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Der sechste Kontinent – Effekte aus einem Land vor unserer Zeit

At the Earth’s Core

Von Leonhard Elias Lemke

SF-Abenteuer // Lava? Ein Vulkan? Nein, „Der sechste Kontinent“ beginnt in einem Stahlwerk. Dort wird gerade das Eisen für den „Iron Mole“ gegossen. Der eiserne Maulwurf ist eine gigantische Maschine, eine überdimensionierte Schraube mit einer rotierenden Spitze, die sich in den Boden und durch die verschiedenen Schichten der Erde bohren soll. Platz bietet sie für zwei Personen: den (über)motivierten Wissenschaftler Dr. Abner Perry (Peter Cushing) und den draufgängerischen Gentleman am Geldhahn, David Innes (Doug McClure). Beide wissen nicht so recht, was sie unter der Erdoberfläche erwartet – genauso unbekanntes Territorium wie das Weltall. Das erste Penetrieren des Maulwurfs wird genauso ekstatisch wie unwissend gefeiert.

Im eisernen Maulwurf

Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Eindringen flutscht es dann doch, und schnell bewegt man sich in Richtung Erdkern. Feste Strukturen, Feuer, Eis, ein See, und auf einmal machen die Forscher eine Bruchlandung – auf dem sechsten Kontinent, in der Erde. Ungläubig steigen sie aus ihrem Gefährt. Sie sind in Pellucidar, einer prähistorischen Welt unter unserer Welt. Die Vegetation ist unseren (immer kleiner werdenden) Dschungeln nicht unähnlich, dort wird es niemals Nacht und der Himmel ist immer rosa! Flora und Fauna sind kunterbunt und von groteskem Größenverhältnis, und auch das Bestiarium hat es in sich: Gigantische Schnabelmonster wollen alles kurz und klein stampfen, was ihnen in die Quere kommt – zum Beispiel Dr. Perry und David. In Pellucidar „regiert“ die Rasse der Mahar: fliegende, telepathische Vogelkreaturen, die über eine unterentwickelte Art von Menschen herrschen. Ihre Handlanger sind direkt vom Planet der Affen herbeigeorderte Fieslinge. Dr. Perry und David wollen eigentlich nur so schnell wie möglich raus aus diesem Schlamassel, sehen sich dann aber doch genötigt, die Menschen in Pellucidar vom Joch zu befreien. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn eine von ihnen (Caroline Munro) hat es in raffinierter Pocahontas-Manier David doch sehr angetan – und durch gute Taten kann man immer gut Eindruck schinden.

Nach einer Vorlage von Edgar Rice Burroughs

„Der sechste Kontinent“ wurde als britisch-amerikanische Koproduktion 1976 von Amicus in die Kinos gebracht. In den 60ern waren die Amerikaner Milton Subotsky und Max J. Rosenberg in das Vereinte Königreich ausgezogen, um dem enorm profitablen Hammer-Studio Paroli zu bieten. Amicus Markenzeichen waren Episodenfilme wie beispielsweise „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ (1965), mit denen man vielversprechend startete, aber nie auch nur ansatzweise an Hammers Erfolg – und Qualität – herankam. 1974 verfilmte man Edgar Rice Burroughs’ „Caprona – Das vergessene Land“ und machte sich zwei Jahre später, erneut unter der Regie von Kevin Connor und mit Hauptdarsteller McClure, an die Verfilmung eines weiteren Stoffs des populären Autors und Tarzan-Schöpfers. So richtig wollte es jedoch nicht an den Kassen klingeln und als 1977 auch „Caprona 2 – Menschen, die die Zeit vergaß“ – erneut mit Connor als Regisseur – nicht durch die Decke ging, kam für Amicus das Aus.

Auch die Monster haben gut lachen

Ein Jahr vor „Krieg der Sterne“ ist „Der sechste Kontinent“ auch ein später Film von Peter Cushing. Vollkommen überdreht und bar jeglichen Ernstes spielt er seinen Dr. Abner Perry. Und er tut gut daran, denn das Produktionsdesign ist nicht auf der Höhe der ambitionierten Geschichte, die von den faszinierendsten Fantasiewelten und -kreaturen erzählt, die dann auf Zelluloid eher enttäuschend daherkommen. So erheitert vor allem sein Schauspiel den Zuschauer sehr und steht in angenehmem Kontrast zu seinen verbitterten viktorianischen Autoritätsfiguren. Ein Jahr später sollte er für George Lucas mit Grand Moff Tarkin noch einmal eine solche spielen und dafür in gehobenem Alter – und von Krankheit gezeichnet – über sich hinauswachsen und endgültig in den Filmolymp einziehen.

