RSS

Schlagwort-Archive: Sport

Killer McCoy – Von einem der lernte, der Größte zu werden

Killer McCoy

Von Ansgar Skulme

Sportdrama // Tommy McCoy (Mickey Rooney) kennt das tägliche Ringen ums liebe Geld nur zu gut. Sein Vater (James Dunn) ist Bühnenkomiker, hat aber mittlerweile keinen Erfolg mehr, er selbst schlägt sich mit kleinen Jobs und Wetten durch – mal mehr, mal weniger legal. Die verständnisvolle Mutter (Gloria Holden) hält die Familie zusammen, auch wenn Tommy mal wieder der Kragen platzt, weil der Vater sich seiner Ansicht nach nicht genügend bemüht, auch einmal etwas zu verdienen, wenn ihm die Arbeit unter seiner Würde erscheint. Durch ein zufälliges Treffen geraten McCoy und Sohn in das Rahmenprogramm bei Events des erfolgreichen Boxers Johnny Martin (Mickey Knox), der nicht nur von Tommys Gesangs- und Tanzeinlagen, sondern auch dessen Kämpferpotenzial im Ring beeindruckt ist. Und wenn ein Champion fällt, bieten sich schnell Chancen für erfolgshungrige Nachfolger. Nur eine Frage der Zeit, bis im Schatten des Erfolges der eine oder andere Spekulant ein großes Geschäft wittert. Jim Caighn (Brian Donlevy) und Cecil Walsh (Tom Tully) wetten für ihr Leben gern – und lassen von ihren Handlangern eintreiben, wovon sie denken, dass es ihnen zusteht.

„Killer McCoy“ war nicht nur ein Publikumserfolg, der an den Kinokassen ein deutliches Plus erwirtschaftete, sondern zeigt zudem einen ideal besetzten Mickey Rooney in der Hauptrolle, der allein schon dafür sorgt, dass dieser Film im Kontext der besten Boxerfilme aller Zeiten zumindest eine lobende Erwähnung finden sollte. Man kauft diesem hoch begabten Schauspieler, der singen, tanzen, dramatisch, tragisch sowie komisch überzeugen und – wie man hier sieht – auch als kämpferischer Sportler eine glaubwürdige Figur machen konnte, den Aufstieg vom Heißsporn aus normalbürgerlichen Verhältnissen zum immer reflektierter werdenden Star absolut ab. Er ist wie geschaffen für die Rolle. Vor allem wie Rooney seine enorme Bandbreite dann noch in einer sehr natürlich wirkenden, affektiven Spielweise verpackt, ist bemerkenswert und stellenweise recht visionär. Sein Schauspielstil ist zeitlos und mutet für das damalige Kino überaus modern an. Rooney war einer der eher wenigen, denen der Sprung vom Kinderstar ins Erwachsenenfach und schließlich auch in dramatische Rollen großer Tragweite glückte. Einer, der später aber auch einen guten weiteren Weg in charismatischen Nebenrollen für sich fand, ohne am Verlust der ersten Reihe zu verbittern, und bis ins hohe Alter vor der Kamera agil blieb. „Killer McCoy“ war ein Meilenstein in seiner Karriere – sein finaler Durchbruch, mit dem er letzte Zweifel begrub. Als früher Durchstarter in Hollywood musste man die Kritiker immer wieder eines Besseren belehren. Jede Rolle gleichzeitig auch ein stetiges Wehren gegen Gerüchte, vielleicht doch nur als Kinderstar, vielleicht doch nur als Teenie-Star oder vielleicht doch nur als amüsanter Spaßvogel vor der Kamera für Hauptrollen getaugt zu haben.

Was nach dem Höhepunkt kommt

Bezeichnenderweise bestreitet Killer McCoy seinen ersten Kampf im Film gegen einen von Douglas Croft verkörperten Konkurrenten. Croft war genau einer der diversen Jungstars des klassischen Hollywoods der 30er bis 50er, die jung berühmt wurden und auch jung starben – 1963 endete sein Leben durch eine akute Alkoholvergiftung im Alter von 37 Jahren. „Killer McCoy“ war Douglas Crofts letzter Film. Mickey Rooney aber blieb der tiefe Fall vieler ebenfalls frühzeitig in Hollywood erfolgreich gewesener Mitstreiter erspart.

Spannend ist, dass noch nicht einmal die Figur des Killer McCoy an einen Punkt im Film gelangt, wo ihr der Ruhm zu Kopf steigt und sie deswegen tief fällt. Sie geht insofern sehr glaubwürdig aus dem dahinterstehenden Schauspieler hervor. Im Sportlerdrama sind Twists, in denen der Held mit seinem Erfolg nicht mehr umzugehen versteht oder sich aus sonstigen Gründen gehen lässt und am Boden landet, um dann wieder aufzustehen oder auch nicht, durchaus üblich – der vorliegende Film umgeht dies aber in recht gewandter Art und Weise. Vielmehr ist es sogar so, dass McCoy eher derjenige ist, der anderen, die ihrerseits den Boden unter den Füßen verlieren, den Spiegel vorhält – angefangen bei seinem eigenen Vater. Mag er im Ring noch so wild nach vorn preschen, bleibt in jeder Szene das Gefühl vorherrschend, dass dieser Mensch immer ganz genau vor Augen hat, wo er hergekommen ist und wie schnell alles wieder vorbei sein kann.

Nobody is perfect

Diese Abkehr von gewissen Auf-und-Ab-Mustern des Sportlerfilms, was die Charakterentwicklung der Hauptfigur angeht, macht es einem dann auch ein Stück weit einfacher zu verzeihen, dass der Film in sonstiger Hinsicht durchaus die eine oder andere Schwachstelle offenbart. Manchmal wird die Story ein wenig zu oberflächlich erzählt. Ein gewisser Druck ist spürbar, das Bedienen bestimmter mutmaßlicher Vorlieben des Publikums erzwingen zu wollen. So krankt die zweite Hälfte der Erzählung etwas an einer zu starken Fokussierung auf die nun hinzukommende Liebesgeschichte sowie auf die Geschäftemacher im Hintergrund. Zudem wird versäumt, glaubwürdig zu erklären, warum McCoy sich von seinen eigenen Geldgebern als „Killer“ McCoy vermarkten lässt und sich nicht – so energisch, wie man ihn aus anderen Szenen kennt – dagegen wehrt, obwohl er den Todesfall, auf den sich dieser Spitzname bezieht, mehrfach im Film zutiefst bedauert. Auch werden einige durchaus wichtige Etappen im Zeitraffer abgespult, was die Fragen aufwirft, warum diese Hektik und warum ausgerechnet an Stellen, wenn es beispielsweise um McCoys Aufstieg und seine Erfolge im Ring sowie um die Entstehung des Spitznamens „Killer“ durch Gerichtsverhandlungen und die Presse geht. Alle Schwachstellen eint die Gemeinsamkeit, dass es sich um Passagen des Films handelt, für die man sich im Grunde genommen einfach nur mehr Mickey Rooney wünscht – womit die entstehenden Glaubwürdigkeitsprobleme wahrscheinlich überwiegend prompt gelöst gewesen wären. Ein wenig länger wäre der Film dann aber sicherlich auch geworden.

