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Planet der Affen – Survival: Caesars Leid

War for the Planet of the Apes

Von Volker Schönenberger

SF-Action // 15 Jahre zuvor hatte ein wissenschaftliches Experiment Affen mit unerhörter Intelligenz hervorgebracht und gleichzeitig mit einem Virus einen Großteil der Menschheit ausgelöscht („Planet der Affen – Prevolution“, 2011). Die verbliebenen Reste der menschlichen Spezies versuchten in der Folge, mit den von Caesar (Andy Serkis) geführten Affen eine Art Koexistenz hinzubekommen, was aber von erbitterten Auseinandersetzungen mit Opfern auf beiden Seiten begleitet war („Planet der Affen – Revolution“, 2014). Von einer Militärbasis im Norden der USA setzten US-Soldaten zum Gegenschlag an. Der Frieden ist in weite Ferne gerückt.

Mit diesen Affen ist nicht zu spaßen

Eine schwer bewaffnete Patrouille schleicht durch den Wald – Menschen. Die Soldaten, unter ihnen sogar einige Affen, bemerken ein paar Affen zu Pferde, Wachposten einer Affensiedlung. Ein bewaffneter Primat wird per Armbrust vom Pferd geholt, dann bricht für die Affen die Hölle los – das Massaker endet erst, als berittene Primaten zurückschlagen und die Patrouille auslöschen.

Actionreicher und gewalttätiger Auftakt

So gewalthaltig beginnt „Planet der Affen – Survival“, das setzt gleich eine actionreiche Duftmarke. Kurz darauf spricht Caesar in einer ruhigen und wirkungsvollen Szene zu ein paar gefangenen Überlebenden der Patrouille inklusive eines feindlichen Affen. Jene Primaten, die sich den Menschen angeschlossen haben, waren Anhänger des Affen Koba, der seinerzeit den Krieg gegen die Menschen angezettelt hatte und dafür von Caesar getötet worden war.

Caesar (r.) führt drei Getreue an

Antagonist Caesars: Woody Harrelson als Colonel, der die intelligenten Affen und besonders Caesar vom Angesicht der Erde tilgen will. Gegenüber dem Vorgänger „Revolution“ fährt „Planet der Affen – Survival“ die Action zurück. Einen Teil der Handlung bildet Caesars Trip mit ein paar Getreuen – er will den Colonel finden und töten.

Perfekt ins Bild gesetzte Affen

Die Schauwerte sind enorm, die Blu-ray bringt die Hochglanzbilder wunderbar zur Geltung. In 4K Ultra HD mag das noch beeindruckender sein, mein Bedürfnis nach mehr Schärfe, als die herkömmliche Blu-ray hergibt, hält sich aber in Grenzen. Technisch ist „Planet der Affen – Survival“ schon mal makellos. Technik und Schauspielkunst gehen bei den Affen eine schöne Verbindung ein – besonders natürlich bei Andy Serkis, der Caesar mithilfe von Motion Capture und Performance Capture erneut viel Seele einhaucht. Gegenspieler Woody Harrelson lässt sich dadurch zu einer gewohnt charismatischen Performance anspornen.

Eine erstaunliche Entdeckung

Philosophische Exkurse über Fragen des Daseins und der Intelligenz sind Mangelware. Die Affen sind nun mal mittlerweile intelligent und dem Menschen ebenbürtig bis überlegen, diese Prämisse wird nicht mehr hinterfragt. Hier stehen sich zwei verfeindete Spezies gegenüber und kämpfen mit allen Mitteln gegeneinander. Immerhin wird deutlich, wie sich Auseinandersetzungen hochschaukeln und zum Krieg führen, der keine Gewinner kennt, wobei das mehr noch bei „Revolution“ der Fall war. Und auch politische Kommentare – etwa zu faschistoiden Führern – lassen sich ohne allzu viel Mühe entdecken.

Große Gefühle

Opfer sind zu beklagen, auch Caesar bleibt nicht von Verlusten verschont. Einige emotionale Szenen entfalten ihre Wirkung, verstärkt durch den Soundtrack. Da hätte sich Regisseur Matt Reeves durchaus etwas mehr auf seine Schauspieler verlassen können statt auf den Score.

