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The Choice – Bis zum letzten Tag: Die Hunde sind süß

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The Choice

Von Matthias Holm

Melodram // Nicholas Sparks hat anscheinend ein Abo darauf, dass seine Bücher verfilmt werden. Seit 2012 kommt jedes Jahr ein Film heraus, der auf einer seiner Vorlagen basiert. Dass unter den Sparks-Adaptionen auch gute Filme zu finden sind, beweist etwa „Wie ein einziger Tag“ (2004) von Nick Cassavetes. „The Choice – Bis zum letzten Tag“ hingegen ist kein solch positives Beispiel.

Drei sind einer zu viel

Travis (Benjamin Walker) hat eigentlich alles, was man braucht. Mit seinem Boot fährt er gern mit Freunden hinaus und genießt die Sonne, abends geht es an den Grill. Bei den Frauen landet der gut aussehende Junggeselle oft, wie seine On-off-Beziehung mit der hübschen Monica (Alexandra Daddario) beweist. Doch eines Tages zieht in dem kleinen Haus nebenan die Medizinstudentin Gabby (Teresa Palmer) ein. Die ist zwar mit dem Arzt Ryan (Tom Welling) zusammen, fühlt sich aber dennoch zum attraktiven Travis hingezogen.

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Ist die niedlich!

Eine Frage ist mir während des Films nie aus dem Kopf gegangen: Ist Tom Welling, der damals in „Smallville“ den Clark Kent spielte, etwas pummelig geworden oder sind das Muskeln, die sich unter seinem Arzt-Kittel verbergen? Damit fasst man das Interessante an „The Choice“ bereits perfekt zusammen. Die Story ist hanebüchen, von Anfang an ist klar, in welche Richtung sie sich bewegen wird. Nun mag man das Argument bringen, dass es sich hierbei um ein Liebesdrama handelt und dieses Genre von vornherein klischeebeladen ist. Das stimmt zwar, aber darum muss man doch seine Zuschauer nicht für dumm verkaufen. Weder Travis noch Gabby sind Figuren, denen man gern dabei zusieht, wie sie zusammenfinden. Gabby betrügt sogar ihren Partner Ryan. Das Drama, das sich daraus hätte entspinnen können, wird aber nicht mal gezeigt, sondern einfach off-screen gelöst. Hey, Travis, das Mädchen, dass du verführt hast, ist jetzt Single, also ran an die Buletten! Es gibt keine dramaturgischen Höhepunkte in dieser Beziehung, nichts Interessantes, was den Figuren auch nur irgendwie Ecken oder Kanten geben könnte. Warum zum Kuckuck soll man mit ihnen mitfiebern?

Hinauszögern bis zum Geht-nicht-Mehr

Das alles spielt sich in einem austauschbaren Postkarten-Setting bei absolut belangloser Musik ab. Und wenn die Story ungefähr eine halbe Stunde vor Schluss eine plötzliche Wendung nimmt, ist diese nicht mal überraschend – wurde das doch bereits in der Eingangssequenz angedeutet. Und wenn man dann denkt, es gehe um die titelgebende „Choice“, also die Wahl, dann wird auch das noch hinausgezögert, bis auch der letzte Zuschauer keine Lust mehr hat, sich das weiter anzutun.

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Schau mir in die Augen, Kleines!

Immerhin zwei gute Sachen hat der Film. Teresa Palmer („Lights Out“) strahlt selbst bei einer solch langweilig geschriebenen Figur, wie Gabby enorme Lebensfreude aus, was ihre Figur einfach viel sympathischer macht als den Draufgänger Travis. Außerdem geht es stellenweise um Hunde – und die wurden wirklich süß gecastet. So ist dann auch das Beste an der Blu-ray das kurze Featurette über die Arbeit mit den Vierbeinern. Immerhin etwas. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu griesgrämig – der Mitguckerin hat der Film gut gefallen. Warum, das wird sich mir aber nie erschließen.

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Ryan ist nicht begeistert

Veröffentlichung: 26. August 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 111 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Choice
USA 2016
Regie: Ross Katz
Drehbuch: Bryan Sipe, nach einem Roman von Nicholas Sparks
Besetzung: Teresa Palmer, Benjamin Walker, Maggie Grace, Alexandra Daddario, Tom Wilkinson, Tom Welling, Jesse C. Boyd
Zusatzmaterial: Interviews, Featurettes, Deleted Scenes, Audiokommentar von Benjamin Walker und Ross Katz
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Universum Film

 

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Tschick – Per Lada durch die Pampa

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Tschick

Kinostart: 15. September 2016

Von Matthias Holm

Komödie // Mit Filmen wie „Kurz und schmerzlos“, „Im Juli“ und „Gegen die Wand“ hat sich Fatih Akin einen Ruf als Regisseur mit Gespür für seine Figuren erarbeitet. Auch bei „Auf der anderen Seite“, „Soul Kitchen“ und „The Cut“ sind es vor allem die Protagonisten, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben. Da ist Akin für die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“, in denen zwei Jugendliche mit einem blauen Lada durch die deutsche Provinz fahren, nur die logische Wahl.

Zwei Außenseiter auf Reisen

Maik Klingenberg (Tristan Göbel) ist in seiner Klasse nicht gerade beliebt. Der Höhepunkt seines Außenseiterstatus: Er wird fast als Einziger nicht zum Geburtstag von Tatjana (Aniya Wendel) eingeladen. Dabei hatte er lange an einem Geschenk für sie gearbeitet. Plötzlich steht sein neuer Klassenkamerad Andrej Tschichatschow (Anand Batbileg), kurz Tschick, mit einem geklauten Auto vor der Tür. Er lockt Maik aus der Reserve und zusammen begeben sich die beiden Teenager auf einen Sommer-Roadtrip.

Maik (Tristan Göbel) und Tschick (Anand Batbileg)

Maik und Tschick rasen auch durch Kornfelder

Akin schafft in „Tschick“ eine Sache, die vielen Filmen in letzter Zeit abgeht: Er trifft ein perfektes Erzähltempo. Zu Anfang wird Maik in seiner gewohnten Umgebung gezeigt, mit seiner alkoholkranken Mutter und seinem arroganten Vater. So bekommt der Zuschauer früh ein Gefühl für die Figur, was im Lauf des Films dazu führt, die Entwicklung von Maik einfacher nachvollziehen zu können.

Tschick als Mysterium

Der Gegensatz dazu ist Tschick. Der russische Junge, immer in kaputten Schuhen und Jogginghose unterwegs, dient als Katalysator für Maiks Wandlung, viel erfährt man aber nicht über ihn. Das ist auch gut so, denn so wird Tschick zu einer überhöhten Figur, die auch nach Ende des Films mysteriös bleibt. Die zwei Jungschauspieler Tristan Göbel und Anand Batbileg stemmen ihre Figuren mit Bravour, man schaut beiden auf ihrer Reise gern zu.

Auf dem Weg in die Walachai

Deutsche Landidylle

Dafür sorgen auch die Dialoge. Der Jugendslang ist gewöhnungsbedürftig, wirkt aber nie aufgesetzt, sondern immer realistisch. In den Unterhaltungen werden nicht nur lustige Sprüche ausgetauscht, während der Reise kehren die Jungs auch immer mehr ihr Innerstes nach außen, es entsteht ein witziger und berührender Coming-of-Age Film.

So kann Akin wieder seine Stärke voll ausspielen – das erwähnte Gespür für Figuren. Und auch alle anderen Aspekte, wie die modernen Musikstücke von zum Beispiel „Royal Blood“ und „K.I.Z“, die Nebendarsteller und die visuelle Gestaltung sind auf höchstem internationalen Niveau. Einzig der etwas ereignislose Mittelteil zieht den Film ein wenig runter, ansonsten ist „Tschick“ ein wunderbarer, konsequenter deutscher Film.

Kevin Kuranyi? Nein, Tschick (Anand Batbileg) mit aufgeklebtem "Bart"

Spaß mit Klebeband

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Tschick
D 2016
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Hark Bohm, Lars Hubrich, nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Besetzung: Tristan Göbel, Anand Batbileg, Nicole Mercedes Müller, Bella Bading, Sammy Scheuritzel, Aniya Wendel, Max Kluge
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Studiocanal Filmverleih GmbH

 

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The Light Between Oceans – Der Leuchtturmwärter und das Baby

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The Light Between Oceans

Kinostart: 08. September 2016

Von Matthias Holm

Drama // Nanu, geht die Oscar-Saison etwa schon wieder los? Anders kann man sich den Start von „The Light Between Oceans“ kaum erklären. Ein Familiendrama, das kurz nach dem Ersten Weltkrieg spielt und mit Alicia Vikander und Michael Fassbender zwei absolute Weltklasse-Schauspieler an der Spitze hat – das klingt nach einem gefundenen Fressen für die Academy. Leider gibt der Film den Zuschauern aber außer hervorragenden Akteuren und einer interessanten Prämisse nicht wirklich viel, um sich den Titel Oscar-Anwärter zu erarbeiten.

Tom Sherbourne (Michael Fassbender) hat im Ersten Weltkrieg seinen Dienst getan und seelische Narben davongetragen. Um zu sich selbst zu finden und Ruhe zu haben, nimmt er den Job als Leuchtturmwärter auf der abgelegenen Insel Janus an. Im Hafenstädtchen Partageuse, dem nächstgelegenen Kontakt zur Zivilisation, lernt er Isabel (Alicia Vikander) kennen und lieben. Die beiden heiraten, sie zieht zu ihm auf die Insel. Allerdings wird die Beziehung der beiden von zwei Fehlgeburten überschattet.

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Isabel und Tom lieben einander

Kurz darauf strandet ein Boot auf Janus. Darin: Ein toter Mann und ein Baby. Statt den Vorfall zu melden, drängt Isabel Tom dazu, das Kind als ihr eigenes aufzuziehen. Doch bald erfährt der Leuchtturmwärter, dass die Mutter des Kindes in Partageuse lebt – Hannah Roennfeldt (Rachel Weisz).

Traumaverarbeitung auf einer Insel

Es dauert eine geschlagene Stunde, bis man zu diesem Punkt gelangt, der im Trailer als dramaturgischer Mittelpunkt der Literaturverfilmung angedeutet wird. Vorher sieht man Fassbender und Vikander dabei zu, wie sie sich ineinander verlieben und dabei ihre eigenen Traumata verarbeiten müssen – er aus dem Krieg, sie von den Fehlgeburten. Das ist tendenziell interessant, wird aber so lange plattgewalzt und mit übertriebener Symbolik aufgeladen, bis auch der letzte Zuschauer verstanden hat, worum es geht. An diesem Punkt werden die meisten anderen das Leinwandgeschehen eher desinteressiert verfolgen.

Das ist schade, denn sobald der Film zu seinem Kern-Konflikt kommt, entfaltet sich eine wirklich spannende Geschichte, bei der Drehbuchautor und Regisseur Derek Cianfrance eine neutrale Sichtweise behält und nicht Partei ergreift. Das dies nie kitschig gerät liegt vor allem an den Hauptdarstellern. Fassbender, Vikander und Weisz tragen den Film mit ihrer Präsenz, ihrer Mimik und ihrer Sprache zu jeder Sekunde, sämtliche, meistens widersprüchliche Gefühlsregung sieht man ihnen an.

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Was bringt das angespülte Boot?

Nimmt man die erste Stunde weg, ist „The Light Between Oceans“ ein faszinierendes, bewegendes Drama mit dick aufgetragener Symbolik – es wird häufig betont, wie die Insel Janus zwischen zwei Ozeanen steht. Da man hier aber einen Film mit über zwei Stunden Laufzeit hat, muss man sich bis zu diesem Punkt durchkämpfen. Und das ist in Anbetracht der grundsätzlichen Qualität schade, zumal Regisseur und Drehbuchautor Derek Cianfrance 2012 mit „The Place Beyond the Pines“ bewiesen hat, dass er ein lebensnahes Drama über mehr als zwei Stunden auch ohne Längen inszenieren kann.

Michael Fassbender bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

The Counselor (2013)
12 Years a Slave (2013)
Frank (2014)
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit (2014, Kino)
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit – Rogue Cut (2014, Heimkino)
Macbeth (2015)
Slow West (2015)
Steve Jobs (2015)
Assassin’s Creed (2016)
The Light Between Oceans (2016)
X-Men – Apocalypse (2016)

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Das Ehepaar zieht Lucy wie eine eigene Tochter auf

Länge: 132 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: The Light Between Oceans
GB/NZ/USA 2016
Regie: Derek Cianfrance
Drehbuch: Derek Cianfrance, nach einem Roman von M. L. Stedman
Besetzung: Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz, Jack Thompson, Thomas Unger, Florence Clery
Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

 

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