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Schlagwort-Archive: Steve Martin

Gewinnspiel: 2 x L.A. Story auf Blu-ray

Verlosung

Steve Martin ist Harris K. Telemacher, ein Wetterfrosch in Los Angeles, der so glücklich ist, dass er nicht merkt, wie unglücklich er ist. Koch Films hat „L.A. Story“ (1991) kürzlich auf Blu-ray veröffentlicht und uns zum Verlosen zwei Exemplare der zauberhaften Komödie zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 16. August 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die Blu-rays gehen an

– Thilo Grimm,
– Haudegen69.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „L.A. Story“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Tote tragen keine Karos – Im Andenken an Carl Reiner

Dead Men Don’t Wear Plaid

Von Tonio Klein

Krimikomödie // Natürlich ist dieser Klassiker von sprühendem Witz und unglaublich liebevollem Charme, mit dem er dem Film noir der 1940er-Jahre seine Reverenz erweist, wie das bezüglich des Stummfilms erst wieder in „The Artist“ gelingen sollte. Das Grundprinzip, falls nicht ohnehin schon längst bekannt: In einer abstrusen Detektivgeschichte, die in den 1940er-Jahren spielt, trifft der von Steve Martin gespielte saucoole Ermittler Rigby Reardon auf nahezu sämtliche Größen des US-Films jener Dekade. Das ist eine Masche, die schnell zum Ruhekissen für die Macher werden könnte. Man kennt das von den schlechteren Filmparodien des Zucker-Abrahams-Zucker-Teams und seiner Epigonen: Nicht jedes Zitat ist schon um des Zitierens willen gut oder witzig. Nummernrevue statt Hommage/Parodie? Nein, hier nicht, hier stimmt alles, denn das Team um Regisseur Carl Reiner (1922–2020) hat mehr gemacht, als Schnipsel alter Filme hineinzuschneiden. Auch die neu gedrehten Passagen von „Tote tragen keine Karos“ atmen den Geist der 1940er, unter anderem durch die Beteiligung von zweien, die damals schon dabei waren: Komponist Miklos Rosza und Kostümdesignerin Edith Head.

Film-noir-Huldigung in Story und Stil

Und das ist noch lange nicht alles in „Dead Men Don’t Wear Plaid“, so der Originaltitel. Schon die Handlung ist gleichsam künstlich wie verworren, sodass man darin eine Hommage an den verworrensten Film der „schwarzen Serie“ sehen mag, „Tote schlafen fest“ („The Big Sleep“, 1946), durch dessen Plot einer Anekdote nach nicht mal mehr Raymond Chandler durchstieg – und der war immerhin Autor der Romanvorlage. Und die Typen, vor allem die Hauptfigur! Hier ist alles Pose, alles künstlich. Noch scheinbar etwas pubertäre Gags (Steve Martin knetet die Brüste von Rachel Ward, und sie knallt ihm nicht etwa eine, sondern das Ganze mündet in einen Dialog absurder erotischer Anziehung) würde ich als Liebe zu Hollywoods Goldenen Jahren deuten: So waren sie halt, die Machos des Film noir und die überirdisch schönen Frauen, die ihnen unverständlicherweise viel zu oft zu Füßen lagen, was angesichts der typischen Femme fatale aber auch umgekehrt vorkam.

Pure Pose: die Klientin vor der Tür

Bestechend ist ferner, dass Reiner auch bei der Technik des Ineinandermontierens von neu Gedrehtem und Filmklassikern dem Geist der 1940er-Jahre verhaftet ist: Das alles ist gar nicht so kompliziert und hochperfekt wie etwa in Filmen von Robert Zemeckis (Forrest Gump in Interaktion mit diversen realen Berühmtheiten, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen). Oft haben wir nur simplen Schuss-Gegenschuss oder Over-Shoulder-Shots mit einem Double. Einmal nur gibt es eine Doppelbelichtung – die Technik, bei der in der einen Bildhälfte der eine und in der anderen Bildhälfte der andere ist, bei zweien, die eigentlich nicht zusammen im Bild sein können. Zwei bemerkenswerte Doppelrollenfilme von 1946 haben es so gemacht: „Die große Lüge“ („A Stolen Life“) mit Bette Davis und „Der schwarze Spiegel“ („The Dark Mirror“) mit Olivia de Havilland, jeweils als Zwillingsschwestern.

Zitate, dass Fluppe und Kopf rauchen

Und als ob das noch nicht genug sei, gibt es auch jenseits der direkten Filmschnipsel wunderbare Anspielungen: Wenn Rachel Ward Steve Martin sehr erotisch das Fingerkreisen im Löchlein einer Wählscheibe erklärt, verweist das auf Howard Hawks’ „Haben und Nichthaben“ („To Have and Have Not“, 1944). Und wenn sich seine Verbundenheit mit Ward dadurch ausdrückt, dass er eine Zigarette von beiden Seiten für beide anzündet und dann zerteilt, erinnert das an eine vergleichbare Szene mit Bette Davis und Paul Henreid in „Reise aus der Vergangenheit“ („Now, Voyager“, 1942), wenngleich der Film nicht das Zigarettenszenenmonopol gepachtet hat. Dankenswerterweise darf die große Bette Davis auch direkt auftauchen und scheinbar von Steve Martin gewürgt werden, auch wenn die Quelle kein reiner Film noir ist: „Trügerische Leidenschaft“ („Deception“, 1946).

Harte Fäuste, fesche Hüte, bunte Krawatten in Schwarz-Weiß

Die Zitate reichen von hübschem Effekt bis genau vorbereiteter, punktgenauer Reverenz, am besten vielleicht, wenn sich Rigby Reardon als Frau verkleidet. Da trägt er eine absurde blonde Perücke, um die absurdeste blonde Perücke der Filmgeschichte zu verspotten, nämlich die von Barbara Stanwyck in Billy Wilders „Frau ohne Gewissen“ („Double Indemnity“, 1944). Oder er spielt auf den durchgeknalltesten Gangster mit Mutterkomplex an, den er als dessen Mutter dann natürlich auch trifft, James Cagney in „Maschinenpistolen“ („White Heat“, 1949), den übrigens „Die nackte Kanone 33 1/3“ (1994) hervorragend parodiert.

Ein Film mit Format

Zur Debatte um das korrekte Bildformat kann ich nichts sagen, da ich den Film damals nicht im Programmkino gesehen habe, wo er laut einigen im Netz zu findenden Rezensenten im klassischen 1:1,37-Format gelaufen sein soll, wohingegen er auf DVD in 1:1,85 vorliegt. Im Fernsehen wird er ebenfalls im 1:1,85-Format gezeigt, welches auch die Internet Movie Database ohne Hinterfragung im Diskussionsforum ausweist; in der Datenbank von Turner Classic Movies findet man keine Angaben. Da Abgeschnittenes kaum auffällt (und es fällt üblicherweise auf, man kann das jeden Sonntag beim Tatort-Vorspann sehen), bin ich geneigt, daran zu glauben, dass die DVD den Film im Originalformat präsentiert. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass seinerzeit laut dem Regie-Kollegen Sidney Lumet keine guten Linsen für das alte 1:1,37-Format existierten (er wollte dies für einen nostalgischen Film nutzen und hatte schließlich kapituliert). Also wollen wir mal nicht so sein.

Er gab ihm Feuer: Carl Reiner höchstselbst

Auch die Synchronisation geht meines Erachtens in Ordnung und ist bei einem entscheidenden Running Gag durchaus kreativ: Das Wort „cleaning woman“, bei dem Martin stets ausrastet und Bärenkräfte entwickelt, wird vom schnöden „Putzfrau“ zum etwas gestelzteren und damit in diesem Zusammenhang besseren „Reinemachefrau“. Das hat auch mehr Silben und kann in einem Wutanfall viel schräger akzentuiert werden: CLEEEA-NIIING-WOOOO-MAAAAN wird eben besser zu REEEI-NE-MAAA-CHE-FRAAAAU statt zu einem schnöden „Putzfrau“. Und weil in der Finalszene im Englischen (!) das deutsche Wort „Reinemachefrau“ ausgesprochen und mit „cleaning woman“ erklärt wird, konnte man im Deutschen natürlich nicht „Reinemachefrau ist Reinemachefrau“ sagen. Stattdessen hören wir ein keckes, von Rachel Ward kokett schäkernd gesagtes „mein kleines Staubwedelchen“. Ist doch süß und originell. Synchronisationen müssen nicht sklavisch wörtlich, sondern nur gut sein, wie zum Beispiel der Dschungelbuchklassiker „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ oder die berlinerische „My Fair Lady“-Version gezeigt haben.

