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Der Pazifikkrieg (III): Midway – Für die Freiheit: Emmerich schafft’s nach zwei Jahrzehnten

Midway

Kinostart: 7. November 2019

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Es fällt mir schwer, „Midway – Für die Freiheit“ angemessen einzuordnen. Ich schau gern Kriegsfilme in allen Facetten, die das Genre hergibt und habe mich deshalb während der Pressevorführung von Roland Emmerichs aktueller Regiearbeit sehr gut unterhalten gefühlt. Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, der auch beim Namen zu nennen ist: Ein patriotisches Kriegsdrama, bei dem man auf den Gedanken kommt, es könne Donald Trump animieren, sich eine Privatvorführung im Weißen Haus organisieren zu lassen, muss sich Kritik gefallen lassen – unabhängig von der Frage, ob man sich den aktuellen US-Präsidenten als Filmfan vorstellen kann.

Admiral Nimitz steht ebenso vor einer schweren Aufgabe …

Ins US-patriotische Horn hat der Regisseur bereits in der Vergangenheit gestoßen, aber der Zweite Weltkrieg war nun mal ein anderes Kaliber als all die anderen Konflikte, in denen US-Soldaten in den vergangenen Jahrzehnten und speziell seit dem 11. September 2001 zu den Waffen gegriffen haben. 1941 und 1942 wollten die USA keinen Krieg führen, erst Pearl Harbor machte sie zur Kriegsnation – ein Angriff auf amerikanischem Boden. Heute hingegen entsteht der Eindruck, das Land sei schnell bei der Hand, sein Militär in ferne Länder zu schicken, wenn wirtschaftliche US-Interessen berührt sind – und das oft unter Missachtung des Völkerrechts. In diesen Zeiten den US-Soldaten des Zweiten Weltkriegs ein weiteres Denkmal zu setzen, so verdient das sein mag, begeistert womöglich die falschen Leute.

Keine Einladung von Donald Trump?

Natürlich inszeniert Roland Emmerich („White House Down“) keinen Jubel-Patriotismus – das kann man ihm zugutehalten. Tatsächlich hat er im Interview geäußert, ihm war der Film gerade jetzt wichtig, weil man momentan sehe, wie hässlich die Politik der USA geworden sei. Immerhin, sofern Donald Trump das liest, sieht er vielleicht von einer Privatvorführung ab, zumindest wird er Emmerich nicht dazu einladen.

… wie Vize-Admiral Yamamoto

Der 1955 in Stuttgart geborene und Anfang der 90er-Jahre nach Hollywood ausgewanderte Regisseur wollte die Schlacht um Midway bereits vor 20 Jahren verfilmen. Doch erst verhinderte das seine vertragliche Bindung an Sony – der japanische Konzern wollte für die Inszenierung einer der großen japanischen Niederlagen kein Budget lockermachen, also drehte er erst einmal „Der Patriot“ mit Mel Gibson und Heath Ledger, ein Kriegsdrama um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Dann kam Emmerich ein gewisser Michael Bay mit „Pearl Harbor“ (2001) zuvor. Ein weiteres aufwendiges Epos um den Pazifikkrieg lag damit in weiter Ferne von zwei Jahrzehnten.

Ähnlichkeiten zu „Schlacht um Midway“ sind kein Zufall

„Midway – Für die Freiheit“ hält sich in der Darstellung der Ereignisse recht streng an die historischen Fakten und Daten, das hat Emmerichs Regiearbeit mit „Schlacht um Midway“ von 1976 gemein. Zur geschichtlichen Einordnung der Schlacht um Midway im Juni 1942 verweise ich daher auf meine Rezension des älteren Films mit Charlton Heston und Henry Fonda.

Anne Best ängstigt sich um ihren Mann

Der Regisseur beginnt sein Schlachtengemälde mit dem Angriff auf Pearl Harbor, den er in heftigen Bildern zeigt – inklusive des sich ins kollektive Gedächtnis der Amerikaner eingebrannten Motivs des in Schlagseite liegenden brennenden Schlachtschiffs „USS Arizona“. Viel Raum nimmt auch der Doolittle Raid ein, die erste Bombardierung japanischer Städte durch US-Flieger unter Lieutenant Colonel Jimmy Doolittle (Aaron Eckhart).

Woody Harrelson als Admiral Nimitz

Da sich Emmerich wie sein Vorgänger um historische Authentizität bemüht, finden sich die bedeutsamen Protagonisten der Ereignisse auch bei ihm, etwa der von Woody Harrelson souverän verkörperte Admiral Chester W. Nimitz, Oberbefehlshaber auf US-Seite, und sein japanisches Pendant Vize-Admiral Isoroku Yamamoto (Etsushi Toyokawa). Emmerich fügt aber auch Figuren hinzu, die im 1976er-Film unter den Tisch gefallen waren, so den Nachrichtenoffizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson), dessen offenbar bedeutsamer Rolle bei der Beschaffung höchst wichtiger Geheiminformationen entsprechend er viel Raum im Film gibt. Etwas mehr Leinwandzeit als 1976 erhält Admiral William F. Halsey (Dennis Quaid), den vor der Schlacht um Midway eine Hauterkrankung außer Gefecht setzt.

Kann Nachrichtenoffizier Layton die richtigen Informationen beschaffen?

Einen großen Fokus legt Emmerich auf die US-Kampfflieger, allen voran Richard „Dick“ Best, den Ed Skrein klischeehaft als ungestümen Teufelskerl porträtiert, der gern mal die Vorschriften außer Acht lässt und damit den Unwillen seines Vorgesetzten Lieutenant Commander Wade McClusky (Luke Evans) auf sich zieht. Allerdings weiß der Offizier auch, was er an seinem besten Mann hat. Weitere Mitglieder der Flugzeugträger-Fliegerstaffeln sind unter anderen der Bomberpilot Frank Woodrow O’Flaherty (Russell Dennis Lewis) und sein Bordschütze Bruno Peter Gaido (Nick Jonas). Letztgenannter hatte sich Anfang Februar 1942 eine Heldentat geleistet, die „Midway – Für die Freiheit“ auch zeigt.

Wer traut sich in einen Sturzkampfbomber?

Die Action ist erwartungsgemäß fulminant. Klotzen kann der „Master of Desaster“ Roland Emmerich, das weiß man und muss man ihm lassen. Wenn Dick Best im Sturzkampfbomber zur Attacke auf die Flugzeugträger ansetzt, ihm japanische Jäger im Nacken sitzen und das Sperrfeuer von den feindlichen Schiffen um die Ohren geballert wird, bekommt man den Hauch eines Gefühls davon, wie riskant diese Einsätze waren. Muss man wahnsinnig oder lebensmüde sein, um sich in ein solches Cockpit zu setzen? Vielleicht beides. Wer Kriegs-Action zur See und in der Luft etwas abgewinnen kann, kommt voll auf seine Kosten. Auch tricktechnisch gibt es nichts auszusetzen, und die große Leinwand in Verbindung mit aufwendigen Soundsystemen bringt die Intensität des Spektakels bestens zur Geltung. Etwas absurd wirkt es allerdings, wenn sich Kampfpiloten mitten in der Luft trotz Flugwind und Motorenlärm im offenen Cockpit problemlos mit den hinter ihnen sitzenden Bordschützen unterhalten können, ohne dafür Funkgeräte zu benötigen – der Lärm muss so immens gewesen sein, dass man nicht mal sein eigenes Wort verstehen würde. Sonderbar, dass Emmerich bei diesem Detail so schlampig gearbeitet hat.

Wade McClusky (l.) und Dick Best raufen sich zusammen

Wie „Tora! Tora! Tora!“ und „Schlacht um Midway“ zeigt Emmerich die Japaner nicht als Schurken, sondern als Kontrahenten der Amerikaner, die für ihr Land einen ehrenvollen Sieg erringen wollen. Ein paar Spitzen gibt es dann aber doch, sie sind womöglich dem chinesischen Geld geschuldet, das in die Produktion von „Midway – Für die Freiheit“ geflossen ist. China hatte unter der japanischen Invasion und Besatzung ab 1937 großes Leid erfahren, das bis heute nachwirkt. So werden wir Zeuge eines Kriegsverbrechens an gefangenen US-Soldaten an Bord eines japanischen Schiffs. Gegen Ende erfährt das Publikum obendrein per Texteinblendung, die Japaner hätten aus Vergeltung für die Hilfe, die Jimmy Doolittle und seine Männer nach der Bombardierung Tokios und ihrer anschließenden Landung in China durch die Bevölkerung erhielten, 250.000 chinesische Zivilisten hinrichten lassen.

Regielegende John Ford als Nebenfigur

Ein nettes, wenn auch für die Handlung von „Midway – Für die Freiheit“ völlig verzichtbares Gimmick stellt Roland Emmerichs Hommage an den Regisseur John Ford (Geoffrey Blake) dar, der zufällig auf Midway anwesend war, um dort eine Dokumentation über das Leben auf einer isolierten Militärbasis zu filmen. Stattdessen drehte er Schlachtenszenen, wurde dabei sogar leicht verwundet. Das 18-minütige Resultat trägt wie der 1976er-Spielfilm den Titel „Schlacht um Midway“ („The Battle of Midway“) und kann – da Public Domain – kostenlos im Netz angeschaut und heruntergeladen werden. Eine restaurierte Fassung gibt’s bei YouTube.

Bruno Gaido leistet Heldenhaftes

Der seinerzeitige Drang des kaiserlichen Japans, mit aller Macht und viel Gewalt im Pazifik die tonangebende Nation zu sein und zur Weltmacht aufzusteigen, mag die kriegerische Gegenwehr gerechtfertigt haben, zumal die Amerikaner angegriffen wurden und jedes Recht zur Selbstverteidigung hatten. Heutzutage sieht das ganz anders aus, wenn irgendwo auf der Welt US-Militär in den Einsatz geht. Ein komplexes Thema, bei dem es mir schwerfällt, die richtigen Gedanken zu finden und in Worte zu kleiden. Jedenfalls wirkt es wenig zeitgemäß, wenn ein Kriegsdrama, das ein gewisses Anspruchsdenken ausstrahlt, so gar keine Aussage gegen den Krieg trifft. Ich erwarte gar keinen Antikriegsfilm, das wäre die ganz hohe Schule, die in der Geschichte des Kriegsfilm-Genres im Vergleich zur großen Zahl der Produktionen selten genug eingelöst worden ist. Aber dass es möglich ist, ein Kriegs-Epos mit Fokus auf die vermeintlich oder tatsächlich „Guten“ zu inszenieren und gleichzeitig kritisch mit militärischen Auseinandersetzungen ins Gericht zu gehen, haben 1998 Steven Spielberg mit „Der Soldat James Ryan“ und Terrence Malick mit „Der schmale Grat“ hinlänglich bewiesen. Diese beiden Produktionen haben das Genre enorm geprägt, und Emmerich fällt weit hinter sie zurück, weil es ihm einzig darum geht, Helden ins rechte Bild zu setzen und ihnen ein Denkmal zu setzen. Vielleicht haben Menschen wie Dick Best und Bruno Gaido dieses Denkmal sogar verdient. 2019 sendet es ein falsches Signal.

Zur Inszenierung der Helden passt auch die Porträtierung ihrer Ehefrauen als brave Gemahlinnen, die pflichtbewusst die vielen Beerdigungen besuchen und es hinzunehmen haben, dass ihre Gatten permanent dem Tod ins Auge sehen. Als Dick Bests Ehefrau Anne ist Mandy Moore („The Darkest Minds – Die Überlebenden“) zu sehen. Diese Darstellung der weiblichen Randfiguren ähnelt frappierend der in „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson.

Emmerich mag seine Version lieber

Der Kino-Starttermin 7. (bei uns) und 8. (in den USA) November ist passend gewählt, da in den Vereinigten Staaten der Veterans Day bevorsteht: Am 11. November, dem Tag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs, gedenkt man dort der Veteranen aller Kriege, an denen die Nation teilgenommen hat. Die mit Charlton Heston in einer der Hauptrollen umgesetzte 1976er-Darstellung der Ereignisse hält Roland Emmerich für keinen guten Film. Gestehen wir ihm zu, dass ihm seine Version besser gefällt. Ob sie es wirklich ist? Ich habe meine Zweifel. Die Zeit wird es zeigen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Luke Evans, Woody Harrelson, Dennis Quaid, Ed Skrein und Patrick Wilson unter Schauspieler.

Jimmy Doolittle ist in China gelandet

Länge: 138 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Midway
CHN/USA 2019
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Wes Tooke
Besetzung: Woody Harrelson, Luke Evans, Patrick Wilson, Ed Skrein, Dennis Quaid, Mandy Moore, Alexander Ludwig, Aaron Eckhart, Darren Criss, Nick Jonas, Luke Kleintank, Jake Weber, Keean Johnson, Tadanobu Asano, David Hewlett, Geoffrey Blake, Etsushi Toyokawa, Russell Dennis Lewis
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universum Film

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/11/06 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Independence Day – Wiederkehr: Nur noch kurz die Welt zerstören

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Independence Day – Resurgence

Kinostart: 14. Juli 2016

Von Andreas Eckenfels

SF-Action // Roland Emmerich kann einem schon leid tun: Den Titel „Master of Desaster“ wird er wohl nie loswerden. Wie auch, wenn alle seine Arbeiten außerhalb des Katastrophenfilmgenres gnadenlos floppen? Nach dem Misserfolg seines Shakespeare-Dramas „Anonymous“, wurde zuletzt 2015 „Stonewall“ von der Kritik zerrissen – kaum ein Zuschauer wollte sein Drama über die Anfänge der Schwulenbewegung sehen. Also heißt es für Emmerich doch zurück zu dem, was er am besten kann: es auf der Leinwand ordentlich krachen lassen.

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Nicht nur London bekommt die Zerstörungswut der außerirdischen Invasoren zu spüren

Wie es die fünf Drehbuchautoren wollen, hat der Alien-Angriff von 1996 immerhin eine gute Sache zur Folge gehabt: Es herrscht Weltfrieden auf Erden. Die außerirdischen Technologien wurden zudem ausgiebig zum Wohlstand der Menschheit eingesetzt. Der Mond ist kolonialisiert, ein Abwehrsystem gegen Eindringlinge aus dem All installiert worden. Dumm nur, dass pünktlich zu den Feierlichkeiten des 20. Jahrestags der Weltenrettung alles über den Haufen geworfen wird: Die bösen Aliens sind wieder da. Alte und neue Helden ziehen vereint in den Kampf.

Asien kracht auf London

Stolze zwanzig Jahre ist es her, dass „Independence Day“ zum Blockbuster des Jahres avancierte und Hauptdarsteller Will Smith zum Superstar aufstieg. Noch länger hätte man mit der lang geplanten Fortsetzung allerdings kaum warten dürfen. Sieht man das finale Ergebnis, hätte man sich den zweiten Teil nach all den Jahren auch sparen können. Im heutigen Kinozeitalter braucht kein US-Präsident mehr heroisch in den Kampfjet zu steigen, um den Aliens persönlich den Hintern zu versohlen. Diese Aufgabe haben inzwischen Superhelden übernommen. Thor, Hulk oder Captain America heißen die Helden, die heutzutage die Erde vor der drohenden Zerstörung durch außerirdische Lebensformen beschützen.

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Levinson kennt sich mit Aliens inzwischen bestens aus

Demzufolge wirken Emmerichs Untergangsvisionen in der „Independence Day“-Fortsetzung arg beliebig. Klar, sehen seine CGI-Zerstörungsorgien wieder mal spektakulär aus – unter anderem hebt das riesige Alien-Raumschiff, welches mit einer Spannweite von 5000 Kilometern bedrohlich einen Großteil des Planeten Erde verdunkelt, bei seiner Landung kurz mal den gesamten asiatischen Kontinent aus dem Meer und lässt ihn auf London krachen. Aber ein wirklicher „Wow“-Effekt bleibt in diesen Szenen aus. Zurzeit ist die digitale Inszenierung des Weltuntergangs eben im Kino allgegenwärtig.

Will Smith wird schmerzlich vermisst

Ob es wirklich seine horrenden Gagenforderungen waren, weshalb Will Smith als Captain Steven Hiller nicht in „Independence Day – Wiederkehr“ mitmachen durfte? Das sei dahingestellt. Er wird im Sequel auf jeden Fall schmerzlich vermisst. Keiner der neuen Jungstars verfügt über seinen schlagkräftigen Charme. Ausgerechnet Jessie T. Usher bekommt als sein Filmsohn nicht viel mehr zu tun als über den Unfalltod seines Vaters zu trauern und ein paar Aliens abzuballern. Für Usher sind Smiths Fußstapfen mehr als zu groß.

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Jake macht sich kampfbereit

Liam Hemsworth hingegen versprüht als eigensinniger Kampfpilot Jake Morrison wenigstens ein wenig Heldenmut. Aber im Grunde verharrt der Australier in seinen bewährten Rollenmustern, welche er auch in der „Die Tribute von Panem“-Reihe präsentiert hat. „It Follows“-Schönheit Maika Monroe ersetzt zudem Mae Whitman als Tochter des ehemaligen US-Präsidenten Whitmore. Sie bemüht sich redlich, ihre Figur bleibt aber wie alle anderen ebenfalls eindimensional und klischeebeladen.

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Ex-US-Präsident Whitmore wird doch nicht erneut in den Kampfjet steigen, oder?

Wenn Smith mit seinen coolen Sprüchen fehlt, müssen die Altstars Judd Hirsch und Jeff Goldblum als stets grantelndes Vater-Sohn-Gespann doppelte Arbeit leisten. Gemeinsam mit dem eigentlich nach dem ersten Teil für tot geglaubten Brent „Data“ Spiner als Dr. Okun sorgen sie mit selbstironischen Sprüchen für ein paar Schmunzler. Aus dem Originalcast sind in der Fortsetzung ansonsten noch Bill Pullman, Vivica A. Fox, John Storey und der im Dezember 2015 verstorbene Robert Loggia in kleineren und größeren Rollen vertreten. Wenigstens der Nostalgiefaktor funktioniert bei „Independence Day – Wiederkehr“.

Kommt ein dritter Teil?

Der unspektakulären Handlung mit zahlreichen Logiklöchern hilft dies allerdings nicht viel weiter. Zwar werden jetzt einige sagen, dass Story und Figurenzeichnung bei einem Emmerich-Film doch eigentlich zweitrangig sind. Aber selbst bei einem Popcorn-Sommer-Blockbuster darf man da doch etwas mehr erwarten. In „2012“ und „The Day After Tomorrow“ hat das doch auch passabel funktioniert.

Wenigstens ist das große Finale gelungen. Das Design der Alien-Königin sieht ziemlich gut aus. Zudem wird eine interessante Ausgangslage für einen potenziellen dritten Teil gelegt. Falls dann der „Master of Desaster“ wieder zur alten Form zurückfinden sollte, darf es auch gern weniger als zwanzig Jahre bis zur nächsten Alien-Invasion dauern.

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Dr. Okun ist nach zwanzig Jahren im Koma wieder topfit – nur der Friseur hatte keine Zeit für ihn

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Goldblum und Bill Pullman unter Schauspieler.

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Independence Day – Resurgence
USA 2016
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Nicolas Wright, James A. Woods, Dean Devlin, Roland Emmerich, James Vanderbilt
Besetzung: Liam Hemsworth, Jeff Goldblum, Maika Monroe, Jessie T. Usher, Bill Pullman, William Fichtner, Judd Hirsch, Brent Spiner, Charlotte Gainsbourg
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox

 

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Jean-Claude Van Damme (II): Universal Soldier – Technik-Krieger von gestern

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Universal Soldier

Gastrezension von Matthias Holm

SF-Action // Emmerich. Van Damme. Lundgren. Allein diese drei Namen sollten heutzutage ausreichen, um jedem Action-Fan eine kleine Träne ins Auge zu treiben. Anfang der 90er war diese Zusammenarbeit allerdings kein verklärter Blick auf die alten Action-Helden wie „The Expendables 3“, sondern bedeutete für den deutschen Meister der Zerstörungsorgie den Durchbruch in den Vereinigten Staaten.

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Entspannung zwischen den Einsätzen

Vietnam, 1969. Der Soldat Luc Deveraux (Jean-Claude Van Damme) wünscht sich nichts sehnlicher, als dem Krieg zu entfliehen und nach Hause zurückzukehren. Sein Sergeant Andrew Scott (Dolph Lundgren) hingegen ist offensichtlich im Kampf durchgedreht. Der Hüne tötet unschuldige Zivilisten, schneidet ihnen die Ohren ab und trägt diese als Trophäe um den Hals – bis eines Tages bei einem Einsatz sowohl Deveraux als auch Scott ums Leben kommen.

