RSS

Schlagwort-Archive: SF-Horror

Mutant – Das Grauen im All: Recycling à la Roger Corman

Forbidden World

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Von Martin Scorsese, James Cameron über Jack Nicholson, Francis Ford Coppola bis hin zu Charles Bronson, Joe Dante und Sylvester Stallone – nur einige der bekannten Namen, die ihre ersten filmischen Gehversuche diesem Mann verdanken: Roger Corman, der seit Mitte der 50er-Jahre Billigproduktionen am Fließband inszeniert und produziert. Ein Ende seiner Karriere ist für den inzwischen 91-Jährigen noch nicht in Sicht. Die Internet Movie Database listet für den legendären Filmemacher unglaubliche 411 Werke, die er als Produzent zu verantworten hatte (Stand Januar 2018). Der aktuellste Titel ist „Death Race 2050“.

Der Roboter SAM-104 reißt Mike Colby aus dem Hyperschlaf

Als Grundidee für seine Filme schlachtete Corman häufig aktuelle Blockbuster aus. Und was lag Anfang der 80er-Jahre näher, als einen Science-Fiction-Horrorfilm zu inszenieren, der sich ganz offensichtlich zu kleinen Teilen an „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ und um einiges mehr an „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ bediente? An das Regiepult für „Mutant – Das Grauen im All“ ließ der Low-Budget-Maestro mal wieder einen Neuling ran: Allan Holzman, der ansonsten als Cutter für Cormans Produktionsfirma New World Pictures tätig war. Für seine TV-Dokumentation „Survivors of the Holocaust“ (1996) gewann Holzman 14 Jahre später zwei Primetime Emmys.

„Subjekt 20“ außer Kontrolle

Weltraum-Sheriff Mike Colby (Jesse Vint) wird von seinem Roboter SAM-104 aus dem Hyperschlaf gerissen. Feinde greifen sein Raumschiff an. Nach einigen gezielten Lasersalven ist die Lage unter Kontrolle, doch Colbys Urlaubspläne müssen weiterhin warten: SAM-104 berichtet dem Piloten, von einem Forschungslabor auf dem Wüstenplaneten Xerbia sei ein Hilferuf eingegangen, dem er sofort nachgehen soll. Dort angekommen erfährt Colby von Dr. Gordon Hauser (Linden Chiles) und dessen reizender Assistentin Dr. Barbara Glaser (June Chadwick), dass ein Experiment aus dem Ruder gelaufen ist. Das im Labor gezüchtete „Subjekt 20“ sollte eigentlich dabei helfen, den Welthunger auf Erden zu stillen. Doch nun ist das Testobjekt ausgebüchst und zu einer menschenfressenden Bestie mutiert. Kann Colby die bissige Kreatur aufhalten, bevor die ganze Besatzung und er selbst verspeist werden?

Die Mitarbeiter des Forschungslabors werden dezimiert

Wie Roger Corman in der kurzen Video-Einleitung im Bonusmaterial erklärt, ist „Mutant – Das Grauen im All“ ein Paradebeispiel dafür, wie effizient und kostengünstig er seine B-Movies produzieren konnte. Holzman hatte gerade mal knapp eine Millionen Dollar zur Verfügung und 20 Drehtage Zeit, um den im Original „Forbidden World“ betitelten Film zu inszenieren. Dabei durfte er die Kulissen aus „Planet des Schreckens“ (1981) auffrischen und erneut verwenden, die ursprünglich von keinem Geringeren als James Cameron stammten. Außerdem griff er auch in der zu Beginn schwelenden Raumschlacht auf Szenen aus „Sador – Herrscher im Weltraum“ (1980) zurück.

Glibber wie bei Gigers Alien

Damit nicht genug mit dem Recycling: Während einige Kostüme und die einzige Außensequenz auf dem Wüstenplaneten deutlich von „Star Wars“ inspiriert wurden, hatte inhaltlich – wie schon erwähnt – „Alien“ einen großen Einfluss auf die Geschichte: Colby wird wie die Besatzungsmitglieder der Nostromo aus dem Hyperschlaf geweckt, das gemeinschaftliche Essen der Mitarbeiter im Forschungslabor und das Aussehen des Monsters sind weitere deutliche Referenzen an den Klassiker von Ridley Scott. Auch der schleimige Glibber, den Gigers Kreatur abwirft, wurde natürlich nicht vergessen. Die Spezialeffekte für „Mutant – Das Grauen im All“ sind dabei natürlich auf niedrigem Niveau angesiedelt und das lebensgroße Modell recht unbeweglich, aber mit seinen rasiermesserscharfen Zähnen kann „Subjekt 20“ dennoch für unterhaltsamen Schrecken sorgen.

Überhaupt ist es Holzmans Qualitäten als Cutter und den verschiedenen Blickwinkeln der Kamera zu verdanken, dass die Angriffe des Metamorphs durchaus Spannung erzeugen. Und wie es sich für ein B-Movie gehört, hält der Gewaltgrad ebenfalls dem Vergleich zur Vorlage stand. Von zerfetzten Tierkadavern über angefressene Gesichter und einer OP-Sequenz im Finale haben sich die Make-up-Künstler einiges einfallen lassen.

Sex sells in space

Was auf Ridley Scotts Raumschiff „Nostrodomo“ gefehlt hat, ist bei einer Corman-Produktion natürlich unverzichtbar: eine ordentliche Prise Sex. Nichts gegen die junge Sigourney Weaver in Unterwäsche, aber die beiden weiblichen Darstellerinnen von „Mutant – Das Grauen im All“ geizen nicht mit ihren Reizen und sind wohl auch nur aus diesem Grund engagiert wurden – vielleicht auch noch zum Schreien. Dies gipfelt sogar in einer recht peinlichen, aber ansehnlichen Szene, in der die beiden nackt unter der Dusche stehen, die eine der anderen den Glibber aus den Haaren wäscht und sie darüber diskutieren, mit welchen Mitteln sie dem Monster den Garaus machen können. Während die Britin June Chadwick noch bis 2001 der Schauspielerei nachging – unter anderem war sie auch in der Science-Fiction-Serie „V – Die Außerirdischen Besucher kommen“ zu sehen – war die Filmkarriere des einstigen David Hamilton-Models Dawn Dunlap („Die Geschichte der Laura M“) nur von kurzer Dauer. In dem Corman-Klassiker werden sie den B-Movie-Fans als Dr. Barbara Glaser und Tracey Baxter im guten Gedächtnis bleiben.

Tracey macht es sich in der Sauna gemütlich

Warum ihre beiden Figuren sich allerdings gleich dem wenig heldenhaft wirkenden TV-Star Jesse Vint alias Mike Colby an den Hals schmeißen, bleibt unverständlich. Aber wenn man sich andererseits den von Fox Harris verkörperten Wissenschaftler Dr. Timbergen ansieht, der Kette raucht, zerzauste Haare hat und dessen Laborkittel ständig blutverschmiert ist, kann man vielleicht nachvollziehen, dass die beiden Damen einmal froh sind, einen neuen Mann in der Station zum Erforschen zu haben.

Start einer neuen Reihe von Anolis Entertainment

„Mutant – Das Grauen im All“ mag ein offensichtlicher Klon sein, dennoch zeigt die Produktion, dass eine Kopie nicht immer schlecht sein muss. Corman und seine Crew haben mal wieder ganze Arbeit geleistet, um mit bescheidenen Mitteln und teils obskuren Ideen einen ansehnlichen B-Movie-Weltraummonster-Schocker auf die Beine zu stellen, welcher zudem über einen minimalistischen, aber äußerst atmosphärischen Synthie-Soundtrack verfügt.

Hunger!

Dieser war auf der DVD-Erstauflage von Anolis aus dem Jahr 2002 auch noch separat enthalten, das Feature hat es leider nicht auf die Blu-ray geschafft. Dafür ist die deutsche Kinofassung vorhanden, die vom Verleih am Ende um einige Minuten verlängert wurde – bizarrerweise mit exakt den gleichen Szenen aus der Eröffnungssequenz, die lediglich mit anderen Dialogen unterlegt wurden. Auf einer Extra-DVD liegt zudem der leicht veränderte Director’s Cut bei. Die genauen Unterschiede findet ihr bei den Kollegen von Schnittberichte.com. Ansonsten kommen in einem knapp halbstündigen Making-of Cast und Crew ausführlich zu Wort. Die Anolis-Audiokommentar-Veteranen Ingo Strecker und Pelle Fleisch unterhalten sich und uns wieder wunderbar über die Corman-Produktion. Strecker schrieb auch den Text des gewohnt hochwertig produzierten Mediabooks, welches in zwei Cover-Varianten daherkommt.

Mit der schicken Veröffentlichung startet Anolis Entertainment eine komplett neue Reihe, die auf den Namen „Phantastische Filmklassiker“ hört. Diese wird sich ausgewählten „Meisterwerken“ aus verschiedenen Jahrzehnten widmen. „Mutant – Das Grauen im All“ ist Titel Nummer 1 aus „Die 80er“. „Die 60er“ soll, wenn alles glatt läuft, mit „Geheimagent Barrett greift ein“ (1965) und „Die 70er“ mit „Willard“ (1971) demnächst an den Start gehen. Wir können uns also auf viele weitere kleine und große Filmperlen freuen.

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Phantastische Filmklassiker“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, auch solche, bei denen er Produzent war wie in diesem Fall.

Dr. Timbergen sucht fieberhaft nach einem Mittel gegen das Monster

Veröffentlichung: 24. November 2017 als Blu-ray und DVD im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten), 22. August 2002 als DVD

Länge: 77 Min. (Blu-ray)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Forbidden World
USA 1982
Regie: Allan Holzman
Drehbuch: Tim Curnen
Besetzung: Jesse Vint, Dawn Dunlap, June Chadwick, Linden Chiles, Fox Harris, Raymond Oliver, Scott Paulin, Michael Bowen, Don Olivera
Zusatzmaterial: deutsche Kinofassung (82 Min.), Audiokommentar mit Ingo Strecker und Pelle Fleisch zur deutschen Kinofassung, Director’s Cut in SD (79 Min.), Making-of „Forbidden World“, John Carl Buechler: Die Spezialeffekte, Roger Corman über „Mutant“, amerikanischer und deutscher Kinotrailer, Werberatschlag, Bildergalerie
Label / Vertrieb: Anolis Entertainment

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2017 Anolis Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Armed Response – Unsichtbarer Feind: Blade trifft auf Kiss

Armed Response

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Mit der Produktion spektakulärer Wrestling-Shows begeistert die World Wrestling Entertainment, Inc. (WWE) besonders in den USA seit Jahrzehnten die Massen. 2002 machte das Unternehmen den nächsten Schritt und gründete die Produktionsfirma WWE Films, die sich nach einem verlorenen Rechtsstreit 2008 in WWE Studios umbenennen musste. Als Ko-Produzenten von „The Scorpion King“ (2002) und „Welcome to the Jungle“ (2003) ebnete das Studio somit den Grundstein für die Filmkarriere von Dwayne „The Rock“ Johnson. 2006 erschien mit dem Horrorfilm „See No Evil“ die erste eigene Spielfilm-Produktion. Es folgte eine Reihe von harten und mal mehr, mal weniger unterhaltsamen Genrewerken, mit denen Wrestling-Stars wie John Cena („12 Rounds“, 2009) oder Stone Cold Steve Austin („Die Todeskandidaten“, 2007) in den Hauptrollen ihren Marktwert steigerten und damit ihre Fans beglückten und neue hinzugewannen. Inzwischen erscheinen die meisten WWE Studios-Filme direkt fürs Hemkino wie zuletzt „The Marine 5 – Battleground“ mit Mike „The Miz“ Mizanin.

Eingesperrt im geheimen Militärstützpunkt

Man weiß also, was man erwarten darf, wenn man „Armed Response – Unsichtbarer Feind“ in den Player schiebt, der ebenfalls aus dem Hause WWE Studios stammt. Mit Wesley Snipes und Gene Simmons waren zwei abgewrackte Altstars mit ihren Studios Maandi Films beziehungsweise Erebus Pictures an der Produktion beteiligt. Dabei ließen es sich der „Blade“-Star und der Kiss-Sänger natürlich nicht nehmen, entscheidende Rollen in dem SF-Horrorfilm zu übernehmen.

Isaac (v.) und sein Team …

Doch obwohl Snipes auf dem Cover prangt, spielt Dave Annable, bekannt aus der TV-Serie „Brothers & Sisters“ (2006 – 2011), die eigentliche Hauptrolle. Als Gabriel wird er von seinem Ex-Chef Isaac (Snipes) aus dem Ruhestand zurück zu der Elite-Einheit geholt, der er als IT-Experte angehört hatte. In einem geheimen Militär-Stützpunkt ist das von Gabriel programmierte Sicherheitssystem „Temple“ ausgefallen. Niemand meldet sich dort. Vor Ort erleben Isaac, Gabriel und der Rest des alten Teams, darunter Riley (Anne Heche) und Brett (Colby Lopez alias Wrestler Seth Rollins) eine böse Überraschung: Das gesamte Personal wurde getötet. Zudem wird die Gruppe kurze Zeit später in dem Gebäude eingeschlossen. Während Gabriel versucht, die künstliche Intelligenz „Temple“ wieder zum Laufen zu kriegen, suchen Isaac und Kollegen nach der Ursache des tödlichen Treibens …