In memoriam Carl Reiner

Nun ist Carl Reiner hochbetagt verstorben und sein Son Rob auch schon über 70 – ein vielleicht noch berühmterer Regisseur, für den „Harry und Sally“ (1989) wohl das Hauptwerk bleiben wird wie für Carl die „Karos“. Carl war Multitalent, mit erstaunlich wenigen Regie-Arbeiten, aber einem Vorlauf als das, was man neudeutsch Comedian nennt und wo er sich als Autor und Darsteller profilierte. Vor die Kamera trat er auch danach immer wieder, auch in „Tote tragen keine Karos“ sowie in „Ocean’s Eleven“ (2001). Mit Mel Brooks hatte er ein Team geblidet, und beiden gemein ist, dass sie auch in ihren Filmen immer mal wieder auf das Medium selbst blicken und die „vierte Wand“ durchbrechen. In „Tote tragen keine Karos“ gibt die schon im alten Film noir oft an den Zuschauer gerichtete Off-Stimme des Helden am Ende unumwunden zu, dies sei ja nur ein Film. Und in Teil 2 komme vielleicht eine Nacktszene zwischen Rachel Ward und Steve Martin vor. Mel Brooks hat im selben Jahr, 1981, in „Mel Brooks – Die verrückte Geschichte der Welt“ einen zweiten Teil angekündigt, den es nie geben sollte. Schade – Brooks’ „Hitler on Ice“ hätten wir genauso gern gesehen wie die Nackedeis.

Der Schlips ist ab, mehr gibt’s nicht zu sehen

Von Reiner selbst gibt es so einige Regie-Arbeiten neu oder wieder zu entdecken. Dass er bei Parodien, ähnlich Mel Brooks, trotz manchmal großer Albernheit immer sehr stilsicher und liebevoll agiert, zeigt zum Beispiel „Der Mann mit zwei Gehirnen“ (1983), wie so manches von Reiner ebenfalls mit Steve Martin. Hier wird das Fatale der Femme fatale ins Absurde gesteigert – Kathleen Turner konnte ihre ikonische Darstellung in „Heißblütig – Kaltblütig“ (1981) veräppeln – und mit einer Mad-Scientist-Thematik à la 1950er-B-Science-Fiction verknüpft. Ohne Steve Martin und zu Unrecht im Schatten der „Karos“ findet sich die Perle mit dem idiotischen deutschen Titel „Allein unter Idioten“ („Fatal Instinct“, 1993), die Zucker-Abrahams-Zucker noch einmal zeigte, was eine Harke ist. Und das mir noch nicht bekannte Frühwerk „Wo is’ Papa?“ (1970) soll eine herrlich gallige Humorschwärze haben, was man sich bei Hauptdarstellerin Ruth Gordon auch gut vorstellen kann.

Gerade die Parodien zeigen, dass man nicht einmal die parodierten Filme kennen muss. Auch die „Karos“ sind schon so extrem lustig, aber der Nostalgie-Fan hat eben noch ein wenig mehr Spaß.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steve Martin haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. Mai 2019 als Blu-ray, 4. Oktober 2007 als DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Dead Men Don’t Wear Plaid
USA 1982
Regie: Carl Reiner
Drehbuch: Carl Reiner, George Gipe, Steve Martin
Besetzung: Steve Martin, Rachel Ward, Carl Reiner, Reni Santoni, George Gaynes
Archivaufnahmen: Alan Ladd, Barbara Stanwyck, Ray Milland, Ava Gardner, Burt Lancaster, Humphrey Bogart, Cary Grant, Ingrid Bergman, Veronica Lake, Bette Davis, Lana Turner, Edward Arnold, Kirk Douglas, Fred MacMurray, James Cagney, Joan Crawford, Charles Laughton, Vincent Price
Zusatzmaterial:
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Tonio Klein

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Universal Pictures Germany GmbH

 

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L.A. Story – Steve Martin und das Verkehrszeichen

