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Die Legende von Beowulf – Episches Heldengedicht als brutaler Computertrickfilm

Beowulf

Von Volker Schönenberger

Computertrick-Fantasy-Abenteuer // Im Jahr 507 n. Chr. feiert der dänische König Hrothgar (Anthony Hopkins) in seinem Methalle Heorot ein ausschweifendes Gelage. In einiger Entfernung bleibt das nicht unbemerkt: Der riesenhafte Unhold Grendel (Crispin Glover) hat empfindliche Ohren und stört sich an der Ausgelassenheit und dem Lärm. Das grauenhaft entstellte Wesen dringt in Heorot ein richtet mit seinen übermenschlichen Kräften ein Massaker an. Die stärksten Krieger des Königs können nichts gegen Grendel ausrichten, er zerschmettert sie und reißt sie in Stücke, um sich anschließend am Blut seiner Opfer zu laben.

König Hrothgar wird vom …

Weil er keine Möglichkeit sieht, Grendel zu besiegen, lässt Hrothgar die Festhalle versiegeln und gebietet, dass die Zeit des Feierns vorbei ist. Er verspricht demjenigen die Hälfte seiner Reichtümer, der den Unhold bezwingt. Auf Gebete zu den alten Göttern oder dem neuen Gott der Christen will er sich nicht verlassen. „Wir brauchen jetzt einen Helden.“ Der naht in Gestalt von Beowulf (Ray Winstone) vom Volk der Gauten. Mit 14 tapferen Mitstreitern will er Grendel töten.

Episches Heldengedicht aus dem Frühmittelalter

Die am Computer animierte Verfilmung des frühmittelalterlichen epischen Heldengedichts „Beowulf“ wurde mit Motion Capture zum Leben erweckt und in 3D fürs IMAX-System produziert. Regisseur Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“) konnte sich dabei auf einen illustren Cast verlassen: Als Hrothgars Gemahlin Wealthow – und Beowulfs Love Interest – ist Robin Wright zu sehen. Grendels Mutter wird von Angelina Jolie verkörpert. John Malkovich spielt Unferth, den Berater des Königs, die Rolle von Beowulfs bestem Freund Wiglaf übernahm Brendan Gleeson.

… Unhold Grendel heimgesucht

Angesichts all dieser Prominenz ist es fast bedauerlich, dass „Die Legende von Beowulf“ als Computertrickfilm konzipiert worden ist, fallen die Gesichter der Figuren doch zwangsläufig gegenüber den echten Antlitzen der Stars ab, was durchaus zu Lasten charakterlicher Tiefe geht. Aber das Fantasy-Abenteuer hat andere visuelle Reize zu bieten. Mit Ausnahme einiger Bewegungen und von ein paar Gesichtern beeindruckt die spektakuläre technische Umsetzung ungemein. Die FSK-12-Freigabe überrascht etwas – der Film strotzt vor blutigen Details: Da werden Gliedmaßen abgerissen, Körper von Speeren durchbohrt, einem Krieger beißt Grendel sogar genüsslich den Kopf ab. Die artifizielle Visualisierung als Computeranimation mag den Ausschlag für die niedrige Altersfreigabe gegeben haben. In die Kinos kam seinerzeit eine entschärfte Fassung, die dafür entfernten erotischen und gewalthaltigen Bilder wurden später für den Director’s Cut wieder eingefügt. Der erhielt allerdings ebenfalls eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren.

Ein tragisches Ereignis

Fürs Drehbuch nahmen sich der renommierte englische Autor Neil Gaiman („American Gods“, „The Sandman“) und sein Ko-Autor Roger Avary (gemeinsam mit Quentin Tarantino Drehbuch-Oscar für „Pulp Fiction“) einige Freiheiten gegenüber der Vorlage. Ob Werktreue der Filmhandlung größere inhaltliche Tiefe gegeben hätte? Die Frage ist nicht zu beantworten, aber „Die Legende von Beowulf“ ist letztlich mehr Spektakel als Heldenepos. Dabei handelt es sich um die dritte Kino-Adaption der gewaltigen Sage. 1999 entstand der britisch-amerikanische „Beowulf“ mit Christopher Lambert in der Titelrolle, 2005 eine kanadisch-isländisch-britische Version mit dem Titel „Beowulf & Grendel“ mit Gerard Butler als Beowulf. Mangels Sichtung der beiden kann ich keine Vergleiche ziehen. „Die Legende von Beowulf“ zeigt mächtige Fantasy, wobei mich bei der Sichtung das Gefühl beschlichen hat, dass mehr drin gewesen wäre.

Beowulf hat die Krone übernommen und ist alt geworden

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brendan Gleeson und Anthony Hopkins sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Wiglaf steht treu an der Seite seines Herrschers

Veröffentlichung: 9. Oktober 2014 als Blu-ray 3D, 4. März 2012 als Blu-ray und DVD im Steelbook, 28. Mai 2010 als Premium Collection Blu-ray, 14. März 2008 als 2-Disc Special Edition DVD, 13. März 2008 als Blu-ray

Länge: 115 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 100 Min. (Director’s Cut, DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch u. a.
Originaltitel: Beowulf
USA 2007
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Neil Gaiman, Roger Avary
Besetzung: Ray Winstone, Anthony Hopkins, Robin Wright, John Malkovich, Angelina Jolie, Dominic Keating, Brendan Gleeson, Costas Mandylor, Alison Lohman, Crispin Glover
Zusatzmaterial: Die Reise eines Helden – Das Making-of von „Die Legende von Beowulf“, Die Legende von Beowulf – Eine lange Reise (The Volume, Voerbereitungen für die T-Pose, Was ist E.O.G.?, Die Requisiten, Die Scanner, Die Stunts, animiertes Storyboard der Grendel-Kampfszene, „Fight Me“ – Robert Zemeckis bei der Arbeit, „Baby, It’s Cold Inside“, Der Ursprung der Legende von Beowulf, Die Entstehung von „Die Legende von Beowulf“, Beowulfs Beast of Burden – Beowulfs Monster, Auf der Suche nach dem perfekten Beowulf), zusätzliche Szenen
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenbilder & Steelbook-Packshot: © Warner Home Video

 
 

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Wonder Woman – Amazone, Prinzessin, Role Model

Wonder Woman

Kinostart: 15. Juni 2017

Von Kay Sokolowsky

Fantasy-Abenteuer // Unter den Superhelden im DC-Comic-Kosmos gibt Diana Prince aka Wonder Woman sicherlich die märchenhafteste Gestalt ab, besser: die sagenhafteste. Sie ist die Tochter der mythischen Amazonenkönigin Hyppolita und des Göttervaters Zeus – aus Lehm geformt und wundersam belebt, Botschafterin des Friedens in der fremden Welt der Männer und zugleich die größte Kriegerin, die jemals gelebt hat. Dass sie übermenschlich schön ist, versteht sich von selbst.

Die Herrscherin von Themiscyra macht sich Sorgen um Dianas Schulnoten

Zusammen mit Superman und Batman stellt Wonder Woman so etwas wie die Heilige Dreifaltigkeit des DC-Universums dar. Deshalb war es höchste Zeit, dass die tapfere Unsterbliche ihren Solo-Einstand in den DC-Adaptionen von Warner Bros. feiert. Für den eiligen Leser vorab: Er ist weitgehend gelungen und streckenweise sogar witzig. An die trashige „Wonder Woman“-Fernsehserie aus den 1970ern – mit Lynda Carter als Heldin – erinnert hier erfreulicherweise nichts.

Jetzt nur nicht luftkrank werden: Spion Steve Trevor flieht vor den Schergen des Kaisers

Dabei lagen die Erwartungen zunächst nicht besonders hoch. Regisseurin Patty Jenkins stand erst ein Mal, bei „Monster“ (2003), hinter der Kinokamera, und in ihrem Rücken lauerte als Produzent und Ko-Autor Zack Snyder, der Mann der 1000 Ambitionen und bestenfalls zehn Inspirationen. Er hat sich, auch dies vorab, nur selten in Jenkins‘ Arbeit eingemischt, und nur einmal zum Schaden des Films.

Es war einmal in der Ägäis

Seit Jahrtausenden leben auf Themiscyra, der Paradiesinsel, die Amazonen, durch Zauberei verborgen vor der Bosheit und Grausamkeit der Männer. Herrscherin Hippolyta (Connie Nielsen) erfreut sich ihrer kleinen Tochter Diana (Lilly Aspell), muss aber, je älter das Kind wird, immer öfter schelten. Denn statt für die schönen begeistert sich das Mädchen für die Künste des Kampfes. Ihre Tante Antiope (Robin Wright) jedoch, der Amazonen wackerste Kriegerin, nimmt sich heimlich der eifrigen Prinzessin an und bildet sie – schließlich mit Billigung Ihrer Majestät – zur unbezwingbaren Superheldin aus.

Antiope demonstriert den Krauts die berühmte Gastfreundschaft der Amazonen

Dieses Eröffnungskapitel ist das Idyllischste und Traumartigste, was im „DC Extended Universe“ bisher zu sehen war, zumal in den Panoramaeinstellungen der Paradiesinsel (Kamera: Matthew Jensen) und einer großartig gestalteten Rückblende aus lauter „lebenden“ Gemälden. In der Pressevorführung wurde die 2D-Fassung gezeigt. Ich bin jedoch sicher, dass diese famose Trickfilmeinlage in Stereoskopie noch magischer wirkt: eine in jeder Beziehung fantastische Sequenz!

Versehen mit zwei unzerstörbaren Armreifen, einem Schwert namens „Gottestöter“, einem goldenen Zauberlasso sowie einem Oberteil und Minirock, die sich erfreulich nah ans Comic-Vorbild halten, wächst Diana zu einer Frau heran, die aussieht wie Gal Gadot und auch gar nicht anders aussehen dürfte. Dies ist ein Fall von perfektem Casting, denn Gadot schenkt der Halbgöttin echte menschliche Wärme. Sie spielt den Comic-Charakter mit so viel Überzeugung, dass allein ihre Performance eine Begutachtung des Films wert ist. Und damit habe ich von der atemberaubenden Erscheinung der Hauptdarstellerin noch gar nicht geredet.

Prinzessin Diana und Steve Trevor lernen einander unter denkbar ungünstigen Umständen kennen

Gal Gadots Star-Qualität kommt nicht überraschend: Das einstige Supermodel war bereits ein Lichtblick – der einzige – in Snyders „Batman v Superman – Dawn of Justice“ (2016). Trotzdem war Gadot nicht unbedingt zuzutrauen, einen fast zweieinhalb Stunden langen Film tragen zu können; sie tritt in mindestens der Hälfte aller Szenen auf. Doch bis zum Schluss verliert sie nicht an Kraft und Charisma. Hier hat jemand sichtlich Spaß am Job und nimmt den Superheldenunfug genauso ernst, wie der Nerd es erwartet, genauso ironisch, wie es sich unter Erwachsenen gehört. Sie merken: Ich bin ein bisschen verknallt.

Kugeln kann Wonder Woman abwehren – aber auch den Londoner Smog?

Jedenfalls hätte ich nichts dagegen, wenn sie nachts mit mir in der S-Bahn sitzen würde – die Bitch hat echt krasse Moves drauf! Die Infights, die Wonder Woman zahlreich bestreitet, sind zum Glück nicht allzu oft mit der Bullet Time aufgedonnert, sondern auf gute alte Weise dynamisch. Die Stunt-Choreographen haben ihre Sache mit gleichviel Vergnügen wie Einfallsreichtum erledigt, und Patty Jenkins war klug genug, die Second Unit einfach machen zu lassen.

Im Westen was Neues

Die heiteren Zeiten auf Themiscyra finden ein jähes Ende, als durch den Tarnschild der Insel erst ein Kampfflieger, dann ein Kriegsschiff bricht. Wie ihnen das gelingt, bleibt ein Geheimnis von Drehbuchautor Allan Heinberg, der sonst zum Glück keine großen Böcke gebaut, sondern ziemlich flotte Dialoge geschrieben hat. Im Flugzeug sitzt der britische Spion Steve Trevor (Chris Pine), ihm auf den Fersen ist die Kaiserliche Reichsmarine. Diana rettet den Agenten vorm Ertrinken, anschließend kommt es zu einem wüsten Gemetzel am Strand der Paradiesinsel. Der Erste Weltkrieg hat die Welt der Sagen erreicht. Was man vielleicht auch als ein Symbol deuten kann dafür, wie weit der Große Krieg mittlerweile ins Reich der Mythen eingegangen ist, heute, da niemand mehr lebt, der in ihm litt. Jedenfalls stimmt an dem Weltkrieg, den „Wonder Woman“ vorführt, nur wenig mit der historischen Realität überein, fast so wenig, wie Homers „Ilias“ mit dem authentischen Untergang Trojas zu tun hat.

Geheimnisdienstchef Sir Patrick hat was zu verbergen

Trevor wird gejagt, weil er ein finsteres Geheimnis des teutonischen Generals Ludendorff (Danny Huston) kennt. Der hat nämlich mit seiner entstellten Gehilfin Dr. Maru (Elena Anaya) ein Nervengift entwickelt, gegen das Gasmasken nichts nützen. Obwohl die Führung in Berlin bereits Verhandlungen zum Waffenstillstand einleitet, hofft Ludendorff – dem eine Art Supercrack übermenschliche Kräfte verleiht –, mithilfe der Massenvernichtungswaffe das Kriegsglück zu wenden. An all dem ist nur so viel korrekt: Ludendorff war ein Menschenschlächter, und an der Front wurde Gas eingesetzt; der Rest spielt in einem politisch inkorrekten, im Superheldengenre freilich ganz normalen Paralleluniversum.

Unterm Bann des goldenen Lassos, das jeden Gefesselten zur Wahrheit zwingt, berichtet Agent Trevor von seiner Entdeckung und fleht die Amazonen an, ihm dabei zu helfen, den General aufzuhalten. Hippolyta möchte den Mann zwar am liebsten nach alter Sitte den Göttern opfern, doch ihre Tochter – die den Burschen ziemlich lecker findet – tritt für ihn ein. Sie hat auch ein starkes Argument zu bieten: Hinter Ludendorffs grausamem Plan steckt offenbar der Kriegsgott Ares, Erzfeind der Amazonen und aller Menschen, und nur mit dem „Gottestöter“ lässt er sich besiegen. Die Mythifizierung des Ersten Weltkriegs ist damit übrigens längst nicht vorbei, aber ich möchte nicht zu viel spoilern.

Diana hat vom Londoner Smog allmählich die Nase voll

Etwas mulmig wird Diana schon, als sie mit Steve in einem antiken Segelboot gen London aufbricht. Denn Antiope, die beim Kampf gegen die Hunnen fiel, hat der Nichte noch zuraunen können: „Sei vorsichtig in der Welt der Männer. Sie verdienen dich nicht.“ Diana ist entsprechend skeptisch, als sie in der Patriarchenzivilisation ankommt. In diesem Akt des Films wird „Wonder Woman“ geradezu komisch, auch dafür hat Gadot Talent. Bei der Einkleidung in die prüde Mode der Zeit stellt sich der Amazone vor allem die Frage: „Kann man darin kämpfen?“

General Ludendorff hat Mundgeruch, tanzt aber wie der Teufel

Wie Diana, Steve und ihr Stoßtrupp aus Abenteurern das Duell mit Ludendorff aufnehmen, ob die Romanze zwischen dem Spion und der Prinzessin sich weiter entfaltet, warum das Finale ungute Erinnerungen an den Schluss von „Batman v Superman – Dawn of Justice“ weckt, möchte ich nicht im Detail verraten. Dieser Teil der Story ist zu konventionell geraten, um ihm seine paar Pointen zu rauben. Nur so viel sei ausgeplaudert: Es geht eine Menge kaputt, die CGI überzeugt meistens, und Chris Pine spielt, als hätte ihm niemand gesagt, dass dies kein „Star Trek“-Ableger ist. Aber vielleicht kann er bloß den Captain Kirk.

Ein Bild von einer Frau

Wonder Woman wurde 1941 von William Moulton Marston erfunden. Sie war nicht nur die erste echte Comic-Superheldin, sondern avancierte auch zur Ikone der Frauenbewegung. Einer ihrer berühmtesten Fans ist die Feministin Gloria Steinem, und für Millionen amerikanischer Mädchen hat die superstarke Amazone eine ähnliche Bedeutung wie für europäische das stärkste Mädchen der Welt, Pippi Langstrumpf. Diana ist unabhängig, mutig, hilfsbereit, blitzgescheit – sie spricht, zum Beispiel, einige hundert Fremdsprachen –, und sie haut einen um, egal in welchem Fummel.

Die von Patty Jenkins und Gal Gadot runderneuerte Wunderfrau könnte auch für Kinder des 21. Jahrhunderts zum Vorbild werden. Viele Kritiker in den USA bejubeln überschwenglich die Überheroine. Dabei geht schon mal der Pegasus mit ihnen durch. So habe ich irgendwo gelesen, Diana würde mit Steve gegen „Nazis“ kämpfen. Oha. Ludendorff war zwar ein reaktionärer Antisemit, aber nicht mal der Märchenfilm „Wonder Woman“ ist so geschichtsvergessen, die Reichswehr mit der Wehrmacht zu verwechseln. Die Krauts kommen im Film schlecht weg, doch mit dem gemeinen Kanonenfutter hat Diana durchaus Mitleid. Das ist keine üble Moral und eine schöne Note in einem Popcorn-Spektakel.

Dr. Maru kann Fragen nach ihrem Visagisten gar nicht leiden

Um der unschuldigen Jugend nicht zu viel zuzumuten, verzichtet der Spielfilm – wie auch die Comicbooks schon seit langem – auf den reichen Schatz an Sadomaso-Details der Marston-Geschichten. In ihrer Frühzeit nämlich wurden Diana und ihre Gefährten unablässig gefesselt und geknebelt, in düstere Kammern gesperrt und gepeitscht (ein bisschen). Von all dem Bondage lässt der Film nur Wonder Womans magisches Lasso und ein paar harmlose Anspielungen für die Kenner übrig. Denn du darfst in einem Blockbuster ruhig zeigen, wie unzählige Menschen ins Gras beißen, aber Schweinkram ist untersagt.

Weshalb ich meiner zwölfjährigen Nichte ebenso wie Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, den Besuch dieses kurzweiligen Unfugs guten Gewissens empfehlen kann. Den Trump-Hassern unter Ihnen möchte ich jedoch nicht verhehlen, dass einer der Executive Producers von „Wonder Woman“ Steven Mnuchin gewesen ist, der Finanzminister des grotesken Präsidenten. Man merkt‘s dem Film, Zeus sei Dank, in keiner Einstellung an.

Ein stahlharter Engel im Schützengraben

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Gal Gadot sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Chris Pine in der Rubrik Schauspieler.

Wonder Woman beim Survival-Training

Länge: 141 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Wonder Woman
USA 2017
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Allan Heinberg
Besetzung: Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright, Connie Nielsen, Danny Huston, David Thewlis, Ewen Bremner, Saïd Taghmaoui, Eugene Brave Rock, Lucy Davis, Ann Ogbomo
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Kay Sokolowsky

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Warner Bros. Entertainment Inc. and Ratpac Entertainment, LLC

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/06/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Everest – Die geballte Gewalt der Natur

Druck

Everest

Kinostart: 17. September 2015

Von Andreas Eckenfels

Drama // Luis Trenker, Leni Riefenstahl oder Arnold Fanck – sie alle begründeten ihren Ruhm in einem Genre, welches sich in den 1920er-Jahren enormer Beliebtheit erfreute: der Bergfilm. Heute trauen sich die Filmemacher nur noch selten in die eisigen Höhen. Im Gedächtnis blieben in den vergangenen Jahren besonders der actionreiche „Cliffhanger“ (1993) mit Sylvester Stallone, der starke „Nordwand“ (2008) und die Huber-Brüder-Doku „Am Limit“ (2007).

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Am Basislager telefoniert Rob Hall mit seiner Frau

Nun wagte sich Regisseur Baltasar Kormákur („2 Guns“) an den 8.848 Meter hohen „Everest“ und schildert ein Ereignis, das die gesamte Bergwelt erschütterte: Am 10. und 11. Mai 1996 wurden mehr als 30 Bergsteiger beim Abstieg von einem Wetterumschwung überrascht, der einige von ihnen das Leben kostete. Die bis dahin schwerste Katastrophe im Himalaya ist unter anderem im Tatsachenbericht „In eisige Höhen” von Jon Krakauer nachzulesen. Der US-Journalist gehört selbst zu den Überlebenden der Tragödie. Seine Aufzeichnungen standen für diese Verfilmung ebenso Pate wie für den bereits 1997 entstandenen TV-Film „In eisige Höhen – Sterben am Mount Everest“.

Bergsteigen als Massenevent

Neben der bis dahin höchsten Opferzahl war bei dem Unglück ebenfalls von Besonderheit, dass die zwei Expeditionen zum Gipfel mit Rob Hall (Jason Clarke) und Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) von zwei extrem erfahrenen Bergsteigern geleitet wurden. Sie führten unter anderem den Texaner Beck Weathers (Josh Brolin), den Postboten Doug Hansen (John Hawkes) und die Japanerin Yasuko Nambo (Naoko Mori) zum höchsten Berg der Welt. Sie alle stehen symbolisch für den Massentourismus, der sich in den 1990er-Jahren etablierte: Jeder Achttausender konnte bestiegen werden, wenn nur ausreichend Dollars auf den Tisch gelegt wurden. Die Berge wurden von Amateurbergsteigern regelrecht überschwemmt. Dies zeigt Kormákur ebenso gut, ebenso den achtlosen Umgang der Gipfel-Touristen mit der Umwelt.

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Scott Fischer (l.) will seine Gruppe zum Gipfel führen

Klar, die schneebedeckten Gipfel sehen besonders in 3D atemberaubend aus. Das war zu erwarten. Kormákur ließ seine Stars unter anderem am Mount Everest, auf Island und in den Alpen herumkraxeln. Doch bei den imposanten Bildern bleibt die Dramaturgie etwas auf der Strecke. Vielleicht aufgrund der Größe der beiden Gruppen von insgesamt 34 Bergsteigern verliert man ein wenig die Orientierung. Wo befinden sich die Gipfelstürmer gerade? Wer steckt nochmal im blauen Parka? Zwar will sich der Regisseur auf einige wenige Figuren konzentrieren, dennoch gehen ihre Einzelschicksale im Schneegestöber etwas unter.

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Der Gipfel ist fast erreicht

Auch die ständige Gratwanderung am Abgrund wirkt zunächst nicht sonderlich bedrohlich. Das Höhen-Tiefen-Verhältnis sorgt hier nicht für Akrophobie unter den Zuschauern. Der Aufstieg verläuft relativ problemlos. Der Atem gerät nicht sonderlich ins Stocken. Noch nicht …

Wie eine Bombe

Seine wahre Kraft entwickelt „Everest“ erst, wenn das Unglück seinen Lauf nimmt. Die geballte Gewalt der Natur schlägt ein wie eine Bombe. Man bibbert mit Jason Clarke, Josh Brolin und John Hawkes in der Eiseskälte am Gipfel. Auch weiter unten spielen sich starke Szenen ab. Die Stunden zwischen Hoffen und Bangen, das Warten auf ein Lebenszeichen unter den Zurückgebliebenen wird zur Geduldsprobe und geht unter die Haut. Hier liefern besonders die Frauenfiguren, verkörpert von Emily Watson, Keira Knightley und Robin Wright, eine Glanzleistung ab.

So ist „Everest“ trotz einiger dramaturgischen Schwächen ein packendes Survival-Abenteuer nach einer wahren Begebenheit, das man auf jeden Fall auf der großen Leinwand erleben sollte.

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Der Schneesturm wird dichter

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Baltasar Kormákur sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Josh Brolin, Jason Clarke und Jake Gyllenhaal in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Everest
USA/GB/ISL 2015
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: William Nicholson, Simon Beaufoy
Besetzung: Jason Clarke, Keira Knightley, Jake Gyllenhaal, Josh Brolin, John Hawkes, Emily Watson, Sam Worthington, Robin Wright
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Trailer & Fotos: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/09/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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