Herausforderung: Auf der Überholspur mithalten

Erwähnt werden muss ferner, dass Rooney nicht die einzige Ausnahmedarbietung im Schauspielerensemble abliefert. So sticht vor allem James Dunn in der tragischen Rolle des alkoholsüchtigen Vaters hervor, der sich verzweifelt gegen das Vergessenwerden zu wehren und immer wieder viel Schmerz wegzulächeln versucht – im Schatten seines großen Talents aus früheren Tagen. Dunn vollbringt mimisch eine Meisterleistung, die offensichtlich weit überdurchschnittliches Niveau hat. Auch Sam Levene ist als Boxtrainer glaubwürdig und authentisch besetzt. Diese Figuren, die besonders nah an Killer McCoy dran sind, mit zwei so guten Darbietungen gefüllt zu wissen, ist sehr wichtig für das Funktionieren des Films, angesichts der energiegeladenen und realitätsnah anmutenden Performance von Mickey Rooney, neben der man als Nebendarsteller verdammt schnell verblassen kann. Wenn man zudem Tom Tully aus seiner späteren Serienhauptrolle als Polizei-Ermittler in „The Lineup“ (1954–1960) kennt, macht seine verschmitzte Darbietung als risikofreudiger und gefühlskalter Wettpate in „Killer McCoy“ umso mehr Spaß – der später als hartgesottener TV-Polizist berühmt gewordene Tully hier also zunächst einmal auf der anderen Seite des Gesetzes. Dazu der zwar manchmal etwas minimalistisch spielende Brian Donlevy, dem es allerdings oft sehr gut gelang, die von ihm dargestellten Figuren recht wenig vorhersehbar wirken zu lassen. Er verkörperte Helden wie auch Schurken und auch öfter mal etwas zwischendrin; eine sich wandelnde Figur wie in „Killer McCoy“ war für ihn daher bestens geeignet. Brian Donlevy, der damals infolge seiner Hauptrollen in Fritz Langs „Auch Henker sterben“ (1943) und King Vidors „An American Romance“ (1944) durchaus noch zur ersten Liga gehörte, ist immer wieder ein schöner Gegenentwurf zu den nicht wenigen auf Helden- oder Schurkenrollen ab einem gewissen Punkt weitestgehend abonnierten Stars des klassischen Hollywood-Kinos. Ein Pokerface, dem man nie so ganz in die Karten schauen kann. Zudem ist er als ruhender Gegenpol zum rast- und ruhelos wirkenden Killer McCoy eine sehr interessante Wahl.

Killer im Wartestand

Bei „Killer McCoy“ handelt es sich um ein Remake von „Schnelle Fäuste“ (1938), in dem Robert Taylor unter der Regie von Richard Thorpe die Hauptrolle spielte. Beide Filme gibt es in den USA seit nunmehr knapp zehn Jahren auf DVD – „Schnelle Fäuste“ erschien in den Staaten fast auf den Tag genau ein Jahr nach „Killer McCoy“, im Rahmen derselben Kollektion. Beide zählen zum Corpus der von MGM produzierten Klassiker, die in die digitale Obhut der Warner Brothers übergingen und von diesen auf DVD veröffentlicht wurden. Die „Warner Archive Collection“ ist genau für solche Stücke Filmgeschichte gemacht – egal ob Warner-Eigenproduktion oder nicht. In Deutschland wurde „Killer McCoy“ offenbar erst 1990 für das Fernsehen erstmalig synchronisiert. Allzu häufig dürfte diese Fassung auch nicht ausgestrahlt worden sein – ein Schicksal, das leider etliche erst Jahrzehnte nach den Dreharbeiten für das TV neu oder erstmals deutsch synchronisierte Hollywood-Klassiker teilen, von denen viele zwar auch in den 2000er- und 2010er-Jahren noch öfters ausgestrahlt worden sind, diverse aber eben auch nicht. Insofern wäre eine Wiederentdeckung des auch mit seinen dynamisch inszenierten Kampfszenen immer wieder punktenden „Killer McCoy“ auf DVD für den deutschen Markt in mehrfacher Hinsicht wünschenswert – am besten gleich im Doppelpack mit „Schnelle Fäuste“.

Die vorliegende Synchronisation gehört zu den positiven Beispielen für deutsche Bearbeitungen über 40 Jahre älterer US-Filme. Neusynchronisationen sind atmosphärisch – vor allem bei sehr großen Abständen zur Entstehungszeit des Films – nicht immer stimmig genug, aber hier passt der Gesamteindruck. Übrigens eine Berliner Synchronfassung, wenngleich es von Hollywood-Klassikern der 30er und 40er auch viele Münchner sowie Hamburger Neusynchros gibt.

