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Battalion – Schlachtfeld Erde: Aliens greifen mal wieder an

Battalion

Von Lucas Gröning

SF-Action // Denken wir an die großen Kriegsfilme oder Antikriegsfilme, kommen uns viele zeitlose Klassiker in den Sinn. „Apocalypse Now“, „Platoon“, „Full Metal Jacket“, „Der Soldat James Ryan“, auch aktuellere Filme wie „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ und „Dunkirk“ sind zu nennen. Gleichermaßen denken wir an Werke, welche dieses Genre in völlig andere Welten verlagerten: Die „Star Wars“-Saga, die „Terminator“-Reihe, „Starship Troopers“ und „Independence Day“ sind passende Beispiele. Michael Millers „Battalion – Schlachtfeld Erde“ merkt man an, dass der Regisseur all diese Filme kennt, und doch sehen wir hier etwas vollkommen anderes.

Angriff aus dem All

Worum geht es in „Batallion“? Sieben Monate zuvor haben Aliens die Erde angegriffen, auf der Oberfläche des Planeten tobt ein gewaltiger Krieg um die Vorherrschaft. Die jungen Rekruten John Blake (Jesse Richardson), Tracy Gleeson (Ellen Williams) und Chris Jackson (Michael Thomson) melden sich freiwillig beim US Marine Corps, um die Invasoren zurückzuschlagen. In Rückblenden bekommen wir zusätzlich die Gründe und Motivationen für diesen Schritt präsentiert. Tracy etwa hatte einen Bruder, welcher im Krieg gefallen ist, und John fand nach dem Tod seiner Familie keinen anderen Sinn mehr im Leben, als dabei zu helfen, die Außerirdischen zu bekämpfen. In der Folge werden die Rekruten ausgebildet und bald schon in den Kampf gegen den Feind geschickt.

Wirklich, wirklich schlecht

Soweit zur Story – reden wir über die Qualitäten des Films. Diese sind auf den ersten Blick schwer auszumachen. Die unglaublich banale Geschichte steckt voller Logiklöcher. Die Motivationen der einzelnen Charaktere wirken teils komplett unglaubwürdig. Alle Personen, die wir im Verlauf der Handlung treffen, sind reine Stereotypen ohne irgendeinen authentischen Charakter. Wir haben den mutigen, strahlenden Helden, den harten, strengen Ausbilder, die attraktive, dauerkichernde Blondine und den jungen Soldaten, welchem alles zu viel ist und welcher an dem enormen Druck zerbrechen wird. Die Leistungen der Schauspieler sind durch die Bank mies, ihre Synchronisation ist ebenfalls missglückt. Die Actionszenen sind teilweise schlecht geschnitten und die darin auftauchenden Effekte sind absolut furchtbar – man achte besonders auf Explosionen und die Darstellung der Alien-Roboter. Schnell kommt man zu dem Fazit, dass es sich hier um ein überaus mieses Machwerk handelt.

Gegenwehr

Doch dieses Miese ist kalkuliert. Bei „Battalion – Schlachtfeld Erde“ handelt es sich um einen klassischen Trashfilm, bei dem man die Geschichte getrost vergessen und sich ganz an der Schlechtheit des Films ergötzen kann. Ein Film, in dem so gut wie nichts stimmt, der aber dennoch zu unterhalten weiß. Man schaut dieses Werk nicht wegen einer tiefgründigen Story oder herausragender darstellerischer Leistungen, sondern einzig und allein wegen des Spaßes, den man hat, wenn man sich den nächsten furchtbaren Dialog und die nächste schlechte Actionsequenz anschaut. Dahingehend funktioniert der Film wunderbar, doch leicht übersieht man, dass der Film eigentlich mehr ist, als das. „Battalion“ ist mehr als einfach nur ein Trashfilm – er ist ein Plädoyer für Trash und eine Absage an die Notwendigkeit von Sinnhaftigkeit im Medium an sich.

Ein riesiges Zitat

Eingangs wurde erwähnt, dass man dem Film seine Kenntnis der Historie des Kriegsfilms und seiner verschiedenen Abzweigungen anmerkt. Nun, er kennt diese nicht nur, sondern zitiert sie teilweise eindeutig. Man denke nur an die Szene, in der die Rekruten ihrem Ausbilder begegnen. Dessen grober Umgang mit den Anwärtern und die Kameraperspektive, aus der die Szene aufgenommen wurde, erinnern klar an „Full Metal Jacket“, auch wenn der Härtegrad der sprachlichen Variationen nicht an die Worte herankommt, welche Gunnery Seargent Hartman in Stanley Kubricks Klassiker findet. Weiterhin sehen wir gleich zu Beginn eine Szene, in welcher John Blake in einer Militäruniform aus dem Wasser kommend einen Strand betritt. Sowohl der Blick der Kamera als auch die Farbästhetik lehnen sich hier an eine Szene aus Christopher Nolans „Dunkirk“ an. Auch die Angriffsflieger der Aliens scheinen wir irgendwoher zu kennen. Ihr Design erinnert an „Star Wars“und „Independence Day“, genauso wie ihre Anzahl in den jeweiligen Bildern und ihre Flugeigenschaften. Zitate dieser Art finden wir in Michael Millers Werk am laufenden Band. Auch andere berühmte Vertreter dieser Genres finden hier Erwähnung. So sehen wir mehrere Bilder, welche Erinnerungen an „Apocalypse Now“, „Platoon“, „Starship Troopers“, „Der Soldat James Ryan“, „Troja“ und andere in uns hervorrufen. Doch der Film beschränkt sich in seinem Zitieren von fiktionalen Werken nicht allein auf das Medium Film. In den Schlachtenszenen erinnert die Ästhetik des Films stark an Videospiele. Die Modelle von Häusern, Natur, Uniformen, aber auch der Alien-Roboter nehmen direkt Bezug zu Shooterspielen, deren Entwicklung mit dem Aufkommen und Etablieren der 3D-Technik in diesem Gaming-Genre einherging. „Halo“ oder „Ghost Reacon“ sind hier prominente Beispiele an die wir denken müssen. Warum aber zitiert der Film in einem derart großen Maße andere fiktive, digitale Werke?

Zwischendurch ein Sonnenbad

Der Grund ist einfach. „Battalion“ macht damit uneingeschränkt klar, dass es sich bei der Rezeption des Werkes um eine rein fiktive Erfahrung handelt. Durch das permanente Zitieren von Szenen, Momenten und einer generellen ästhetischen Darstellung, die wir so bereits aus zahlreichen anderen Werken kennen, wird klar, dass es sich hier um etwas handelt, was in keinster Weise Bezug zur Realität nimmt. Die Kriegs- oder Antikriegsfilme hingegen, die der Film zitiert, tun dies ständig. Die Darstellung historischer Ereignisse – in diesen Fällen Kriege – macht es unmöglich, sich nicht in irgendeiner Form zu diesen Ereignissen zu positionieren – egal ob auf politischer Ebene oder ob man eine Bewertung der Grausamkeit der gezeigten Geschehnisse vornimmt. Auch das ernsthafte Darstellen von fiktionalen militärischen Auseinandersetzungen bewahrt einen Filmemacher davor nur bedingt, sind diese Kriege doch meist als direkte Referenz zur Realität zu sehen. Der Film „Battalion – Schlachtfeld Erde“ jedoch geht dieser Verantwortung aus dem Weg, indem er uns zum einen einen fiktionalen Krieg zeigt, der keinen Bezug zur Realität, sondern nur zu anderen fiktionalen Werken nimmt, und den vorhandenen Stoff zum anderen in einen Trashfilm packt. Die Ereignisse werden dadurch teilweise so komisch, dass wir uns in keinem Moment an die tatsächliche Grausamkeit der Realität erinnert fühlen, auch weil das Genre des Trashfilmes praktisch dazu einlädt, den Film ohne große philosophische Gedanken einfach zu genießen. So bleibt der Film insgesamt harmlos, abwaschbar und zeigt ganz klar, dass er einfach nur unterhalten will – eine essenzielle Aufgabe fiktionaler Werke, die er immerhin einlöst, sofern man sich nicht vom Trash abgeschreckt fühlt.

Die Frage nach dem Sinn

Die eindimensionale Geschichte, die stumpfen Charaktere, die schlechten Effekte, die gewählte Ästhetik und die Flut an Filmzitaten tragen zu einem ordentlichen Unterhaltungserlebnis bei. Wie bereits erwähnt, suhlt sich „Battalion – Schlachtfeld Erde“ dabei nicht nur in der Sinnlosigkeit seiner Handlung, er plädiert sogar dafür, dass Sinnhaftigkeit nicht notwendig ist und verteidigt somit auch seine eigene Existenz. In einem Gespräch zwischen den Rekruten Tracy und John macht Tracy die Sinnlosigkeit der ganzen Operation zum Thema. John entgegnet ihr mit der Frage, ob es überhaupt einen Sinn brauche. Diese Frage kann man auch auf den Film an sich beziehen und „Battalion“ beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Es braucht keine sinnvollen Zusammenhänge für die schlichte Aufgabe, die sich der Film gestellt hat: pure, anspruchslose Unterhaltung. Und damit hat er vollkommen recht! Trash hat allein durch seinen Unterhaltungswert bereits eine Existenzberechtigung, auch wenn er teilweise komplett sinnlos ist. Natürlich erreicht der Film dabei trotzdem in keinem Moment den Unterhaltungswert, den die Filme bieten, die er so zahlreich zitiert, von der Tiefe und Vielschichtigkeit ganz zu schweigen. Dennoch schafft er es, zu unterhalten und dabei zugleich ein Plädoyer für sinnlosen Trash zu bieten und den universellen Anspruch von Sinn in der Fiktion zu negieren. Wer also recht anspruchslose, aber unterhaltsame Trash-Action sucht, kann zugreifen. Wer allerdings nur ein Minimum an Anspruch sucht, sollte die Finger von „Battalion – Schlachtfeld Erde“ lassen.

Dann wieder Gegenwehr

Veröffentlichung: 4. April 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Battalion
AUS 2018
Regie: Michael Miller (als Mike Holligan)
Drehbuch: Michael Miller (als Mike Holligan)
Besetzung: Ellen Williams, James Storer, Jesse Richardson, Kylie Loveday, Michael Thomson, Samuel Peacock, Darrell Plumridge, Katie Anderson, Naveen Varghese, Kyal Scott, Lauren Lee Innis-Youren
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Tiberius Film

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Star Force Soldier – Nur ein bewaffneter Mann ist ein guter Mann

Soldier

Von Leonhard Elias Lemke

SF-Action // Der Prolog öffnet uns den Film mit Kriegsgetöse. 1996 – die Stunde „Null“. Die am lautesten schreienden Neugeborenen sind gerade richtig, um zu den Soldaten der Zukunft zu werden. Mit 17 ist die Ausbildung abgeschlossen, bis dahin werden ihnen Sätze wie „Ein Soldat ist nur glücklich, wenn er Befehle befolgen kann!“ eingebläut. Psychische Indoktrinierung und hartes körperliches und technisches Training sind einziger Lebensinhalt. Aber welches Leben? Wer auf der Strecke bleibt, wird nicht nur ausgesiebt, sondern ganz aus dem Leben genommen. Todd 3465 (als Erwachsener: Kurt Russell) ist der Beste seines Jahrgangs. Fahnenträger. Gleich Elitesoldat. Wir springen in sein 38. Lebensjahr. Vernarbt, mit Name, Kennnummer und Blutgruppe sind ihm ins Gesicht tätowiert – immerhin ist er eine teure Investition, die der Kapitalismus am Leben erhalten will.

Soldaten aus der Retorte

Seinen Arm zieren Kriegsschauplätze: Er hat den „6-Städte-Krieg“ gekämpft, hat getötet in Moskau und auf fremden Monden. Später wird Todd sagen: „Nur Soldaten kämpfen gegen Soldaten.“ Das stimmt nicht ganz, Kollateralschäden werden billigend in Lauf genommen, durch Zivilisten wird gern hindurchgeschossen. Das Schlachtfeld ist sein Zuhause, die wahre Bedeutung eines Heims hat er nie kennengelernt. Sein Blick ist tot, wie es bei einer fast perfekten Kampfmaschine sein muss. „Fast perfekt“, denn es gibt immer ein Update. Die neueste Generation der Universal Soldiers wurde im Genlabor erzeugt, ihre DNA nach Belieben manipuliert. Präziser, fitter, kaltblütiger. Noch bessere Krieger für das Kapital. Caine 607 (Jason Scott Lee) ist das Topmodell, in einem Kräftemessen mit Todd – und zwei weiteren Soldaten der ersten Generation – lässt er dem alten Eisen keine Chance. Die vermeintlich toten Soldaten werden auf einem Müllplaneten entsorgt – doch Todd entsteigt seinem Grab und findet Zuflucht bei einer Familie, die dort lebt, am Rande des Universums, ausgestoßen von der offiziellen Gesellschaft. Der abgehalfterte, innerlich – er hat keine Bestimmung mehr – und äußerlich Verwundete wird von der kleinen Gemeinschaft aufgefangen. Eine Annäherung findet nur langsam statt, man hat verständlicherweise Angst vor der lebenden Waffe. Die erste Bindung stellt Todd zu Nathan her, dem kleinen Sohn seiner Ziehfamilie. Auch der spricht nicht. „Männerkommunikation“. So etwas wie Erotik überkommt ihm beim Anblick von Sandra (Connie Nielsen). Unter einer dankenden Umarmung ihrerseits erzittert sein Körper, den er bisher nur zum Zerstören gebraucht hat.

Western-Showdown im Weltraum

Als die neue Generation der Soldiers später das aufkeimende Idyll zunichte macht, muss Todd wieder zur Maschine werden. So bejubeln wir ein ausuferndes Finale, dass „Star Force Soldier“ zu einem Western im Weltraum werden lässt und auch im unausweichlichen Endkampf nicht enttäuscht. Das Herz muss über das manipulierte Fleisch obsiegen. Hollywood. Aufwendige Sets, reale Explosionen, dicke Wummen, gut choreografierte Fights mit klaffenden Wunden. So cheesy die Story sein mag, so intensiv und fürs Genre nachhaltig ist die Verpackung.

Sandra bringt Todd auf den Gedanken, dass Körper nicht nur zum Töten da sind

Regisseur Paul W. S. Anderson hat bei Fans einen zwiespältigen Ruf. Nach seinem hervorragenden „Shopping“ vertraute man ihm 1995 die filmische Adaption des Videospiels „Mortal Kombat“ an. Für die einen war es eine weichgespülte Enttäuschung, die anderen frohlockten, dass man sich überhaupt an diese Umsetzung wagte, und hatten ihren Spaß. Spaß hat man überhaupt immer bei Anderson – sonst wäre Milla Jovovich wohl auch nicht schon so lange seine Partnerin. Zwei Jahre nach dem tödlichen Kampf gelang ihm mit „Event Horizon“ ein „Shining“ im Weltraum, das noch heute zu schauern weiß – für die Produzenten 1998 damit der richtige Mann für „Star Force Soldier“. Und in der Tat vereint Anderson in seinem vierten Spielfilm das Aufgetragene und Überzogene aus „Mortal Kombat“ mit dem Knallharten und Unerbittlichen aus „Event Horizon“. Schaueffekte werden bei Anderson zum Inhalt, die Storys stehen auf wackeligeren Beinen als seine durchtrainierten Mimen – das ist eben Actionkino.

Muckis und Gefühl – Kurt Russell

Den Titelheld verkörpert Kurt Russell überzeugend mit Muskelkraft UND Herzblut. Die Gage wird sicher proper gewesen sein, aber Russell ist bekanntlich ein Fan der Science-Fiction, die Rolle dürfte ihn gereizt haben. Viel Ausdruck, ohne überflüssige Worte zu verlieren – das steht maskulinen Figuren gut zu Gesicht. Um dem Nachdruck zu verleihen, brachte er sich zudem mit 47 Jahren in eine physische Form, die jeden 30-jährigen neidisch werden lassen dürfte. So lassen sein Spiel und seine Physis das Publikum daran glauben, dass dieser Mann einzig dem Krieg dienen soll. Übrigens wird der junge Todd von seinem Sohn Wyatt gespielt, der vor kurzem in „Operation: Overlord“ prominent wurde. Russell entgegen steht mit Jason Scott Lee („Dragon – Die Bruce-Lee-Story“) ein ebenso schauspielerisch wie physisch talentierter Darsteller. Deutlich jünger als Russell, konnte er gar noch mehr Muskelmasse draufpacken und sich zu einem menschgewordenen Pitbull formatieren. Jason Isaacs („Black Hawk Down“) gibt den Nazi-Offizier der Zukunft mit einem leichten Lächeln im Mundwinkel – plakativer konnte seine Rolle kaum entworfen sein und dem verschrieb er sich voll. Das Gary „Predator 2“ Busey hier fast schon den Guten gibt, mag irritieren, doch auch seine Figur bekommt am Ende ihr Fett weg.

Commando

Monetär war der SF-Actioner ein gewaltiger Flop: Bei 60 Millionen – zwei Panzerfahrzeuge allein verschlangen eine davon – Dollar Budget spielte er in den USA lediglich 15 Millionen ein. Was der Film sein will, kann er. Vielleicht war er jedoch nicht versiert genug aufgestellt, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen. „Star Force Soldier“ ist für ein Publikum zu empfehlen, das sich mit traumatisierten Männern identifizieren kann, die nichts von der Liebe wissen und nur mit einer Waffe in der Hand zu sich selbst finden können. Sie verlieren ihre Maskulinität, wenn man ihnen ihren Soldatenstatus nimmt. Inhaltlich gibt es nicht viel mehr zu holen. Die Geschichte von Andersons Film konzentriert sich ganz auf diese einfache Prämisse, es ist ein Männerfilm, den man so heute nicht mehr machen würde. Dies kann man ihm einerseits vorwerfen, andererseits liegt gerade darin seine Stärke. Es ist ein Film der späten 90er, der keinen Hehl aus seiner fast banalen Geradlinigkeit macht. Ein bisschen Tiefe gab man ihm, indem Drehbuchautor David Webb Peoples ihn im gleichen Universum ansiedelte wie „Blade Runner“ – für den er ebenfalls am Screenplay schrieb. In Ridley Scotts Meilenstein des Science-Fiction-Genres ist von Schlachten am „Tannhäuser Tor“ die Rede – und selbiges findet eben auch hier Erwähnung. Todd wird auch dort im Krieg eingesetzt, er ist ein naher Verwandter der Replikanten. Diese filmübergreifende Verbindung macht weitere Gedankengespinste interessant und führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit der stetigen Wiederentdeckung, wer sich mit Scotts Film oder dem Science-Fiction-Kino im Allgemeinen beschäftigt. Wer hier filmisch keinen Bergman erwartet, bekommt einen SF-Actionknaller erster Güte inklusive Zeitreise in die 90er.

Seine Kraft – und das gigantische Budget – setzt er in die Verpackung der maximal zweizeiligen Story. Hier kracht und scheppert es noch richtig, aufwendige Sets gehen in Flammen auf, zerspringen in tausend Teile, und Stuntmen fliegen durch die Gegend. Fette 90er-Action, wie sie heute kaum noch gemacht wird – vor allem nicht im Big-Budget-Segment. Schade, dass man aber auch unbedingt zeigen wollte, wie weit man schon mit der digitalen Tricktechnik sei. So trüben einige schwache Animationen aus Windows-98-PCs ein bisschen das Bild der glanzvollen Spezialeffekte.

In Deutschland nun erstmals ungeschnitten

„Star Force Soldier“ erscheint dank Koch Films in Deutschland erstmals ungekürzt – das kann somit als Erstveröffentlichung bezeichnet werden, denn „cut“ gilt nicht. Damals gab es zum DVD-Release bei uns nur eine stark geschnittene Fassung, die den Film seiner Konsequenz und starken Make-up-Effekte beraubte und den Zuschauer in einigen sehr holprigen Cuts fragend zurückließ. Zudem gab es damals nur eine deutsche Tonspur. Gerade dieses Werk kann man nur uncut genießen und es bedarf auch Russells kerniger One-Liner – hier wahrlich kein Mann vieler Worte – im O-Ton, um richtig Spaß zu haben. Die Neuveröffentlichung ist also schon offensichtlich heiß erwartet und dringend nötig, sie wird durch die Form des Mediabooks noch versüßt. Dieses kommt in zwei Cover-Varianten und mit Booklet, in welches ich leider keinen Einblick hatte, weswegen ich nichts über dessen Qualität sagen kann. Extras gibt es auch noch auf den Discs: ein Audiokommentar mit Anderson, Isaacs und Koproduzent Jeremy Bolt, ein bereits in den 90ern produziertes Making-of, Interviews und eine Bildergalerie (Guckt ihr euch sowas noch an?). Die Form stimmt und wird dem produktionstechnischen Aufwand des Streifens gerecht. Kaufempfehlung. Für Männer.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kurt Russell sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das waren die 90er

Veröffentlichung: 28. März 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, zwei Covervarianten), 6. Juli 2000 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Soldier
GB/USA 1998
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: David Webb Peoples
Besetzung: Kurt Russell, Jason Scott Lee, Jason Isaacs, Connie Nielsen, Sean Pertwee, Gary Busey, Jared Thorne, Taylor Thorne, Mark Bringelson, James Black, Mark De Alessandro, Duffy Gaver
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Audiokommentar von Paul W. S. Anderson, Jason Isaacs und Jeremy Bolt, Making-of, Interviews, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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Iron Sky – The Coming Race: Wenn der Adolf auf dem T. Rex reitet

Iron Sky – The Coming Race

Kinostart: 21. März 2019

Von Volker Schönenberger

SF-Action-Parodie // Spätestens seit „Iron Sky“ (2012) wissen wir es ganz sicher: Nazis leben hinterm Mond. Das Kinodebüt des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola macht viel Freude, erst recht im 20 Minuten längeren Director’s Cut. Sicher, ein gewisses Faible für oder zumindest Toleranz gegenüber Trash ist dabei hilfreich, der Geschichte um die nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf die dunkle Seite des Mondes emigrierten deutschen Nazis etwas abzugewinnen. Und trotz des schmalen Budgets wirkten die Tricks und der Look von „Iron Sky“ überhaupt nicht trashig, visuell gibt es daran überhaupt nichts auszusetzen.

Renate Richter hält die Mondkolonie zusammen

All das gilt glücklicherweise auch für die Fortsetzung „Iron Sky – The Coming Race“, welche die selbst schon absurde Story des Vorgängers ins Irrwitzige fortführt. 20 Jahre später haben sich in der ehemaligen Nazi-Mondbasis die Überreste der Menschheit zusammengefunden – der Heimatplanet Erde war im nuklearen Armageddon zerstört und unbewohnbar geworden. Renate Richter (Julia Dietze), ehemalige Englischlehrerin des Nazi-Nachwuchses, hat die Führung über die Kolonie der Überlebenden übernommen.

Wolfgang Kortzfleisch ist wieder da!

Ihrer Tochter Obi (Lara Rossi), deren Vater der schwarze Kosmonaut James Washington (Christopher Kirby) ist, gelingt es mit Müh und Not, die alte und baufällige Siedlung in Schuss zu halten und speziell bei den gelegentlichen Mondbeben vor dem Untergang zu bewahren. Eine kleine Gruppe streng religiöser Sektierer bringt obendrein Unruhe: die von Donald (Tom Green) geleiteten Jobsisten (sic!), bei denen man auch schon mal per App exkommuniziert wird – und zwar endgültig. Als ein notdürftig zusammengebautes Raumschiff mit russischen Überlebenden unter der Führung des großmäuligen Piloten Sasha (Vladimir Burlakov) auftaucht, verkompliziert sich die Lage. Bald erscheint auch der alte Feind Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) auf der Bildfläche.

Auch Obi Washington hat alle Hände voll zu tun

Der weitere Verlauf von „Iron Sky – The Coming Race“ gestaltet sich derart wunderbar hanebüchen, dass ich geneigt bin, viel mehr zu verraten. Aber ich will euch einige Überraschungen bewahren, auch wenn andernorts deutlich mehr gespoilert wird, daher erlaube ich mir nur noch ein paar Andeutungen: Der auf einem Tyrannosaurus Rex reitende Adolf Hitler stellt ja ein zentrales Motiv der Werbekampagne zum Film dar, ihn zu erwähnen, schadet sicher nicht. In der Folge nimmt die Komödie Anleihen bei Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, auch Leonardo da Vinis „Das Abendmahl“ bekommt seine Referenz. Mit US-Präsidentin Sarah Palin (Stephanie Paul) gibt es ein Wiedersehen, in dessen Folge wir darüber aufgeklärt werden, wer tatsächlich unsere Welt beherrscht.

Gottesdienst bei den Jobsisten

Gelegentlich fühlte ich mich bei der Sichtung von „Iron Sky – The Coming Race“ visuell an vergangene Zeiten erinnert, als Filme wie „Masters of the Universe“ (1987) und „Mom und Dad retten die Welt“ (1992) das Science-Fiction- und das Fantasy-Genre aufs Korn nahmen. Ein paar Mal scheint mir Regisseur Vuorensola Anspielungen auf die „Krieg der Sterne“-Saga eingebaut zu haben. Noch stärker als beim Vorgänger kommt die Kritik an unseren gesellschaftlichen und politischen Zuständen zu ihrem Recht, und das gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit – allerdings heftigem – Augenzwinkern. Die Verschwörungstheoretiker unserer Zeit bekommen jedenfalls eine ganz lange Nase gezeigt.

Schlechter Start in Finnland

Dank des wie immer gut aufgelegten Udo Kier, insbesondere auch Julia Dietze („Montrak“) sowie der auf wie erwähnt demselben hohen Niveau angesiedelten Schauwerte ist der Wiedererkennungswert hoch. In Finnland und den skandinavischen Staaten startete „Iron Sky – The Coming Race“ bereits im Januar und Februar in den Kinos. Die dortigen Kritiken fielen durchwachsen aus, um es milde zu formulieren. Für mich unverständlich – ich habe mich während der Pressevorführung blendend unterhalten gefühlt.

Großspuriger Russe: Sasha

Der Vorgänger hat nicht zuletzt dank Crowdfunding und der Einbeziehung im Vorfeld eine eingeschworene Fanmeute um sich geschart – das Crowdfunding der Fortsetzung fiel sogar deutlich erfolgreicher aus. Die Fans dürften auch am Sequel ihre Freude haben, auch wenn sich Steve Jobs im Grabe umdreht. Wer mit Trash in all seinen Facetten umgehen kann, darf bei „Iron Sky – The Coming Race“ mehr als ein Auge riskieren. Und wer weiß, ob mit „Iron Sky – The Coming Race“ schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist? Das Universum gibt einiges her …

Wolfgang Kortzfleisch ist wieder da

Nachtrag: Da wie erwähnt eine gewisse Sarah Palin als US-Präsidentin in Erscheinung tritt, hat es Donald Trump nicht in den Film geschafft. Seine erboste Reaktion darauf wurde von Unbekannten im Video festgehalten und geleakt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Udo Kier sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das Abendmahl

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Iron Sky – The Coming Race
FIN/D/BEL 2019
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Dalan Musson, Timo Vuorensola
Besetzung: Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Kit Dale, Udo Kier, Julia Dietze, Tom Green, Edward Judge, Emily Atack, Martin Swabey, Stephanie Paul, John Flanders
Verleih: splendid film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2019 splendid film

 

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