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Attrition – Gnadenlose Jagd: Seagal salbadert spirituell

Attrition

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Ein Rettungseinsatz der Special-Forces-Einheit von Axe (Steven Seagal) irgendwo im Islamischen Staat endet erfolglos, die weibliche Geisel, zu deren Befreiung das Team ausgerückt war, ist tot. Des Kämpfens und der Gewaltspirale müde, zieht sich der Elitekämpfer zurück und findet sein Seelenheil bei Buddha. In einem Dorf – vielleicht Thailand – wird er sesshaft, praktiziert dort als Heilpraktiker, Medizinmann, Hausarzt ohne Doktortitel, was auch immer. Seine Kung-Fu-Fertigkeiten praktiziert er nur noch zu spirituellen Zwecken.

Da wir uns in einem Actionfilm befinden, ist der Frieden nicht von Dauer. Der Gangsterboss Qmom (Kang Yu) aus der Lasterhöhle Mong La in Myanmar entführt die junge Tara (Ting Sue), weil sie über außergewöhnliche mystische Fähigkeiten verfüge. Axe lässt sich etwas bitten, aber weil der Vater der Gekidnappten ihn vor die Wahl stellt, entweder auf Rettungsmission zu gehen oder auf dessen andere zwei Töchter aufzupassen, entscheidet sich der Ex-Krieger für das, was er am besten kann. Tipp: Es handelt sich nicht um Babysitten.

Axe im Einsatz

Axe trommelt seine alten Mitstreiter Scarecrow (James P. Bennett), Infidel (Rudy Youngblood), Ying Ying (Kat Ingkarat) und Hollywood (Sergey Badyuk) zusammen, mit seinem Freund und Kung-Fu-Gefährten Chen (Siu-Wong Fan) bereitet sich der kleine Trupp auf die Befreiungsmission vor. Schnell kommt es zu einer ersten Begegnung mit Qmoms rechter Hand Black Claw Ma (Cha-Lee Yoon), den Axe noch aus alten Zeiten kennt.

Drehbuch von Steven Seagal

Written by Steven Seagal – diese Zeile im Vorspann lässt immerhin erwarten, dass sich der Gute als Drehbuchautor deutlich mehr Präsenz in der Story gegeben hat als das in einigen seiner jüngsten Filme der Fall war. Und so kommt es dann auch, aber ob das ein Pluspunkt ist, möge jeder Seagal-Fan oder -Hater selbst befinden. Der Actionstar, dessen beste Zeiten mit Filmen wie „Alarmstufe: Rot“ (1992) ewig zurückliegen, gefällt sich darin, über weite Strecken gepflegte Weisheiten über das Kämpfen und das Leben von sich zu geben, gelegentlich auch als Stimme aus dem Off. In Verbindung mit seiner nicht vorhandenen Mimik bringt dieses – Verzeihung – Geseiere ein paar Fremdscham-Momente mit sich. Und es geht zu Lasten der Action, was in einem Actionfilm logischerweise suboptimal ist. Das ist umso bedauerlicher, da sich die Befreiungsmission sehen lassen kann. Bis dahin ist „Attrition – Gnadenlose Jagd“ bedeutungsschwanger vor sich hin geplätschert.

Regisseur Mathieu Weschler („The Borderland“) diente offenbar eher als Erfüllungsgehilfe für Seagal, der auch als Produzent agierte und somit das Heft in der Hand hielt. Gerade die Actionsequenzen funktionieren ganz gut, und ein paar Ideen sind auch zu bemerken. Die Gewalt ist nicht von schlechten Eltern, die FSK hatte bei der Freigabe ab 16 Jahren für die Uncut-Fassung einen gnädigen Tag. Wir bekommen es allerdings nur mit CGI-Blut zu tun, aber daran sind Actionfans ja schon gewöhnt.

„Sammel die Daunen wieder ein!“

Ein paar Kuriositäten sind zu bestaunen. So erscheint die entführte Tara Meister Seagal alias Axe im Traum, und das barbusig. Das hat offenbar einen mystischen Sinn, mir blieb er allerdings verborgen. Kurz zuvor hatte Axe einem bekehrten Kämpfer, der sein Schüler werden wollte, eine denkwürdige Aufgabe erteilt: Er möge mit einem großen Sack voller Daunenfedern auf einen Berg steigen, die Daunenfedern im Wind verteilen, vom Berg herabsteigen und sie alle wieder einsammeln. Seltsam? Aber so steht’s geschrieben …

Der Ex-Elitekämpfer trifft auf Black Claw Ma

Ich war versucht, Seagals eitles Getue in diesem Text noch etwas mehr durch den Kakao zu ziehen, das hat „Attrition – Gnadenlose Jagd“ aufgrund des gelungenen Showdowns im letzten Drittel aber nicht verdient. „Attrition“ bedeutet übrigens so viel wie Zermürbungstaktik oder Materialschlacht – was das mit der Story zu tun hat, hat sich mir ebenso wenig erschlossen wie der deutsche Titelzusatz „Gnadenlose Jagd“. Insgesamt habe ich in den vergangenen Jahren schon Schlechteres gesehen. Wer Machwerke wie „China Salesman“ (2017) und „Code of Honor – Rache ist sein Gesetz“ (2016) kennt, weiß wovon ich rede. Langsam wird es aber Zeit, dass sich Putin-Buddy und Trump-Fan Seagal aus der Öffentlichkeit zurückzieht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steven Seagal haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 5. Dezember 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Attrition
THAI/HK/GB/USA 2018
Regie: Mathieu Weschler
Drehbuch: Steven Seagal
Besetzung: Steven Seagal, Rudy Youngblood, Siu-Wong Fan, Kat Ingkarat, Ting Sue, Vithaya Pansringarm, James P. Bennett, Ego Mikitas, Bayra Bela, Sergey Badyuk, Kang Yu, Mei Sheng Fan, Cha-Lee Yoon, Sonny Chatwiriyachai, Tanapol Chuksrida
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Label: New KSM
Vertrieb: KSM

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2019 New KSM / KSM

 

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China Salesman – Propaganda-Machwerk in Actionfilm-Tarnung

China Salesman

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // In einem nicht näher genannten, vom Bürgerkrieg gezeichneten nordafrikanischen Land hat der Wiederaufbau begonnen. Das hat die internationale Geschäftswelt auf den Plan gerufen. Für einen chinesischen Konzern will der junge Geschäftsmann Yan Jian (Dong-xue Li, „Brotherhood of Blades – Kaiserliche Assassins“) einen Vertrag für den Aufbau des Mobilfunknetzes abschließen. Doch er bekommt es mit korrupten Gegnern und einer groß angelegten Verschwörung zu tun.

Tausendsassa Yan Jian (M.) findet sich …

Name-Dropping gleich zum Auftakt: „China Salesman“ beginnt mit einer Barszene, in der gleich Mike Tyson und Steven Seagal eingeführt werden. Der Ex-Box-Champion spielt Kabbah, der sich von einem skrupellosen US-Konzern instrumentalisieren lässt, Seagal tritt als undurchsichtiger Schmuggler in Erscheinung. Seine Hauptaufgabe besteht darin, in wenigen Szenen einfach da zu sein. In besagter Startszene bestreitet er sogar eine Kampfeinlage gegen Tyson. Worum es dabei geht – egal, Hauptsache, die chinesische Produktion kann sich mit zwei international bekannten Akteuren brüsten.

China und seine edlen Absichten

Als Hauptfigur fungiert erwähnter Yan Jian, ein redlicher, etwas naiv wirkender Geselle, der jedoch in diversen Situationen eine Lösung parat hat – und bei telefontechnischen Problemen sowieso. Die Botschaft ist klar: Er personifiziert ein China, das nur lautere Ziele verfolgt und der Welt das Gute bringen will. Wiederholt schwenkt Yan Jian die Flagge der Volksrepublik China, wobei nicht ganz deutlich wird, was er in dem Moment damit bezweckt. Letztlich bleibt der junge, nicht korrumpierbare Chinese die einzige Person, die verhindern kann, dass das afrikanische Land in den Bürgerkrieg zurückgeworfen wird. Der US-Konkurrent zieht natürlich das eine oder andere fiese Ass aus dem Ärmel, während die Chinesen nur Gutes im Sinne haben und niemals Daten missbrauchen würden. Ist klar! Die plump vorgetragene propagandistische Intention von „China Salesman“ gibt Anlass zu Kritik, aber auch das US-Actiongenre hat sich ja wiederholt auf diese Weise missbrauchen lassen. Dass diesmal vornehmlich Weiße die Schurkenparts innehaben, kann man für rassistisch halten, aber da es oft genug andersrum ist, werden wir Hellhäutigen das verschmerzen können. Ärgerlicher ist da schon die Art und Weise, wie Chinesen gegenüber Afrikanern als überlegen präsentiert werden.

… in jeder Situation …

Auch die dreiste Behauptung, das Gezeigte basiere auf einer wahren Geschichte, lässt den einen oder anderen Zehennagel aufgerollt zurück. Die Action ist dafür explosiv und bleihaltig inszeniert, reißt das Ruder aber auch nicht herum. Für Regisseur und Ko-Drehbuchautor Tan Bing ist es das Filmdebüt, er ist international ein unbeschriebenes Blatt. Ob er mehr drauf hat, als chinesische Propaganda zu verbreiten, wird womöglich die Zukunft zeigen. Für eine gradlinige Story mangelte es ihm wohl an Erfahrung, die Handlung verliert sich in Nebensträngen.

… heldenhaft zurecht

Mike Tyson tummelt sich seit geraumer Zeit im Filmgeschäft. Häufig war er in Cameos als er selbst zu sehen, etwa in „Hangover“ (2009) nebst Fortsetzung und „Scary Movie 5“ (2013). Zuletzt trat er verstärkt auch in Nebenrollen in Erscheinung, etwa im kernigen Actioner „Kickboxer – Die Abrechnung“. Uns soll’s recht sein. In „China Salesman“ stört er nicht weiter, bis er im Showdown aber leider einen arg peinlichen und pathetischen Abgang hinlegt. Ein westliches Raubein mit asiatischem Pathos zu versehen, funktioniert eher suboptimal.

Wann geht Steven Seagal in den Ruhestand?

Steven Seagal demontiert weiter fleißig sein Denkmal, das er sich einst mit Filmen wie „Nico“ (1988) und „Alarmstufe: Rot“ (1992) im Actiongenre errichtet hat. Mittlerweile reicht die Kraft offenbar nur noch für wenige Szenen pro Film. Und wenn er mal seine Kampfkunst demonstriert wie zu Beginn, wird seine mangelnde Beweglichkeit mit reichlich Schnitten kaschiert. „China Salesman“ steht in der Hinsicht in einer Reihe mit Billigware vom Schlage „Code of Honor – Rache ist sein Gesetz“ und „Sniper – Special Ops“ (beide 2016). 2016 nahm Seagal die russische Staatsbürgerschaft an, im August 2018 ließ der russische Präsident Vladimir Putin ihn zum Sondergesandten für humanitäre Beziehungen mit den USA ernennen. Irgendjemand hätte ihm vielleicht „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ zurufen sollen, aber seine Actionleisten sollte Seagal mittlerweile besser an den Nagel hängen. „China Salesman“ belegt dies leider eindrucksvoll.

Ob er auch mit Kabbah (l.) fertig wird?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steven Seagal sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Was will der denn hier?

Veröffentlichung: 6. September 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: China Salesman
Alternativtitel: Deadly Contract
CHN 2017
Regie: Tan Bing
Drehbuch: Tan Bing, Scott Salter
Besetzung: Steven Seagal, Mike Tyson, Dong-xue Li, Janicke Askevold, Li Ai, Eriq Ebouaney, Zijian Wang, Bryan Byrne, Anthony Gavard, Marc Philip Goodman, Diana Hübel
Zusatzmaterial: Trailershow
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

 
 

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Sniper – Special Ops: Seagal darf auf Entsatz warten

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Sniper – Special Ops

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Es beginnt wie eine Billigvariante von Clint Eastwoods „American Sniper“: Der Scharfschütze Jake Chandler (Steven Seagal) und sein Spotter Rich (Daniel Booko) sondieren aus sicherer Position die Lage in einem afghanischen Kaff. Chandler schaltet mit präzisen Schüssen mehrere Gegner aus, dann dringt die Eliteeinheit der US-Marines unter der Führung von Sergeant Vic Mosby (Tim Abell) vor. Es gelingt den Soldaten, den Abgeordneten Cooper (John Henry Richardson) zu befreien, der von den Taliban entführt worden war. Doch auf dem Rückzug geraten die Soldaten unter schweren Beschuss. Der kleinen Einheit gelingt die Flucht, doch Rich kriegt eine Kugel in den Rücken. Chandler zieht ihn aus der Schusslinie – die beiden bleiben im Dorf zurück.

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Der Sniper Chandler nimmt ein Ziel ins Visier

Das Cover deutet einen Steven-Seagal-Film an, doch der Mime ohne Mimik muss in erster Linie warten – warten darauf, ob seine Leute ihn und seinen verletzten Partner Rich rausholen. Ab und zu wechselt die Handlung zu den beiden, doch viel passiert nicht. Das Geschehen spielt sich in erster Linie um Sergeant Mosby ab, der Chandler und Rich retten will, dafür von seinem Vorgesetzen Colonel Jackson (Dale Dye) keine Freigabe erhält. Stattdessen soll er einen liegengebliebenen Truck mit Munition und Treibstoff in Sicherheit bringen.

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Die Marines werden im offenen Gelände angegriffen

Fragwürdig, weshalb Presse-/Händlertexte die Handlung immer so weit erzählen und andere das komplett veröffentlichen. Wer nicht aufpasst und bei den Online-Händlern zu weit liest, weiß schon fast alles. „Sniper – Special Ops“ wartet in der Folge mit ein paar überraschenden Wendungen auf, die den Film immerhin über reine Action hinaushieven. Im Mittelteil geht es recht ruhig zu, richtig geballert wird nur zu Beginn und am Ende – dort aber wird aus dem Vollen geschöpft, zumindest was Gefechte mit Handfeuerwaffen angeht. Meist sterben Feinde, und das in stattlicher Zahl. Im Übermaß drastisch inszeniert ist das nicht gerade, eine höhere als die erfolgte FSK-16-Freigabe wäre übertrieben gewesen.

Kriegsberichterstatterin ist auch dabei

Etwas willkürlich eingebaut wirkt die Reporterin Janet (Charlene Amoia), die Sergeant Mosby als „embedded journalist“ begleitet und anfangs wenig beliebt ist, bis sie zeigen kann, was in ihr steckt. Zum Finale hin hat sie als Frau sogar eine Funktion zu erfüllen, aber das zu erläutern, würde zu viel verraten. Sie stört nicht allzu arg.

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Sergeant Mosby hat die Reporterin Janet im Nacken …

Ein Steven-Seagal-Vehikel sollte niemand erwarten. Obwohl der Bursche als Executive Producer fungierte, steht er nicht im Vordergrund. Die Kampfkunst des Aikidō-Meisters bekommen wir überhaupt nicht zu sehen, die Zeiten sind wohl zumindest im Film vorbei. Fans des Recken werden sich „Sniper – Special Ops“ nach einmaliger Sichtung ins Regal stellen, wo er vermutlich langsam in Vergessenheit geraten und für Erneutsichtungen regelmäßig übergangen werden wird. Auch jenseits des einstmals großen Namens Seagal reißt der staubige Kriegs-Actionfilm keine Bäume aus. Das wirkt alles gar nicht mal richtig schlecht, hinterlässt aber keinerlei Eindruck.

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… und die Feinde vor der Brust

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steven Seagal sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 86 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Sniper – Special Ops
USA 2016
Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Fred Olen Ray
Besetzung: Steven Seagal, Rob Van Dam, Tim Abell, Dale Dye, Charlene Amoia, Jason-Shane Scott, Daniel Booko, Anthony Batarse, Gerald Webb
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 EuroVideo Medien GmbH

 

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