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Captain Marvel – Marvels mächtigste Heldin ist da!

Captain Marvel

Kinostart: 7. März 2019

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Action // Das Marvel Cinematic Universe (MCU) steht vor einem großen Umbruch. Neue Helden kommen, alte Recken gehen. Bevor Phase 3 des MCU ab dem 25. April mit „Avengers – Endgame“ offiziell beendet wird, lernen wir mit Carol Danvers alias Captain Marvel eine der neuen Kämpferinnen für das Gute kennen. Der 21. Film innerhalb des MCU bietet gleich eine doppelte Premiere: Erstmals wird eine weibliche Superheldin in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, dargestellt von Oscar-Preisträgerin Brie Larson („Raum“). Gleichzeitig übernimmt mit Anna Boden erstmals eine Frau die Regie bei einem Marvel-Film – wenn auch gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Ryan Fleck. In beiden Punkten hatte zuvor ausnahmsweise die ansonsten stets hinterherhinkende Konkurrenz aus dem DC Extended Universe die Nase vorn. Ob „Captain Marvel“ einen ähnlichen Erfolg an den Kinokassen feiern wird, wie „Wonder Woman“ von Patty Jenkins, wird die nahe Zukunft zeigen.

Mentor und Schülerin: Yon-Rogg und Vers

In der Abspannszene von „Avengers – Inifinity War“ (2018) konnte Nick Fury (Samuel L. Jackson) mit seinem Pager einen letzten Notruf an Captain Marvel (Larson) absetzen. Die erstmals 1968 in Comic-Form in Erscheinung getretene Superheldin ist somit die letzte Hoffnungsträgerin, um mit ihren Fähigkeiten die aussichtslos erscheinende Schlacht gegen Thanos doch noch in einen Sieg umzumünzen. Ihre hier erzählte Vorgeschichte setzt dabei im Jahr 1995 ein, ist also zeitlich vor dem ersten MCU-Film „Iron Man“ (2008) angesiedelt.

Zurück auf der Erde

Wenn wir Carol Danvers das erste Mal begegnen, hört sie auf den Namen Vers und gehört einer galaktischen Elite-Einheit der Krees an. Da sie nachts im Schlaf von Erinnerungen und Visionen heimgesucht wird, trainiert sie in dieser Zeit lieber mit ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) ihre Kampftechnik. Doch ihr Temperament und ihre Energiestöße, die sie aus ihren Armen schießen lassen kann, hat Vers noch nicht ganz im Griff. Da kommt ein neuer Auftrag gerade recht. Gemeinsam mit ihrem Team, dem unter anderem auch Korath (Djimon Hounsou) und Minn-Erva (Gemma Chan) angehören, soll sie unter Yon-Roggs Führung ein besetztes Territorium zurückerobern. Dieses ist in die Hände der Skrulls gefallen. Die Alien-Rasse ist der Erzfeind der Krees und verfügt über eine besondere Fähigkeit: Die Kreaturen können ihre Gestalt wandeln.

Auf der Erde macht sich Vers mit dem öffentlichen Nahverkehr vertraut

Der Einsatz geht schief. Vers wird gefangen genommen und erhält von Talos (Ben Mendelsohn), dem Anführer der Skrulls, eine Spezialbehandlung. Doch bevor der Außerirdische ihre Erinnerungen scannen kann, gelingt der Soldatin mit einer Rettungskapsel die Flucht. Vers landet krachend auf der Erde – in einer Blockbuster-Videothek in Los Angeles. Auch einige Skrulls haben es auf den Planeten geschafft und nehmen jetzt zur Tarnung fleißig das Aussehen verschiedener Passanten an. Gemeinsam mit dem herbeigerufenen S.H.I.E.L.D-Agenten Nick Fury jagt Vers schließlich den Aliens hinterher. Dabei werden ihre Visionen und Déjà-Vus immer intensiver. Bald findet Vers heraus, dass sie schon einmal auf der Erde war. Als Air-Force-Piloten, die 1989 einen folgenschweren Absturz hatte. Ihr damaliger Name: Carol Danvers.

Kein Überflieger

„Höher, weiter, schneller, Baby!“ Mit diesem Spruch starten Carol Denvers und Pilotenkollegin Maria Rambeau (Lashana Lynch) in ihren Maschinen in die Lüfte. Doch so ganz will dieses Motto zunächst nicht passen. Ein echter Überflieger ist „Captain Marvel“ nicht geworden, dafür ein solider, unterhaltsamer Blockbuster, dem es allerdings etwas an Spektakel fehlt. Der erste Einsatz gegen die Skrulls könnte aus einer „Star Trek“-Folge stammen, gegen Ende gibt es eine Flug-Verfolgungsjagd durch einen engen Canyon, welche in ihrer Machart an „Star Wars“ erinnert. Diese Actionszenen erfüllen ihren Zweck, wirken aber etwas uninspiriert und es fehlt an der nötigen Dramatik, um wirklich mit ihnen mitfiebern zu können. Vielleicht war die Inszenierung dieser Sequenzen für die Filmemacher Boden/Fleck, die sich mit kleinen Indie-Perlen wie „Half Nelson“ (2006) einen Namen gemacht haben, doch eine Nummer zu groß.

Digitale Verjüngunskur

Dafür spielen sie ihre Qualitäten in anderen Bereichen voll aus und können sich auf ihren namhaften Cast verlassen. Sobald das Geschehen vom All auf die Erde verlagert wird, fühlt sich das 21. MCU-Abenteuer auch überaus geerdet an. Dass ein Großteil der Kulissen und auch die Alien-Masken am Computer generiert sind, erkennt man nur selten. Das Duo Brie Larson und Samuel L. Jackson, die beide schon gemeinsam in „Kong – Skull Island“ (2017) arbeiteten, erweist sich als perfekt eingespieltes Team. Im Stil eines Buddy-Movies fetzen sie sich ordentlich, jagen den Bösewichtern hinterher und geben einander Rückendeckung. Dabei gibt Larson zunächst eine eher zurückhaltende Performance ab, doch je mehr ihre Figur wieder zu sich selbst findet, ihre Erinnerungen zurückkehren, lässt sie ihre verbissene Ernsthaftigkeit hinter sich und es huscht immer häufiger ein Lächeln über ihr Gesicht. Samuel L. Jackson ist natürlich ein Selbstgänger, grandios wie immer. Kaum zu glauben, dass er im vergangenen Dezember seinen 70. Geburtstag gefeiert hat – erst recht nicht, da sein Gesicht einer digitalen Verjüngungskur unterzogen wurde. Marvel hatte diese Methode bereits für einige Szenen mit Robert Downey Jr. in „The First Avenger – Civil War“ (2016) und Michael Douglas in „Ant-Man“ (2015) angewendet, aber den vermeintlich jungen Samuel L. Jackson während der Dauer eines kompletten Films zu sehen, ist überzeugend gelungen. Ebenso wurde auch Clark Gregg als Agent Coulson auf jung getrimmt. Wenn man sich dazu die absolut lächerlich wirkende Anfangssequenz mit Nicole Kidman und Temuera Morrison aus „Aquaman“ (2018) ins Gedächtnis ruft, ist das MCU in diesem Bereich dem Konkurrenten klar überlegen.

Dort sind auch Talos (l.) und die anderen Skrulls gelandet

Die Geschichte gibt zum Glück auch Ben Mendelsohn die Möglichkeit, trotz seiner Alien-Maske und mithilfe der Sprache seiner Figur die nötige Tragik zu verleihen und nicht wie etwa in „Ready Player One“ einen recht generischen Schurken zu geben. Und dann ist da noch der heimliche Star des Films, über den jeder sprechen wird: die coole Katze Goose! Ob das Pelztier nach Anthony Edwards’ Charakter gleichen Namens aus „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (1986) benannt ist?

Die 90er sind wieder da

Nach der allgemeinen Nostalgiewelle auf die 80er-Jahre feiert das Comic-Abenteuer jetzt das darauffolgende Jahrzehnt. Und das mit einem großen Augenzwinkern: CD-Rom-Laufwerke in Windows-95-Rechnern, die Ewigkeiten benötigten, bis die Daten eingelesen waren, Videotheken mit großen Pappaufstellern oder die Grunge-Mode. Für alle, die dabei waren, ein großer Spaß. Gleichzeitig sorgt auch schon wie in „Guardians of the Galaxy“ der passende Soundtrack für Stimmung: Von R.E.M. über Nirvana bis hin zu TLC werden zahlreiche zeitgenössische Hits serviert. Und nur wenn Carol Danvers zu den Takten von „Just a Girl“ von No Doubt die Bösewichte in einer Rockerkneipe verprügelt, dringt die ansonsten eher subtil vermittelte feministische Botschaft etwas zu laut ins Gehör.