23 Jahre später: Bei einer Geiselnahme in einem Damm will die Regierung die Aggressoren auf effektive Weise ausschalten. Erstmals kommt das neue „Universal Soldier“-Programm zum Einsatz. Mit der neuesten Ausrüstung und übermenschlichen Fähigkeiten gelingt es den emotionslosen Soldaten, die Geiseln zu retten. Zwei der menschlichen Kampfmaschinen kennt der Zuschauer bereits: Es sind Deveraux und Scott.

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Veronica sucht nach der Wahrheit über die Supersoldaten

Es darf auch menscheln

Viel mehr möchte ich von der Geschichte nicht verraten – aus einem einfachen Grund: Sie ist komplett egal. Natürlich treten einige verschüttet geglaubte Emotionen der beiden Kontrahenten wieder zutage, natürlich kocht ihre Fehde wieder hoch und es kommt zu einer wilden Verfolgungsjagd. Dabei wurde dem Protagonisten ein Love Interest zur Seite gestellt: Ally Walker sorgt als arrogante Reporterin Veronica für etwas Menschlichkeit während der Hetzjagd. Die ruhigeren Szenen – ja, die gibt es tatsächlich – mit ihr und Van Damme sind durchaus amüsant geraten.

Das kann man auch von der im Film gezeigten Technik sagen. Klar, dass ein Film aus dem Jahre 1992 mit den heutigen Standards nichts mehr gemein hat. Doch genau darin liegt der Charme. Die Maschinen sind so klobig und altbacken, dass es schon fast niedlich wirkt. Das fällt in einem Actionfilm über veränderte Supersoldaten mit Scannern vor den Augen natürlich extrem auf, erhöht aber den Spaß des Filmgenusses heutzutage ungemein.

Vehikel für Van Damme und Lundgren

Denn natürlich ist „Universal Soldier“ kein guter Film. Er ist ein Vehikel für seine beiden Stars, die Rollen der emotionslosen Übermenschen passen einfach hervorragend zu Van Damme und Lundgren. Und gerade Lundgren, der erst vor Kurzem mit „Skin Trade“ wieder auf sich aufmerksam gemacht hat, darf als Ohrenketten-tragender Irrer so richtig die Sau rauslassen. Das ist keine große Schauspielkunst, macht aber Spaß.

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Andrew Scott (l.) hat sie nicht alle

Und darum geht es doch: Auch wenn das Thema eine moralische Herangehensweise anbietet, konzentriert sich Emmerich auf die Action. Insbesondere in der zweiten Hälfte bleiben ein paar Szenen im Gedächtnis, etwa der Faustkampf in einem Diner und die Verfolgungsszene mit dem Universal-Soldier-Lastwagen und dem Gefangenentransporter. Interessanterweise geht in dem Film relativ wenig kaputt, wenn man ihn mit anderen Werken Emmerichs vergleicht. Vielleicht sollte der Regisseur mal wieder weniger Explosionen in seinen Filmen einbauen.

Vom Index auf FSK 16

Auch heute bietet „Universal Soldier“ sehr gute Unterhaltung. Natürlich ist es ein B-Movie, das man nicht ernst nehmen sollte. Aber dann macht der Film einfach ungehemmt Spaß. Umso besser, dass er 2013 vom Index genommen wurde und nun sogar ab 16 Jahren freigegeben ist. Aufgrund seines Erfolgs ist aus der Geschichte sogar eine Reihe entstanden, deren letzter Film „Day of Reckoning“ erst 2012 produziert worden ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jean-Claude Van Damme und/oder Dolph Lundgren in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 20. Juli 2013 als Blu-ray-Steelbook und DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Universal Soldier
USA 1992
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Dean Devlin, Richard Rothstein, Christopher Leitch
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren, Ally Walker, Ed O’Ross, Jerry Orbach, Ralf Moeller, Tico Wells, Ned Bellamy, Simon Rhee, Eric Norris
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Roland Emmerich, Jean-Claude van Damme, Dolph Lundgren und Dean Delvin, Making-of „Guns, Genes & Fighting Machines“ und „A Tale of Two Titans“, alternatives Ende, Hinter den Kulissen, Trailer
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Matthias Holm
Fotos: © 2013 Studiocanal Home Entertainment

 

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