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Rambo – Last Blood: Welcome to Hell!

Rambo – Last Blood

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Rachedrama // John Rambo (Sylvester Stallone) ist nach den Ereignissen in Burma („John Rambo“) in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekehrt und lebt seit zehn Jahren auf der Farm seiner verstorbenen Eltern. Geplagt von den Dämonen der Vergangenheit sucht er einen neuen Sinn im Leben, indem er sich wie ein Vater um die junge Gabrielle (Yvette Monreal) kümmert, Tochter seiner Haushälterin und alten Freundin Maria (Adriana Barraza). Der Schutz des Teenagers – vom mexikanischen Vater am Sterbebett der Mutter zurückgelassen – ist zur Hauptaufgabe des gealterten Helden geworden. In der übrigen Zeit betreibt Rambo eine Pferdezucht und unterzieht das Grundstück der Farm mit einem unterirdischen Stollensystem.

Rambo genießt mit seiner Nichte den Frieden auf der heimischen Farm

Als Gabrielle heimlich nach Mexiko fährt, um ihren Vater aufzuspüren, gerät sie in die Fänge der Gebrüder Martinez (Óscar Jaenada, Sergio Peris-Mencheta) und deren Mädchenhandelrings. Rambo gelingt es zwar, Gabrielle zu befreien, doch die geschundene junge Frau stirbt auf der Rückreise. Der Veteran schärft daraufhin sein Messer und zieht erneut in den Krieg.

Doch als er sie zu Grabe tragen muss …

Hier ist er nun also, der fünfte und (angeblich) letzte Teil der Reihe um die ikonische Kampfmaschine. 37 Jahre nach dem Erstlingswerk beherrscht der inzwischen 73-jährige Sylvester Stallone seinen Helden aus dem Effeff. Ja, er lebt und atmet Rambo mit jeder Pore. Das Interessante an der Figur ist sicherlich, dass sie mit ihrem Darsteller gealtert ist und nicht, wie andere Filmfiguren, einfach neu besetzt wird. Das gibt nicht nur der Figur eine gewisse Tiefe, sondern verleiht der ganzen Reihe eine wohltuende Endlichkeit. Zum Glück (und im Unterschied zu manch anderen Dauerbrennern) funktioniert der Abschlussfilm der Reihe als ultrabrutales Rachedrama ganz ausgezeichnet. Die Actionszenen sind herausragend in Szene gesetzt, die Kamera bewahrt den Überblick und von einer unliebsamen Schnittorgie wird zum Glück Abstand gehalten.

… schärft er wieder sein legendäres Messer

Auch das Setting der doch recht simplen Geschichte passt hervorragend zu den Fähigkeiten der Hauptfigur und zur Prämisse, dass richtig böse Menschen in dieser schablonenhaften Welt mit aller Gewalt und blutigster Brutalität zur Strecke gebracht werden dürfen. Wer Filme wie „Sicario“ (2015) gesehen oder, noch besser, die „Art Keller“-Trilogie von Don Winslow gelesen hat, weiß, dass die Brutalität der agierenden Schurken nicht einmal überzeichnet ist. Lediglich treffen die nicht bedauernswerten Antagonisten mit Rambo auf einen Charakter, der diese Sprache der Gewalt um ein Vielfaches besser zu sprechen vermag. Regisseur Adrian Grunberg zeichnet nach „Get the Gringo“ (2012) mit Mel Gibson erneut kein freundliches Bild Mexikos, und ein wenig erinnert „Rambo – Last Blood auch an die „96 Hours – Taken“-Reihe mit Liam Neeson.

Die Brüder Martinez (M.) halten sich für richtig böse Motherfuckers

Wie gut Stallone seine Figur inzwischen kennt, merkt man am Drehbuch, an dem er wieder mitgeschrieben hat. Da ist keine Szene zu viel, keine Emotion übertrieben oder fehl am Platz und die Dialoge immer zur innerlich gebrochenen Figur passend. Während Rambo seine Wut und seine Traumata in der relativ langen Einführungsphase des Films noch mit Psychopharmaka unter Kontrolle zu halten versucht und auch den Tod Gabrielles mit stoischer, gleichwohl von tiefer innerer Verzweiflung geprägter Geste wahrnimmt, ist seine Antwort auf das Verbrechen und seine Rache umso radikaler. Der Tod solle über die Täter kommen und sie sollen dadurch seinen Schmerz spüren, sagt Rambo zu einer Helferin in Mexiko. Und er macht sein Versprechen wahr und massakriert einen der Brüder Martinez sowie etliche weitere Schurken im gewohnten Einzelkämpfermodus. Auch dass er dadurch eine halbe Armee, angeführt vom überlebenden Bruder und Oberschurken, auf seine Farm und in sein Tunnelsystem zu locken vermag, ist Teil des Plans und nur folgerichtig hinsichtlich der Logik der Reihe. Apropos Tunnel, die erinnern natürlich an das Höhlenlabyrinth im ersten Teil, aber auch an die berühmten Geheimgänge des Vietcongs – dieses Mal ist allerdings nicht der Feind dort zu Hause, sondern der gealterte Todesengel in Menschengestalt.

Rambo hat sich sogar eine unterirdische Waffenschmiede eingerichtet

Er könne die Welt nicht kontrollieren, sagt Rambo mehrmals zu sich selbst, doch wenn seine unkontrollierte Wut entfesselt wird, kann auch die Welt ihn nicht mehr kontrollieren. Dann will er seinem Gegner im wahrsten Sinne des Wortes das Herz herausreißen, damit dieser den Schmerz spürt, der wie ein gefangenes Tier durch den Körper des Kriegers pulsiert und lediglich in brutalster Rache und Vergeltung ein Ventil nach außen findet. Ob man dieser Art der Schmerz- und Konfliktbewältigung nun eher kritisch gegenübersteht oder sie feiert, sie ist hinsichtlich der nun 37 Jahre fortlaufenden Geschichte eine mythologische Gewissheit geworden. Genauso, wie es in der Welt des John Rambo niemals ein Happy End geben kann.

Im Tunnelsystem wartet der Tod

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Auch der legendäre Bogen kommt wieder zum Einsatz

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Rambo – Last Blood
USA 2019
Regie: Adrian Grunberg
Drehbuch: Matthew Cirulnick, Sylvester Stallone
Besetzung: Sylvester Stallone, Paz Vega, Yvette Monreal, Louis Mandylor, Óscar Jaenada, Sheila Shah, Sergio Peris-Mencheta, Jessica Madsen, Marco de la O, Adriana Barraza, Díana Bermudez, Atanas Srebrev, Nick Wittman, Aaron Cohen
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Florian Schneider
Filmplakate & Szenenfotos: © 2019 Universum Film

 

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John Rambo – Flussaufwärts ins Grauen

Rambo

Von Volker Schönenberger

Live for nothing, or die for something.

Kriegs-Action // Obiges Zitat aus „John Rambo“ ist vielleicht mein Lieblings-Oneliner aus dem Mund von Sylvester Stallone. Lebt für gar nichts, oder sterbt für etwas. Geht mehr Pathos?

Kurz zu den Vorgängern: „Rambo“ („First Blood“, 1982) gilt völlig zu Recht als einer der großen Actionklassiker der 1980er-Jahre und hat mit der unwürdigen Behandlung der Vietnamveteranen in den USA sogar ein gesellschaftsrelevantes Thema aufgegriffen. In „Rambo II – Der Auftrag“ („Rambo – First Blood Part II“, 1985) verschlägt es den Titelhelden zurück nach Vietnam, wo er GIs aus der Kriegsgefangenschaft befreit. „Rambo III“ (1988) schließlich zeigt ihn in Afghanistan, wo er an der Seite der Mudschaheddin gegen die sowjetischen Invasoren kämpft, nicht zuletzt, um seinen Boss Colonel Trautman (Richard Crenna) zu befreien. Beide Fortsetzungen eint, dass sie echte Kinder der reaktionären Reagan-Ära sind und ein simples Gut-Böse-Weltbild des Kalten Krieges befeuern, das die Sowjetunion als den erklärten Feind ausmacht.

Das idyllische Dasein auf dem Fluss …

Die Schwarz-Weiß-Malerei gilt ebenso für „John Rambo“ von 2008, sind doch die Soldaten der Militärjunta von Burma (Myanmar) bösartig gezeichnete Missetäter, letztlich nichts weiter als Kriegsverbrecher. An dieser Charakterisierung muss man natürlich nichts auszusetzen haben, Militärdiktaturen und ihre Exekutivgewalten sind ja per se kritisch zu betrachten. Im konkreten Fall werden der arg beschönigend Staatsrat für Frieden und Entwicklung betitelten Militärregierung von Myanmar zahlreiche Menschenrechtsverletzungen und die Verfolgung von Minderheiten und Oppositionellen vorgeworfen.

Treibjagd im Minenfeld

Der Film beginnt dann auch mit authentischen Aufnahmen einiger Ereignisse rund um den Militärputsch. In der Folge sehen wir einen Soldatentrupp, der eine Schar gefangener Zivilisten in ein mit Minen gespicktes Reisfeld treibt. Nachdem einer von ihnen von einem Sprengsatz zerfetzt wurde, lässt Major Tint (Maung Maung Khin) seine Soldaten das Feuer auf die Unglückseligen eröffnen.

… findet bald ein Ende

John Rambo (Sylvester Stallone) führt zwei Jahrzehnte nach den Ereignissen in Afghanistan ein geruhsames Leben in Thailand. Er fängt Schlangen und Fische und bessert mit Bootstouren auf dem Salween sein Einkommen auf. Eine Schar US-Missionare um ihren Anführer Michael Burnett (Paul Schulze) bittet ihn, sie mit seinem Boot über die Grenze ins benachbarte Burma zu bringen. Sie wollen dem verfolgten Volk der Karen Hilfsgüter und Bibeln überbringen. Burnett kann ihn zwar nicht zu dem gefahrvollen Trip überzeugen, aber die Missionarin Sarah Miller (Julie Benz) lässt nicht locker, und schließlich findet sich John Rambo mit der humanitären Gruppe an Bord auf einem Bootstrip stromaufwärts wieder. Es wird erwartungsgemäß eine Reise ins Herz der Finsternis.

Rambo und Rocky

Man kann über Sylvester Stallone und seine schauspielerischen Fähigkeiten viel Häme ausschütten, und das ist im Lauf der Jahre auch hinlänglich geschehen. Aber das kann er wegstecken. Welcher Schauspieler kann schon für sich in Anspruch nehmen, zwei derartigen Ikonen der Filmgeschichte wie John Rambo und Rocky Balboa ein Gesicht gegeben zu haben? Als Actionfilme funktionierten und funktionieren die „Rambo“-Filme allesamt nach wie vor ganz ausgezeichnet, aller Kritik am zweiten und etwas trashigen dritten Teil zum Trotz. John Rambo ist natürlich eine tragische Gestalt. Eine tödliche Kampfmaschine, zum Killer bestimmt, ohne einer sein zu wollen – und das gar nicht mal von außen aufgezwungen, sondern weil es ihm im Blut liegt. Zwar wird diese Ambivalenz in Teil 2 und 3 beinahe vollständig aufgelöst, doch entdeckt die blutdürstige Seele des Soldaten erst in „John Rambo“ ihr wahres Wesen. When you’re pushed, killing’s as easy as breathing. Natürlich nur im Dienst einer guten Sache!

Sarah begibt sich in Lebensgefahr

Gedreht wurde „on location“ in Thailand und sogar Myanmar. Herrlich die Szene, in der Rambo eine Gruppe mit der Rettung der Missionare beauftragter Söldner flussaufwärts fährt: Er steht wortlos am Steuer, während sich der missmutige Wortführer Lewis (Graham McTavish, „Der Hobbit“-Reihe) als großspurige Labertasche gebärdet. Als die Söldner das Boot verlassen, geht Rambo wie selbstverständlich davon aus, sie zu begleiten, doch Lewis verweigert seine Unterstützung. Bald darauf bekommt Rambo Gelegenheit zu seinem grandiosen Kurz-Monolog, mit dem ich diesen Text eröffnet habe: Any of you boys want to shoot, now’s the time. There isn’t one of us that doesn’t want to be someplace else. But this is what we do, who we are. Live for nothing, or die for something. Your call. Er kennt eben die Mentalität der Söldner, weil sie seine eigene ist: Sie alle wollen zwar gerade überall sein, nur nicht dort, wo sie gerade sind. Aber das ist es eben, was sie tun, das ist es, wer sie sind. Derlei Alphatier-Sprüche machen „John Rambo“ natürlich zu einem Männerfilm, über den Feingeister die Nase rümpfen. Aber lasst uns doch unsere Freude! Technisch ist „John Rambo“ als Actionfilm über Zweifel erhaben. Dramaturgie und Spannungsbogen funktionieren sehr gut, alle Achtung, Sylvester Stallone! Der Gute hat sich selbst auf den Regiestuhl gesetzt, zum bis dato siebten Mal (darunter vier „Rocky“-Filme). Stallones Gespür für Timing zeigt sich auch in der Länge des Films – die klassischen anderthalb Stunden passen genau.

Zügig auf dem Index

Die Gewalt zeigt Stallone völlig ungeschönt und drastisch, wobei die Unterstützung des Computers ein paar Mal zu deutlich zu erkennen ist, Stichwort: Blutfontänen. Härteste Szene ist zweifellos die, in der Rambo sich eines auf einem Geländewagen montierten Maschinengewehrs bemächtigt, erst einmal den Fahrer buchstäblich in Stücke schießt und im Anschluss voll auf die feindlichen Soldaten hält, deren Körper von den Salven zerteilt werden. Etliche weitere Szenen halten das brutale Niveau, und die FSK zeigte sich ob dieser Gewaltdarstellung ungnädig und verweigerte der ungeschnittenen Fassung die Freigabe, weshalb sie 2008 parallel zur zensierten FSK-18-Fassung mit SPIO/JK-Siegel (keine schwere Jugendgefährdung) veröffentlicht wurde. Im selben Jahr wurde sie von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

John Rambo greift ein

Der Body Count ist immens, und spätestens wenn im explosiven Showdown sogar Missionar Michael Burnett jegliche Contenance verliert und einen burmesischen Soldaten mit dem Stein erschlägt, wird deutlich, dass Pazifismus nicht die Botschaft des Films ist. Ich entsinne mich einer Diskussion in irgendeinem Internetforum vor Jahren, in der ein Teilnehmer allen Ernstes behauptete, bei „John Rambo“ handle es sich um einen Antikriegsfilm. Tatsächlich ist er alles andere als das. Zu monströs werden die burmesischen Täter in Uniform dargestellt, allen voran ihr Anführer Major Tint, zu sehr wünschen wir uns, dass er und seine Leute ihre gerechte Strafe erhalten und draufgehen.

Sylvester Stallone suchte sich als Setting für den Film bewusst einen bestehenden Konflikt aus, der damals kaum in der Weltöffentlichkeit präsent war – so kam er auf die Unterdrückung des Karen-Volks durch die burmesische Militärjunta. Ich entsinne mich auch, dass die verfolgte Minderheit durch „John Rambo“ tatsächlich weltweit Aufmerksamkeit erhielt. Mit Maung Maung Khin ließ Stallone einen echten Karen-Rebellen mitwirken – er gab ihm ausgerechnet die Rolle des grausamen Major Tint. Den Trivia der IMDb zufolge übernahmen burmesische Freiheitskämpfer später Zeilen aus dem Film als Schlachtrufe, darunter natürlich auch Live for nothing, or die for something.. Dieser Umstand gehört zu den stolzesten Momenten, die Stallone in seiner Karriere erlebt hat, wie er daraufhin kundtat.

Stallones Langfassung ein Jahr später

Obwohl „John Rambo“ in der ungeschnittenen Fassung auf mich rund wirkt, ließ es sich Sylvester Stallone 2009 nicht nehmen, einen Extended Cut hinterherzuschieben. Er hatte zwar auch beim Schnitt der Kinofassung ausreichend Mitspracherecht gehabt, entschied sich aber später dennoch, etwas mehr charakterliche Tiefe in den Film und beispielsweise John Rambos Beziehung zur Missionarin Sarah mehr Raum zu geben. Diese Schnittfassung hat es bislang nicht nach Deutschland geschafft. Ob sich das im Zuge der aktuell gestiegenen Aufmerksamkeit für das Franchise dank des neuen Kinofilms „Rambo – Last Blood“ ändern wird, ist spekulativ, einstweilen verweise ich auf den beide Fassungen vergleichenden Schnittbericht.