Veröffentlichung (USA): 21. Dezember 2009 als DVD

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Killer McCoy
USA 1947
Regie: Roy Rowland
Drehbuch: Frederick Hazlitt Brennan, nach einem Drehbuch von George Bruce, Thomas Lennon und George Oppenheimer
Besetzung: Mickey Rooney, Brian Donlevy, Ann Blyth, James Dunn, Tom Tully, Sam Levene, Mickey Knox, Walter Sande, Gloria Holden, Douglas Croft
Verleih: Metro-Goldwyn-Mayer / Warner Bros.

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Packshot: © 2009 MGM / Warner Bros.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Ausgezählt – Marvel im Titel, Rocky im Herzen

ausgezaehlt-us-poster

Iron Man

Von Ansgar Skulme

Sportdrama // Coke Mason (Jeff Chandler) und „Speed“ O’Keefe (Rock Hudson) verdienen sich ihr Geld mit einem Knochenjob im Untertagebau. Nachdem Coke mehrfach mit seinem Kollegen Alex Mallick (James Arness) aneinandergeraten ist, wird eine Auseinandersetzung der beiden in einem Sportstudio kurzerhand in den Boxring verlegt. Coke nimmt Mallick ordentlich auseinander und sein geschäftstüchtiger, älterer Bruder George (Stephen McNally) erkennt schnell, dass er sich eine goldene Nase verdienen kann, wenn er Cokes Manager wird und ihm Kämpfe um große Titel ermöglicht. Das Publikum allerdings hasst Coke für seinen brutalen und rachsüchtigen Kampfstil. Er boxt stets, als würde er es seinen Gegnern heimzahlen wollen, sobald diese ihn einmal hart getroffen haben – so wie einst Alex Mallick. Doch im Ring wartet eines Tages auch sein langjähriger Freund „Speed“ O’Keefe auf ihn.

Boxer- und Kampfsportfilme sind ein bis heute sehr der Tradition verpflichtetes Filmgenre, das sich in seinen dramaturgischen Elementen und hinsichtlich der Eigenheiten der Plots seit Jahrzehnten verhältnismäßig wenig gewandelt hat. Man könnte 50 oder gar 70 Jahre alte Drehbücher heute noch verfilmen, ohne dass die Geschichten veraltet wirken würden. Oft wird die Story eines armen Kerls inszeniert, der im Kampf seine Selbstverwirklichung findet, damit erfolgreich wird, gleichzeitig aber auch sich selbst zu verlieren droht, sodass alte Freunde mit ihm brechen oder er mit ihnen. Schließlich muss eine Entscheidung getroffen werden, ob sich der Held auf seine früheren Werte rückbesinnt oder sich dem ergibt, was der Erfolg bzw. das in mehrerlei Hinsicht brutale Business aus ihm gemacht haben. Vorausgesetzt, dass es nicht schon zu spät für ihn ist. „Ausgezählt“ gehört zu den besten Vertretern, die das Genre in den 50er-Jahren hervorgebracht hat, wobei sich der Film im Windschatten von einigen Werken aus den späten 40er-Jahren bewegt, so insbesondere „Ring frei für Stoker Thompson“ (1949) mit Robert Ryan und „Zwischen Frauen und Seilen“ (1949) mit Kirk Douglas, die in den USA binnen einer Woche in den Kinos gestartet waren. Empfehlenswert ist auch „Killer McCoy“ (1947) mit einem hervorragenden Mickey Rooney in einer seiner diversen guten dramatischen Rollen.

Universal antwortet mit seinen Stars

„The Set-Up“, so der Originaltitel besagten Films mit Robert Ryan, war eine RKO-Produktion, „Killer McCoy“ wurde von MGM in die Kinos gebracht und „Champion“ mit Kirk Douglas von den United Artists veröffentlicht. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass Universal reagierte. Mit „Iron Man“ fand sich ein gut ins Gefüge passender, kurzer und bündiger Titel, der damals noch keine rechtlichen Probleme machte, weil die berühmte Marvel-Comicfigur gleichen Namens erst 1963 das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Der Titel „Iron Man“ für diese Story war zudem schon wesentlich früher entstanden, da es sich bei „Ausgezählt“ um eine Verfilmung des zweiten Romans von W. R. Burnett handelt, einem der Drehbuchautoren von „Gesprengte Ketten“ (1963). Sein erster Roman zuvor: „Little Caesar“, kurz nach Print-Veröffentlichung bereits mit Edward G. Robinson verfilmt und zeitlos berühmt geworden. Auch für „Iron Man“ dauerte es vom Buch zum Film nicht länger.

„Ausgezählt“ ist das Remake eines 1931 noch unter Federführung des Produzenten Carl Laemmle Jr. bereits für Universal realisierten Films mit dem „Im Westen nichts Neues“-Star Lew Ayres in der Hauptrolle. Diese Regiearbeit von „Dracula“-Regisseur Tod Browning lief ebenfalls unter dem Titel des Romans. Mit Jeff Chandler – der im Rahmen der Promotion des Films unter anderem vor 25.000 Zuschauern zwei Runden waschecht gegen Jersey Joe Walcott boxte –, Stephen McNally, Rock Hudson und James Arness warf man mehrere Stars in den Topf, die Anfang der 50er in zahlreichen Universal-Filmen zu sehen waren. Dazu Joseph Pevney, der ein hauseigener Regisseur war, welcher seine Karriere beim Film zunächst als Schauspieler begonnen hatte, ehe er 1950 mit dem Film noir „Ohne Skrupel“ recht bald sein Regiedebüt gab, Universal seither eng verbunden war und auch blieb. Pevney drehte den Großteil seiner Kinofilme für Universal, ehe er sich Anfang der 60er-Jahre aufs Fernsehen verlegte und fortan weitgehend Serienepisoden und TV-Filme inszenierte. Er war für die Genrefilm-Produktion im Hause Universal in den 50ern einer der wichtigsten Regisseure.

Kurzweilig, gut gespielt, sehenswert

Man mag dem Film vorwerfen, dass er etwas überraschungsarm ist, allerdings gilt das, wie bereits erwähnt, letztlich für viele Boxer- und Kampfsportfilme. Entscheidend ist vielmehr, ob Darsteller und Regie zu fesseln wissen, und dahingehend ist „Ausgezählt“ gut aufgestellt. Jeff Chandler ist sehr überzeugend als Wolf im Schafspelz – man kauft ihm sowohl den redlichen Bergarbeiter als auch den brutalen Schläger ab, bei dem im Kampf plötzlich die Lichter der Vernunft ausgehen. Wenn sein eher sanftmütiges Gesicht auf einmal von Cuts und Schwellungen gezeichnet ist, spiegelt sich darauf die ganze Tragik der Geschichte bildhaft wider. Stephen McNally, der in den 50ern unter allen Hollywood-Schauspielern mit am besten den Spagat zwischen Heldenrollen und Schurkenparts schaffte – und mehr Hauptrollen spielte als manchem bewusst sein dürfte –, liefert als windiger Geschäftemacher ein Kabinettstückchen ab; nicht minder überzeugend ist Jim Backus als dicker Fisch unter den Sportjournalisten, der schließlich umsattelt und die Seiten wechselt. Und Rock Hudson, dessen „Speed“ O’Keefe dem immer verbitterter werdenden Coke Mason bis es nicht mehr zu gehen scheint die Treue hält und sich sogar von ihm verprügeln lässt, spielte seine Rolle mit einer berührenden Hingabe, die die finale Konfrontation der beiden schließlich zu einer besonders spannenden und mitreißenden Szene erhebt. Nicht zu vergessen die beiden Damen zwischen den anderen großen Rollen in dieser von Männern reichhaltig gespickten Geschichte: Evelyn Keyes als Masons Ehefrau gibt der Story von der Rahmenhandlung aus die notwendige empathische Ebene; Joyce Holden spielt die Rolle der Fotografin „Tiny“ Ford, die zwischen die Ehepartner gerät, mit angenehmer, souveräner Würde – keine Spur von einem ehebrecherischen Flittchen. Masons vorübergehende Entfremdung von seiner Frau wird generell sehr erwachsen und ehrlich inszeniert.

Die Synchronfassung als i-Tüpfelchen

Final veredelt wird das Werk von der deutschen Synchronfassung, die nach einem Dialogbuch von Edgar Flatau unter ebendessen Regie 1955 in der Synchronabteilung von Rank Film in Hamburg entstand. So bekommt man einige Sprecher zu hören, die es damals in Kinofilmen aus den großen Studios Hollywoods eher selten zu erleben gab, weil die Synchronhochburgen seit jeher Berlin und München gewesen sind. Beispielsweise hört man den im Lauf der Jahrzehnte als betagte Erzählerstimme – auch in Hörspielen – sehr populär gewordenen Hans Paetsch in einer recht frühen Sprecherrolle als deutsche Stimme von Jim Backus. Heinz Piper, der einige Jahre später durch das Intro des berühmten Silvester-Sketches „Dinner for One“ vor der Kamera bundesweit bekannt wurde, sprach Kenneth Patterson in der kleinen Rolle des Herb Daly. Gleichzeitig wurde aber auch Wert auf Kontinuität gelegt: So ließ man für Jeff Chandler seinen Stammsprecher Curt Ackermann und für Rock Hudson bereits Gert Günther Hoffmann nach Hamburg kommen, obwohl Hoffmann erst seit dem Vorjahr für Hudson im Einsatz war und ihn auch 1954 trotzdem noch nicht exklusiv gesprochen hatte. Diese Kombination aus Sprecher und Star behielt jedoch lange Bestand und der vorliegende Film beweist, dass man sich im Hause Universal seinerzeit schon eindeutig für Hoffmann als reguläre Stimme dieses immer populärer werdenden, vertraglich ans Studio gebundenen Schauspielers entschieden hatte. Es war nicht der einzige schon einige Jahre zuvor produzierte Universal-Film, der durch die verspätete Synchronisation zu einer Besetzung mit Hoffmann für Rock Hudson kam. Rückwirkend ist „Ausgezählt“ allerdings tatsächlich der am frühesten gedrehte Film, in dem Gert Günther Hoffmann als deutsche Stimme von Hudson zu hören ist – auch wenn die Synchronfassung nicht die erste mit Hoffman für Hudson war, die entstand – und so gesehen ein Meilenstein.

Taufrische US-DVD – was wird daraus bei uns?

Da der Film erst am 8. Juli 2016, innerhalb der „Universal Vault Series“, in den USA erstmals auf DVD veröffentlicht wurde, darf man gespannt sein, ob sich Koch Films seiner bald einmal im Rahmen der Film-noir-Collection annehmen wird. In dieser maßgeblich auf Universal-Filmen basierenden Reihe wäre er gut aufgehoben. Die Story taugt thematisch und die Inszenierung handwerklich ebenso zum Film noir wie auch zum Sportlerdrama. Was die 40er und 50er anbelangt, ist der Boxerfilm stilistisch sowieso gewissermaßen ein Subgenre des Film noirs. Universal legte 1955 mit „Der Schläger von Chicago“, unter der Regie von Jerry Hopper und mit Tony Curtis in der Hauptrolle einen weiteren gelungenen Boxerfilm vor, der sich ebenfalls gut in einer solchen Film-noir-Collection machen würde – Jim Backus war einmal mehr in einer Nebenrolle als Mentor der Hauptfigur dabei; diesmal als Vater des Protagonisten. Auch die, neben „Ausgezählt“, von Joseph Pevney für Universal inszenierten Noirs – „Ohne Skrupel“ (1950), „Geheimpolizist Christine Miller“ (1950), „Playgirl“ (1954), „Das Haus am Strand“ (1955), „Der Tod war schneller“ (1957)“ sowie der exotische Noir „Istanbul“ (1957) mit Errol Flynn – lohnen zudem allesamt einen Blick. Die US-DVD von „Ausgezählt“ wird bei Amazon übrigens als „The Iron Man“ gelistet – wohl um Verwechslungen mit all den mittlerweile entstandenen Marvel-Filmen zu vermeiden. So ist das eben, wenn man eines Tages von der Vergangenheit eingeholt wird.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jeff Chandler und Rock Hudson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung (USA): 8. Juli 2016 als DVD

Länge: 81 Min. (Kino)
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Iron Man
Alternativtitel: Ein Mann aus Stahl
USA 1951
Regie: Joseph Pevney
Drehbuch: George Zuckerman, Borden Chase, nach einem Roman von W. R. Burnett
Besetzung: Jeff Chandler, Evelyn Keyes, Stephen McNally, Rock Hudson, Joyce Holden, Jim Backus, James Arness, Steve Martin, George Baxter, Pál Jávor
Verleih: Universal International Pictures

Copyright 2016 by Ansgar Skulme

ausgezaehlt-us-dvd

Filmplakat: Fair Use, Packshot: © 2016 Universal

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Nowitzki – Der perfekte Wurf: Der menschliche Superstar

NOWITZKI_DER_PERFEKTE_WURF_Plakat_quer

Kinostart: 18. September 2014

Gastrezension von Matthias Holm

Sport-Doku // Dirk Nowitzki ist einer der größten deutschen Sportler. Nicht nur wegen seiner beeindruckenden Länge von 2,13 Metern, sondern weil er es geschafft hat, sich als einer von nur wenigen Deutschen in einem amerikanischem Profisport einen Namen zu machen. Als erster deutscher Basketballer überhaupt holte er den NBA-Titel – 2011 mit den Dallas Mavericks.

Nowitzki-Bild1

Keine Angst, der will nur spielen

Wird also allmählich mal Zeit, dass sich eine Dokumentation mit diesem Menschen auseinandersetzt. Und ich sage bewusst „Mensch“ und nicht „Sportler“, denn das ist genau das Bild, das man nach diesem Film von Nowitzki hat. Er selbst wundert sich, dass er so viel Ruhm einheimst. Schließlich kann er nur relativ gut einen Ball durch einen Korb werfen. „Dirkules“ wirkt wunderbar tollpatschig und auf dem Boden geblieben

03_Nowitzki+Copyright+NFP++Broadview+2014

In der Schulturnhalle, wo alles begann

Der Film begleitet Nowitzki und seine Wegbegleiter noch vor seiner großen Karriere. Zu Beginn wird erklärt, wie sein Entdecker und Mentor Holger Geschwindner zum Basketball kam. Bemerkenswert hierbei ist, mit was für unterschiedlichen Interviewpartnern die Macher sprechen konnten. Es kommen nicht nur die üblichen Jugendfreunde und Teamkamerade zu Wort, sondern unter anderen auch Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, und NBA-Star Kobe Bryant.

Nowitzki-Maskottchen

Mit dem Maskottchen der Mavericks

Die Dokumentation folgt einem typischen, chronologischen Verfahren. Wie ist Dirk zum Basketball gekommen, was waren herbe Rückschläge, was war sein größter Erfolg? Das führt immer mal wieder zu kleinen Hängern, doch „Nowitzki – Der perfekte Wurf“ ist so gut gemacht, dass man dennoch durchgehend Spaß hat. Mein persönliches Highlight: das Treffen von Nowitzki und dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der erst einmal fragt, als was der Spitzensportler denn nach seiner Karriere noch arbeiten möchte.

10_Nowitzki+Copyright+NFP++Broadview+2014

Konzentriert im Match – Dirk bietet sich an

„Nowitzki – Der perfekte Wurf“ ist ein rundum gelungenes Paket für Sportbegeisterte und NBA-Freunde. Es hätten ruhig ein paar mehr Spielszenen gezeigt werden können, doch die vielseitigen Aspekte, die die Dokumentation abdeckt, gleichen das wieder aus.

Nowitzki-Triumph

Im Moment des größten Triumphs

Länge: 105 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
D 2014
Regie: Sebastian Dehnhardt
Drehbuch: Sebastian Dehnhardt
Mitwirkende: Dirk Nowitzki, Holger Geschwindner, Kobe Bryant, Michael Finley, Steve Nash, Jason Kidd, Silke Nowitzki, Helga Nowitzki, Jörg Nowitzki, Jessica Nowitzki
Verleih: NFP Film

Copyright 2014 by Matthias Holm
Filmplakat & Fotos: © 2014 NFP Film

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: