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Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich: Humor-Nachhilfe für Präsidentschaftskandidatin

Long Shot

Kinostart: 20. Juni 2019

Von Philipp Ludwig

Komödie // Ein ehemaliger Fernsehstar sitzt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Weißen Haus. Er scheint jedoch für diesen anspruchsvollen Job nicht nur komplett ungeeignet zu sein, darüber hinaus zeigt er auch kein sonderlich großes Interesse an den hiermit verbundenen Aufgaben. Zu seinem Glück werden die Geschicke aber eh von fadenscheinigen Strippenziehern im Hintergrund gelenkt. Regisseur Jonathan Levine zieht in seinem neuesten Komödien-Spektakel „Long Shot“ eindeutig Parallelen zur aktuellen politischen Lage. Doch ausnahmsweise geht es hier einmal nicht um das omnipräsente, twitternde Trumpeltier. Levines fiktionaler Präsident Chambers (Bob Odenkirk – Saul Goodman aus „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“) ist dann auch kein ehemaliger Reality-TV-Star, sondern ein gefeierter Fernsehschauspieler. Dessen größter Erfolg passenderweise die Rolle als US-Präsident in einer populären aber nur wenig anspruchsvollen Politthriller-Serie darstellte.

Präsident Chambers (l.) bittet seine Außenministerin Charlotte Field zum Gespräch

Chambers hat jedoch schon längst wieder genug vom lästigen Präsidentendasein und wähnt sich nun endlich bereit für den nächsten großen Schritt in seiner Laufbahn – den Sprung vom Fernsehen ins Filmbusiness! Das ist nämlich gar nicht so einfach, da sind sich in „Long Shot“ sämtliche Protagonisten einig. Seine Pläne teilt der scheidende Präsidentendarsteller seiner Außenministerin Charlotte Field (Charlize Theron, „Mad Max – Fury Road“) im Oval Office persönlich mit. Ist diese zwar zunächst ein wenig baff, so überkommt sie schnell die große Freude – denn Chambers will sie vor dem anstehenden Wahlkampf öffentlich als seine Nachfolgerin vorschlagen. Die ehrgeizige Charlotte wähnt sich am Ziel ihrer Träume. Einziges Problem: Die Umfragewerte bescheinigen der populären Politikerin und scheinbaren Mrs. Perfect nur in einem Punkt keine Traumwerte – ihrer menschlichen Nahbarkeit. Vor allem in Sachen Humor hat sie anscheinend noch Nachholbedarf und die Außenwirkung ist schließlich alles, was im Wahlkampf zählt, oder etwa nicht? Wen interessieren schon Inhalte?

Flarsky (2. v. r.) soll Charlotte (r.) als Redenschreiber lockerer machen – ihre Berater sind skeptisch

Zum Glück läuft Charlotte zufällig auf einem der zahlreichen Empfänge, an denen sie als Ministerin teilnehmen muss, Fred Flarsky (Seth Rogen) über den Weg, den sie aus längst vergangen zu scheinenden Zeiten kennt. Obwohl dieser nur wenig jünger ist als sie, hatte sie ihn zur Schulzeit als Babysitterin betreut. Mit ihrer Feststellung, dass er sich kaum verändert habe, lässt sich Flarsky dann auch ziemlich gut beschreiben – wirkt der jugendlich anmutende Enddreißiger doch zumindest vom äußeren Erscheinungsbild in seinem Schlabberlook und seiner wenig zurückhaltenden Art wie das komplette Gegenteil der seriösen und zugeknöpften Charlotte. Doch Flarsky hat auf seine Weise Karriere gemacht – als krawallartiger, unerschrockener Investigativjournalist. Der, ausgestattet mit einem gesunden Zynismus und einer feinen Prise schwarzen Humor, über die Ungerechtigkeiten der Welt schreibt und hierdurch einigen Ruhm einheimsen konnte. Dass er dabei auch bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, zeigt „Long Shot“ in einer eindrucksvollen und höchst amüsanten Einstiegssequenz – mit Flarsky in verdeckter journalistischer Mission bei einem Haufen dumpfer White-Power-Knalltüten. In Charlottes Augen scheint er daher jedenfalls der perfekte Kandidat für den vakanten Posten ihres neuen Redenschreibers zu sein, um ihren bisherigen Stil etwas aufzulockern. Auch wenn ihr Berater-Team (June Diane Raphael und Riv Patel) da gänzlich anderer Meinung ist.

