RSS

Schlagwort-Archive: Splatter

Horror für Halloween (XXIII): Grotesque – Japanischer Torture-Porn-Exzess

Gurotesuku

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Mit einem Hammer schlägt ein Mann (Shigeo Ôsako) das junge Paar Aki (Kotoha Hiroyama) und Kazuo (Hiroaki Kawatsure) nieder, als die beiden gerade durch einen Tunnel schlendern. Als sie aus der Bewusstlosigkeit erwachen, hat sie ihr Entführer geknebelt und auf zwei Brettern festgeschnallt. Für Aki und Kazuo beginnt ein Folter-Martyrium, das sie sich in ihren schlimmsten Albträumen nicht übler hätten ausmalen können.

Wird das erste Date auch das letzte?

In einer Rückblende erfahren wir, dass es für Aki und Kazuo ihre erste gemeinsame Verabredung war. Die beiden kennen einander erst kurz. Unmittelbar vor der Entführung fragte die junge Frau ihren Begleiter im Scherz: Würden Sie für mich sterben? Seine Antwort: Falls es so weit kommt, werde ich mein Bestes tun. Wir werden es gewahr werden, wie sein Bestes aussieht – gar nicht so schlecht. Ihr Folterknecht hat medizinisches Fachwissen und kennt die menschliche Anatomie gut. So gut, dass er genau weiß, wo er bestmöglich Schmerzen erzeugen und Verstümmelungen vornehmen kann, ohne den Tod seiner Opfer herbeizuführen.

Keine Gnade im Folterkeller

Regisseur Kôji Shiraishi („Carved – The Slit-Mouthed Woman“) verfilmte sein eigenes Drehbuch. „Grotesque“ ist Torture Porn reinsten Wassers, hier geht es einzig um die Zurschaustellung von Folter, Schmerz, Blut und Splatter; auch sexualisierte Gewalt müssen Ari und Kazuo erleiden. Lasst alle Hoffnung fahren, der „Doktor“ würde in seinem Tun einhalten – was Gorehounds ohnehin auf die Palme bringen würde. Diese können sich vielmehr an ein wenig Makita-Product-Placement erfreuen, auch wenn ich nicht glaube, dass der japanische Elektrowerkzeug-Fabrikant es goutiert, auf diese Weise cineastische Präsenz zu erhalten. In geringen Dosen kommt auch schwarzer Humor zum Tragen, was aber keineswegs durchatmen lässt. Über die gesamte geringe Spieldauer von 73 Minuten bleibt das Publikum schmerzhaft nah an dem jungen Paar und seiner Pein.

Motivation unbedeutend

Zwar bekräftigt der Doktor, Aki und Kazuo freilassen zu wollen, sofern sie ihn von seinem Überlebenswillen überzeugen, das führt aber keineswegs zu einer profunden Thematisierung der menschlichen Psyche. Anders als etwa bei „Martyrs“ (2008) spielen die Motive des Folterers keine Rolle (so verblendet die Beweggründe der Täterschar in dem meisterhaften französischen Terrorfilm auch gewesen sein mögen – es gab sie). Er quält seine Opfer, weil er es kann.

Beschlagnahme möglich

Das in etwas reduzierter Farbsättigung inszenierte Folter-Kammerspiel kommt mit einer Schauspielerin und zwei Schauspielern aus, an deren Leistung nichts auszusetzen ist. Eine Menge auszusetzen an „Grotesque“ hatte erwartungsgemäß die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die das Werk 2010 auf Liste B indizierte. Dies ermöglicht eine gerichtliche Überprüfung auf strafrechtliche Relevanz gemäß § 131 StGB und somit die Beschlagnahme, zu der es bislang aber meines Wissens nicht gekommen ist. Eine zensierte Fassung mit FSK-Freigabe hat es in Deutschland bislang nicht gegeben. Es ergibt auch keinen Sinn, einen Film um Gewaltszenen zu kürzen, dem es einzig um eben diese Gewaltszenen geht.

Verweigerungshaltung auch beim BBFC

Selbst das gemeinhin etwas gnädiger gestimmte British Board of Film Classification (BBFC) verweigerte „Grotesque“ die Freigabe, weshalb der Film im Vereinigten Königreich nie veröffentlicht werden wird. Regisseur Kôji Shiraishi reagierte auf die seiner Ansicht nach erwartbare Nachricht erfreut. Als Reaktion darauf äußerte er, sein Film sei eine wahrhaftig gewissenhafte Arbeit, die darauf abziele, sogenannte Moralisten aufzubringen. Etwas billig, wie ich finde, aber lassen wir ihm diese Haltung. Schwarzen Humor bewies er mit seiner Empfehlung, „Grotesque“ eigne sich für Paare, um den Film in ihrer „Quality Time“ gemeinsam zu schauen. Ich würde das nicht tun (meine Frau schon mal gar nicht).

Schmerzen tun nicht weh

Es gibt gute Gründe, selbstzweckhafte Gewalt abzulehnen. Wer das tut, mache um „Grotesque“ einen großen Bogen. Unbedarft und womöglich ohne Kenntnis harter Horrorfilme auf den Film zu stoßen, kann Rezipienten nachhaltig verstören. Für Kinder und Jugendliche eignet er sich ganz und gar nicht. Einer Einordnung in „gut“ oder „schlecht“ oder irgendwo dazwischen entzieht sich das Werk. Der eine oder andere Gorehound ohne Interesse an ausgefeiltem Storytelling wird frohlocken.

Länge: 73 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Originaltitel: Gurotesuku
JAP 2009
Regie: Kôji Shiraishi
Drehbuch: Kôji Shiraishi
Besetzung: Kotoha Hiroyama, Hiroaki Kawatsure, Shigeo Ôsako

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Horror für Halloween (XVI): Two Heads Creek – Blutig-humoriger Trip ins australische Hinterland

Two Heads Creek

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Eine unbedachte Bemerkung einer Bekannten bei der Trauerfeier ihrer Mutter enthüllt dem introvertierten Metzger Norman (Jordan Waller) und seiner exaltierten Zwillingsschwester Annabelle (Kathryn Wilder): Die Frau, die sie aufgezogen hat, war gar nicht ihre leibliche Mutter. Eine alte Postkarte aus dem australischen Two Heads Creek gibt den beiden einen Hinweis, und so fliegen Norman und Annabelle von England auf die andere Seite des Erdballs.

Von England verschlägt es Norman und Annabelle …

Im etwas heruntergekommenen Kaff Two Heads Creek in der hintersten Ecke des australischen Bundesstaats Queensland angekommen, treffen die Zwillinge auf eine skurrile Einwohnerschar. Die erweist sich zwar einerseits als recht gastfreundlich, scheint aber andererseits nicht daran interessiert, dass die beiden lange bleiben. Annabelle und Norman erfahren, dass ihre leibliche Mutter Mary Pearce (Kerry Armstrong) erst kürzlich gestorben ist. Am australischen Nationalfeiertag Australia Day soll sie zu Grabe getragen werden. Etwas ist faul in Two Heads Creek – gewaltig faul.

… ins australische Hinterland

Mit seinem Langfilm-Regiedebüt „Arrowhead“ (2016) bereicherte Jesse O’Brien das Science-Fiction-Genre um eine feine kleine Dystopie nach eigenem Drehbuch. Für den Nachfolger wechselte er ins Fach der Horrorkomödie und verfilmte das Skript des Schauspielers Jordan Waller („Die dunkelste Stunde“), der in dem Hinterwäldler-Ulk auch gleich die Hauptrolle übernahm. Heraus kam ein ausgelassener Spaß, der das Backwoods-Motiv sicher nicht neu erfindet, dem man aber die Freude seiner Macher jederzeit ansieht.

FSK 18 für die ungeschnittene Fassung

Eine Weile lebt „Two Heads Creek“ von den gegensätzlichen Zwillingen, und das mit durchaus scharfzüngigen Dialogen. Norman kneift gern mal, wenn es drauf ankommt, während sich seine Schwester Annabelle tough gibt. Sie bleibt es auch, und es wird nicht überraschen, dass Norman eine Wandlung durchlebt. Die Figuren sind hüben wie drüben nicht unbedingt mit dem feinen Strich gezeichnet, aber die grobe Linie gehört in diesem Metier nun mal zum guten Ton. Recht unvermittelt, wenn auch zu erahnen, entwickelt sich der Film zum Splatterspektakel, das sich seine FSK-18-Freigabe redlich verdient hat. Schnittauflagen wurden dem deutschen Publisher Busch Media Group dafür nicht auferlegt.

Dort herrschen raue Sitten …

Ein paar Klischees werden auf die Schippe genommen, etwas Gesellschaftskritik wird auch geboten. Die britisch-australische Produktion thematisiert Ausländerfeindlichkeit in England wie Down Under gleichermaßen, wobei in Australien das Element der Unterdrückung der Ureinwohner zum Tragen kommt – und das sogar sehr feinfühlig mit Sinn fürs Detail. Der Humor schwankt zwischen schwarz und blutrot. „Two Heads Creek“ wartet nicht mit infernalischem Gemetzel auf, ist aber angetan, Splatterfans eine gute Zeit zu bereiten. Welche australischen Horrorfilme jenseits von „Wolf Creek“ könnt Ihr empfehlen?

… und die Zwillinge erleben ihr blutiges Wunder

Veröffentlichung: 27. August 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 81 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Two Heads Creek
GB/AUS 2019
Regie: Jesse O’Brien
Drehbuch: Jordan Waller
Besetzung: Jordan Waller, Kathryn Wilder, Kerry Armstrong, Gary Sweet, Stephen Hunter, Helen Dallimore, Don Bridges, Kevin Harrington, Anna Tolputt, Kasha Bajor, Ilana Collins, Gregory J. Fryer, David Adlam, Kent Lee, Paul Armstrong
Zusatzmaterial: Making-of der Stunts (2 Min.), Trailershow, Wendecover
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 Busch Media Group

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Gewinnspiel: Bullets of Justice – 1 x auf Blu-ray, 1 x auf DVD

Verlosung

Der Dritte Weltkrieg hat nicht nur dazu geführt, dass ein Großteil der Menschheit dahingerafft wurde, zu allem Überfluss haben als Supersoldaten gezüchtete Kreuzungen aus Schwein und Mensch die Weltherrschaft übernommen. Menschen sind nur noch als Futter gut genug. Klingt durchgeknallt? Ist es auch. Die Busch Media Group hat den kasachisch-bulgarischen Trashfilm „Bullets of Justice“ (2014) fürs Heimkino veröffentlicht und uns eine Blu-ray und eine DVD zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank, auch im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Da „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress): Wer möchte, darf mir im Gewinnfalle gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Dies ist aber völlig freiwillig und keine Teilnahmevoraussetzung. Nicht freiwillig, sondern verbindlich hingegen: Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 12. September 2021, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Ich benötige obendrein die Zusage, dass die Sendung nur von Erwachsenen entgegengenommen werden kann. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray oder DVD. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf von zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Darth Oedel,
– Fabi.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Bullets of Justice“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: