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Horror für Halloween (I): The Hitcher (2007) – Sean Bean in Rutger Hauers Fußstapfen

The Hitcher

Auch 2019 steht der Oktober – auch als Horroctober oder Horrorctober bekannt – wieder ganz im Zeichen des Horrorgenres. Als sei es bei „Die Nacht der lebenden Texte“ unterrepräsentiert, hüstel. Bis Halloween werden einige meiner Autoren und ich euch mit Rezensionen ausgesuchter Filme heimsuchen. Und weil es recht viele geworden sind, starte ich bereits im September zum heutigen Herbstbeginn. Wir hoffen, für jede Leserin und jeden Leser mit Horror-Affinität ein paar Neu- oder Wiederentdeckungen beizusteuern. In dem Zuge habe ich mich der Aufgabe verschrieben, ein paar Regisseurs-Werkschauen fortzusetzen. Eine Gurke ist diesmal auch dabei – die 2001er-Arbeit eines von mir und vielen Horrorfans sehr geschätzten Regisseurs, der ich nach meinem damaligen Kinobesuch heuer eine zweite Chance geben wollte, was leider missglückt ist. Freut euch auf große und kleine Klassiker und Geheimtipps! Vielleicht ist ja die eine oder andere Perle dabei, die ihr nicht im Blick hattet. Ein paar Gewinnspiele werde ich ebenfalls einstreuen, eines davon wird etwas üppiger ausfallen und „Horror für Halloween“ 2019 im ersten Novemberdrittel beenden.

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Lange habe ich mich gegen die Sichtung von „The Hitcher“ (2007) gewehrt. Das Remake eines Klassikers durch einen Regisseur von Musikvideos – was soll das? Zumal ich „Hitcher – Der Highway Killer“ 1986 im Kino gesehen habe und seitdem ebenso in Ehren halte wie dessen Darsteller der Titelfigur: Rutger Hauer ist einfach klasse! Aber ich mag auch Sean Bean, und angesichts der User-Wertung von 5,6 in der IMDb (Stand September 2019) lässt sich festhalten, dass die Neuverfilmung nicht von allen Filmfans abgelehnt und abgewertet wird. Geben wir dem Remake also eine Chance, als Einstieg der diesjährigen „Horror für Halloween“-Strecke eignet es sich allemal. Der Fairness halber sichte ich das Original erst im Anschluss mal wieder, eine Rezension davon folgt im Lauf der kommenden Wochen.

Das geht gerade noch mal gut

Eine Einblendung zu Beginn verrät uns, dass nach Zahlen des US-Verkehrsministeriums etwa 42.000 Menschen pro Jahr auf Highways getötet werden. Das soll wohl auf das tödliche Szenario einstimmen, was da folgen wird, aber es handelt sich ja in erster Linie um Verkehrstote und keine Mordopfer. Der nächste Highway-Tote folgt aber auf dem Fuße, auch wenn es sich nur um einen Hasen handelt – leider einen mies animierten CGI-Hasen.

Auf nach Arizona!

Die beiden Studierenden Jim Halsey (Zachary Knighton) and Grace Andrews (Sophia Bush) brechen während des Spring Break mit dem Auto von Texas nach Arizona auf. Grace will ihren Freund ihren dort lebenden Freundinnen vorstellen. Der Trip durch New Mexico lässt sich ruhig an, doch spätabends im Regen überfährt Jim beinahe einen Mann (Sean Bean), der neben einem Auto auf der Fahrbahn steht.

Bald darauf legen die beiden einen Tankstopp ein, und während Grace auf der Toilette ist, trifft auch der Mann ein – ein Truck hatte ihn mitgenommen. Der Fremde stellt sich als John Ryder vor, und Jim willigt ein, ihn zum nächsten Motel zu fahren. Ein Fehler, denn bald schon will John Ryder ihn zwingen, vier Wörter auszusprechen: Ich möchte tot sein.

Diesmal gerät ein Pärchen in John Ryders Fänge

Das Zitat kennen wir auch aus dem Original, aber immerhin wandelt das Remake die Prämisse insofern ab, als John Ryder nicht nur zu einem einsamen Fahrer einsteigt, sondern zu einem Pärchen. In der Folge entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Jim und Grace bald auch von der Polizei gejagt werden. Mal ist das eigenständig genug geraten, um Spannung zu erzeugen, mal so nah am Original, dass die einzig interessante Frage die ist, ob die Szene so endet, wie wir sie kennen.

John Ryder (l.) spielt ein tödliches Spiel

Sean Bean ist ein zu guter Schauspieler, als dass er der Titelfigur nicht seinen eigenen Stempel aufdrücken würde. Das tut er auf überzeugende Weise – John Ryder ist wirklich Furcht einflößend. Aber Bean muss damit leben, dass er sich eine Rolle ausgesucht hat, die mit Rutger Hauer bereits formidabel besetzt war. Und das Original hatte nun mal mehr als 30 Jahre Zeit, Hauers Hitcher als Ikone im kollektiven Gedächtnis der Horrorgemeinde zu etablieren, da kann Beans Neuinterpretation nicht gegen anstinken.

Cops als Schießbudenfiguren

Ein paar Mal erscheinen mir im Kontext von Polizeiarbeit einige Szenen nicht ganz schlüssig, was ich minimal spoilern muss, um es zu erläutern: Während einer wilden Highway-Hatz, bei der Polizeiautos und ein Polizei-Helikopter ein Auto verfolgen, gelingt es John Ryder, von hinten heranrasend alle Polizisten inklusive Hubschrauber mit einer Handfeuerwaffe auszuschalten. Etwas später ist er dennoch gefangen, und obwohl er sich als immens gefährlicher Psychopath entpuppt hat, wird er während eines Transports doch nur mit zu lose sitzenden Handschellen gefesselt und von nur einem Cop bewacht. All das dient natürlich dazu, weitere brenzlige Szenen heraufzubeschwören, aber das hätte man besser hinbekommen können.

Kein Kritikerliebling

Ein Blick auf Metacritic und Rotten Tomatoes offenbart, dass das Remake beim Publikum deutlich besser ankommt als bei den Kritikern. Womöglich sind viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer nicht mit dem Original vertraut oder können Modernisierungen generell mehr abgewinnen. Beim Kauf des Films ist Vorsicht geboten – es kursiert auch eine FSK-16-Fassung, die um 18,5 Sekunden zensiert wurde. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Kinofassung, denn schon auf der großen Leinwand war „The Hitcher“ entschärft. Die Schnitte betreffen einzig ein paar Gewaltspitzen und verfälschen die Handlung nicht, aber einen gewalthaltigen Film will ich natürlich ungekürzt schauen, auch wenn es sich nur um weniger als 20 Sekunden handelt.

Dave Meyers hat Videos für P!nk, Missy Elliott, Jennifer Lopez, Janet Jackson und andere Topstars gedreht. Es ist schon in Ordnung, seine Neuauflage spannend zu finden und mit Genuss zu schauen. Ich halte sie aber für entbehrlich. Als Produzent war Michael Bay an Bord, der vier Jahre zuvor mit „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ immerhin eine anständige Modernisierung eines Klassikers hinbekommen hatte, den ich mir gern mal wieder anschauen werde. Bei „The Hitcher“ reicht mir die einmalige Sichtung. Und sie hat Lust gemacht, endlich das Original mal wieder zu schauen, was ich ja ohnehin auf der Agenda habe.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Bean sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Wurde der Spieß umgedreht?

Veröffentlichung: 8. Oktober 2010 als Blu-ray 23. Juli 2007 als Doppel-DVD im Steelbook und DVD

Länge: 84 Min. (Blu-ray), 80 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18 (zensierte Fassung: FSK 16)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Hitcher
USA 2007
Regie: Dave Meyers
Drehbuch: Eric Red, Jake Wade Wall, Eric Bernt
Besetzung: Sean Bean, Sophia Bush, Zachary Knighton, Neal McDonough, Kyle Davis, Skip O’Brien, Travis Schuldt, Danny Bolero, Jeffrey Hutchinson, Yara Martinez, Lauren Cohn
Zusatzmaterial: Making-of (10:53), Featurette „A Good Day to Die“ (13:09), Featurette „Road Kill – Crashing Cars“ (10:01), entfernte Szenen, „Breaking News“ (4:36), deutscher und US-Trailer, Trailer „Hitcher – The Highway Killer“, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © Universum Film

