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Horror für Halloween (XIV): Die Augen des Satans – Aua am Kopp

The Brain from Planet Arous

Von Lars Johansen

SF-Horror // Wenn der Regisseur für einen Film seinen Namen ändert, ist das nie ein gutes Zeichen. Nathan Juran (1907–2002) hat sich für zwei Arbeiten dafür entschieden, seinen ursprünglichen Namen Hertz für den amerikanischen Juran einzusetzen, den der Einwanderer aus dem heutigen Rumänien seit 1912 trug. Zum einen ist das „Angriff der 20-Meter-Frau“ („Attack of the 50 Foot Woman“, 1958), zum anderen dieser Film. Und dafür gibt es in beiden Fällen sehr gute Gründe.

Hemden des Grauens

Juran war ein Regisseur, der ursprünglich einmal als Szenenbildner angefangen hatte, wofür er 1942 mit dem Oscar für seine Arbeit an John Fords „Schlagende Wetter“ („How Green Was My Valley“, 1941) ausgezeichnet wurde. 1952 begann er, Regie zu führen, ab Mitte der 50er-Jahre dann auch immer mehr bei Fernsehproduktionen. Immer wieder arbeitete er im Sciene-Fiction- und Fantasy-Bereich. Sein erster Genrebeitrag war, noch als Szenenbildner, „Dr.Renaults Secret“ (1942), als Regisseur dann „Das todbringende Ungeheuer“ („The Deadly Mantis“, 1957), sein bekanntester gewiss „Sindbads siebente Reise“ (1958), den er mit Ray Harryhausen realisierte. Auch fürs Fernsehen drehte er häufig Folgen von Science-Fiction-Serien wie „Lost in Space“ und „The Time Tunnel“. Er kannte sich also mit dem Genre aus. Aber wenn das Budget nur für ein paar bemalte Partyballons reichte, welche tatsächlich die Außerirdischen geben sollten, dann konnten weder er noch der eigentlich großartige Maskenbildner Jack P. Pierce etwas retten – Pierce hatte immerhin das klassische Frankenstein-Monster kreiert.

Was für ein Schweiß

Ein junger Wissenschaftler (John Agar) entdeckt in einer Höhle den bösen Außerirdischen Gor, der auf der Erde abgestürzt ist, während er von dem guten Vol verfolgt wird. Gor dringt in sein Gehirn ein und zwingt ihn, die führenden Politiker aus aller Welt an einem Ort zusammenzubringen. Dort beweist er seine Macht, indem er nur durch seine geistige Kraft eine atomare Explosion auslöst. Bevor er alles zerstören kann, gelingt es dem Wissenschaftler, dank eines Hinweises von Vol, Gor mit einem Schlag auf die Zentralfurche dessen Gehirns zu besiegen.

Dreist abgekupfert

Das klingt leider so blöd, wie es auch ist. Mich erinnerte die Grundidee des durch das Gehirn eines anderen Besessenen doch sehr stark an den oft (zuerst 1953) verfilmten Roman „Donovan’s Brain“ (1942) von Curt Siodmak. Aber vor allem ist es relativ dreist aus Hal Clements 1949 erstmals in Fortsetzungen erschienenen Roman „Needle“ (auf deutsch: „Die Nadelsuche“ bzw. „Symbiose“) geklaut, der eine nahezu identische Handlung aufweist. Der Etat war klein, aber Hauptdarsteller John Agar, der in ein paar John-Wayne-Western und vielen eher preisgünstigen Genreproduktionen mitgewirkt hat, erzählte in einem Interview über Nathan Juran: „Er war regelrecht aus dem Häuschen. Er dachte wohl, der Film würde eine Menge Gewinn einbringen.“ Das tat er nicht und die angebliche Euphorie verwundert ein wenig, hat doch Juran selbst einmal eingeräumt, diesen und den „Angriff der 20-Meter-Frau“, die beide für den Produzenten (und Kameramann) Jacques R. Marquette entstanden, ausschließlich des Geldes wegen realisiert zu haben.

