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Silent Movie – Mel Brooks’ Stummfilm-Verrücktheit

Silent Movie

Von Lutz R. Bierend

Komödie // Dem jüngeren Publikum ist der Name Mel Brooks vermutlich eher aufgrund der „Star Wars“/SciFi-Persiflage „Spaceballs“ von 1987 bekannt. Mit „Robin Hood – Helden ins Strumpfhosen“ (1993) und „Dracula – Tot aber glücklich“ (1995) unternahm der Filmemacher in den 90ern zwei weitere mehr oder weniger lustige Versuche, berühmte Kinovorlagen durch den Kakao zu ziehen. Wenn man dieses späte Œuvre des Regisseurs Mel Brooks betrachtet, mag man es kaum glauben, dass dieser Mann in den 70ern nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch außerordentlich lustiger Komiker und Regisseur war. Er ist bekannt für das Zitat „Ich bin der einzige Jude, der jemals einen Dollar mit ‚Hitler verdient hat“, denn nicht nur hat ihm sein Debüt „Frühling für Hitler“ („The Producers“) 1969 seinen ersten und einzigen Oscar eingebracht (bestes Drehbuch) und ihn als Komödien-Regisseur etabliert, auch war die Musicalversion, die er von diesem Stoff 2001 am Broadway herausgebracht hat, das erfolgreichste Musical seit dreißig Jahren: Die Bühnenversion war für 15 Tonys (den Broadway-Oscar) nominiert, von denen sie zwölf gewonnen hat (mehr als jedes andere Musical zuvor), und lief dort sechs Jahre in Folge. Dass „Frühling für Hitler“ in Deutschland kein Erfolg war, lag wohl vor allem am deutschen Filmtitel und dem in Deutschland verständlicherweise etwas verkrampfteren Umgang mit Komödien, die sich über den GröFaZ lustig machen.

Der Schöne und das Biest: Vilma Kaplan soll Mel Funn das Herz brechen

Insofern erfreulich, dass sich Pidax Film Mel Brooks’ früherem Werk angenommen hat und „Mel Brooks’ letzte Verrücktheit – Silent Movie“ in einer neu gemasterten Version auf den Markt bringt. Mit „Silent Movie“ erstellte Mel Brooks eine Hommage an die Helden der Stummfilmzeit, die in den frühen Tages des Kinos mit Slapstick die Massen amüsierten.

Stummfilmer erwacht nach 40 Jahren aus dem Koma

Der Film erzählt die Geschichte von Mel Funn, einem alten Stummfilm-Regisseur, der nach 40 Jahren aus dem alkoholbedingten Koma erwacht und sein altes Studio mit der neuesten Idee zu überzeugen versucht: einem Stummfilm. „Slapstick is Dead!“, wird ihm entgegengeworfen, und erst als er verspricht, die größten Stars der 70er für diesen Film zu engagieren, beginnen die Registerkassen vom Boss von „Big Pictures“ zu klingeln, denn das Studio befindet sich in finanzieller Not. In einer Zeit, in der sich das Fernsehen zu einer großen Konkurrenz entwickelt hat, braucht fast jedes der großen Studios eben endlich mal wieder einen echten Kassenschlager.

Fast prophetisch: Popcorn in der Mülltonnenportion

„Silent Movie“ erzählt, wie Mel Funn eben diese Stars zur Mitarbeit an seinem Stummfilm überredet, und der Cast des Films liest sich wie ein Who’s Who der 70er-Jahre-Stars: Burt Reynolds, Paul Newmann, James Caan, Liza Minelli und Anne Bancroft sowie der französische Pantomime Marcel Marceau, der paradoxerweise als einziger Darsteller überhaupt etwas sagt: ein einziges Wort, was „Silent Movie“ einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde einbrachte – für die wenigsten gesprochenen Zeilen in einem Tonfilm.
Doch mit der Besetzung der Stars ist es für Mel Gunn nicht getan, denn die bösartige Investorengemeinschaft „Engulf & Devour“ (in der deutschen Synchronisation: „Gierschlund und Raffke“) hat sich vorgenommen, das strauchelnde Studio aufzukaufen und setzt daher alles daran, die Premiere des Stummfilms zu verhindern.

Slapstick inspiriert von wahren Begebenheiten

Mel Brooks lebt sein Faible für Absurditäten und Slapstick voll aus, und er gibt vielen Stars der Stummfilmära Gelegenheit, noch einmal ihr Talent in Szene zu setzen. Ironischerweise basiert „Silent Movie“ quasi auf einer wahren Geschichte. Zwar lag Mel Brooks nicht 40 Jahre im Koma, aber als er mit seiner Idee, eine Hommage an Harold Lloyd und Buster Keaton zu drehen, bei Twentieth Century Fox vorstellig wurde, wollte man ihn vor die Tür setzen. Das Studio hatte gerade finanzielle Probleme und wollte sich nicht von so einer absurden Geschichte die Bilanz verhageln lassen. Zwar hatte Mel Brooks 1974 mit „Frankenstein Junior“ und „Der Wilde Wilde Westen“ zwei der erfolgreichsten Fox-Filme des Jahres beigesteuert, aber einen Stummfilm? In den 70ern? Das Unternehmen Gulf and Western Industries hatte ein paar Jahre zuvor schon Paramount übernommen, obwohl es nichts von Film verstand, und tatsächlich waren solche Firmen auch an einer Übernahme der Fox-Studios interessiert und lieferten das Vorbild für „Engulf and Devour“ im Film. Erst als Mel Brooks versprach, er würde für diesen Film große Stars ranschaffen, gab Fox das Okay, und siehe da: „Silent Movie“ wurde ein Erfolg.

Beim Who’s Who der 70er-Jahre-Stars darf Liza Minnelli nicht fehlen

Mel Brooks muss ein sehr überzeugender Verhandlungspartner gewesen sein, denn er schwört, dass keiner seiner Stars mehr als 300 Dollar Tagesgage haben wollte. Auch wenn man damals von Millionengagen heutiger Tage weit entfernt war, lag das weit unter den üblichen Stargagen. Es schien allen doch ein zu verlockender Spaß zu sein, in der eigenen Identität aufzutreten und mit ihren Starklischees zu kokettieren. Anne Bancroft (damals schon mit Brooks verheiratet) als ewige Mrs. Robinson, die sich von sechs jungen Kerlen gleichzeitig den Hof machen lässt, Burt Reynolds, der zu dieser Zeit eher als harter Mann im Kino zu sehen war, spielt sich so ironisch selbstverliebt, dass sich kein Karikaturist getraut hätte, ihn so überzogen darzustellen. Die beste Szene hat sich wohl Paul Newman herausgepickt: Mit seiner Verfolgungsjagd im elektrischen Rollstuhl durfte er seiner Leidenschaft für den Motorsport frönen.

Unterschätzt: „Das Leben stinkt“

„Silent Movie“ ist voller absurder Ideen – die absurdesten sind in der Endfassung sogar noch rausgeschnitten worden – und legendärer Szenen. Wenn der deutsche Titel von „ Mel Brooks’s letzter Verrücktheit“ spricht, ist das übrigens fast prophetisch zu verstehen, denn „Silent Movie“ ist der letzte Film von Mel Brooks, der sich nicht darauf beschränkte, die Filmgeschichte zu persiflieren, und leider muss man sagen, dass seine Persiflagen selten auf dem Niveau der ZAZ-Filme wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (1980), „Top Secret“ (1984) oder „Die nackte Kanone“ (1988) liegen. Einzige Ausnahmen: seine Hitchcock-Hommage „Höhenkoller“ (1977) und die 1991 weit unter Wert gelaufene Komödie „Das Leben stinkt“, die sein Talent in einer originären Geschichte ahnen lässt.

Bedauerlicherweise hat Pidax Film bei dieser Neuveröffentlichung mit den Extras gegeizt. Während die US-Blu-ray ausführlich über die Entstehungsgeschichte und die historischen Vorbilder des Slapsticks informiert, muss man sich bei der Neuauflage mit einer Bildergalerie und dem Trailer begnügen. Das lässt eine Empfehlung der DVD schwerfallen, Auch wenn die Komödie selbst sicher zu den amüsantesten Mel-Brooks-Filmen zählt.

In Ritterrüstung die Kantine zerlegen – wem würde das keinen Spaß machen?

Veröffentlichung: 23. November 2018 und 3. Juli 2003 als DVD

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Silent Movie
USA 1976
Regie: Mel Brooks
Drehbuch: Mel Brooks, Ron Clark, Rudy De Luca, Barry Levinson
Besetzung: Mel Brooks, Marty Feldman, Dom DeLuise, Sid Caesar, Harold Gould, Ron Carey, Bernadette Peters, Carol Arthur, Liam Dunn, Fritz Feld, Chuck McCann, Liza Minnelli, Burt Reynolds, James Caan, Anne Bancroft, Marcel Marceau, Paul Newman
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Trailer, Wendecover
Label: Pidax Film (2018), Twentieth Century Fox Home Entertainment (2003)
Vertrieb 2018: Al!ve AG

Copyright 2019 by Lutz R. Bierend
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Pidax Film

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Die Klotzköpfe – Laurel & Hardy: Im Schützengraben vergessen

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Block-Heads

Von Volker Schönenberger

Komödie // Wir schreiben das Jahr 1917. Der Weltkrieg ist in vollem Gange. In den Schützengräben sind auch die zwei Freunde Stan (Laurel) und Ollie (Hardy) zugegen. Bei einem Ausfall werden die beiden getrennt: Ollie muss mit den anderen Soldaten hinaus, die feindlichen Reihen stürmen, Stan schiebt weiter Wache. Aus nicht weiter benannten Gründen kehrt die Einheit nicht zu ihrem Kameraden zurück, Stan bleibt auf seinem Posten – auch noch, als einige Zeit später der Waffenstillstand verkündet wird. Um genau zu sein: Stan schiebt bis 1938 Wache im Schützengraben, bis ihn ein Pilot, den er beschießt, darüber aufklärt, dass der Krieg vor 20 Jahren zu Ende gegangen ist.

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Ollie darf mal wieder das von Stan verursachte Chaos ausbaden

Just an seinem ersten Hochzeitstag mit der bezaubernden Mrs. Hardy (Minna Gombell) erfährt Ollie, dass sein tot geglaubter Kumpel quicklebendig ist. Er sucht ihn im Veteranenheim auf, in dem Stan als Kriegsheld untergekommen ist, und bringt ihm mit nach Hause. Eine Schneise der Verwüstung ist die Folge …

Kriegsversehrt – oder doch nicht?

Herrliche Szene: Stan hat es sich mit untergeschlagenem Bein auf einem Rollstuhl im Garten des Veteranenheims bequem gemacht, als Ollie ihn nach zwei Jahrzehnten zum ersten Mal wiedersieht. Im Glauben, sein verschollener Kumpel habe im Krieg ein Bein gelassen, schiebt Ollie den Rollstuhl bereitwillig durch die Gegend, zeigt sich auch ansonsten sehr hilfsbereit und sogar verzeihend, als ihn Stan mit dem Gartenschlauch nass macht. Als ein anderer Veteran den Rollstuhl fordert, legt sich Ollie mit ihm an, kassiert gar eine Backpfeife und trägt Stan im Anschluss auf den Armen – bis er merkt, dass Stan im Besitz beider Beine ist. Wer kann sich Ollies Gesichtsausdruck vorstellen? Im Anschluss nimmt das Chaos aber erst recht seinen Lauf, Ollies Geduld wird auf eine harte Probe gestellt.

Billy Gilbert und James Finlayson

Gleich zwei berühmte Widersacher des Duos sind in „Die Klotzköpfe“ zu sehen: James Finlayson hat einen Auftritt auf einer Treppe und legt sich mit Ollie an, was in eine kurze Slapstick-Prügelei mündet. Billy Gilbert gibt einen eifersüchtigen Ehemann und Nachbarn von Ollie inklusive wunderbarem Schlussgag, der bereits 1928 im Kurzfilm „We Faw Down“ zu sehen war (zu finden im Bonusmaterial der DVD von „Die Wüstensöhne“): Als er Stan und Ollie mit seiner Flinte durch die Straßen jagt, flüchten aufgrund der Schüsse allerorten andere Männer aus Fenstern.

Der Trick mit dem ansatzlosen Kinnhaken

Eine andere Szene hat mich losprusten lassen: Stan zeigt einem renitenten Nachbarn (Harry Woods) die linke Faust und versetzt ihm unvermittelt und ansatzlos mit der rechten (!) einen Kinnhaken, der seinen Kontrahenten ins Reich der Träume schickt. Da macht Ollie aber Augen! Der hatte kurz zuvor von dem Herrn zwei Tritte in den Hintern kassiert, die an sich Stan galten. Ich musste einfach mehrmals zurückspulen und die Szene erneut schauen. Da man filmische Gags manchmal schwer nacherzählen kann, sei auf die Szene bei YouTube verwiesen.

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„Bleib doch!“ Ollie beschwört seine geplagte Ehefrau

Regisseur John G. Blystone hatte kurz zuvor für „Dick und Doof als Salontiroler („Swiss Miss“) erstmals mit dem Duo zusammengearbeitet. Er starb kurz nach den Dreharbeiten zu „Die Klotzköpfe“ mit nur 45 Jahren an einer Herzattacke. Zu seinen bekanntesten Regiearbeiten zählen „Die verflixte Gastfreundschaft“ („Our Hospitality“, 1923) mit Buster Keaton als Star und Ko-Regisseur sowie das Krimidrama „Great Guy“ (1938) mit James Cagney.

Problemlos zu beschaffen

Kurz der Blick in den Handel: Beschaffungsprobleme bereitet „Die Klotzköpfe“ nicht. Die Einzel-DVD ist lieferbar, ebenso die „Dick & Doof Collection 1“ mit zehn DVDs, in der der Film enthalten ist. Es lohnt sich! Mit seiner enormen Gagdichte ist „Block-Heads“, so der Originaltitel, ein Füllhorn an Dialogwitz und Situationskomik und gehört zweifellos zu den Großtaten von Laurel und Hardy. Im Zusatzmaterial der DVD findet sich in zwei Schnittfassungen (siehe unten) der Kurzfilm „Die brennende Nachbarin“ („Unaccustomed as We Are“, 1929), von dem „Die Klotzköpfe“ ein paar Motive aufgegriffen hat.

Mehr Lektüre über Stan und Ollie

Mehr über Laurel und Hardy von mir zu lesen gibt’s in „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“. Die Titelgeschichte von Ausgabe #10 behandelt US-Filmkomiker, da darf das Duo nicht fehlen. Auch andere Komiker wie Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd, die Marx Brothers & Co. werden berücksichtig. Das Heft kann hier bestellt werden – unter dem Link findet Ihr auch den Inhalt.

Veröffentlichung: 15. April 2010 als DVD, 16. Oktober 2009 in der 10-DVD-Box „Dick & Doof Collection 1“

Länge: 55 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Block-Heads
Alternativtitel: Lange Leitung
USA 1938
Regie: John G. Blystone
Drehbuch: Charley Rogers, Felix Adler, Gilbert Pratt, Harry Langdon, James Parrott, Arnold Belgard
Besetzung: Stan Laurel, Oliver Hardy, Billy Gilbert, Patricia Ellis, Minna Gombell, James Finlayson
Zusatzmaterial: Kurzfilm „Die brennende Nachbarin“ („Unaccustomed as We Are“, 1929) in zwei Versionen: deutsche TV-Fassung aus „Zwei Herren dick und doof“ mit Hanns Dieter Hüsch als Erzähler (14 Min.) und Originalfassung (21 Min.), Über die deutsche Synchronfassung, Starinfos, Produktionsnotizen, Fotogalerie, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2009/2010 Studiocanal Home Entertainment

 

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Auf hoher See – Laurel & Hardy und die Posaune

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Saps at Sea

Komödie // Welch herrlicher „Double Take“: Ollie führt auf hoher See gerade das große Wort gegen den blinden Passagier Nick Grainger (Richard Cramer), als Stan ihm die Zeitung hinhält, die den Mann auf der Titelseite als gesuchten Mörder ausweist. Achtlos reicht Ollie seinem Kumpel das Blatt zurück, redet weiter auf Nick ein, bis ihm – Schluck! – ein Licht aufgeht. Dieses Wahrnehmen eines bedeutsamen Sachverhalts erst im zweiten Atemzug ist ein typisches Stilmittel des Genres Slapstick-Komödie und von Laurel und Hardy in ihren Filmen zur Perfektion getrieben worden.

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Wohin ist der Hafen verschwunden?

Es beginnt mit einem Nervenzusammenbruch: Zum vierten Mal in der Woche wird ein Arbeiter einer Hupenfabrik ins Krankenhaus eingewiesen, der der permanenten Beschallung mit Hupgeräuschen nicht gewachsen war. Auch Stan und Ollie arbeiten dort. Die Liebe steckt im Detail: Im „Horn Testing Department“ finden sich an der Wand Schilder mit den Hinweisen „Quiet Please“ und „Silence While Men Are Working“, während permanent gehupt und getrötet wird.

Zum einen Ohr rein, zum anderen raus

Stan hat damit allerdings keine Probleme: Auf Ollies Frage, ob er sich das ewig anhören könne, erwidert er: Ja, das geht ins eine Ohr rein und beim anderen raus. Ollie hingegen kann es nicht mehr ertragen und rastet aus, sodass die beiden heimgehen dürfen – was zu einer hübschen Szene mit der Verwechslung der beiden unterschiedlich großen Jacken führt, ein weiterer Running Gag, der in den Filmen des Duos häufiger noch mit ihren Hüten zu bemerken ist.

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Hätte Stan nur nicht in die Posaune geblasen

Es sind so viele göttliche Szenen, die ich anführen kann. Als Stan und Ollie ihr Auto besteigen, um nach Hause zu fahren, verklemmt sich – was sonst? – die Hupe, was zu einem Dauerton führt. Sogleich versammelt sich eine Menschenmenge samt Polizist. Stan behebt den Schaden, indem er mit einem Hammer auf den Motor klopft. Der Motor fällt daraufhin durch den Boden auf die Fahrbahn. Unter dem Gelächter der Passanten hievt Stan ihn auf den Rücksitz. Sonderbarerweise fährt das Auto immer noch, wenn auch rückwärts.

Ziegenmilch und Seeluft

Ollies Untersuchung durch den Arzt (wie immer herrlich grimassierend: James Finlayson) ist allein eine szenische Abhandlung wert, aber belassen wir es dabei. Der gute Doktor empfiehlt eine Ziegenmilchdiät und Seeluft. Weil Ollie nicht aufs Meer will, hat Stan die rettende Idee, ein Segelboot zu mieten und einfach im Hafen zu bleiben. Gesagt, getan, doch weil des Nachts die für die Ziegenmilchdiät besorgte Ziege den Tampen durchbeißt, finden sich Stan und Ollie am nächsten Tag auf hoher See wieder – noch dazu in Gesellschaft des flüchtigen Mörders Nick Grainger, der sich aufs Boot geschlichen hat.

Abschied von Hal Roach

„Saps at Sea“, so der Originaltitel, markiert den Anfang vom Ende der großen Laurel-und-Hardy-Komik. Der Vertrag der beiden mit den Hal Roach Studios lief aus, das Duo hatte kurz vor Beginn der Dreharbeiten sogar eine eigene Produktionsfirma gegründet, der allerdings kein großer Erfolg beschieden war. Es folgten noch neun gemeinsame Filme, von denen keiner an ihre Großtaten herankam. Als bestes Spätwerk mag „Die Leibköche seiner Majestät“ („Nothing But Trouble“, 1944) durchgehen. Umso besser, dass Stan und Ollie in „Auf hoher See“ ein Feuerwerk grandioser Gags abbrennen, das seinesgleichen sucht – und nur in früheren Filmen findet. Da wäre unter dem Dach der Hal Roach Studios noch einiges möglich gewesen.

Letzte Zusammenarbeit mit James Finlayson und Charlie Hall

Der Weggang von Roach bedeutete zudem das Ende der Zusammenarbeit mit lieb gewonnenen Nebendarstellern: „Auf hoher See“ ist der letzte Laurel-und-Hardy-Film mit den ewigen Gegenspielern Charlie Hall und James Finlayson, die vertraglich an die Hal Roach Studios gebunden blieben. Für zwei weitere Nebendarsteller war es gar der letzte Film überhaupt: Harry Bernard, in vielen Filmen als Polizist eine Laurel-und-Hardy-Nemesis, starb am 4. November 1940. Einen nur wenige Sekunden dauernden Cameo-Auftritt als Klempner am anderen Ende der Telefonleitung hat der Komiker Ben Turpin, dessen Stern nach Ende der Stummfilmzeit gesunken war. Er starb am 1. Juli 1940.

Bei den Dreharbeiten verliebte sich Oliver Hardy in Virginia Lucille Jones, die als Script Girl dafür zuständig war, die in den Drehbuch-Sitzungen entstandenen Ideen der Gag-Schreiber abzutippen. Sie wurde am 7. März 1940 seine dritte und letzte Ehefrau, blieb bis zu seinem Schlaganfall-bedingten Tod am 7. August 1957 an seiner Seite.

Theo Lingen leitet den Film ein

Auf der mir vorliegenden Kinowelt-DVD ist der Film in der Synchronfassung der ZDF-Reihe „Lachen Sie mit Stan und Ollie“ enthalten – inklusive der charmanten Einleitung von Theo Lingen. Lingen – respektive Joe Hembus, der Lingens Texte geschrieben hat – weist darauf hin, dass der Film „deutlich sichtbar und völlig ungeniert in zwei Teile“ zerfalle, wobei der erste Teil das Thema von Charlie Chaplins vier Jahre zuvor gedrehtem „Moderne Zeiten“ („Modern Times“, 1936) aufnehme: die zermürbenden Bedingungen der Arbeitswelt.

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Bonusfilm: „Gespenst an Bord“: Der Kapitän braucht Hilfe …

Im Zusatzmaterial finden sich die Kurzfilme „Gespenst an Bord“ („The Live Ghost“, 1934) und „Sailors Beware!“ (1927). Letztgenanntes Werk ist ein Stummfilm und zusätzlich in einer kürzeren Fassung mit dem Titel „Die Dame mit den langen Fingern“ enthalten, die von Hanns Dieter Hüsch eingesprochen und in den 70er-Jahren im Rahmen der ZDF-Reihe „Zwei Herren dick und doof“ ausgestrahlt worden ist. Schöne Boni dieser feinen Veröffentlichung des letzten Laurel-und-Hardy-Meisterwerks.

Mehr über klassische US-Filmkomiker

Abschließend ein Hinweis: Die Titelgeschichte über US-Komiker in Ausgabe #10 der Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ enthält einen Beitrag über Laurel und Hardy von mir. Für alle, die sich mit dem Duo und ihren Kollegen wie Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd, den Marx Brothers & Co. befassen wollen: Die Ausgabe kann hier bestellt werden – unter dem Link finden sich auch Angaben zum Inhalt.

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Bonusfilm: „Gespenst an Bord“: … und erweist sich als rabiat

Veröffentlichung: 20. Mai 2010 als DVD, 16. Oktober 2009 in der 10-DVD-Box „Dick & Doof Collection 2“

Länge: 59 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Saps at Sea
Alternativtitel: Abenteuer auf hoher See / Immer wenn er hupen hörte
USA 1940
Regie: Gordon Douglas
Drehbuch: Charley Rogers, Felix Adler, Gilbert Pratt, Harry Langdon
Besetzung: Stan Laurel, Oliver Hardy, James Finlayson, Dick Cramer, Ben Turpin
Zusatzmaterial: Kurzfilme „The Live Ghost“ und „Sailors, Beware!“ plus „Die Dame mit den langen Fingern“, Über die deutsche Synchronfassung, Starinfos, Produktionsnotizen, Fotogalerie, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2009/2010 Studiocanal Home Entertainment

 

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