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Schlagwort-Archive: Scott Speedman

The Monster – Ein Filmtitel, der hält, was er verspricht

The Monster

Von Volker Schönenberger

They are hiding and watching
Just wait and see
Oh, there are monsters
For you and for me
(Children’s nursery rhyme, 1903, Texttafel zu Beginn des Films)

Horror // Das gute alte Creature Feature ist nicht totzukriegen. Trotz einer Vielzahl unterdurchschnittlicher bis -irdischer Beiträge bringt das Genre des Monster-Horrors immer wieder effektive und spannendes Werke hervor, die auch mit schmalem Budget hervorragend funktionieren. „Dark Was the Night“ von 2014 ist nur ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, nun folgt „The Monster“, dessen schlichter Titel Programm ist.

Unfall in der Nacht – Lizzy und ihre Mutter sitzen auf einer Landstraße im Wald fest

Zu Beginn lernen wir die junge Lizzy (Ella Ballentine) und ihre ebenfalls auffällig junge Mutter Kathy (Zoe Kazan) kennen. Kathy hat ganz offensichtlich ein Problem mit Männern und Alkohol, die kleine Lizzy muss viel mehr Verantwortung übernehmen, als es ein Mädchen ihres Alters tun sollte. Eine nächtliche Autofahrt der beiden findet nach einem Unfall auf regennasser Straße im Wald ein jähes Ende. Kathys Handgelenk wird in Mitleidenschaft gezogen, auf der Fahrbahn liegt nun ein toter Wolf. Während Mutter und Tochter im Auto auf Ambulanz und Abschleppwagen warten, wird langsam klar: Im Dunkel des Waldes lauert etwas …

Erst Home Invasion, dann Found Footage, nun Creature Feature

Regisseur Bryan Bertino bewies 2008 mit dem Home-Invasion-Schocker „The Strangers“ Talent fürs Horrorgenre. Sein zweiter Film „Play – Tödliches Spiel“ allerdings war 2014 ein tiefer Griff ins Found-Footage-Klo. Mit „The Monster“ findet er zu alter Stärke zurück. Allein die Spannungskurve vom Zeitpunkt des Unfalls bis zum Auftauchen der titelgebenden Kreatur ist schon so steil, dass andere Genrevertreter daran abrutschen. Schockmomente sind gut dosiert, die Attacken des Monsters derbe, ohne ausufernd zu geraten. Da nur wenige Personen den Angriffen zum Opfer fallen, sollte niemand einen Splatter-Exzess erwarten. Erklärungen über die Kreatur werden keine geliefert. Besser so als eine hanebüchene Hintergrundgeschichte. Das Creature-Design ist anständig, aufgrund des nächtlichen Settings bleibt das Wesen ohnehin meist im Düsteren. Erfahrungsgemäß werden manche Horrorfans die Kreatur mies gestaltet finden, andere werden sie mögen. Ein typischer Fall von Geschmackssache, also macht euch am besten selbst ein Bild – es lohnt sich!

Was lauert da im Dunkeln?

Die Haupthandlung wird ab und zu von Rückblenden unterbrochen, in denen wir mehr über die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung erfahren – inklusive Scott Speedman („Underworld“) in einer kleinen Nebenrolle als Lizzys Vater. Die kurzen, gut getimten Unterbrechungen lockern den Horror auf und bringen uns die beiden Protagonistinnen näher. „The Monster“ sei Horrorfreunden als simpler, aber packender Genrebeitrag trotz eines etwas vorhersehbaren Finales rückhaltlos ans Herz gelegt. Welche Creature Features könnt Ihr empfehlen?

Jedenfalls nichts Gutes

Veröffentlichung: 23. März 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Monster
USA 2016
Regie: Bryan Bertino
Drehbuch: Bryan Bertino
Besetzung: Zoe Kazan, Scott Speedman, Ella Ballentine, Aaron Douglas, Christine Ebadi, Chris Webb, Marc Hickox
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Impressionen vom Set, Über den Film (Statements der Produzenten William Green und Aaron Ginsburg sowie von Darstellerin Zoe Kazan und Darsteller Aaron Douglas), deutscher und englischer Trailer, Trailershow
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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Herbststurm – Tod in Kanada

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October Gale

Von Volker Schönenberger

Thriller-Drama // Um den Tod ihres Ehemanns zu verarbeiten, zieht sich die Ärztin Helen (Patricia Clarkson) in ihre abgelegene Hütte zurück, die auf einer in den Ausläufern der Großen Seen gelegenen kanadischen Insel liegt. In all die so schönen wie schmerzhaften Erinnerungen, die dort hochkommen, platzt jäh William (Scott Speedman), der eines Tages mit einer Schusswunde im Körper angespült wird. Obwohl Helen ihn pflegt und die Wunde fachkundig versorgt, gibt er kaum etwas über sich preis, schon gar nicht über das Zustandekommen seiner Verletzung. Als Helens Bekannter Al (Aiden Devine) auftaucht, bleibt William verborgen. Bei seiner Abfahrt tut Al etwas Merkwürdiges: Er löst Helens Boot von ihrem Steg und schneidet sie so von der Außenwelt ab. Das bleibt nicht ihr einziges Problem: Tom (Tim Roth) taucht auf, der Schütze, der Williams Wunde verursacht hat. Nun will er sein Werk vollenden …

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Helen trauert um ihren Ehemann

Die 2004 für „Pieces of April – Ein Tag mit April Burns“ Nebenrollen-Oscar- und Golden-Globe-nominierte Patricia Clarkson spielte bereits in „Cairo Time“ (2009) unter Regisseurin Ruba Nadda. Obwohl der Fokus von „Herbststurm“ genaugenommen auf zwei Prota- und einem Antagonisten liegt, trägt sie den Film mühelos. Scott Speedman („Underworld“) kann da erwartungsgemäß nicht ganz mithalten, darf aber zur Freude der Frauenwelt seinen gut gebauten Oberkörper zeigen, während Helen Williams Wunde versorgt. Tim Roth („Reservoir Dogs“, „The Hateful Eight“) taucht erst nach mehr als einer Stunde auf und kann so seine Präsenz nur noch partiell einbringen, aber besser als nichts. Die Auflösung gibt’s dann auch erst peu à peu mit dem Showdown. Ganz nachvollziehbar sind Toms Beweggründe nicht, offen bleibt auch, wie er Al zum Komplizen machen konnte. Ein paar Szenen mehr mit Tom hätten das Ganze vielleicht noch runder gemacht.

Melodram oder Thriller?

Über eine Stunde dreht sich im Grunde alles um Helen, parallel dazu auch um ihre sich langsam entwickelnde Beziehung zu William. Das ist bedächtig und mit Gefühl für das Duo inszeniert, von Thriller ist da aber wenig zu spüren, „Herbststurm“ ist phasenweise mehr Melodram. Der Showdown ist ebenfalls alles andere als hoch explosiv, aber das würde auch nicht zum Rest passen. Wer sich auf die ruhige Erzählweise einlassen kann und keinen lupenreinen Thriller erwartet, kann an „Herbststurm“ Gefallen finden. Nur auf Action sollte niemand hoffen.

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Die Witwe versorgt den angeschossenen Unbekannten

Patricia Clarkson bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Herbststurm (2014)
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2014)
Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2015)

Tim Roth bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Last Hitman – 24 Stunden in der Hölle (2012)
Herbststurm (2014)
Hardcore (2015)
The Hateful Eight (2015)

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Tom hegt keine friedfertigen Absichten

Veröffentlichung: 3. September 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: October Gale
KAN 2014
Regie: Ruba Nadda
Drehbuch: Ruba Nadda
Besetzung: Patricia Clarkson, Scott Speedman, Tim Roth, Callum Keith Rennie, Dani Kind, Aidan Devine, Billy MacLellan, Eric Murdoch
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Tiberius Film

 

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The Captive – Nichts Neues bei Atom Egoyan

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The Captive

Gastrezension von Simon Kyprianou

Thriller // Ein Vater sucht seine vor Jahren verschwundene Tochter Cassandra (Alexia Fast). Trotz der hoffnungsarmen Situation spürt Matthew (Ryan Reynolds), dass sie noch am Leben sein muss. Zwei Ermittler (Rosario Dawson, Scott Speedman) mischen auch mit.

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Matthew sucht nach seiner Tochter

Atom Egoyan nervt langsam: „The Captive“ ist erneut eine Variation seines Lieblingsthemas, nämlich der Entführung (oder dem Tod) von Kindern und die Auswirkungen auf Eltern und Gesellschaft. In „Das süße Jenseits“ hat er das noch virtuos bedient. Doch Atom Egoyan kann mittlerweile anscheinend nicht mehr erzählen. Wie schon bei seinem letzten Film „Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit“ plätschert die Handlung gemächlich vor sich hin, die beachtliche Laufzeit von fast zwei Stunden geht ganz schön ins Sitzfleisch.

Dabei gibt es nichts Erfreuliches an diesem Film. Die Figuren sind leere Hüllen, die durch die Handlung geistern, ohne dass sie je ausbuchstabiert werden, ohne dass ihr Leid je untersucht wird. Es sind kaum mehr Charaktere, nur noch Erfüllungsgehilfen für das Drehbuch, das ihnen keinen Raum lässt. Die Narration ist zäh und ungelenk, verliert sich in den überkompliziert und verstockt dargebotenen Zeitebenen, da gibt es keine Virtuosität, nur Kopfschmerzen.

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Cassandra wird seit geraumer Zeit vermisst

Ryan Reynolds ist kraftlos und mit seiner Milchbubi-Attitüde auch grandios fehlbesetzt. Da gab es im Egoyans letztem Werk wenigstens noch den großartigen Colin Firth. Die quirlige Rosario Dawson sticht in „The Captive“ noch am meisten positiv hervor. Auch seine teils interessanten Kulissen, schön verschneite Landschaften, nutzt Egoyan denkbar wirkungslos. Kaum Vergnügliches zu verzeichnen also.

Am schlimmsten aber ist, dass Egoyan trotz der Dringlichkeit und der Schrecklichkeit seines Themas nichts daraus macht. Der Film berührt nicht, er entsetzt nicht, er verschreckt nicht. Egoyan kann nichts beim Zuschauer hervorrufen. Wie schon beim letzten Film: alles auf schlechtem Fernsehfilm-Niveau, viel verschenktes Potenzial und wenig Spannung. Schade, dass er sich nicht von den Filmen seiner Criterion-Liste inspirieren ließ, die er jüngst als ihn berührende Werke genannt hat.

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Die Ermittler Jeffrey und Nicole sind uneins

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Captive
KAN 2014
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Atom Egoyan, David Fraser
Besetzung: Ryan Reynolds, Scott Speedman, Rosario Dawson, Mireille Enos, Kevin Durand, Aidan Shipley, Bruce Greenwood
Zusatzmaterial: Interviews, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Die Eltern sind verzweifelt

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment

 

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