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Stan & Ollie – Ziemlich beste Freunde

Stan & Ollie

Von Andreas Eckenfels

Tragikomödie // Die ganze Welt hat über sie gelacht: In Spanien sind sie als „El Gordo y El Flaco“ bekannt, in der Niederlande als „Dikke und Dunne“, in Polen als „Flip & Flap“, die Italiener nennen sie „Krick & Krock“, die Brasilianer „O Gordo e o Magro“, in den englischsprachigen Ländern heißen sie „Laurel & Hardy“ und im deutschsprachigen Raum „Dick & Doof“. Die Rede ist natürlich von Stan Laurel (1890–1965) und Oliver Hardy (1892–1957), die zu den erfolgreichsten Komikern des 20. Jahrhunderts gehörten. Von 1926 bis 1951 drehten sie zusammen über 100 Filme, darunter „Der zermürbende Klaviertransport“, der 1932 in der damals frisch eingeführten Kategorie „Beste Kurzfilm-Komödie“ den Oscar gewann.

In den 1930er-Jahren gehören Oliver (l.) und Stan zu den erfolgreichsten Komikern der Welt

Erfreulicherweise orientierte sich Drehbuchautor Jeff Pope („Philomena“, 2013) für „Stan & Ollie“ nicht an dem schablonenhaften Aufbau erfolgreicher Filmbiografien, die chronologisch und meist völlig gehetzt die Höhen aus dem Leben einer Persönlichkeit nacherzählen, als Beispiele seien hier „Walk the Line“ (2005) und „Bohemian Rhapsody“ (2017) genannt. Stattdessen konzentriert sich Pope mit Ausnahmen von einigen wenigen Rückblicken auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der beiden Komiker: ihre letzte Tour, die sie 1953 nach Großbritannien führen sollte. Als Vorlage diente ihm dabei das Buch „Laurel & Hardy – The British Tours“ (1993) von A. J. Marriot.

Anfang und Ende des Ruhms

„Stan & Ollie“ startet im Jahr 1937, als Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt sind. Eine knapp fünfminütige, ohne sichtbaren Schnitt gedrehte Kamerafahrt begleitet die Komiker von ihrer Garderobe aus durch ein Filmstudiogelände bis hin zum Set von „Zwei ritten nach Texas“, wo sie schließlich mit Studiochef Hal Roach (Danny Huston) in Streit geraten. Dabei unterhalten sich Stan und Ollie über ihre Exfrauen, über aktuelle Liebschaften, über ihre Finanzen, Pferdewetten und darüber, dass sie mehr Gehalt verhandeln wollen. Der schottische Regisseur John S. Baird („Drecksau“) erzählt diese kleine Einleitung völlig unaufgeregt und effizient, sodass das Publikum gleich ein Gefühl dafür bekommt, wie die zwei befreundeten Arbeitskollegen miteinander umgehen. Wir erhalten gleichzeitig einen kleinen Blick hinter die Hollywood-Kulissen der 30er-Jahre. Schnell wird klar: Oliver ist der Lebemann, der sich an jedem freien Tag mit diversen Frauen und auf Partys vergnügt, während Stan bis tief in die Nacht an neuen Gags arbeitet – dennoch lässt er sich von Oliver überreden, ihn auf einen Bootsausflug zu begleiten, um möglicherweise eine Frau kennenzulernen.

