RSS

Schlagwort-Archive: Ryan Guzman

Exorzismus 2.0 – Wenn ein echter Dämon die Fake-Show übernimmt

The Cleansing Hour

Von Volker Schönenberger

Horror // „Exorzismus 2.0“ nennen Max (Ryan Guzman) und Drew (Kyle Gallner) ihre Show, mit der sie im Internet Erfolge feiern (im Original heißt die Show „The Cleansing Hour“). Mit spektakulär gezeigten Teufels- und Dämonenaustreibungen haben sich die beiden eine große Online-Fangemeinde erarbeitet. Max gibt dabei den Priester und Exorzisten. Viele ihrer Fans glauben tatsächlich an das, was sie in der Show sehen. Selbstverständlich ist alles ein einziger Fake.

Drew beherrscht die Technik

Drew ist allerdings nicht mehr ganz zufrieden, weil es Max in erster Linie darum geht, sich als den Star zu inszenieren, und er Vorschläge von Drew ablehnt, die in eine andere Richtung gehen. Als eines Abends die für die Rolle der nächsten Besessenen vorgesehene Schauspielerin nicht auf der Bildfläche erscheint, übernimmt Drews Freundin Lane (Alix Angelis) den Part. Max ist alles andere als angetan, hat aber wenige Sekunden vor der Live-Schalte keine Wahl.

Ein Dämon übernimmt Lane …

Als Erster bemerkt Assistent Chris (Chris Lew Kum Hoi) die Veränderung an Lane. Bald wird auch den anderen Anwesenden klar: Offenbar hat ein echter Dämon von Lane Besitz ergriffen und nun auch die Regie über die Show übernommen. Dem betrügerischen Exorzisten Max und seinem Team steht ein heißer Tanz bevor, den nicht alle Beteiligten überleben werden.

… und damit die Leitung der Show

William Friedkins großer Klassiker „Der Exorzist“ (1973) wirft auch heute noch einen mächtigen Schatten, in welchem sich zahlreiche mehr oder minder gelungene Epigonen tummeln. 2016 drehte der als Cutter fürs US-Fernsehen tätige Damien LeVeck nach einem Drehbuch seines Kumpels Aaron Horwitz den über Crowdfunding finanzierten Kurzfilm „The Cleansing Hour“. Drei Jahre später entstand daraus LeVecks Langfilm-Regiedebüt.

Fake-Exorzist Max gerät …

Die Kombination aus Exorzismus und World Wide Web erscheint erst einmal sehr originell, aber natürlich hat das Horrorgenre Internet-Phänomene schon längst entdeckt – siehe beispielsweise „Unknown User“ (2014) und „Heilstätten“ (2018). Gestehen wir „Exorzismus 2.0“ dennoch eine gewisse Eigenständigkeit zu. Die deutsche Titelschöpfung ist zwiespältig. Zwar bildet sie die Story letztlich zutreffend ab und wirkt hierzulande verständlicher als der Originaltitel „The Cleansing Hour“. Andererseits mag das etwas ausgelutschte Digitalisierungs-„2.0“ potenzielle Filmgucker/innen abschrecken.

… an seine Grenzen …

Ihnen entgeht nicht der nächste große Horrorfilm, aber immerhin ein interessanter kleiner Reißer, der mit ein paar Seitenhieben auf Publicity-geile Internetstars und ihr oberflächliches Publikum aufwartet. Tricktechnik und Make-up sind nicht A-Liga, doch das will der Independent-Schocker auch gar nicht sein. Einige visuelle Effekte funktionieren sehr gut, andere werden durch das schummrige Licht kaschiert, das während der Live-Übertragung vorherrscht. Zwischendurch trägt der Film sein Moralin arg dick auf, wenn immer neue Sünden zu bekennen sind. Immerhin erfahren wir einiges über die Beziehung von Drew und Max, die seit der Kindheit Freunde sind – eine Freundschaft, die der Dämon enorm auf die Probe stellt. Und wenn die Kreatur der Hölle zum Finale ihre Maske fallen lässt und direkt zum weltweiten Publikum spricht, dürfen wir uns über eine bitterböse Schlusspointe freuen.

… und darüber hinaus

Die deutsche Blu-ray und DVD kommen leider spartanisch daher. Weder deutsche noch englische Untertitel hat EuroVideo der Veröffentlichung spendiert, und als Bonusmaterial findet sich einzig der deutsche Trailer. Bedauerlich, es hätte doch möglich sein müssen, auch den 2016er-Kurzfilm zu lizenzieren und auf die Discs zu packen. Das hätte die Edition durchaus aufgewertet. So oder so können Horrorfans bei „Exorzismus 2.0“ mehr als einen Blick riskieren.

Können die Freunde Max (l.) und Drew den Schlamassel überstehen?

Veröffentlichung: 20. August 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Cleansing Hour
USA 2019
Regie: Damien LeVeck
Drehbuch: Damien LeVeck, Aaron Horwitz
Besetzung: Ryan Guzman, Kyle Gallner, Alix Angelis, Chris Lew Kum Hoi, Daniel Hoffmann-Gill, Emma Holzer, Jynarra Brinson, Ana Udroiu
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2020 EuroVideo Medien GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Everybody Wants Some!! Unbeschwerte Reise in die 80er

everybody_wants_some-packshot

Everybody Wants Some!!

Von Andreas Eckenfels

Komödie // Bei seinem preisgekrönten Filmexperiment „Boyhood“ (2014) begleitete Regisseur Richard Linklater den zunächst kleinen Mason (Ellar Coltrane) über Jahre hinweg beim Erwachsenwerden. Der Film endet damit, dass Mason aufs College geht. Insofern könnte „Everybody Wants Some!!“ direkt im Anschluss an „Boyhood“ spielen – wäre Linklaters jüngstes Werk zeitlich nicht im Jahr 1980 angesiedelt.

everybody_wants_some-1

Jake ist auf dem Weg ins College

Genauer gesagt beginnt es am Donnerstag, 28. August 1980. Jake (Blake Jenner) hat seine sieben Sachen inklusive Plattensammlung gepackt. Er ist auf dem Weg zu einer texanischen Universität, wo er in drei Tagen und 15 Stunden sein Studium aufnehmen wird. Doch bevor für den Baseball-Spieler der Ernst des Lebens beginnt, verlebt Jake noch einmal ein unbeschwertes Wochenende mit seinen neuen Teamkollegen, mit denen er ab sofort ein Haus teilen wird. Als Frischling wird Jake von seinen halbstarken Mitbewohnern natürlich erst kritisch beäugt und beschnüffelt, dann aber schnell in die Gemeinschaft aufgenommen.

In dem Haus gibt es nur zwei Regeln zu beachten: „Kein Alkohol“ und „Keine Mädchen im oberen Stockwerk“ – klar, dass beide Vorschriften schnell gebrochen werden. Die Jungs sind in Feierlaune und geben ihr Bestes, um in der Disco und auf Partys bei Bier, Schnaps und Gras hübsche Kommilitoninnen aufzureißen. Bald versucht Jake bei der süßen Kunststudentin Beverly (Zoey Deutch) sein Glück.

Inoffizielle Fortsetzung

Wenn man den Inhalt liest, wird man weniger an „Boyhood“ erinnert, sondern mehr an ein Frühwerk von Richard Linklater: In „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“ (1993) dreht sich alles um eine Gruppe von Jugendlichen, die im Mai 1976 im texanischen Austin ihren letzten Schultag feiert. „Everbody Wants Some!!“ könnte man somit durchaus als inoffizielle Fortsetzung zu dem Kultfilm bezeichnen. Wie häufig bei Linklater bilden die Filme eine begrenzte Zeitspanne aus dem Leben Heranwachsender ab, die kurz davor sind, sich einer neuen Herausforderung stellen zu müssen. Beide Filme sind ebenfalls nach einem Songtitel benannt: Der im Original betitelte „Dazed and Confused“ von 1993 ist dem gleichnamigen Lied von Led Zeppelin entliehen. „Everybody Wants Some!!“ ist auf dem Van-Halen-Album „Woman and Children First“ aus dem Jahr 1980 zu finden.

everybody_wants_some-2

Jake (l.) geht mit seinen neuen Mitbewohnern auf Tour

Die Musik spielt sowieso wieder eine große Rolle: Fast jede Szene wird mit einem zeitgenössischen Song eröffnet. Den Anfang macht „My Sharona“ von The Knack. Auf dem stimmungsvollen Soundtrack sind außerdem noch viele weitere Klassiker aus allen möglichen Stilen von Rock, Disco, Punk, Pop bishin zu Hip-Hop vertreten.

Amüsanter Retro-Charme

Doch nicht nur durch die Songauswahl lässt Linklater die Zuschauer nostalgisch in die 80er-Jahre zurückblicken. Auch die Schnauzer, die Frisuren, die Kleidung, Telefone mit Wählscheibe, Flipper und der „Space Invaders“-Videospielautomat unterstreichen den amüsanten Retro-Charme des Films. Heute wirkt das Meiste davon peinlich, aber sowas war vor über 35 Jahren eben angesagt.

everybody_wants_some-3

Finn (r.) hat eine ganz besondere Masche, um die Damen rumzukriegen

Die belanglos wirkenden Jungsgespräche sind natürlich zentraler Bestandteil von „Everybody Wants Some!!“ – schließlich hatte Linklater das Dauergeplauder mit „Rumtreiber“ (1991) salonfähig gemacht und dadurch andere Filmemacher wie Kevin Smith („Clerks – Die Ladenhüter“) maßgeblich inspiriert. Aber diesmal fehlt es vielen Dialogen an Kraft, reflektierende Untertöne über die wahren Gefühle oder die damaligen Lebensumstände der Studenten sind nur selten zu spüren.

Mit Längen und unvergesslichen Momenten

Dass der Funke diesmal nicht ganz überspringen will, liegt nicht an den Jungdarstellern. Die sind hervorragend gecastet, etwa der aus „Glee“ bekannte Blake Jenner sowie Zoey Deutch, übrigens die Tochter von Lea Thompson („Zurück in die Zukunft“) und „Pretty in Pink“-Regisseur Howard Deutch. Es liegt mehr an den grob gezeichneten Figuren, die über reine Typen, wie den Sportler, den Ehrgeizigen, den Neuankömmling und den Kiffer nicht hinauskommen.

everybody_wants_some-4

Dauerkiffer Willoughby (r.) hat etwas zu verbergen

Dennoch hat „Everybody Wants Some!!“ auch einige unvergessliche Momente und witzige Sprüche zu bieten: Es gibt Marihuana-geschwängerte Gespräche über die Mysteryserie „Twilight Zone“ und Pink Floyd. Finn (Glen Powell) versucht die Frauen rumzukriegen, indem er ihnen über die angeblich durchschnittliche Größe seines besten Stücks erzählt – und hat mit der Masche erstaunlichen Erfolg. Was die Neuen auf dem Baseballfeld erleiden müssen, ist äußerst schmerzhaft und komisch zugleich. Dazu sind die Discoszenen und besonders die abschließende Kostümparty mit ihrer Detailverliebtheit wunderbar anzusehen.

Trotz einiger Längen darf man Richard Linklaters Reise in die 80er-Jahre dennoch genießen. Der Regisseur preist darin wieder einmal die unschuldige Zeit der Jugend als kostbares Gut, welches viel zu schnell verfliegt. Im Fall von Jake noch nicht am Montagmorgen, wenn mit dem Semesterbeginn „Everybody Wants Some!!“ endet. Aber früher oder später müssen auch er und seine Kumpels erwachsen werden.

everybody_wants_some-5

Jake und Beverly kommen sich näher

Veröffentlichung: 3. November 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Everybody Wants Some!!
USA 2016
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Richard Linklater
Besetzung: Blake Jenner, Juston Street, Ryan Guzman, Zoey Deutch, Temple Baker, Wyatt Russell, Glen Powell
Zusatzmaterial: Baseballspieler können tanzen (7 Min.), Für Anfänger: Der Stil der 80er (4 Min.), Skill Videos (5 Min.), Rickipedia (4 Min.), Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Constantin Film

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: