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Horror für Halloween (XVII): Ted Bundy – Das Wüten des Serienkillers

Ted Bundy

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Ted Bundy (1946–1989) zählt zu den berüchtigsten Serienmördern in der Geschichte der USA. Seine Opfer vergewaltigte er, nachdem er sie in seine Gewalt gebracht hatte, anschließend erwürgte oder erschlug er sie, um sie anschließend zu zerstückeln. Einige der meist jungen Frauen biss er auch – ein paar Morde konnten ihm aufgrund zahnärztlicher Gutachten nach Prüfung der Bissspuren nachgewiesen werden. Nach seiner Verhaftung gelang ihm zweimal die Flucht. 1978 erstmals zum Tode verurteilt, gelang es ihm und seinen Anwälten, die Vollstreckung jahrelang hinauszuzögern. In dieser Zeit heiratete er und wurde sogar Vater, bevor er am 24. Januar 1989 im Florida State Prison auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Offiziell hatte er 30 Morde gestanden, die tatsächliche Zahl seiner Opfer ist unbekannt und wird auf 60 bis mehr als 100 geschätzt.

Von 1986 bis 2019 mehrfach verfilmt

Die erste Spielfilm-Umsetzung von Ted Bundys Wüten datiert von 1986: In „Alptraum des Grauens – Nachts wird er zur Bestie“ („The Deliberate Stranger“) von Marvin J. Chomsky spielte Mark Harmon den Serienkiller. In der jüngsten Verfilmung „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ (2019) von Joe Berlinger ist Zac Efron als Ted Bundy zu sehen. Ähnlich wie Berlingers Umsetzung hält sich „Ted Bundy“ (2002) vergleichsweise eng an die bekannten Fakten.

Von Beginn an wird deutlich, dass Ted Bundy (Michael Reilly Burke) ein sonderbarer Zeitgenosse ist, als er nach dem Aufstehen vor dem Spiegel posiert und freundliche Grüße trainiert – gepaart allerdings mit ein paar Grimassen. Der Jurastudent fährt einen gelben VW Käfer, arbeitet in der Telefonseelsorge und erfreut sich am Anblick seiner attraktiven Kommilitoninnen. Gern beobachtet er des Abends auch Frauen durch ihre Fenster, holt sich dabei einen runter. Mit seiner Freundin Lee (Boti Bliss) hat er zwar Sex, doch er bevorzugt es etwas rauer, was mit ihr nicht zu machen ist. Bald reichen ihm Voyeurismus und Blümchensex nicht mehr aus …

Der Trick mit dem Gipsarm

Matthew Bright („Freeway“) inszeniert das Wüten Ted Bundys in nüchternen Bildern, zeigt uns den Serienmörder als spießig wirkenden Zeitgenossen, den manche Mutter einer Tochter im Twen-Alter womöglich gern als Schwiegersohn hätte. Weil er aussieht, als könne er kein Wässerchen trüben, gelingt es Ted mit Gipsarm ausgestattet, Frauen um Hilfe zu bitten und in sein Auto zu locken. Was er dann mit ihnen anstellt, bekommen wir zwar nicht exploitativ, aber doch deutlich zu sehen. Bald häufen sich die Nachrichten vermisster und tot aufgefundener Frauen in diversen US-Staaten.

Sein Verhältnis zu Lee ist aufgrund seiner sexuellen Vorlieben zwiespältig, fast scheint sie ihm hörig zu sein. Besonders gruselig fand ich eine Szene, in der sie ihm dann doch endlich mal gefügig ist. Ein paar Szenen lösten aufgrund arg leichtsinnigen bis dummen Verhaltens einiger Frauen Stirnrunzeln aus, aber die Intelligenz der Menschen ist eben auch nach unten offen. Der Soundtrack wechselt häufig die Stimmung, mal gibt es dramatischen Score zu hören, mal verspielt-alberne Klänge bis hin zu Gedudel, gut zur Inszenierung passend. Angesichts der gezeigten Gnadenlosigkeit des Serienkillers läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Die Realität erweist sich einmal mehr als grausamer als jede Fantasie, das bildet „Ted Bundy“ sehr gut ab. Dazu passen auch die intensiven Bilder der Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl inklusive der dafür notwendigen Vorbereitung des Delinquenten (Stichwort Windel etc.) – keine angenehmen Szenen, aber wirkungsvoll.

Make-up-Effekte von Tom Savini

Als erster den inhaftierten Ted Bundy verhörenden Detective in Salt Lake City ist Make-up-Effekte-Papst Tom Savini („Zombie“) zu sehen, der auch für die blutigen Effekte des Films zuständig war. Dennoch sollten Splatterfans kein überbordendes Gemetzel erwarten, der Horrothriller ist näher am Drama dran als an der Exploitation – das ist als Positivum zu werten. Michael Reilly Burke trägt den Film in der Titelrolle schauspielerisch fast allein, da der Fokus jeder Szene auf ihm liegt. Das erledigt er ganz hervorragend. Bei den Dreharbeiten hatte Burke bereits knapp zehn Jahre Schauspielerfahrung im Fernsehen auf dem Konto. Zu großer Starpower hat es nie gereicht, aber er ist bis heute aktiv und mit Gastauftritten in vielen TV-Serien gut beschäftigt. Horrorfans haben ihn vielleicht 2009 in „The Collector“ und 2018 in „Slender Man“ wahrgenommen.

Beim animierten Menü der bislang meines Wissens einzigen deutschen DVD-Veröffentlichung hat der Layouter voll danebengegriffen. Ein Ted Bundy im Unterhemd begrüßt uns vor waberndem blauen Hintergrund (ein Ausschnitt der ersten Szene des Films) – fürchterlich. Immerhin liegt der Film ungeschnitten und in solider Qualität vor, kommt aber ohne deutsche oder englische Untertitel daher. In Deutschland war „Ted Bundy“ zuvor lediglich beim Fantasy Filmfest im Kino zu sehen gewesen. Es ist aber ohnehin kein Film, der die große Leinwand braucht, seine Frösteln erzeugende Wirkung entfaltet er auch im Heimkino. Im Zeitalter der Blu-ray darf es beizeiten ruhig eine Neuauflage sein, zumal die DVD nicht mehr lieferbar ist. Wer harten Horrorthrillern mit realistischem Bezug jenseits der Exploitation etwas abgewinnen kann, dürfte an „Ted Bundy“ Gefallen finden.

Ich kann’s einfach nicht glauben. Ich war jahrelang mit ihm zusammen, aber ich hab nie gewusst, was er wirklich für ein Mensch war … Wer war das eigentlich? Wer war Ted Bundy? So Teds Freundin Lee gegen Ende – ebenso wie die Namen seiner Opfer wurde auch ihr Name für den Film geändert. Die Szenen mit Lee gestalten „Ted Bundy“ noch eindrucksvoller als der Horrorthriller ohnehin ist.

Veröffentlichung: 18. März 2004 als DVD

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Ted Bundy
GB/USA 2002
Regie: Matthew Bright
Drehbuch: Stephen Johnston, Matthew Bright
Besetzung: Michael Reilly Burke, Boti Bliss, Julianna McCarthy, Jennifer Tisdale, Michael Santos, Annalee Autumn, Steffani Brass, Samantha Tabak, Meadow Sisto, Eric DaRe, Melissa Schmidt, Deborah Offner
Zusatzmaterial: Biografie von Ted Bundy, Originaltrailer, Bildergalerie, Trailershow
Label/Vertrieb: E-M-S

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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The Limehouse Golem – Das Monster von London: Am Nasenring durch Englands Hauptstadt

The Limehouse Golem

Kinostart: 31. August 2017

Von Matthias Holm

Thriller // Leere Gassen, bedrohlicher Nebel, man hört nur vereinzelt Schritte auf dem Kopfsteinpflaster. „The Limehouse Golem“ entführt seine Zuschauer ins viktorianische London und möchte dabei alle Zuschauer abholen, die sich von dem ewig ähnlichen Jump-Scare-Horror gelangweilt fühlen und sich gediegene Unterhaltung à la „Die Mumie” mit Boris Karloff zurück wünschen.

Kildare muss eine harte Nuss knacken und hofft …

Der Inspektor John Kildare (Bill Nighy) wird mit der undankbaren Aufgabe betreut, die bizarren Morde eines Serientäters aufzuklären. Im Londoner Bezirk Limehouse sind 1880 mehrere Menschen auf brutalste Art und Weise getötet worden. Die Bewohner sind ob dieser Taten in solche Ehrfurcht geraten, dass sie sie einem mystischen Wesen zuschreiben – dem Golem. Die Ermittlungen führen Kildare schnell zu vier Verdächtigen. Einer davon ist der Journalist und Autor John Cree (Sam Reid), der jedoch erst kürzlich vergiftet aufgefunden wurde. Unter Verdacht steht seine Frau Lizzie (Olivia Cooke), die früher mit einem weiteren Verdächtigen zusammen gearbeitet hat – dem Kabarettisten Dan Leno (Douglas Booth).

… auf die Unterstützung von Lizzie

Regisseur Juan Carlos Medina versteht es gut, seinem Publikum wenig Ruhe zum Nachdenken zu geben. Findige Zuschauer können die Auflösung bereits früh erahnen, alle anderen sind wahrscheinlich zu sehr damit beschäftigt, dem eigentlichen Treiben zu folgen. Drei Handlungsstränge – der Mordfall, die Gerichtsverhandlung um den Giftmord und die Eskapaden im Theater – werden gekonnt ineinander verwoben, sodass nur selten Langeweile aufkommt. Der Film hat ein hohes Erzähltempo, manchmal fühlt es sich an, als werde man an einem Nasenring durch die düsteren Gassen Londons gezogen.

Bill Nighy als Ermittler

Dass einem das nicht zu viel wird liegt, am superben Cast. Bill Nighy erdet als Kildare das Geschehen, sein Ermittler lässt nie die Möglichkeit zu, die Morde mit einem übernatürlichen Wesen zu erklären. Douglas Booth darf als überkandidelter Dan Leno dem Affen ordentlich Zucker geben und Olivia Cooke verleiht ihrer Lizzie trotz der tragischen Vergangenheit eine gewisse Zärtlichkeit. Leider bleibt aber bei dem vielen Hin und Her der Geschichte nur wenig Zeit für wirklich nuancierte Darstellungen.

Dan Leno führt Lizzie in die Welt des Theaters ein

Der Film steht und fällt damit, wie weit man sich auf das Gezeigte einlassen kann. Viktorianisches London, Varieté-Theater, Gerichtsverhandlungen – das kann sehr viel auf einmal sein. Wer damit nichts anfangen kann, wird an dem Film trotz diverser Qualitäten keinen Spaß haben. Wer sich allerdings mal wieder gediegen gruseln und einen Ausstattungsthriller im Stil von „From Hell“ sehen will, der macht mit dem Lösen des Kinotickets wenig falsch.

Was hat John Cree mit dem Golem zu tun?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bill Nighy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 109 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Limehouse Golem
GB 2016
Regie: Juan Carlos Medina
Drehbuch: Jane Goldman, nach dem Roman von Peter Ackroyd
Besetzung: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Sam Reid, Eddie Marsan, Maria Valverde, Daniel Mays, Adam Brown
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

 

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Gewinnspiel: 3 x Skin Collector auf Blu-ray

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Verlosung

Publisher Tiberius Film hat mir vom Serienkiller-Horrorthriller „Skin Collector“ mit John Jarratt („Wolf Creek“) drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner!

So wird gewonnen

Was ist zu tun, um in den Lostopf zu gelangen? Ganz einfach: Begebt euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (genau: dort unter der Rezension, nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 20. November 2016, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Könnt Ihr sie mangels Genre-Überblicks nicht beantworten, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht greinen, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle Volljährigen, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Ich benötige obendrein die Zusage, dass die Sendung nicht von Minderjährigen entgegengenommen werden kann.

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben:

– Andreas Wesp,
– Ingo Maaßen,
– Jan.

Herzlichen Glückwunsch! Ich maile euch an.

Meine Rezension von „Skin Collector“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

 

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