 

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Gangsters – The Essex Boys: Der Dreifachmord von Rettendon

Essex Boys

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // This story is inspired by a single true event. It left three men dead, two serving life imprisonment and another living under an assumed identity. The rest is fiction, as are all the characters. So verrät es eine Texttafel zu Beginn des Films. Die Rede ist vom Dreifachmord von Rettendon, einer Bluttat in der englischen Grafschaft Essex: Am Nikolaustag 1995 wurden drei in einem Range Rover sitzende Männer auf einem Waldweg bei Rettendon mit Schüssen ins Gesicht hingerichtet. Bei den Opfern handelte es sich um Drogengangster, die als „Essex Boys“ bekannt waren.

Jason Locke: Racheakt nach der Knastentlassung

Die filmische Umsetzung des Geschehens beginnt damit, dass sich der junge Billy Reynolds (Charlie Creed-Miles) anheuern lässt, den frisch aus dem Knast entlassenen Jason Locke (Sean Bean) herumzukutschieren. Locke ist ein unkontrollierbarer Gewalttäter, der missliebigen Gestalten Säure ins Gesicht schüttet und auch seine Frau Lisa (Alex Kingston) schlägt. Billys Auftraggeber John Dyke (Tom Wilkinson) und andere von Lockes alten Kumpanen sind während dessen Gefängnisaufenthalts reich geworden. Das weckt Lockes Gier. Als sein Fahrer gerät Billy immer tiefer in die kriminellen Machenschaften von Essex.

Sean Bean überzeugt

Billys Stimme aus dem Off kommentiert die Handlung des knallharten englischen Gangsterdramas, in dem vor allem Sean Bean überzeugt. Dem von ihm verkörperten Ex-Knacki möchte man nicht über den Weg laufen. Auch Charlie Creed-Miles spielt glaubwürdig den schüchternen jungen Möchtegern-Ganoven, dem das Format fehlt, den anderen Gangstern auf Augenhöhe zu begegnen. Einzig Tom Wilkinson fällt unerklärlicherweise etwas ab.

Der Ex-Knacki ist jähzornig und unkontrollierbar

Bei all dem vermeintlichen Glamour und Geld, das abfällt, wird doch auch deutlich, dass das Dasein als Krimineller von Trostlosigkeit geprägt ist. Sonderlich originell wirkt all das nicht, derartige Gangsterdramen hat das englische Kino nicht erst seit Guy Ritchie („Bube Dame König grAS“) zu bieten. „Essex Boys“ kommt allerdings deutlich ironiefreier daher als Ritchies Regiearbeiten. Für ein Highlight am Gangsterhimmel reicht die etwas stereotype Story nicht aus, für fesselnde und actionreiche Krimi-Unterhaltung aber allemal.

Wahre Begebenheit schon mehrfach verfilmt

Obwohl der Dreifachmord von Rettendon vor vergleichsweise kurzer Zeit geschah, existieren bereits einige Filme, in denen er Thema ist, ob zentral oder am Rande: so etwa in „Rise of the Footsoldier“ (2007) und „Bonded by Blood“ (2010), wobei letztgenannter Film in Deutschland unter dem irreführenden Titel „Footsoldier 2 – Bonded by Blood“ als Sequel des erstgenannten in den Handel gelangte. Zuletzt arbeitete 2013 „The Fall of the Essex Boys“ das Geschehen auf. Dessen Regisseur Paul Tanter inszenierte im selben Jahr auch die Fortsetzung von „Essex Boys“: „Essex Boys – Vergeltung“ („Essex Boys – Retribution“).

Auch seine Frau Lisa behandelt er wenig respektvoll

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Bean sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Billy gerät zwischen die Fronten

Veröffentlichung: 15. November 2010 als DVD unter dem Titel „The Hooligan Gangsters – Essex Boys“, 5. November 2009 als DVD unter dem Titel „Gangsters – The Essex Boys“

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Essex Boys
GB 2000
Regie: Terry Winsor
Drehbuch: Jeff Pope, Terry Winsor
Besetzung: Charlie Creed-Miles, Sean Bean, Gareth Milne, Alex Kingston, Tom Wilkinson, Amelia Lowdell, Larry Lamb, Michael McKell, Holly Davidson, Terence Rigby, Billy Murray
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © KSM GmbH

 

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Drone – Tödliche Mission: Joystick-Einsätze und Kollateralschäden

Drone

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // In der pakistanischen Stadt geht am Morgen des 21. März 2016 alles seinen gewohnten Gang – bis um Punkt 7:33 Uhr mitten im Ort eine Bombe einschlägt und den Tod bringt.

Neil (l.) und sein Kollege Gary haben den Finger stets am Abzug

Auf den Tag genau ein Jahr später erwacht Familie Wistin morgens aus dem Schlaf. Ellen (Mary McCormack) und ihr Sohn Shane (Maxwell Haynes) ahnen nicht, womit Ehemann und Vater Neil Wistin (Sean Bean) seine Brötchen verdient, weil es höchster Geheimhaltung unterliegt: Er und sein Kollege Gary (Joel David Moore) sitzen am Joystick und lenken Drohnen – unbemannte, mit Luft-Boden-Raketen bestückte Flugkörper, die im Nahen und Mittleren Osten ihre tödliche Last aussenden, wenn Neil oder Gary am anderen Ende der Welt im Auftrag der CIA auf den Knopf drücken. Fehler kommen vor, Kollateralschaden ebenfalls.

Der Gast aus Pakistan

Gefühle muss Neil bei dieser Tätigkeit unterdrücken. Das tut er offenbar zu erfolgreich – von seiner Familie hat er sich zusehends entfremdet. Er ahnt auch nicht, dass Ellen eine Affäre hat. Dann steht Imir Shaw (Patrick Sabongui) aus Pakistan in seinem Vorgarten, der vorgibt, die Segelyacht kaufen zu wollen, die Neils kürzlich verstorbenem Vater gehört hat.

Besucher Imir Shaw (l.) ist sicher nicht an einer Segelyacht interessiert

Andrew Niccols „Good Kill – Tod aus der Luft“ (2014) mit Ethan Hawke und „Eye in the Sky“ (2015) mit Helen Mirren und Alan Rickman thematisierten vor kurzer Zeit bereits die Drohnen-Einsätze der USA. „Drone – Tödliche Mission“ laviert eine Weile unentschlossen um seine Intentionen herum. Zum einen geht es natürlich um Kritik an dieser so zynischen wie tödlichen Auswüchse moderner Kriegführung, auch um Schuld und Verantwortung der Männer am Joystick, zum anderen um eine Familie am Abgrund ihrer gegenseitigen Unehrlichkeit. Im Verlauf baut sich Thriller-Spannung in Kammerspiel-Atmosphäre auf – von Anfang an wird deutlich, dass Imir Shaw kein harmloser Segelboot-Interessent ist.

Überzeugendes Psychoduell

Sean Bean und Patrick Sabongui („Godzilla“) liefern sich ein überzeugendes Psychoduell, wobei Sabongui seinem namhaften Kollegen in nichts nachsteht. Was „Drone – Tödliche Mission“ im Mittelteil an Zug fehlt, will das Drama zum Finale hin ausgleichen, das gerät allerdings etwas konventionell und vorhersehbar. Deshalb und aufgrund seiner phasenweise zu bemerkenden Unentschlossenheit fehlt etwas zum großen Wurf. Spannend und zum Nachdenken anregend ist das aber allemal.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Bean sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 16. November 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Drone
KAN 2017
Regie: Jason Bourque
Drehbuch: Paul A. Birkett, Jason Bourque
Besetzung: Sean Bean, Patrick Sabongui, Mary McCormack, Maxwell Haynes, Joel David Moore, Viv Leacock, Sharon Taylor, Bradley Stryker, Kirby Morror, Kevin O’Grady, Tommy Europe
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Concorde Home Entertainment

 

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