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Major Dundee – Sierra Charriba: Ein bisschen Peckinpah

Major Dundee

Von Lars Johansen

Western // In „Mein Name ist Nobody“ gibt es eine Grabstelle, die den Namen „Sam Peckinpah“ aufweist. Dieser hätte in jener Produktion von Sergio Leone wohl Regie führen sollen, wozu es aber nie kam. Vielleicht hätten sich die beiden gut verstanden, beide hatten mit James Coburn zusammengearbeitet und vor allen Dingen teilten sie eine Erfahrung: Beiden wurden nämlich Meisterwerke von den Produzenten zerstückelt. Bei Leone war es „Es war einmal in Amerika“ (1984), das sein Opus magnum werden sollte und erst einmal zurechtgekürzt wurde, bis es in die einfache Denkweise der Produktionsfirma passte und Leone darüber dann, zu früh, starb. Bei Peckinpah war es 1965 „Major Dundee“, der ihn eine vielversprechende Karriere kosten und ihn für ein paar Jahre erst einmal vom großen Kino fernhalten sollte, weil er auf einer schwarzen Liste landete und sich erst langsam wieder hocharbeiten musste.

„Wie soll ich anständig stoisch vor mich hin starren, wenn der Gaul solche Grimassen reißt?“

Die glorreichen Reiter“ („The Glory Guys“) wurde im gleichen Jahr von dem eher zweitklassigen Arnold Laven nach Peckinpahs Drehbuch inszeniert. Die Regie für „Cincinnati Kid“ verlor er nach ein paar Tagen an Norman Jewison, weil er das Drehbuch umgeschrieben hatte und angeblich Nacktaufnahmen von Sharon Tate drehen wollte, was den Produzenten nicht gefiel. 1966 schrieb er das Drehbuch für den Fernsehfilm „Noon Wine“ und führte auch Regie. Der wurde sehr gut aufgenommen und ebnete wieder den Weg. 1968 hat Peckinpah bei „Pancho Villa reitet“, den Routinier Buzz Kulik realisierte, am Drehbuch mitgearbeitet, ehe er 1969 dann „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“ drehen konnte, der vielleicht den Höhepunkt seines Filmschaffens darstellt, mindestens aber sein berühmtester Film geworden ist.

Charlton Heston verzichtet auf Gage

Doch zurück in das Jahr 1965. Produzent Jerry Bresler hatte Peckinpah ein relativ großes, ein paar Millionen Dollar umfassendes Budget zur Verfügung gestellt, welches er dann aber schon früh zusammenkürzte. Den Regisseur kümmerte es nicht, er drehte als habe er das große Budget zur Verfügung, was dazu führte, dass das Geld irgendwann zu Ende ging und die Dreharbeiten abgebrochen werden sollten. Darauf verzichtete der Star Charlton Heston auf seine Gage und sorgte so dafür, dass der Film zu Ende gedreht werden konnte. Das ist umso bemerkenswerter, als sich der Star und sein Regisseur gar nicht so gut verstanden, was zu Spannungen am Set führte. Peckinpah hatte außerdem damit begonnen, exzessiv zu trinken, woraufhin Heston wohl sogar bei einigen Szenen die Regie übernahm.

„Ich will ja nicht wie ein Rassist klingen, aber sogar deine Uniform ist farbiger als meine.“

Senta Berger schildert in einem Interview, das der führende deutsche Peckinpah-Experte Mike Siegel mit ihr für seine Dokumentation „Passion & Poetry“ führte, dass es am Set wohl auch Spannungen zwischen Heston und seinem Co-Star, dem aufstrebenden Richard Harris, gegeben habe. Als sie ankam, lief überhaupt nichts richtig rund und Peckinpah, der ihr ihre Rolle als deutsche Arztwitwe auf den Leib geschrieben hatte, weil er sie sehr schätzte, war wohl durch den Alkohol nahezu außer Gefecht gesetzt. Kurz, es stand nicht wirklich gut um die Dreharbeiten.
Der fertige Film umfasste gut zweieinhalb Stunden und wäre vielleicht ein Meisterwerk geworden. In den Kampfszenen hatte Peckinpah schon sehr viel mit Zeitlupe operiert, eine Methode, die bei „The Wild Bunch“ prägendes Stilmittel werden und für viele Regisseure stilbildend wirken sollte. Aber dann griff Jerry Bresler ein, der erst einmal auf zwei Stunden kürzte, die Zeitlupenaufnahmen durch Bilder der Second-Unit-Crew ersetzte, die Musik und die Tonspur so bearbeitete, dass sie ebenfalls ihre Qualität verloren und der so aus dem Meisterwerk eine Ruine zusammenzimmerte, die im amerikanischen Kino komplett unterging und nur in Europa ein wenig besser abschnitt. Erst Jahre später wurde versucht, eine halbwegs adäquate Fassung herzustellen, die Peckinpahs Intention wenigstens ansatzweise entsprach. Diese ist 136 Minuten lang, es fehlt also immer noch einiges, was wohl auch für immer verloren ist. Es gibt auch eine ordentliche (englische) Tonspur und neue Musik, die hochwertiger abgemischt wurden. Trotzdem bleiben diese positiven Veränderungen in erster Linie Kosmetik, die alles zwar besser, aber noch nicht ganz gut aussehen lässt.

Ideengeber für „Westlich von Santa Fé“

Sam Peckinpah hatte seine Karriere beim Fernsehen begonnen und 1958 die Idee zu der Serie „Westlich von Santa Fé“ („The Rifleman“) gehabt, von der er ein paar Folgen auch selber inszenierte und die zu einem sehr großen Erfolg wurde. In dieser Zeit schrieb Peckinpah das Drehbuch zu „Die glorreichen Reiter“, das in vielem wie eine Fingerübung für „Major Dundee“ wirkt. Wir haben zwei Soldaten, die sich eigentlich gut verstehen könnten, aber es steht einiges zwischen ihnen, vor allem eine Frau, die in beiden Filmen von Senta Berger gespielt wird, welche eine Außenseiterin bleiben muss, weil sie sich den gesellschaftlichen Konventionen verweigert. In beiden Filmen geht es um eine militärische Operation, die mehr oder minder zum Scheitern verurteilt ist. Die Parallelen sind offensichtlich.

Feuchte Träume vor der Fototapete

Zu einem anderen ganz großen Western gibt es ebenfalls einige Parallelen, nämlich zu John Fords „Der schwarze Falke“ („The Searchers“) von 1956, denn hier wie dort werden Indianer gejagt, welche Kinder entführt haben. Die Kinder werden befreit, was bei Peckinpah relativ früh geschieht, und die handelnden Akteure erscheinen als moralisch eher zweifelhafte Figuren, deren Motive durchaus egoistischer Natur sind. Ein wenig wirkt „Major Dundee“ manchmal so, als wolle Peckinpah einen Kommentar zu Fords Western abgeben, auch zu seinen Kavalleriewestern, in denen die Soldaten immer so gepflegt aussehen und auch nach verlorenen Schlachten einigermaßen diszipliniert wirken. Hier ist alles ein wenig realistischer und schmutziger und Hestons Rolle hat etwas durchaus Autobiografisches aufzuweisen. Denn sein Major Dundee porträtiert Peckinpah, spätestens, wenn er in Mexiko schwer alkoholisiert versumpft, weil er mit seinen Wunden nicht umgehen kann. Peckinpahs Wunden liegen eher unter der Oberfläche, der empfindsame Künstler kam nur sehr bedingt mit der Realität (auch der des Filmbusiness) klar.

Nord- und Südstaatler gegen Indianer

Die Handlung lässt sich, wie bei allen wirklich guten Filmen, mit wenigen Worten zusammenfassen. Major Dundee (Charlton Heston) arbeitet für die Nordstaaten als Leiter eines Gefangenenlagers, in welchem konföderierte Soldaten einsitzen, darunter mit Captain Tyreen (Richard Harris) auch ein ehemaliger Freund Dundees. Der Apachenhäuptling Sierra Charriba (Michael Pate) überfällt und tötet immer wieder amerikanische Bürger. Dundee beschließt eigenmächtig, ihn zu verfolgen, von ihm entführte Kinder zu befreien und ihn schließlich zu töten. Dazu braucht er auch Freiwillige aus den Reihen der konföderierten Gefangenen. Es kommt zu Spannungen und Reibereien untereinander, bis endlich die letzte Konfrontation mit den Indianern ausgetragen wird.

„Dahinten liegt der Thunberg und der Adorf sieht wie die Klimakatastrophe aus.“

In vielen Szenen lässt sich erahnen, was Peckinpah wohl vorschwebte. Manches funktioniert ausgezeichnet, anderes ist sichtbarer Notbehelf. Nicht alle Beziehungen untereinander sind ausgewogen geschildert, bei manchem ahnt man, dass wohl mehr und anderes geplant war, was sich aber dann nicht mehr realisieren ließ oder verloren gegangen ist. So wie es ist, ist es in Ordnung, aber nicht mehr, obwohl einige Szenen eine Intensität erreichen, die mehr verspricht als der Film letztlich einzulösen in der Lage ist.

Vorbildliches Mediabook von explosive media

Die Mediabook-Veröffentlichung ist auf jeden Fall ziemlich perfekt geworden, Bild und Ton sind ausgezeichnet, Kinofassung und Extended Cut sind beide auf getrennten Blu-rays enthalten, beide verfügen über unterschiedliche Extras, die üppig und zielführend geworden sind. Dazu kommen zwei Musikspuren, damit man wirklich alle möglichen Fassungen sehen kann. Besser kann man es nicht machen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sam Peckinpah haben wir unter Regisseure aufgelistet, Filme mit James Coburn, Richard Harris und Charlton Heston unter Schauspieler.

„Der Säbel kommt mir zaub’risch vor, ich glaub‘ ich werd’ zu Dumbledore.“

Veröffentlichung: 28.11. 2019 als 2-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays)

Länge: 122 Min. (Kinofassung), 136 Min. (Extended Fassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Major Dundee
USA 1965
Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: Harry Julian Fink, Oscar Saul, Sam Peckinpah,
Besetzung: Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn, Michael Anderson Jr., Marion Adorf, Brock Peters, Senta Berger, Slim Pickens, Michael Pate
Zusatzmaterial: Audiokommentare Glenn Erickson und von Nick Redman, Paul Seydor, Garner Simmons und David Weddle, Featurette „Riding for a Fall“, Mike Siegel: „Passion & Poetry – The Dundee Odyssey“ und „Über das Passion & Poetry Projekt“, Bildergalerie, Booklet mit einem Text von Glenn Erickson
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Lars Johansen

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2019 explosive media

 

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Gewinnspiel: 3 x Die glorreichen Reiter auf Blu-ray im Mediabook

Verlosung

Lose angelehnt an die Schlacht am Little Bighorn und den Tod General Custers erzählt „Die glorreichen Reiter (1965) von einem Soldaten und einem Scout, die als Freunde um eine Frau (Senta Berger) konkurrieren und unter einem kriegslüsternen Offizier in eine Schlacht gegen Indianer ziehen müssen. Koch Films hat den nach einem Drehbuch von Sam Peckinpah inszenierten Western von Arnold Laven kürzlich als 62. Teil der „Edition Western Legenden“ auf Blu-ray und DVD im schmalen Mediabook veröffentlicht und uns drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Lars Johansens Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 2. Februar 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Dirk Busch,
– Marco Felici,
– Marco Winnig.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Die glorreichen Reiter“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Die glorreichen Reiter – Nenn mich nicht Peckinpah!

The Glory Guys

Von Lars Johansen

Western // Sam Peckinpah begann seine Karriere beim Fernsehen. 1958 hatte er die Idee zu der Serie „Westlich von Santa Fé“ („The Rifleman“), von der er ein paar Folgen auch selbst inszenierte und die zu einem großen Erfolg wurde. Dabei lernte er auch Arnold Laven kennen, der vor allem als Produzent arbeitete, sich aber auch als Regisseur versuchte. Irgendwann in dieser Zeit schrieb Peckinpah das Drehbuch zu „Die glorreichen Reiter“ („The Glory Guys“), in dem es relativ unverbrämt um General Custer und die berühmte Schlacht am Little Bighorn ging. Es wurde erst einmal nicht realisiert und Peckinpah wandte sich anderen Aufgaben zu. „Sacramento“ („Ride the High Country“) drehte er 1962 günstig und war damit an den Kinokassen relativ erfolgreich. Also durfte er sich 1965 an „Major Dundee – Sierra Charriba“ versuchen – und das geriet zum Desaster. Zwar hatte Hauptdarsteller Charlton Heston Geld zugeschossen, damit die Dreharbeiten halbwegs ordnungsgemäß beendet werden konnten, aber die Produzenten entzogen dem Regisseur den Schnitt und verwässerten die Ideen Peckinpahs bis zur Unkenntlichkeit. Vier Jahre sollte es dauern bis er mit „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“ („The Wild Bunch“) wieder einen Film drehen konnte, der seinen Ideen entsprach. In der Zwischenzeit wollte ihn kein Studio einsetzen. Und so wurde „The Glory Guys“ nach Peckinpahs Drehbuch von Arnold Laven („Als Jim Dolan kam“) gedreht, der aus den ganz ordentlichen Möglichkeiten einen merkwürdigen Hybriden machte, dem man ansah, dass er nicht ganz billig gewesen sein kann, der aber gleichzeitig über keinen einzigen Star verfügt, sodass er irgendwo auf dem halben Weg zu einem wirklichen Großwestern versandet.

Ich sehe was, das du nicht siehst

Es geht um Captain Demas Harrod (Tom Tryon), der mit dem Scout Sol Rogers (Harve Presnell) um die Liebe zur Witwe Lou Woddard (Senta Berger) konkurriert. Die beiden Männer sind eigentlich Freunde und werden zu einem Einsatz unter General Frederick McCabe abkommandiert, der in einen Indianerkrieg zieht. Größenwahnsinnig geworden, lässt er gegen die Befehle der Heeresleitung einen Tag zu früh und ohne Verstärkung angreifen. Fast alle Soldaten, darunter auch Rogers, kommen dabei ums Leben. Harrod und ein paar Männer unter seinem Kommando überleben, um am Ende das große Schlachtfeld mit allen Getöteten zu sehen. Die Indianer sind abgezogen.

Golden-Globe-Nominierung für den jungen James Caan

Fast zwei Stunden braucht „Die glorreichen Reiter“, um das zu erzählen. Der Western beginnt als schwaches Liebesdrama und steigert sich dann ein wenig. Wir erfahren einiges über die Ausbildung der Rekruten, darunter der junge James Caan, der für seine Rolle immerhin für den Golden Globe nominiert wurde und ein Jahr später in Howard Hawks’ „El Dorado“ seinen Durchbruch erleben sollte. Die letzte halbe Stunde ist dann richtig gut. Wir sehen nämlich nicht die ganze Schlacht, sondern nur das Vorgeplänkel der kleinen Truppe um Harrod. Das ist zupackend und hautnah inszeniert. Wenn die Überlebenden am Ende auf dem Schlachtfeld ankommen und sehen, dass alle außer ihnen tot sind, dann ist das wirklich überraschend und erschütternd. Der General, den Andrew Duggan leider nicht sehr beeindruckend spielt, ist eine typische Peckinpah-Figur, zerrissen zwischen Pflichtgefühl, Minderwertigkeitsgefühlen und Größenwahn. Unter der Regie von Laven verkommt er jedoch zu einem etwas seltsamen Zausel. Sol Rogers, der Scout, hat eine Frisur, die nach jedem Kampf schon nach Sekunden wieder so aussieht, als sei er gerade vom Friseur gekommen. Das streift die unfreiwillige Komik, auch wenn man sieht, dass die Schläge bei seiner Prügelei mit Harrod immer an den Kombattanten vorbei gehen. Senta Berger erzählt, dass ihre Rolle von Peckinpah extra für sie in das Buch geschrieben wurde. Vielleicht wirkt sie daher wie ein Fremdkörper. Es ist beinahe so, als würde sie ihre Rolle aus „Sierra Charriba“ wiederholen. In beiden Filmen ist sie eine Witwe, in die die Männer sich verlieben, aber ihre genaue Funktion für die Dramaturgie bleibt unklar, außer dass sie einen Konflikt provoziert, der aber für die Story unwichtig bleibt.

„Wo haben Sie diese Schlachtordnung gelernt?“ „In den Karl-May-Filmen.“

Die Musik von Riz Ortolani ordnet sich dem Geschehen unter. Das Einzige, was den Film über das totale Mittelmaß erhebt, ist die Kameraarbeit vom zweimaligen Oscar-Preisträger James Wong Howe, ein Veteran, der schon seit der Stummfilmzeit unterwegs war. Immer wieder gelingen ihm erstaunliche Einstellungen, und dass der Schluss so eindrücklich geraten ist, liegt ebenfalls an seiner Kameraführung. Laven inszenierte in der Folge noch ein paar Kinofilme, arbeitete dann aber nur noch für das Fernsehen, wo er gewiss besser aufgehoben war. Die typischen Peckinpah-Motive sind nur in Rudimenten vorhanden, eine eigene Handschrift gewinnt der Film an keiner Stelle. Man fragt sich unwillkürlich, wie das Ergebnis ausgesehen hätte, wenn Peckinpah selbst die Regie übernommen hätte.

In der „Edition Western Legenden“ gut aufgehoben

Die Veröffentlichung von Koch Films ist wieder einmal außerordentlich gut geworden. Das Bild wurde zwar nicht komplett digital überarbeitet, ist aber mit Ausnahme von ein paar Szenen, die wohl schon im Original mindere Qualität aufweisen, sehr ansehbar. Leider gibt es nur eine englische Untertitelspur, doch die ist immerhin hilfreich. Der Audiokommentar des deutschen Peckinpah-Experten Mike Siegel ist äußerst kompetent und auf jeden Fall hörenswert. Auch die übrigen Extras sind hochwertig, das Interview mit Senta Berger gibt gute Einblicke und das Featurette über den berühmten Kameramann James Wong Howe ist gut geworden. Auch wenn der Film nicht über sehr gutes Mittelmaß hinaus kommt, ist er doch für Peckinpah-Fans ein Muss und Westernfreunden ans Herz zu legen und in der „Edition Western Legenden“ von Koch Films gut aufgehoben. Welche Peckinpah-Filme gehören zu euren Favoriten?

Die Statisten drehen zur Mittagspause ab

Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sam Peckinpah haben wir unter Regisseure aufgelistet, Filme mit James Caan in der Rubrik Schauspieler.

Wasserspiele

Veröffentlichung: 14. November 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Glory Guys
USA 1965
Regie: Arnold Laven
Drehbuch: Sam Peckinpah, nach einem Roman von Hoffman Birney
Besetzung: Tom Tryon, James Caan, Senta Berger, Harve Presnell, Andrew Duggan, Slim Pickens, Peter Breck, Jeanne Cooper, Laurel Goodwin, Adam Williams, Wayne Rogers
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Filmhistoriker Mike Siegel, Featurette, Bildergalerie, Booklet
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Lars Johansen
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Koch Films

 
 

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