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Contagion – Die Realität ist klüger

Contagion

Von Lucas Gröning

Thrillerdrama // 2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, welches von einem Thema dominiert wurde: das Coronavirus. Noch nie gab es in den westlichen Demokratien derartig einschneidende Beschränkungen der Grundrechte und doch erscheinen sie angesichts der vorliegenden Bedrohung gerechtfertigt – je nachdem, welchem öffentlich auftretenden Virologen man sein Vertrauen schenkt. Klar ist nur, dass das Virus die Welt vor enorme Herausforderungen stellt und das Interesse an Informationen über die Sachlage enorm ist. So verwundert es nicht, dass damit ein neues Interesse an Filmen einhergeht, die in der Vergangenheit bereits Pandemien thematisierten, seien es reale oder fiktive. So erlangen etwa Wolfgang Petersens „Outbreak – Lautlose Killer“ (1995) und Steven Soderberghs „Contagion“ (2011) nun Aufmerksamkeit. Um letztgenanntes Werk geht es in der vorliegenden Rezension, und bei „Contagion“ verwundert es auf den ersten Blick doch, dass sich der Film nicht ins kollektive Gedächtnis einbrennen konnte.

Tod nach Asienreise

Zunächst zur Handlung: Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow), kehrt von einer Dienstreise aus Asien zurück zu ihrem Ehemann Mitch (Matt Damon). Kurz darauf fühlt sie sich sonderbar, bekommt hohes Fieber und muss schlussendlich ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo sie stirbt. Währenddessen zeigt ihr Sohn aus einer vorherigen Ehe, Clark (Griffin Kane), ähnliche Symptome und stirbt ebenfalls, während Mitch erst noch den Verlust von Beth verarbeiten muss. Es zeigt sich, dass Mutter und Sohn Opfer eines in Asien aufgetretenen Virus geworden sind, welcher bald eine weltweite Pandemie auslöst. Während die Menschen in der Folge mit der Krankheit, den Einschränkungen ihrer Grundrechte und leergekauften Supermarktregalen zu kämpfen haben, begibt sich ein Team um Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) und Dr. Erin Meers (Kate Winslet) auf die Suche nach dem Erreger und an die Entwicklung eines Impfstoffs.

Auflauf der Stars

Regisseur Steven Soderbergh hatte sich damals mit Filmen wie „Erin Brokovich“ (2000), „Solaris“ (2002) und der „Ocean’s“-Trilogie (2001-2007) bereits einen Namen gemacht. Gerade in den „Ocean’s“-Filmen bewies Soderbergh, dass er es schaffen kann, einen mit Stars gespickten Cast zu einem funktionierenden Kollektiv zusammenzufügen – eine Herausforderung, die ihn auch beim Dreh von „Contagion“ erwarten sollte. So schmücken illustre Namen wie Matt Damon („Bourne“-Reihe, „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“), Kate Winslet („Titanic“, „Vergiss mein nicht“), Laurence Fishburne („John Wick“-Reihe, „Matrix“-Reihe), Jude Law („Duell – Enemy at the Gates“, „Road to Perdition“), Marion Cottilard („La vie en rose“, „Macbeth“), Gwyneth Paltrow („Sieben“, „Iron Man“-Reihe) und viele andere die Leinwand – zum Teil mit kurzen Auftritten. Bemerkenswert beispielsweise, dass sich Oscar-Preisträgerin Paltrow („Shakespeare in Love“) mit einem solchen Kurzauftritt als erstes Opfer der Pandemie begnügt. Mehr Stars sieht man in dieser Konzentration selten auf der Leinwand. Doch warum erreichte der Film 2011 nicht jene Bekanntheit, welche er gegenwärtig genießt?