Auf und neben der Bühne sind Stan und Ollie immer für einen Spaß zu haben

Dann erfolgt ein Zeitsprung von 16 Jahren, ins Jahr 1953, wo Stan und Oliver im englischen Newcastle in einer kleinen Herberge einchecken. Die Zeiten haben sich geändert, die Tage des Luxus sind vorbei. „Um ehrlich zu sein, ich dachte sie wären im Ruhestand“, erklärt ihnen die Empfangsdame. „Wir werden älter, aber wir sind noch nicht am Ende“, erwidert Oliver. Die beiden müssen ihre Koffer selbst aufs Zimmer tragen. Auch die Freundschaft von Stan und Oliver hat in der vergangenen Zeit offenbar ein paar Schrammen abbekommen. Fans des Duos kennen den Grund dafür: die Komödie „Zenobia, der Jahrmarktselefant“ (1939), bei dem Ollie seinem langjährigen Partner Stan „untreu“ wurde und stattdessen an der Seite von Harry Langdon vor der Kamera stand. Die Großbritannien-Tour beginnt in kleinen und spärlich gefüllten Theatersälen. Erst als die Komiker einige PR-Termine wahrnehmen, werden die Briten wieder auf das legendäre Paar aufmerksam. Die Tour, bei der auch Stans Ehefrau Ida (Nina Arianda) und Olivers Gattin Lucille (Shirley Henderson) einen Besuch abstatten, wird doch noch ein Erfolg. Stan und Oliver nähern sich langsam wieder aneinander an – doch dann erleidet Oliver einen Schwächeanfall …

Ein magisches Band

Früher liefen die Filme des Komikerduos im Fernsehen rauf und runter. Das ZDF zeigte die zusammengeschnittenen Slapstick-Einlagen ab Mitte der 1970er- bis Anfang der 80er-Jahre im Vorabendprogramm. Ob die Kinder heutzutage „Dick und Doof“ noch kennen? Auf jeden Fall werden sich alte Fans schnell durch das Biopic an diese unbeschwerten TV-Stunden zurückerinnern. Jon S. Baird gelang eine warmherzige Liebeserklärung und gleichzeitig Hommage an die beiden Schauspieler, die von John C. Reilly und Steve Coogan hervorragend verkörpert werden. Zeitweise vergisst man fast, dass hier nicht die echten Komiker zu sehen sind. Neben der perfekt imitierten Mimik und Gestik, hat besonders die Make-up-Abteilung ganze Arbeit geleistet, um Reilly in den fülligen Oliver Hardy zu verwandeln. Für seine Leistung erhielt er eine Nominierung für den Golden Globe.

Lucille (l.) und Ida besuchen ihre Ehemänner auf der Tour

Reilly und Coogan dürfen natürlich auch einige bekannte Scherze aufführen, etwa die vertauschte Melone oder ein Krankenbesuch, bei dem Patient Ollie durch Stans Tollpatschigkeit ständig ein schweres Gewicht auf den Kopf kracht. So leicht ist es, die Leute zum Lachen zu bringen. Doch Baird zeigt auch, dass diese Leichtigkeit harte Arbeit war und Stan und Ollie ein perfekt eingespieltes Team waren. Selbst in der Öffentlichkeit führen sie ihre Comedy-Routinen immer wieder auf, um den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dass die zwei Komiker mehr als Arbeitskollegen waren, beweist auch die Tatsache, dass Stan nach Ollies Tod 1957 trotz einiger Angebote keine einzige Filmrolle mehr annahm. Die beiden waren ziemlich beste Freunde, die ein magisches Band zu verbinden schien.

Küss die Hand, werte … Dame?!

Es geht im Biopic zwar größtenteils harmonisch zu, doch die Probleme, die beide Stars mit dem Älterwerden und dem nahenden Ende ihrer Karriere hatten, werden zwischen den Zeilen angedeutet. So versucht Stan einen Filmproduzenten erfolglos davon zu überzeugen, dass er gemeinsam mit Ollie einen neuen „Robin Hood“-Film drehen will. Die Zeit von „Laurel & Hardy“ ist Anfang der 1950er-Jahre vorbei. Sie passen nicht mehr ins Hollywood-System. Und dies vermittelt „Stan & Ollie“ auf liebevoll-wehmütige Weise.

Komische Liebesgeschichte im Mediabook

capelight pictures würdigt die Komiker mit einer großartig ausgestatteten Mediabook-Edition von „Stan & Ollie“. Auch auf der einzeln erhältlichen Blu-ray beziehungsweise DVD befindet sich unter anderem der komplette Film „Der zermürbende Klaviertransport“ als Extra, doch nur im Mediabook finden sich ein ausführlicher Text von Jenny Jecke über die zeitlose Faszination des Duos sowie die 105 Minuten lange Dokumentation „Laurel and Hardy – Die komische Liebesgeschichte von ,Dick & Doof‘“ in HD des deutschen Regisseurs Andreas Baum, die 2012 bereits von Studiocanal auf DVD in der 92-minütigen-TV-Fassung veröffentlicht wurde und von FunFactoryFilms in der hier vorliegenden „Director’s Cut“-Version erschienen ist. Zusammen mit dem wunderbaren Film ein rundum gelungenes Gesamtpaket. Wer danach immer noch nach Lesestoff über die beiden Komiker giert, möge sich die noch lieferbare #10 der online bestellbaren Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ zulegen. Die Titelgeschichte der Ausgabe widmet sich US-Filmkomikern, der Beitrag über Laurel und Hardy stammt von „Die Nacht der lebenden Texte“-Blogbetreiber Volker.

Bei ihrer Ankunft in Irland werden Stan und Ollie von den Massen gefeiert

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steve Coogan und John C. Reilly haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. September 2019 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray, DVD & Bonus-Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Stan & Ollie
GB/KAN/USA 2018
Regie: Jon S. Baird
Drehbuch: Jeff Pope, inspiriert von dem Buch „Laurel & Hardy – The British Tours“ von A. J. Marriot
Besetzung: Steve Coogan, John C. Reilly, Shirley Henderson, Nina Arianda, Rufus Jones, Danny Huston, Joseph Balderrama, John Henshaw
Zusatzmaterial: Im Gespräch mit Regisseur Jon S. Baird, Shirley Henderson, Steve Coogan und John C. Reilly, Featurettes: „Die Prothesen“ & „Die Beziehung“, Kurzfilm: „Der zermürbende Klaviertransport“ (1932), Kinotrailer, nur Mediabook: „Laurel and Hardy – Die komische Liebesgeschichte von ,Dick & Doof‘“ (Director’s Cut, 105 Min., HD, mit dt. Tonspur), 24-seitiges Booklet mit einem Text von Jenny Jecke
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 capelight pictures

 

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Das B-Team – Beschränkt und auf Bewährung: The Parole Officer

The Parole Officer

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // Der linkische Bewährungshelfer Simon Garden (Steve Coogan) ist bei seinen Kolleginnen und Kollegen so unbeliebt, dass sie alle zusammen einen Beschwerdebrief über ihn unterzeichnen. Ganze drei seiner Mandanten sagen immerhin zu seinen Gunsten aus, auch wenn sie einräumen, ihn für nervig zu halten. So wird er von Blackpool auf eine freie Stelle in Manchester fortgelobt.

Sein neuer Job führt ihn des Abends in einen Stripclub, wo er im Lager Zeuge eines Aufeinandertreffens des korrupten Kriminalbeamten Inspector Burton (Stephen Dillane) mit zwei Drogengangstern wird. Nachdem Burton einen der beiden ermordet hat, wird Simon entdeckt. Er kann fliehen, wird jedoch anderntags des Mordes bezichtigt. Burton bewirkt, dass Simon vom Mordverdacht reingewaschen wird, im Gegenzug muss der Bewährungshelfer jedoch schweigen und die Stadt verlassen.

Parodie auf Heist-Movies

Mit dem Überwachungsvideo der Tat könnte Simon den mörderischen Kriminalisten überführen, doch es befindet sich in einem Banktresor. So trommelt er seine drei ehrlich gewordenen Ex-Mandanten George (Om Puri), Jeff (Steven Waddington) und Colin (Ben Miller) zusammen, um in die Bank einzubrechen. Bald schließt sich ihnen die junge Straffällige Kirsty (Emma Williams) an, die zierlich genug ist, über einen Schacht in die Bank einzudringen. Dann ist da noch die Polizistin Emma (Lena Headey), die aus unerfindlichen Gründen ein Auge auf Simon geworfen hat.

