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The Osiris Child – Der planetarische Terraforming-Knast

Science Fiction Volume One: The Osiris Child

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Terraforming nennt sich der Prozess, Planeten oder Monde mit technischen Mitteln so umzugestalten, dass ihre Oberfläche und die Atmosphäre den Bedingungen auf der Erde ähnelt und Menschen auf ihnen leben können. Zukunftsmusik? Na klar, aber sollte sich unser technischer Fortschritt im Lauf der kommenden Jahrhunderte so weit entwickeln, dass wir die enormen Entfernungen im Weltraum bewältigen können, sollten solche Methoden ebenfalls möglich sein. Bis es soweit ist – falls das je sein wird –, dient Terraforming der Science-Fiction in Literatur und Film als ein probates Mittel für Erzählungen mit Menschen auf fremden Planeten ohne Raumanzug.

Indi und Papa Kane sind auf dem Planeten unterwegs

In „The Osiris Child“ hat der Konzern EXOR die Aufgabe übernommen, Planeten für Menschen bewohnbar zu machen. Zu diesem Zweck siedelt das Unternehmen dort Sträflinge an, die unter harten Bedingungen schuften müssen. Auf einem dieser Planeten befindet sich gerade der EXOR-Offizier Kane Sommerville (Daniel MacPherson), als die Nachricht vom Ausbruch eines Virus die Runde macht. Folge: Von ihrer Raumstation aus ordnet EXOR-Generalin Lynix (Rachel Griffiths) an, in 24 Stunden alles Leben zu vernichten.

Auf der EXOR-Raumstation …

Weil sich auch seine Tochter Indi (Teagan Croft) auf dem Planeten aufhält, sieht sich Kane gezwungen, zu desertieren, um sie zu suchen. Bald schließt sich ihm der geflohene Sträfling Sy Lombrok (Kellan Lutz) an. Den beiden stellen sich allerdings einige Gefahren in den Weg – nicht zuletzt einige monströse Kreaturen.

… befiehlt Generalin Lynix einen Massenmord

Einige nette kleine Ideen bringen Abwechslung, und nach und nach tauchen interessante Figuren auf der Bildfläche auf – etwa das durchgeknallte Pärchen Gyp und Bill (Isabel Lucas, Luke Ford), das sich mit ein paar inhalierten Drogen auf Trab hält. Kane und Sy begegnen den beiden in einer heruntergekommenen Kaschemme. Das kostet Kane beinahe das Leben, aber kurz darauf ist man als Quartett unterwegs und besorgt sich vorher noch beim lokalen Waffenhändler dringend erforderliche Ausrüstung.

Nichtlineare Handlung

„The Osiris Child“ hat einige Vorbilder, die man in seinen Bildern und Storylines mehr oder minder einfach entdecken kann – findet sie selbst! Regisseur Shane Abbess („Infini“) wechselt in seinem Road-Movie zwischen Actionszenen und ruhigen Sequenzen und treibt so die Story voran. Die Handlung ist in Kapitel aufgeteilt, die allerdings nicht chronologisch abgespielt werden, sodass etwas Aufmerksamkeit gefragt ist, bis sich das Puzzle zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Das tut es nämlich. Schnell wird klar, dass hinter den tödlichen EXOR-Maßnahmen mehr steckt als die Bekämpfung einer schnöden Epidemie.

Kane (l.) und Sy wollen Kanes Tochter finden

Was der Filmcrew an Budget fehlte, um optisch ansprechende Science-Fiction zu erschaffen, machte sie offenbar mit Kreativität und Einsatz wett. Klar, es ist kein „Mad Max – Fury Road“ und kein „Riddick“, aber wir haben es doch mit mehr als passabler Visualisierung zu tun, der man die Ambitionen der Macher ansieht. Sogar einen kernigen Luftkampf gibt es zu bestaunen. Als Road-Movie auf einem in Terraforming befindlichen Planeten konzipiert, mussten keine fremden Welten à la „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ erschaffen werden; ein paar wüste Landschaften reichen für die Story völlig aus. Die Monster hätten noch etwas Feinschliff vertragen, sind aber furchterregend genug geraten. Lieber handgemachte Kreaturen, die dann auch gern ein paar Macken haben dürfen, als schnöde CGI-Wesen ohne Charme. Vorsicht beim Lesen anderer Rezensionen im Netz: Einige Kollegen haben unverständlicherweise die Herkunft der Monster verraten.

Gyp weiß eine Waffe zu handhaben

Im Original ist dem Titel „The Osiris Child“ der Zusatz „Science Fiction Volume One“ vorangestellt, was andeutet, dass es sich um den Startschuss einer größer angelegten Filmreihe handelt. Ob der Regisseur oder die Produktionsfirma das Projekt konzipiert haben, ob es je zu Teil 2 kommen wird, und wenn ja, ob die Filme dann eine zusammenhängende Geschichte oder lediglich eine Ansammlung in sich abgeschlossener Filme bilden werden – keine Ahnung. Sofern das Niveau von „The Osiris Child“ gehalten wird, freue ich mich drauf.

Kane (l.) und Sy ebenfalls

Veröffentlichung: 21. September 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Science Fiction Volume One: The Osiris Child
AUS 2016
Regie: Shane Abbess
Drehbuch: Shane Abbess, Brian Cachia
Besetzung: Kellan Lutz, Daniel MacPherson, Isabel Lucas, Luke Ford, Rachel Griffiths, Temuera Morrison, Bren Foster, Teagan Croft, Grace Huang, Firass Dirani
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast und Crew; B-Roll
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 EuroVideo Medien GmbH

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Vergeltung – Sie werden dich finden: Alien-Jagd im Wald

Altered

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Satte sieben Jahre gingen ins Land, bis der kubanischstämmige Eduardo Sánchez seinem Regiedebüt „The Blair Witch Project“ (1999) einen Nachfolger folgen ließ. Bei „Vergeltung – Sie werden dich finden“ verzichtete er auf die Found-Footage-Technik, die er mit seinem Erstling berühmt gemacht hatte.

Auf der Jagd

„Altered“, so der Originaltitel, zeigt zu Beginn die drei Kumpels Duke (Brad William Henke), Otis (Michael C. Williams) und Cody (Paul McCarthy-Boyington), die im Wald eine fremdartige Kreatur jagen – und auch fangen. Sie transportieren das Wesen zu Wyatt (Adam Kaufman), der mit seiner Freundin Hope (Catherine Mangan) in einer abgelegenen Behausung im Wald lebt. Offenbar hat sich vor Jahren etwas ereignet, das Codys Bruder das Leben gekostet und besonders Wyatt nachhaltig in Angst versetzt hat. Er zeigt sich alles andere als angetan davon, dass das Redneck-Trio ein Alien in sein Haus schleppt – denn nichts anderes ist die Kreatur.

Body-Horror from Outer Space

Sein geringes Budget sieht man dem SF-Horrorfilm jederzeit an. Die dadurch erforderliche Beschränkung im Setting funktioniert aber sehr gut – über weite Strecken spielt sich das Geschehen im und rund um das Haus von Wyatt und Hope ab. Das Alien-Kostüm entspricht in etwa der üblichen Darstellung von Roswell-Außerirdischen, was man missgünstig als billige Kopie oder wohlwollend als „Hausaufgaben gemacht“ klassifizieren kann – wir entscheiden uns für die wohlwollende Bewertung. Was den Schauspielern an Qualität fehlt, machen sie durch Einsatzbereitschaft wieder wett. Über ein paar unbeholfene Verhaltensweisen sehen wir gnädig hinweg. Eine gute Prise Body-Horror und ein paar Splattereinlagen runden das Ganze gut ab.

Was tun mit dem gefesselten Alien?

In der Gesamtbetrachtung erscheint „Vergeltung – Sie werden dich finden“ schön altmodisch – der Fim von 2006 hätte auch in den 80er- oder frühen 90er-Jahren so ausgesehen. Das ist als Lob gemeint! Zwar nicht der Horrorfilm-Weisheit allerletzter Schluss, aber doch anständig und mit Liebe zum Genre inszeniert und ein kleiner Geheimtipp. Die deutsche DVD von 2007 ist sogar noch lieferbar.

Hope in Bedrängnis

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Eduardo Sánchez sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Auch Wyatt gerät in eine Notlage

Veröffentlichung: 18. Oktober 2007 als DVD

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch
Originaltitel: Altered
USA 2006
Regie: Eduardo Sánchez
Drehbuch: Jamie Nash
Besetzung: Adam Kaufman, Catherine Mangan, Brad William Henke, Michael C. Williams, Paul McCarthy-Boyington, Misty Rosas, James Gammon, Joe Unger
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2007 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Maschinenland – Mankind Down: Aliens in Afrika

Revolt

Von Volker Schönenberger

SF-Action // Ein Kaff irgendwo in Kenia: Ein Militär-Hubschrauber stürzt ab, schreiende Menschen fliehen in Panik, Soldaten kämpfen gegen eine vorerst unsichtbare Bedrohung. Werden sie von Gegenfeuer getroffen, dematerialisieren sie sich – offenbar werden unbekannte, mächtige Waffen eingesetzt.

Bo gerät mit kenianischen Soldaten aneinander

Ein Mann in US-Militärklamotten (Lee Pace, „Guardians of the Galaxy“) erwacht in einer Gefängniszelle. Er weiß nicht, wer er ist, er weiß nicht, wo er ist. Die französische Entwicklungshelferin Nadia (Bérénice Marlohe, „James Bond 007 – Skyfall“) klärt ihn darüber auf, wo er sich befindet. Kurz darauf dringen einige paramilitärische Kämpfer in die Polizeistation ein, metzeln einen Gefangenen mit der Machete nieder und öffnen die Zellentüren, um den Typen mitzunehmen und Nadia zu vergewaltigen. Doch die beiden sind alles andere als wehrlos, und kurz darauf bilden Bo – so nennt ihn Nadia fortan – und die Entwicklungshelferin ein Team, um in dem herrschenden Chaos zu überleben. Außerirdische Invasoren haben weltweit die Erde überrannt und das Staatengefüge der Nationen gesprengt.

Er und Nadia werden als Köder eingesetzt

Ein sonderbares Symbol auf seinem Arm gibt Bo zusätzlich zu seinem Gedächtnisverlust Rätsel auf. Bei einem Aufeinandertreffen mit Soldaten der kenianischen Armee deutet sich an, dass es mit den Aliens in Zusammenhang steht. Rührt seine Amnesie von einer Begegnung mit den Außerirdischen her? Was steckt dahinter?

Die Invasoren erscheinen unbesiegbar

Das Science-Fiction-Genre hat immer Konjunktur, 2017 ganz besonders, wie „Alien – Covenant“, „Blade Runner 2049“, „Ghost in the Shell“ und „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ belegen. Mit der Bildgewalt solcher hoch budgetierter Produktionen können kleine Filme wie „Maschinenland – Mankind Down“ natürlich nicht mithalten. Dennoch sieht das in Südafrika gedrehte Langfilm-Regiedebüt von Joe Miale überraschend gut aus. Miale legt den Fokus auf Action und setzt sein afrikanisches Setting gekonnt für spektakuläre Aufnahmen ein. In seiner visuellen Kraft erinnert der Film dann auch an Neill Blomkamps formidablen „District 9“ von 2009, ohne ganz dessen inhaltliche Tiefe zu erreichen. Die Action hingegen ist atemraubend. Beispielhaft genannt sei eine Sequenz, in der Nadia und Bo im Auto vor einer gewaltigen Horde außerirdischer Roboter (oder Maschinenwesen) flüchten. Auch „Starship Troopers“ lässt phasenweise grüßen.

Ungleicher Kampf

Dem ungleichen Duo wünscht man das Überleben, ihre Charaktere sind anständig herausgearbeitet – da hat man im Genre schon weitaus mieser modellierte Abziehbilder von Figuren gesehen. Das emotionale Moment stimmt. Der wuchtige Score treibt die Handlung voran. Das Finale erzeugt dann zwar leider nur ein Gefühl von „Okay, kann man so machen“, insgesamt kann „Maschinenland – Mankind Down“ aber auf ganzer Linie überzeugen. Wer Action-orientierte Science-Fiction mag, kann unbesorgt zugreifen.

Bo und Nadia ergreifen die Flucht

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Jason Flemyng sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 26. Oktober 2017 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Revolt
GB/RSA 2017
Regie: Joe Miale
Drehbuch: Rowan Athale, Joe Miale
Besetzung: Lee Pace, Bérénice Marlohe, Jason Flemyng, Sibulele Gcilitshana, Wandile Molebatsi, Sekoati Sk Tsubane, Leroy Gopal, Welile Nzunza, Patrick Bakoba, Tom Fairfoot
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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