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Verflixte Gastfreundschaft – Buster Keaton! Buster Keaton!! Buster Keaton!!!

Our Hospitality

Von Volker Schönenberger

Stummfilm-Komödie // Puh – der Layouter des DVD-Menüs von „Verflixte Gastfreundschaft“ ist offenbar unter dem Mindestlohn beschäftigt worden. Solche Billigmenüs wollen wir eigentlich nicht mehr zu sehen bekommen. Der Rückseitentext der DVD von Studio Hamburg Enterprises ist zudem in Versalien gesetzt. Hat den Produzenten niemand erzählt, dass das furchtbar lesbar ist? Die suboptimale Produktion setzt sich mit dem ersten Untertitel fort: Verflixte Gastfreundlichkeit ist begleitend zur eingeblendeten Original-Titeltafel Buster Keaton in “Our Hospitality” zu lesen, dabei lautet der auch auf dem Cover zu lesende deutsche Titel des Films doch „Verflixte Gastfreundschaft“. Unschön, und diese Schlampigkeit zieht sich durch die gesamten Untertitel. Zu guter Letzt sei die Lauflänge erwähnt, die auf dem Cover mit 64 Minuten angegeben ist, obwohl der Film auf der DVD 74 Minuten lang ist. Dass Bild und Ton ebenfalls nicht perfekt sind, muss wohl nicht erwähnt werden – hoppla, nun habe ich es doch erwähnt. Damit immerhin kann ich bei einem bald 100 Jahre alten Film umgehen.

Die Blutfehde der Canfields und McKays

Zu Beginn des natürlich schwarz-weißen Stummfilms klären uns Texttafeln darüber auf, zu bestimmten Zeiten habe es in Teilen der Vereinigten Staaten tödliche Blutfehden zwischen verfeindeten Familien gegeben. Die Geschichte beginnt 1810 und handelt vom Zwist zwischen den Canfields und den McKays in Rockville – das liegt im US-Staat Maryland, sofern das echte Rockville gemeint ist. Im Heim von John McKay (Edward Coxen) und seiner Frau (Jean Dumas) erlebt der einjährige Sprössling Willie (Buster Keatons Sohn Buster Keaton Jr.) eine stürmische Nacht inklusive Schießerei, die sein Vater sowie ein Mitglied der Canfields nicht überleben. Willies besorgte Mutter verfrachtet ihren Sohn daraufhin zur Sicherheit zu ihrer Schwester (Kitty Bradbury) ins entfernte New York City, wo Willie (Buster Keaton) 20 Jahre später zu einem stattlichen jungen Mann herangewachsen ist.

Als er die Nachricht erhält, den Grundbesitz seiner Eltern geerbt zu haben, klärt ihn seine Tante über die Blutfehde mit den Canfields auf, was Willie nicht daran hindert, recht sorglos in seine alte Heimat aufzubrechen. Während der Reise lernt er die bezaubernde Virginia Canfield (Natalie Talmadge, Keatons damalige und erste Ehefrau, in ihrem letzten Film) kennen. Die beiden finden Gefallen aneinander, und die junge Frau lädt Willie ins Haus ihrer Familie ein. Die männlichen Canfields sind alles andere als angetan, als sie erfahren, wen Virginia ihnen da hineingeholt hat. Lästigerweise verbieten die Gesetze der Gastfreundschaft, Willie McKay an Ort und Stelle über den Haufen zu schießen.

„Hatfields & McCoys“ lassen grüßen

Canfield und McKay? Wer dabei an die Miniserie „Hatfields & McCoys“ mit Kevin Costner und Bill Paxton denkt, hat den richtigen Riecher, denn Serie wie Stummfilm sind beide inspiriert von der Hatfield-McCoy-Fehde, die zwischen 1878 und 1891 mehr als ein Dutzend Menschenleben forderte und in den USA zum Synonym für derlei Familienfehden wurde.

Herrlich, wie Willie und Virginia gemeinsam in einem frühen Eisenbahnzug durch die Gegend tuckern und der junge Mann im niedrigen Abteil seinen gar zu hohen Hut gegen einen flachen eintauscht. Buster Keatons Mimik – oder besser: sein völliger Verzicht auf Mimik – illustrieren das formidabel und machen aus einem leidlich lustigen Gag eine urkomische Szene. Kleine Ideen würzen die Fahrt, etwa ein quer über der Strecke liegender Baumstamm, der sich allerdings nicht auf, sondern unter den Gleisen befindet. Als die Gleisspur gar zu holprig wird, verlässt das Gefährt sie kurzerhand und setzt den Trip auf einem Feldweg fort. Irgendwann überholen die Passagierwagen sogar die Lok, wie auch immer ihnen das gelingt. Für die Dreharbeiten wurde eine Dampflokomotive des zeitgenössischen Modells „Rocket“ nachgebaut, den Lokführer spielte Buster Keatons Vater Joe.

Willie hat im Zug neben Virginia Hutprobleme

Der 20 Jahre früher spielende Prolog von „Verflixte Gastfreundschaft“ fällt überraschend humorfrei, gar tragisch aus. Das ändert sich in der Folge, aber es bleibt doch ein vergleichsweise sanfter Slapstick, kaum absurd, wie man es oft bei Buster Keaton gesehen hat. „Our Hospitality“, so der Originaltitel, steht dafür, dass Joseph Canfield (Joe Roberts), Patriarch der Feindesfamilie, seinen Söhnen Clayton (Francis X. Bushman Jr.) und Lee (Craig Ward) verbietet, Willie zu töten, während er als Gast bei ihnen weilt. Das führt so weit, dass die beiden auf ihn schießen, als er die Flucht ergreift und dabei das Haus der Canfields verlässt, die Waffen aber sogleich wieder einstecken, als er sich zurück ins Gebäude rettet.

Vermächtnis von Antagonist Joe Roberts

Joe Roberts, Darsteller des Antagonisten Joseph Canfield, spielte von 1920 bis 1923 insgesamt 19 Mal an der Seite von Buster Keaton – meist dessen Gegenpart. Während der Dreharbeiten zu „Our Hospitality“ erlitt er einen Schlaganfall, kehrte aber bald darauf aus dem Krankenhaus an den Set zurück und beendete den Dreh. Ein weiterer Schlaganfall kurz darauf setzte seinem Leben mit 52 Jahren ein Ende.

Regisseur John G. Blystone drehte von Beginn seiner Laufbahn 1914 bis 1922 ausschließlich Kurzfilme. „Verflixte Gastreundschaft“ ist seine einzige Regiearbeit mit Buster Keaton, der dafür ebenfalls Regisseurs-Credits erhielt. Er beendete seine Karriere 1938 mit seinen einzigen beiden Laurel-und-Hardy-Filmen „Als Salontiroler“ („Swiss Miss“) und „Die Klotzköpfe“ („Block-Heads“).

Buster Keaton inspirierte Jackie Chan

Wie zeitlos Buster Keaton und sein Gesamtwerk trotz des großen Alters und als Stummfilme mit Schwarz-Weiß-Bild einzuordnen sind, belegt allein schon die Tatsache, dass kein Geringerer als Jackie Chan Keaton stets als sein größtes Vorbild bezeichnet hat. Darauf lassen sich letztlich alle von Chans beim Dreh erlittenen Verletzungen bis hin zu etlichen Knochenbrüchen zurückführen, denn der chinesische Superstar ließ es sich nie nehmen, all seine Stunts selbst auszuführen, wie es lange vor ihm auch Buster Keaton praktiziert hatte. Und wer glaubt, das sei im Stummfilm womöglich harmlos gewesen, möge sich eine Video-Kompilation davon anschauen. Auch „Verflixte Gastfreundschaft“ enthält ein paar Beispiele dafür, allen voran die Szene am Wasserfall. Dieser mag als Ideengeber für den etwas holprigen alten deutschen Titel „Bei mir – Niagara“ gedient haben, dessen Herkunft ich nicht ergründen konnte. Lief der Film tatsächlich mal unter diesem Titel in deutschen Kinos?

Natürlich wünschen wir uns, Willie und Virginia mögen zueinander finden und auf diese Weise die Fehde zum Ende führen, und ich spoilere wohl nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass die Handlung auch darauf zusteuert. Ein Schlussgag mit all den Schusswaffen der Canfields rundet die Stummfilm-Komödie wunderbar ab. „Verflixte Gastfreundschaft“ verbindet Humor und Romantik mit schön fotografierten Kulissen und einer gut aufgelegten Besetzung zu einem poetischen Gesamtkunstwerk, das eine viel sorgfältiger produzierte Edition verdient hätte als die deutsche DVD-Erstveröffentlichung. Besser als nichts, muss man da wohl seufzend konstatieren. „Our Hospitality“ gehört im Übrigen zur Public Domain und kann daher kostenlos und völlig legal im Internet Archive angeschaut und heruntergeladen werden. Gegenüber dem Kauf der deutschen DVD vielleicht die bessere Wahl.

Abschließend ein Lektüretipp für alle des Englischen Mächtigen: 2002 hat der renommierte US-Filmkritiker Roger Ebert eine schöne Würdigung Buster Keatons veröffentlicht.

Veröffentlichung: 24. Mai 2019 als DVD

Länge: 74 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Englisch (Texttafeln)
Untertitel: Deutsch
Alternativtitel: Bei mir – Niagara
Originaltitel: Our Hospitality
USA 1923
Regie: John G. Blystone (als Jack Blystone), Buster Keaton
Drehbuch: Jean C. Havez, Clyde Bruckman, Joseph A. Mitchell
Besetzung: Buster Keaton, Natalie Talmadge, Joe Roberts, Francis X. Bushman Jr. (als Ralph Bushman), Monte Collins, Craig Ward, Joe Keaton, Kitty Bradbury, Buster Keaton Jr., Edward Coxen, Jean Dumas
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfoto: © 2019 Studio Hamburg Enterprises, Filmplakate: Fair Use

 

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Silent Movie – Mel Brooks’ Stummfilm-Verrücktheit

Silent Movie

Von Lutz R. Bierend

Komödie // Dem jüngeren Publikum ist der Name Mel Brooks vermutlich eher aufgrund der „Star Wars“/SciFi-Persiflage „Spaceballs“ von 1987 bekannt. Mit „Robin Hood – Helden ins Strumpfhosen“ (1993) und „Dracula – Tot aber glücklich“ (1995) unternahm der Filmemacher in den 90ern zwei weitere mehr oder weniger lustige Versuche, berühmte Kinovorlagen durch den Kakao zu ziehen. Wenn man dieses späte Œuvre des Regisseurs Mel Brooks betrachtet, mag man es kaum glauben, dass dieser Mann in den 70ern nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch außerordentlich lustiger Komiker und Regisseur war. Er ist bekannt für das Zitat „Ich bin der einzige Jude, der jemals einen Dollar mit ‚Hitler verdient hat“, denn nicht nur hat ihm sein Debüt „Frühling für Hitler“ („The Producers“) 1969 seinen ersten und einzigen Oscar eingebracht (bestes Drehbuch) und ihn als Komödien-Regisseur etabliert, auch war die Musicalversion, die er von diesem Stoff 2001 am Broadway herausgebracht hat, das erfolgreichste Musical seit dreißig Jahren: Die Bühnenversion war für 15 Tonys (den Broadway-Oscar) nominiert, von denen sie zwölf gewonnen hat (mehr als jedes andere Musical zuvor), und lief dort sechs Jahre in Folge. Dass „Frühling für Hitler“ in Deutschland kein Erfolg war, lag wohl vor allem am deutschen Filmtitel und dem in Deutschland verständlicherweise etwas verkrampfteren Umgang mit Komödien, die sich über den GröFaZ lustig machen.

Der Schöne und das Biest: Vilma Kaplan soll Mel Funn das Herz brechen

Insofern erfreulich, dass sich Pidax Film Mel Brooks’ früherem Werk angenommen hat und „Mel Brooks’ letzte Verrücktheit – Silent Movie“ in einer neu gemasterten Version auf den Markt bringt. Mit „Silent Movie“ erstellte Mel Brooks eine Hommage an die Helden der Stummfilmzeit, die in den frühen Tages des Kinos mit Slapstick die Massen amüsierten.

Stummfilmer erwacht nach 40 Jahren aus dem Koma

Der Film erzählt die Geschichte von Mel Funn, einem alten Stummfilm-Regisseur, der nach 40 Jahren aus dem alkoholbedingten Koma erwacht und sein altes Studio mit der neuesten Idee zu überzeugen versucht: einem Stummfilm. „Slapstick is Dead!“, wird ihm entgegengeworfen, und erst als er verspricht, die größten Stars der 70er für diesen Film zu engagieren, beginnen die Registerkassen vom Boss von „Big Pictures“ zu klingeln, denn das Studio befindet sich in finanzieller Not. In einer Zeit, in der sich das Fernsehen zu einer großen Konkurrenz entwickelt hat, braucht fast jedes der großen Studios eben endlich mal wieder einen echten Kassenschlager.

Fast prophetisch: Popcorn in der Mülltonnenportion

„Silent Movie“ erzählt, wie Mel Funn eben diese Stars zur Mitarbeit an seinem Stummfilm überredet, und der Cast des Films liest sich wie ein Who’s Who der 70er-Jahre-Stars: Burt Reynolds, Paul Newmann, James Caan, Liza Minelli und Anne Bancroft sowie der französische Pantomime Marcel Marceau, der paradoxerweise als einziger Darsteller überhaupt etwas sagt: ein einziges Wort, was „Silent Movie“ einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde einbrachte – für die wenigsten gesprochenen Zeilen in einem Tonfilm.
Doch mit der Besetzung der Stars ist es für Mel Gunn nicht getan, denn die bösartige Investorengemeinschaft „Engulf & Devour“ (in der deutschen Synchronisation: „Gierschlund und Raffke“) hat sich vorgenommen, das strauchelnde Studio aufzukaufen und setzt daher alles daran, die Premiere des Stummfilms zu verhindern.

Slapstick inspiriert von wahren Begebenheiten

Mel Brooks lebt sein Faible für Absurditäten und Slapstick voll aus, und er gibt vielen Stars der Stummfilmära Gelegenheit, noch einmal ihr Talent in Szene zu setzen. Ironischerweise basiert „Silent Movie“ quasi auf einer wahren Geschichte. Zwar lag Mel Brooks nicht 40 Jahre im Koma, aber als er mit seiner Idee, eine Hommage an Harold Lloyd und Buster Keaton zu drehen, bei Twentieth Century Fox vorstellig wurde, wollte man ihn vor die Tür setzen. Das Studio hatte gerade finanzielle Probleme und wollte sich nicht von so einer absurden Geschichte die Bilanz verhageln lassen. Zwar hatte Mel Brooks 1974 mit „Frankenstein Junior“ und „Der Wilde Wilde Westen“ zwei der erfolgreichsten Fox-Filme des Jahres beigesteuert, aber einen Stummfilm? In den 70ern? Das Unternehmen Gulf and Western Industries hatte ein paar Jahre zuvor schon Paramount übernommen, obwohl es nichts von Film verstand, und tatsächlich waren solche Firmen auch an einer Übernahme der Fox-Studios interessiert und lieferten das Vorbild für „Engulf and Devour“ im Film. Erst als Mel Brooks versprach, er würde für diesen Film große Stars ranschaffen, gab Fox das Okay, und siehe da: „Silent Movie“ wurde ein Erfolg.

Beim Who’s Who der 70er-Jahre-Stars darf Liza Minnelli nicht fehlen

Mel Brooks muss ein sehr überzeugender Verhandlungspartner gewesen sein, denn er schwört, dass keiner seiner Stars mehr als 300 Dollar Tagesgage haben wollte. Auch wenn man damals von Millionengagen heutiger Tage weit entfernt war, lag das weit unter den üblichen Stargagen. Es schien allen doch ein zu verlockender Spaß zu sein, in der eigenen Identität aufzutreten und mit ihren Starklischees zu kokettieren. Anne Bancroft (damals schon mit Brooks verheiratet) als ewige Mrs. Robinson, die sich von sechs jungen Kerlen gleichzeitig den Hof machen lässt, Burt Reynolds, der zu dieser Zeit eher als harter Mann im Kino zu sehen war, spielt sich so ironisch selbstverliebt, dass sich kein Karikaturist getraut hätte, ihn so überzogen darzustellen. Die beste Szene hat sich wohl Paul Newman herausgepickt: Mit seiner Verfolgungsjagd im elektrischen Rollstuhl durfte er seiner Leidenschaft für den Motorsport frönen.

Unterschätzt: „Das Leben stinkt“

„Silent Movie“ ist voller absurder Ideen – die absurdesten sind in der Endfassung sogar noch rausgeschnitten worden – und legendärer Szenen. Wenn der deutsche Titel von „ Mel Brooks’s letzter Verrücktheit“ spricht, ist das übrigens fast prophetisch zu verstehen, denn „Silent Movie“ ist der letzte Film von Mel Brooks, der sich nicht darauf beschränkte, die Filmgeschichte zu persiflieren, und leider muss man sagen, dass seine Persiflagen selten auf dem Niveau der ZAZ-Filme wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (1980), „Top Secret“ (1984) oder „Die nackte Kanone“ (1988) liegen. Einzige Ausnahmen: seine Hitchcock-Hommage „Höhenkoller“ (1977) und die 1991 weit unter Wert gelaufene Komödie „Das Leben stinkt“, die sein Talent in einer originären Geschichte ahnen lässt.

Bedauerlicherweise hat Pidax Film bei dieser Neuveröffentlichung mit den Extras gegeizt. Während die US-Blu-ray ausführlich über die Entstehungsgeschichte und die historischen Vorbilder des Slapsticks informiert, muss man sich bei der Neuauflage mit einer Bildergalerie und dem Trailer begnügen. Das lässt eine Empfehlung der DVD schwerfallen, Auch wenn die Komödie selbst sicher zu den amüsantesten Mel-Brooks-Filmen zählt.

In Ritterrüstung die Kantine zerlegen – wem würde das keinen Spaß machen?

Veröffentlichung: 23. November 2018 und 3. Juli 2003 als DVD

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Silent Movie
USA 1976
Regie: Mel Brooks
Drehbuch: Mel Brooks, Ron Clark, Rudy De Luca, Barry Levinson
Besetzung: Mel Brooks, Marty Feldman, Dom DeLuise, Sid Caesar, Harold Gould, Ron Carey, Bernadette Peters, Carol Arthur, Liam Dunn, Fritz Feld, Chuck McCann, Liza Minnelli, Burt Reynolds, James Caan, Anne Bancroft, Marcel Marceau, Paul Newman
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Trailer, Wendecover
Label: Pidax Film (2018), Twentieth Century Fox Home Entertainment (2003)
Vertrieb 2018: Al!ve AG

Copyright 2019 by Lutz R. Bierend
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Pidax Film

 

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Die Klotzköpfe – Laurel & Hardy: Im Schützengraben vergessen

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Block-Heads

Von Volker Schönenberger

Komödie // Wir schreiben das Jahr 1917. Der Weltkrieg ist in vollem Gange. In den Schützengräben sind auch die zwei Freunde Stan (Laurel) und Ollie (Hardy) zugegen. Bei einem Ausfall werden die beiden getrennt: Ollie muss mit den anderen Soldaten hinaus, die feindlichen Reihen stürmen, Stan schiebt weiter Wache. Aus nicht weiter benannten Gründen kehrt die Einheit nicht zu ihrem Kameraden zurück, Stan bleibt auf seinem Posten – auch noch, als einige Zeit später der Waffenstillstand verkündet wird. Um genau zu sein: Stan schiebt bis 1938 Wache im Schützengraben, bis ihn ein Pilot, den er beschießt, darüber aufklärt, dass der Krieg vor 20 Jahren zu Ende gegangen ist.

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Ollie darf mal wieder das von Stan verursachte Chaos ausbaden

Just an seinem ersten Hochzeitstag mit der bezaubernden Mrs. Hardy (Minna Gombell) erfährt Ollie, dass sein tot geglaubter Kumpel quicklebendig ist. Er sucht ihn im Veteranenheim auf, in dem Stan als Kriegsheld untergekommen ist, und bringt ihm mit nach Hause. Eine Schneise der Verwüstung ist die Folge …

Kriegsversehrt – oder doch nicht?

Herrliche Szene: Stan hat es sich mit untergeschlagenem Bein auf einem Rollstuhl im Garten des Veteranenheims bequem gemacht, als Ollie ihn nach zwei Jahrzehnten zum ersten Mal wiedersieht. Im Glauben, sein verschollener Kumpel habe im Krieg ein Bein gelassen, schiebt Ollie den Rollstuhl bereitwillig durch die Gegend, zeigt sich auch ansonsten sehr hilfsbereit und sogar verzeihend, als ihn Stan mit dem Gartenschlauch nass macht. Als ein anderer Veteran den Rollstuhl fordert, legt sich Ollie mit ihm an, kassiert gar eine Backpfeife und trägt Stan im Anschluss auf den Armen – bis er merkt, dass Stan im Besitz beider Beine ist. Wer kann sich Ollies Gesichtsausdruck vorstellen? Im Anschluss nimmt das Chaos aber erst recht seinen Lauf, Ollies Geduld wird auf eine harte Probe gestellt.

Billy Gilbert und James Finlayson

Gleich zwei berühmte Widersacher des Duos sind in „Die Klotzköpfe“ zu sehen: James Finlayson hat einen Auftritt auf einer Treppe und legt sich mit Ollie an, was in eine kurze Slapstick-Prügelei mündet. Billy Gilbert gibt einen eifersüchtigen Ehemann und Nachbarn von Ollie inklusive wunderbarem Schlussgag, der bereits 1928 im Kurzfilm „We Faw Down“ zu sehen war (zu finden im Bonusmaterial der DVD von „Die Wüstensöhne“): Als er Stan und Ollie mit seiner Flinte durch die Straßen jagt, flüchten aufgrund der Schüsse allerorten andere Männer aus Fenstern.

Der Trick mit dem ansatzlosen Kinnhaken

Eine andere Szene hat mich losprusten lassen: Stan zeigt einem renitenten Nachbarn (Harry Woods) die linke Faust und versetzt ihm unvermittelt und ansatzlos mit der rechten (!) einen Kinnhaken, der seinen Kontrahenten ins Reich der Träume schickt. Da macht Ollie aber Augen! Der hatte kurz zuvor von dem Herrn zwei Tritte in den Hintern kassiert, die an sich Stan galten. Ich musste einfach mehrmals zurückspulen und die Szene erneut schauen. Da man filmische Gags manchmal schwer nacherzählen kann, sei auf die Szene bei YouTube verwiesen.

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„Bleib doch!“ Ollie beschwört seine geplagte Ehefrau

Regisseur John G. Blystone hatte kurz zuvor für „Dick und Doof als Salontiroler („Swiss Miss“) erstmals mit dem Duo zusammengearbeitet. Er starb kurz nach den Dreharbeiten zu „Die Klotzköpfe“ mit nur 45 Jahren an einer Herzattacke. Zu seinen bekanntesten Regiearbeiten zählen „Die verflixte Gastfreundschaft“ („Our Hospitality“, 1923) mit Buster Keaton als Star und Ko-Regisseur sowie das Krimidrama „Great Guy“ (1938) mit James Cagney.

Problemlos zu beschaffen

Kurz der Blick in den Handel: Beschaffungsprobleme bereitet „Die Klotzköpfe“ nicht. Die Einzel-DVD ist lieferbar, ebenso die „Dick & Doof Collection 1“ mit zehn DVDs, in der der Film enthalten ist. Es lohnt sich! Mit seiner enormen Gagdichte ist „Block-Heads“, so der Originaltitel, ein Füllhorn an Dialogwitz und Situationskomik und gehört zweifellos zu den Großtaten von Laurel und Hardy. Im Zusatzmaterial der DVD findet sich in zwei Schnittfassungen (siehe unten) der Kurzfilm „Die brennende Nachbarin“ („Unaccustomed as We Are“, 1929), von dem „Die Klotzköpfe“ ein paar Motive aufgegriffen hat.

Mehr Lektüre über Stan und Ollie

Mehr über Laurel und Hardy von mir zu lesen gibt’s in „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“. Die Titelgeschichte von Ausgabe #10 behandelt US-Filmkomiker, da darf das Duo nicht fehlen. Auch andere Komiker wie Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd, die Marx Brothers & Co. werden berücksichtigt. Das Heft kann hier bestellt werden – unter dem Link findet Ihr auch den Inhalt.

Veröffentlichung: 15. April 2010 als DVD, 16. Oktober 2009 in der 10-DVD-Box „Dick & Doof Collection 1“

Länge: 55 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Block-Heads
Alternativtitel: Lange Leitung
USA 1938
Regie: John G. Blystone
Drehbuch: Charley Rogers, Felix Adler, Gilbert Pratt, Harry Langdon, James Parrott, Arnold Belgard
Besetzung: Stan Laurel, Oliver Hardy, Billy Gilbert, Patricia Ellis, Minna Gombell, James Finlayson
Zusatzmaterial: Kurzfilm „Die brennende Nachbarin“ („Unaccustomed as We Are“, 1929) in zwei Versionen: deutsche TV-Fassung aus „Zwei Herren dick und doof“ mit Hanns Dieter Hüsch als Erzähler (14 Min.) und Originalfassung (21 Min.), Über die deutsche Synchronfassung, Starinfos, Produktionsnotizen, Fotogalerie, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Die_Klotzkoepfe-Cover-Box

Fotos & Packshots: © 2009/2010 Studiocanal Home Entertainment

 

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