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Gesprengte Ketten – Drei Tunnel bis zur Freiheit

The Great Escape

Von Ansgar Skulme, der damit seinen 125. Beitrag für „Die Nacht der lebenden Texte“ abliefert. Respekt! Wir freuen uns aufs nächste Jubiläum.

Kriegs-Action // Um ständige Ausbruchsversuche von Luftstreitkräfte-Soldaten in diversen Gefangenenlagern zu unterbinden, hat sich Hitler-Deutschland nach einigen Kriegsjahren eine gewagte Strategie überlegt: Zahlreiche der bisher auffälligsten Ausbrecher auf alliierter Seite werden in einem besonders ausgeklügelt bewachten Lager zusammengefasst. Akt der Verzweiflung oder genialer Plan? Heikel nur, dass bei den Besten der Besten auch der Drang, das Unmögliche zu schaffen, naturgemäß unberechenbar ist. Lieber nichts noch so halsbrecherisch Erscheinendes unversucht lassen, um auszubrechen, als die Zeit sinnlos zu verschwenden. Zumal es die Pflicht eines jeden gefangenen Soldaten ist, beim Feind zumindest so viel Unruhe wie möglich zu stiften. Gemeinschaftlich wird angepackt, um rekordverdächtige 250 Menschen frei zu bekommen. Dafür werden, geschickt durch scheinbare Alltagsroutinen kaschiert, drei mögliche Fluchttunnel vorbereitet, die die Rufnamen „Tom“, „Dick“ und „Harry“ erhalten, was auf Deutsch so viel wie „Hinz & Kunz“ bedeutet.

John Sturges hatte schon eine ganze Weile vor, die wahre Geschichte dieses großen Ausbruchsversuchs aus dem Stalag Luft III filmisch aufzuarbeiten. Acht Jahre soll er die Idee mit sich herumgetragen haben, aber erst nach dem Erfolg seines Kultwesterns „Die glorreichen Sieben“ (1960) erteilte man ihm den Zuschlag für das Projekt – in angemessener Budget-Größe mitsamt namhafter britisch-amerikanisch-deutscher Besetzung. Gedreht wurde in der Nähe von München, als Vorlage diente ein Tatsachenbericht von Paul Brickhill. Der Autor des Buches wurde allerdings nicht ans Set eingeladen. Stattdessen setzte man über viele Monate auf die Dienste des Kanadiers Wally Floody, eines erfahrenen Ausbrechers, der ebenfalls im Camp bei den Vorbereitungen mitgearbeitet hatte, kurz vor der Realisierung des Ausbruchs allerdings verlegt worden war. Einer der zentralen Unterschiede zur wahren Geschichte ist, dass die Amerikaner im echten Leben offenbar alle um die Chance gebracht wurden, an dem von ihnen mit in die Wege geleiteten Massenausbruch teilzunehmen, da sie das Lager infolge von Verdächtigungen schon vorher verlassen mussten – in dieser oder ähnlicher Weise dürfte auch Floody betroffen gewesen sein.

Eine der Definitionsmöglichkeiten des „Männerfilms“

Die Figuren im Film wurden teils lose, teils eng an tatsächlich im Lager internierte Personen angelehnt. Unter anderem war Roger Bushell Vorlage für den von Richard Attenborough verkörperten Kopf der Mission, Roger Bartlett. Teilweise sind die Charaktere im Film auch Kombinationen aus mehreren Menschen, die für den Film gewissermaßen in einer Figur vereint wurden. Zumal es thematisch absolut Sinn ergab, brachte Sturges drei seiner sieben Glorreichen auch gleich mit in diese Produktion: Steve McQueen, Charles Bronson und James Coburn, deren größte Erfolge als Hauptdarsteller noch bevorstanden – vor allem bei Bronson und Coburn, die hier nach wie vor Nebendarsteller-Charakter haben und erst in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre den Durchbruch an die Spitze schafften.

Aus den glorreichen Sieben sind in dieser Geschichte, wenn man so will, nun mehrere Dutzend geworden; in einem anderen Genre versammelt. Erneut steht eine schier unmögliche Mission bevor. Die gesamte Handlung von „Gesprengte Ketten“ kommt, allenfalls abgesehen von kaum ins Auge fallenden Statistenrollen, ohne weibliche Figuren aus, da die Erzählung das Gefangenenlager erst mit Beginn des Ausbruchs verlässt und auch nicht mit Bewegtbildern in der Vergangenheit der Figuren gräbt. Der Verleih versuchte, John Sturges davon zu überzeugen, dass der Film finanziell erfolgreicher werden würde, sofern man Frauenrollen – selbst wenn notdürftig – hineinschrieb, doch Sturges blieb eisern. Ein „Männerfilm“ in Reinkultur also, wenn man so will, allerdings auch mit geschichtlicher Fundierung – maßgeblich geprägt von Schauplätzen, an denen es einfach keine Frauen gab – und nicht nur eines Selbstzwecks wegen. „Gesprengte Ketten“ ist darüber hinaus vor allem einer der handwerklich komplettesten Filme, die ich jemals gesehen habe. Ein absolutes Meisterwerk, das relativ viele Sparten – Action, Humor, Spannung, Coolness, Dynamik, prägnante Musik, Realitätsbezug usw. – bedient, in jeder einzelnen Kategorie funktioniert, dabei über die gesamte Länge von fast drei Stunden sämtliche Zügel beisammen hält und einfach wunderbar miteinander harmonieren lässt.

Wenn’s mal wieder schnell gehen muss …

Bevor ich einige dieser zahlreichen Vorzüge etwas näher beschreibe, nehme ich meinen einzigen einigermaßen gewichtigen Kritikpunkt gleich vorweg. Im Großen und Ganzen reißt mich dieser Film selbst nach mehrfacher Sichtung immer noch fast genauso mit wie beim ersten Mal und zieht mich mit seiner Spannung und der klugen Erzählweise so in seinen Bann, dass die rund 170 Minuten wie im Fluge vergehen. Einzig empfand ich bei den letzten Sichtungen als geringfügig störend, dass der Bau der Tunnel von innen nur ziemlich sprunghaft gezeigt wird. Die Gründe hierfür liegen aus meiner Sicht auf der Hand, da der Film ansonsten zum Beispiel noch länger als ohnehin schon geworden wäre. Wenn von einem Moment zum nächsten aber bereits das halbe Innenleben eines Tunnels geräumig ausgebaut ist, praktisch ohne dass man irgendjemanden so wirklich beim aktiven, beschwerlichen Befestigen und Abstützen des ja doch recht langen Fluchtwegs gesehen hat – schon eher beim Reagieren auf zwischenzeitliche Einstürze –, läuft „Gesprengte Ketten“ Gefahr, als hochgegriffen abgetan zu werden, hätte er die konkrete historische Anbindung eben nicht, die er hat. In dem Moment, in dem man hochnäsig belehrend einwenden könnte „Ja ja, erzählt nur! Drei Tunnel, warum nicht gleich fünf oder sechs, aber wie der Bau so schnell gehen soll, zeigt ihr kaum! Ist halt ein Film … in Wirklichkeit hätte das so niemals funktioniert!“, legt einem die wahre Begebenheit hinter dem Film glücklicherweise automatisch das Handwerk, aber dennoch bleibt das, was unter der Erde passiert, im Film aus meiner Sicht leider etwas zu abstrakt und komprimiert. Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass die den Bereich unter der Erde simulierenden Sets etwas zu klein waren. Aber insbesondere bei der Erstsichtung wird dieser Aspekt von der Dynamik und Spannung der Handlung regelrecht aufgefressen. „Gesprengte Ketten“ überzeugt narrativ und emotional auf ganzer Linie fesselnd.

Wir sind alle „nur“ Menschen

Ein Faktor, der wohl maßgeblich dazu beiträgt, dass dieser Film dermaßen stark unter die Haut geht, ist die Menschlichkeit der Figuren, die hier in einer sehr nah gehenden, respektvollen Form bei wirklich jedem, der im Lager sein Dasein fristet, auf die eine oder andere Weise untermauert wird. Selbst die deutschen Soldaten, die die Gefangenen bewachen, werden relativ deutlich von Gestapo und SS abgegrenzt, was sich vor allem in Hannes Messemers großartiger Verkörperung des kriegsmüden Lagerkommandanten manifestiert, dessen letzte Szene selbst Steve McQueen mehr oder minder sprachlos zurücklässt. Der nachsichtige Blick auf das deutsche Volk zeigt sich aber auch in allen weiteren Bewacher-Rollen. All sie sind Deutsche, ihre Nation hat in diesem Krieg Schuld auf sich geladen, aber sie sind eben auch Menschen. Menschen, die sich mit den Gefangenen arrangieren, ohne dass es innerhalb des Lagers zu zur Schau gestellter brutaler Gewalt oder Hasstiraden kommt. Vielmehr wird die Zwangslage vieler Deutscher klargemacht, vor allem durch Robert Graf in der Rolle des Werner, der sein Leid klagt, solange es nur ja keiner mithört. Dabei wird aber auch – mit einem Augenzwinkern – nicht vergessen, dass das ständige Abducken sowie schlichte Feigheit nun wiederum auch keine Lösungen sein können, und dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte zwischen Dämonisierung und Freispruch liegen muss, wenn man die Rolle solcher Mitläufer bewertet. Der leider recht jung verstorbene Robert Graf war der Vater des renommierten Regisseurs Dominik Graf („Im Angesicht des Verbrechens“) und hatte zweifelsohne das Potenzial, in weiteren Hollywood-Filmen, in größeren Rollen als hier aufzutreten. Leider endete sein Leben schon Anfang 1966.

Hollywood-Luft für beliebte deutsche Schauspieler

Wie der Film die Deutschen einzuordnen versucht, weist aus meiner Sicht aber auch eine kleine, vielleicht im ersten Moment recht nebensächlich wirkende Szene sehr eindrücklich nach, in welcher der von Harry Riebauer gespielte, von den Gefangenen durchaus mit einer gewissen Furcht beäugte Hauptfeldwebel Strachwitz mit einer Mistgabel ins auf Lastwagen gestapelte Geäst sticht, um zu prüfen, ob sich darunter jemand versteckt, der fliehen will. Nicht etwa wird Riebauer hier zu einem Dämon mit Fleischerwerkzeug stilisiert, sondern stattdessen mit Hilfe der Musik ganz bewusst ein eher spaßiger Unterton in das Geschehen gemischt. Freud und Leid, Spaß und Ernst, Soldateneid und Menschlichkeit zeigen sich in diesem Film in einem stetigen Wechselspiel. Konsequenterweise endet die Handlung dann auch mit einer der Szenen im Bunker; ein Ort, der gewissermaßen zum Running Gag innerhalb dieser ebenso tragischen wie aber eben auch cool, spannend und actiongeladen inszenierten Geschichte wird. Nebst Harry Riebauer, der im Jahr 1963 unter anderem noch in einer Hauptrolle als Inspektor in dem Bryan-Edgar-Wallace-Film „Der Würger von Schloss Blackmoor“ zu sehen war – und sich dort gut im Fahrwasser von Vorbildern wie Joachim Fuchsberger und Heinz Drache verkaufte – kommt mit Heinz Weiss ein weiterer durch führende Rollen in deutschen 60er-Kriminalfilmen und später als „Traumschiff“-Kapitän bekannt gewordener Schauspieler zum Einsatz. Bei Weiss ist diesbezüglich allerdings nicht der Name Wallace ausschlaggebend, sondern seine Hauptrolle als Phil Decker in der Jerry-Cotton-Reihe.

Aber auch die dreckige, heimtückische Fratze des 40er-Deutschlands bekommt, besonders durch die Rollen der auf sehr unangenehm wirkende Fieslinge spezialisierten Charakterdarsteller Karl-Otto Alberty und Ulrich Beiger eindrückliche Gesichter und Stimmen. Wobei der Film auch hier sehr differenziert vorgeht: So wird dem aalglatt und überaus bösartig wirkenden, provokant aufgelegten, von Beiger gespielten Gestapo-Mann, der ziemlich ruhig agierende Hans Reiser vornan gestellt (beide ebenfalls sehr bekannte Gesichter für 60er-Deutsch-Krimi-Fans), und dem positive Emotionen zeigenden Lagerkommandanten, den Hannes Messemer spielt, mit Robert Freitag ein sehr ruhiger, fast schon profillos wirkender potenzieller Nachfolger auf die Nase gebunden. Ein klarer Fingerzeig dahingehend, dass auch die ganz normal und unscheinbar Wirkenden durchaus ihren Anteil am Desaster zu haben vermochten und nicht nur die, die jedes Schurkenklischee zu erfüllen scheinen.

Die sich für nichts zu schade sind …

Wie sich die Alliierten zusammenraufen und als verschworene Truppe präsentiert werden, beschert dem Film zunehmend Gänsehaut-Momente. Man hat das Gefühl, jeder würde sich für jeden opfern, obwohl Roger Bartlett (Richard Attenborough) und der invalide Ramsey (James Donald) beispielsweise ein deutlich anderes, strengeres Soldatenbild verkörpern als vor allem der freche Virgil Hilts (Steve McQueen). Der an Klaustrophobie leidende Danny (Charles Bronson) hat seinen Kumpel Willie (John Leyton), der ihn mit aller Macht – dabei sein eigenes Leben riskierend – davon abzuhalten versucht, aus Angst vor dem beengten Tunnel mit vielen Menschen, halsbrecherisch doch noch kurz vor Torschluss allein abzuhauen. Der allein kaum noch reisefähige Blythe (Donald Pleasence) muss um seine Teilnahme am Ausbruch fürchten, bis sich Hendley (James Garner) schützend vor ihn stellt. Ashley-Pitt (David McCallum) riskiert sein Leben im Handgemenge für Roger Bartlett, Hilts in einer ähnlichen Situation für den Maulwurf „Ives“ (Angus Lennie). Sogar einen Ausbruch mit freiwilliger Rückkehr – zwecks Einholung von dringend benötigten Informationen über die Lage außerhalb der Zäune – gibt es. Nicht jede Rettungsaktion, bei der ein Mensch aufopferungsvoll für den anderen in die Bresche springt – und das manchmal im wahrsten Sinne des Wortes – gelingt wie erhofft, aber der Überlebenswillen dieser Männer und dazu vor allem ihr unbändiger gegenseitiger Respekt vor der Bedeutung dieser Flucht für jeden Einzelnen bringen einen mehrfach zum Staunen und womöglich auch mal den Tränen nahe.

Neben den vielen sympathischen Figuren auf der Gefangenenseite und ihrem so oder so beispiellosen, äußerst ambitionierten Vorhaben, komplettieren ihre vielen schlauen Einfälle, ihr teils schlicht dreistes, nimmermüdes und gewitztes Vorgehen sowie die Musik von Elmer Bernstein den überragenden Spannungsaufbau in „Gesprengte Ketten“. Aus Bernsteins Kompositionen sticht besonders die ursprünglich rein instrumentale Titelmelodie hervor, die weltberühmt geworden ist und von Fußball-Fans in Großbritannien noch heute in Stadien nachgesungen wird. Der Nebendarsteller John Leyton, damals ein bekannter Sänger, brachte in Anbindung an den Kinostart außerdem eine um Text erweiterte Single heraus, dazu eine weitere Version mit deutschem Text („Eine kann meine nur sein“). Elmer Bernstein deckt von tragisch, ruhig und gruselig-düster über lustig und beschwingt bis hin zu furiosen Passagen das komplette Portfolio der Emotionen mit seinen Orchesterklängen, über die volle Distanz des Films, einfach großartig ab. Vom tragischen Tod eines Fliehenden, der das drohende Unheil nicht einmal kommen sieht, bis hin zu den lässigen Szenen mit Steve McQueen und seinem Baseball sowie den rasantesten Momenten des Films, in denen McQueen mit dem Motorrad der Schweiz entgegenprescht – Elmer Bernsteins Ideenreichtum und Musikgenie sind hier ein genauso starkes Statement wie zuvor bei seiner Arbeit an „Die glorreichen Sieben“. Gut und schön, dass mit John Sturges der Regisseur und drei der glorreichen sieben Darsteller hier wieder zusammenfanden, aber erst dadurch, dass auch Elmer Bernstein wieder mit dabei ist, entsteht wirklich der Effekt, dass „Gesprengte Ketten“ durchweg den ebenso aufopferungsvollen wie stilbildend coolen Esprit des vorausgegangenen, heute legendären Westerns atmet.

Cool, cooler, Bunker!

Dass Steve McQueen auch heute immer noch mit dem Spitznamen „The King of Cool“ tituliert wird, dürfte entscheidend seiner Rolle in „Gesprengte Ketten“ geschuldet sein, obwohl er diese nur unter der Bedingung angenommen haben soll, die spektakulären Motorrad-Szenen in die Story einbinden zu dürfen und am Set immer wieder Abstand zu den anderen Mitwirkenden hielt. Er wollte der Held sein und zeigte daher des Öfteren seinen Unmut über Handlungsabläufe, die ihm nicht gefielen. Vor allem Richard Attenborough machte er sich damit nicht zum Freund, wobei die Meinungsverschiedenheiten wohl auf Diskussionsebene blieben. Recht viele Diskussionen allerdings, wie es scheint. Offenbar wurde McQueens Part auch erweitert, nachdem er, aufgrund zu weniger Präsenz innerhalb der Handlung, komplett abzuspringen drohte. Die geringen zeitlichen Spielräume beim Unterbringen so vieler Figuren in einer Filmhandlung bilden eine Problematik, die wegen der Vielzahl an ambitionierten Schauspielern, von denen etliche schon bald Stars wurden, wenn sie es nicht ohnehin schon waren, vor allem in einem Film wie „Gesprengte Ketten“ nur schwer zu vermeiden war, da schließlich keiner von ihnen unter den Tisch fallen durfte, nicht nur Steve McQueen. Kurios ist das insofern, als einer der Gründe, weshalb sich Richard Harris vorab aus dem Projekt zurückzog, war, dass ihm die Verkleinerung seines Parts nicht gefiel – er hatte ursprünglich die Rolle des Roger Bartlett spielen sollen. Änderungen, die vermutlich vor allem zugunsten von Steve McQueen gemacht worden sind. Unklar bleibt, ob Harris’ Nachfolger Richard Attenborough in dem Film also überhaupt zu sehen wäre, hätte Steve McQueen keine Unruhe bezüglich der Filmhandlung und der Gewichtung der Figuren gestiftet – so fordernd die Zusammenarbeit mit McQueen am Set für Attenborough dann auch gewesen sein mag.

Im Abspann des Films werden die Figuren allesamt mit ihren Namen und Spitznamen genannt. Dabei kommt McQueen die Bezeichnung „The Cooler King“ zu, was man zwar als „Der coolere König“ lesen kann, wobei es aber eigentlich „Bunkerkönig“ bedeutet. In der Originalfassung sagen die Deutschen im Lager anstelle des prägnanten „Bunker!“ stets „Cooler!“ zu ihm. Ganz offensichtlich wurde aus „The Cooler King“, dem König des Bunkers, dann später „The King of Cool“, der König der Coolness – wofür er ja gewissermaßen auch mit jedem seiner Filme, spätestens seit „Die glorreichen Sieben“, zunehmend Anlass gab. Ein als solcher bereits angekommener Topstar war Steve McQueen zum Zeitpunkt der Produktion von „Gesprengte Ketten“ aber in jedem Fall noch nicht, was unter anderem an dem Aspekt deutlich wird, dass James Garner – der neben McQueen die mit Abstand größte US-amerikanische Rolle im Film spielt – eine deutlich höhere Gage erhielt. Zumindest seinen Ansprüchen an die von ihm ersehnten Motorrad-Szenen dürfte McQueen, unabhängig vom teils enttäuschten Blick auf den Umfang seiner Rolle, in jedem Fall gerecht geworden sein. Nur an einem besonders spektakulären Sprung gen Ende scheiterte er beim Versuch und ließ sich hierbei deswegen schließlich von Bud Ekins doubeln. Stattdessen doubelte McQueen selbst wiederum einen der Verfolger, jagte sich also – dem Schnitt und unterschiedlicher Kostümierung sei Dank – kurze Zeit praktisch selbst über die Leinwand. Unter dem Strich stieg Steve McQueen durch „Gesprengte Ketten“ schließlich zum Superstar auf und blieb bis zu seinem überraschend frühen Tod 1980 in dieser Liga. Kein Wunder also, dass Leonardo DiCaprios Rick Dalton dieser Rolle aktuell in Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ nachtrauert – inklusive einer Szene, in der man DiCaprio an McQueens Stelle in einer Dialogsituation mit Hannes Messemer und Harry Riebauer sieht. Die modernste Tricktechnik macht es möglich – und lässt sogar einen Steve McQueen verschwinden, damit Rick Dalton wenigstens für einen kurzen Moment sein „Was wäre gewesen, wenn …“ innerhalb des Originalmaterials von „Gesprengte Ketten“ imaginieren kann. Natürlich eine „Bunker!“-Szene – und spätestens durch Tarantino und DiCaprio jetzt endgültig als Kult geadelt.

Er ist wieder da?!

Abgesehen von den besagten Ränkespielchen, die die Gesamtstimmung aber nicht wirklich gefährdet haben dürften, sind einige nette Details vom Set überliefert. So etwa, dass eine Art Gemeinschaftsevent daraus gemacht wurde, dass jeder Mensch, der sich vor Ort aufhielt, immer wieder ein kleines Stück zu einem sehr langen Stacheldraht für eine Szene beisteuern sollte, der aus Gummi gemacht wurde, damit man vor der Kamera gefahrlos hineinstürzen und sich darin verfangen konnte, ohne sich zu verletzen. Man ging also immer wieder zu diesem Gummi-Stacheldraht und knotete ein weiteres kleines Einzelteil daran. Eine andere Anekdote berichtet von einer Radarfalle unweit der Dreharbeiten. Bei dieser Verkehrskontrolle handelten sich viele Cast- und Crew-Mitglieder eine Strafe ein, wobei – wie konnte es anders sein – Steve McQueen mit der höchsten Geschwindigkeitsübertretung gemessen wurde. Zweifelsohne eine clevere Idee, allerdings auch nicht wirklich gastfreundlich, ausgerechnet im Umfeld einer solchen, die deutsche Geschichte aufarbeitenden Produktion zu blitzen – mit ungewöhnlich großen Männermengen am Set, bei denen man wohl auf Raser hoffte.

Zumal das Lager nicht am früheren Standort neu errichtet wurde, sondern man den Nachbau des im heutigen Polen gelegen gewesenen Stalag Luft III für diesen Film nahe der bayrischen Landeshauptstadt platzierte, wo für den Normalbürger erst recht nicht damit zu rechnen war, soll es ferner zu einem Vorfall mit einem verängstigten Passanten gekommen sein. Der Mann entwickelte, angesichts der eindeutig ausschauenden Kulisse, die er da beim Spazierengehen mit seinem Hund urplötzlich entdeckte, wohl ein schockiertes Gefühl von „Jetzt geht es wieder los …“ und zeigte sich enorm erleichtert, als er darauf hingewiesen wurde, es handle sich nur um ein Filmset. Wie tief der Rückgriff auf die Vergangenheit zu greifen vermochte, zeigt sich auch daran, dass die Schauspieler teils ihre eigenen Kriegserfahrungen in ihre Rollen und die Produktion einbringen konnten. So hatte James Garner während des Korea-Krieges ähnliche Aufgaben wie auch hier im Film übernommen. Donald Pleasence wurde offenbar phasenweise im Stalag Luft I gefangen gehalten – natürlich eng verwandt mit dem Stalag Luft III, von dem der Film handelt – und in Kriegsgefangenschaft Opfer von Folter. Seine Erlebnisse als Gefangener bei den Deutschen im Zweiten Weltkrieg führten, nach anfänglicher Skepsis seitens John Sturges, schließlich zu einer Art von beratender Tätigkeit am Set. Hannes Messemer gelang die Flucht aus sowjetischer Gefangenschaft, woraufhin er eine enorme Fußstrecke zurück nach Deutschland hinter sich brachte. Das, um nur drei Beispiele zu nennen.

Was zählt, ist die Mission!

Als Erfolg wird der Ausbruchsversuch in der historischen Rückbetrachtung eher nicht gewertet. Manchmal jedoch ist es erst die entstehende Legende, die das volle Potenzial einer Begebenheit entfaltet. 1986 und 2003 transformierte man „Gesprengte Ketten“ sogar in zwei Videospiele, von denen das zweite bereits kompatibel mit den heute noch gängigen Konsolenanbietern war. 1988 erschien außerdem eine zweiteilig angelegte Quasi-Fortsetzung des Films unter dem Titel „The Great Escape II: The Untold Story“, die in Deutschland „Gesprengte Ketten – Die Rache der Opfer“ genannt wurde – und die Legende noch weiter zu erzählen versuchte. Diese Produktion thematisiert allerdings auch den Ausbruch selbst und ist daher im Grunde weniger ein Sequel als eine Erweiterung und Ergänzung zum Film von 1963. An der Laufzeit von knapp drei Stunden kann man schon erkennen, dass es sich nicht um einen typischen Aufguss handelt, dem man plumpe Geldmacherei vorwerfen sollte. Mit Christopher Reeve, Judd Hirsch und Ian McShane konnten außerdem einige noch heute bekannte Schauspieler verpflichtet werden. Auch wurde bezüglich Glaubwürdigkeit vor der Kamera erneut Wert auf mehrere deutsche Schauspieler in der Besetzung gelegt, darunter Manfred Andrae, der mir vor allem aus früheren Zeiten als Synchronsprecher bekannt ist (unter anderem in „Gesprengte Ketten“ als Stimme von Gordon Jackson zu hören), und Martin Umbach, der wiederum erst später rege im Synchron aktiv wurde und noch bis heute sehr gefragt in dieser Branche ist – zum Beispiel als derzeit reguläre Stimme von Russell Crowe, Kenneth Branagh und anderen. Einer der Initiatoren der Wiederaufnahme des Stoffs für den Zweiteiler von 1988 war offenbar Jud Taylor, ein Schauspieler aus der 60er-Version, der sich mittlerweile aufs Regiefach verlegt hatte. Taylor hatte in „Gesprengte Ketten“ den dritten Amerikaner gespielt, der beispielsweise gemeinsam mit James Garner und Steve McQueen die Feier des Unabhängigkeitstages im Lager vorbereitet – in der 1988 erschienenen Neuverfilmung agierte er nun als Produzent und Regisseur der zweiten Hälfte der Geschichte, während Paul Wendkos („Die Rache der glorreichen Sieben“) den ersten Teil inszenierte. Als einziger weiterer Schauspieler aus der Besetzung von 1963 – neben Taylor, der aber hinter den Kulissen tätig war – wurde Donald Pleasence reaktiviert, diesmal allerdings in einer anderen Rolle.

Die i-Tüpfelchen

Dass man die deutsche Synchronfassung von „Gesprengte Ketten“ in München und nicht Berlin erstellen ließ, ist angesichts der Drehorte und angesichts der Tatsache naheliegend, dass man auch vor der Kamera auf in der Nähe ansässige deutsche Schauspieler zurückzugreifen versuchte, die sich schließlich auch für die deutsche Fassung selbst synchronisieren sollten. Die Besetzung von Klaus Kindler für Steve McQueen in diesem Film war zwar keine Premiere, bildete aber sicher den Grundstein dafür, dass er sich schließlich später als McQueens Stammstimme durchsetzen konnte, auch wenn es bis dahin leider noch etwas dauerte. Ein Grundstein für eine sehr populäre Figur wurde hier außerdem gelegt: Wolfgang Büttner sprach Donald Pleasence in „Gesprengte Ketten“ offenbar erstmalig. Es folgten ein weiterer Einsatz für Pleasence in München und nur ein einziger in Berlin – dieser aber in keiner geringeren Rolle als der des damals von Film zu Film immer wieder grundlegend anders aussehenden, von wechselnden Schauspielern verkörperten Superschurken Ernst Stavro Blofeld. Donald Pleasence spielte in „James Bond 007 – Man lebt nur zweimal“ den Blofeld mit Glatze und der berühmten Narbe im Gesicht, der als Vorbild für Dr. Evil in den späteren Austin-Powers-Persiflagen diente – und hatte in der deutschen Fassung die Stimme von Wolfgang Büttner, wie in „Gesprengte Ketten“. Der dem TV-Publikum in den 90ern als „Bergdoktor“ bekannt gewordene Gerhart Lippert ist in „Gesprengte Ketten“ darüber hinaus als Stimme von David McCallum zu hören. Heimliches Highlight der Synchronfassung ist für mich allerdings Paul Klinger, der zwar über 15 Jahre älter als Richard Attenborough war, aber wirklich fantastisch mit seiner Rolle und dem namhaften britischen Schauspieler vor der Kamera verschmilzt. Bedauerlich, dass Klinger ihn nur dieses eine Mal synchronisierte.