Schlummernde Kräfte

Dass die Ursprungsgeschichte von Captain Marvel diesmal unüblich nicht chronologisch erzählt wird, sondern sich durch Rückblenden nach und nach zusammensetzt, ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits durchbricht diese Herangehensweise erfrischend das übliche Muster, andererseits verliert die Titelfigur durch die ständige Ungewissheit und ihre Suche nach ihrer Identität auch etwas von ihrer Stärke. Doch sobald Carol im letzten Akt zu sich selbst gefunden hat, mit voller Energie sowie neuer Anzugfarbe in den Himmel steigt und im Kosmos durch ein Raumschiff wie durch Butter gleitet, dann können wir erahnen, welche Kräfte in Marvels mächtigster Heldin schlummern. Und diese wird Captain Marvel in „Avengers – Endgame“ mit Sicherheit ohne zuvor angezogene Handbremse demonstrieren können.

S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury in jungen Jahren – und noch mit zwei Augen

Abschließend zwei Hinweise: Ja, die leider verstorbene Comic-Legende Stan Lee (1922–2018) erhält eine Würdigung, und wie üblich bei Marvel-Filmen heißt es: Während des Abspanns sitzen bleiben! In der Mitte und am Ende folgen je noch eine kurze Szene.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brie Larson sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Samuel L. Jackson und Jude Law unter Schauspieler.

Höher, weiter, schneller, Captain Marvel!

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Captain Marvel
USA 2019
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet
Besetzung: Brie Larson, Gemma Chan, Ben Mendelsohn, Samuel L. Jackson, Jude Law, Lee Pace, Annette Bening, Djimon Hounsou, Clark Gregg, Lashana Lynch
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

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Die Unglaublichen – Truly Incredible

The Incredibles

Von Paula Bierend

Computertrick-Fantasy-Abenteuer // „Die Unglaublichen“ gehört zu den Filmen, mit denen meine Generation groß geworden ist. Mittlerweile gilt das Familien-Abenteuer von Pixar als Kinderfilm-Klassiker, und das aus gutem Grund. Wer hat sich nicht schon mal Gedanken darüber gemacht, wer eigentlich die ganzen Schäden bezahlt, wenn Superhelden Superschurken zur Strecke bringen und dabei eine halbe Großstadt zerstören? Oder was passiert, wenn Superhelden im Übereifer, Gutes zu tun, mal den Falschen retten und einen Selbstmörder beim Sprung vom Hochhaus auffangen?

Superhelden werden verboten

In Brad Birds „Die Unglaublichen“ ist dies die Prämisse – eine Prämisse, die in einem Marvel-Film das Marvel Cinematic Universe und in einem DC-Film das DC Extended Universe komplett auf den Kopf stellen würde: Letztlich ist es sicherlich mehr Neid, weil sie selber nur durchschnittlich sind, aber irgendwann haben die Menschen genug von den verwüsteten Städten. Besagter Selbstmörder, von Mr. Incredible gerettet, hat sich bei der unerwünschten Rettung den Hals verrenkt und tritt daraufhin eine Prozesslawine los. Binnen kürzester Zeit zieht die Regierung die Reißleine – Superhelden werden verboten. Wie im Zeugenschutzprogrammen werden sie in normale Existenzen umgesiedelt und müssen fortan all die Jobs machen, die bereits die Leben der Normalsterblichen unerträglich machen.

Bob verzweifelt immer mehr an seinem Job

Bob Parr, der früher als Mr. Incredible für Sicherheit gesorgt hat, hat kurz vor der Verbannung der Superhelden Elastigirl alias Helen geheiratet. Nun leben die Eheleute seit fünfzehn Jahren in einem typischen amerikanischen Vorort und haben drei Kinder, von denen die älteren ebenso wie ihre Eltern besondere Fähigkeiten haben. Nur Baby Jack Jack scheint aus der Art zu schlagen mit seiner Normalität. Dash Parr ist schnell wie kein zweiter und brennt darauf, dies auch mal zur Schau zu stellen. Seine Schwester Violet Parr kann unsichtbar werden, was meist dann passiert, wenn ihr Schwarm in der Schule in ihre Richtung schaut, und sie kann Energiefelder um sich herum erzeugen, die vor ziemlich allem schützen, aber sie wünscht sich eigentlich nur ein normales Teenagerdasein.

Aus Elastigirl ist eine Hausfrau geworden

Helen hat sich mit der neuen Situation abgefunden. Sie ist zur klassischen Hausfrau und Mutter mutiert, weil sie weiß, dass ihre Superfähigkeiten in dieser schönen neuen Welt nichts mehr wert sind. Bob hingegen ist absolut frustriert von seinem Leben. Abends trifft er sich mit seinem alten Kumpel Lucius, früher als Frozone bekannt (der im Original wunderbar von Samuel L. Jackson gesprochen wird), und hört den Polizeifunk ab, um zwischendurch immer mal wieder inkognito der Polizei zu helfen. Denn für eine Helfernatur wie Bob bedeutet sein Job die totale Frustration. Als Sachbearbeiter einer Versicherung ist es seine Aufgabe, berechtigte Forderungen der Kunden abzuwimmeln. Sein Chef wundert sich, dass seine Klienten aus den „Ablehnungsgesprächen“ als Versicherungsfachleute herausgehen, die jedes Schlupfloch kennen um doch an ihr Geld zu kommen. So kommt es, wie es kommen muss: Bob wird gefeuert.

Doch dann kehrt Mr. Incredible endlich zurück

Eine unbekannte Firma bietet ihm einen neuen, besser bezahlten Job an: Im Auftrag einer streng geheimen Organisation soll er wieder Mr. Incredible werden. In der Hoffnung, die glorreichen Tage wieder aufleben zu lassen und den Rausschmiss vor Helen geheim zu halten, nimmt er das Angebot an. Bald stellt sich heraus, dass hinter diesen Aufträgen ein alter Fan von Mr. Incredible steckt: der kleine Buddy Pine, der als Incrediboy der einst Sidekick von Mr. Incredible sein wollte und seinerzeit in jugendlichem Eifer die Katastrophe ausgelöst hatte, wegen der die Superhelden verboten wurden. Nun nennt er sich „Syndrom“ und hat seinen Mangel an Superfähigkeiten mit Erfindergeist kompensiert. Und er will nur eins: Rache.

Modedesignerin E in den Fußstapfen von Q

In bester James-Bond-Manier erklärt Syndrom seinen Plan, wie er sich als neuer Superheld in der Gesellschaft etablieren will. Dafür inszeniert er einen Angriff mit einem unbesiegbaren Roboter, den nur er stoppen kann, weil er die Fernbedienung besitzt. Er überwältigt Mr. Incredible und hält ihn gefangen. Helen, die über das plötzliche Verschwinden ihres Mannes viele Theorien spinnt, besucht ihre alte Freundin und Designerin Edna „E“ Mode (der im Original Regisseur Brad Bird persönlich die Stimme geliehen hat). Diese hat als Mischung aus weiblichem Karl Lagerfeld und James Bonds Q schon die Supersuits für die ganze Familie entworfen. Wer braucht nicht einen feuer- und kugelsicheren Strampler für sein Baby? Da E in alle Anzüge Peilsender eingebaut hat, findet Helen heraus, wo sich Bob aufhält, und nach einer Motivationsrede von E, in der die Tüftlerin Helen daran erinnert, eine Superheldin zu sein, wird Helen wieder zu Elastigirl und eilt ihrem Mann zu Hilfe. Die Kinder schleichen sich gleich mit auf die Mission, Jack Jack haben sie zuvor flugs eine Babysitterin besorgt. Der Kurzfilm „Jack Jack Attack“ im Bonusmaterial der Blu-ray erzählt von ihrem Abenteuer, von dem im Hauptfilm nur die Nachrichten auf Helens Mailbox Zeugnis geben. Am Ende muss die gesamte Familie Parr mit ihren vereinten Superheldenkräften versuchen, Syndroms Plan zu stoppen. Es gibt halt Dinge, die lassen sich nur als Familie schaffen.

Edna Mode (l.) präsentiert Helen alias Elastigirl die neuen Anzüge

„The Incredibles“, so der Originaltitel, schafft spielend den Brückenschlag zwischen Kinderfilm und Superheldenhommage, bei der man sich auch als Erwachsener mitgenommen fühlt. Bei der Schuperschurken-Festung werden vermutlich eher bei den Erwachsenen nostalgische Erinnerungen geweckt, die sich gleich in die Zeiten zurückversetzt fühlen werden, als Sean Connery in „James Bond 007 – Man lebt nur zweimal“ Blohfelds Raketenbasis im Inneren eines Vulkans zerstören musste oder sich Roger Moore noch als Agent mit Lizenz zum Töten selbst nicht ganz ernst nahm. Für jede Altersgruppe gibt es die persönliche Identifikation. Sei es Bob Parr, dem früher die Welt offen stand und der jetzt in einem Leben feststeckt, in dem er seine Talente seiner Familie zuliebe verstecken muss. Sei es Helen, die sich in der Superhelden-Doku zu Beginn abfällig zur Frage nach Familie noch abfällig äußert „Settle down, are you kidding? I’m at the top of my game! I’m right up there with the big dogs!“ und 15 Jahre später doch als Hausfrau und Mutter endet. Sei es Dash, der beweisen will, was in ihm steckt, aber immer wieder zur Ordnung gerufen wird. Violet schließlich muss als ältestes Kind immer für alles die Verantwortung übernehmen. Mit Edna Mode gibt es auch noch ein Rollenvorbild für die künftige Karrierefrau – Brad Bird hat der Guten einige der schönsten One Liner des Films auf den Leib geschrieben.

Wir alle tragen Superkräfte in uns!

Obwohl alle Hauptfiguren Superhelden sind, sind sie sehr menschlich, ihre Superkräfte sind schlussendlich nur eine Metapher für etwas, dass wir alle in uns tragen. Ob wir es bewusst sehen oder ob es irgendwo in uns verborgen ist, sind wir irgendwo doch alle super! Nur die Schurken brauchen technische Gadgets oder Markenprodukte, um besonders zu sein. Das ist eigentlich eine zu schöne Metapher, als dass man sie einer großen Hollywood-Produktion unterstellen will. Die Lektion aus „Die Unglaublichen“ ist eigentlich ebenso schön wie einfach: Es ist unsere Aufgabe, im Leben herauszufinden, wie wir unsere besonderen Fähigkeiten entfalten und in den Zwängen des Lebens einsetzen – und das am besten, ohne dabei die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Denn das Miteinander funktioniert auf Dauer nur, wenn jeder die Chance hat, seine Qualitäten auszuspielen und dafür wertgeschätzt zu werden. Wenn man sie mit Rücksicht auf alle anderen hintanstellt, wird auf Dauer keiner damit glücklich.

Die Familie kämpft gemeinsam gegen Syndrom

Man darf gespannt sein, wie Familie Parr beim in Kürze erscheinenden „Die Unglaublichen 2“, weiter zusammenwächst und vor allem, wie sich der jüngste Sprössling Jack Jack mit seinen doch noch entwickelten Fähigkeiten, für die er den feuerfesten Anzug sicher gut gebrauchen kann, in das Familien-Franchise hineinfindet. Feminismus, Gesellschaftskritik und großartige Unterhaltung „Die Unglaublichen“ hat alles und auf jeden Fall mehr als genug, um ihn regelmäßig für den gemütlichen Familienabend auszugraben – erst recht zur Vorbereitung aufs Sequel, das am 27. September in den deutschen Kinos startet.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. Februar 2018 als 2-Disc DVD, 1. Dezember 2011 als Blu-ray im Steelbook, 28. April 2011 als Blu-ray, 1. März 2011 als 2-Disc Limited Edition DVD im Steelbook

22. September 2005 als 2-Disc Special Collection DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Incredibles
USA 2004
Regie: Brad Bird
Drehbuch: Brad Bird
Originalsprecher: Craig T. Nelson, Holly Hunter, Samuel L. Jackson, Jason Lee, Dominique Louis, Teddy Newton, Elizabeth Peña
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Walt Disney

Copyright 2018 by Paula Bierend

Szenenbilder, Packshot Blu-ray & Packshot Special Collection DVD: © Walt Disney

 

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The 51st State – Irrwitzige Jagd nach Wunderdroge

The 51st State

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // Was für eine Ansammlung ikonischer Figuren hat der aus Hongkong stammende Regisseur Ronnie Yu („Freddy vs. Jason“) da versammelt! Beginnend mit Elmo McElroy (Samuel L. Jackson): 1971 hat er sich als frischgebackener Pharmakologe seine berufliche Laufbahn versaut, weil er sich von einem State Trooper mit Marihuana erwischen ließ. Das hat ihn offenbar in die Kriminalität getrieben: 30 Jahre später hat McElroy im Auftrag des cholerischen Gangsterbosses „The Lizard“ (Meat Loaf) in Los Angeles eine ominöse synthetische Wunderdroge zusammengebraut. Doch statt ihm die Rezeptur auszuhändigen, sprengt er das Drogenlabor in die Luft, wirft sich seinem Mc-Namen entsprechend in eine Schottentracht inklusive Kilt, stellt all sein Hab und Gut mit einem Schild „Free Shit“ in den Vorgarten und verzieht sich über den großen Teich nach Liverpool, um die Formel der Droge dort an den Mann zu bringen.

Widerwillig hilft DeSouza (l.) dem Besuch aus den USA

Der Lizard hat die Explosion allerdings wider Erwarten knapp überlebt und schickt McElroy schnurstracks die Profikillerin Dakota Parker (Emily Mortimer) hinterher, die bei ihm verschuldet ist. In Liverpool lernen wir den großmäuligen Kleinganoven Felix DeSouza (Robert Carlyle) kennen, der als beinharter Liverpool-FC-Fan gern Anhänger gegnerischer Fußballvereine provoziert, auf ein kurz bevorstehendes Match seines Clubs gegen den Erzrivalen Manchester United hinfiebert und McElroy im Auftrag des lokalen Drogenbosses Leopold Durant (Ricky Tomlinson) am Flughafen abholt.

Die Droge, die alles in den Schatten stellt

„Mein Produkt ist 51 Mal stärker als Kokain, 51 Mal halluzinogener als Acid und 51 Mal explosiver als Ecstasy. Es ist so, als bekämen Sie einen persönlichen Besuch vom lieben Gott.“ So vollmundig preist McElroy gegenüber Durant seine Kreation an, die zudem aus rezeptfreien und legalen Zutaten besteht – er nennt sie MDS 51 (im Original: POS 51), eine Abkürzung, die zum Finale erklärt wird. Doch der Deal, der ihm 20 Millionen Dollar einbringen soll, platzt, weil Dakota Parker auf überaus bleihaltige Weise dazwischenfunkt. Die dafür erforderlichen Schusswaffen hat sie sich zuvor beim exzentrischen Höker Iki (Rhys Ifans) besorgt. Der will alsbald als Abnehmer der Formel einspringen.

Dakota Parker hat schon die Witterung aufgenommen

Der korrupte Kriminalpolizist Detective Virgil Kane (Sean Pertwee) ist DeSouza und McElroy auf den Fersen. Ach ja: Ein paar gewalttätige Nazi-Skinheads mischen auch mit, beziehen jedoch immer wieder Prügel – ein Running Gag, der jedem vernunftbegabten Filmgucker Freude bereiten dürfte. Eine Diarrhö-bedingte Fäkal-Einlage darf da nicht fehlen.

Auch Izi riecht ein großes Geschäft

Die erlesene Besetzung adelt „The 51st State“. Robert Carlyle („Ganz oder gar nicht“) reißt sein Maul immer wieder ganz weit auf – wunderbar, seinen breiten englischen Akzent zu hören, es empfiehlt sich natürlich die Originaltonspur. Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“) beweist, dass er auch im Schottenrock bei einem Wettbewerb um den Titel „Coolste Sau des Planeten“ weit vorn landen würde. Emily Mortimer („Match Point“) ist auch als gnadenlose Auftragsmörderin zauberhaft. Wer würde von ihr nicht gern gejagt werden? Aber zugegeben, auf eine Gewehrkugel im Allerwertesten oder anderswo verzichte ich doch lieber.

Der große Einfluss der USA

Das Vereinigte Königreich wird gelegentlich als 51. Bundesstaat der USA („51st State“) bezeichnet, weil der kulturelle und politische Einfluss der USA auf England & Co. so groß sei. Meine erste Sichtung des Films datiert von 2002, als „The 51st State“ beim Fantasy Filmfest Deutschland-Premiere feierte. Der actionreichen Krimikomödie haben die gut anderthalb Jahrzehnte nicht das Geringste angehabt. Die mit interessanten Wendungen gespickte Krimihandlung wartet mit schrägen Gestalten, ebensolchen Dialogen, viel Witz und ein paar überdrehten Gewaltspitzen auf. „The 51st State“ bereitet viel Freude.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

McElroy (l.) und DeSouza müssen sich ein paar Nazi-Skinheads vom Leib halten

Veröffentlichung: 6. September 2018 als Blu-ray und DVD, 13. März 2003 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The 51st State
Alternativtitel: Formula 51
GB/KAN 2001
Regie: Ronnie Yu
Drehbuch: Stel Pavlou
Besetzung: Samuel L. Jackson, Robert Carlyle, Emily Mortimer, Rhys Ifans, Meat Loaf, Sean Pertwee, Paul Barber, David Webber, Junix Inocian, Stephen Walters, Mac McDonald
Zusatzmaterial: Interviews, B-Roll, Stadtansicht Liverpool, Trailershow
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Label/Vertrieb 2003: Constantin Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Concorde Home Entertainment

 

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