„Diese Kontaktlinsen machen mich wahnsinnig“

Beide Werke haben Eingang ins popkulturelle Gedächtnis gefunden (bei „Die Augen des Satans“ u.a. als Sprachsamples) und genießen heute einen gewissen Kultstatus, weil sie Qualitäten aufweisen, die sich für eine Rezeption anbieten, welche die unfreiwillig komischen Aspekte wahrnimmt. Das ist oftmals ungerecht, aber in diesem Fall völlig angemessen. Da wird ins Leere gesprochen, weil der Etat nicht ausgereicht hat, dort einen der Außerirdischen zu platzieren. Das Labor scheint zu wandern. Einmal ist es direkt im Haus, dann muss man es von dort mit dem Auto erreichen. Und wenn Agar glänzende Kontaktlinsen trägt und teuflisch lacht, dann weiß man zum einen, dass er besessen ist, und zum anderen, dass es seine größte Leistung war, der erste Ehemann von Shirley Temple gewesen zu sein. Schauspielerisch ist er haltlos überfordert. Aber damit fügt er sich sehr gut in das Gesamtgefüge des Films ein.

Zweite Veröffentlichung auf DVD

Die DVD-Präsentation von Studio Hamburg ist eher lieblos, immerhin gibt es auch die englische Tonspur mit deutschen Untertiteln. Die Abtastung ist wohl extra für diese Veröffentlichung noch einmal von einer guten Quelle durchgeführt worden, das Bild für einen Film aus der Zeit damit sehr solide. Der beiliegende Flyer nennt sich ein wenig hochtrabend „Inter-Pathé-FILMBLÄTTER 1“ und bietet nur mäßige Informationen. Als Extras gibt es ansonsten noch den Trailer. Gesehen haben sollte man den Film als Genrefan, weil er tatsächlich mindestens in den USA einen gewissen Bekanntheitsgrad aufweist und es popkulturelle Referenzen gibt, die von „Malcolm mittendrin“ bis zu „Star Trek“ reichen. Für alle anderen bleibt nur die unfreiwillige Komik. Aber wenn Gor in die Zukunft blickt, dann hat das durchaus seinen Charme: „After I’m gone, your Earth will be free to live out its miserable span of existence, as one of my satellites, and that’s how it’s going to be.“

„Du wirkst irgendwie verändert“

Veröffentlichung: 3. August 2019 und 12. August 2010 als DVD, 26. September 2014 als DVD in der „Edition des Schreckens“ (in Kombination mit „Dementia 13“)

Länge: 71 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Brain from Planet Arous
USA 1957
Regie: Nathan Juran (als Nathan Hertz)
Drehbuch: Ray Buffum
Besetzung: John Agar, Joyce Meadows, Robert Fuller, Thomas Browne Henry, Ken Terrell, Henry Travis, E. Leslie Thomas, Tim Graham, Bill Giorgio
Zusatzmaterial 2019: Wendecover
Label/Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2014: Edel Germany
Label/Vertrieb 2010: Anolis Entertainment

Copyright 2019 by Lars Johansen
Szenenfotos: © 2019 Studio Hamburg Enterprises

 

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Horror für Halloween (XI) / John Carpenter (XV): Ghosts of Mars – Wäre er nur früher in Rente gegangen

Ghosts of Mars

Von Volker Schönenberger

SF-Horror-Action // Als Fan von John Carpenter seit „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976),
Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) und „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) gehöre auch ich zu jenen, die mit dem Spätwerk des Horror-Großmeisters etwas hadern. Für viele stellt „Die Mächte des Wahnsinns“ (1994) seine letzte Glanzleistung dar. Zwar zähle ich „Vampire“ (1998) zu meinen Lieblings-Vampirfilmen, aber „Das Dorf der Verdammten“ (1995) ist als Remake bestenfalls Durchschnitt, „Flucht aus L.A.“ (1996) ist vordergründig eine Fortsetzung, irgendwie aber auch nur ein belangloses Remake von „Die Klapperschlange“ (1981), und auch auf „The Ward“ (2010) kann ich gut verzichten. „Ghosts of Mars“ (2001) habe ich seinerzeit im Kino geschaut und war rechtschaffen enttäuscht. Anlässlich der Bestückung meiner Horror-für-Halloween-Strecke 2019 kam mir der Gedanke, dem SF-Actionstreifen doch wieder eine Chance zu geben. Und Jason Statham schau ich ohnehin gern – sein Mitwirken hatte ich gar nicht mehr auf dem Zettel.