L.A. Story

Von Volker Schönenberger

Komödie // Steve Martin – welch wunderbarer Komiker! Seine Humor-Sporen verdiente sich der 1945 im texanischen Waco Geborene Ende der 1960er-Jahre auf Kleinkunst-Bühnen und ab den 1970ern auch vermehrt im US-Fernsehen. So war er ab 1976 zehn Jahre lang Moderator von „Saturday Night Life“, der legendären Comedy-Show, die so viele berühmte US-Spaßmacher hervorgebracht hat. Ich bin erstmals in den 80ern auf Martin aufmerksam geworden, wobei ich nicht mehr weiß, mit welchem Kinofilm das war. Womöglich „Der Mann mit zwei Gehirnen“ (1983) in welchem er den Neurochirurgen Doktor Hfuhruhurr (!) verkörperte, der sich in ein in einer Nährlösung schwimmendes Gehirn verliebt. In „Roxanne“ (1987) spielte Steve Martin frei nach „Cyrano de Bergerac“ einen wortgewandten Feuerwehrmann mit übergroßer Nase, der sich unglücklich verliebt.

Highlight: „Tote tragen keine Karos“

Einen der Höhepunkte seines Schaffens stellt zweifellos „Tote tragen keine Karos“ (1982) dar. Die Schwarz-Weiß-Parodie auf klassische Thriller und Krimidramen enthält kunstvoll eingebaut Originalszenen aus Film-noir-Klassikern, sodass der von Steve Martin verkörperte Privatdetektiv Rigby Reardon mit Größen wie Bette Davis, Ava Gardner, Barbara Stanwyck, Humphrey Bogart, Kirk Douglas und Burt Lancaster interagiert. Unvergessen auch: Martins Auftritt als sadistischer Zahnarzt im schreiend komischen Grusel-Musical „Der kleine Horrorladen“ (1986). Dreimal moderierte er die Oscar-Verleihung, 2014 erhielt er selbst den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.

Performance Art oder Zeitverschwendung?

Mein Name ist Harris K. Telemacher. Ich lebe in Los Angeles und ich hatte bisher sieben Herzinfarkte. Allesamt eingebildete. Ich will damit sagen: Ich war zutiefst unglücklich, aber das wusste ich nicht, weil ich die ganze Zeit so furchtbar glücklich war. Mit diesen Worten aus dem Off lernen wir den von Steve Martin verkörperten Protagonisten von „L.A. Story“ kennen. Der Meteorologe Harris ist promovierter Philosoph und verdient sich seine Brötchen als komödiantischer Wetterfrosch fürs Fernsehen.

Manche Freundinnen kann man vergessen

Bei einem Treffen mit oberflächlichen Bekannten (darunter Top-Model Iman) im Restaurant an der Ecke Sunset und Crescent lernt er Sara McDowell (Martins damalige Ehefrau Victoria Tennant) kennen. Die Engländerin ist gerade eingetroffen, um für die „London Times“ einen Artikel über Los Angeles zu schreiben, und fällt mit ihrer unkonventionellen Art aus dem Rahmen. Sie beeindruckt Harris so sehr, dass er bei der Abfahrt glatt seine Freundin Trudi (Marilu Henner) am Bordstein vergisst. Mit der etwas zickigen Trudi verbindet ihn nicht allzu viel, die Beziehung der beiden mag ein Grund sein, weshalb er unbemerkt unglücklich ist. Glücklicherweise entdeckt er bald, dass sie ihn mit seinem Agenten (Kevin Pollak) betrügt.

An Shakespeares Grab

Gern erklärt sich der Wetterfrosch bereit, Sara sein Los Angeles zu zeigen: Ein paar Gebäude hier sind schon über 20 Jahre alt. Im Museum für Musikgeschichte schauen sich die beiden Beethoven’s Balls an, besuchen anschließend das Grab von William Shakespeare (nun ja). Weil Harris am folgenden Wochenende nicht arbeiten will, zeichnet er dreisterweise den Wetterbericht vorab auf. Er prognostiziert natürlich strahlenden Sonnenschein, denn: Wir sind doch in Los Angeles. Was soll sich groß ändern? Klar, dass es ausgerechnet diesmal wie aus Kübeln schüttet. Davon lässt sich Harris nicht stören, wird er doch gerade von der kecken Hosenverkäuferin SanDeE (Sarah Jessica Parker) becirct. Derweil versucht Saras Ex-Ehemann Roland Mackey (Richard E. Grant) mit Inbrunst, sie zurückzugewinnen. Und dann ist da noch das elektrische Verkehrszeichen am Freeway, auf welches Harris erstmals während einer Panne aufmerksam wird und das ihm auf geradezu magische Weise wohlmeinende Ratschläge, Voraussagen und ein Rätsel mit auf den Weg gibt.

Auch SanDeE bringt Trubel

„L. A. Story“ strotzt vor kleinen bizarren Einfällen wie einer wie selbstverständlich auf dem Highway beginnenden Schießerei, weil ja an diesem Tag die Jagdsaison eröffne. Woody Harrelson hat eine kleine Rolle als Harris’ Boss. Einen weiteren Kurzauftritt absolviert Patrick „Captain Picard“ Stewart – er spielt den Maitre des Nobelrestaurants „L’Idiot“, das seine Gäste genau überprüft, bevor es eine Reservierung annimmt. Chevy Chase ist als Filmstar Carlo Christopher zu sehen, der im „L’Idiot“ den gleichen Tisch wie gewöhnlich bekommt, obwohl er einen guten haben will, was sich als völlig unmöglich erweist. Dieser skurrile Humor ist wie selbstverständlich inszeniert und gibt sich nonchalant. Was klamaukig wirken könnte, wird so einfach zauberhaft. Dazu passen auch die Mono- und Dialoge von „L.A. Story“: So jung ist sie gar nicht mehr. Sie wird 27 – in vier Jahren. Diverse explizite und implizite Verweise auf Shakespeare würzen das Ganze, genannt sei die Einlage des von Rick Moranis gespielten Totengräbers. Und wer mit Shakespeares Bühnenstücken „Ein Sommernachtstraum“ („A Midsummer Night’s Dream“) und „Der Sturm“ („The Tempest“) vertraut ist, wird womöglich ein paar inhaltliche Versatzstücke wiedererkennen.

Drehbuchautor Steve Martin

Steve Martin schrieb diverse Drehbücher seiner Kinohits selbst, so auch in diesem Fall. Mit „L.A. Story“ lieferte er eine warmherzige Liebeserklärung an die kalifornische Metropole ab, die bei aller Überzeichnung nie ins Zynische abgleitet. Regisseur Mick Jackson („Volcano“) gibt seinem Star die Freiheiten, die der Film braucht, wobei es andererseits auch sein kann, dass Martin gar nicht viele Freiheiten brauchte, weil er sich auf sein eigenes Skript verlassen konnte. Ich habe die Komödie erstmals seinerzeit im Kino gesehen und seitdem gern wieder. Meine anlässlich der vorbildlichen Blu-ray-Veröffentlichung erfolgte Sichtung wird womöglich nicht die letzte gewesen sein und hat Lust gemacht, weitere Steve-Martin-Komödien mal wieder zu gucken. Koch Films hat im Übrigen reichlich Bonusmaterial auf die Scheibe gepackt. Aufgrund der Rolle von Los Angeles als heimliche Hauptdarstellerin empfiehlt sich insbesondere der Blick auf das Featurette über die Drehorte.

Wird das Verkehrszeichen Harris und Trudi den Weg weisen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mick Jackson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Richard E. Grant, Woody Harrelson, Steve Martin und Patrick Stewart unter Schauspieler. Welche Steve-Martin-Filme sind eure Favoriten?

Veröffentlichung: 11. Juni 2020 als Blu-ray, 29. Mai 2001 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: L.A. Story
USA 1991
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: Steve Martin
Besetzung: Steve Martin, Victoria Tennant, Richard E. Grant, Marilu Henner, Sarah Jessica Parker, Kevin Pollak, Susan Forristal, Sam McMurray, Patrick Stewart, Andrew Amador, Iman, Rick Moranis, Paula Abdul, Woody Harrelson
Zusatzmaterial Blu-ray: Making-of, Hinter den Kulissen, Featurette „Die Story von L.A. Story“ mit Produzent David Melnick, Featurette „Das L.A. von L.A. Story“ über die Drehorte des Films, geschnittene Szenen und alternatives Ende, Interviews mit Cast & Crew, TV-Spots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, deutscher und englischer Trailer, Vertikalschuber, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Trailer
Label/Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: AVU

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Blu-ray-Packshot: © 2020 Koch Films

 
 

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