Der Colonel führt ein hartes Regime

Das Finale von „Planet der Affen – Survival“ birgt einige Details, die einen Bogen zu „Planet der Affen“ von 1968 mit Charlton Heston schlagen. Mit etwas gutem Willen kann man die moderne Trilogie somit nicht nur als Reboot interpretieren, sondern tatsächlich als Prequel-Reihe. Der dritte Teil hält das hohe Niveau der erstaunlich stimmigen und – wenn man vom unterschiedlichen Actiongehalt absieht – einheitlichen modernen Reihe. Sehr spannend, sehr emotional, technisch herausragend – da freuen wir uns auf einen möglichen vierten Teil, der zwar noch nicht ausgemachte Sache, aber nicht auszuschließen, wenn nicht gar wahrscheinlich ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Woody Harrelson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Dezember 2017 als 4K Ultra HD Blu-ray, Blu-ray 3D, Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 140 Min. (Blu-ray), 135 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Originaltitel: War for the Planet of the Apes
USA/KAN/NZ 2017
Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Mark Bomback, Matt Reeves, nach Motiven des Romans „La planète des singes“ Pierre Boulle
Besetzung: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Karin Konoval, Amiah Miller, Terry Notary, Ty Olsson
Zusatzmaterial: „Caesars Geschichte“, Audiokommentar von Matt Reeves, Konzeptkunst, nur Blu-ray: Making-of, entfallene Szenen, Original-Kinotrailer, Featurettes: „Die visuellen Effekte“, „Die Filmmusik“, „Die Hintergründe der Planet-der-Affen-Filme“, „Eine Hommage an die klassischen Planet-der-Affen-Filme“
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshots & Trailer: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück: Zerbrechliches Paradies

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Captain Fantastic

Von Andreas Eckenfels

Tragikomödie // Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, alles hinter sich zu lassen, dem Lärm, dem Druck und den Konventionen der modernen Welt zu entfliehen? Einfach einen Neuanfang zu machen, abgeschieden von der Zivilisation nach eigenen Regeln und autark im Einklang mit der Natur zu leben. Ben (Viggo Mortensen) und seine Frau Leslie (Trin Miller) haben diesen Schritt gemacht: Im Nordwesten der USA haben sie sich in der Einsamkeit der Berge ihr kleines Paradies aufgebaut.

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Aussteiger Ben und seine Familie leben in der Isolation nach eigenen Regeln

Leslie sehen wir nur in kurzen Rückblenden. Sie ist schon seit längerer Zeit in der Stadt wegen Depressionen in einer Psychatrie in Behandlung. Ben führt derweil die Erziehung der sechs Kinder allein fort. Täglich trainiert er seine Sprösslinge in der Jagd, im Klettern und im Nahkampf. Der hochgebildete Aussteiger unterrichtet die Kinder auch. Anspruchsvolle Kost wie „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor M. Dostojewski und Vladimir Nabokovs „Lolita“ stehen neben anderen Literaturklassikern bei den Älteren auf dem Lehrplan. Die Kleinen haben keine Probleme damit, die „Bill of Rights“ auswendig aufzusagen. Am Abend wird der vom ältesten Sohn Bo (George McKay) erlegte Hirsch am Lagerfeuer gegessen und gemeinsam musiziert. Weihnachten und andere christliche Bräuche existieren für die Familie nicht, dafür wird am 7. Dezember der Geburtstag von Noam Chomsky gefeiert.

Die Idylle wird jäh gestört, als Ben die Nachricht erhält, dass Leslie Selbstmord begangen hat. Ihr Vater Jack (Frank Langella) macht Ben für den Tod seiner Tochter verantwortlich. Er stellt klar: Leslie soll gegen ihren Willen in ihrer Heimatstadt in New Mexico beerdigt werden. Ben ist auf der Trauerfeier nicht willkommen. Doch der denkt gar nicht daran. In einem alten Schulbus macht sich Ben mit den Kindern auf die Reise zur Beerdigung, um Leslie ihren letzten Wunsch zu erfüllen.