Die Zeit ist reif für einen „First Mister“

Und dann ist da noch die alte Geschichte, dass Flarsky damals natürlich unsterblich in seine hübsche Babysitterin verknallt war. Kann das gut gehen? Zeit hat Flarsky gerade jedenfalls genug, nachdem er aus Protest seinen Job gekündigt hat, da sein Hausblatt vom erzkonservativen britischen Medien-Mogul Parker Wembley (fantastisch wie immer: Andy „Gollum“ Serkis) aufgekauft wurde. Der beeinflusst mit seinem Hetz-Sender „Wembley News“ nicht nur die politische Stimmung des Landes, sondern scheint nicht gerade selten auch direkt hinter den Entscheidungen des Präsidenten Chambers zu stecken. Ähnlichkeiten zu Rupert Murdoch und Trumps Haussender „Fox News“ sind hier wohl ebenfalls nur rein zufälliger Natur. Zwinkersmiley.

Flarsky will Charlotte aus ihrem strengen Arbeitsalltag als Ministerin befreien

Während Charlotte und Flarsky in den Vorbereitungen auf die Ankündigung ihrer Kandidatur und aufgrund ihrer fordernden Arbeit als Außenministerin durch die Welt touren und eine Menge Zeit miteinander verbringen, kommen sie sich tatsächlich auch persönlich wieder näher, als manchen lieb ist. Denn Flarsky bietet der gestressten Charlotte viel mehr als nur seine sprachliche Kreativität: Er erinnert sie an ihr jugendliches Selbst und den verloren gegangen Spaß im Leben – mit ungeahnten Folgen. Doch ist ausgerechnet der nerdige und zynische Polit-Misanthrop Flarsky der geeignete Kandidat für den möglicherweise ersten „First Mister“ in der Geschichte der USA? Oder ist aus PR-Gründen nicht der schnieke kanadische Premierminister James Steward (Alexander Skarsgård, „Legend of Tarzan“) viel besser als Partner für Charlotte geeignet? Und was hält eigentlich Präsident Chambers davon, dass Charlotte, auch dank Flarskys Einfluss, plötzlich beginnt, dessen politische Arbeit beziehungsweise die seiner Gönner öffentlich anzugreifen und eine eigene Richtung einzuschlagen?

Große Comedy-Erfahrungen

Regisseur Jonathan Levine („Warm Bodies“) hat im Komödien-Bereich einige Erfahrungen gesammelt. Durchaus erfolgreich hat er sich hier zuletzt in 2017 nicht nur mit „Snatched“ bereits einen Namen gemacht und auch mit Hauptdarsteller Seth Rogen schon früher zusammengearbeitet („The Night Before“). Man kennt sich also. Für das Drehbuch zu „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ zeichnet ein interessantes Duo verantwortlich: Mit Dan Sterling hat man sich hier einen Schreiber ins Boot geholt, der sich als Autor im Fernsehen bereits seine Gag-Sporen verdient hat (u. a. bei „South Park“, „The Office“ und „The Daily Show with Jon Stewart“). Sterling hatte durch sein Drehbuch zum Polit-Klamauk „The Interview“ (2014) filmisch ebenfalls schon mit Komödien-Veteran Rogen zu tun, wodurch damals beinahe eine internationale Krise mit Nordkorea ausgelöst wurde. Als Ko-Autorin von Sterling fungiert die 1985 geborene Liz Hannah, die in erster Linie durch ihre Mitwirkung am Skript des renommierten Spielberg-Films „The Post“ (2017) mit Meryl Streep und Tom Hanks und weniger für anderes Mitwirken im komödiantischen Bereich bekannt sein dürfte.

Die Schöne und das Biest: Könnte Fred Flarsky tatsächlich der erste „First Mister“ der USA werden?

Diese Kombination aus dem zynischen, politisch-satirisch erfahrenen Levine und der „seriöseren“ Hannah ähnelt in gewisser Weise nicht nur dem von Rogen und Theron in „Long Shot“ verkörperten Leinwand-Duo Flarsky und Charlotte, es dürfte durch diese Mischung auch ein entscheidender Grund für das überaus gelungene Drehbuch zu der sehenswerten Polit-Persiflage sein. Die verliert sich daher glücklicherweise nicht allzu sehr im platten Klamauk, sondern bietet erstaunlich viel Tiefgang und inhaltliche Abwechslung. Ob als satirische Betrachtung der aktuellen politischen Lage oder des undurchschaubaren und oberflächlichen Politik-Zirkus allgemein, als ernstzunehmende Romanze, als Teenie-Komödie mit längst erwachsenen Protagonisten oder Persiflage auf unsere Social-Media-hörigen Zeiten, in denen die Außenwirkung das Einzige zu sein scheint, das zählt – „Long Shot“ wird dank seines Drehbuchs, Levines Inszenierung und Gags mitunter im Minutentakt in seinen 125 Minuten Laufzeit niemals langweilig. Die Anspielungen auf berühmte Persönlichkeiten sitzen ebenso wie die meisten der zahlreichen Verweise auf unsere zeitgenössische Popkultur und die humorvoll-kritischen Seitenhiebe auf die Medienlandschaft. „Game of Thrones“-Fans, aufgepasst: Wer wie ich zum Zeitpunkt der Pressevorführung noch nicht mit dem Schauen der siebten Staffel durch war, dem droht erhöhte Spoiler-Gefahr.

Politische Satire in Zeiten Donald Trumps

Am meisten überzeugt die treffende Darstellung des Polit-Zirkus, die perfekt in die abstruse gegenwärtige politische Weltlage passt. Wenn man bedenkt, dass sich auf den britischen Inseln nun auch noch der ehemalige Hofnarr Boris Johnson aufmacht, die Riege an herrschenden Polit-Clowns um eine weitere, besonders skurrile Figur zu erweitern, fragt man sich schon, ob nicht die Realität die Satire darstellt und weniger ein Film wie „Long Shot“. Es zeigt aber auch die Herausforderungen politischer Komödien und Satire in Zeiten, in denen die Trumps der Welt uns tagtäglich Realsatire vom Feinsten präsentieren. Wäre ein Plot wie der von „Long Shot“ vor zehn Jahren noch als absolut überzeichnet kategorisiert und ins Reich der Fantasie komplimentiert worden, so wirkt es heutzutage erstaunlicherweise tatsächlich nicht einmal ansatzweise zu weit hergeholt. Interessanterweise zielt die Vermarktung von „Long Shot“ dagegen in erster Linie auf den Aspekt der Beziehungskomödie zwischen Charlotte und Flarsky, wie der unten eingebettete Trailer zeigt.

Oder ist der schneidige kanadische Premierminister Steward nicht die bessere, da öffentlichkeitswirksamere Wahl als Gatte?

Neben dem kreativen und abwechslungsreichen Drehbuch sowie der unterhaltsamen Inszenierung punktet „Long Shot“ mit hervorragender Besetzung. Zu Seth Rogen braucht man in Bezug auf das Komödien-Genre eigentlich kaum noch etwas sagen. Der alte Witze-Haudegen und Kult-Film-Star (u. a. „Ananas Express“ und „Zack and Miri Make a Porno“) ist hier jedenfalls ganz in seinem Element, die Rolle des Fred Flarsky wurde ihm ganz offensichtlich von Sterling und Hannah auf den Leib geschrieben. Mag man von seinem Humor und Schauspiel halten was man will – darüber lässt sich sicher streiten –, seine Rolle füllt er wieder mit viel Freude an der Sache ansprechend aus, und er bietet natürlich aufgrund des nerdigen Charakters des Typs „ewiger College-Student“ seiner Figur Flarsky ein großes Sympathiepotenzial.