Dramaturgische Schwächen und Abziehbilder

Das mag vor allem daran liegen, dass Soderberghs Werk als Unterhaltungsfilm nur sehr eingeschränkt funktioniert. Der Regisseur konzentriert sich eher auf die sachliche und kühle Bearbeitung einer solchen Ausnahmesituation. Im Fokus stehen die Suche nach dem Erreger und der Entwicklung des Impfstoffs, Einzelschicksale spielen eine untergeordnete Rolle. So verwenden die dargestellten Ärzte, Wissenschaftler und Entscheidungsträger meist Fachvokabular und treiben damit eine trotzdem zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbare Geschichte voran – jedoch keine besonders spannende. So „korrekt“ und realitätsgetreu sich die Protagonisten auch ausdrücken, so wenig trägt diese Ausdrucksweise zu einer funktionierenden Dramaturgie bei. Das wird am besten daran deutlich, dass die wenigen Momente, in denen der Film versucht, sein Publikum eine Bindung zu den Figuren aufbauen zu lassen, misslingen. Zum einen liegt das an der hohen Zahl an Figuren, von denen keine genügend Zeit bekommt, sodass kein echtes Kennenlernen möglich ist. Zum anderen liegt es an der schablonenhaften Zeichnung der Charaktere. Diese sind lediglich Abziehbilder klassischer Hollywoodfiguren, außergewöhnliche Motive bleiben ihnen verwehrt. Es gibt den treusorgenden Vater, die aufständische Tochter und den klugen, älteren Wissenschaftler. Selbstverständlich ist es tragisch, wenn ein Familienvater seine Frau und ein Kind verliert, aber das wurde in anderen fiktiven Werken des Mediums auch schon tausendmal erzählt – oftmals glaubwürdiger.

Die gesichtslose Masse

Neben der holprigen Geschichte hat der Film weitere Schwächen. Zwar wird hier ein durchaus glaubwürdiges und von der Grundidee spannendes Thema aufbereitet, jedoch ist der Film in dessen Ausbreitung recht einfältig und ideologisch fragwürdig: Skizziert wird hauptsächlich das Verhalten der intellektuellen und ökonomischen Elite, deren Protagonisten als Retter der Gesellschaft gezeigt werden. Ihre Handlungs- und Opferbereitschaft sollen der Menschheit die Befreiung vom tödlichen Virus bringen. Die Arbeiter und weniger Privilegierten werden im Gegenzug als mehr oder weniger gesichtslose Masse dargestellt, die zum passiven Objekt elitärer Entscheidungsträger verkommt. Selbst der von Matt Damon porträtierte Mitch Emhoff wird zu einer Figur degradiert, welcher außer ihrer strengen Autorität gegenüber seiner Tochter keine Handlungsvollmachten gegönnt werden. Zum Lösen der globalen Krise kann er als Teil der Arbeiterschicht nichts beitragen. Stattdessen wird er, genau wie der von Jude Law verkörperte Alan Krumwiede, durch seine Passivität zur Symbolfigur einer dummen Masse, welche Märkte leerkauft, Läden plündert und Verschwörungstheorien verbreitet. Mehrmals im Film wird dazu das Verschweigen von Informationen mit der Angst vor einer Massenpanik gerechtfertigt, ein demokratischer Diskurs um den Umgang mit dem Virus soll nach Möglichkeit vermieden werden. Die Aussage hier: Demokratie ist schön und gut, aber wenn es um wirklich wichtige Entscheidungen geht, muss die Öffentlichkeit nicht allzu viel davon erfahren. Zwar wird diese Haltung von einigen Figuren auch mal hinterfragt, nach einem kurzen Abwägen entscheidet man sich aber doch dazu, den bereits eingeschlagenen Weg des geringsten Übels weiter zu verfolgen – willkommen im postdemokratischen Zeitalter!

Innovation und Gewöhnlichkeit

Das alles präsentiert uns Soderbergh in einer recht ansprechenden, teilweise sogar innovativen, am Ende aber doch recht einfachen und typischen Hollywoodästhetik. Hierbei ragen vor allem zwei Stilmittel aus der Gewöhnlichkeit heraus: Beleuchtung und Montagen. Sehen wir beispielsweise den Großteil des Films in einem Grünstich, welcher perfekt dazu geeignet ist, die toxische Umgebung adäquat zu unterstreichen, so sind Bilder, in denen gegen das Virus immune Figuren wie etwa einige Ärzte gezeigt werden, in einem hell und „rein“ anmutendem Blau zu sehen. Die Montagen wiederum dienen dazu, die Verbreitung des Virus paralell an mehreren Orten zu zeigen und so ein Gefühl von Gleichzeitigkeit zu erzeugen. Darüber hinaus versteht es Soderbergh, der unter dem Pseudonym Peter Andrews auch die Kameraarbeit übernommen hat, einzelne Aspekte des Films rein über die Bildsprache zu erzählen. Gerade die Szenen, in denen uns der Regisseur die Übertragung des Virus über verschiedene Objekte wie Haltestangen in Straßenbahnen und Bussen zeigt, sind recht schön anzuschauen und markieren neben einigen schön auskomponierten Einzelbildern und Jump Cuts die filmischen Highlights von „Contagion“. Leider ist der Rest typisches Hollywoodkino. Die Bilder sind meist schön glattgebügelt und auf Hochglanz poliert. Hier hätte etwas mehr Mut zum „Dreck“ dem Film sicher gutgetan und ihm zu einer eigenen Identität verhelfen können.

Realität über Fiktion

Soderbergh zeichnet mit „Contagion“ eine Welt, in der die Ereignisse zwar zum Teil stark überzeichnet werden, in deren Gundzügen jedoch viele Aspekte erkennt, mit denen auch die reale Weltbevölkerung gegegenwärtig konfroniert wird. Die Paralellen zur aktuellen Entwicklung des Coronavirus sind dabei erstaunlich, sowohl was das Zeigen von Konsequenzen der Pandemie wie dem Leerkaufen von Supermärkten angeht als auch die Entstehung von Verschwörungstheorien. Zugleich finden sich hier bereits Begriffe wie Herdenimmunität und Reproduktionsrate, mit denen spätestens seit Corona viele Menschen etwas anfangen können. Diese Paralellen sind es wohl auch, welche der Popularität des Films seinen zweiten Frühling bescheren – oder gar ersten, bedenkt man die moderate Aufmerksamkeit, die „Contagion“ zum Zeitpunkt der Kinopremiere beschert war. Die Parallelen enden jedoch gerade im interessanten Teil der Pandemie, nämlich dem Politischen. Hier geht das Thrillerdrama einen anderen Weg, denn während in unserer westlichen Welt vor allem der Ruf nach Transparenz herrscht und es einen breiten öffentlichen Diskurs gibt, ist der Virus in „Contagion“ eine Angelegenheit für die Eliten. Bei Soderbergh geht es da vor allem um die Frage „Wie können die Menschen möglichst schnell zur Normalität zurückkehren?“, während die Öffentlichkeit in der Realität auch Fragen der Nachhaltigkeit stellt sowie alternative Wirtschaftsformen, Lebens- und Gesellschaftsentwürfe ins Zentrum der Diskussion stellt. So ist es ausgerechnet die tatsächliche Coronakrise, welche die Einfältigkeit und den Konservatismus von „Contagion“ entlarvt, denn die breite Masse erscheint in Wirklichkeit deutlich klüger und differenzierter, als Soderbergh es sich in seinem Film eingestehen will.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Soderbergh haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Marion Cotillard, Gwyneth Paltrow und Kate Winslet unter Schauspielerinnen, Filme mit Matt Damon, Laurence Fishburne und Jude Law in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 24. Februar 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Contagion
USA 2011
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Scott Z. Burns
Besetzung: Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Laurence Fishburne, Jude Law, Kate Winslet, Marion Cotillard, Tien You Chui, Josie Ho, Daria Strokous, Griffin Kane, Yoshiaki Kobayashi, John Hawkes, Monique Gabriela Curnen
Zusatzmaterial: Featurette „Contagion – Wie ein Virus die Welt verändert“
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2020 by Lucas Gröning

Unterer Packshot: © 2012 Warner Home Video

 
 

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Gewinnspiel: 3 x Solaris als Blu-ray im Mediabook

Verlosung

Auf einer den sonderbaren Planeten Solaris umkreisenden Raumstation erlebt der von George Clooney verkörperte Psychologe Chris Kelvin Mysteriöses. FilmConfect Home Entertainment hat uns von Steven Soderberghs Stanislaw-Lem-Verfilmung „Solaris“ (2002) drei Blu-rays im Mediabook zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 2,60 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Simons Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 5. Mai 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Frank Idstein,
– Michael Kleu,
– Thomas aus Hamburg.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Solaris“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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James Cameron (V): Solaris – Stanislaw Lem war gar nicht angetan

Solaris

Ja, dies ist zweifellos eher ein Steven-Soderbergh-Film als ein James-Cameron-Film. Da Cameron „Solaris“ aber produziert hat, reihen wir diese Rezension dreisterweise in seine Werkschau bei „Die Nacht der lebenden Texte“ ein. (Anm. des Bloggers)

Von Simon Kyprianou

Science-Fiction // Einem mysteriösen Hilferuf seines Freundes Gibarian (Ulrich Tukur) folgend, reist der Psychologe Chris Kelvin (George Clooney) zu Raumstation, auf der Gibarian stationiert ist – sie umkreist den Planeten Solaris. Dort findet er seinen Freund tot vor, angeblich habe er Selbstmord begangen. Die übrigen Astronauten auf der Raumstation (unter anderen Viola Davies) führen eine furchtsame, gespenstische Existenz, ohne Kelvin genau berichten zu können, was sie so verängstigt. Der erlebt die Auswirkungen von Solaris am eigenen Leib, als plötzlich seine verstorbene Frau Rheya (Natascha McElhone) vor ihm steht. Bald wollen die Menschen auf der Station vor dem Fiebertraum des mysteriösen Planeten zurück zur Erde fliehen.

Der Psychologe Chris Kelvin reist zum Planeten Solaris

Anders als in der gleichnamigen Romanvorlage des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lem und anders als in Andrei Tarkowskis filmischer Umsetzung von 1971 konzentriert sich Steven Soderbergh beinahe ausschließlich auf die Beziehung der beiden Liebenden und nicht so sehr auf die Koexistenz des Menschen mit der außerirdischen Lebensform des Ozeans, der Solaris bedeckt, die durch wundersame Weise in die Tiefe des menschlichen Wesens eindringen kann. Die Liebesgeschichte aber bleibt, wie die Bilder, an der Oberfläche, und die einander im Weltall so fatal Liebenden besitzen keine Fallhöhe.

Liebesgeschichte ohne Fallhöhe

Soderbergh gelingt keine Erzählung, keine wirksame Liebes-Erzählung, und ebenfalls keine Erzählung über das Wesen unserer Erinnerungen, was den Kern von Tarkowskis Versuch darstellte. Denn dafür müssten Soderberghs Oberflächen in eine Tiefe münden, wie die Manifestationen der Erinnerungen in die Vergangenheit oder in die Innerlichkeit der Figuren verweisen, aber das tun sie in Soderberghs Film nicht. Sein Kino ist immer dann ganz bei sich, wenn es in den Filmen selbst um Oberflächen geht, die Sinnlichkeit der Körper in „Magic Mike“, die Zerstörung von Körpern in „Haywire“, die Oberflächlichkeit der artifiziellen Welten in den „Oceans“-Teilen und die obsessive Beobachtung der technischen Abläufe in seinen Heist-Filmen. Und so elegant die Bilder von „Solaris“ auch komponiert und ausgeleuchtet sind, sie gehen dabei nicht über sich selbst hinaus, dringen nicht in die Tiefe vor, aber dort liegen die Erinnerungen und Schmerzen, die diese Liebesgeschichte konstituieren. Da der Film nicht zu dieser Tiefe findet, sind die Bilder zwar hübsch, aber langweilen bald schon, die Gefühle, die der Film zu erzählen versucht, bleiben ohne ein Gefühl für deren Fallhöhe und wirken bloß behauptet, schnell verliert man das Interesse an dem Film.

Missbilligung von Stanislaw Lem

George Clooney spielt eindrücklich einen Mann, der jede Sicherheit für sich selbst verloren hat. und Natascha McElhone nimmt eine geisterhafte Präsenz ein. Wenigstens in diesem undurchdringlichen und ungebrochenen Gefühl für die Unsicherheit gegenüber dem eigenen Wesen, das die Schauspieler heraufbeschwören, entsteht ein interessanter Aspekt, der den Film mit einem Gefühl für den unheilvoll verschwommenen Blick in das eigene Innere füllt, das die Inszenierung nicht herzustellen vermag und das in Tarkowskis Film deutlich dringlicher zum Vorschein kommt. Der Romanautor selbst jedenfalls hält Soderberghs Regiearbeit für „Blödsinn“. In seinem Roman sei es um das „Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz“ gegangen, nicht um Liebesgeschichten. Dagegen sei „sogar Tarkowskis Version ein Geniestreich“. Welche Stanislaw-Lem-Verfilmungen könnt Ihr empfehlen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Cameron und Steven Soderbergh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit George Clooney in der Rubrik Schauspieler.

Trugbild oder real? Kelvins verstorbene Frau Rheya taucht auf

Veröffentlichung: 1. März 2019 als Blu-ray im Mediabook, 19. Oktober 2018 als Blu-ray, 13. April 2018 als DVD, 29. September 2017 als Blu-ray im Digipack, 12. Mai 2017 als Blu-ray im Mediabook und als Blu-ray im Futurepak, 4. August 2005 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch
Originaltitel: Solaris
USA 2002
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Steven Soderbergh, nach dem Roman von Stanislaw Lem
Besetzung: George Clooney, Natascha McElhone, Jeremy Davies, Ulrich Tukur, Viola Davis
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Featurettes, Script, nur 2017er-Mediabook: 20-seitiges Booklet, Kinoplakat
Label/Vertrieb: FilmConfect Home Entertainment
Label/Vertrieb 2005er-DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2019 by Simon Kyprianou
Szenenfotos & Packshots: © FilmConfect Home Entertainment

 
 

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