Hauptsache wenig Kosten

Im Bonusmaterial erklärt Gene Simmons, den das Team als kahlgeschorenen Sträfling in den Hallen finden wird, welche Philosophie die Produktionen von Erebus Pictures verfolgen sollen: Die Geschichten sollen das Publikum verunsichern und zum Nachdenken anregen. Dafür sei die Kombination von Science-Fiction und Horror am besten geeignet. Und die Filme sollten nicht allzu viel kosten.

…holen Gabriel aus dem Ruhestand

Dabei hatte man bei „Armed Response – Unsichtbarer Feind“ wohl am meisten am Gehalt von Drehbuchautor Matt Savelloni eingespart; dessen Skript macht Dienst nach Vorschrift: Das Team bekommt sich unter dem zunehmenden Druck in die Haare, es gibt ein paar kurze Schusswechsel, Seth Rollins darf seine Muckis sogar gegen Anne Heche spielen lassen und dazu gibt es ein paar pseudowissenschaftliche Dialoge über Quantenphysik. Wer für die Morde verantwortlich ist, ist schnell klar. Überraschungen gibt es keine. Am Ende nimmt die Geschichte einen recht absurden Verlauf.

Was ist in dem geheimen Stützpunkt geschehen?

Immerhin gelingt es Regisseur John Stockwell („Kickboxer – Die Vergeltung“), ein paar kurze Spannungsmomente zu inszenieren, in der die einzelnen Teammitglieder einer nach dem anderen von der unbekannten Gefahr durchaus blutig auseinandergenommen werden. Ein Action- oder Splatterfest darf man dennoch nicht erwarten. Das gesamte Geschehen verweilt in einem festgefahrenen Trott ohne Tempo, in dem sich auch die gesamte Besetzung schlafwandlerisch bewegt. Auch Snipes würde mit seiner Darstellung noch nicht mal einen Coolness-Preis gewinnen. Ihn werden wir in Zukunft sicherlich häufiger in derartigen Machwerken sehen. Statt „Armed Response – Unsichtbare Feind“ sollte man lieber ein Wrestling-Match anschauen. Das ist aufregender.

Vor der unsichtbaren Gefahr ist auch Brett nicht sicher

Veröffentlichung: 16. November 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Armed Response
USA 2017
Regie: John Stockwell
Drehbuch: Matt Savelloni
Besetzung: Wesley Snipes, Anne Heche, Dave Annable, Gene Simmons, Colby Lopez aka Seth Rollins, Kyle Clements, Morgan Roberts, Eyas Younis
Zusatzmaterial: Hinter den Kulissen, Deutscher Trailer, Original-Trailer
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Concorde Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Das Morgan Projekt – Große Fußstapfen

Morgan

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Von „Frankenstein“ über „Terminator“ zu „Ex Machina“ oder aktuell „Ghost in the Shell“: Die Erschaffung von künstlichen Lebensformen und die Gefahren, die sich dadurch ergeben, wenn der Mensch in die Evolution eingreift und Gott spielt, sind seit jeher fester Bestandteil des fantastischen Films. Dass sich auch Luke Scott in seinem Langfilmdebüt mit diesem ewigen Thema beschäftigt kommt nicht von ungefähr. Schließlich schuf sein Vater Ridley mit „Blade Runner“ einen filmischen Meilenstein, der sich ebenfalls mit philosophischen Fragen auseinandersetzte. Was macht das menschliche Wesen aus? Stellt die künstliche Intelligenz eine überlegene Daseinsform dar, die irgendwann die Menschheit ersetzen kann?

Nach einem Zwischenfall darf Morgan (v.) nicht mehr mit Amy raus in die Natur

Die Krisenmanagerin Lee (Kate Mara) wird auf einen abgelegenen Landsitz gerufen, wo ein außergewöhnliches Experiment im Gange ist: In dem angrenzenden Bunker steht Morgan (Anya Taylor-Joy) abgeschirmt hinter einer dicken Sicherheitsscheibe unter ständiger Beobachtung. Nichts deutet darauf hin, dass die junge Frau in dem grauen Kapuzenpullover etwas Besonderes ist. Doch Morgan ist erst fünf Jahre alt. Sie wurde durch Genmodifikation künstlich hergestellt. Die Wissenschaftler Simon Ziegler (Toby Jones) und Dr. Lui Cheng (Michelle Yeoh) haben Morgan erschaffen; Amy Menser (Rose Leslie) unterstützt sie bei ihrer Arbeit.