Autobiografische Einflüsse

Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Matt Ross („Aviator“) blickt mit seiner warmherzigen Komödie auf die eigene Jugend zurück. Mit seiner Mutter lebte er für einige Zeit in Kommunen irgendwo im Nirgendwo in Nordkalifornien und Oregon. „Während der Pubertät wurde es besonders schwierig“, erinnert sich Ross im Presseheft. „Ich war von gleichaltrigen Jugendlichen getrennt, als ich begann mich für das andere Geschlecht zu interessieren. Meine Freunde waren weit weg. Ich wollte aber sozialen Austausch in meinem Leben.“

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Die Geschwister haben ihre Sachen gepackt, um zur Beerdigung ihrer Mutter zu fahren

Dieser Konflikt tritt bei dem Roadtrip quer durch die USA zum Vorschein. Die Kinder sind zwar belesen und hyperintelligent, wissen aber nicht, wie man mit Menschen aus der „realen Welt“ kommuniziert. Am stärksten äußert sich die soziale Inkompetenz bei Bo. Er ist von mehreren Elite-Universitäten angenommen worden, aber als er auf einem Campingplatz ein Mädchen trifft, weiß er nicht, was er sagen und wie er sich verhalten soll. Als sie ihn abends auch noch küsst, macht Bo ihr gleich einen Heiratsantrag.

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Beim Besuch bei Bens Schwester Harper und ihrem Mann Dave prallen zwei Welten aufeinander

Die kleine Zaja (Shree Crooks) plappert brav nach, was ihr Vater ihr eingetrichtert hat: „Cola ist Giftwasser“ oder „Oma und Opa sind faschistische Kapitalisten“ – natürlich kann sie auch eine ausufernde Definition von „faschistische Kapitalisten“ liefern. Diese inbrünstig vorgetragenen Weisheiten und Ideale aus Kindermund und die verwirrten Reaktionen ihrer Mitmenschen darauf sind natürlich äußerst komisch, stimmen aber auch zutiefst nachdenklich. Denn während seine Geschwister von dem abgeschiedenen Leben im Wald noch beseelt sind, entlädt sich bei Bo bald die Selbsterkenntnis in Zorn auf den Vater: „Du hast aus uns Freaks gemacht!“ Das vermeintliche Paradies beginnt zu zerbrechen.

Anrührende Ode an das Leben

So stellt „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ auch die Frage, welcher Weg der Erziehung heutzutage der richtige ist – ohne dabei die soziale Utopie zu glorifizieren. Der freiheitsliebende Ben – Viggo Mortensen erhielt für seine brillante Darstellung eine Golden-Globe-Nominierung – muss dabei einige schmerzliche Entscheidungen treffen. Sind seine Kinder vielleicht besser bei den verhassten Großeltern aufgehoben? Müssen sie überhaupt vor den Gefahren der modernen Welt geschützt werden? Sollen sie nicht ihre eigenen Erfahrungen sammeln? Ist es heutzutage wichtiger, die Schriften von Karl Marx zu kennen, oder zu wissen, wie ein Smartphone funktioniert?

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Die Eltern von Leslie reagieren schockiert, als sie …

Mit einer A-Capella-Version von „Sweet Child O’Mine“ bringt Matt Ross die emotionale Reise zu einem wunderschönen Ende. Ihm ist eine anrührende und kluge Ode an das Leben gelungen. Bei den Filmfestspielen von Cannes 2016 gewann Ross für „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ den Regiepreis in der Sektion „Un Certain Regard“.

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… Ben und seine Kinder bei der Beerdigung erblicken

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Frank Langella und Viggo Mortensen sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Dezember 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Captain Fantastic
USA 2016
Regie: Matt Ross
Drehbuch: Matt Ross
Besetzung: Viggo Mortensen, George MacKay, Samantha Isler, Annalise Basso, Nicholas Hamilton, Kathryn Hahn, Steve Zahn, Frank Langella, Missi Pyle
Zusatzmaterial: Making-of, B-Roll
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Universum Film

 

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