RSS

Schlagwort-Archive: Seth MacFarlane

Logan Lucky – Steven Soderbergh ist zurück

Logan Lucky

Von Simon Kyprianou

Thriller // 2013 hielt Steven Soderbergh auf dem San Francisco Film Festival eine vielbeachtete Rede über den aktuellen Zustand des Kinos und beschließt in als Filmemacher „in Rente“ zu gehen, sein letzter Film sollte der fürs Fernsehen inszenierte „Liberace – zu viel des Guten ist wundervoll“ werden. Vier Jahre später kehrt er mit „Logan Lucky“ doch wieder ins Kino zurück, sein nächster Film – der auf einem iPhone gedrehte „Unsane“ – ist auch schon fertig und wird auf der Berlinale Premiere feiern. Während seiner kurzen, selbst verordneten „Rente“ hat er zwei Staffeln seiner HBO-Serie „The Knick“ gedreht, von Ruhestand konnte also sowieso keine Rede sein.

Die Familie Logan zieht den Überfall gemeinsam durch

„Logan Lucky“ eignet sich gut für Soderberghs Kino-Rückkehr, für den Regisseur der „Oceans“-Reihe ist das Genre des Heist-Films bekanntes Terrain und man merkt dem Film Soderberghs Lust am Inszenieren an. Und sowieso ist das Genre des Heist-Movies ein sehr filmisches Genre, weil es so sehr um Beobachtung geht: die Beobachtung des Ortes, die Beobachtung der entscheidenden Mechanismen, die Beobachtung des Geldflusses – der Raubzug selbst ist dann wie eine Kettenreaktion, auch wunderschön zu beobachten. Und so unterschiedlich die Filme von Steven Soderbergh auch oft sind, sie verbindet, dass der Regisseur vornehmlich an Strukturen, Texturen, Kompositionen und Rhythmus interessiert ist und weniger an Dialogen oder Erklärungen. Folglich macht Soderbergh Kamera und Schnitt unter verschiedenen Pseudonymen auch selbst und auch das vermeintlich von der unbekannten Rebecca Blunt verfasste Drehbuch stammt angeblich von Soderbergh persönlich.

Überfall auf ein NASCAR-Büro

Natürlich erinnert „Logan Lucky“ inhaltlich und strukturell an die „Oceans“-Reihe, es ist eher der Kontext, den Soderbergh austauscht: Aus Las Vegas wird der heruntergekommene Süden, aus den Gentleman-Gangstern mit Charme und Geld werden die etwas dumpfbackigen, von Pech verfolgten Logan-Brüder. Jimmy (Channing Tatum) hatte eine große Karriere als Football-Star vor sich, aber eine Knieverletzung lässt den Traum platzen, jetzt ist der geschiedene Vater arbeitslos und pleite. Immerhin ist seine kleine Tochter obenauf, die eifrig an Schönheits- und Talentwettberwerben teilnimmt. Jimmys Bruder Clyde (Adam Driver) hat im Irakkrieg einen Arm verloren und jobbt als Barmann in einer kleinen Kneipe. Die Schwester Mellie (Riley Keough) arbeitet als Friseurin. Der verzweifelte Jimmy plant einen Überfall auf den Tresor einer NASCAR-Rennstrecke, er hat einen vermeintlich perfekten Plan. Aber dafür müssen sie zuerst den Sprengstoffprofi Joe Bang (Daniel Craig) aus dem Gefängnis holen.

Dafür brauchen sie die Hilfe von Joe Bang

Es ist ein schöner Film geworden, inszenatorisch sicher, Soderbergh erzählt ökonomisch und schnell. Nicht ganz so schön wie „Ocean 11“ oder „Ocean 12“, dafür ist er zu inkonsistent im Tonfall, verlässt sich dann doch nicht immer genug auf seine Bilder und ist immer im Zwiespalt zwischen dem strengen durchstrukturierten Aufbau, den kalten, distanzierten Beobachtungen und der Lockerheit, die von den Figuren kommt – als könne sich Soderbergh nicht entscheiden. Dafür dringt Soderbergh zu seinen Figuren durch und dreht mit „Logan Lucky“ zweifellos den witzigsten Film seiner Karriere, mit wunderbaren Schauspielleistungen, insbesondere von Adam Driver und Daniel Craig.

Filme über Trump-Wähler?

Oft wurde in Rezensionen zu „Logan Lucky“ angemerkt, Soderberghs Figurenpersonal stamme eben aus der gesellschaftlichen Schicht, aus der auch die Mehrheit der Trump-Wähler kommt, aus der weißen Unterschicht, die enttäuscht vom eigenen Land und den Lebensbedingungen ist. Es ist sicher begrüßenswert, dass sich Soderberghs Film diesen Menschen zuwendet, und das sehr emphatisch, ohne sie in ihrer Einfachheit bloßzustellen, aber es ist glücklicherweise auch nicht so, als würde Soderbergh einen aufdringlichen politischen Überbau konstruieren.