Doug McClure wirft seinen Hut

Doug McClure dagegen mimt seinen David ein bisschen ernsthafter und will als Abenteurer brillieren, doch gehen ihm Charisma, Agilität und auch Jugendlichkeit dafür etwas ab. Das scheint ihm dann doch irgendwie bewusst geworden zu sein, und so gibt es beispielsweise eine herrliche Szene, in der er seinen Hut auf einen Haken werfen will, diesen aber verfehlt und er darüber nur schmunzelt – das ist alles so im Film geblieben. Jede Wette, dass das ursprünglich so nicht im Skript stand! Und so sind es eben vor allem jene bewussten Unsauberheiten – und das körperliche Talent von Horror-Ikone Caroline Munro (die man Hammer abluchste) – denen der Film seinen Unterhaltungswert zu verdanken hat.

Objekt der Begierde: die schöne Dia

Um mit besser ausgestatteten Fantasy- und Abenteuerfilmen aus Hollywood mitzuhalten, war das Budget einfach zu gering. Natürlich bringt der Zuschauer auch immer seine eigene Fantasie mit ins Kino, aber wenn er durch gut gemeinte, aber nicht überzeugend gestaltete Monster und Kulissen aus brüchigstem Pappmaché und eher niedliche als realistische Miniatureffekte immer wieder aus der Geschichte gerissen wird, ist es vielleicht mehr ein über den Film, als mit dem Film Lachen – was der Unterhaltung wie gesagt keinen Abbruch tut und ja von Cast und Crew durchaus auch gewollt scheint. Absolut routiniert und gar zu kunstvoll scheint die Kamera von Alan Hume, der später noch „Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ einfangen sollte. Qualität war da, fand jedoch nicht von allen Elementen der Produktion die volle Unterstützung.

Ein „Creature Feature“ in gelungener Edition

Kochs „Creature Feature“ Nummer 7 liegt hier in beeindruckender Bild- und Tonqualität vor. Schön, dass das original Postermotiv das Cover ziert und sofort in wohlige Sonntagnachmittag-Stimmung im Heimkino versetzt. „Creatures“ gibt es wahrlich genug und wenn schon nicht vollends überlegen und schon gar nicht furchteinflößend, so sind sie doch angenehm bizarr – wo sonst sieht man Dino-Warzenschweine beim Wrestling? Langeweile kommt jedenfalls nie auf. Dafür sorgt auch das in Kochs Reihe gewohnt sorgsam aufbereitete Bonusmaterial: Audiokommentar und Interview mit Regisseur Kevin Connor, Interview mit der liebenswerten Caroline Munro, Making-of, eine „Trailers from Hell“-Episode, die deutsche Super-8-Fassung, sowie Trailer und Bildergalerie sind ein Rundum-Sorglos-Paket und machen diese Edition für den Autor dieser Zeilen zur „Ultimate Edition“ des Films.

Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing sind unter Schauspieler zu finden.

Fliegende telepathische Saurier!

Veröffentlichung: 22. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: At the Earth’s Core
GB/USA 1976
Regie: Kevin Connor
Drehbuch: Milton Subotsky, nach einer Vorlage von Edgar Rice Burroughs
Besetzung: Doug McClure, Peter Cushing, Caroline Munro, Cy Grant, Godfrey James, Sean Lynch, Keith Barron, Helen Gill, Robert Gillespie, Anthony Verner, Michael Crane
Zusatzmaterial: Deutscher und englischer Trailer, Audiokommentar, Interviews, Making-of, Super-8-Fassung, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Koch Films

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James Cameron (IV): Alita – Battle Angel: Mehr Schein als Sein?

Alita – Battle Angel

Kinostart: 14. Februar 2019

Von Philipp Ludwig

SF-Action // Ich gebe zu: Als ich die Einladung zur Pressevorführung von „Alita – Battle Angel“ in den virtuellen Händen meines E-Mail-Accounts hielt, war ich zunächst äußerst skeptisch. Braucht es wirklich den Auftakt zu einem weiteren pompösen Kino-Franchise? Ein weiterer Film, bei dem die spektakuläre visuelle Schöpfungskraft der Macherinnen und Macher im Vordergrund steht, während Story und Figuren meist nur lästiges Beiwerk darstellen? 3D-Wahn und IMAX-Fetischismus in Reinkultur? Ein neues Mammutprojekt unter Mitwirkung des Bombast-Filmemachers James Cameron? Den ich zwar für eine ganze Reihe von Filmen zutiefst schätze (ja, auch für „Titanic“), wohingegen mich „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ als ein meiner Meinung nach visuelles Blendwerk vollkommen kalt gelassen hat. Meine persönlichen Vorzeichen hätten also durchaus positiver sein können. Aber vielleicht ist es gerade dieser skeptischen Erwartungshaltung zu verdanken, dass ich mich von dem beeindruckenden Popcorn-Kino in Reinkultur durchaus mitreißen ließ, das uns „Alita – Battle Angel“ bietet. Oder habe ich mich schlussendlich eventuell doch bloß, entgegen meiner Grundsätze, von der visuellen Wucht der 200 Millionen Dollar schweren Manga-Verfilmung blenden lassen?

Cyber-Mediziner Dr. Ido macht auf dem Schrottplatz der „Iron City“ einen bemerkenswerten Fund

Das dem Film zugrundeliegende Setting ist wie aus einem dystopischen SF-Baukasten entnommen und bietet daher beste Voraussetzungen für ein interessantes Zukunftsszenario: Im 23. Jahrhundert hat ein massiver weltweiter Krieg stattgefunden, in welchem sich die Menschen der Erde und die menschlichen Kolonialisten vom Mars als Feinde gegenüberstanden. Nach einem Ereignis, dass von allen nur „The Fall“ genannt wird, erfolgte ein technologischer Absturz. In dessen Folge fielen sämtliche der mächtigen Himmelsstädte vom Himmel, die bis dahin über den Landschaften der Erde thronten.

A Tale of Two Cities

Nur eine dieser beeindruckenden Himmelsstädte blieb bestehen: Zalem. Unter der sich die gigantische Iron City in den Ruinen einer alten Metropole aus längst vergessenen Zeiten ausgebreitet hat. Während das abgeschottete Zalem zu einem Wohnort der Oberklasse wurde und für Außenstehende nahezu unerreichbar ist, wurde Iron City zum Sammelbecken sämtlicher Überlebender der Erde. Die fristen dort nun ein eher trauriges Dasein, besteht ihre Hauptaufgabe doch vor allem darin, Zalem mit den nötigen Rohstoffen zu versorgen. Selbst das Gesetz müssen sie in die eigenen Hände nehmen – in Form von freiberuflichen, rauen Jäger-Kriegern, die im Auftrag der „Firma“ aus Zalem Kopfgeldjägertätigkeiten übernehmen. Die bekannte Fabel von den gegensätzlichen Städten also, von arm und reich, von sprichwörtlich oben und unten.

„Alita – Battle Angel“ setzt im Jahr 2563 an, etwa 300 Jahre nach „The Fall“. Die Menschen in Iron City versuchen mit einer Vielzahl an Cyber-Erweiterungen, ihre körperlichen Fertigkeiten zu verstärken oder etwa Behinderungen und Missbildungen zu beseitigen. Dies hat nicht nur zur Folge, dass teils die aberwitzigsten, mitunter gemeingefährlichen Cyborg-Kreationen entstanden sind – die wertvollen technischen Erweiterungen rufen auch zahlreiche kriminelle Banden auf den Plan. So sind die technischen Erweiterungen für einen persönlich zwar empfehlenswert, um im harten Alltag von Iron City zu bestehen. Es empfiehlt sich jedoch auch dringend, stetig ein Auge nach denjenigen offenzuhalten, die einem die kostbaren Gadgets abluchsen wollen: den sogenannten Cyber-Jackern. Die gehen dabei gewiss nicht zimperlich vor. Einen weiteren Grund für die technischen Optimierungen stellt der populäre Sport Motorball dar – eine irre Kreuzung aus Gladiatorenwettkämpfen, American Football und Rollerderby, ohne Rücksicht auf Verluste. Mit freundlicher Reminiszenz an den dystopischen SF-Action-Klassiker „Rollerball“ (1975). Der Sport dient nicht nur der Unterhaltung der breiten Masse: Dem jährlichen Champion winkt zudem ein begehrtes Ticket nach Zalem.

Die unerreichbare Himmelsstadt Zalem – darunter: Iron City

Doch nicht alle nutzen die fortgeschrittene Cybertechnologie zur mitunter abstrusen Selbstoptimierung, bei der der reale Mensch im Cyborg häufig kaum noch zu erkennen ist. Der Cyber-Mediziner Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) etwa hilft mit Implantaten und Cyber-Prothesen, seinen Patienten verlorene Körperteile zu ersetzen oder andere Handicaps zu überwinden. Auf der Suche nach neuen Bauteilen macht er auf dem gigantischen Schrottplatz im Herzen von Iron City eines Tages einen folgenreichen Fund: Den Kern eines jugendlich anmutenden weiblichen Cyborgs, sprich, dessen Kopf.

Pinocchio im Science-Fiction-Gewand

In seinem privaten Labor stellt er zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass dieser Kopf ein voll funktionsfähiges menschliches Gehirn enthält, und implantiert ihn auf den künstlichen Cyber-Körper, den er einst für seine gehbehinderte Tochter angefertigt hatte – diese hat tragischerweise keinen Bedarf mehr für ihren Ersatzkörper. Schnell baut Ido eine innige Beziehung zu dem von ihm gefundenen, sympathischen Cyborg-Mädchen (Rosa Salazar) auf, dass keinerlei Erinnerungen an ein früheres Leben zu haben scheint. Er tauft seine neueste Entdeckung daher passenderweise nach seiner verstorbenen Tochter: Alita.

Die Titelfigur Alita ist fortan auch unser Zugang zu der faszinierenden Welt dieses filmischen Spektakels. Ohne jede Erinnerung an ihre Herkunft oder ihr früheres Leben erkunden wir mit ihr gemeinsam die gefährliche und aufregende Welt von Iron City. Schon bald wird sich herausstellen, dass Alita nicht nur deutlich älter ist, als man annehmen könnte, sondern unter dem jugendlich-naiven, fast schon niedlichen Wesen mit dem warmen Herzen ganz andere Qualitäten stecken. Und die wecken Begehrlichkeiten einer ganzen Reihe übler Gestalten, sowohl in Iron City als auch aus Zalem. Der Titel „Alita – Battle Angel“ kommt in Bezug auf die Heldin gewiss nicht von ungefähr.

Populäre Manga-Reihe als Vorlage

Als Vorlage dient die populäre japanische Cyber-Punk Manga-Reihe „Battle Angel Alita“ (im Original „Gunnm“) von Yukito Kishiro. Seit 1990 erzählt dieser in mittlerweile knapp 30 Ausgaben die zahlreichen und umfangreichen Abenteuer seiner Titelheldin Alita in Iron City, Zalem und dem Weltall. Ende der Neunziger wurde auch der Erfolgsregisseur James Cameron auf die Reihe aufmerksam und sofort zu einem großen Fan. Ebenso entstand bei dem so leidenschaftlichen wie visionären Filmemacher natürlich direkt der Wunsch, diese Story auf die große Leinwand zu bringen. Schaut man sich darüber hinaus etwa Neill Blomkamps „Elysium“ (2013) an, so war Cameron offenbar nicht der einzige Filmemacher, der sich durch die Manga-Vorlage hat inspirieren lassen. Nur ist Alita dort kein jugendlich anmutender, weiblicher Cyborg, sondern Matt Damon.

Wie Vater und Tochter: Dr. Ido und seine Entdeckung Alita

Cameron, bekannt als detailversessener und penibler Arbeiter, stürzte sich direkt in die Arbeit. Er beauftragte Künstler, ihm Zeichnungen einer filmischen Version von Iron City anzufertigen. Ebenso verfasste er ein mehr als 600 Seiten umfassendes Manuskript, in dem er bis ins kleinste Detail das Leben in Iron City beschrieb. Alles sollte Sinn ergeben, die Technik, die gesellschaftlichen Strukturen. Auch zu den einzelnen Figuren fertigte er umfangreiche Dossiers an, damit diese zusätzlich an Leben gewinnen. In Zusammenarbeit mit Laeta Kalogridis („Shutter Island“), mit der er auch bei „Avatar“ zusammenarbeite, schrieb er ein Drehbuch. Doch trotz all der jahrelangen Arbeit – seine Vision umzusetzen, dazu fehlte Cameron offenbar stets die Zeit. Dies lag vor allem an seinem weiteren Herzensprojekt „Avatar“, dessen Fortsetzungen für ihn weiterhin höchste Priorität haben. Das Projekt „Alita – Battle Angel“ schien am Ende zu sein.

Kreative Freundschaft

Wäre da nicht Kult-Regisseur Robert Rodriguez („From Dusk Til Dawn“, „Sin City“) gewesen. Der pflegt seit Jahren eine enge Freundschaft mit Cameron, wie er jüngst im Interview in „Deadline – Das Filmmagazin“ bekräftigt (das Gespräch führte übrigens unser geschätzter „Die Nacht der lebenden Texte“-Kollege Leonhard Elias Lemke): „Wir kennen uns seit über 25 Jahren, sind schon lange Freunde, da wir aus der gleichen Ecke im Filmgeschäft kommen. (…) Eines Tages, als ich gerade am Schnitt von „Desperados“ saß, klopfte er an meine Haustür. Er hatte gehört, dass ich ein Avid zum Filmeschneiden in meinem Wohnzimmer hatte. Es war damals fast schon unerhört, dass ein Regisseur seinen Film selbst schnitt – noch dazu zu Hause. Ich bat ihn herein, er war total interessiert.“ In einem der zahlreichen Treffen und Gespräche mit Cameron kam auch das Thema „Alita“ zur Sprache, wollte Rodriguez, selbst Fan der Manga-Reihe, doch wissen, wann mit einem Film denn nun endlich mal zu rechnen sei. Da Cameron der Meinung war, es selbst wohl nicht mehr zu schaffen, bot er Rodriguez an, die Regie zu übernehmen. Dieser nahm dankend an und erweiterte die umfangreiche Vorarbeit seines Kumpels mit eigenen Ideen. Auch Cameron blieb als Produzent und kreativer Ideengeber weiter eng mit dem Projekt verbunden. In dem „Deadline“-Interview merkt Rodriguez zu dieser besonderen Zusammenarbeit seines bisher teuersten als Regisseur zu verantwortenden Films an: „Jim hat normalerweise die Einstellung, dass er lieber sein Drehbuch in der Schublade lässt, als es jemand anderem zu geben. Ich wusste also, dass ich mich unbedingt an seiner Vision, an seinen Ideen orientieren musste, sonst würde der Film nicht funktionieren. Er hat so klar geschrieben, dass es mir leichtfiel, mich ganz auf meinen Job als Regisseur zu konzentrieren und sein Drehbuch zu filmischem Leben zu erwecken. Natürlich würde der Film mit Jim als Regisseur noch mehr nach einem seiner Filme aussehen, aber er ist sehr überrascht, wie nah ich seiner persönlichen Vorstellung mit dem Film gekommen bin.“

Idos Ex-Frau Chiren hat ebenfalls ein Auge auf die mysteriöse Alita geworfen

So lassen sich in „Alita – Battle Angel“ die kreativen Einflüsse gleich zweier großer Könner erkennen, was dem Film definitiv zugutekommt – eine für Rodriguez typische, zünftige Bar-Keilerei inklusive. Überhaupt profitiert der Film insbesondere von der kohärenten Welt seiner umfangreichen Manga-Vorlage, die durch die Detailversessenheit der Vorarbeit James Camerons nochmals an Qualität gewinnt. Denn die Welt von Iron City weiß mit ihrer Liebe zum Detail absolut zu überzeugen. Lobenswert ist hierbei auch, dass für die Kulissen dieses Schmelztiegels auf Wunsch von Rodriguez eine größtenteils reale Requisitenstadt erbaut und nicht etwa ausschließlich auf die pure Macht des CGI vertraut wurde. Bei einem unter anderem so auf eine starke Visualität setzenden Film wie „Alita – Battle Angel“ wirkt dies zunächst etwas überraschend. Dem Film wird hierdurch aber erfolgreich zusätzliche Authentizität und Tiefe verliehen.

Manchmal ist weniger vielleicht mehr

Doch sind die umfangreiche Vorlage und die damit verbundene, mehr als solide kreative Basis interessanterweise auch eine der Ursachen für die unübersehbaren Schwächen des ansonsten beeindruckenden Films. Denn Cameron nahm sich bei seinem Projekt zum Ziel, für den Auftaktfilm einer auf mehrere Teile angelegten Filmreihe direkt die ersten vier Bände der Manga-Reihe in die Handlung zu integrieren. Bei einer Laufzeit von gerade einmal 122 Minuten ein ambitioniertes Vorhaben. Muss das breite Publikum ja nicht nur in eine umfangreiche, unbekannte Welt mit einer Vielzahl an Figuren eingeführt werden, sondern darüber hinaus auch eine hohe Zahl schicksalhafter Wendepunkte der Hauptfigur unterbringen. So entsteht aufgrund des vollgepackten Drehbuchs oft der Eindruck, der Film hetze von Ereignis zu Ereignis, von Szene zu Szene. Zeit zum Durchatmen bleibt so kaum. Zum Aufkommen von Langeweile aber natürlich auch nicht. Das ist jedoch insofern bedauerlich, denn wann immer „Alita – Battle Angel“ kurz davor ist, szenisch auch mal tiefer unter die Oberfläche zu gehen, nimmt er doch lieber eine dramaturgische Abkürzung in Form von knappen Dialog-Einzeilern oder schnell eingeschobenen Ereignissen, die fix zum nächsten Punkt der Handlung führen müssen.

So viel darf bereits verraten sein: Der Film endet mit einem deutlichen Schielen auf eine mehrteilige Reihe natürlich offen. Genau hier liegt der nächste Kritikpunkt: Die Offensichtlichkeit, mit der man die Botschaft „Fortsetzung folgt“ aufs Auge gedrückt bekommt, stört mitunter etwas. Hat die Tendenz zur lang angelegten Filmreihe in den vergangenen Jahren doch ein wenig überhandgenommen. Die Konkurrenz der populären TV-Serien scheint immer mehr Eindruck in der Filmwelt zu hinterlassen. Natürlich muss das kein Nachteil sein, denn es gibt ja eine Reihe ausgesprochen guter Mehrteiler. Doch liegen die meisten davon meiner Meinung nach einige Zeit zurück. Aber diese Selbstverständlichkeit, davon auszugehen, wir würden schon irgendwann die Fortsetzung schauen, weil wir wissen wollen, wie es weitergeht, finde ich schon etwas nervig. Gerade wenn man nicht weiß, wann dies denn sein wird und ob „Alita – Battle Angel“ überhaupt genügend Resonanz an den Kinokassen erfahren wird, um eine Fortsetzung zu ermöglichen. Dagegen wird man zum Abschluss mit dem Anblick eines längst verschollen geglaubten Hollywoodstars in der Rolle des großen, in Zalem lebenden Antagonisten Nova belohnt, den man bis dato im Film immer nur als mysteriösen Strippenzieher im Hintergrund vernommen hatte, ohne ihn zu Gesicht zu bekommen. Wer dies sein könnte, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Irgendwelche Tipps? Der Gewinner bekommt zur Belohnung ein Stück selbst gemachter Seife.

Ein Fest für Augen und Ohren

Die große Stärke von „Alita – Battle Angel“ ist auf jeden Fall die visuelle Gestaltung. Die Kombination von James Camerons Trickfirma Lightouse Entertainment mit den Kreativen der Troublemakerstudios von Robert Rodriguez kommt hier zur vollen Entfaltung. Denn nur mit realen Requisiten kann man eine zeitgemäße, technisch anspruchsvolle und publikumswirksame Manga-Verfilmung kaum gewährleisten. Und ich kann sagen, dass hier tricktechnisch beste Arbeit geleistet wurde, sieht der Film doch einfach phänomenal aus. Iron City, die variationsreichen Cyborg-Kreationen, die alles überthronende Stadt Zalem, die zahlreichen toll choreografierten Kämpfe, das imposante Ereignis Motorball – ein wahres Fest für die Augen. Und glücklicherweise nicht nur Mittel zum Zweck, entdeckt man in der Arbeit doch stets auch die Liebe daran. Insbesondere die Figur der Alita ist besonders gelungen, handelt es sich hier doch um eine digitalisierte, verjüngte Version der 33-jährigen Hauptdarstellerin Rosa Salazar. Große Manga-Kulleraugen inklusive. Die Künstlerinnen und Künstler von Lighthouse bewiesen hier nach „Avatar“ erneut ihr Können im Umgang mit Motion Capturing, und es ist erstaunlich zu sehen, welchen Fortschritt die Technik mittlerweile gemacht hat. Auch werden die 3D-Effekte hier tatsächlich mal sinnvoll eingesetzt. Ebenso lohnt es sich, den Film in einem IMAX-Kino anzuschauen, wurden doch etwa 40 Minuten des Films speziell dafür produziert. Und auch das imposante Sounddesign ist imstande, die Kinosessel gelegentlich in vibrierende Massagestühle zu verwandeln.

So viel Zeit muss sein: Entdeckt Alita im Cyber-Jacker Hugo die große Liebe?

Die Besetzung der Hauptfigur Alita vertraut Rodriguez mit Rosa Salazar einer Schauspielerin an, die einem größeren Publikum bisher wohl bestenfalls aus ihren Auftritten in zwei Filmen der „Maze Runner“-Trilogie bekannt sein dürfte. Mit 33 Jahren sollte „Alita – Battle Angel“ für sie nun das große Los zum Durchbruch sein. Sie macht aber auch einen wirklich phänomenalen Job. Schafft sie es doch nicht nur, ihrer Alita mit jugendlich-naiver, neugieriger und positiver Seele mit viel Herz Leben zu verleihen, sondern auch den körperlichen Aspekten der zahlreichen intensiven Kampfszenen gerecht zu werden. Hierfür nahm Salazar nicht nur monatelang Unterricht in verschiedenen Kampfsportarten, auch eine Reihe der Stunts übernahm sie selbst. Da sie dennoch über gleich neun verschiedene Stunt-Doubles verfügte, lässt sich vermutlich erahnen, dass es bei der Manga-Verfilmung ordentlich zur Sache geht. Ein weiteres neues Gesicht ist Keean Johnson, der als Alitas Love Interest, Cyber-Jacker Hugo, ebenfalls überzeugen kann. Ein unbeschriebenes Blatt im wahrsten Sinne des Wortes – hat er doch bislang nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Das dürfte sich bald ändern.

Rodriguez dirigiert aber auch eine ganze Reihe bekannter Schauspielgrößen durch sein Werk, die mit einer gehörigen Portion Oscar-Glanz ausgestattet sind: Christoph Waltz (Oscars für „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“) gibt gewohnt souverän Alitas väterlichen Mentor Dr. Ido, der seine ganz eigenen Geheimnisse zu hüten pflegt. Er wurde Rodriguez übrigens von einem weiteren kongenialen Kumpel aus dem Filmbusiness ans Herz gelegt: Quentin Tarantino. Jennifer Connelly (prämiert für „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“) spielt dessen Ex-Frau Chiren, die ebenfalls ein erhöhtes Interesse an Alita entwickelt. Gleiches gilt für den zwielichtigen und mit besten Verbindungen zu Zalem ausgestatten Motorball-Macher Vector, dargestellt von Mahershala Ali (ausgezeichnet für „Moonlight“ und vielleicht auch bald für „Green Book – Eine besondere Freundschaft“). Schade nur, dass gerade die von Connelly und Ali verkörperten Figuren vergleichsweise wenig Screentime zugestanden bekommen und für zwei so ausgeprägte Talente der Schauspielkunst ein Stück weit zu blass konzipiert worden sind.

Alita betritt die Motorball-Arena

Der Rest des Casts ist wie für Rodriguez typisch mit einer Reihe von Genrestars besetzt, die mitunter auch gerne schon längere Zeit mal vom Radar verschwunden waren. Jackie Earle Haley („Watchmen – Die Wächter“) etwa verkörpert die von Antagonist Nova kontrollierte Cyborg-Monstrosität Grewishka, die unsere Protagonistin vor einige Herausforderungen stellen wird. Michelle Rodriguez („Avatar“) gibt einer wichtigen Persönlichkeit aus Alitas Vergangenheit ihr ebenfalls komplett digitalisiertes Gesicht. Und selbst Casper Van Dien („Starship Troopers“) darf sein Comeback in einer großen Kinoproduktion feiern. Und dann ist da natürlich noch der britische Rapper und Schauspieler Ed Skrein („Deadpool“) in der Rolle des Zapan, des am meisten gefürchteten Jäger-Kriegers von Iron City. Aufgrund seiner ausgeprägten Badass-Fertigkeiten übrigens auch die heimliche Lieblingsfigur des Regisseurs.

Ein bisschen Spaß muss sein

Trotz der kleineren Schwächen des etwas überladenen Drehbuchs, das sich gelegentlich im eigenen rasanten Erzähltempo selbst zu überholen scheint, sowie dem allzu offensichtlichen offenen Ende für weitere Fortsetzungen bietet „Alita – Battle Angel“ dennoch allerbeste Kino-Unterhaltung. Die Bildgewalt ist einfach fantastisch und die Liebe zum Detail überzeugt. Die gesunde Balance aus bombastischer, toll inszenierter Action-Sequenzen mit leiseren und sogar humorvollen Tönen stimmt ebenfalls. Insbesondere das aus der Manga-Vorlage entnommene Zukunftsszenario überzeugt mit seiner Stimmigkeit, wobei die kreativen Erweiterungen durch die Filmschaffenden unter Führung von Cameron und Rodriguez diesem sogar einen deutlichen Mehrwert verleihen. Dank der tollen 3D-Effekte erwacht die imposante Iron City mit tollen Kulissen und vielfältigem Figurenensemble jederzeit zum Leben. Und die Hauptfigur Alita muss man einfach gern haben als Mischung aus herzensgutem, liebem Mädchen und tödlicher Kampfmaschine. „Alita – Battle Angel“ ist also glücklicherweise nicht mehr Schein als sein, denn liegt hier unter der visuell beeindruckenden Fassade ein äußerst unterhaltsamer Film bereit – den man auf jeden Fall im Kino genießen sollte. Und wenn man dann, während man beispielsweise staunend das beeindruckende Motorball-Spektakel beobachtet, durch die Bässe des Sounddesigns in seinem Kinosessel durchgerüttelt wird – dann muss sich auch die noch so zarte Cineasten-Seele eingestehen, dass hin und wieder eine Portion guten alten Popcorn-Kinos ganz guttun kann. Es kann auch einfach mal Spaß machen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Cameron – auch seine Produktionen – sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jennifer Connelly unter Schauspielerinnen, Filme mit Mahershala Ali und Christoph Waltz in der Rubrik Schauspieler.

Brot und Spiele für das Volk: das äußerst brutale Spektakel Motorball

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Alita – Battle Angel
KAN/ARG/USA 2019
Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: James Cameron, Laeta Kalogridis, Robert Rodriguez, nach der Manga-Reihe „Gunnm“
Besetzung: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Keean Johnson, Michelle Rodriguez, Casper Van Dien, Jackie Earle Haley, Elle LaMont, Jeff Fahey, Eiza González, Derek Mears, Lana Condor, Sam Medina, Billy Blair, Alan Nguyen
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Philipp Ludwig

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 

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Mimic – Angriff der Killerinsekten: Kleingetier ganz groß – und zum Fürchten

Mimic

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Der fantastische Film ist sein Metier: Ob bizarre Comicverfilmungen wie die „Hellboy“-Reihe, die surreale Bürgerkriegs-Parabel „Pans Labyrinth“, ein Kaijū-Monster-Spektakel wie „Pacific Rim“ oder das Melodram „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, für das er sich 2018 endlich die Oscars für die Regie und als bester Film abholen durfte – Guillermo del Toro hat zweifellos eine blühende Fantasie. Mit der Serie „The Strain“ (ab 2014) und „Crimson Peak“ (2015) hatte sich der mexikanische Regisseur und Drehbuchautor – oft in Personalunion – nach langer Zeit wieder der düsteren Form der Fantasy zugewandt: dem Horrorgenre, in dem er mit „Cronos“ (1993), „The Devil’s Backbone – Das Rückgrat des Teufels“ (2001) und „Blade II“ (2002) international erstmals von sich reden machte – und natürlich mit „Mimic – Angriff der Killerinsekten“, der 1997 del Toros US-Debüt markierte.

Susan entdeckt Furchtbares

Der hochintelligente Insektenschocker wartet mit famoser Besetzung auf, darunter Oscar-Preisträger F. Murray Abraham („Amadeus“), ein junger Josh Brolin („Everest“) und ein ebenfalls junger Norman Reedus („The Walking Dead“). Angeführt wird diese Schar von Mira Sorvino, die erst ein Jahr zuvor für ihre Nebenrolle in Woody Allens „Geliebte Aphrodite“ mit dem Oscar prämiert worden war.

Tod den Kakerlaken von New York City

Sorvino spielt die Insektenforscherin Dr. Susan Tyler, die New York City vor einer tödlichen Krankheit namens „Strickler’s Disease“ befreit, der viele Kinder zum Opfer gefallen sind: Weil die Epidemie durch Kakerlaken übertragen wird, hat Tyler mittels Gentechnik eine neuartige Insektenspezies gezüchtet: die „Judas Breed“, die tatsächlich die Kakerlakenpopulation der Stadt vernichtet. Susan wird als Heldin gefeiert. Die „Judas Breed“, als unfruchtbar und mit geringer Lebensspanne produziert, soll nach kurzer Zeit verschwunden sein – so der Plan.

In der Kanalisation …

Drei Jahre später flieht ein chinesischer Prediger vor jemandem – oder etwas – auf ein Hausdach, stürzt zu Tode. Sein Verfolger zieht den Leichnam mit Wucht durch einen Abflussschlitz in die Kanalisation. Kurz darauf liefern zwei Straßenjungs für zehn Dollar einen Kakerlak von der Größe einer menschlichen Hand bei Susan ab. Die Insektenforscherin stellt fest: Es handelt sich um ein Exemplar der „Judas Breed“ – sogar nur ein Jungtier. So viel zum Thema unfruchtbar …

Hat jemand Angst vor Insekten?

Insektenphobiker sollten sich „Mimic – Angriff der Killerinsekten“ nur zumuten, wenn sie Konfrontationstherapie für ein probates Mittel gegen ihre Angst halten. Guillermo del Toro hat nach einer 1942 erstveröffentlichten Kurzgeschichte ein ebenso beängstigendes wie durchdachtes Horrorszenario erschaffen, das auch heute noch zum Fürchten und ab und zu ein wenig eklig ist – auch für Filmgucker, die bei Insekten keine Panikattacken kriegen.

… lauert eine tödliche Gefahr

Apropos: Auch Klaustrophobikern sei zur Vorsicht geraten. Viele Szenen spielen in der düsteren Kanalisation unter New York City, für schweißnasse Hände muss sich niemand schämen. Der wissenschaftskritische Aspekt rückt spätestens in der zweiten Hälfte des Films naturgemäß in den Hintergrund. Der Natur pfuscht man nicht ins Handwerk, so viel wird klar, die Botschaft dient letztlich aber nur als Aufhänger einer knackigen Horrorvision. Auch große Schauspielkunst steht trotz der bekannten Namen nicht im Fokus. Den Bedrohten, darunter auch Jeremy Northam („Cypher“) als Susan Tylers Kollege und Ehemann Dr. Peter Mann, nimmt man die Angst jederzeit ab, viel mehr braucht’s an Glaubwürdigkeit ohnehin nicht.

Director’s Cut 2012 bei uns erschienen

Angesichts des seit 2012 auch bei uns erhältlichen Director’s Cuts bleibt fraglich, weshalb sich Guillermo del Toro seinerzeit wegen der nicht seinen Vorstellungen entsprechenden Kinofassung mit den Produzenten überworfen hatte. Die sechs zusätzlichen Minuten mit zusätzlicher Handlung – kein zusätzlicher Gore – gehen in Ordnung, machen aber aus einem sehr guten Horrorfilm doch nur einen sehr guten Horrorfilm. Die Qualität von Bild und Ton ist in dem Zuge immerhin spürbar aufgewertet worden. Die beiden 2001 und 2003 entstandenen Direct-to-Video-Fortsetzungen hingegen sind nicht der Rede wert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Guillermo del Toro sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Josh Brolin in der Rubrik Schauspieler.

Gefangen in einem alten Metrowaggon

Veröffentlichung: 19. April 2012 als Blu-ray (mit Director’s Cut & Kinofassung) und DVD (Director’s Cut)

Länge: 112 Min. (Blu-ray, Director’s Cut), 100 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 107 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Mimic
USA 1997
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Matthew Robbins, Guillermo del Toro, nach einer Kurzgeschichte von Donald A. Wollheim
Besetzung: Mira Sorvino, Jeremy Northam, Charles S. Dutton, F. Murray Abraham, Josh Brolin, Alix Koromzay, Giancarlo Giannini, Alexander Goodwin
Zusatzmaterial: Alternatives Ende, Einführung und Audiokommentar von Regisseur Guillermo del Toro, Featurettes „Ein Sprung in der Evolution“ und „Reclaiming Mimic“, geschnittene Szenen, Making-of: „Back into the Tunnels“, Pannen beim Dreh, Storyboard-Animationen, Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2015 Studiocanal Home Entertainment

 

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