DVD-Veröffentlichungen des Films in Deutschland gibt es mittlerweile etliche, denn dass dieser Meilenstein allgemein einen sehr guten Ruf genießt, spiegelte sich unter anderem darin wider, dass man recht zeitig mit digitalen Veröffentlichungen begann – und schließlich gesellte sich dann auch eine Blu-ray dazu. Alles versehen mit reichhaltigem Bonusmaterial. Nichtsdestotrotz kann man im Ausland sogar noch lohnende Erweiterungen finden.

Enttäuschend erstaunlich bleibt am Ende des Tages nur, warum „Gesprengte Ketten“, trotz dass er auch kommerziell schon im Kino ein großer Erfolg war, bei den großen Preisverleihungen – ungeachtet des breit gefächerten Darsteller-Ensembles sowie mehrerer herausragender Leistungen auch hinter der Kamera – nahezu komplett ignoriert wurde. Beim Golden Globe 1964 gab es zumindest noch eine Nominierung als bester Film in der Kategorie Drama, bei den Oscars wurde lediglich der Schnitt nominiert. Wirkt alles sehr stiefmütterlich. Umso kurioser ist, dass der einzige wirkliche Sieg von Steve McQueen errungen wurde. Kurios aber natürlich nicht, weil McQueen für seine Darbietung in diesem Film keine Ehrung verdient gehabt hätte, sondern weil er den Preis ausgerechnet beim Internationalen Film-Festival in Moskau gewann – ausgerechnet für diese Rolle, für sein Porträt dieses immer wieder Regeln brechenden und frech seine Gegner provozierenden US-Amerikaners. Gerade aus McQueens Rolle kann man nun wirklich eine gewisse Attitüde nach dem Motto „Mir ist alles egal, außer Amerika und seinen Freunden!“ herauslesen. Und damit gewinnt man dann einen Schauspieler-Preis an solch einem Ort. In der Rolle eines selbstherrlichen Amerikaners, noch dazu in einem Kriegsfilm, den Pott und Respekt für die eigene Leistung aus Moskau erobern – das kann man mal gemacht haben! Das erscheint fast schon wie ein Zeichen der Versöhnung und Verbrüderung im Geiste, wenn es sich am Ende auf solch eine Weise fügt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Sturges sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Charles Bronson, James Coburn, Steve McQueen und Donald Pleasence unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 12. Juli 2013 als Blu-ray und DVD, 14. März 2008 als DVD („90 Jahre United Artists“-Sammeledition, Nr. 30), 30. April 2007 als „Cinema Premium“-Edition DVD, 27. April 2004 als „Gold Edition“ DVD, 17. Juni 2002 als 2-Disc Special Edition DVD, 1. Februar 2000 als DVD

Länge: 172 Min. (Blu-ray), 165 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte u. a.
Originaltitel: The Great Escape
USA 1963
Regie: John Sturges
Drehbuch: James Clavell, W. R. Burnett, nach einer Vorlage von Paul Brickhill
Besetzung: Steve McQueen, Richard Attenborough, James Garner, Donald Pleasence, Charles Bronson, James Donald, James Coburn, Hannes Messemer, David McCallum, Gordon Jackson
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Hintergrund-Dokumentationen, Interviews, Original-Trailer
Label/Vertrieb: MGM / United Artists / 20th Century Fox (versionsabhängig, ggf. in Kooperation)

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Packshot Blu-ray: © 2013 MGM

 

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Die glorreichen Sieben – Wenn einfach alles stimmt

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Auf dem Weg nach Mexiko: sieben Reisende in Blei

The Magnificent Seven

Von Kay Sokolowsky

Western // Wenn ich mal zappe, dann hoffe ich immer, ein Programm zu finden, in dem eines meiner heiligen Leinwandstücke läuft. Manchmal klappt das; und wenn’s richtig gut läuft, erwische ich den Spielfilm noch im ersten Akt. Eines der Werke, auf die ich beim Switchen stets hoffe, ist „Die glorreichen Sieben“ von John Sturges, und egal wie spät es wurde: Ich bin noch nie dabei eingeschlafen. Regisseur John Carpenter bringt den Grund dafür präzis auf den Punkt: „Ist dies der größte Western aller Zeiten? Nein. Der Western, der am meisten verändert hat? Nein. Ist es der, der am meisten Spaß macht? Ja.“

Liebe auf den ersten Blick

Ich mag „Die glorreichen Sieben“ nicht zuletzt deshalb so gern, weil das Stück mich an ziemlich unschuldige Tage erinnert, damals, mit zehn Jahren, als es für mich neben „Godzilla“-Filmen nichts gab, was ich lieber sah als amerikanische Western, außer es stand „Bonanza“ drauf. Dabei hatte ich einen Riesenbammel vor Pferden. Meine Retrospektive der „Glorreichen Sieben“ kann also nicht anders als persönlich ausfallen, nostalgisch und ziemlich verknallt. Das wird eine Sammlung von Anekdoten und Assoziationen statt einer ordentlich geformten Kritik. Falls Ihnen so etwas nicht liegt, sollten Sie jetzt einen anderen lebenden Text anklicken. Sofern Sie jedoch Lust auf ein Plauderstündchen haben – bitte sehr!

Es war einmal in Mexiko

Schwer vorstellbar, dass irgendein Mensch in der westlichen Welt diesen Western noch nie gesehen hat. Im US-TV zum Beispiel steht er auf der ewigen Liste der am häufigsten ausgestrahlten Spielfilme an dritter Stelle, und hierzulande dürfte es zumindest für einen Platz unter den Top Ten ausreichen. Darum fasse ich mich mit der Nacherzählung der Story kurz:

Alljährlich zur Erntezeit wird ein namenloses Kaff in Mexiko von Calvera (Eli Wallach) und seinen dreißig Dreckskerlen heimgesucht. Die geplünderten Bauern wissen, dass ihnen nach der nächsten Banditenvisite nicht genug zum Überleben bleiben wird. Auf Anraten des Dorfältesten reiten drei Farmer in ein – gleichfalls namenloses – Städtchen auf der US-Seite der Grenze. Sie wollen dort Waffen zum Kampf gegen die Halsabschneider erwerben. Vorher aber erleben sie, wie die Revolverhelden Chris Adams (Yul Brynner) und Vin Tanner (Steve McQueen) einen Trupp Indianerhasser aufmischen. Den Bauern gelingt es, die ebenso großherzigen wie abgebrannten Cowboys zu engagieren – für eine warme Mahlzeit pro Tag und eine halbe Handvoll Dollar. Chris und Vin suchen in der Umgebung nach Mitkämpfern, und schließlich kommen sieben Gefährten zusammen, die Calvera zeigen wollen, was eine saftige Piñata ist.

Nach einer kurzen Einführung der Bauern in die Grundlagen des Tötungshandwerks galoppieren Calveras Marodeure herbei. Der Empfang wird herzhaft: Bei einer Mordsballerei beißen neun Banditen in den Staub, die übrigen flüchten in die Berge. Doch die Dörfler sind wankelmütig. Obwohl der alte Feind jederzeit zurückkehren könnte, lassen sie sich von ihrem Bürgermeister Sotero (Rico Alaniz) überreden, die Söldner fortzujagen. Die schütteln die Köpfe unter den Stetsons, reiten davon – und kurz darauf wieder zurück, denn sie möchten die Landeier vor deren Feigheit bewahren. Derweil haben Calvera und seine Brut das Dorf eingenommen und bereiten ihrerseits den Sieben ein blutiges Willkommen. Diese zweite Massenschießerei endet mit der totalen Niederwerfung der Calvera-Truppe. Allerdings bleiben auch vier der Glorreichen auf der Strecke sowie mehrere Bauern, die mit der Appeasement-Politik Soteros überhaupt nicht einverstanden waren.

Chris und Vin verlassen das schöne Mexiko ohne Aussicht auf goldene Zeiten. Immerhin scheint die Sonne. Chico (Horst Buchholz) aber, der jüngste der Söldner, bleibt im Kaff, weil er sich in eine Blume des Landes namens Petra (Rosenda Monteros) verliebt hat. Chris Adams darf die letzten, ziemlich legendären Worte sprechen: „Wir haben verloren. Wir verlieren immer.“

Große Momente

Vom ersten Bild an fängt „Die glorreichen Sieben“ den Zuschauer wie mit einem Lasso ein und gibt ihn bis zum Abspann nicht mehr frei. Allein wer Western – aus mir unbegreiflichen Gründen – nicht leiden mag, wird sich von diesem Paradebeispiel für Hollywood-Magie nicht verzaubern lassen. Wer allerdings ein Auge für Eleganz und ökonomische Narration hat, der kann diesen Film goutieren, ohne das Genre sonst zu mögen.

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Schwarzer Hut, reine Seele: Chris Adams, Anführer der Sieben

Regisseur John Sturges war zwar kein begnadeter Künstler, doch er wusste, wie man eine gute Geschichte geradeaus erzählt, und das ist allemal besser als eine Kunst, die nichts zu erzählen hat. Mit „Stadt in Angst“ („Bad Day at Black Rock“) inszenierte er 1955 ein Kronjuwel des antifaschistischen Kinos, und bereits vor den „Sieben“ zog Sturges mit „Der letzte Zug von Gun Hill“ („Last Train from Gun Hill“, 1959) für immer ins Pantheon des Westernkinos ein.

Sturges begann in den 1930er-Jahren als Cutter und lernte dabei fast alles über Timing, dramatische Montage und den Verzicht auf Schnickschnack. In seinen besten Jahren verstand er es wie kaum ein anderer Kollege, das Publikum zu packen und nicht mehr loszulassen. „Die glorreichen Sieben“ markiert den Zenit seines Schaffens. Es lohnt sich, hier akribisch hinzuschauen. Weil ich jedoch die Geduld meiner Leser nicht überstrapazieren möchte, beschränke ich mich auf eine Analyse der Exposition. Die hat es, obschon nur vier Minuten lang, freilich in sich.

Das erste Bild des Films ist ein eingefrorener Kader. Wir sehen ein abgeerntetes Maisfeld, trockenen gelben Boden, karge braune Berge, und in schneidendem Kontrast zu diesem Elend einen wie Kobalt strahlenden Himmel. Darüber hat die Effektabteilung die Haupttitel des Films kopiert: Die Buchstaben glühen blutrot, sind scharf gezackt wie Schlagzeilen und werfen einen Schatten, der sie fast dreidimensional wirken lässt. Wer gut aufpasst, erkennt einen mexikanischen Bauern links unten, aber der ist vor der majestätischen Kulisse erst mal nur ein weißer Fleck.

Nach etwa anderthalb Minuten geht das Stand- in bewegtes Bild über (dabei hat das Kopierwerk einen Fehler gemacht, doch den bemerkt man kaum). Links unten schleichen, winzig und weiß, einige Campesinos herum. In der Bildmitte jagen von rechts die düsteren Silhouetten vieler Reiter heran. Sie passen in ihrer Bedrohlichkeit viel besser zum unwirtlichen Bergmassiv links oben, aber ihre Bewegung, schnurgerade in der Horizontale von Ost nach West, weist genau in die hellen Felder der Bauern.

Dann der erste Schnitt: Wir sehen in einer armseligen Tenne drei Campesinos beim Mais hocken, zwei im Vordergrund, der dritte, perspektivisch verkleinert, dahinter. Zöge man Linien über das Bild, ergäben sie ein Dreieck mit der Spitze nach unten. Das Triangelmotiv kehrt im Lauf des Films mehrmals wieder. Am Ende wissen wir: Ragt die Spitze des Dreiecks nach unten, bedeutet das Schwäche und Verzweiflung; im anderen Fall Entschlossenheit und Stärke.

Überdies hilft die ziemlich strenge Komposition der Großaufnahmen John Sturges dabei, das komplizierte Panavision-Format mit all seinen optischen Problemen in den Griff zu bekommen. Die anamorphen Tricks, die Panavision gebraucht, um einen 35-mm-Film auf 70 Millimeter aufzublasen, lassen Filme geringerer Regisseure gelegentlich wie seekrank erscheinen. Der vorzügliche Handwerker Sturges und sein Kameramann Charles Lang hatten jedoch sehr gut erkannt, dass man dem neumodischen Technokram am besten die alten Meister entgegensetzt: Manche Szenen in „Die glorreichen Sieben“ wirken in ihrem harmonischen Aufbau wie Gemälde von Botticelli oder Raffael. Die Wirkung der gar nicht so vielen Action-Sequenzen entfaltet sich nicht zuletzt darum so explosiv, weil die „ruhigen“ Passagen wie Gemälde daherkommen.

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Vampirzähne mit 18 Karat: Chefschurke Calvera

Zurück in die Maistenne: Über dem Kopf des kleinen Farmers im Hintergrund erscheinen jetzt wie ein dunkler Gedanke Calvera und hinter ihm im Staub die Gang. Obwohl die Bauern den Großteil des Bildes einnehmen, wird die Einstellung von den heuschreckenkleinen Banditen beherrscht. Bei der Gelegenheit: Der fabelhafte Pixar-Film „Das große Krabbeln“ („A Bug’s Life“, 1998) ist eine einzige, herzerwärmend ironische Hommage an „Die glorreichen Sieben“. Und ich vermute, dass John Lasseter wegen des Vorspanns der „Glorreichen Sieben“ auf die Idee zu seinem Film kam. Sollte ich die Gelegenheit bekommen, werde ich bestimmt nachfragen. (Und wenn es nicht der Vorspann war, dann waren es die Abschiedsworte des weisen Ältesten an Chris und Vin: „Ihr habt uns von Calvera befreit so wie der Wind die Heuschrecken vertreibt.“)

Wir stecken immer noch in der Exposition, die Haupttitel sind erledigt, knapp zwei Minuten vergangen. Der nächste Schnitt, und eine grandiose Totale über den Dorfplatz. Die Kamera schwenkt langsam von rechts nach links, denn sie folgt den hereinparadierenden, ziemlich edlen Reittieren der Bande und den Aufsitzenden. Sie tragen allesamt Sombreros, deren Krempen mehr Durchmesser haben als die Ringe des Saturns. Den größten Hut trägt der ziemlich kleine Anführer. Eli Wallach verleiht diesem Calvera eine Lust an der Gemeinheit und ein Charisma, die den Bösewicht fast sympathisch erscheinen lassen. Bis er den Mund aufmacht – er grinst viel und ziemlich falsch: Dann ist zu erkennen, dass zwei seiner Schneidezähne aus Gold sind. Wie so viele selbsternannte Beschützer des Volkes ist Calvera nichts weiter als ein Blutsauger.

Zwar hatte Eli Wallach, seinem Nachnamen zum Trotz, Schwierigkeiten, im Sattel eine gute Figur abzugeben. Aber sechs Jahre später konnte Sergio Leone gar nicht anders, als den Mimen für die Rolle des Tuco in „Zwei glorreiche Halunken“ („Il buono, il brutto, il cattivo“, 1966) zu engagieren. Halunke Tuco wirkt wie ein Calvera, der vor dem Ausbruch des Größenwahns noch die Kurve gekriegt hat. Und Eli Wallach konnte inzwischen auch viel besser mit Gäulen umgehen.

Nächster Schnitt: Großaufnahme, ein weiteres Trio, etwas besser angezogen als die Bauern in der Tenne, alle stehen aufrecht. Es handelt sich offenbar um eine Kleinfamilie: Vater, sehr schöne Mutter, ein Knabe um die 14. Sie halten sich in einer etwas geräumigeren Tenne auf, am Giebel hängt eine gewienerte Petroleumlaterne, Zeichen bescheidenen Wohlstands. Papa – groß im Bildzentrum – sieht den Reitern hinterher wie einer, der seinen Zorn nicht zeigen will, doch kaum verbergen kann. Das ist Sotero, der später zum Verräter werden wird. Zu Beginn der Einstellung ist die Familie wie das exakte Konterbild der drei abgewetzten Bauern in der Maistenne angeordnet; noch erscheint der Bürgermeister wie ein unbeugsamer Kämpfer. Dann aber ruft der Bub (es ist das erste gesprochene Wort des Films) „Papa!“, die strenge Bildkomposition löst sich auf, weil die Mutter zum Sohn geht und ihn in den Arm nimmt. Die beiden nehmen jetzt einen Teil der linken Bildhälfte ein, Sotero verbleibt im Zentrum, rechts von ihm ist nur mehr Menschenleere. Das Dilemma, in dem der Dorfvorsteher steckt, wird in dieser Einstellung so deutlich, dass es im letzten Akt des Films gar nicht notwendig sein wird, über sein Motiv für die Kollaboration zu reden: Sotero wird weich aus Sorge um seine Familie, nicht um sich selbst. Rico Alaniz schenkt der Figur die Würde, die sie trotz allem verdient hat, und er braucht nur wenige Gesten und Blicke, um die Tragik und Ohnmacht eines Mannes spüren zu lassen, der um des Friedens willen bereit ist, mit Klapperschlangen zu verhandeln.

Damit ist die Introduktion beendet, die bereits alles schildert, was man über die Dörfler, die Bande und Calvera wissen muss – in nicht mal vier Minuten. Und sogar die Sieben kommen schon vor. Aber nicht in den Bildern, sondern der Begleitmusik. Und um die geht es jetzt.

Schöne Töne

Zu den zahlreichen Partituren, die Elmer Bernstein komponierte, zählen auch Scores für solche Allzeit-Stinker wie „Cat-Women of the Moon“ oder „Robot Monster“. Aber da war Bernstein noch jung und neu im Geschäft. Sein Aufstieg zum A-Film gelang ihm 1955 mit der Musik zu Otto Premingers „Der Mann mit dem goldenen Arm“ („The Man with the Golden Arm“), einer erregenden Mixtur aus Jazzrhythmen und spätromantischer Orchestrierung, die Bernstein zugleich als Meister sentimentaler Melodien auswies und ihm seine erste von insgesamt 14 Oscar-Nominierungen eintrug.