Sylvester Stallone galt kurz nach der Jahrtausendwende als Auslaufmodell, Relikt vergangener Action-Zeiten, doch dann gelang ihm binnen weniger Jahre mit seinen beiden Signature-Rollen ein bemerkenswertes Comeback – zwei Jahre vor „John Rambo“ hatte er 2006 mit „Rocky Balboa“ in die Erfolgsspur zurückgefunden. 2010 rief er mit „The Expendables“ gar ein weiteres Franchise ins Leben. Es sei ihm gegönnt. „John Rambo“ geht als Action-Highlight der Nullerjahre durch und toppt die beiden Vorgänger der Reihe spielend.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 28. Mai 2010 als Blu-ray (Premium Collection, FSK 18), 24. Juli 2009 als Blu-ray, 29. Juni 2008 als Blu-ray (SPIO/JK) und Blu-ray (SPIO/JK) im Steelbook, 27. Juni 2008 als DVD (FSK 18), DVD (SPIO/JK) und DVD (SPIO/JK) im Steelbook

Länge: 91 Min. (Blu-ray, SPIO/JK), 89 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD, SPIO/JK) 85 Min. (DVD, FSK 18)
Altersfreigabe: FSK 18 bzw. SPIO/JK
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Rambo
D/USA 2008
Regie: Sylvester Stallone
Drehbuch: Art Monterastelli, Sylvester Stallone
Besetzung: Sylvester Stallone, Julie Benz, Matthew Marsden, Graham McTavish, Reynaldo Gallegos, Jake La Botz, Tim Kang, Maung Maung Khin, Paul Schulze
Zusatzmaterial: Making-of, deutscher Kinotrailer
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshots deutsche Blu-rays: © Warner Home Video

 

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F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg: Gewerkschafter in den Fängen des Mobs

F.I.S.T.

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Über den guten Sly und seine begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten ist im Lauf seiner Karriere viel Häme ausgeschüttet worden – etliche Goldene Himbeeren sprechen Bände, darunter die als schlechtester Schauspieler des Jahrzehnts 1990 sowie des Jahrhunderts im Jahr 2000 – für 99,5 Prozent von allem, was er je gemacht habe. Dazu hat zweifellos Sylvester Stallones bisweilen suboptimale Rollenwahl beigetragen, auch einige Teile seiner an sich ikonischen Reihen „Rocky“ und „Rambo“ sind nicht frei von Kritik. Wenn er denn mal überzeugend ablieferte, wie 1997 in James Mangolds „Cop Land“ an der Seite von Schwergewichten wie Robert De Niro und Harvey Keitel, wurde das als einmaliger Ausrutscher nach oben abgetan. Dabei wird oft verkannt, dass Stallone zu Beginn seiner Karriere ein paar guten Figuren Profil verlieh, allen voran natürlich seinem Rocky Balboa in „Rocky“. Dafür gab’s 1977 gar nicht mal unverdiente Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe als bester Hauptdarsteller – für sein Drehbuch ebenfalls. Auch an seiner Verkörperung des Mafiosos Frank Nitti im Gangsterdrama „Capone“ (1975) gibt es wenig auszusetzen. Über die hierzulande später unter dem Titel „Randy – Die Sexabenteuer des Sylvester Stallone“ bekannt gewordene 1970er-Entgleisung „The Party at Kitty and Stud’s“ decken wir einfach den Mantel des Schweigens.

Sylvester Stallone als Arbeiterführer

Mimisch und stimmlich ist er zweifellos limitiert, was natürlich auch mit seiner geburtsbedingten Muskellähmung im Gesicht zu tun hat, aber dieses Manko lässt sich mit passender Rollenwahl ausgleichen. Das gelang dem 1946 in New York City geborenen und in Philadelphia aufgewachsenen Sylvester Stallone 1978 auch mit „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“. Er verkörpert darin den Hilfsarbeiter Johnny Kovak, der sich im Cleveland des Jahrs 1937 zu Beginn die Drangsalierungen seines Arbeitgebers nicht gefallen lässt und dafür prompt mit all seinen Kollegen gefeuert wird. Doch er ist einigen Leuten positiv aufgefallen und wird daher von der Fernfahrergewerkschaft „F.I.S.T.“ engagiert (der fiktiven „Federation of Interstate Truckers“). Derweil macht er auch der aparten Litauerin Anna Zarinkas (Melinda Dillon) den Hof. Johnny und sein bester Kumpel Abe Belkin (David Huffman) lassen sich von der Arbeitgeberseite nicht einschüchtern, organisieren einen Streik. Als der eskaliert, kommt ihnen Johnnys Freund aus Jugendtagen Vince Doyle (Kevin Conway) zu Hilfe, der sich im organisierten Verbrechen einen Namen gemacht hat. In der Gewerkschaftshierarchie steigt Johnny nun auf, doch die Unterstützung durch Mobster ist ein zweischneidiges Schwert.

Johnny macht Anna den Hof …

Zwar inszeniert Regisseur Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“, 1967) das New-Hollywood-Krimidrama als fiktive Geschichte, die inhaltliche Nähe von „F.I.S.T. – ein Mann geht seinen Weg“ zu wahren Begebenheiten um die Transportarbeitergewerkschaft Teamsters und ihren kriminellen Führer Jimmy Hoffa ist jedoch unverkennbar. Hoffa verschwand am 30. Juli 1975 unter ungeklärten Umständen. 1992 drehte Danny DeVito das Biopic „Hoffa“ mit Jack Nicholson in der Titelrolle.

… und hat damit Erfolg

Stallones Johnny Kovak manövriert sich mit steigender Macht immer mehr in eine ausweglose Situation hinein. An sich will er seinen Idealen von Gerechtigkeit für die Arbeiter treu bleiben, doch mehr und mehr lässt er sich korrumpieren, erkennt auch keinen Ausweg aus der Verbindung zum organisierten Verbrechen. Dieses Dilemma verkörpert Sylvester Stallone mit einer Mischung aus Coolness und Leidenschaft. Meist verfolgen wir das Geschehen aus Johnny Kovaks Perspektive, die dadurch entstehende Nähe zu ihm macht es phasenweise schmerzhaft, seinen Aufstieg und Fall über mehrere Jahre zu verfolgen. Die sorgfältige Ausstattung trägt dazu bei, ein authentisch wirkendes Bild einer maroden Gewerkschaftsbewegung zu zeichnen, die mit dem hehren und legitimen Ziel aufgebrochen war, der Arbeiterschaft würdige Bedingungen zu verschaffen. In Nebenrollen werten Rod Steiger als Senator und Brian Dennehy als Gewerkschafter die Besetzung auf.

Erstmals ungekürzt in Deutschland

Koch Films hat hierzulande erstmals die ungekürzte US-Fassung von „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“ veröffentlicht. Bis dato war europaweit nur eine um eine runde Viertelstunde gekürzte Fassung erhältlich gewesen, deren Lücken spürbar sind. Zu den Unterschieden beider Fassungen sei auf den Schnittbericht verwiesen. Auf der Blu-ray von Koch ist die europäische Fassung im Zusatzmaterial enthalten, sie ist aber entbehrlich. Löblich, dass auch deutsche Stallone- und Film-Fans nun endlich in den vollen Genuss dieses trotz seiner Länge durchweg fesselnden Krimidramas kommen – die zusätzlichen Szenen sind nicht neu synchronisiert, sondern mit Untertiteln eingefügt worden. Ein Stern in Stallones Filmografie. Und nach „Creed – Rocky’s Legacy“ (2015) haben ihn ja sogar die Ausrichter der Goldenen Himbeere mit dem Himbeeren-Erlöser-Preis rehabilitiert.

Er steigt zum mächtigen Gewerkschaftsboss auf …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und wird vor einen Untersuchungsausschuss zitiert

Veröffentlichung: 25. Januar 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 145 Min. (Blu-ray), 131 Min. (Blu-ray, deutsche Kinofassung), 140 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: F.I.S.T.
USA 1978
Regie: Norman Jewison
Drehbuch: Joe Eszterhas
Besetzung: Sylvester Stallone, David Huffman, Melinda Dillon, Kevin Conway, Rod Steiger, Brian Dennehy, Peter Boyle, Tony Lo Bianco, Ken Kercheval
Zusatzmaterial: Interviews mit Regisseur Norman Jewison und Autor Joe Eszterhas, englischer Trailer, Bildergalerie, Wendecover, nur Blu-ray: deutsche Kinofassung
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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