Lee soll feststellen, ob …

Doch die künstliche Lebensform verhält sich zunehmend aggressiv. Morgan hat eine weitere Wissenschaftlerin (Jennifer Jason Leigh) schwer verletzt, ihr mit einem spitzen Gegenstand ins Auge gestochen. Nach diesem Zwischenfall droht das Projekt zu scheitern. Lee soll nun evaluieren, ob das Experiment überhaupt noch tragbar ist oder ob die Organisation, die die finanzielle Unterstützung gewährleistet, nicht besser den Stecker beim „Morgan Projekt“ ziehen sollte.

Große Namen, schwaches Skript

Sein Talent konnte Luke Scott schon bei seinem Vater Ridley persönlich erproben. Er war als Regisseur der Second Unit bei „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ und „Exodus – Götter und Könige“ dabei. Ridley Scott ließ es sich natürlich nicht nehmen, an „Das Morgan Projekt“ als Produzent beteiligt zu sein. Dies ermöglichte es sicherlich auch, dass Luke Scott eine namhafte Darstellerriege verpflichten konnte. Allerdings kommen Jennifer Jason Leigh, Michelle Yeoh und Paul Giamatti kaum über die Rolle eines Gastauftritts hinaus. Dass auch die anderen Schauspieler bis auf Newcomerin Anya Taylor-Joy („The Witch“, „Split“) kaum glänzen können, liegt nicht an ihnen, sondern mehr am schwachen Drehbuch, welches weder den Figuren noch der Geschichte Platz zur Entfaltung gibt.

… die künstliche Intelligenz Morgan ein Sicherheitsrisiko darstellt

Eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den oben genannten philosophischen Fragen darf man nicht erwarten. Zwar erfährt der Zuschauer ein paar Hintergründe über die Gentechnologie und die Erschaffung von Morgan. Aber im Grunde spielt es keine Rolle, ob die junge Frau ein künstlicher Mensch, ein Alien oder ein anderes unbekanntes Wesen ist, welches ein unkontrollierbares Risiko für die Menschheit darstellt.

Paul Giamatti als Psychiater

Denn erst nach der Befragung durch den von Giamatti gespielten Psychiater erfahren wir etwas mehr darüber, wie es mit Morgans Innenleben bestellt ist. Gleichzeitig kommt es dabei zu einem Bruch in der Handlung: Ist „Das Morgan Projekt“ in der ersten Hälfte ein ruhiges Science-Fiction-Drama, wandelt sich die Erzählung nun zum durchaus blutigen, nicht unspannenden, aber herkömmlichen Horrorplot inklusive Verfolgungsjagd durch die Natur und einem vermeintlich überraschenden Storytwist.

Dr. Alan Shapiro stellt Morgan ungemütliche Fragen

So gelingt es Luke Scott mit seinem Debüt nur ansatzweise zu zeigen, dass er von seinem prominenten Vater einiges gelernt hat. Der Sohn bleibt den Beweis schuldig, dass er das Zeug hat, einmal in die großen Fußstapfen des „Blade Runner“-Regisseurs zu treten. Im Geschäft bleibt er auch erst mal, da ihm Ridley Scott genügend Arbeit gibt: Nach „Das Morgan Projekt“ durfte Luke Scott den knapp fünfminütigen Prolog „Last Supper“ zum heißerwarteten „Alien – Covenant“ drehen, den Ihr auf dem YouTube-Kanal von Twentieth Century Fox ansehen könnt.

Was geht in Morgans Kopf vor?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jennifer Jason Leigh haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Paul Giamatti unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 13. April 2017 als 4k-Ultra-HD, Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (4k-Ultra-HD, Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, u.a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, u.a.
Originaltitel: Morgan
USA 2016
Regie: Luke Scott
Drehbuch: Seth Owen
Besetzung: Kate Mara, Anya Taylor-Joy, Rose Leslie, Michelle Yeoh, Paul Giamatti, Toby Jones, Michael Yare, Chris Sullivan, Jennifer Jason Leigh, Brian Cox
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Luke Scott, Der modifizierte Organismus: Die Wissenschaft hinter Morgan, Entfallene Szenen, Kurzfilm „Loom“ mit optionalem Kommentar von Luke Scott, Bildergalerie, Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: