetzung von „Weg in die Wildnis“, soll im Februar bei uns veröffentlicht werden. Die Miniserie „Dead Man’s Walk – Weg der Verdammten“ von 1996 erzählt die Vorgeschichte. Auch eine zwei Staffeln und 43 Episoden umfassende Serie beruht auf der Vorlage: „Lonesome Dove – The Series“ bzw. – für die zweite Staffel – „Lonesome Dove – The Outlaw Years“. Im deutschen Fernsehen lief „Weg in die Wildnis“ seinerzeit unter dem Titel „Der Ruf des Adlers“.

Der Zynismus der Italo-Western geht der Miniserie ab, dennoch kommt der Tod lakonisch und allgegenwärtig daher. Ein Menschenleben zählt nicht viel. „Weg in die Wildnis“ ist ganz klassischer Western – und was für einer: sechs Stunden voll Hochspannung, Pioniergeist, Heldenmut, tapferer Recken, finsterer Schurken, schöner Frauen und naiver Nachwuchs-Cowboys. Freundschaft und Liebe kommen ebenfalls nicht zu kurz, auch wenn ein ganzer Kerl seine Gefühle nicht zeigt. Auch Indianer tauchen auf, vergleichsweise undifferenziert, aber ein Western muss nicht immer politisch korrekte Geschichtsstunde sein. Die Drehorte in Texas und New Mexico sind fein in Szene gesetzt. Westernstädtchen-Kulissen, Saloons, staubige Landschaften, heikle Flussüberquerungen – die Macher haben ihre Western-Hausaufgaben gemacht.

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Gus und Woodrow ziehen ins Abenteuer

„Weg in die Wildnis“ ist herausragend besetzt, zweifellos ein weiterer Grund für den Erfolg. Robert Duvall und Tommy Lee Jones bilden als zwei knorrige Buddys ein unschlagbares Team – während Duvalls Gus Röcken hinterherläuft oder den lieben Gott einen guten Mann sein lässt, stürzt sich sein Partner Woodrow gern in Arbeit.

Auch in den Nebenrollen tummeln sich prominente Namen: Robert Urich war als vielbeschäftigter Serienstar – etwa „Vegas“ und „Spenser“ – ein gern gesehenes Gesicht auf US-Fernsehbildschirmen. Danny Glover war kurz zuvor mit „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ zum Topstar geworden und hatte auch im bereits erwähnten „Silverado“ mitgewirkt. Auch Diane Lane („Untreu“) als Hure und Anjelica Huston („Die Ehre der Prizzis“) als Gus’ alte Liebe haben „Weg in die Wildnis“ ihren Stempel aufgedrückt. Chris Cooper („American Beauty“) und Steve Buscemi („Boardwalk Empire“) standen damals noch am Anfang ihrer großen Karrieren, trugen aber auch ihren Teil bei. Obwohl Duvall und Jones eindeutig als Hauptdarsteller identifizierbar sind, gewinnt die Miniserie ihre hohe Qualität nicht zuletzt aufgrund des gesamten Ensembles.

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Indianerangriff!

Als überaus gelungen kann der HD-Transfer bezeichnet werden. Das Blu-ray-Bild sieht klasse aus und bildet Kontraste und Konturen sehr gut ab. Zusammenfassend ist zu konstatieren: Wer Western im Allgemeinen und dem klassischen Western im Besonderen etwas abgewinnen kann, für den ist „Weg in die Wildnis“ Pflichtprogramm. Besser kann man das Genre kaum inszenieren – und das, obwohl die Blütezeit des klassischen Westerns zum Zeitpunkt des Drehs schon lange vorbei war. Respekt!

Die Serie besteht aus vier Episoden:

1. Leaving
2. On the Trail
3. The Plains
4. Return

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Simon Wincer sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Steve Buscemi, Robert Duvall und Tommy Lee Jones unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 27. September 2013 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 373 Min. (Blu-ray), 358 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Lonesome Dove
USA 1989
Regie: Simon Wincer
Drehbuch: William Dale Wittliff, nach dem Roman von Larry McMurtry
Besetzung: Robert Duvall, Tommy Lee Jones, Danny Glover, Diane Lane, Robert Urich, Chris Cooper, Anjelica Huston, Steve Buscemi
Zusatzmaterial: Making-of, Interview mit Romanautor Larry McMurtry, Wendecover
Vertrieb: Winkler Film (Al!ve AG)

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Winkler Film (Al!ve AG)

 

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