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SMS für dich – So geht Kitsch richtig

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SMS für dich

Kinostart: 15. September 2016

Von Matthias Holm

Liebeskomödie // Erwartungshaltungen sind ein zweischneidiges Schwert. Gerade, wenn man einen Film herbeisehnt und dieser dann die eigene Erwartung nicht erfüllen kann, sind sie absolut heimtückisch und können einem das Erlebnis auf lange Sicht vermiesen. Umso schöner ist es, wenn man von einem Film überrascht wird, von dem man sich gar nicht viel versprochen hat. Wer sich den Trailer zu Karoline Herfurths Regie-Erstling „SMS für dich“ anschaut, dem wird der Eindruck vermittelt, es handle sich um eine dieser typischen deutschen Romanzen: viel Herzschmerz mit ein paar lustigen Sprüchen der Nebenfiguren. Doch obwohl sich „SMS für dich“ auf altbekannten Genre-Pfaden bewegt, ist der Film doch so viel charmanter und unterhaltsamer als die meisten anderen Produktionen dieser Richtung.

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Clara findet keine Inspiration

Zwei Jahre nach dem Unfalltod ihres Verlobten Ben (Florian Stetter) kann die Kinderbuch-Zeichnerin Clara (Karoline Herfurth) immer noch keinen klaren Gedanken fassen. Um ihrer Trauer Herr zu werden, beginnt sie, dem Verstorbenen SMS mit ihren Gedanken und Gefühlen zu schreiben. Dummerweise wurde Bens Nummer bereits neu vergeben – an den Journalisten Mark (Friedrich Mücke). Der ist in seiner Beziehung alles andere als glücklich, da kommen die poetischen SMS einer Fremden gerade recht.

Unfall – und Schnitt!

Bereits die Eingangssequenz zeigt, dass Regisseurin Karoline Herfurth ihren Liebesfilm ein wenig anders angeht. In einem herkömmlichen Film aus diesem Genre hätte man etwas Zeit mit dem glücklichen Pärchen Clara und Ben verbracht, bevor die große Tragödie in pathetischen Bildern gezeigt wird. In „SMS für dich“ sehen wir den Unfall, der zu Bens Tod führt, direkt zu Beginn des Films als Spiegelung in einer Glasscheibe. Man sieht den Schock in Claras Gesicht und nach einem schnellen Schnitt sind bereits zwei Jahre vergangen.

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Mark (l.) und David suchen die Frau hinter den SMS

Herfurth kokettiert mit den Regeln der Liebeskomödie. Sie ist sich der Konventionen durchaus bewusst und kann sie dementsprechend brechen oder ihnen auch gekonnt zuarbeiten. Inszenierung und die Dialoge überschreiten leider ein paar Mal die Grenze zum Kitsch, doch man verzeiht „SMS für dich“ dieses Quäntchen zu viel gern. Dafür sorgen vor allem die Schauspielerinnen und Schauspieler mit ihren Figuren. Nora Tschirner war als Claras beste Freundin Katja bereits im Trailer die Dame für die flotten Sprüche. Wenn während ihrer Auftritte im Film aber die Witze in Sekundentakt fliegen, kommt man als Zuschauer aus dem Lachen nicht so schnell wieder raus. Ähnlich verhält es sich bei dem von Frederick Lau verkörperten David. Er begleitet Mark bei der Suche nach der Frau hinter den mysteriösen Kurznachrichten und steht seinem Kumpel dabei mit Rat und Tat zur Seite – auch wenn seine Ratschläge oftmals äußerst sarkastisch und bissig ausfallen.

Katja Riemann als Szenendiebin

Auch die restlichen Nebenfiguren sind große Klasse. Ob Tom Beck, Friederike Kempter oder Cordula Strahtmann – sie alle verkörpern Figuren, die aufgrund ihrer Eigenschaften und ihrer humorvollen Dialoge im Gedächtnis bleiben. Doch niemand kommt an Katja Riemann heran. Als Helene-Fischer-Parodie Henriette Boot darf sie dem Affen richtig Zucker geben, ihre Schlager-Diva ist eine Verfechterin der wahren Liebe und der Esoterik. Das ist zum Schreien komisch, doch die Drehbuchautoren stellen ihre Figuren nie bloß – Henriette ist es letzten Endes, die Mark dazu bringt, sich mehr mit Clara zu beschäftigen.

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Gefeierter Schlagerstar: Henriette Boot

Gegen Ende verfasst Mark einen Artikel für seine Zeitung, in der er sagt, die Musik von Henriette Boot sei Plastik für die tumbe Masse, aber dass sie genau deswegen Spaß macht. Das lässt sich auch auf „SMS für dich“ übertragen. Ja, der Film ist enorm kitschig, an manchen Stellen grenzt er mit seinen Zufällen beinahe an ein Märchen. Aber das ist gewiss nichts Schlechtes, wenn es so schwungvoll und spaßig inszeniert wird. Karoline Herfurth ist mit ihrem Regiedebüt nicht nur ein fantastischer Film gelungen, sondern auch eine der besten Komödien des Jahres – sogar international gesehen.

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Clara und Mark kommen sich näher

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: SMS für dich
D 2016
Regie: Karoline Herfurth
Drehbuch: Karoline Herfurth, Andrea Wilson, Malte Welding, Anika Decker, Sophia Kluge, basierend auf einem Roman von Sofie Cramer
Besetzung: Karoline Herfurth, Friedrich Mücke, Frederick Lau, Nora Tschirner, Katja Riemann, Tom Beck, Friederike Kempter
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Warner Bros. Pictures Germany

 
5 Kommentare

Verfasst von - 2016/09/13 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Kirschblüten und rote Bohnen – Geschmackvolle Paste aus Japan

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Von Matthias Holm

Melodram // An seiner Imbissbude in Japan verkauft Sentaro (Masatoshi Nagase) Dorayaki – kleine Pfannkuchen mit einer Füllung aus einer Paste aus gesüßten roten Bohnen. Doch dieses sogenannte An – daher der Originaltitel des Films – will ihm nie richtig gelingen und so kauft er die Paste nur ein. Eines Tages steht bei ihm Tokue (Kirin Kiki) vor dem Laden. Sie hat eine Stellenausschreibung gesehen und möchte bei Sentaro arbeiten, obwohl sie bereits über 70 Jahre alt ist. Nach anfänglichem Zögern stellt Sentaro Tokue ein und zusammen bringen sie den Laden zum Blühen. Denn das An, das Tokue selbst herstellt, schmeckt hervorragend und lockt jeden Tag neue Kunden an. Doch bald machen sich Gerüchte in der Nachbarschaft breit, mit ihr stimme etwas nicht.

Die Tränendrüse wird vermieden

Man muss schon ein wenig den Hut vor Naomi Kawase ziehen. Die Geschichte klingt und fühlt sich in erster Linie extrem kitschig an. Doch wo amerikanische Filmstudios und Regisseure wohl einen pathetischen, auf die Tränendrüse drückenden Film produziert hätten, gelingt „Kirschblüten und rote Bohnen“ meist der Spagat zwischen nüchterner Betrachtung und Kitsch. Gegen Ende hin ergibt sich Naomi Kawase leider in einigen Klischees, bis dahin hat der Film allerdings einen schönen, nüchternen Stil.

Die Geschichte wird ruhig und bedächtig erzählt. Die Kamera scheint eher zufällig in den Räumen zu stehen, die Dialoge wirken stets lebensnah und authentisch. Ein Vorteil sind die beiden Hauptdarsteller. Masatoshi Nagase und Kirin Kiki spielen ihre Figuren mit extremer Zurückhaltung und doch merkt man stets, wie die Figuren sich aneinander gewöhnen und eine zarte Freundschaft entsteht.

Die Poetik im Kochen

Auch der Kochvorgang ist wunderbar dargestellt. Während in „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben!“ Jon Favreau eher dem Exzess frönt und die Herstellung von Sandwiches als Spektakel zelebriert, zeigt Kawase in ruhigen, beinahe poetischen Bildern, wie das An und die Dorayaki hergestellt werden.

So ist der Film äußerst gemächlich, was den einen oder anderen Zuschauer abschrecken könnte. Doch wer sich auf diese ruhige, aber geschmackvolle Inszenierung einlassen kann, bekommt ein feines Drama serviert.

Veröffentlichung: 26. August 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: An
JAP/D/F 2015
Regie: Naomi Kawase
Drehbuch: Naomi Kawase, nach einem Roman von Durian Sukegawa
Besetzung: Masatoshi Nagase, Kirin Kiki, Kyara Uchida
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: good!movies / Neue Visionen Medien

Copyright 2016 by Matthias Holm

Packshot & Trailer: © 2016 good!movies / Neue Visionen Medien

 
 

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Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung: Jugend-Fantasy aus Dänemark

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Skammerens datter

Von Matthias Holm

Fantasy // Den Markt der Fantasy-Jungendbuch-Verfilmungen kann man als gesättigt betrachten. Gerade aus Hollywood kommen in regelmäßigen Abständen Werke wie die „Panem“-Reihe, „Maze Runner“ und wie sie alle heißen. Umso schöner ist eine Abwechslung vom amerikanischen Standard – und hier kommt „Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung“ ins Spiel.

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Drakan (l.) bringt Dina in die Stadt

Alle haben Angst vor Dina (Rebecca Emilie Sattrup). Sie ist die Tochter der Beschämmerin Melussina (Maria Bonnevie) und hat deren Fähigkeiten geerbt. Wer Dina in die Augen sieht, wird mit all seinen Sünden und Fehlern konfrontiert. Dies können die meisten Menschen naturgemäß nicht ausstehen, und so werden die Beschämerinnen als Hexen verachtet. Doch eines Tages wird Dinas Fähigkeit gebraucht.

Wer tötete die Königin?

Die schwangere Königin und ihr Sohn sind brutal ermordet worden, Prinz Nicodemus (Jakob Oftebro) wurde mit einem blutigen Messer in der Hand gefunden. Nachdem Melussina allerdings keine Spur vom Mord in Nicodemus findet, sendet der finstere Drakan (Peter Plaugborg) nach Dina, um vielleicht doch noch den Hauch einer Schuld zu finden. Dadurch wird das junge Mädchen in einen eisernen Krieg um die Thronfolge im Königreich Dunark gezogen.

In welche Richtung sich die ganze Geschichte einer der teuersten dänischen Filmproduktion entwickelt, ist für den erfahrenen Filmfan recht schnell ersichtlich. Verschiedene kleine Wendungen halten den Zuschauer allerdings immer am Ball, ohne willkürlich zu wirken. Es mangelt einzig an weiteren Details, die für das Verständnis der Welt besser gewesen wären.

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Hat Nicodemus die Königin umgebracht?

Das ist auch das größte Manko an „Die Hüterin der Wahrheit“. Der Film hat die typischen Probleme, die bei der Übertragung eines literarischen Stoffes auf die Leinwand entstehen. Am schwersten wiegt das bei den Nebenfiguren. Deren Anzahl ist durchaus beträchtlich, letzten Endes erfüllen sie aber immer eine Funktion, um danach für längere Zeit von der Bildfläche zu verschwinden und im Finale wieder aufzutauchen. Hier wäre etwas mehr Ruhe für die Charakterisierung zu wünschen gewesen.

Tolles Produktionsdesign

Alles andere hingegen muss sich vor dem üblichen Hollywood-Blockbuster nicht verstecken. Die Schauspieler passen alle hervorragend auf ihre Rollen, gerade Peter Plaugborg gibt einen fantastischen Bösewicht. Auch die Spezialeffekte sind ansprechend geraten, ähnlich wie die Darstellung von Dinas Fähigkeiten. Was aus den positiven Dingen sogar noch heraussticht, ist das Produktionsdesign: Dunark sieht einfach wunderbar aus. Die mittelalterlich wirkende Stadt, in der der Film zum größten Teil spielt, hat viele Winkeln und Ecken, die man mit Dina gern erkundet. Durch die konsequent düstere Inszenierung wirkt dies allerdings nicht kindlich-verspielt, sondern stets bedrohlich. Und auch die anderen Schauplätze sind wunderschön fotografiert.

„Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung“ ist eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Hollywood-Jugendfilm – düster, dreckig und mit unverbrauchten Gesichtern. Wer mit Katniss Everdeen nichts anfangen konnte, kann hier fündig werden. Und wer sich für den Film interessiert, möge auf den von mir betriebenen Blog der „Welle Nerdpol“ schauen. Dort kann man eine DVD gewinnen.

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Was verbirgt sich in der Dunkelheit?

Veröffentlichung: 26. August 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Dänisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Skammerens datter
DK/NOR/CZ/ISL 2015
Regie: Kenneth Kainz
Drehbuch: Anders Thomas Jensen, nach einem Roman von Lene Kaaberbøl
Besetzung: Rebecca Emilie Sattrup, Peter Plaugborg, Esben Dalgaard Andersen, Jakob Oftebro, Maria Bonnevie, Søren Malling
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, Behind the Scenes, Originaltrailer, Pappschuber
Vertrieb: polyband Medien GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 polyband Medien GmbH

 

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