„Uncle Sam wants you!“ Präsident Chambers: Mann der großen Gesten, weniger der politischen Inhalte

Überraschender mag da die Besetzung von Charlize Theron anmuten, die ja eigentlich eher selten in komödiantischen Werken zu sehen ist – „Verrückt nach Mary“ von 1998 kommt zugegeben in den Sinn. Gerade sie entpuppt sich als absoluter Glücksfall. Ist Theron nun einmal einfach eine umwerfend schöne Frau, so besitzt sie als Schauspielerin auch eine ganz besonders beeindruckende Ausstrahlung. Allein durch diese Kombination ist sie eine perfekte Besetzung für den nach außen hin alles überstrahlenden Polit-Star Charlotte Field. Da sie aber auch eine hervorragende Schauspielerin ist, vermag sie es, ihrer im Grunde innerlich auch ziemlich verletzlichen Figur somit auch die entsprechende menschliche und charakterliche Tiefe zu geben und hierdurch einen Film, der vermutlich sonst eher den Status einer netten Komödie innegehabt hätte, nochmals auf einen ganz anderen filmischen Level zu heben. Sie ist ohne Wenn und Aber der große Star in „Long Shot“ und ich wage zu behaupten: Würde ihre Charlotte Field in real zur nächsten Wahl antreten – sie dürfte allein aufgrund ihrer beeindruckenden Präsenz eine echte Chance haben.

Anschlussverwendung für Präsidentendarsteller

Nimmt man die gut besuchte Pressevorführung als Gradmesser für das komödiantische Potenzial von „Long Shot“, so darf man einiges erwarten. War die Stimmung doch schier ausgelassen und es wurden dem tendenziell kritischen Publikum unzählige Lacher entlockt. Und auch wenn nun nicht alle Gags immer zu zünden vermögen, das erstaunlich tiefgründige und ansprechende Niveau des Films hin und wieder durch gelegentlich doch arg platte Jokes getrübt wird oder die zahlreichen popkulturellen Referenzen mitunter zu viel des Guten sind und ein wenig bemüht sowie konstruiert wirken – es schmälert den guten Gesamteindruck keinesfalls. Gebt „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ also eine Chance! Es dürfte trotz der kleineren Schwächen für jeden etwas zu lachen dabei sein. Darüber hinaus kann man nur hoffen, dass ein Donald Trump eventuell auch unter den künftigen Kinogängern sein – und er sich dann hoffentlich ein Beispiel an seinem fiktionalen Pendant Chambers nehmen wird. Eine Karriere im Filmgeschäft ist doch auch viel reizvoller als eine zweite, anstrengende Amtszeit im Weißen Haus, oder etwa nicht, Donald? In der nächsten „King Kong“- oder „Godzilla“-Verfilmung ist bestimmt eine angemessene Rolle als Monsterköder für dich frei.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Alexander Skarsgård unter Schauspieler.

Wird Charlotte ihre Beziehung zu Flarsky mit ihrem Traum von der Präsidentschaft in Einklang bringen können?

Länge: 125 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Long Shot
USA 2019
Regie: Jonathan Levine
Drehbuch: Dan Sterling, Liz Hannah
Darsteller: Charlize Theron, Seth Rogen, June Diane Raphael, Ravi Patel, O’Shea Jackson Jr., Alexander Skarsgård, Bob Odenkirk, Andy Serkis, Lisa Kudrow, Claudia O’Doherty, Paul Scheer
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2019 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Trailer & Szenenfotos: © 2019 Studiocanal Filmverleih. All rights reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/06/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

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The Disaster Artist – So famos spielt man einen miesen Schauspieler

The Disaster Artist

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Matthias Holm

Komödie // „The Room“ gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Dennoch hat sich der Streifen über die Jahre eine treue Anhängerschaft erarbeitet, die den Film trotz oder genau wegen seiner Mängel immer wieder guckt. Die Person, die „The Room“ 2003 inszeniert hat, gibt immer noch Rätsel auf. Denn Tommy Wiseau hat zum Beispiel bis heute nicht verraten, aus welchem Land er eigentlich stammt. So ein Mensch ist natürlich ein gefundenes Fressen für ein Biopic. Insofern passt es gut, dass Greg Sestero, der andere männliche Hauptdarsteller in „The Room“, über die Entstehungsgeschichte des Films das Buch „The Disaster Artist“ geschrieben hat, dessen Verfilmung nun ins Kino kommt.

Einfach einen eigenen Film machen

Gespielt wird Greg Sestero von Dave Franco. Dieser nimmt 1998 Schauspielunterricht, doch so ganz will er nicht aus sich herausgehen. Ganz anders hingegen Tommy Wiseau (James Franco). Der ist in der gleichen Klasse, neigt aber zum gnadenlosen Overacting. Sestro fasziniert das, die beiden freunden sich an und beschließen, gemeinsam nach Los Angeles zu ziehen, um in Hollywood Karriere zu machen. Und auch wenn Greg die eine oder andere kleine Rolle ergattert, auf Tommy scheint man nicht gewartet zu haben. Die Lösung des Problems liegt aber auf der Hand: Dann schreibt man eben einfach seinen eigenen Film. Zwar gelingt es Tommy Wiseau, sämtliches Equipment und eine komplette Crew zu finanzieren, ein Drehbuchautor ist an ihm allerdings nicht verloren gegangen. Hinzu kommen Eifersucht und einige wirklich unangenehme Marotten, schon ist Chaos am Set programmiert.

Tommy hält sich für ein Genie, allerdings …

So einfach es gewesen wäre, hier Figuren bloßzustellen – „The Disaster Artist“ zelebriert seine Protagonisten zu jeder Zeit. Auch wenn es in erster Linie eine Komödie ist, gehen die Witze nie auf Kosten anderer, sondern man lacht immer mit ihnen. Das liegt vor allem daran, dass die Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber es schaffen, sämtliche Perspektiven abzudecken. So verbringt der Zuschauer einen großen Teil des Films nur mit Greg und Tommy, wodurch man diese beiden Figuren deutlich besser versteht – gerade der Beginn ist ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft. So kommen einem manche Eskapaden – und davon gibt es einige – immer noch seltsam vor, aber man ist nicht ganz so verständnislos wie alle umstehenden Menschen.

Golden Globe? Zu Recht

Einen Bärenanteil an dieser differenzierten Darstellung trägt vor allem James Franco, der im Übrigen auch auf dem Regiestuhl saß. Ein Schauspieler, der perfekt einen schlechten Schauspieler spielt – das klingt auf mehreren Ebenen verwirrend, ist aber die unterhaltsamste Performance des noch jungen Jahres. Gerade wenn am Ende Szenen aus „The Disaster Artist“ neben das Pendant aus „The Room“ geschnitten werden, merkt man, wie nah Franco am Original ist. Die Belohnung war dafür ein Golden Globe. Schade nur, dass sein Name jüngst in Verbindung mit den Missbrauchs-Skandalin Hollywood auftauchte. Das mag ihn die Oscar-Nominierung gekostet haben.

… sieht seine Crew das anders

Doch „The Disaster Artist“ ist nicht nur eine One-Man-Show. Auch alle anderen Darsteller sind voll dabei. Dave Franco als gutmütiger Greg Sestero bildet das Bindeglied zwischen dem Zuschauer und Tommy Wiseau, Seth Rogen versucht als Sandy, den Wahnsinn beim Dreh wenigstens einigermaßen einzudämmen und es gibt eine ganze Menge Gastauftritte und Cameos. Am Anfang kommen noch einige prominente Fans zu Wort, darunter die Regisseure J. J. Abrams und Kevin Smith, im Film selbst geben sich Melanie Griffith, Sharon Stone, Bob Odenkrik, Zach Braff und andere die Klinke in die Hand.

Am Ende kann man als Zuschauer nur zufrieden sein. „The Disaster Artist“ ist ein enorm unterhaltsames Biopic mit fantastischen Schauspielleistungen und so vielen Gags, dass man ihm die eine oder andere kleine Länge gerne verzeiht. Vor allem aber macht der Film auf eine Sache Lust: eine weitere Sichtung von „The Room“.

Die große Premiere

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Franco sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Disaster Artist
USA 2018
Regie: James Franco
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber, nach einem Buch von Greg Sestero und Tom Bissell
Besetzung: Dave Franco, James Franco, Seth Rogen, Ari Graynor, Alison Brie, Jacki Weaver, Paul Scheer
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 A24 / New Line Cinema

 

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Bad Neighbors 2 – Komödie mit Sexismuskritik?

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Neighbors 2 – Sorority Rising

Kinostart: 05. Mai 2016

Von Matthias Holm

Komödie // 2016 scheint das Jahr der derben Komödien zu sein – mit „Daddy’s Home“, „Dirty Grandpa“, „Der Spion und sein Bruder“ und „The Boss – Dick im Geschäft“ haben wir immerhin schon einige Filme dieser Art ins Kino bekommen. Da passt es, dass mit „Bad Neighbors 2“ die Fortsetzung eines Seth-Rogen-Hits ansteht. Leider traut sich der Film nur selten, wirklich vom Leder zu ziehen, was den Kinobesuch zu einen merkwürdig gehemmten Spaß macht.

Nicht noch eine Studentenverbindung

Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) sind überglücklich – sie haben einen Käufer für ihr Haus gefunden. Doch die Maklerin hat eine schlechte Nachricht: Innerhalb von 30 Tagen dürfen die neuen Besitzer das Haus zu jeder Zeit inspizieren und vom Kauf zurücktreten, sollte ihnen ein Mangel auffallen. Zu allem Überfluss zieht in das Nachbarhaus die junge Shelby (Chloë Grace Moretz) mit ihren Freundinnen ein.

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Allein kommt Mac gegen die Mädchen von …

Frisch an der Uni hat sie nämlich Lust auf das Studentenleben voller Alkohol, Partys und illegaler Drogen in einer Studentinnenverbindung – nur ist es denen untersagt, Partys zu schmeißen. Also wird spontan mit Kappa Nu eine eigene Verbindung gegründet, die nicht offiziell eingetragen ist und sich dementsprechend nicht an Regeln halten muss.

Das lässt in dem Ehepaar Radner sofort böse Erinnerungen hochkommen – kurz nach ihrem Einzug mussten sie sich mit der männlichen Studentenverbindung des tumben Teddy (Zac Efron) herumplagen. Um ihr Haus trotzdem verkaufen zu können, versuchen Mac und Kelly mit allen Mitteln, die Studentinnen ruhigzustellen. Die allerdings wissen sich zu wehren.

Stellenweise lustig

Es gibt einige Stellen, in denen sich „Bad Neighbors 2“ bewusst ist, was für eine Art Film er ist. Wann immer das Leinwandgeschehen über die Stränge schlägt, politisch unkorrekt ist – „Ich wurde ge-cosbyed!“ – oder auf den ersten Film Bezug nimmt, entwickelt sich ein gewisser Spaßfaktor. Dabei halten sich die Fäkalwitze angenehm zurück – mit Ausnahme des ersten „Gags“. Nur leider bietet der Film viel zu wenige dieser absurden Situationen.

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… Kappa Nu nicht an

Vielmehr versuchen die fünf (!) Drehbuchautoren, dem Film eine Aussage über Sexismus anzudichten. Ein durchaus löblicher Ansatz, wenn er denn durchdacht wäre. Immer wieder sollen Individualität und Unabhängigkeit der Mädchen zutage treten, doch dann schmelzen die jungen Frauen kollektiv beim Anblick eines gut aussehenden, oberkörperfreien Mannes dahin.

Sexismuskritik funktioniert nicht

Wenn sie ihre Nachbarn zur Weißglut treiben wollen, werden absolut hirnfreie Klischees benutzt, die im krassen Kontrast zum angestrebten Effekt stehen – Stichwort Autowäsche. So wirken die Stellen im Film, die eine tatsächliche Aussage tätigen wollen, nicht durchdacht genug und die Kritik geht ins Leere.

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Teddy und Mac ziehen in die Schlacht

Zac Efron und Seth Rogen sind immerhin für ein paar Lacher gut, doch zum Glück scheinen die Macher selbst gemerkt zu haben, dass ihnen der Film nicht wirklich gelungen ist. Hat man bei fast allen Filmen der letzten Zeit immer noch ein Hintertürchen für eine eventuelle Fortsetzung offen gelassen, wirkt bei „Bad Neighbors 2“ das Ende final – auch wenn die letzten beiden Szenen eher wie Nachdrehs wirken, die man schnell noch hineingeschnitten hat.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Chloë Grace Moretz sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Neighbors 2 – Sorority Rising
USA 2016
Regie: Nicholas Stoller
Drehbuch: Andrew J. Cohen, Brendan O’Brien, Nicholas Stoller, Seth Rogen, Evan Goldberg
Besetzung: Seth Rogen, Zac Efron, Chloë Grace Moretz, Rose Byrne, Kiersey Clemons, Ike Barinholtz, Carla Gallo
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

 

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