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Blinde Wut – Rutger Hauer lehrt die Sehenden das Fürchten

Blind Fury

Von Volker Schönenberger

Action // Er kam, sah nichts und siegte! Was für ein großartiger Slogan, der da auf dem Cover der DVD von „Blinde Wut“ prangt. Ich entsinne mich daran, den Actionfilm 1989 im Kino geschaut zu haben, nicht zuletzt dank Hauptdarsteller Rutger Hauer gefiel er mir gut. 30 Jahre später nun also die zweite Sichtung.

Im Vietnamkrieg erblindet

Bei einem Einsatz im Vietnamkrieg verletzt sich der US-Soldat Nick Parker (Rutger Hauer) schwer – er erblindet. Hilflos taumelt er durch den Dschungel, bis er in eine Falle der Einheimischen tappt. Die nehmen ihn auf, heilen seine Verletzungen. Ein Kampfkunst-Versierter unter den Dörflern trainiert ihn, bis Nick sogar im Schwertkampf perfekt ist, eine in die Luft geworfene Frucht zerteilen kann.

Jahre später sucht der blinde Vietnamveteran in den USA seinen alten Armeekumpel Frank Deveraux (Terry O’Quinn, „Lost“). Dessen Frau Lynn (Meg Foster) berichtet ihm, sie sei von Frank getrennt, er lebe mittlerweile in Reno, Nevada. Just während Nicks Besuch taucht plötzlich der Gangster Slag (Randall „Tex“ Cobb) mit zwei korrupten Cops auf, um Billy (Brandon Call) zu entführen, den Sohn der Deveraux’. Frank ist Chemiker und beim Casinobesitzer MacCready (Noble Willingham) verschuldet, der will ihn zwingen, für ihn synthetische Drogen herzustellen, und benötigt Billy dafür als Druckmittel. Nick greift ein und tötet die beiden Polizisten, doch Slag erschießt Lynn und flieht. Der Blinde nimmt den Jungen unter seine Fittiche, um ihn zu seinem Vater zu bringen. Damit sticht er in ein Wespennest.

Von Zatōichi inspiriert

Schön, dass sich „Blinde Wut“ nicht allzu ernst nimmt, was sich besonders bei den beiden eher trotteligen Gaunern Lyle (Nick Cassavetes) und Tector (Rick Overton) bemerkbar macht. Die Prämisse des blinden Schwertkämpfers, der immer wieder gegen allerlei Mieslinge die Oberhand behält, ist etwas zu absurd für ernsthaftes Thrillerkino. Spannung kommt dennoch auf. Zweifellos inspiriert vom japanischen Zatōichi, erhält Nick Parker sein Profil durch Rutger Hauers Charisma. Der Niederländer gibt der Figur einen Hauch von Tollpatschigkeit mit auf den Weg, was dazu führt, dass alle den Guten unterschätzen. Die Blindheit jedenfalls wirkt bei Hauer glaubwürdig, was man von vielen anderen Aspekten des Films nicht behaupten kann.

Klar, dass es auch zu einer Szene kommt, in der Nick in der Dunkelheit auf diverse Fieslinge trifft und diese ins Jenseits befördert, weil seine Kontrahenten nicht mehr auf den Vorteil ihrer Sehkraft bauen können. Wenn kurz darauf zum Finale ein japanisches Schwertkampf-Ass auftaucht, um Nick herauszufordern, verliert das Geschehen auch den letzten Hauch Glaubwürdigkeit – das macht aber nichts, solange es Spaß macht, und der lässt sich nicht leugnen. „Blinde Wut“ geizt nicht mit handgemachter Action, wie sie in den guten alten 80er-Jahren gang und gäbe war.

Vom Regisseur von „Sliver“ und „Salt“

Regisseur Phillip Noyce zeichnete nach „Blinde Wut“ für einige Hollywood-Thriller mit namhafter Besetzung verantwortlich, darunter „Die Stunde der Patrioten“, „Sliver“, „Das Kartell“, „The Saint – Der Mann ohne Namen“ und „Der Knochenjäger“. 2002 kam seine Regiearbeit „Der stille Amerikaner“ mit Michael Caine und Brendan Fraser in die Kinos, 2010 der Actionthriller „Salt“ mit Angelina Jolie und Chiwetel Ejiofor. Sein bislang letzter Kinofilm war 2014 die Jugend-Dystopie „Hüter der Erinnerung – The Giver“.

2015 vom Index gestrichen

Die deutsche VHS-Version von „Blinde Wut“ landete 1990 auf dem Index, was mir auch schon nach damaligen Maßstäben völlig überzogen vorkommt. Nick Parker teilt zwar mit seinem Schwert tüchtig aus, auch die Abtrennung einer eine Pistole haltenden Hand kommt vor, insgesamt lässt sich aber konstatieren, dass es weitaus blutrünstigere Filme gibt, die nie auf dem Index gelandet sind. Nach den üblichen 25 Jahren kam es 2015 folgerichtig zur Listenstreichung. Der deutschen DVD von 2006 ist im Oktober 2019 ein limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD in fünf Covervarianten gefolgt, das zügig zum gesuchten Sammlerstück avancierte. In der Internet Movie Database ist „Blinde Wut“ mit einer Durchschnittspunktzahl von 6,4 von 10 vergleichsweise positiv bewertet (Stand Dezember 2019), seine Fans hat der Film also. Durchaus zu Recht, meine Erinnerung hat mich nicht getrübt, „Blinde Wut“ macht auch heute noch Freude.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rutger Hauer sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 25. Oktober 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 3 Covervarianten à 444 Exemplare, 2 Covervarianten à 333 Exemplare), 4. März 2006 als DVD

Länge: 86 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Blind Fury
USA 1989
Regie: Phillip Noyce
Drehbuch: Charles Robert Carner
Besetzung: Rutger Hauer, Terry O’Quinn, Brandon Call, Noble Willingham, Lisa Blount, Nick Cassavetes, Rick Overton, Ranndall „Tex“ Cobb, Charles Cooper, Meg Foster, Shô Kosugi, Paul James Vasquez, Woody Watson
Zusatzmaterial DVD: keins
Zusatzmaterial Mediabook: Trailer, Booklet
Label/Vertrieb DVD: Sony Pictures Home Entertainment
Label/Vertrieb Mediabook: Nameless Media

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Horror für Halloween (XXIII): Hitcher – Der Highway Killer (1986): Rutger Rulez!

The Hitcher

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Ah – das Logo von Cannon Films erscheint zu Beginn. Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass „Hitcher – Der Highway Killer“ aus der berüchtigten Produktionsfirma stammt. Auch gut. Mit dem Horrorthriller hatte ich Ende 1986 Rutger Hauer entdeckt und schätzen gelernt. Der Niederländer hatte sich zwar zuvor bereits mit Filmen wie „Der Soldat von Oranien“ (1977) und „Spetters“ (1980) einen Namen gemacht, diese kannte ich seinerzeit aber noch nicht. Mit Paul Verhoeven („RoboCop“) hat Hauer oft zusammengearbeitet. Ob ich ihn zuvor bereits als Replikanten in Ridley Scotts bahnbrechendem „Blade Runner“ (1982) wahrgenommen hatte, entzieht sich meiner Erinnerung. Meine Laufbahn als regelmäßiger und passionierter Kinogänger begann erst Mitte der 1980er-Jahre.

Hätte er lieber nicht angehalten

Jim Halsey (C. Thomas Howell) ist des Nachts auf dem Highway unterwegs, um ein Auto von Chicago nach San Diego zu überführen. Leicht verdientes Geld, aber der eintönige Trip fordert seinen Tribut. Vom Sekundenschlaf übermannt, kann Jim gerade noch den Frontalzusammenstoß mit einem Truck vermeiden. Als kurz darauf ein Mann im Regen am Straßenrand steht, entschließt er sich, ihn mitzunehmen, um wach zu bleiben. Mit den Worten Meine Mutter hat mich immer davor gewarnt, das zu tun lädt er John Ryder (Rutger Hauer) auf den Beifahrersitz ein. Hätte Jim nur auf seine Mutter gehört, denn der Anhalter erweist sich als mörderischer Psychopath: Ich möchte tot sein.

Klasse, wie man mit einfachen Mitteln Grausamkeiten andeuten kann, ohne sie zu zeigen: Ein Blick in ein am Straßenrand stehendes Auto, eine dunkle Flüssigkeit tropft aus dem Inneren auf den staubigen Boden, panische Flucht inklusive Brechreiz – schon wissen wir, dass John Ryder Übles angestellt hat. Gorehounds werden sich ärgern, aber wer einfach gute Szenen zu würdigen weiß, erkennt die geschickte Regie. Kurz darauf taucht Ryder wie aus dem Nichts auf, beinahe geisterhaft. Die nächste freundliche Mitfahrgelegenheit ist nah …

Mörderisch oder selbstmörderisch?

Rutger Hauer verleiht seinem John Ryder im beeindruckenden Breitwandformat eine dämonische Präsenz, die Sean Bean im 2007er-Remake „The Hitcher“ abgeht, obwohl auch an dessen Qualitäten kein Zweifel besteht. Ich möchte tot sein. Bei Hauer ahnen wir schneller, dass die Worte auf ihn selbst gemünzt sind und dass er Jim Halsey als ebenbürtigen Gegner anerkennt und ihm gerade deshalb bei den nächsten Gelegenheiten die Möglichkeit gibt, von der Klinge zu springen. Ein seltsames, unerklärliches Band scheint sich zwischen John und Jim zu spinnen, das beim Remake nicht zu bemerken ist. Mit der 2016 Oscar- und Golden-Globe-nominierten Jennifer Jason Leigh („The Hateful Eight“) als Diner-Servicekraft Nash tritt bald darauf Hoffnung in Jim Halseys Dasein. Die kann er auch brauchen, aber letztlich muss er von allem Ballast frei sein, um sich vom Dämon John Ryder befreien zu können, der ihm von einem äußeren zu einem inneren Dämon zu mutieren scheint. Bringt der Showdown Jim Katharsis, gar Erlösung? Das darf bezweifelt werden.

Der Booklet-Text des 2019 veröffentlichten „Filmjuwelen“-Mediabooks zitiert die US-Filmkritikerin Janet Maslin, die seinerzeit zur US-Premiere von „Hitcher – Der Highway Killer“ eine unmotivierte Bösartigkeit bemängelte, die am Ende der Geschichte so kryptisch ist wie am Filmanfang. In der Tat ist und bleibt John Ryders Motivation rätselhaft, aber weshalb muss das kritisch gesehen werden? Hätte der Erklärbär zugeschlagen, wäre John Ryder heute vielleicht nicht der ikonische Killer, zu dem er sich über die Jahre in der Rezeption des Films entwickelt hat. C. Thomas Howell verkörperte Jim Halsey erneut in der eher entbehrlichen 2003er-Fortsetzung „Hitcher Returns“ („The Hitcher II – I’ve Been Waiting“), die 15 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers spielt.

25 Jahre auf dem Index

1987 von der Bundesprüfstelle indiziert, wurde „Hitcher – Der Highway Killer“ im September 2012 turnusmäßig nach 25 Jahren vom Index gestrichen. Jahre vorher hatte ich im Fernsehen eine unfassbar stümperhaft geschnittene Fassung geschaut, die einem jede Freude an dem Film nehmen konnte. Allein das Fehlen des kompletten Finales lässt die Geschichte völlig ins Leere laufen. Die FSK-18-Freigabe der ungeschnittenen Fassung geht aus Jugendschutzgründen schon in Ordnung.

Dem Bonusmaterial des Mediabooks mit Blu-ray und DVD fehlen leider die beiden Kurzfilme „China Lake“ und „The Room“, die auf der 2-Disc Special Edition DVD von 2007 enthalten sind. Immerhin findet sich die Doku „The Hitcher – How Do these Movies Get Made?“, und der Film hat einfach eine schöne Edition verdient. Nachdem ich mich kurz zuvor erstmals ans Remake gewagt hatte, fürchtete ich eine Weile, das Original könne bei mir nicht mehr bestehen. Aber weit gefehlt, von Anfang an zog mich der Hitcher wieder in seinen Bann. Beim Remake reicht mir die einmalige Sichtung, das Original kann ich mir sicher beizeiten mal wieder geben. Ein Klassiker.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jennifer Jason Leigh haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Rutger Hauer unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 3. Mai 2019 als limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), 7. Dezember 2018 als limitertes 2-Disc Mediabook (Blu-ray & DVD, 5 Covervarianten) und limitierte Blu-ray in großer Hartbox (66 Exemplare), 9. März 2007 als zensierte 2-Disc Special Edition DVD, 4. März 2003 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 97 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD), 78 Min. (zensierte DVD)
Altersfreigabe: FSK 18 (zensierte Fassung: FSK 16)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Hitcher
USA 1986
Regie: Robert Harmon
Drehbuch: Eric Red
Besetzung: Rutger Hauer, C. Thomas Howell, Jennifer Jason Leigh, Jeffrey DeMunn, John M. Jackson, Billy Green Bush, Jack Thibeau, Armin Shimerman, Gene Dais, Jon Van Ness, Henry Darrow, Tony Epper
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Robert Harmon und Eric Red, szenenspezifische Audiokommentare, Dokumentation „The Hitcher – How Do these Movies Get Made?“ (38 Min.), Originaltrailer, deutscher Trailer, 20-seitiges Booklet
Zusatzmaterial Special Edition DVD: Audiokommentar von Robert Harmon und Eric Red, szenenspezifische Audiokommentare, Dokumentation „The Hitcher – How Do these Movies Get Made?“ (38 Min.), Kurzfilm „The Room“ (Regie: Rutger Hauer und Erik Lieshout, 10 Min., mit Audiokommentar von Rutger Hauer), Kurzfilm „China Lake“ (Regie: Robert Harmon, 34 Min. mit Audiokommentar von Robert Harmon), Auszüge des Drehbuchs inkl. nicht gefilmter Szenen, Filmografien, Originaltrailer, deutscher Trailer
Label 2019: Filmjuwelen
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2018: Nameless Media
Label/Vertrieb Special Edition DVD: Kinowelt

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 
 

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Salem’s Lot – Brennen muss Salem: Rob Lowe gegen Stephen Kings Vampire

Salem’s Lot

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine Einrichtung für Obdachlose in Detroit: Pfarrer Donald Callahan (James Cromwell) gibt gerade Essen aus, als ihn ein Heruntergekommener (Rob Lowe) attackiert. Der Geistliche rettet sich ins erste Stockwerk, doch Benjamin Mears – wir erfahren den Namen des Mannes kurz darauf – folgt ihm. Obwohl Callahan mit einer Pistole auf seinen Angreifer schießt, stürzt der auf ihn zu, und beide krachen durchs Fenster und auf ein unten parkendes Polizeiautor. Schwer verletzt werden der Priester und sein Angreifer ins Krankenhaus eingeliefert. „Nennen Sie mir einen Grund, warum ich Sie als guter Christ nicht einfach verrecken lassen sollte!“ So spricht ein Krankenpfleger Ben Mears an. Dessen Erwiderung: „Jerusalem’s Lot!“ Er beginnt, dem Mann mit letzter Kraft zu berichten, was ihn zu der Tat getrieben hat. Seine Geschichte beginnt einige Jahre zuvor.

Im Marsten-Haus geht etwas vor

Ben Mears trifft in seinem Heimatort Jerusalem’s Lot ein. An sich wollte der erfolgreiche Schriftsteller das alte Marsten-Haus mieten, um dort ein Buch über dessen düstere Vergangenheit zu schreiben. Doch der Makler Larry Crockett (Robert Grubb) hat es trotz bestehenden Vorvertrags mit Mears an zwei Antiquitätenhändler verkauft – Richard Straker (Donald Sutherland) und Kurt Barlow (Rutger Hauer). Mit diesen beiden hält Unheil Einzug in den Ort.

Brennen muss Salem“ von 1979, die erste Verfilmung von Stephen Kings Roman, spielte zur Zeit ihrer Entstehung. Das gilt auch für den TV-Zweiteiler von 2006, was dessen Ausstattung natürlich vereinfacht. In vielen Sequenzen stellt sich dennoch ein hoher Wiedererkennungswert gegenüber der ersten Umsetzung ein, aber das mag daran liegen, dass ich die zweite Version nur wenige Tage nach der ersten geschaut habe. Einige eigene Ideen hat „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ dann aber doch zu bieten, so etwa Ben Mears’ Marsten-Haus-Trauma aus seiner Kindheit.

Nicht nur Rob Lowe adelt die Besetzung

Der im Lauf der Zeit für sechs Golden Globes nominierte Rob Lowe („The West Wing“) hatte zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 25 Jahre Schauspielerfahrung auf dem Buckel, eine Erfahrung, die man ihm ansieht. Trotz der illustren Ko-Stars Donald Sutherland, James Cromwell und Rutger Hauer trägt Lowes Präsenz „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ über die gesamten knapp drei Stunden. Aber natürlich hat speziell Donald Sutherland („Die Tribute von Panem“-Reihe) einige großartige Szenen als vermeintlich großzügiger und großväterlicher Antiquitätenhändler mit vollem grauem Bart, der die Ankunft seines vampirischen Herrn Barlow vorbereitet. Rutger Hauer („Blade Runner“) wird als Obervampir leider etwas unter Wert verkauft, da er zu wenig Bildschirmzeit erhalten hat.

Von Anfang an wissen wir, dass der Ort Jerusalem’s Lot der Verdammnis geweiht ist. Wie das vonstatten geht, wird mit kontinuierlich anziehender Spannungsschraube fesselnd gezeigt. Das Kleinstadt-Setting überzeugt, die schönste Location stellt zweifellos das in Verrottung befindliche Marsten-Haus dar. Spätestens nach der Hälfte des Films – oder in Teil zwei, wenn man so will – legt sich die Atmosphäre der Ausweglosigkeit drückend über Salem’s Lot.

Was würde Stephen King sagen?

Welcher der beiden Verfilmungen ist der Vorzug zu geben? Kaum zu beantworten. Bei mir gewinnt knapp die 1979er-Version die Oberhand, das mag aber daran liegen, dass ich sie häufiger geschaut habe und länger kenne. Es gibt auch gute Gründe, die zweite Adaption zu favorisieren. Gekonnten Grusel bieten beide, in puncto harter Horror halten sich beide zurück, da wir es mit TV-Verfilmungen zu tun haben. Welche mag Stephen King wohl lieber?

Regisseur Mikael Salomon („Hard Rain“) sitzt bis heute mehr fürs Fernsehen auf dem Regiestuhl als fürs Kino, aber das ist ja schon lange kein Makel mehr, wenn es denn überhaupt mal einer war. Interessanterweise hat er in anderen filmischen Tätigkeitsfeldern Meriten erworben, war für James Camerons „Abyss – Abgrund des Todes“ 1990 als Kameramann und für die visuellen Effekte von Ron Howards „Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen“ 1992 für den Oscar nominiert. Mit „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ hat er dem Vampir-Sujet zwar keine neuen Impulse gegeben, aber bewiesen, dass er die Blutsauger gekonnt in Szene setzen kann.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet, Filme mit Rutger Hauer und Donald Sutherland in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 14. Juli 2006 als DVD

Länge: 174 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch, Polnisch, Tschechisch
Originaltitel: Salem’s Lot
USA 2004
Regie: Mikael Salomon
Drehbuch: Peter Filardi, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: Rob Lowe, Donald Sutherland, Rutger Hauer, Andre Braugher, Samantha Mathis, Robert Mammone, Dan Byrd, James Cromwell, Andy Anderson, Robert Grubb, Penny McNamee
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 
 

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