„The Parole Officer“, so der Originaltitel, liefert mit britischem Humor eine mal alberne, mal vulgäre, aber jederzeit lustige Parodie auf Heist-Movies, die mit Situationskomik und Dialogwitz gleichermaßen punktet. Ein paar flache Körperflüssigkeitswitze sind zu verschmerzen – in der Achterbahn beispielsweise wird es eklig. Der charmante Gastauftritt von Omar Sharif („Doktor Schiwago“) gleicht das mehr als aus. Und wer entdeckt Simon Pegg („Shaun of the Dead“) im Museum? Lena Headey und Stephen Dillane trafen später in „Game of Thrones“ erneut aufeinander; Headey verkörpert dort die ruchlose Cersei Lannister, Dillane den machthungrigen Stannis Baratheon.

Hauptdarsteller und Ko-Autor Steve Coogan

Der englische Komiker Steve Coogan („Philomena“) ist in seiner Heimat als Stand-up-Comedian bekannt geworden. Zu seinen bekanntesten Fernsehauftritten gehören die „Alan Partridge“-Shows, in denen er den titelgebenden Moderator verkörpert. Eins seiner kommenden Projekte ist das Biopic „Stan & Ollie“ von John S. Baird („Drecksau“) über die beiden berühmten US-Komiker. Coogan wird Stan Laurel spielen, John C. Reilly als Oliver Hardy zu sehen sein. Coogan schrieb auch am Drehbuch zu „The Parole Officer“ mit. Obwohl er sich die Geschichte somit selbst auf den Leib schrieb, ist „Das B-Team – Beschränkt und auf Bewährung“ doch keineswegs ein Ein-Mann-Stück, sondern lebt vom spielfreudigen Ensemble.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steve Coogan haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 4. September 2003 als DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch u. a.
Originaltitel: The Parole Officer
GB 2001
Regie: John Duigan
Drehbuch: Steve Coogan, Henry Normal
Besetzung: Steve Coogan, Lena Headey, Stephen Dillane, Emma Gilmour
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Northern Soul – Turning My Heartbeat Up

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Northern Soul

Das ist das Tolle an Soulmusik, du hörst dir die Texte auf der Platte an und sie sprechen zu dir. Matt (Josh Whitehouse)

Gastrezension von Miriam Dames

Drama // John Clarke (Elliot James Langridge) lebt mit seinen Eltern in der tristen Vorstadthölle von Burnsworth – dem „Drecksloch“ – in der Grafschaft Lancashire im Norden Englands. Es ist das Jahr 1974 und schlimmer könnte es im Leben eines Teenagers nicht sein. In der Schule als Sonderling von den Mitschülern verprügelt, von seinem Lehrer, Mr. Banks (Steve Coogan), als Dummling beschimpft und zu Hause ist es nur sein Großvater, mit dem John reden kann. Der einzige Lichtblick ist die unbekannte schwarze Krankenschwester Angela (Antonia Thomas), die John jeden Morgen im Bus trifft.

Ein Tape verändert das Leben

Bei einem Ausflug in das auch eher ungeliebte Jugendheim lernt er Matt (Josh Whitehouse) kennen. Dieser tanzt nicht nur in einem sehr eigenwilligen Bruce-Lee-Tanzstil und trägt auch irgendwie andere Klamotten, er gibt John auch ein Tape, das dessen Leben von Grund auf verändert. Darauf ist ein Mitschnitt aus dem Nachtclub „Wigan Casino“ – Northern Soul, eine ganz unglaubliche Musik.

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Englische Workingclass-Tristesse: Burnsworth, das „Drecksloch“

Schnell wird die eh nicht sehr zukunftsträchtige Schule gegen einen allerdings ebenso frustrierenden Fabrikjob getauscht und das so verdiente Geld in Platten investiert, die Nächte tanzt man im Wigan oder im Blackpool Mecca durch. Dort kommen John und Matt dann auch in Kontakt mit Amphetaminen und Speed, aber John bleibt das große Ziel USA vor Augen. In den Vereinigten Staaten wollen er und Matt die unbekannten Platten finden, mit denen sie in England selbst zu gefeierten Northern-Soul-DJs werden.

Irgendwie läuft für John erst mal alles gut. Seine Platten verschaffen ihm einen kurzen Gastauftritt im Wigan, und auch Angela fängt an, sich für ihn zu interessieren. Wäre da nur nicht Matt, der sich mehr und mehr den Drogen zuwendet und so den Traum von Amerika und damit die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe stellt.

Freundschaft, Leidenschaft und diese besondere Musik

„Northern Soul“ handelt vor allem von Freundschaft, von Verlust und von der Passion zu dieser ganz bestimmten Art von Musik. Einer Musik die auch Freiheit bedeutet, die in den frühen 70ern für die Jugend im Norden Englands nicht bloß Ablassventil, sondern ein „Way of Life“ ist.

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Nicht auf den Mund gefallen – Angela (l.) und ihre Freundinnen

Der Begriff Northern Soul taucht erstmals im Jahr 1970 im englischen Magazin „Blues & Soul“ auf und bezeichnet eine zu dieser Zeit zunächst rein britische Musikkultur, in der es um das Hören und Sammeln von möglichst unbekannten amerikanischen Soulplatten geht. Daraus entwickelt sich in den 70ern eine weitgehend auf den Norden Englands beschränkte, aber dennoch verhältnismäßig große Subkultur. Bei regelmäßigen Allnightern in Nachtclubs wie dem Wigan Casino (Greater Manchester), dem Blackpool Mecca (Blackpool) oder dem Golden Torch (Stoke-on-Trent) trifft man sich, um zu tanzen und mit Platten zu handeln.

Etwas schade ist, dass die Handlung des Films teilweise etwas episodenhaft wirkt und sich die Ereignisse im weiteren Verlauf zu überschlagen scheinen, was einzelnen Sequenzen etwas die Tiefe raubt. Auf der anderen Seite sind da charmante Szenen, wie die etwas linkisch-schüchterne Annäherung von John und Angela während einer Hausparty in der heruntergekommenen Küche von John und Matt, welche einem ein Schmunzeln ins Gesicht zeichnet.

Northern-Soul-Szene wirkt authentisch porträtiert

Überhaupt ist die Besetzung mit den eher unbekannten jungen Schauspielern sehr gut gelungen. Sie überzeugen mit authentischem Spiel und einer sympathischen Interpretation der Rollen. Auch die Ausstattung des Films wirkt auf mich authentisch, die Tanzszenen wurden aufwendig mit den Komparsen geprobt und auch der Kleidungsstil der frühen Northern-Soul-Szene ist recht gut getroffen. Das kommt sicher daher, das sich die Regisseurin Elaine Constantine schon länger mit dem Thema Northern Soul beschäftigt; so führte sie 2003 auch bei dem Musikvideo zu Molokos „Familiar Feeling“ Regie, das ebenfalls einen Soul Allnighter porträtiert.

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Schuften in der Fabrik für den Traum vom eigenen Northern-Soul-Club

Wer bislang noch keine Berührung mit Northern Soul hatte, wird einige Abschnitte des Films gewiss nicht so leicht verstehen. Kennern der Northern-Soul-Szene hingegen wird das Thema Drogen zu zu großen Raum einnehmen, ihnen werden obendrein die Tanzszenen und die Darstellung der typischen Wigan-Atmosphäre sicher etwas zu kurz kommen. Alles in allem ist „Northern Soul“ aber als einer der wenigen Nicht-Dokumentar-Filme zu würdigen, der sich mit dieser Subkultur beschäftigt − sicher was die Story betrifft nicht sonderlich außergewöhnlich, aber es ist doch ein charmanter und recht authentischer Film mit definitiv guter Musik geworden.

Mir zumindest, bekennenderweise selbst seit vielen Jahren Northern-Soul-Enthusiastin und DJ, hat es gehörig in den Füßen gezuckt. Nur gut, dass in Hamburg der nächste Soul Allnighter meist nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Keep the faith!

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Wigan Casino – tanzen bis die „3 before 8“ erklingen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steve Coogan haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 12. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Northern Soul
GB 2014
Regie: Elaine Constantine
Drehbuch: Elaine Constantine
Besetzung: Elliot James Langridge, Josh Whitehouse, Antonia Thomas, Jack Gordon, James Lance, Steve Coogan
Zusatzmaterial (nur Blu-ray): Making-of (45 Min.)
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Miriam Dames

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 

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