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Miserable Chancen mag er am liebsten: Vin Tanner, Spieler und Scharfschütze

Nominiert wurde er ebenfalls für „Die glorreichen Sieben“, leider nicht ausgezeichnet – den Academy Award heimste in jenem Jahr Ernest Gold für die Musik zu „Exodus“ ein. Das American Film Institute machte diese Fehlentscheidung wett, als es Bernsteins Partitur in der Bestenliste „100 Years of Film Scores“ auf Platz 8 von 25 setzte. In der Tat gibt es kaum eine Kinomusik, die sich derart ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat wie die der „Glorreichen Sieben“. Bekannter sind allenfalls die „Star Wars“-Titelmelodie von John Williams oder Nino Rotas Leitmotiv für „Der Pate“. (John Williams saß übrigens am Klavier, als 1960 die Musikspur für die „Sieben“ aufgenommen wurde.) Die Berühmtheit der Bernstein-Töne verdankt sich wahrscheinlich mehr noch als dem Spielfilm ihrer Zweitverwendung in Marlboro-Werbeclips. Man kann diese Musik – so sehr klingt sie nach „Western“ – nämlich über alle Bilder legen, die Cowboys bei der Arbeit zeigen, sei es nun das Rindertreiben oder ein zünftiger Gunfight. Sollten Sie die Noten gerade nicht im Kopf haben, finden Sie hier eine gut gemachte Gedächtnisstütze.

Der schöne Lärm beginnt mit sechs Akkorden, die von Streichern und Perkussion wie Gewehrschüsse abgefeuert werden. Es folgt eine Kabbelei zwischen Violinen und Blechbläsern, die vermutlich auf die sarkastischen Dialoge von Vin und Chris anspielen, bevor das Motiv der „Glorreichen Sieben“ erstrahlt wie der kobaltblaue Himmel und die glutroten Titel in den ersten Bildern des Vorspanns. Nach circa 80 Sekunden drosselt das Orchester den Dezibelausstoß und wechselt zu einem „mexikanischen“ Zwischenspiel (mit Mariachi-Guitarre und Flöte). Doch schon eine Viertelminute später gibt es erneut einen Break und dann eine knappe Reprise des Heldenmotivs. Auf das Elmer Bernstein gar nicht so stolz war wie er hätte sein dürfen. „Die Melodie halte ich für weniger interessant als den Rhythmus“, sagte er viele Jahre später. Tatsächlich haben die Beats der Titelmusik etwas Elektrisierendes, Explosives, und passen makellos zu einem Film, in dem reichlich geschossen und durch die Gegend galoppiert wird. James Coburn, Darsteller des schweigsamen Messerhelden Britt, schwärmte: „Die Musik war der Höhepunkt. Auch filmisch.“ Das ist nur wenig übertrieben. Drehbuchautor und Regisseur Lawrence Kasdan, der 1985 mit „Silverado“ so etwas wie eine Hommage an die „Sieben“ versuchte (und scheiterte), spendet noch mehr Lob: „Die großartigste Filmmusik, die es je gab.“ Eli Wallach, dem Pathos nie besonders lag, sagte bloß: „Hätte ich die Musik vorher gehört, hätte ich besser geritten.“

Gegen das überwältigend fröhliche Thema der „Glorreichen Sieben“ setzt Elmer Bernstein unmittelbar nach dem Vorspann das aggressive, pechschwarze Motiv, das für Calvera und seine Bande steht. Die Perkussion dröhnt jetzt wie die Pferdehufe einer ganzen Armee und die Posaunen klingen stark nach Jüngstem Tag. Elmer Bernsteins Musik hat es direkt auf Rückenmark und Bauch des Publikums abgesehen, und man muss schon aus Stein sein oder orchestrale Scores generell hassen, um davon ungerührt zu bleiben. Alle anderen können nach der Titelmusik auf jede Menge Action, etwas Humor und eine ordentliche Prise Gefühl hoffen, und sie werden nicht enttäuscht. Nicht einen Takt lang.

Sieben Freunde sollt Ihr sein

Als „Die sieben Samurai“ 1954 auch in die US-Kinos kam, war Yul Brynner von Akira Kurosawas Meisterwerk so hingerissen, dass er seinen Freund, den Produzenten Walter Mirisch, beschwatzte, mit ihm ein Remake auf die Beine zu stellen. Mirisch erwarb die Rechte am Stoff für lächerliche 250 Dollar, musste aber fünf Jahre lang in Hollywood Klinken putzen, bevor sich mit United Artists endlich ein großer Verleih fand. Vielleicht hatte Mirisch auch deshalb solche Schwierigkeiten, den Studiomogulen die Sache schmackhaft zu machen, weil für ihn und seinen kahlköpfigen Freund von vornherein feststand, dass es in „Die glorreichen Sieben“ nur einen echten Star geben durfte: Yul Brynner.

Zwar hatte Brynner 1956 mit „Der König und ich“ („The King and I“) einen Kassenschlager gelandet und zwei Jahre später in „Die zehn Gebote“ („The Ten Commandments“) Charlton Heston wie nichts an die Wand gespielt. Aber als Held in einem Western war Brynner noch nie auffällig geworden, und in jenen lilienweißen Tagen konnte sich kaum einer vorstellen, dass das übliche Pferdeopernpublikum einen Mann mit leicht mongolischen Gesichtszügen als Gunslinger akzeptieren würde. 1956 war außerdem bei einem ähnlichen, gleichsam spiegelverkehrten Versuch einer der lächerlichsten Filme aller Zeiten herausgekommen: John Wayne hatte sich in „Der Eroberer“ („The Conqueror“) als Dschingis Khan maskiert und damit den Tiefpunkt seiner Laufbahn markiert.

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Weiß auch nicht, wo sein Hut geblieben ist: Vin (mit Britt und Chris)

Die Kassenwarte von United Artists hielten ihr Geld vorsichtshalber beisammen und gewährten Walter Mirisch ein bescheidenes Budget von zwei Millionen Dollar. Zum Vergleich: Für „Der schwarze Falke“ („The Searchers“) hatte John Ford vier Jahre zuvor fast das Doppelte ausgegeben. Der rundum missratene Cinemascope-Schinken „Das war der Wilde Westen“ („How the West Was Won“) von 1962 wiederum kostete satte 15 Millionen Dollar. Weil aber, wie gesagt, Brynner keinen großen Star neben sich duldete und die Dreharbeiten im Billiglohnland Mexiko stattfinden sollten, vermochte Mirisch einen soliden Produktionsplan zu entwerfen. Die angefragten Regisseure allerdings trauten der Sache – und zumal dem schmalen Etat – nicht über den Weg und winkten ab. Es wurde überlegt, Yul Brynner, der ein brillanter Fotograf war, die Inszenierung zu überlassen. Doch im vorletzten Augenblick trat John Sturges auf den Plan. (Brynner übernahm das Amt des Produktionsfotografen und erledigte den Job exzellent.)

Sturges sah ein Casting von No-names nicht als Problem, sondern als Herausforderung an. Rückblickend lässt sich sagen, dass Sturges und Mirisch so gut wie nichts falsch machten: In „Die glorreichen Sieben“ ist jede Rolle passend, manch eine perfekt besetzt, und für einige Mitwirkende wurde der Film zum Start einer stattlichen Star-Laufbahn.

Das gilt vor allem für Steve McQueen. Der hatte zwar auf die Rolle gespitzt, die schließlich Horst Buchholz übernahm, und es gefiel McQueen auch nicht, dass Brynner im Helden-Septett den Primus spielen durfte. Doch den ebenso heißblütigen wie spätpubertären mexikanischen Möchtegernrevolverhelden Chico hätte dem blaublonden „King of Cool“ niemand abgekauft und die kleinen Faxen, die McQueen vor der Kamera machte, um die Aufmerksamkeit des Publikums von Brynner abzulenken, verleihen dem Film genau die Ironie, die er braucht und für die er bis heute geliebt wird. Während Chris Adams als Anführer der Sieben vor allem für kluge Sprüche und Sachlichkeit zuständig ist, nimmt Vin Tanner als Adams‘ Adjutant regelmäßig Dampf, das heißt, Pathos aus dem Kessel. Dem Tod sieht er mit derselben Lässigkeit ins Auge wie seinem ewigen Pech beim Würfelspiel: Er ist der geborene Zocker und Abenteurer, und darum schließt er sich lieber dem Todeskommando an, das Chris organisiert, statt als Ladenschwengel im Drugstore zu versauern. Alle Rollen, die Steve McQueen nach den „Glorreichen Sieben“ spielte, ähneln seiner famosen Performance als Vin. Dort fand er zu dem Typus, für den er bis heute vergöttert wird: selbstbewusst und selbstironisch; ein Mann, der um seine Männlichkeit weiß und eben deshalb von Schwanzvergleichen wenig hält.

Regisseur Sturges war über die Hahnenkämpfe am Set nicht besonders glücklich. Angesichts der Aufplusterei seiner Schauspieler bemerkte er seinerzeit: „Und mit denen müssen wir acht Wochen arbeiten …“ Doch er ließ die Gockel gewähren, und das war eine weise Entscheidung. Die jungen, ehrgeizigen Darsteller steckten in ihre Rollen alle Kreativität, die sie hatten – nicht viel anders als die ziemlich disparaten Kämpfer, die Chris Adams für seine Schlacht gegen Calvera um sich versammelt. Sie passen alle nicht so recht zueinander, aber sie sind Profis genug, um sich für den guten Zweck zusammenzuraufen. Während der Dreharbeiten entstand aus vielen egozentrischen Solisten eine Gemeinschaft, und von solchem Teambuilding erzählt auch der Film. Vielleicht liegt darin sein stärkster, schönster Reiz, in dieser Verschmelzung von Realität und Fiktion.

Robert Vaughn geriet noch als alter Mann über die Drehtage ins Schwärmen: „Wir tranken viel, wir spielten viel Poker.“ Und zu den mexikanischen Komparsen, die den Banditenhaufen stellten, fiel ihm ein, wie sie sich bedingungslos mit Eli Wallach verbrüderten: „Sie waren Calveras Gang, nicht nur im Film.“ Die Schauspieler genossen es sichtlich, bei den Actionsequenzen wie kleine Jungs beim Cowboyspiel durch die Kulissen zu springen. Zeitzeugen wie die erste Ehefrau Steve McQueens bestätigen den Eindruck, und ich habe nicht vergessen, wie ich mit meinen kleinen Freunden die Choreografie der Sieben nachstellte. Die Purzelbäume im Sperrfeuer, das gehockte Schleichen, das Schießen aus der Hüfte, das gleichzeitige Zielen und Wegducken – wir haben die Knallplätzchenrollen nur so durch die kleinen Plastikknarren gejagt, um uns wie Chris oder Chico zu fühlen. Ich war jedes Mal Vin.

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Natural born Nervensäge: Chico beim Posieren

Obwohl ich „The Magnificent Seven“ in den vergangenen vier Jahrzehnten so oft geguckt habe, dass ich nicht weiß, wie oft, sind mir die liebsten Helden der Truppe bis heute dieselben, die ich als Knabe verehrte: nämlich Charles Bronson als Bernardo O’Reilly und James Coburn als Britt. Sie sind heute noch die Inbegriffe echter Helden für mich – uneitel, ungeschwätzig, unerschrocken. Ruhm, Ehre und Bewunderung sind ihnen vollkommen egal, und sie sind nicht im geringsten stolz darauf, besser als alle anderen killen zu können. In einer der eindrucksvollsten Szenen legt Britt auf einen flüchtenden Banditen an, der schon fast hinter einem Hügelkamm verschwunden ist. Britt knallt den Kerl vom Gaul, und Chico alias Horst Buchholz ruft begeistert: „Das war der beste Schuss, den ich je gesehen habe!“ Britt erwidert, mit Selbstekel in Gesicht und Stimme: „Der schlechteste! Ich hatte aufs Pferd gezielt.“ Bei seinem Entree im Film lässt sich Britt ohne Regung zweimal von einem großmäuligen Cowboy beleidigen, und erst bei der dritten Beschimpfung reagiert er wie die Kill-machine, die er nun mal ist – nicht aus Groll, sondern Notwehr, denn sonst würde der Angeber ihn ermorden. Das Messer, mit dem Britt seinen Herausforderer niederstreckt, lässt er in der Leiche stecken, und Coburns sowieso langes Gesicht wird noch länger, als er den Tatort verlässt: Er ist angewidert vom eigenen Talent.

Bernardo/Bronson wiederum verachtet seine größte Begabung, das Abknallen anderer Menschen, derart, dass er in einer besonders anrührenden Szene des Films drei Jungen des Dorfs, die ihn für seine Kraft und Gefährlichkeit vergöttern und die „Feigheit“ ihrer Väter beklagen, nachdrücklich auf den Hosenboden setzt beziehungsweise haut. Seine Gardinenpredigt über den Mut, den ein armer Campesino aufbringen muss, um überhaupt eine Familie zu gründen, zählt zum Edelsten, Humansten, was ich jemals im Kino, nicht bloß im Western, gehört habe. Die Hinternhaue, die Bernardo dabei verabreicht, ist pädagogisch gewiss nicht empfehlenswert, aber nur ein Dummkopf könnte übersehen, dass der starke Mann kein bisschen Vergnügen daran hat, einen kleinen Jungen zu züchtigen, und sich gleich nach der schlechten Tat schämt, die Kontrolle verloren zu haben.

Ich habe als Bub aus tausendmal nichtigeren Anlässen Prügel kassiert. Die Kloppe, die Bernardo/Bronson verabreicht, hätte ich gern in Kauf genommen, mit zehn oder zwölf: Denn sie ist verständlich, begründet und völlig frei von Sadismus. Meine Güte, wie gern hätte ich diesen Bernardo als Vater gehabt! Und wie sickern mir auch beim x-ten Wiedersehen die Tränen in die Augen, wenn ich beobachte, wie sich Bernardo opfert, um seine kleinen Fans vor der Mordwut der Calvera-Bande zu retten. Einen besseren Papa find’st du nie.

Gnädig übergehen möchte ich die Schmiere, die Robert Vaughn als neurotischer Pistolero Lee abzieht. Es sieht zwar ziemlich spektakulär aus, wie er nach einem Schuss durchs Gekröse mit den sündig-sinnlichen Lippen voran eine Mauer hinabrutscht. Aber eben bloß spektakulär. Horst Buchholz wiederum ist mit seinem präpotenten Getue und seinem exaltierten Gejammer eine Nervensäge nicht nur für Chris, Vin und die anderen Profis, sondern auch für den Zuseher. Aber das war wohl so von Sturges und Mirisch gewollt. „Ich konnte McQueen nicht ausstehen“, erinnerte sich Buchholz viele Jahre nach den Dreharbeiten an die Situation am Set. Ich und so gut wie alle Verehrer der „Glorreichen Sieben“ wiederum können Buchholz und sein infantiles Gefuchtel nur schwer ertragen; das nennt man, glaube ich, karmischen Ausgleich.

Nur der Schauspieler Brad Dexter konnte aus seiner Rolle als Harry Luck keinen beruflichen Gewinn ziehen. Er hatte nämlich den undankbarsten Part: Während die anderen Abenteurer vor allem nach einem Sinn für ihr unstetes Leben suchen, ist Harry einzig des Geldes wegen mit nach Mexiko gezogen. Noch im Sterben will Harry hören, dass es in diesem ärmlichen Kaff viel, sehr viel mehr zu holen gibt als ein warmes Mittagessen. Chris bringt es nicht übers Herz, dem Gefährten die Wahrheit zu sagen, und so endet Harry Luck als armer, goldgeiler Narr, lächelnd zwar, doch verdammt. Im echten Leben wurde der mittelmäßige Mime Dexter übrigens zum Filmproduzenten und steinreich. Karma hie, Karma da!

Worte für die Goldwaage

Unbedingt zu loben, ja, zu preisen ist das Drehbuch der „Glorreichen Sieben“. Keine einzige überflüssige Szene, kein bisschen Gelaber und nicht ein unpassendes Wort im jeweiligen Mund. Das Skript wurde zu großen Teilen von Walter Newman geschrieben, der sich 1951 als Ko-Autor des Billy-Wilder-Klassikers „Reporter des Satans“ („Ace in the Hole“) einen guten Namen gemacht hatte, ihn in den Credits der „Glorreichen Sieben“ jedoch nicht sehen mochte. Denn Sturges war recht freizügig mit Newmans Punchlines umgegangen – einige Sätze, die für Chris/Brynner gedacht waren, durfte schließlich Vin/McQueen aufsagen. Zudem war William Roberts als Script-Doktor angeheuert worden, und Newman, der zu Recht seinen Stolz hatte, wollte sich den Credit nicht mit Roberts teilen. Das Zerwürfnis mit Sturges war übrigens bald wieder gekittet: Walter Newman schrieb drei Jahre später das Buch für „Gesprengte Ketten“ („The Great Escape“), den Film also, der Steve McQueen 1963 zum Weltstar machte. (Und wieder änderte Sturges das Newman-Skript, und wieder zerstritten Regisseur und Autor sich, diesmal für immer.)

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Bereit zum Showdown: die Sieben zum letzten Mal vollständig

Trotz der Nichtnennung in den Titeln wusste man in Hollywood fortan, dass Newman Western prächtig draufhatte, und so wurde er 1964 als Autor von „Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming“ („Cat Ballou“) angeheuert, der, wie ich finde, lustigsten Genre-Parodie der 1960er-Jahre. Und wo ich schon bei den Trivia bin: Walter Newman war auch Drehbuchschreiber für „Der Mann mit dem goldenen Arm“, mit dem Elmer Bernstein seinen großen Durchbruch als Komponist hatte. Es hängt alles mit allem zusammen! Zumindest im Kino.

Der Riesenspaß, den John Carpenter den „Glorreichen Sieben“ attestiert, lässt sich am einfachsten mit Walter Newmans geschliffenen Zeilen belegen. Geradezu sprichwörtlich sind etwa die Worte geworden, die Vin Tanner dem verdutzten Calvera sagt: „Wir sind Reisende in Blei.“ Auch der Banditenboss darf etwas zum ewigen Zitatenschatz des Hollywood-Kinos beitragen, die unübertrefflich zynische Selbstentschuldigung eines Despoten: „Wenn es schon Schafe auf der Welt gibt, wird Gott sie auch zum Scheren bestimmt haben.“

In einer der kontemplativen Passagen des Films sinniert Vin über das elende Leben freischaffender Pistoleros. Der Dandy Lee erwidert: „Aber beleidigt wirst du nicht. Und Feinde hast du keine. Keine, die noch leben.“ Es ist die beste Szene Robert Vaughns. Die beste von Brynner, der Moment, in dem Chris‘ Qualitäten als Feldherr am deutlichsten werden, zeigt ihn bei einer Standpauke, gerichtet an Sotero und die anderen zaudernden Bauern, kurz nach der siegreichen ersten Schlacht: „Hört mal zu! Denjenigen, der das Wort ‚aufgeben‘ noch mal in den Mund nimmt, den erschieße ich.“ So gewinnt man Kriege (bedauerlicherweise auch die ungerechten).

Sogar Horst Buchholz bekommt etwas zu sagen, das nicht mal ein überdrehter Schauspieler wie er versauen kann. Nachdem Chris den Halbstarken, der fortwährend auf die Feigheit der Bauern schimpft, als Sohn ebensolcher Campesinos entlarvt hat, ruft Chico aus: „Ja, ich bin einer von ihnen! Aber wie sind sie so geworden? Durch Männer mit Waffen. Durch Männer wie Calvera und dich.“ Diese großen Worte, die ein ganzes Proseminar über die Grundlagen des Faschismus ersetzen, sagt Buchholz fast ohne Getue auf, und dafür bin ich geneigt, ihm die grässliche Torero-Nummer zu verzeihen (Kenner wissen, was ich meine.).

Hinter dem Horizont geht’s weiter

So überlang dieser Beitrag mittlerweile auch gewachsen ist, ich habe die Qualitäten der „Glorreichen Sieben“ gerade mal angedeutet. Aber der Kritiker sollte die Geduld seiner Leser nie strapazieren, und ich möchte ja nur dabei helfen, „Die glorreichen Sieben“ als ein Musterstück der Hollywood-Ästhetik zu erkennen. Darum versuche ich jetzt, ein schnelles Ende zu finden. Sollten Sie, liebe Leserin, werter Leser, sich von mir ermuntert fühlen, Sturges‘ besten Film auf seine handwerkliche Meisterschaft zu überprüfen, hätte ich mein Ziel erreicht. Ich möchte zum Schluss bloß ein paar Fingerzeige geben, worauf Sie in dem Fall achten sollten.

Und zwar, zum Beispiel, auf die perfekt getaktete Montage des Cutters Ferris Webster, auf den hochmusikalischen Schnitt der Action-Szenen. Oder auf die knochenlosen Bewegungen Yul Brynners, dieses virile Wiegen in den Hüften, diese schlangenhafte Geschmeidigkeit, die ihm niemals einer nachmachen wird. (Er hat sie deshalb selbst nachmachen müssen, als Michael Crichton 1973 für „Westworld“ einen richtig gefährlichen Revolverhelden suchte.)

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Zwei weise Männer sagen einander Adios: Chris und der Dorfälteste

Gucken Sie aber vor allem mal, was „Die glorreichen Sieben“ politisch mitteilt. Da kommen sechs Amis nach Mexiko, um einen Haufen diktatorischer Mistkerle zu erledigen, und bis auf einen Yankee sind alle aus idealistischen Gründen dabei. Die Mission der Brynner-Truppe ist nicht imperialistisch, sondern solidarisch, und sie spiegelt den Wendepunkt wider, den 1960 die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten bedeutete … Ist nur eine Anregung, denken Sie beim Wiedersehen mit den „Sieben“ selbst darüber nach. Aber halten Sie mir bitte nicht vor, ich würde überinterpretieren! Wie oben erwähnt: John Sturges ist der Regisseur des antifaschistischen Klassikers „Bad Day at Black Rock“.

Und falls Sie meine Hommage an einen der schönsten Western aller Zeiten damit kontern wollen, dass er eine Kopie der „Sieben Samurai“ gewesen ist: Nachdem Akira Kurosawa „The Magnificent Seven“ begutachtet hatte, teilte er dem Kollegen Sturges mit: „Es stimmt alles.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer diesem: Der Darsteller des Dorfältesten heißt Vladimir Sokoloff. Einmal dürfen Sie raten, wer sich kindischerweise darauf was einbildet.

Die sieben Retter bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die sieben Samurai (JAP 1954)
Die glorreichen Sieben (USA 1960)
Die glorreichen Sieben (USA 2016)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Sturges sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Charles Bronson, Yul Brynner, James Coburn und Steve McQueen unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 14. Mai 2010 als Blu-ray, 14. März 2008 & 27. April 2004 als DVD, 8. Januar 2007 als DVD (2-Disc Cinema Premium Edition), 4. Dezember 2006 als Teil der 4-DVD-Box „Die glorreichen Sieben Collection“ (inkl. „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“, „Die Rache der glorreichen Sieben“, Der Todesritt der glorreichen Sieben“)

Länge: 123 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch u. a.
Originaltitel: The Magnificent Seven
USA 1960
Regie: John Sturges
Drehbuch: William Roberts
Besetzung: Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson, James Coburn, Horst Buchholz, Robert Vaughn, Eli Wallach, Brad Dexter, Rosenda Monteros
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Making-of, Elmar Bernstein und „Die glorreichen Sieben“, verlorene Bilder der „Glorreichen Sieben“, Trailer A & B, Bildergalerie
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Kay Sokolowsky

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Fotos & Packshot: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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Blob – Schrecken ohne Namen: Herrlicher alter Grusel in klasse Verpackung

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The Blob

Von Simon Kyprianou

Horror // Ein ruhiger Abend in einer amerikanischen Kleinstadt: Teenager Steve (Steve McQueen) hat ein Date mit der hübschen Jane (Aneta Corsaut). Im Wald sitzen sie gemütlich in Steves Auto und schauen in den Sternenhimmel. Plötzlich schlägt ein Meteor auf der Erde ein und setzt den Blob frei, eine unzerstörbare Bedrohung, die Menschen umbringt, indem sie sie absorbiert. Anfangs will niemand Steve und Jane glauben.

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Es hätte ein ruhiger, romantischer Abend werden können …

„Blob – Schrecken ohne Namen“ funktioniert wunderbar in seinem ländlichen Kleinstadt-Setting, diesem ulkigen Kosmos, in dem jeder jeden kennt, in dem sich naive Ängste verbreiten wie ein Lauffeuer. Es ist eine kleine Welt, die Regisseur Irvin S. Yeawoth jr. nach und nach zur Eskalation bringt. Die tatkräftigen, pragmatischen Jugendlichen romantisiert er auf wunderbar naive Art und Weise, spielt sie gegen die bieder-konservative Erwachsenenwelt auf.

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… bis der Blob anfängt, Unruhe zu stiften …

Auch als Horror-Vergnügen funktioniert „The Blob“ wunderbar. Der Blob als ultimativ krude Bedrohung wird nur reduziert eingesetzt, ist eher selten zu sehen. Meist entstehen Spannung und bedrohliche Atmosphäre dadurch, dass die Figuren in hitzigen Suspense-Szenen durch die kleine Stadt wuseln, entweder auf der Suche nach oder auf der Flucht vor dem Blob. Das simple Design des „Blob“ als roter Glibberball lässt ihn zur ultimativ diffusen Bedrohung, zur abstrakten Projektionsfläche für alle möglichen Ängste werden.

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… und die Stadt ins Chaos stürzt

Steve McQueen spielt markant, hellwach und präsent, dominiert jede Szene, treibt den Film durch seinen zackigen Charakter immer wieder an. Hier spielt er weitab von seinem späteren Image als raubeiniger Draufgänger, einen geerdeten, simplen Charakter. Dabei ist „Blob – Schrecken ohne Namen“ nicht so sehr aus der Zeit gefallen, wie manche behaupten, er funktioniert immer noch prächtig. Das ohnehin für seine hervorragenden Mediabooks bekannte Label capelight pictures hat den Film in einer wunderbaren Edition herausgebracht, die das hervorragende Criterion-Master verwendet.

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Man kann also bedenkenlos zugreifen – nicht zuletzt deshalb, weil das Booklet als Kooperation von capelight pictures und 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin entstanden ist – der ausführliche Text stammt von „Die Nacht der lebenden Texte“-Blogger Volker, der auch Autor bei der Zeitschrift ist, die sich dem Filmerbe bis 1965 verschrieben hat.

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Obendrein enthalten die Discs außer zwei alten Audiokommentaren einen nagelneuen, eingesprochen extra für diese Veröffentlichung von Ingo Strecker (Der geheimnisvolle Filmclub Buio Omega) und Daniel Perée (Wicked-Vision – Das Magazin für den phantastischen Film).

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steve McQueen haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

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Veröffentlichung: 24. April 2015 als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray + DVD)

Länge: 83 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Blob
USA 1958
Regie: Irvin S. Yeaworth jr.
Drehbuch: Theodore Simonson, Kay Linaker
Besetzung: Steve McQueen, Aneta Corsaut, Earl Rowe, Olin Howland, Stephen Chase, John Benson, George Karas
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Produzent Jack H. Harris und Filmhistoriker Bruce Eder (mit deutschen Untertiteln), Audiokommentar von Regisseur Irvin S. Yeaworth jr. und Schauspieler Tony Fields (mit deutschen Untertiteln), Audiokommentar von Ingo Strecker (Buio Omega Filmclub) und Daniel Perée (Wicked-Vision – Das Magazin für den phantastischen Film), Original Kinotrailer, alternative deutsche Titelsequenz, 24-seitiges Booklet mit einem Essay (von „Die Nacht der lebenden Texte“-Blogger Volker Schönenberger) über den Film, Remakes und Sequel sowie viel Bildmaterial
Vertrieb: capelight pictures

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Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Szenenfotos: © 2015 capelight pictures

 

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