Der sitzt leider im Gefängnis

„Logan Lucky“ ist ein amüsanter Film, der sich aber leider zu jedem Zeitpunkt der Handlung so anfühlt, als bleibe er unter Sonderbergs Möglichkeiten, als verstünde der Regisseur ihn nur als Fingerübung. So oder so – jede von Soderberghs Regiearbeiten ist interessant, seine Rückkehr zum Kino erfreulich.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Soderbergh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Hilary Swank in der Rubrik Schauspielerinnen, Filme mit Daniel Craig, Adam Driver und Channing Tatum unter Schauspieler.

Aber die Logan Brüder haben schon einen Plan

Veröffentlichung: 25. Januar 2018 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray, 4K-UHD-Blu-ray und DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Logan Lucky
USA 2017
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Rebecca Blunt
Besetzung: Channing Tatum, Adam Driver, Riley Keough, Daniel Craig, Katie Holmes, Katherine Waterston, Seth MacFarlane, Hilary Swank
Zusatzmaterial: Deleted Scenes, Making-of, Interviews
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2018 Studiocanal Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

A Million Ways to Die in the West – McFarlane im Mainstream

A_Million_Ways-Cover

A Million Ways to Die in the West

Von Simon Kyprianou

Westernkomödie // Seth MacFarlanes Werke wie „Ted“, „Family Guy“ und „American Dad“ konnten durchweg durch radikale, rohe Anarchie glänzen. In der Hinsicht ist „A Million Ways to Die in the West“ schon eine herbe Enttäuschung: eine seelenlose und mutlose Komödie, die nur als Star-Vehikel taugt und deren Humor einem höchstens ein müdes Grinsen entlockt.

A_Million_Ways-08

Albert – ein überforderter Schaffarmer

Cowboy Albert (Seth MacFarlane) fällt auf, dass der Wilde Westen ein hartes Pflaster voller Gefahren ist. Daher führt er ein eher ruhiges Leben – manche behaupten auch das eines Feiglings. Seine Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlässt ihn daraufhin und bändelt mit dem erfolgreichen Draufgänger Foy (Neil Patrick Harris, „How I Met Your Mother“) an. Albert findet Trost in den Armen der heißen, rauen Anna (Charlize Theron), nur ist die blöderweise – wenn auch gegen ihren Willen – die Freundin des Gangsterbosses Clinch (Liam Neeson), der nun mit seiner Bande Albert an den Kragen will.

Bei dieser vielversprechenden Prämisse, dem klassischen Western-Setting, hätte man von MacFarlane eine subversive Americana-Satire erwarten können. Stattdessen liefert er eine blöde, vollends auf den Mainstream zugeschnittene Konsens-Komödie ab, deren Humor sich beinahe ausschließlich aus sexistischem Pipi-Kaka-Unsinn ergibt, der eigentlich völlig zahm und langweilig ist. Von MacFarlanes üblicher bitterböser Kreativität gibts hier leider keine Spur zu finden.

A_Million_Ways-06

Mit Clinch ist nicht zu spaßen

Die Stars bleiben allesamt schwer unterfordert, wirken teilweise gar gelangweilt, und MacFarlanes Regie ist im Vergleich zu „Ted“ geradezu stümperhaft schlecht. Er schleust den Film gezwungen von Pointe zu Pointe, kann nie einen schönen Filmfluss erzeugen, alles wirkt seltsam abgehackt und eher notdürftig zusammengeflickt.

„A Million Ways to Die in the West“ ist leider misslungen und passt eher zu den üblichen mutlosen Hollywood-Mainstram-Komödien, als zu MacFarlane. Hoffentlich läuft’s bei dem für den kommenden Sommer angekündigten „Ted 2“ besser.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Neil Patrick Harris, Liam Neeson, Ryan Reynolds und/oder Patrick Stewart in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 9. Oktober 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch, Indonesisch
Originaltitel: A Million Ways to Die in the West
USA 2014
Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
Besetzung: Seth MacFarlane, Charlize Theron, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Giovanni Ribisi, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman, Christopher Hagen, Wes Studi, Christopher Lloyd, Ryan Reynolds, Patrick Stewart
Zusatzmaterial: Alternativer Anfang, alternatives Ende, unveröffentlichte/erweiterte/alternative Szenen, Gag Reel, Spiel mir das Lied vom anderen Westen, Für eine Handvoll Dreck … in deinem Mund, Eine Menge glorreicher Halunken, Audiokommentare
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2014 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Universal Pictures Germany GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,