Das Matriarchat des Mars

Wir schreiben das Jahr 2176. Das Terraforming des Mars ist zu 84 Prozent abgeschlossen, die Atmosphäre des Roten Planeten gleicht bereits der der Erde. 640.000 Menschen haben den Mars besiedelt, um der überbevölkerten Erde mit ihrer kollabierten Umwelt zu entkommen. Sie leben in einer matriarchalisch organisierten Gesellschaft in auf der Oberfläche verteilten Kolonien. Seltsame Gerüchte um eine fremdartige Bedrohung machen die Runde. Ein vom Autopiloten gesteuerter führerloser Güterzug trifft aus dem südlichen Tal am zentralen Stützpunkt ein. An Bord des Erztransporters befindet sich einzig Lieutenant Melanie Ballard (Natasha Henstridge), mit Handschellen angekettet. Vor einem Anhörungsgremium des Matriarchats berichtet sie von ihrem Einsatz: Unter der Führung von Commander Helena Braddock (Pam Grier) hatte ein Team (u. a. Clea DuVall, Jason Statham) den Auftrag, in einer kleinen Bergwerkssiedlung den berüchtigten Verbrecher James „Desolation“ Williams (Ice Cube) zu übernehmen, der im Gefängnis der Shining-Canyon-Mine in verschärfter Einzelhaft ausharrt. Seine letzte Tat hinterließ offenbar zahlreiche verstümmelte Leichen. Die Mitglieder des kleinen Trupps ahnen nicht, dass am Zielort die Hölle auf sie wartet. Die Siedlung wirkt menschenleer, aber der erste Eindruck täuscht …

Die Cops müssen ums Überleben kämpfen

Eine Spezialeinheit aus toughen Alphatieren mit Jason Statham als schmierigem Womanizer – vielleicht hatte ich ihn deshalb aus meinem Gedächtnis gestrichen. Ich wollte „Ghosts of Mars“ auch beim zweiten Mal von Anfang bis Ende wohlwollend sichten, aber das fiel mir mit zunehmender Dauer immer schwerer. Worin besteht die Bedrohung? Welche dämonische Kraft steckt dahinter? Das Interesse an der Beantwortung dieser Fragen erlahmt, sobald die ersten Besessenen auftauchen und ein 08/15-Gemetzel seinen Anfang nimmt. Unbenommen sei, dass ausgefeilte Charakterzeichnungen im Segment der Horror-Action sekundär sind, aber hier weckt wirklich keine Figur ein Minimum an Interesse. Natasha Henstridge darf als Frau einigen Kerlen zeigen, wo der Hammer hängt, so viel zum Thema Matriarchat.

Daumen ab und Daumen runter

Von wegen kleine grüne Männchen – die Geister des Mars suchen die Menschen heim. Vielleicht sollten wir uns das mit der Besiedlung unseres Nachbarplaneten doch noch einmal überlegen. Die Cops treffen irgendwann auf „Desolation“ Williams und müssen sich mit ihm und seinen Kumpanen arrangieren, um zu überleben. Fortan wird der zusammengewürfelte Haufen peu à peu von den Besessenen dezimiert. Zwischendurch säbelt sich eine Dumpfbacke von Typ beim Öffnen einer Konservendose versehentlich den Daumen ab – weiß der Geier, was John Carpenter zum Einbau dieses trashigen Gags veranlasst hat.

Führt nichts Gutes im Schilde

Ab und zu wechselt die Perspektive kurz zu der eines Besessenen, was durch ein verfremdetes Bild verdeutlicht wird. Insgesamt hat Carpenter „Ghosts of Mars“ in braun-rötlichen Tönen visualisiert, was beim Mars ja auch naheliegt. In einer früheren Drehbuchfassung trug der Film den Titel „Escape from Mars“, statt „Desolation“ Williams sollte ein gewisser Snake Plissken auftauchen. Nach dem Misserfolg von „Escape from L.A.“ schrieb Carpenter das Skript aber um. Ob eine zweite „Die Klapperschlange“-Fortsetzung der Weisheit letzter Schluss geworden wäre? Ich habe meine Zweifel.

Soundtrack-Kooperation mit Anthrax

Angesichts der musikalischen Geniestreiche, mit denen Carpenter etliche seiner eigenen Regiearbeiten untermalt hat, ist der Score von „Ghosts of Mars“ eine Frechheit. Grundsätzlich keine schlechte Idee, mit der Band Anthrax eine der „Big Four“ des Thrash Metal für den Soundtrack zu verpflichten. Wenn aus der Kooperation dann aber so ein einfallsloser Soundbrei resultiert, bei dem mir kein Ton in Erinnerung bleibt, kann ich nur traurig abwinken.

Was mag in ihr vorgehen?

John Carpenter hat mittlerweile die 70 Jahre überschritten. Clint Eastwood sitzt zwar noch mit über 80 auf dem Regiestuhl, aber da Carpenters letzte Langfilm-Regiearbeit „The Ward“ bereits neun Jahre zurückliegt, besteht Grund zu der Annahme, dass er langsam die Muße des Rentnerdaseins genießt. Gönnen wir es ihm, ich kann auf weitere Werke verzichten. Seine Großtaten sind für die Ewigkeit, Machwerke wie „Ghosts of Mars“ seien ihm verziehen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Jason Statham unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. März 2009 als Blu-ray, 7. Mai 2002 als DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Ghosts of Mars
USA 2001
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Larry Sulkis, John Carpenter
Besetzung: Natasha Henstridge, Ice Cube, Pam Grier, Jason Statham, Clea DuVall, Joanna Cassidy, Roesemary Forsyth, Liam Waite, Duane Davis, Lobo Sebastian, Rodney A. Grant
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Natasha Henstridge, Filmdokumentationen („Red Desert Nights – The Making of Ghosts of Mars“, 17 Min., „Special Effects Deconstruction“, 7 Min., „Scoring Ghosts of Mars“, 6 Min.), Texttafeln Filmografien, Trailershow
Label/Vertrieb Blu-ray: Sony Pictures Home Entertainment
Label/Vertrieb: DVD: Columbia Tristar

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © Sony Pictures Home Entertainment

 

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Ad Astra – Zu den Sternen: Im postfaktischen Weltraum hört dich keiner schreien

Ad Astra

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Weltraum-Abenteuer // Nachdem der Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) die Havarie einer orbitalen Weltraumantenne auf Grund einer mächtigen Energiewelle durch Geistesgegenwart und Nervenstärke – sein Pulsschlag erhöhte sich trotz Lebensgefahr nur unwesentlich – überlebte, wird er von seinen Vorgesetzten für eine heikle Mission ausgewählt. Es besteht der Verdacht, dass McBrides Vater Clifford (Tommy Lee Jones), der vor 20 Jahre zu einer Weltraummission aufbrach und seit einigen Jahren spurlos verschwunden ist, nicht nur noch am Leben ist, sondern vom Planeten Neptun aus der Auslöser des Energieschlags gegen die Erde war. Roy soll sich daher mit Zwischenstopp auf dem Mond bis zum Mars begeben und dort versuchen, per Funk mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen. Auf seiner Reise wird Roy begleitet von Colonel Pruitt (Donald Sutherland), einem alten Freund seines Vaters. Dieser erzählt ihm von einem dunklen Geheimnis, das die Mission umgibt.

Der psychologische Schnellcheck gehört für Astronaut Roy McBride zur Alltagsroutine

Die Filme von Regisseur James Gray („Die versunkene Stadt Z“, 2016) sind oftmals kleine, aber unreine Diamanten. Zu nennen sind hier hauptsächlich „Little Odessa“ (1994) und „The Yards – Im Hinterhof der Macht“ (2000). Bereits bei diesen Frühwerken konnte Gray mit ordentlich Starpower aufwarten; und die Stars lieferten auch beachtliche Leistungen ab. Doch vor allem bei Zweitgenanntem verhinderte eine unterdurchschnittliche Geschichte den ganz großen Erfolg. Die Konzentration auf den Rhythmus des Filmes, auf das Zwischenmenschliche, auf die Figuren und auf das Milieu können die Drehbuchschwächen nicht völlig ausgleichen. Dennoch funktionieren die Filme hauptsächlich durch ihre klare Positionierung als dialogstarke Dramen, die Actionmomente eher spärlich aufweisen.

Ein „Space Cowboy“ (l.) will’s noch einmal wissen

Auch „Ad Astra – Zu den Sternen“ erzählt im Kern eine Vater-Sohn-Geschichte, ist mehr Beziehungsdrama als Science-Fiction-Abenteuer. Dieser Kern ist außerordentlich gelungen: Brad Pitt liefert eine grandiose Leistung als zurückgewiesener Sohn, der sich letztlich nur nach väterlicher Liebe sehnt und lernen muss, loszulassen und sich abzunabeln. Erzählt wird dieser innere Prozess in einem größtenteils meditativen Rhythmus als analoge Reise durch die Weiten des Weltalls. Wer sich nun an Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“ und damit an Francis Ford Coppolas wahnwitziges Kriegsdrama „Apocalypse Now“ (1979) erinnert fühlt, tut gut daran. Doch wo Coppola gleichsam dem Wahnsinn Vietnams ein brutales Denkmal schafft, bleiben die Actionszenen in „Ad Astra – Zu den Sternen“ lediglich visuelle Schauwerte ohne Bindung zur Geschichte und ohne jegliche innere und äußere Logik. Und auch die schlussendliche Konfrontation zwischen Vater und Sohn vermag nicht zu überzeugen, kulminiert in küchenpsychologischem Niedrigwasser, als Roy metaphorisch die Nabelschnur zu seinem Vater (sic!) kappt.

„Wohin wird mich die Suche nach meinem Vater führen …“

Alfonso Cuarón mit „Gravity“ (2013) und Christopher Nolan mit „Interstellar“ (2014), haben vorgemacht, wie man das Weltraum-Setting durchdachter einsetzt. Auch Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) hat mehr drauf.

„… und warum hat er mich verlassen?“

Mag das postmoderne Kino in seiner Fortschreibung der vergangenen 30 Jahre inzwischen im postfaktischen Zeitalter angekommen sein, so erweisen sich die inhaltlosen Zitationen kinetischer und cineastischer Sternstunden (etwa ein völlig sinnloses „Mad Max“-Verfolgungsrennen auf dem Mond) gepaart mit einer Prise „Space Cowboys“ (wäre James Garner noch Leben, hätte er sicherlich auch eine Rolle bekommen) sowie zahllosen Logiklöcher als das eigene Todesurteil. Aus dem Nichts kommender Menschenaffen-Horror sei noch erwähnt, so schnell vorbei, wie er begonnen hat, und ohne jeden Bezug zu irgendwas. Schade, denn mit seinem Retroschick und einer originellen Neuinterpretation von Conrads/Coppolas Verortung und Auslotung des modernen Subjekts hätte Gray ein großer Wurf gelingen können. Hätte, hätte, Fahrradkette …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Gray sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Tommy Lee Jones, Brad Pitt und Donald Sutherland unter Schauspieler.

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ad Astra
BRA/USA/CHN 2019
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ethan Gross
Besetzung: Brad Pitt, Liv Tyler, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga, Anne McDaniels, John Ortiz, Loren Dean, Kimberly Elise, Greg Bryk, Halszka Kuza, Kimmy Shields, John Finn, LisaGay Hamilton
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Florian Schneider

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/09/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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